tzersfelder Tageblatt
für den Kreis Hersfeld
Willi«
Amtlicher Anzeiger
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be-
zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei SClJlClOtl ^»rsfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld. '
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Nr. 90.
Sonntag, den 18. April
1915
Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich auf der letzten Seite.
Bus der Heimat«
* (Ansprüche an die Angestelltenverst ch e r u n g.) Die Hinterbliebenen eines versicherten Angestellten, der im Kriege fällt oder an den Folgen einer Kriegsbeschädigung stirbt, haben in der Regel noch nicht Anspruch auf Rente, weil er die erforderliche Wartezeit noch nicht zurücklegen konnte. Rente können die Hinterbliebenen nur in dem Ausnahmefall erhalten, daß der Verstorbene durch eine einmalige Einzahlung (Prämienreserve) die Wartezeit so weit abgekürzt hat, daß insgesamt 60 Pflichtbeiträge entrichtet sind. Wenn dagegen, wie es in der Regel der Fall ist, beim Todesfall des Versicherten ein Anspruch auf Rente nicht besteht, so wird auf Antrag die Hälfte, bei freiwillig Versicherten drei Viertel der gezahlten Beiträge zurückerstattet. Anspruch auf diese Rückzahlung haben jedoch ausschließlich die Witwe oder, falls eine solche nicht vorhanden ist, die Hinterbliebenen Kinder unter achtzehn Jahren.
* (Feldpostpakete an die österreichische Fron t.) Von jetzt ab können bei den deutschen Postanstalten bis auf weiteres wieder gewöhnliche Pakete von 5 Kilogramm an Angehörige und zugeteilte Personen der österreichisch-ungarischen Feldarmee gegen eine einheitliche Gebühr von 50 Pfennig eingeliefert werden. Die in Deutschland erlassenen Ausfuhrverbote werden auf diese Pakete nicht angewendet, auch ist ihr Inhalt in Oesterreich-Ungarn zollfrei. Die näheren Versendungsbedingungen usw. für die Pakete werden bei allen Postanstalten durch Aushang bekanntgegeben werden.
* (Welches sind die a n b a u w ü r d i g st e n Gemüse?) Wenn immer und immer wieder Anregungen für Früh-, wie überhaupt Gemüsebau gegeben werden, so seien hier vornehmlich die Arten genannt, die nicht als Beikost, sondern mehr als Hauptkost in Frage kommen und verhältnismäßig auch schnell heranwachsen. Dazu gehören Karotten (gelbe Rüben), Möhren, Buschbohnen, Rote Rüben (Salatrüben, Aegyptische plattrunde), frühe, mittelfrühe und späte Oberkohlrabi. Römischkohl, alle frühen Kohlarten als Wirsing-, Rot- und Weißkraut. Bei dieser Einteilung der angebauten Gemüse über- sehe man aber keinesfalls den erforderlichen Bedarf an Spätgemüsen, und rechne mit deren Anbau nicht allein auf bereis abgeerntete Flächen, sondern bemesse dafür ebenfalls ein entsprechendes Stück Land. Mit Rücksicht darauf, daß Bohnen und Karotten an den Boden die wenigsten Anforderungen stellen, sollten gerade diese Arten nach Möglichkeit angebaut werden. Bei beiden Gemüsearten ist auch eine augenblickliche Verwendung nicht unbedingt notwendig, Bohnen können unbeschadet trocken werden und Karotten bis in den Winter hinein verbleiben ohne irgend eine Einbuße. Alle anderen Gemüse sollten nur im beschränkten Umfange angebaut werden, indem sie weniger als Hauptkost, vielmehr als Beikost anzu- sehen sind.
* Die Blutlaus, der s ch l i m m st e Feind unserer Apfelbaumbestände, beginnt Mitte April ihre Wanderungen. Die bis jetzt in Kolonien zusammenwohnenden Insekten laufen auseinander, um neue Kolonien zu bilden. Es ist deshalb erforderlich, da, wo die Blutlaus ausgetreten ist, ihre Bekämpfung erneut mit aller Energie aufzunehmen.
§ Hersfeld, 17. April. Die Maul- und Klauen seuche ist weiter ausgebrochen in Neuenbrunslar und auf Domäne Fahre (Kr. Melsungen), in Niedergrenze- bach und Siebertshausen (Kr. Ziegenhain), in Bebra und in Altenbauna. Im Stadtbezirk Einbeck ist sie erloschen.
) :( Hersfeld, 17. April. Dieser Tage fand die Abschlußprüfung des K l e i n k i n ü e r l e h r e r i n n e n- SeminarS in Cassel statt. Es bestanden die Schülerinnen Käthe Großkurth aus Unterhaun und Auguste Becker aus Rotenburg.
§ Hersfeld, 17. April. Gesuche um Beurlaubung von Schulkindern zu landwirtschaftlicher Arbeit sind an die Orts- Schultnspektoren zu richten. Bekanntlich hat die Königliche Regierung (Abteilung für Kirchen und Schulwesen) durch einen Erlaß die Ortsschulinspektoren ermächtigt, nach Benehmen mit den Schulvorständen den Schülern der letzten vier Schuljahre zur Mithilfe an landwirtschaftlichen Arbeiten soweit Urlaub zu erteilen, als es nach den örtlichen Verhältnissen notwendig und gerechtfertigt erscheint. £ ...
8 Hersfeld, 17. April. Die Notprüfungen an L a n d w i r t s ch a f t S s ch u l e n im weiteren Verlauf des KriegeS regelt in einer Besonderen Verfügung der Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten an die Aufsichtsbehörden der Landwirtschafts- schulen. Auch in Zukunft können vorläufig Schüler der oberen Klasse der Landwirtschaftsschulen zu Not- entlassung-prüfungen zugelassen werden, wenn sie
ihre Annahme für den Heeresdienst nachweisen. Dem Heeresdienst gleich zu rechnen ist der Dienst in der freiwilligen Krankenpflege. Voraussetzung ist dabei aber, daß der Schüler sich für den Dienst im Etappengebiet und nicht im Heimatgebiet für die ganze Dauer des Krieges verpflichtet hat. Auch muß er für diesen Dienst angenommen worden sein. Für Schüler, die erst Ostern in die oberste Klasse aufgerückt sind, dürfen Notprüfungen erst vom 1. Juni an abgehalten werden.
) :( Hersfeld, 16. April. Mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet wurde Valentin L o tz, Wachtmeister aus Rhina. —
) :( Hersfeld, 16. April. Auf dem Felde der E h r e fielen. Königs-Jnf.-Regt. 145. Unteroffizier d. R. Heinrich Bornträger, Ktrchheim, tot. — Füselier-Regt. 40. Füselier Valentin Hodes, Hünfeld, gefallen. — Jnf.-Regt. 71. Wehrmann Heinrich Berge, Niedergude, Rotenburg tot. — Heinrich Schütrumpf, Hilmes, vermißt. — Jnf.-Regt. 136. Offizier-Stellvertreter Karl Kolawick, Obersuhl, tot. — Jnf.Regt. 151. Unteroffizier H. Schott, Odensachsen, vermißt. — Jnf.-Regt. 167. Musketier Ernst Wenk, Sorga, tot. — Res. Siegmund Jaeob, Breitenbach a. H., tot. — Kriegsfreiw. Heinrich Schmidt, Friedewald, vermißt. — Joh. Frank Kalkobes,. tot. — Joh. Heinz, Heringen, tot. — Res.-Jnf.-Regt 251. Adam Gundlach, Raboldshausen, vermißt. — Johannes Heußner, Hilmes, vermißt. — Adam Adolph Unterhaun, vermißt. — Brig.-Ersatz-Batt. 43. Musketier H. Götz, Schenklengsfeld, gefallen. — 2. Garde- Regiment zu Fuß. Res. Rudolph Demuth, Weißenborn, Rotenburg tot. — Ins. Regt. 61. Musketier Heinrich Ernst, Friedewald, tot. — Jnf.-Regt. 87. Kriegsfreiw. Heinrich Schwarz, Mühlbach, tot. — Jnf.-Regt. 151. Musketier Josef Becker, Burghaun, vermißt. — Jnf.-Regt. 251. Vizefeldwebel Konrad Heß, Mühlbach tot.
) :( Hersfeld, 17. April. Nachdem vor einiger Zeit Herr Wilhelm Sauer zum Offizier-Stellvertreter befördert wurde, erhielt am 12. d. M. ein Bruder desselben, Unteroffiz. ö. R. Philipp Sauer vom König von Württemberg die silberne Tapserkeits-Meöaille verliehen. Beide sind Söhne des Tuchwebers Adam Sauer hier.
s Hersfeld, 17. April. (Mi t t e l d e u t sch e P r i- vat - Bank Aktiengesellschaft.) In der heutigen ordentlichen Generalversammlung der Bank, in der 58 Aktionäre mit 42.598 Stimmen vertreten waren, wurden sämtliche Punkte der Tagesordnung genehmigt und dem Aufsichtsrat und Vorstand mit allen gegen 8 Stimmen des wiederum als opponierender Aktionär auftretenden, aus den Diensten der Bank entlassenen früheren Beamten, Entlastung erteilt. Die auf 5°o festgesetzte Dividende ist vom 17. April an zahlbar. Auf Anfrage erklärte die Direktion, daß die Bank, abgesehen von ea. Mk. 900.000. — Kali Obligationen, die zum größten Teil aus verschiedenen Konsertiatbeteiligungen bei Berliner Banken herrühren, nennenswerte Kali-Engagements nicht besitzt. Des Ferneren wies die Verwaltung darauf hin, daß bei der Bank 64 Millionen Mark Kriegsanleihe letzthin gezeichnet worden sind und daß dieser Betrag bereits mit dem morgigen Tage voll abgenommen sei. Diese Tatsache spreche einerseits für die außerordentliche Liquidität der Bank und andererseits für die Gesundheit unseres gangen Wirtschaftslebens.
Bebra, 16. April. Damit nach Inbetriebnahme der neuen Umgehungsbahn bei Bebra die Anschlüsse aus West- und Norddeutschland nach Berlin, Sachsen und Thüringen, sowie nach Süddeutschland erreicht werden können, werden zwischen Bebra und Eisenach besondere Anschlußzttge eingelegt, die in Eisenach die Anschlüße nach Osten und Süden vermitteln.
Cassel, 16. April. Aus dem Offiziersgefangenen- lager in Hann.-Münden entwichen in der Nacht auf Mittwoch fünfzehn gefangene Offiziere. Während sechs von ihnen in einem Strohschuppen versteckt bald nach dem Entweichen abgefaßt wurden, vermochten acht, und zwar sieben Russen und ein Engländer, die Flucht zu ergreifen. Inzwischen konnte einer von den acht Flüchtlingen in der Nähe von Höxter dingfest gemacht werden. Die allgemeine Fluchtrichtung scheint weserabwärts, vermutlich mit dem Ziel Hol- land zu sein. In Anbetracht dessen, daß die Festnahme des einen Ausreißers bereits gelungen ist, darf man hoffen, daß auch die übrigen sich nicht lange der Freiheit erfreuen werden. Die Russen tragen Lederjacken und hohe Stiefel oder Gamaschen, während der Engländer vermutlich mit seiner Khakiunisorm bekleidet ist. , _
Eschwege, 15. April. Der hiesigen Familie R. wurde heute eine sehr große und angenehme Ueber- raschuna zuteil. Herr R., Turnlehrer am Gymnasium, erhielt im Herbst v. J. tn einer heftigen Schlacht in Flandern einen Kopfschuß. Bald darauf bekam seine Frau von der Kompagnie die amtliche Mitteilung von dem Heldentode ihres Mannes. Jetzt traf an Frau R. von ihrem totgeglaubten Mann ein Brief ein, worin er ihr mitteilt, daß er schwer verwundet auf dem Schlachtfelde in englische Gefangenschaft geraten und in einem englischen Lazarett sei.
Die Aüerichnelke.
Von Geh. Regierungsrat Professor Dr. G. Nörig.
Schluß.)
Bei der starken Vermehrung und großen Gefräßigkeit dieser Tiere ist der Schaden den sie anrichten, oft recht bedeutend, und es ist namentlich dann, wenn man im Herbst eine bedrohliche Zunahme der Ackerschnecken festgestellt hat, erforderlich, im Frühjahr, sobald man ihr erneutes Auftreten wahrnimmt, geeignete Maßnahmen zu ihrer Vernichtung zu treffen. Für den Großbetrieb auf dem Felde kommen dabei andere Mittel in Betracht, als im Garten, wo man es mit kleineren Flächen, dafür aber oft mit wertvolleren Einzelpflanzen zu tun hat.
Zur unmittelbaren Bekämpfung dieser Schädlinge auf den Getreideschlägen sind in erster Linie alle Stoffe geeignet, die sich in seiner VerteUung ausstreuen lassen und aus die Schnecken eine ätzende Wirkung ausüben. Dazu gehört in erster Linie Kalkstaub, Chilesalpeter und alle kalihaltigen Düngemittel. Werden die Schnecken von dem seinen Pulver getroffen, so suchen sie sich davon durch eine starke Schleimab- sonöerung zu befreien, aus der sie schließlich wohl geschwächt, aber sonst unversehrt wie aus einem Mantel herauskriechen. Eine baldige Wiederholung der Bestäubung führt dann aber meist zu ihrem Tode, da sie nun nicht mehr imstande sind, sich mit einer neuen Schleimhülle zu umgeben, und der ätzenden oder wasserentziehenden Wirkung der Streumittel wehrlos preisgegeben sind. Zur Verteilung bedient man sich am zweckmäßigsten einer Düngerstreumaschine,- steht eine solche nicht zur Verfügung, so streue man das Mittel mit der Hand und gehe mit halbem Wind über das Feld. Ist ein Schlag fertig behandelt, so wiederhole man das Ueberstreuen in einem Zwischenraum von einer Viertel- fr9 halben Stunde, um den mit dem ersten Abschleimen beschäftigten Schnecken nicht Zeit zu lassen, ihre Schlupfwinkel aufzusuchen. Als beste Zeit für diese Bekämpfungsmethode ist die späte Abend- oder früheste Morgendämmerung eines windstillen und trocknen Tages anzusehen, da dann die Tiere am sichersten auf den Pflanzen anzutreffen sind. Beim Ausstreuen von Kalk beobachte man die gewohnten Maßregeln zum Schutze der Augen, indem man festanschließende Brillen verwendet uud die Augenbraunen mit etwas Oel befeuchtet. Nach Beendigung der Arbeit darf das Gesicht erst dann mit Wasser gewaschen werden, nachdem man es mit Oel abgerieben hat.
Die zu verwendende Menge richtet sich nach der Dichtigkeit des Pflanzenwuchses und der Feinheit des Streumaterials. Im allgemeinen wird man für ein zweimaliges Bestreuen mit 300—400 kg für 1 ha auskommen.
Eisenvitriol im Gemisch mit Erde oder Sand (20 kg Eisenvitriol auf 1 hi Sand) soll sich auch gut bewährt haben; doch wird man wohl in den meisten Fällen dem Kalk oder Kainit der gleichzeitigen Dünge- Wirkung wegen den Vorzug geben.
Um der weiteren Ausbreitung der Schnecken auf den Feldern zu steuern, ist vorgeschlagen worden, die stark befallenen Flächen mit einem schmalen ununterbrochenen Streifen von Kalkstaub, Kainit, Gersten- spreu oder Fichtennadeln zu umgeben. Es ist nicht zu leugnen, daß diese Mittel für einige Zeit helfen da sie von den Schnecken nicht überschritten werden; besser aber ist es, in der oben beschriebenen Weise gleich zu einer gründlichen Vernichtung der Schädlinge zu schreiten, als Material und Arbeit für ein Verfahren zu verwenden, das die schon bedrohten Pflanzen nicht zu schützen vermag.
In Gemüsegärten kann die Bekämpfung der Schnecken außer in der oben beschriebenen Weise auch noch nach anderen Gesichtspunkten erfolgen. Pier bietet die künstliche Anlage und tägliche Revision geeigneter Schlupfwinkel ein leicht durchführbares Mittel, große Mengen von ihnen zu vernichten. Namentlich eignen sich dazu kleine Bündel kurz geschnittenen Rohres, in dessen Höhlungen sie sich gern verkriechen, und Dachziegel, die zwischen die Pflanzen gelegt werden; ja unter Umständen kann sich das Ablesen der Schnecken in den frühen Morgenstunden von den Pflanzen lohnen. Wenn die Beobachtung, daß sie sich von dem Geruch abgestandenen Bieres anlocken lassen, richtig ist, wird man sie dadurch, daß man Blumenuntersätze damit füllt und an ihren Fraßplätzen aufstellt, vielleicht auch in größerer Zahl anlocken und vernichten können.
Obwohl die Schnecken von vielen Tieren, namentlich von den verschiedensten Vögeln, sehr gern gefressen werden, können wir uns auf deren Hilfe doch nicht verlassen; eine Ausnahme bilden vielleicht allein die Kröten, die bei genügender Zahl wohl imstande sind, einen Garten vollständig von ihnen frei zu halten. Der Gärtner hat deshalb alle Ursache, diese stillen Helfer zu schonen, die bei ihrer großen Gefräßigkeit allnächtlich viele von ihnen beseitigen, ohne daß sie sebst auch nur den geringsten Schaden tun.