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es sind öfe Schiffe und nicht Menschen, die wir ver-! Nichten.

Während wir so da saßen und uns unterhielten, kam es mir so vor, als kennte ich das Gesicht des Kapitäns von Photographien her, die ich gesehen hatte, und fragte: Waren Sie nicht der Kapitän des Unterseebootes, oas drei englische Kreuzer in der Nordsee versenkt hat. Rich­tig, antwortete er ernst. Ich hatte damals das Kom­mando über „U 9", aber jetzt bin ich der Kommandant von „U 29". Indessen war die Besatzung der „Anda- lusia" aus den Booten, die das Unterseeboot in Schlepp­tau genommen hatte, an Deck desselben befohlen wor­den und stand nun da dicht zusammengedrängt. Die Of­fiziere des Unterseebootes gaben der Mannschaft Zi­garren. Keiner von den Deutschen war uns gegenüber unliebeuswürdig. Die Gemütlichkeit der Deutschen er­reichte ihren Höhepunkt, als wir schieden. Das Unter­seeboot holte eine französische Barke ein, und nachdem diese zum Halten gezwungen war, erhielten wir den Be­fehl, in die Boote zu gehen und mit ihnen an Bord des französischen Schiffes zu rudern. Mein Gespräch mit Kapitän Weddigen war wohl die letzte Unterredung, die jemand mit ihm gehabt hat.

Die Gärung in Indien.

Die Schweizerische Depeschenagentnr verbreitet eine Meldung des Mailänder „Corriere öella Sera", daß die Lage in Britisch-Jndien sich wirklich ernst zu gestalten beginne. Es scheine sich um eine richtige revolutionäre Bewegung zu handeln, die beständig au Ausdehnung gewinne, besonders in den Provinzen Lahore, Delhi und Bengalen. Man meldet das Vorhandensein bewaffneter Banden. Es wird geglaubt, daß die britische Regierung manche Schwierigkeiten zu überwinden haben" wird, um Ordnung und Ruhe wieder herzustellen, beint die Be­wegung breitet sich auch unter den intellektuellen Be­völkerungskreisen aus.

Blutige Soldatenausschreitungen in Kairo.

Der Mailänder „Secolo" berichtet über schwere Aus­schreitungen der australischen Truppen iu Kairo. Am Karfreitag hatten etwa 10 000 Freiwillige Urlaub nach Kairo aus den Lagern erhalten. In dem wegen der ver­rufenen Häuser berüchtigten Stadtviertel Ezbechie ent­stand durch einen schrankenlosen Uebermut und Ausge­lassenheit dieser Leute ein Tumult, der einen schreck­lichen Umfang annahm. Die Polizei schritt ein und es kam zu einem richtigen dreistündigen Kampfe, bei dem es Tote und Verwundete gab. An: Ostersonnabend bra- cheu neue Unruhen in Heliopolis aus. Freiwillige, denen der Urlaub verweigert worden war, zerstörten zwei große Kaffeehäuser. Nun entstand ein Kampf mit der Polizei. Ein Teil der in Kairo lagernden Truppen wurde daraufhin verlegt.

Srleasallerlei.

Das sächsische Jägerbataillon Nr. 13 hat in heißen Kämpfen 299 Mann gefangen genommen und drei Maschinengewehre sowie zwei Scheinwerfer er­beutet. Der König von Sächselt sandte der „Voss. Ztg." zufolge an den Chef des Bataillons, den Fürsten Reutz, ein Telegramm, in dem es heißt: Habe die große Freude, Dir mitzuteilen, daß ich heute Dein Heldenbataillon nach dem hartnäckigen schweren Kampfe begrüßt habe.

Schwere Strafen für Brandstifter.

Aus Berlin wird amtlich gemeldet: Nachdem die Zahl der vorsätzlichen Brandstiftungen in der Provinz Brandenburg längere Zeit erheblich zurückgegangen wa- reu, scheint neuerdings die Gefahr der vorsätzlichen Brandstiftungen besonders an Erntevorräten wieder zu wachsen. Es bedarf keiner näheren Darlegung, daß die Vernichtung uoit Erntevorräten in jetziger Zeit dem Landesverrat gleich zu erachten ist und von einer ganz besonders niedrigen und strafwürdigen Gesinnung zeugt. Die Staatsanwaltschaften des Kammergerichts­bezirkes sind daher von zuständiger Stelle angewiesen, das Brandermittlungsverfahren in jedem Falle aufs strengste durchzuführen und auf die beschleunigte Abur­teilung der Brandstifter unter Beantragung schwerster Strafen hinzuwirken.

Feindlicher Flieger über dem Schwarzwald.

Dienstag vormittag erschien ein feindlicher Flieger über verschiedenen Orten des südlichen Schwarzwaldes. Er warf über Stockach vier Bomben ab.

Ein französisches Regiment verschwunden.

Der „B. L.-A." berichtet aus Zürich: Seit Anfang März ist man ohne Nachricht von einem französischen Infanterie-Regiment, dessen Depots sich in Bourg be­finden, und das all den Vogesenkämpfe beteiligt war. Man fragt sich, ob es aufgerieben oder gefangen genom­men lvurde, oder ob es, was kaum wahrscheinlich ist, vom Gros der Armee abgeschnitten wurde.

Mißerfolg der englischen Rekruteuwerbung.

Der „Frkft. Ztg." zufolge brillgt die „Times" jetzt einen Bericht über die neuen Rekrutenanwerbungen in London, die zu einem vollkommenen Mißerfolg geführt haben. In Guildhall brächte die Menge zwar einige Hochrufe auf die Belgier aus, aber als zur Einzeichnung aufgefordert wurde, meldeten sich nur zwei Personen zu den Waffen.

Das Eiserne Kreuz für Professor Röutgen.

Geheimer Rat Professor Röntgen erhielt zu seinem 70. Geburtstage, wie die „Franks. Ztg." aus München erfährt/ das Eiserne Kreuz am schwarzweißen Bande mit einem Glückwunsch aus dem Zivilkabinett des Kaisers, in dem es heißt: Die deutsche Ration könne dein Entdecker der nach ihm bekannten Strahlen nicht dankbar genug fein, deren segensreiche Verwendung sich gerade jetzt im Kriege außer­ordentlich schätzen läßt.

Aus Memel verschleppt.

Die „Reue Züricher Zeituug" vom 12. April enthält bte folgende von Petersburg, 26. März, datierte Meldung-/ „Nach der Moskauer „Rußkije Wfedomviti" sind am 23. März fit Moskau Drei Waggons mit deutschen „Kriegsge- sangenen"', Einwohnern not Stadt Memeg Die 'sich den etnutrenbcn Tuffen ist Meiner widersetzten, eingesessen. KurSk bleibt KrieDgefangenen üeWbef iTcfL wie Das misst» M Matt melder, hießt nur Männer, wildern auiT) Frauen und Kinder."

An die deutsche Zugend.

Ein Feldpostbrief von Marschall v. d. Goltz.

In weiter Ferne drängt es mich, dem Jungdeutsch- lanö-Bund wieder einmal einen herzlichen Gruß und ein kräftiges „Gut Deutsch!" zuzurufen.

Wie sehr die vom Bunde ver ammelte imd ausge- bildete Jugend im Beginn des Krieges ihre Pflicht und Schuldigkeit getan hat, ist allgemein bekannt. Das ein­stimmige Lob, das sie erntete, wird die Freude meines Alters bis zum letzten Tage bilden. Eine Reihe eigener kriegerischer Erlebnisse hat mich mehr und mehr davon überzeugt, wie richtig die vor dem KAege von uns ein- «lagene Bahn gewesen ist, aber auch welch große An- rrungen in Zukunft noch an nn§ gestellt werden. Wir werden int gegenwärtigen Kriege am Ende den Sieg davontragen, aber es wird noch genug Feindschaft, i Haß und Neid gegen unser deutsches Vaterland übrig | bleiben, um uns zu ziMSW, wachsam und stark au (fein#

Jugendliche Begeisterung und Liebe zum Vaterland, Treue zu Kaiser und Reich sind die Grundlagen solda­tischer Tüchtigkeit. Aber sie müssen unterstützt werden durch einen wohl vorbereiteten, kräftigen, ausdauern­den und abgehärteten Körper, durch praktische Umsicht, Tatkraft uno durch vorher erworbene Kenntnis der we­sentlichsten Bedingungen des Kriegslebens, denn sonst werden, zumal am Beginn neuer Feldzüge, die Opfer, wie diesmal, das richtige Maß überschreiten.

Die Anleitung, die der Bund in allen seinen Teilen zur Selbsthilfe durch seine Uebungen gegeben hat, bedarf kräftigster Förderung. Mehr noch wie bisher muß der einzelne deutsche Jungmann darm angeleitet werden. Die Bedingungen des modernen Kulturlebens mindern ver ihm die Fähigkeit, den einfachen materiellen und rea­len Forderungen des Lebens im Felde trotzen zu sönnen.

Unsere Jungmannschaft ging, wie ich es in den Kämpfen an der Äser beobachtet habe, mit glühendem Euer und großer Tapferkeit in den Kampf. Weniger aber verstand sie sich nach dem Kanwse, wenn die Ruhe kam, schnell und zweckmäßig einzurichten, für Unterkunft und Verpflegung umsichtig zu sorgen, dabei Hand anzu- legen, ohne anf die Weisung von oben her zu warten, also die Parole des Jungdeutschlandbundes „Selbst ist der Mann" im wahren Sinne des Wortes praktisch zu verwirklichen.

Auch in der Ueberwindung von Hindernissen aller Art, die der Feind uns bereitet, in der Verschlagenheit an ihn heranzukommen, in der Beurteilung feiner Ab- wehrmaßregeln fehlt noch manches. Die Erfahrungen des großen Weltkrieges werden uns später zur Aus­füllung dieser Lücken dienen und müssen nach dem Kriege aufmerksam benutzt werden.

Hart, zäh, ausdauernd, klug unö umsichtig soll die künftige junge Generation in Deutschland heranwachsen und der Jungdeutschlanö-Bund wird das Deinige zur Erreichutlg dieses Zieles Beiträgen müssen.

Die Erzählungen der alten Krieger von: Lagerfeuer und aus den Schützengräben werden für die Erziehung soldatischen Lebensgewohnheiten reichlichen Stoff bie­ten. An ihnen kann sich das künftige Geschlecht bilden und aus ihnen die Lehre für die eigene Ertüchtigung ziehen.

Erreicht die gesamte deutsche Jugend diese Ziele, dann werden wir künftig, mögen die Feinde auch noch einmal so zahlreich sein, wie jetzt, unbesiegbare Heere ins Feld stellen, wie die alten Römer in ihrer Glanzzeit.

Deutschland bedarf derselben, wenn es den Platz an der Sonne, den es sich in diesem Kriege erringen wird, dauernd behaupten will, ohne erst durch große Opfer die Erfahrung. und Kriegsübung erwerben zu müssen, die als die treuen Begleiter der Tapferkeit notwendig sind.

Frhr. v. b. Goltz, Generalfeldmarsch»ll.

Vermischtes.

„Notar Weltmann" nennt sich ein Kriegsschwindler, vor dem die Frauen der Feldzugsteilnehmer dringend gewarnt werden müssen. Der Gauner „arbeitet" mit ge­fälschten Telegrammen. Bis jetzt ist er in Schöneberg bei Berlin aufgetreten, allerdings ohne Erfolg. Eine Frau war nicht wenig überrascht, als sie von ihrem Mann, der im Felde steht, die telegraphische Mitteilung erhielt, daß ihr ein Wechsel über 2000 Mark zur Zah­lung vorgelegt würde. Das Telegramm enthielt die kurze Weisung, diesen Wechsel einzulösen. Bald darauf kam dann auch ein Mann, der sich als „Wotar Weltmann" vorstellte nud den angekündigteu Wechsel vorlegte. Die Frau war aber vorsichtiger, als der Gauner gedacht hatte. Sie schöpfte gleich Verdacht und erklärte, daß sie sich erst mit ihrem Mann in Verbindung setzen müsse. Weil ihm nichts anderes übrig blieb, so erklärte sich No- tar Neumann damit einverstanden. Er wollte später wiederkommen, ließ sich aber nicht mehr sehen. Der Wech­sel war gefälscht.

Drohende Lohnbewegung unter den englischen Eisenbahnangestettten. Nach einer Meldung der „Köln.

Ztg." regt es sich wieder beim englischen Eisenbahnperso­nal. Dieser Tage fand in Aork eine Versammlung der Arbeitervertreter statt, wobei der Führer der Arbeiter­partei im Unterhause, Hendersohn, deu Vorsitz übernahm.

Es wurde festgestellt, daß die Eisenbahnverwaltung seit denn 22. Februar ein Ersuchen der Angestellten um eine Be­sprechung der Lohnsragen unbeantwortet gelassen habe. Dis Versammelten beschlossen, die Angelegenheit einem enge­ren Ausschuß zur Behandlung zu überweisen. Die Ange­stellten sind neuerdings noch mehr als früher in der Lage, ihre Bedingungen vorzuschrelben, da viele von ihnen in bte Stellen übernommen worden sind, wo Kriegsmaterial angefertigt wird.

Massenfänge von Heringen. Seit vier Tagen wer­den in Travemünde Heringe in solchen Massen gefangen, wie es seit vielen Jahren nicht der Fall war. Der an­dauernde Südwestwind treibt ungeheure Herings- schwttrme in die Lübecker Bucht. In weitem Bogen wer­fen die Fischer draußen in der Bucht ihre Netze und ziehen sie auf der Heimfahrt an den Strattb. Während sonst die Netze an Bord gezogen und von den Fischen entleert werden, kann diese Arbeit jetzt vereinfacht mer= den. Die Heringe werden wie Sand aus dem Wasser geschaufelt,- anders sind die Riesenfänge nicht zn bewäl­tigen. Die Fische stehen von der Wasseroberfläche bis auf den Grund wie eine Mauer, die Heringe werden zu 1 Pf. pro Pfund abgegeben. Trotzdem sie in Lübeck und in Hamburg massenweise auf den Markt kommen, kann der Absatz mit den augenblicklichen Säugen nicht glei­chen Schritt halten. Den vielen Fischräuchereien und Fischbratereien in Lübeck und Umgegend ist die außer­gewöhnliche Ernte an Fischen natürlich sehr willkom­men. Sie ist auch im Interesse einer billigen Volkser- ntthrung freudig zu begrüßen.

Ein Cufltampf mit französischen Fliegern

Ein Fliegeroffizier, Leutnant der Reserve, K. H. Bernius, der zurzeit verwundet in einer Klinik in Nordfrankreich liegt, sendet dem „B. L.-A." folgende Mitteilungen über einen Luftkampf:

In letzter Zeit war hinter der französischen Stellung von uns Fliegern ziemlich viel Bahnverkehr gerneldet worden, und so Besam Lt. d. R. G., der als junger Be­obachter dabei zum erstenmale über die feirrdliche Stel­lung fliegen sollte, und ich den Auftrag, auf einem Fern- flng bis nach A. vorzudringen unö in dem ganzen Gebiet aufzuklären. Nachdem ich mich hinter unseren Stellun­gen bis auf 2000 Meter hinaufgeschraubt hatte, ging ich bei A. über die feindlichen ßiittett, um der Hauptstraße " senbahn entlang auf unser Ziel zuzufliegen. bedachte mein Beobachter eine feindliche Bat­terie, die sich leichtsinnigerweise zu sehr bemerkbar ge­macht hatte, mit einer kleinen Bombe. Kurze Zeit da­rauf als wir unser fernes Ziel bei dem klaren Wetter schon ttegen sahen, begegnete uns etwa 800 Meter höher als wir ein deutscher Doppeldecker, der nach-Hause flog, gefolgt von einem französischen Eindecker. Meinen Rat, den Eindecker mit dem Karabiner zu beschießen, befolgte mein Beobachter nicht.

Wir flogen weiter und tarnen nach wenigen Almuten einem französischen Farman-D^peldeckLr in die Ä

und der Ei

Unterwegs

mit dem wir kurz entschlossen den Kampf aufnehmen wollten. In dem Augenblick aber, als ich eine Rechts­kurve beschrieb, um meinen Beobachter zum Schuß kom­men zu lassen, knallte es dicht hinter mir, und ich erhielt zwei heftige Schläge auf den Kopf, die mir für ein paar Sekunden, glücklicherweise aber auch nur für ein paar Sekunden, die Besinnung raubten. Als ich mich und meinen Doppeldecker wieder in der Gewalt hatte, fühlte ich mein Blut warm über den Kopf rieseln, und da packte mich, genau wie früher, wenn ich als Stuöeut auf der Mensur einen „Blutigen" bezogen hatte, eine grenzen­lose Wut. Ich riß meine Maschine, die während meiner kurzen Betäubung etwa hundert Meter gefallen und da­durch für Augenblicke aus dem Schußbereich der Gegner gekommen war, herum, und da zeigte ich meinem Be­obachter den kleinen französischen Eindecker, der kurze Zeit vorher, das andere deutsche Flugzeug verfolgend, an uns vorbeigeflogen war. In der neuen Höhe ver­legte uns ein weiterer Farman-Doppeldecker und ein zweiter Eindecker den Weg nach rückwärts. Nachdem mein Beobachter mit der Pistole den ungleichen Kampf mit den beiden neuen Gegnern, von denen die Farman- Doppeldecker mit ihren Maschinengewehren den Benzin­tank und die Kühlwasserleitung meiner Maschine durch- ichossen, ausgenommen hatte, erreichten uns wieder bte beiden ersten Apparate und Befeuerten uns. Es waren schreckliche Minuten. Eingeschlossen wie in einem Kessel, von allen Seiten befeuert, kurvte ich mit meiner Ma­schine, die in ihrem empfindlichsten Teil, ihrem „Ben­zinherzen", tödlich getroffen, nicht mehr lange aushalterr konnte, bald links, bald rechts herum, und war dabei noch etwa 15 Kilometer von unseren vordersten Schützen­gräben entfernt, in Feindesland. Alle möglichen Gedan­ken gingen mir durch den Kopf. Sollte ich einen der Gegner rammen und mit ihm gemeinsam in die Tiefe sausen? Da kam gerade der erste französische Eindecker, von beut ich die beiden Schüsse in den Kopf erhalten hatte, mit langsam laufendem Propeller direkt auf uns zu geglitten, er wollte uns aus nächster Nähe den To­desstoß versetzen. Mit einer Wut, die beinahe an Ver­zweiflung grenzt, warf ich ihm meinen Doppeldecker ent­gegen, schrie meinem Beobachter zu: „Achtung!" und sauste etwa fünf Meter an dem Franzosen vorbei, wöbet mein Beobachter schnell einige Schüsse auf den Feind abgeben konnte. Sie müssen gut getroffen haben, denn aus dem flachen Gleittlug des Franzosen mürbe ganz plötzlich ein steiler, und sich einmal überschlagend, sah ich den Apparat in der Tiefe verschwinden. Das schien den anderen Franzosen doch einen mächtigen Schreckelt eingejagt zu haben, denn sie gaben uns sofort den Weg nach A., das ich zu meiner großen Freude schon rechts vor mir liegen sah, frei. Nur der zweite Eindecker kam noch einmal ganz dicht an uns heran, ihm ward aber sofort scheinbar ein ähnliches Schicksal wie seinem Kameraden, denn nach einigen Schüssen meines Beobachters ver­schwand er ebenfalls in steilem Gleitflug, Richtltng Hei­mat, nach unten.

Die beiden Farnran-Doppeldecker folgten uns nun, allerdings in respektabler Entfernung, uns ständig mit ihren Maschinengewehren befeuernd bis über die Schüt­zengräben. Ihr Feuer war uns aber nicht so unange­nehm, wie das jetzt mit aller Macht einsetzende Feuer der französischen Artillerie, über deren Stellungen wir inzwischen angelarigt waren, und zwar, da mein Mo­tor seit dem Schuß iu die Kühlwasserleitung ständig nach- lietz, in einer Höhe von 900 Meter. Die in dieser un- gewöhlllich niedrigen Höhe doppelt und dreifach ititan= genehmen Schrapnellwölkcheu der feindlichen Ballon- abwehrkauonen erschienen in Massen dicht links und rechts, vor und hinter, und vor allem über uns. Ein kurzer Blitz, ein leichter Knall und ein kleines Wölkchen streute Heimtückisch seine todbringenden Eisenteile. Glücklich schlüpfte ich zwischen den gefährlichen Dinger­chen hindurch, bald drum herum, bald unten durch, und gelangte so schließlich glücklich hinter unsere Linie, wo ich auf unserem verschobenen Gefechtsflugplatz glatt lan­den konnte. Mein Beobachter aber und ich, wir schüt­telten uns die Hände, wir hatten uns <cgenfettfg viel zu bauten.

Die beiden Kopfschüsse, die ich von dem einen Fran­zosen erhalten hatte, waren sehr gut gemeint gewesen. Der eine ging durch den gepolsterten Wulst meines Sturzhelms dicht an der Stirn vorbei, der andere aber ritz mir mitten vom Schädel ein 10 Zentime er langes Stück der Kopfhaut bis auf den Arochen weg. Gltick- licherweise aber schreitet die Heilu'.lg dieser Wunde, wenn auch langsam, so doch stetig vorwärts, so datz ich hoffent- lich bald wieder neuen Kämpfen enrgegenfliegeu kann."

Weitere Drahtnachrichten.

Arbeit unserer Flieger.

Paris, 15. April. (WTB.) Gestellt nachmittag wurde amtlich bekanntgegeben: Seit dem gestrigen Abendbericht ist nichts zn melden. Ein dentsches Luft­schiff warf Bomben auf den Flugplatz Balleuil ohne militärisches Ergebnis, tötete aber drei Zivilisten. Zwei deutsche Flugzeuge wurden gezwungen, in unseren Li­nien zu landen, eines bei Braine, das andere Bet Lnne- ville. Die Flieger wurden gefangen genommen. Ein drittes Flllgzeug ging, vom Feuer unserer Vorposten getroffen, in der Nähe von Ornes stlördlich Berdun), 600 Meter vor unserer Linie nieder. Der Flieger wurde verwundet.

^ Naney, 15. April. „Est Republicaine" berichtet über die Belegung Nancys mit Zeppelinbomben: Kurz nach 12 Uhr wurden die Bewohner durch drei aufein= anderfolgeude Explosionen geweckt. Nach einigen Minu­ten erfolgten drei weitere Explosionen. Scheinwerfer und Geschütze traten sofort in Tätigkeit und verscheuch­ten das feindliche Luftschiff. Die erste Bombe verursachte einen heftigen Brand im Lager eines Farben- und Lack- Händlers. Die itmliegenben Gebäude konnten gerettet werden. Die Flammen beleuchteten das ganze Stadt­viertel. Der Schaden ist sehr bedeutend. Die zweite und dritte Bombe vatterl nur geringen Sachschaden.

L^stiindiger Generalstreik in Mailand.

Mailand, 15. April. (WTB.) i Wahrend der Kundgebungen am vergangenen Sonntag wurde ein Manifestant, anscheinend durch ^tocficblage eines Poli­zisten, verletzt. Der Verletzte starb später zuhause. Eine Untersuchung wurde veranstaltet. Die sozialistischen Vereinigungen proklamierten als Protest einen.Mün­digen Generalstreik, der gestern anlätzlich der Beisetzung des Manifestanten stattfand. Der Beisetzung wohnte eme große Menschenmenge bei. Die Kundgebung verlief ohne schwere Zwischenfälle. Nur ein Teil der Menge wollte sich nach der Beisetzung trotz des Verbotes zum Domplatze begeben, fand diesen aber abgesperrt. Abends herrschte wieder"Ruhe.

Ein schwedischer Dampfer gesunken.

^ Stockholm, 15. April. (T.-U.f Aus Oskarshamm wird telegraphiert, daß gestern nacht bei Hagvy an der schwedischen Küste der Dampfer „Alma", 6180 Tonnen groß, auf dem Wege von Oxcstösuitö nach Lübeck mit einer Ladung Erz auf den Grnnd geraten nnd kurz darauf ge­sunken ist. Die Besatznna mürbe gerettet und nach Kal­mar gebracht.