Hers selber Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
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Weite
für den Kreis Hersfeld
Wlatt
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Nr. 88.
Freitag, den 16. April
1915
Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich auf der letzten Seite.
Bus der Heimat.
* (Weibliche Lehrkräfte an höheren Knaben-Lehr- anstalten.) Wie die Deutsche Parlaments-Correspondenz mitteilt, sind außer am Gymnasium in Marienburg auch an einer Reihe anderer höherer Knaben-Lehran- stalten weibliche Lehrkräfte zum Ersatz der zum Heeresdienst einberufenenLehrer herangezogen worden, so z. B. auch an einem Groß-Berliner Realgymnasium.
* (Alteisen.) Wenn auch ein Mangel an Alteisen zum Einschmelzen in Stahl- und Eisengießereien noch nicht vorhanden und in absehbarer Zeit wahrscheinlich auch nicht zu erwarten ist, erscheint es doch zweckmäßig, vorzusorgen und die vorhandenen Alteisenmengen, welche den Verbrauchern bisher nicht ohne Weiteres erreichbar waren, ungehindert dem Verbrauch zuzuführen. Die Preise, welche für Schmelzgut gegenwärtig gezahlt werden, sind verhältnismäßig hoch, so daß es sich auch für landwirtschaftliche Betriebe lohnen dürfte, Vorräte und seien es anch nur kleine Mengen, wie z. B. gebrochene Zahnräder usw. zu sammeln und zum Verkauf zu bringen.
* (V v m P o st s ch e ck v e r k e h r.) Eine Milliarde Mk. hat zum ersten Mal in einer Woche (vom 29. März bis 3. April) der Umsatz im Postscheckverkehr des Reichspostgebiets betragen. Gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres bedeutet dies eine Steigerung um 161 Millionen Mk. oder 19 v. H. Die Zunahme läßt erkennen, daß der Postscheckverkehr immer mehr Eingang beim deutschen Volke findet, bildet gleichzeitig aber einen Gradmesser für die günstige Entwicklung unseres Wirtschaftslebens während des Krieges.
* (Keine Erweiterung der Landsturm- pflicht.) Wie mehrere Blätter übereinstimmend melden, sind die im Publikum umlaufenden Gerüchte über eine angeblich beabsichtigte Erweiterung der Landsturmpflicht unbegründet. Bon einer gesetzlichen Neuregelung der Landsturmpflicht ist keine Rede.
* (Die Lagerung von Getreide und M e h l.) Man schreibt uns: Es liegt in vaterländischem Interesse, darauf hinzuweisen, daß in der jetzt bevorstehenden wärmeren Jahreszeit für gute Aufbewahrung des Getreides und Mehles dringend zu sorgen ist, um zu verhüten, daß das Getreide verdirbt. Deshalb empfiehlt es sich, das Getreide auf Böden mit Dielung oder Lüftung höchstens 30 Zentimeter hoch aufzu- schütten und mindestens einmal wöchentlich kräftig umzuschaufeln. Die Lagerung des Getreides über Viehställen ist unter allen Umständen zu vermeiden, desgleichen die Aufbewahrung desselben in geschlossenen Räumen ohne Luftventilation. In diesem Falle verdirbt die Frucht in kurzer Zeit auch bei sorgfältigster Bearbeitung! In gleicher Weise muß das in Säcken verpackte Mehl in luftige Räume mit Holzdielen gelagert werden. Wenn angängig, soll das Mehl nicht gestapelt, sondern freistehend aufbewahrt werden, so daß die Luft von allen Seiten Zutritt hat. Wöchentlich einmal ist das Mehl durch Wälzen der Säcke in Bewegung in andere Lage zu bringen. Bei kleineren Mengen (50 Kilo), die in Ermangelung von Holzkästen in Säcken aufbewahrt werden, ist es ratsam, diese möglichst groß zu wählen, lang zu binden, in bereits angeöeuteter Weise lose zu lagern und wöchentlich einmal zu bewegen. Die Lagerung in Mehlkästen erfordert die gleiche Behandlung. Ferner ist nur zu empfehlen, alles Roggenmehl möglichst bald zu verbacken, da das Gebäck sonst rissig wird, den guten Geschmack verliert und an Bekömmlichkeit und Ausbeute einbüßt. Das gleiche gilt von ganz altem Weizenmehl. Hieraus geht hervor, daß es nicht angebracht erscheint, sehr große Mehlvorräte zu lagern. Wohl hat die Landwirtschaft ein berechtigtes Interesse daran, sobald als möglich über die Kleie zu verfügen. Es wird jedoch gewarnt, den Wünschen der Interessenten nachzugeben, da Mehl im allgemeinen weniger lagerfest ist als Getreide.
* (D a s „H a l t e ki n d e r w e s e n" i n C a s s e l.) Wie aus einer Polizeiverordnung für den Umfang des Regierungsbezirks Cassel betreffend das Haltekinderwesen hervorgeht, bedarf derjenige, welcher gegen Entgelt fremde noch nicht sechs Jahre alte Kinder in Kost und Pflege halten will, dazu der Erlaubnis, die in den Stadtgemeinden durch die Ortspolizeibehörde und in den Landgemeinden und Gutsbezirken durch den Landrat erteilt wird.
):( Hersfeld, 15. April. (Sch.ulanfang.) Das neue Schuljahr nimmt heute seinen Anfang. Leider waren die Osterferien der Schuljugend unserer Stadt wenig hold, da meistens ungünstiges Wetter herrschte.
):( Hersfeld, 15. April. Das Frühjahr führt die Spaziergänger wieder fleißig ins Freie. Dabei wird oft von Kindern und auch Erwachsenen gesündigt — Klagen liegen schon vor —, indem der Weg abserts aenommen, Saat und Feldfrüchten Schaden zugefügt
wird. Vor allem ist auch jetzt das Betreten der Wiesen zu vermeiden, was oft nur einer kleinen Blume wegen geschieht, die schließlich nur weggeworfen wird. Man schone die Fluren! Das gilt in diesem Kriegsjahr mehr denn je.
):( Hersfeld, 15. April. Die Keime der Kartoffeln enthalten ein starkes Gift, das Solanin. Es ist zu sürchten, daß besonders in den Städten, deren Einwohnern diese Tatsache meist nicht bekannt ist, derartige Keime, welche die Kartoffeln im Frühjahr in den Kellern treiben, unter die Müllabfälle geraten und dadurch dem Vieh, an das die Abfälle verfüttert werden sollen, gefährlich werden. Es ist deshalb sorgfältig darauf zu achten, daß Kartoffelkeime nicht zu den für die Viehfütterung bestimmten Müllabfälle geworfen werden. Es darf erwartet werden, daß auch die städtische Bevölkerung, insbesondere die Hausfrauen und das Dienstpersonal durch sorgfältige Beachtung dieses Hinweises dazu beitragen, den Viehbestand und damit die gesamte Volksernährung vor empfindlichen Schädigungen zu bewahren.
Vebra, 13. April. (Die Umgehungsbahn bei Bebra.) Am 1. Mai d. Js. wird voraussichtlich die Umgehungsbahn bei Bebra in Betrieb genommen, sodaß künftig die Durchgangszüge von Thüringen nach Frankfurt a. M. die Kopfstation Bebra nicht mehr berühren. Da bereits durch die 1914 erfolgte Inbetriebnahme des Tunnels bei Schlüchtern der Umweg über Elm weggefallen ist, so wird der Schienenweg von Thüringen nach Frankfurt vorn 1. Mai d. J. ab insgesamt etwa mehr als zehn Kilometer kürzer, und die Fahrzeit von Thüringen nach Frankfurt verkürzt sich um 30 Minuten. Durch die Ausschaltung des Durchgangsverkehrs in Bebra wird der dortige Bahnhof ganz wesentlich entlastet.
Cassel, 15. April. Für die nächste Schwurgerichtsperiode ist für die folgenden Anklagesachen Termin angesetzt: Montag, den 19. April, vormittags 9 Uhr gegen den Maschinenputzer Erbanus Ackermann aus Lispenhausen, wegen schweren Verbrechens wider die Sittlichkeit. An demselben Tage mittags: gegen den Drechsler und Landwirt Johannes Aßmuty aus Düringshausen (Kr. Brilon) und gegen den Maurer und Handelsmann Johannes Winterberg aus Oberhausen wegen tätlichen Angriffs auf einen Forstbeamten und Jagdvergehens.
Marburg, 14. April. Das Schwurgericht verurteilte heute ein Mädchen wegen Kindestötnng zu 2 Jahren Gefängnis.
Gera (Reuß), 13. April. Auf gräßliche Art »rächte hier der verheiratete Maler Richard Vogt seinem Leben ein Ende. Mit einem Messer stach er sich in den Leib. Da er nicht sofort tot war, schnitt er sich noch die Pulsader auf, so daß der Tod alsbald ein- trat. Der Beweggrund zu der Tat konnte noch nicht festgestellt werden.
Lauterbach, 13. April. Der in dem Dampfsägewerk von Krömmelbein dahier beschäftigte Arbeiter St. hatte das Unglück, in die Transmission zu geraten. Dabei trug er solch schwere Verletzungen davon, daß er alsbald verschied.
Alsfeld, 13. April. Von heute ab dürfen laut kreisamtlicher Verfügung Brotmarken an Kinder unter einem Jahr nicht mehr verausgabt werden. Ferner fällt jetzt der Verkauf von Zwieback ebenfalls unter den Brotmarkenzwang.
Fulda, 15. April. Herr Oberst Landauer, Kommandeur des 2. Kurhesfischen Feldartillerie-Regiments Nr. 47, ist mit der Führung der 54. Feldartillerie- Brigade beauftragt worden.
Fulda, 15. April. Das Schöffengericht verurteilte heute den 42jährigen Landwirt Michael Jestädt von Oberrode (Kr. Fulda) zu 50 Mark Geldstrafe, weil er absichtlich unterließ, 9 Zentner Weizenmehl bei der Mehlaufnahme im Februar anzugeben.
Gelnhauseu, 15. April. Die Stadtverordneten haben hente, einem Anträge des Magistrats entsprechend, 6000 Mk. bewilligt zur Vornahme weiterer Bohrungen nach heilkräftigen Quellen auf dem in der Gemarkung Gelnhausen belegenen Eigentum der Badegesellschaft.
Schädlinge am Bolkslärper.
Schädlinge am Volkskörper- und Verräter am Kriegsziele muß man die nennen, die in Stadt nnd Land bei der amtlich durchgeführten Erhebung der Vorräte Unwahres angaben nnd einen großen Teil ihres Brotkorns oder Futtergetreides, ihrer Kartoffelbestände oder ihres Hamstermehls verschwiegen. Allem von der Strafkammer zu Stolv in Pommern wurden, wie die Zittauer Nachrichten (Nr. 81 vom 10. April) melden, 49 Angeklagte, die wissentlich falsche Angaben über Getreidebestände gemacht hatten, überfuhrt und verurteilt. Insgesamt 3725 Mark Geldstrafen haben diese Toren und Lügner zu begleichen; gegen zwei von ihnen war sogar auf die Höchststrafe von fünfhundert Mark erkannt worden. Nach dem Berichte der Norddeutschen Allgemeinen Zeitung (Nr. 97 vom
8. April) hat die Kriminalpolizei in Elberfeld dem Geschäftsführer des Fuhrgeschäfts Joses Hosterbach, G. m. b. H. nachgewiesen, daß er im Februar über 200 Zentner Hafer nicht mitangegeben hat. Außer der glatten Beschlagnahme der hinterzogenen Futtergetreidemenge zugunsten der Stadt, hat der Schuldige noch eine Gesängnisstrafe bis zu sechs Monaten oder eine Geldstrafe bis zu fünfhundert Markzu gewärtigen. Erschwerend ist die Arglist, mit der er diesen Ueber- vorrat versteckte. Er hatte nämlich in seiner im Geschäftshause liegenden Privatwohnung das letzte Zimmer zur Hehlkammer auserkoren und die Tür durch einen großen Schränk verstellt. Ueber der Wohnung befand sich der Speicher und durch ein Loch in der Decke war der hinterzMene Hafer in das Zimmer geschüttet worden. Im Fürstentum Lippe haben, wie gleichfalls die letztgenannte Zeitung zu berichten weiß, eine ganze Anzahl Landleute unrichtige Augaben über ihre Brotkornvorräte gemacht. Einer von ihnen hatte z. B. eine große Menge un- ausgedroschenen Roggen hinterzogen. Auf seine Kosten wurde der Roggen gedroschen und beschlagnahmt,- hierbei ergaben sich 150 Zentner Brotkorn im Werte von 2000 Mark. Außer dieser empfindlichen Einbuße wird dieser Drückeberger noch vor den Strafrichter müssen. Ein anderer Landwirt, der Hofbesitzer Man- hecke zu Dehlentrup bei Detmold, mußte 300 Mark Strafe zahlen, weil er zwölf Zentner Brotkorn geschrotet und an sein Vieh verfüttert hatte, während die Ehefrau des Müllers, die das Korn zu diesem Zweck geschrotet hatte mit 25 Mark davonkam. Sehr viele Hinterzieher gaben darauf, durch die Bestrafung ariderer gewitzigt, freiwillig Nacherklärungen ab und entlasteten dadurch ihr Gewissen. Auf eine derbkomische Weise wurde, wie die Kreuzzeitung (Nr. 184 vom 12. April auf gründ einer Meldung der Münchener Neuesten Nachrichten mitteilt, ein Bauer in St. Jngbert (Pfalz) überführt. Da er Stein und Bein geschworen hatte, daß er kein Brotgetreide verheimlicht habe, ließ man bei ihm durch einen Mittelsmann einen Hahn kaufen. Der mit Brotgetreide gut gefüllte Kröpf des geschlachteten Gockels brächte seine Lügen an den Tag. Bei der nun folgenden Haussuchung konnte die Behörde große hinterzogene Bestände an Brotkorn beschlagnahmen.
Diese Beispiele könnten beliebig vermehrt werden. Falsche Angaben gibt es leider genug von Händlern und Landwirten, von Krämern und Hausfrauen. Aber kein Beruf oder Stand an sich ist besonders schuldig, obwohl gewisse Kreise hier wieder einmal wegen der Verfehlungen einzelner Landwirte ausnahmslos die „Agrarier" an den Pranger stellen möchten; denn gesündigt wird innerhalb und außerhalb der Mauern. Möge den einzelnen verstockten Schuldigen die ganze Strafe des Gesetzes treffen; denn er ist ein Schädling am Volkskörper, ein Verächter und Verräter des Volkswohls. Mögen die Ouerköpse und Neunmalklugen, die aus Gesetzesverdrossenheit und im herge- gebrachten Widerspruchsgeiste zunächst falsche Angaben gemacht haben ihr Unrecht, ihren Mangel an Vaterlandsliebe einsehen und bekennen! Ihnen komme dann auch die Milde des Richters entgegen, sobald sie den ersten Schritt der Sühne getan haben!
Durch die Lupe.
Ein Stückchen Zeitgeschichte in Versen.)
Starr in Waffen statt der Blüten — zog ein neuer Frühling auf, — ungeklärt erscheint noch immer — uns rer Zeitgeschichte Lauf, — Oesterreich und Deutschland haben — immer noch der Arbeit viel, — doch die Hoffnung steht zur Seite — uns in diesem harten Spiel. — Was in angestrengter Mühe, — fast dreiviertel Jahre lang, — unsren Feinden allerorten — zn erreichen nicht gelang, — das, so kann der Deutsche rechnen, — bleibt auch künftig uns erwart, — einem Feinde unterliegen — war noch niemals deutsche Art. - Mehr als je kann augenblicklich — Deutschland stolz und ruhig sein, — ob auch noch so giftgeschwollen — seine Feinde Zeter schrei n, — mehr als je ist zu erwarten, — daß der Sieg uns einst beschert, - wäre ohne solche Hoffnung - schließlich noch das ^eben wert 7 — Und mit jchadensrohem Lachen - kann man dem Gefasel lauschen, — womit uns re Feinde alle — gegenseitig sich berauschen. — Hat doch Joffre erst vor kurzem — seinem Heere prophezeit, — daß der Tag nunmehr gekommen, — der ersehnt seit langer Zeit, - daß in längstens einem Monat _ Frankreichs Truppen und Armeen — Belgien zu- rückgewonnen — und im Herzen Deutschlands steh'n! — Ebenso verspricht der Russe — alles, was man nur verlangt —--ob nicht diesen Herren allen — schließlich vor der Stunde bangt, — wo das Volk, das arg getäuschte, — lernen wird, es eiuzuseh'n, — wie in Wirklichkeit die Dinge — jetzt und auch in Zukunft steh'n? - Joffre, Kitchener, Nikita, - Peter und auch Nikolaus, — all' Ihr Helden von dem Maule, — geht Euch dann der Mut nicht aus? — Tretet bald, so möcht' ich raten, - von dem Kriegsschauplätze ab, — denn sonst werden in Europa — eines Tags die Stricke knapp! Walter-Walter.