ebenso vollkommen brauchbar sein würden, wie die ersten 4 ober 5 Millionen, die bisher die Last des Kampfes ertrugen. Niemand kann daran zweifeln, daß England wenigstens die Neutralität der Türkei hätte erkaufen können, und es wird zugegeben, daß es bis heute eine zweite Million nach Frankreich oder besser noch nach Ostasien hätte werfen können, wenn es seinem Volke den gewünschten Geldköder geboten hätte."
Harris sagt weiter: „Es ist ganz unmöglich, in der Schilderung des deutschen Nationalgeistes und Enthusiasmus in dieser Krisis zu übertreiben. Dieses ruhige und disziplinierte Volk zeigte bereits im Jahre 1814, daß es einer außerordentlich leidenschaftlichen Hingebung fähig sei, aber 1914 nahm dieser Patriotismus einen fast religiösen Eifer an, und eine Welt in Waffen vermochte ihn nicht zu dämpfen. In diesem Kriege von Militarismus zu reden, ist lächerliches Geschwätz. Das ganze deutsche Volk steht in diesem Kriege hinter dem Kaiser, und ist feierlich entschlossen, ihn bis zu einem guten Ausgang durchznführen? Harris behauptet, daß Deutschland durchaus bereit sei, Frankreich und Rußland Frieden zu gewähren, ihnen die besetzten Gebietsteile zurückzu- geben und Frankreich vielleicht sogar einige rein französische lothringische Gemeinden zuzugestehen unter der Bedingung, daß man ihm Antwerpen und eine gewisse Souveränität, wenn nicht die ganze Souveränität über Belgien lasse. Er erklärt, daß Frankreich fühle, daß es sich böse die Finger verbrannt habe, als es für England die Kastanien aus dem Feuer holte. Es würde schön im September Frieden gemacht haben, wenn England nicht gedroht hätte, in diesem Falle Frankreich als Feind behandeln zu wollen, und es auf diese Weise gezwungen hätte, das Uebereinkommen zu unterschreiben, daß keiner der Alliierten einen Sonderfrieden schließen werde. Wenn England auch die See hält, so ist es iym doch bis jetzt nicht gelungen, Deutschland zu blockieren oder ihm den Bezug so notwendigen Kriegsmaterials wie Kupfer und Gummi zu unterbinden. Auch die deutsche Finanzlage ist viel besser, als irgendein Mensch vor sechs Mo- itaten prophezeit haben würde.
Harris schließt: „Ist irgendein vernünftiger Grund für die Annahme vorhanden, daß die nächsten 6, 12 oder auch 40 Monate dieses abgeschlossene Kriegsurteil ins Gegenteil umwandeln könnten?"
Der Türkenkrieg.
Geschützfeuer am Ausgang der Dardanellen.
Konstantinopel, 13. April. (WTB.) Das Große. Hauptquartier gibt bekannt: Einige feindliche Beobachtungsschiffe haben gestern eine halbe Stunde lang ohne Erfolg am Mtsgang der Dardanellen unsere in der Umgebung des Einganges der Meerengen gelegenen Batterien beschossen. Durch unser Feuer wurden daraufhin ein feindlicher Kreuzer und ein Torpedoboot von Granaten getroffen. Auf den übrigen Kriegsschauplätzen hat sich nichts geändert.
Griechischer Polizeidienst auf Lemnos.
Der Mailänder „Sera" meldet aus Athen: Ein griechisches Truppeudetachement ist am Sonntag nach Lemnos abgegangen. Es soll Wach- und Polizeidienst versehen und gegenüber der vor Lemnos liegenden englisch-französischen lotte die griechische Oberhoheit über die Insel demonstrieren.
* ... *
Hussein Kiamil verläßt Kairo.
«r* London, 13. März. (T.-U.) Nach einer Reuter- melduitg aus Kairo hat Sultan Hussein Kiamil seine Residenz von Kairo nach Alexandrien verlegt. In Anbetracht dieser unerwarteten Veränderung wird der Hofrat dem Sultan erst am 1. Mai d. Js. folgen können.
Diese Abreise des Pseudosouveräns aus Kairo, wenige Tage nach dem Attentate, ist. bezeichnend für die Gefahren, von denen sich Sultan Kiamil in Mitten seiner „treuen" Untertanen umgeben glaubt.
grieasallerlel.
267 Gebäude im Kreise Memel von den Russen niedergebrannt.
Nach amtlicher Feststellung sind bei dem Russenein- sall im Kreise Memel einschließlich der Stadt 267 Gebäude niedergebrannt und 3000 Stück Vieh weggeschleppt oder verbrannt worden.
Ein deutsches Flugzeug in Holland gelandet.
ta* Rotterdam, 14. April. (T.-U.) Ein deutsches Flugzeug mit Leutnant Veermann und Mechaniker Do- netzki landete gestern bei Walcheren. Die Flieger hatten sich verirrt und wurden wegen Benzinmangels zum Landen gezwungen.
Walcheren ist die südwestlichste Insel in den Niederlanden, Provinz Zeeland, zwischen der Nordsee und den Scheldemündungen.
Eine Reichsstelle für Kartoffelversorgung.
Um den Kartoffelbedarf, namentlich der minder be- mittelten Bevölkerung in den größeren Städten für Frühjahr und Sommer 1915 unbedingt sicher zu stellen, muß eine angemessene Menge aus dem Verkehr gezogen und festgelegt werden. Die Reichsverwaltung hat den Ankauf möglichst großer Vorräte daher in die Wege geleitet. Außerdem hat der Bundesrat in seiner Sitzung vom 12. April 1915 weitere Maßregeln beschlossen. Zur Durchführung der Kartoffelverteilung ist eine Behörde vorgesehen unter dem Namen „Reichsstelle für Kartoffelversorgung", die dem Reichskanzler unterstellt ist.
Die Bersorguug der Kriegsinvaliden und Hinterbliebenen.
Die Budgetkommission des Reichstages ist Dienstag vormittag unter Vorsitz des Abgeordneten Spahn zu eitler Sitzung zusammengetreten. Gegenstand der Bera- tmig bildete die Ausgestaltung der Gesetze über die Pensionierung und Versorgung der Krtegslnvaliöen und der Hinterbliebenen gefallener Mannschaften und Unteroffiziere. Den Versorgungsbedurftigen sollen Erhöhungen ihrer Bezüge entsprechend dem Zivilem komnien des zur Fahne Eingezogenen gewährt we^en. Der Sitzung wohnte auch der Reichsschatzsekretar Dr. Helfferich bei, der auch im Verlaufe der Beratung 5u vertraulichen Erklärungen das Wort ergriff. In der Debatte wurde besonders auch die Frage der Berufsbildung und die Bedeutung der rechtzeitigen Heilbehandlung besprochen. Ministerialdirektor Caspar erklärte, man werde die Gewerkschaften aller Art in der gewünschten Weise an den Beratungen teilnehmen lassen. Der Reichsschatzsekretar erklärte, für die Uebergangszeit würden mittels der vorhandenen und der von der Kommission bewilligten Fonds die zweifellos vorhandenen Härten nach Möglichkeit gemildert werden, warnte aber nochmals dringend davor, das Reich heute schon auf Sätze festzulegen, über deren Höhe erst die Zukunft Gewißheit bringen könne.
Eine Bismarcksche Represialieu-Androhung gegen Belgien.
a-. Helfferich bei, zu vertraulichen
Nach der Schlacht bet Sedan 1870 kam es darauf ?n, die zahlreichen Verwundeten beider Heere möglichst schnell, und zwar auf dem kürzesten Wege •— über Bellen r schon deshalb wegzubringen, weil der in Aus- stehende Abtransport der gefangenen feindlichen Wrmee ohnehin hemmend aus den Verkehr hinter der
Front einzuwirken geeignet war. Graf F., einer der führenden Johanniter, geleitete einen großen Transport deutscher und auch französischer Verwundeter mit der Bahn über die belgische Stadt Bouillon nach der Heimat. Man erwartete zwar keine Sympathiekundgebungen für uns Deutsche, sondern war auf solche für die Franzosen gefaßt, aber man durfte doch wohl voraussetzen, daß wenigstens pöbelhafte Angriffe auf wehrlose verwundete Soldaten unterbleiben würden. Aber es kam anders. Als ob die Belgier zu unseren Feinden gehört hätten, so benahmen sich nicht nur die nn- teren Volksschichten in Bouillon, sondern auch gebildete Kreise der Bürgerschaft. Man warf mit Steinen nach den Deutschen und spuckte sie an, während die französischen Verwundeten mit Erfrischungen nnd Geldspenden geradezu überschüttet wurden. Alle Vorstellungen des Grafen und seiner Begleiter wurden verlacht,- ein Appell an die Ortspolizeibehörde war ergebnislos. Die Johanniter mußten Gott danken, als mit Hilfe der belgischen Eisenbahnbeamten endlich bei Anbruch der Dunkelheit die Weiterfahrt ermöglicht werden konnte. Vorher aber war es dem Grafen F. gelungen, einen seiner Begleiter unbemerkt mit einem gerade nach der deutschen Grenze fahrenden Schnellzug zu entsenden, der im Auftrage des Grafen jenseit der Grenze in einer längeren Depesche dem Reichskanzler jene skandalösen Vorgänge in drastischer Weise schilderte. Nahe persönliche Beziehungen zu dem großen Staatsmann hatten den Johanniter zu dieser Maßregel gewissermaßen als „ul= tima ratio" bewogen. Der Erfolg war durchschlagend. Augenblicklich nach Empfang des Telegramms beauftragte der Eiserne Kanzler den preußischen Gesandten in Brüssel, der belgischen Regierung die kategorische Forderung zu unterbreiten, eine sofortige Remeöur, und zwar in Gestalt der Absetzung des Polizeipräfekten in Bouillon eintreten und die untern Organe bestrafen zu lassen. Außerdem sei der Bürgermeister entsprechend zu rektifizieren. Sollten sich aber derartige Ausschrei- tungen bei ferneren Transporten wiederholen, würden die deutschen Truppen unverzüglich angewiesen werden, ohne weiteres die Grenze zu überschreiten, um ihren ver- wmtdeten Kameraden den erforderlichen Schutz zu gewährleisten. Die belgische Regierung kam unter dem Ausdruck lebhaften Bedauerns unverzüglich den Forderungen nach. Unbehelligt passierten die weiteren Transporte belgisches Gebiet,- nicht das geringste ist mehr vorgefallen.
Vermischtes.
Die Sühne für die Petersburger Spionageaffäre. Wie russische Blätter melden, ist der Gendarmerieoberst Mjassojedow mied erfolgter Verurteilung durch das russische Kriegsgericht durch den Strang hingerichtet worden. Diese Art der Todesstrafe besteht in Rußland in Friedenszeiten nur für Majestätsverbrechen, während sie nach Kriegsgericht nur in ganz besonderen Fällen angewendet wird. Einer der wütendsten Gegner Mjaf- sojeöows war der Herausgeber der „Nowoje Wremja", B. Suworin, der einmal von dem Obersten auf einer Rennbahn öffentlich geohrfeigt worden war. Seit dieser Zeit verfolgte er den russischen Offizier in offener und versteckter Form, und dürfte wohl auch jetzt nicht eher geruht haben, bis er an ihm seine Rache gekühlt hatte.
Grubenkataftroph«: in Japan. In einer Kohlengrube bet Shimouoseki, die sich unter die See hinstreckt, fand nach einer Reutermeldung eine Bodenverschiebung statt. Von 593 in der Grnbe beschäftigten Arbeitern wer= den 300 vermißt.
Deutsche Fliegerbomben im
Wüstensands von Südwest.
In einem von den Londoner „Times" veröffentlichten Briefe vom englischen Lager in Deutsch-Südwestafrika heißt es:
„Ueber die gestrigen Bombenwürfe möchte ich Dir einige nähere Mitteilungen machen. Wir waren gerade im Begriff, auszumarschieren (zu einer Uebung), als von der Wache in unserer Nähe Alarm geblasen wurde. Gleichzeitig erscholl von einem in einiger Entfernung auf einer Anhöhe aufgestellten Posten der langgezogene Ruf: „A—e—ro—plan!" Unser Lager ist ziemlich ausgedehnt, möchte ich bemerken. Da war keine Zeit mehr, aus dem Lager herauszukommen nud die Schützengräben der Außenwelt zu erreichen. Wir hatten Deckung zu sucheu, wo wir gerade standen — aber nicht etwa bet den Eisenbahnanlagen! Ich fand ein Versteck zwischen zwei halb im Sande vergrabenen Wassertauks, es war eine ziemliche günstige Deckung, aber gleichwohl war mir unheimlich zumute, denn die Wassertanks bildeten ja gerade das Ziel der Flieger. Ich wußte ziemlich sicher, daß die beiden ersten Bomben nicht treffen würden, aber schon Nr. 3 ging gerade vor meinem Versteck, nur ein paar hundert Fuß entfernt nieder. Es ist schwer, üBer solche Augenblicke Zeitangaben zu machen, aber ich glaube, die Bomben brauchten eine halbe Minute, um aus einer Höhe von tausend Fuß herabzufallen. Sie kamen flach herab auf den Boden und krepierten dann mit einem schrecklichen Getöse. Eine riesige Flamme, schwarzer Dampf und Staub wirbelten vor meinem Versteck hinter den Wassertanks und den Sanösäcken auf. Granatsplitter flogen zischend über meinen Kopf weg, drei Telegrphenörahte wurden zerrissen und fielen 51t Boden. Ich glaubte bestimmt, daß die Bombe gerade außerhalb meiner Stellung platzte und fand nachher, daß sie tatsächlich nur 40 Meter entfernt krepiert war. Minuten erscheinen gleich Jahren, wenn solche Bomben nie= dergehen. _ .
Wir sümpfen in einem viel schwierigeren Gelände, gegen einen viel Besser ausgerüsteten Feind, als unsere Soldaten im Burenkriege. Tag für Tag haben wir unter entsetzlichen Sandstürmen zu leiden, die stundenlang dauern. Das Thermometer im Schatten steht ständig über 100 Grad (Fahrenheit), einen Tag hatten wir gar 113 Grad . . . Wir haben einen Platz angetroffen, wo Sand und Wind noch schrecklicher sind als in Lüderitz- bucht. Der Wind pfeift von Mittag bis Sounenunter- gang und alle Zelte gehen dabei in Fetzen. Unser eigenes Zelt, das wunderBarerweife einige Tage standgehal- ten hatte, ging gestern nachmittag unter lautem Geprassel zum Teufel. Die Sandkörner fliegen einem um die Ohren wie im Hagelschauer, und dabei hat der Wind nicht einmal das Angenehme, kühl zu sein. Unsere Hemden reinigen wir, indem wir sie drei oder vier Tage in der Sonne ausbreiten. Wir müssen dabei kleine Steinhaufen an den Stellen errichten, wo wir sie hinlegen, da sie anderenfalls in einem Tage vom Sand vollständig verweht werden würden . . . 200 Kapjungen sind Tag und Nacht damit beschäftigt, den Sand von einer 40 Meilen langen Eisenbahnlinie fortzuschaufeln. Der Zug hat nur morgens freie Fahrt, wenn er abends zurückkehrt, liegt eine bis vier Fuß hoheSandd^e Wer den Schienen. Natürlich tragen wir alle Schutzbrillen, beim Angriff würden wir sie freilich ablegen müssen, aber das wäre auch der einzige Moment, wo wir es tun würden.
Die Taube, unser alter Freund. war am 'etzten
Sonntag wieder einmal los. Sie warf diesmal zur Ab« wechslung vier Bomben nieder, die gut die Grütze von Marinegeschossen hatten. Die Bomben gingen alle nieder in einer Linie von etwa hundert Meter von meinem Zelte entfernt, ein Kupfersprengstück von vier Zoll Größe kam durch die Zeltleinwand geflogen. Einer meiner Kameraden vorn Pretoria-Regiment fand nicht mehr Zeit, sich zu retten. Er fiel platt auf den Boden, wo die erste Bombe platzte. Als er wieder aufstehen und weitergehen wollte, platzte die zweite Bombe. Ein großer Granatsplitter traf ihn unter dem Schulterblatt und drang in die Lunge. Der arme Kerl schrie und jammerte, daß er verbrenne. Das erscheint nicht wunderlich, denn andere Stücke, die wir auflesen wollten, waren so heiß, daß wir sie nicht anfassen konnten. Der Mann ist später dann auch gestorben." . . .
Ein Emden-Zdyü.
^dif^en Ozean, südlich der Lakkadiven- und Maldivew^useln, liegt eine Gruppe von Korallenriffen und Jnielchen: die Chagos-Jnseln. Auf einer von ih- S L^Uego Garem heißt (trotz des spanischen Namens eme britische Besitzung) leben etwa 40 Europäer und 500 ^^borene, die Kokosnüsse und Zivilisation austau- Ichen. Man weiß dort nichts von der großen Welt und wußte noch vier Monate nach Kriegsausbruch nichts vom Kriege, als die Emden dort eines Tages anlegte. Ter Melbourne Argus und die Sydney Eventng wsahlen daoon, wie nach der „Köln. Ztg." im Daily Telegraph zu lesen ist, zwei hübsche Geschichten. Tre Emden kam, um ihre Bunker zu füllen und sich von dem Seetang zu säubern. Auf die Frage des Jnsel- altesteu, was ihn hergebracht habe, antwortete der wa® pitan v. Müller, ganz als ob er einen amtlichen deutschen Kriegsbericht gebe, er führe Manöver mit der britischen lotte aus. „Der Netteste glaubte das, wie es eben Leute gibt, die deutsche Kriegsberichte glauben", und wollte noch mehr rvissen, z. B. über die Homerule-Frage, ob die Gefahr eines Bürge Krieges wegen Homerule bestehe. Kapitän v. Müller gab zu, keine Ahnung zu haben, ob ^u^^u^'berkrieg zu erwarten oder nicht zu erwarten sei, teilte dem Aeltesten aber mn, daß der Papst gestorben sei. Das war doch wenigstens „etwas", was für Diego Garem mitleilenswert war, und der Kapitän war so freundlich, daß der Äelteste ihn sagte, er würde ihm gern einen zweiten Besuch machen, wenn der Motor au seinem Boot nicht beschädigt wäre. Herr v. Müller Bedauerte das sehr und schickte ihm zwei Dtechaniker, die den Schaden ausbesserten. Der SU.efte war davon entzückt und lud seinen Gast ein, aus Land zu kommen. Der Kapitän aber lehnte ab, weil die Manöver nicht gestatt teten, daß er seine Abreise hinausschiebe, sandte aber vorher seine Karte mit den besten Grüßen, einige Fla- schen Wein und eine Kiste Zigarren. Die Reinigung des Schiffes, von der das zweite australische Blatt be- richtet, ging übrigens nicht mit der wünschenswerten Schnelligkeit vor sich, und Kapitän v. Müller fam auf den Gedanken, die Inselbewohner zur Hilfeleistung heranzuziehen. Wie er iBiien den Fall auseinander setzte, sahen sie durchaus keinen Grund, warum sie nicht helfen sollten. Es war, wie das australische Blatt sagt, eme Hochseekomödie. Während die britische Flotte die Emden suchte, reinigten die britischen Inselbewohner in aller Eile das Schiff von dem Tang. „Es kann nicht weit und auch nicht schnell vorankommen", meinten die Seeleute. „Wir wollen die Emden dem Kapitän wieder völlig rein machen," sagte der Aelteste, „damit das Schiff durch das Wasser schlüpseu kann." Es gab aber auch noch einen andern Grund als der Verdienst, der die Eingeborenen zu den Höchsten Leistitngen anspornte. „Schreiben Sie viele Briefe," sagte Kapitän v. Müller, „machen Sie eine Post auf, und ich werde die Uebermittlung für Sre besorgen." Und nach der heißen Arbeit schrieben die Leute Briefe, die, wenn sie heute noch da sind, zweifellos von dem großen Ereignis des Besuchs der Emden erzählen. Als das Schiff sauber und der letzte Brief in dem Postsacke verschwunden war, fuhr die Emden mit wehender Flagge und einem Abschiedsgruß ihrer Kanone« ab. Die Newyork Times fügt noch hinzu, daß große Festlichkeiten abgehalten worden wären, aber der Daily Telegraph meint, die Geschichte wäre auch ohnedies gut genug.
Weitere Drahtnachrichten.
Explosion anf einer Shetlandinsel.
. w Rotterdam, 14. April. (T.-U.) Eine Drahtuach- ncht aus Lerwick über Aberdeeu berichtet, gestern nacht fand in Lerwick eine schreckliche Explosion statt, die die ganze Hafengegend zerstörte. Viele Menschen wurden getötet. Einzelheiten sind nicht bekannt.
L e r w i ck ist die Hauptstadt der Shetlandinsel Main- land nordöstlich von Schottland.
Der Untergang des „Weyfarer".
9s* Rotterdam, 14. April. (WTB.) Der „Nieuwe Rotterö. Couraut" meldet aus London: Etwa hundert Insassen des Dampfers „Weyfarer" wurden in Fal- mouth gelandet. Es konnte bisher nicht festgestellt werden, ob der „Weyfarer" auf eine Mine lief, torpediert wurde oder eine Explosion an Bord des Schiffes selbst das Unglitck verursacht hat.
Vom „Kronprinz Wilhelm".
9h* London, 14. April. (WTB.) „Daily Telegraph" meldet aus Neuyork: Der Kapitän des deutschen Hilfskreuzers „Kronprinz Wilhelm" hat erklärt daß er keine Kanonen gehabt habe, als er am 3. August Neuyork verließ. Er habe die Kanonen von dem englischen Dampfer „Correntina" genommen, den er bald nach der Ausreise aus Neuyork erbeutete. Infolge des Mangels an Lebensmitteln habe die Besatzung iiii Dezember fast nur von Reis gelebt, der vielfach durch Seewasser verdorben gewesen sei. Dadurch sei an Bord die Beriberi ausgebrochen, namentlich unter den Gesangenen.
Ein italienischer Offizier über den Krieg.
Zürich, 14. April. (WTB.) Die „Neue Zür. Ztg." gibt einen Auszug aus einer Unterredung wieder, die der Krteasberichterstatter der ententesreundlichcu „Ga- zetta del Popolo" mit einem hohen italienischen Offizier hatte. Die Gerüchte über einen Sonderfrieden zwischen Oesterreich-Ungarn und Rutzla»d nennt der Gefragte absurd. Die militärische Lage der Russen sei ernstlich von dem österrcichichc» rechten Flügel bei Uzsok bedroht. Es sei nicht ausgeschlossen, daß Hindenburg seine Stellung an der ostpreußischen Grenze so stark habe befestigen können, daß er den Oesterreichern zu Hilfe eilen konnte. Der Kernpunkt der militärischen Lage liege in dem von den Deutschen großartig befestigten Belgien. Der Ausgang des Krieges sei abhängig von der materiellen und moralischen Lage im Innern der am Kriege beteiligten Länder.
Handel und Verkehr.
Eine Milliarde Mark hat zum ersten Mal in einer Wvche (vom 29. März bis 3. April) der Umsatz im Postscheckverkehr des Reichspostgebiets Betragen. Gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres bedeutet dies eine Steigerung um 161 Millionen Mark oder 19 v. H.