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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

für den Kreis Hersfeld

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Duchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

<ji <-^ * j Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im

HtoSOlOll amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­

holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Nr. 87. Donnerstag, den 15. April 1915

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich auf der letzten Seite.

Bus der Heimat»

* (Handwerk und M i l i t ä r l i e f e r u n g en.) In der Versammlung des Oberbayerischen Kreisver- bandes des Bayerischen Handwerker- und Gewerbe­bundes, die kürzlich in Landsberg am Lech stattfand, hat Architekt' Krefft, Vorsitzender des Verdingungs- Ausschusses der oberbayerischenHandwerkskammer nach einem Berichte des Bayerischen-Kuriers (Nr. 100) über die Heereslieferungen ein fachgemäßes Referat erstattet, das von größtem Interesse für das gesamte deutsche Handwerk sein dürfte. Derselbe gab Auf­klärung über die Militärlieferungen und äußerte sich befriedigt darüber, daß die Heeresverwaltung den Wünschen des Handwerks nach besten Kräften ent- gegenkomme. Leider ist es infolge der kurzen Liefer­fristen vielfach nicht möglich, daß manche Handwerks­meister in der Provinz mit Militärlieferungen be­rücksichtigt werden. Absolut notwendig ist, daß die strengen Vorschriften in üezug auf Anfertigung mili­tärischer Bedarfsmittel strikte eingehalten werden, da sonst nicht entsprechende Militärarbeiten zurückge­wiesen werden. In erster Linie wird Rücksicht auf diejenigen Betriebe genommen, deren Inhaber im Felde stehen. Zwischenhandel und Zwischenmeister- tum müssen strenge ausgeschaltet bleiben, ebenso auch dieBildung von sogenanntenProduktivgenossenschaften, die auch Sollseiten des organisierten Handwerks ent­schiedenst bekämpft werden. Nachdem den Handels­kammern es unmöglich ist, in Sachen der Militär­lieferungen mit jedem einzelnen Handwerker zu verkehren, so müssen die :n«Werfer zu Organi­sationen zusammen geschlossen sein. Da es infolge der Entwurelung unserer Kreditverhältnisse in den letzten Jahrzehnten dem gewerblichen Mittelstand immer schwieriger wird, Geld zu mäßigem Zinsfuß zu be­kommen, so beschloß die Versammlung eine Resolution, in welcher der Zusammenschluß zu Kreditgenossen­schaften dringend empfohlen wird. An alle zuständigen Reichs- und Staatsbehörden richtet die Kreisversamm­lung die dringende Bitte, dafür zu sorgen, daß öffentliche Gelder gegen entsprechende Verzinsung an Angehörige des gewerblichen Mittelstandes gegeben werden. Die Kreditfrage ist gerade in der gegenwärtigen Zeit über­aus wichtig, nachdem vielen Handwerkern die Ueber­nahme von Heereslieferungen fast unmöglich oder aufs Aeußerste erschwert ist, wenn sie nicht über ein gewisses Betriebskapital verfügen. Man sieht jetzt am besten, wie notwendig und klug es war, beizeiten Kreditgenossenschaften zu gründen. Das muß ein An­sporn sein, solche Kreditgenossenschaften weiter zu gründen, wie überhaupt in der Organisation des Handwerks nicht zu erlahmen.

* (Die Kartoffelversorgung ist ge­regelt.) Da sich den Kartoffeln gegenüber eine Be­schlagnahme der Bestände als untunlich erwies, so machte die Lösung dieser Frage größere Schwierig­keiten als die der Verteilung der Getreiöevorräte. Seit Wochen beschäftigte sich die Regierung eifrigst mit der Kartoffelfrage. Wie bereits bekannt, ließ sie durch die Landräte große Mengen Kartoffeln in den letzten Wochen und Tagen ankaufen und der Zentral­stelle in Berlin zur gerechten Verteilung überweisen. Dadurch ist die Regierung den Kommunen bei der Versorgung der minderbemittelten Bevölkerung zur Hilfe gekommen. Zur weiteren Durchführung dieser Maßnahme stehen noch weitere Verordnungen bevor. Diese beziehen sich in der Hauptsache darauf, daß, falls sich dem freihändigen Ankauf Schwierigkeiten ent­gegenstellen, das Entscheidungsrecht durch Verordnung der Regierung an bestimmte Personen und Organi­sationen übertragen werden darf. Die zur Durch­führung dieser Maßnahme notwendigen organi­satorischen Ergänzungen, die sich in der Hauptsache auf eine Beschlagnahmeberechtigung beziehen, unter­lagen der Beschlussfasfung des Bundesrats.

* (Reisebrotkarten.) Vom Kriegsausschuß für Konsumenteninteressen geht der Presse folgende beachtenswerte Anregung zu:Die Einrichtung der Brotkarte bringt für Reisende manche Schwierigkeiten, ganz besonders für Fußreisende. Denn da aus­reichende Mengen Brot ohne Brotkarte nicht erhält­lich sind, wird der Reisende gezwungen, seinen Brot- vorrat aus der Heimat mitzuführen, was naturgemäß nur bei ganz kurzen Ausflügen, nicht aber bei größeren Wanderungen usw. möglich ist. In den Gasthäusern gibt es wohl ein paar kleine Schnitten Brot als Zugabe zu den anderen Mahlzeiten, aber nichts, was genügen könnte, um den Magen eines Wanderers zu befriedigen. Wäre es da nicht zweck­mäßig, besondere Reisebrotkarten einzuführen in der Erwägung, daß eS gleichgültig ist, ob jemand sein Brot zuhause oder draußen verzehrt? Man könnte diese Karte in kleine Abschnitte einteilen, die Heimat der Brotkarte ausdrucken und bei Gebrauch den Ab­schnitt mit dem Verbrauchsorte stempeln. Die ge­sammelten Reiselkartenabschnttte könnten dann ebenso

gut zur geeigneten Verrechnung gelangen, falls über­haupt nennenswerte Beträge zusammenkommen, als die Abschnitte in der Heimatgemeinde. Wir werden noch längere Zeit mit den Brotkarten leben müssen, und deshalb ist es zweckmäßig, alle Uebelstände bei deren Gebrauch auszuscheiden. Da die Personen- und Schnellzüge in Deutschland trotz des Krieges laufen, und da die Wagen recht voll sind, wird ein großer Teil des Volkes von Reisebrotkarten Nutzen ziehen. Allerdings müßte die Einführung derselben möglichst beschleunigt werden, so daß bis spätestens Pfingsten die Reisebrotkarten fertig wären.

):( Hersfeld, 14. April. (Kriegsberatungsstelle für Kleingartenbau.) Der deutsche Verein für Wohnungs­reform, der sich seit Kriegsausbruch der schnellen Ent­wicklung des Kleingartenwesens unter dem Gesichts­punkte der Kriegshilfe besonders angenommen hat, hat vor kurzem auch für die P r o v i n z Hessen- Nassau eine Kriegsberatungsstelle für Kleingarten­bau in den Räumen seiner Geschäftsstelle, Frankfurt a/M., Hochstr. 23, Fernsprecher Amt Römer, 3546, er­öffnet. Die Führung dieser Beratungsstelle ist einem berufsmäßigen, bestens empfohlenen Gartenfachmanne im Hauptamte übertragen worden. Dieser hat die Aufgabe, unentgeltlich sowohl mündlich wie schriftlich Rat und Auskunft zu erteilen, auf Wunsch auch Besichtigungen vorzunehmen, bei Organisierungs­arbeiten zu helfen, überhaupt die in Rede stehenden Bestrebungen in jeder Weise zu unterstützen. Be­sonders sei noch darauf aufmerksam gemacht, daß der genannte Herr bereitwilligst auch nach außerhalb in die Provinz kommt. In Frankfurt a M. ist er regel­mäßig Montag und Donnerstag von 102 und von 58 Uhr zu sprechen, jedoch ist die Beratungsstelle in der Regel auch außerhalb dieser Zeit zu den gewöhn­lichen Geschäftsstunden geöffnet.

M Hersfeld, 14. April. Die Rückkehr der S i n g - v ö g e l bringt die Strafbestimmungen in Erinnerung, die das Einfängen und Töten von Vögeln mit Geld­strafen bis zu 150 Mk. oder mit entsprechender Haft ahnden: Es sind dies folgende Arten: Baumläufer, Bachstelze, Rot- und Blaukehlchen, Nachtigall, Meise, Fink, Zeisig, Hänfling, Stieglitz, Ammer, Grasmücke, Rotschwänzchen, Lerche, Kuckuck, Zaunkönig, Wiede­hopf, Pirol, Goldhähnchen, Wendehals, Star, Dohle u. a. m. Vornehmlich alle Gartenbesitzer sollten sich den Vogelschutzbestrebungen anschließen, auch gegen wildernde Katzen vorgehen, sowie ein wachsames Auge auf die Nestzerstörer und Vogelfänger haben.

Vebra, 13. April. Der Abschluß der hiesigen Darlehnskasse zeigt auch für 1914 trotz des Krieges ein Bild bester Entwickelung. Die Summe der Spar- gelder beträgt fast 800 000 Mk. In laufender Rech­nung schuldet der Verein der Zentrale ca. 32 000 Mk. sind aus diesen Betriebsmitteln konnten über 700 000 Mark an Mitglieder als Darlehen gegeben, in laufender Rechnung ca. 88 000 Mk. für gelieferte Waren ca. 26 000M. kreditiert werden. Der Verein ist mit 6000 Mk. Aktien bei der Zentralkasse, mit 8000 Mk. bei anderen genossenschaftlichen Einrichtungen beteiligt. Die Immobilien und Mobilieu des Vereins sind mit 2400 Mk. in die Rechnung gestellt. Daß mehr als 6000 Mk. Zinsreste vorhanden sind, liegt an den Zeit­verhältnissen. Reserve 41 000 Mk. außer einen Wohl­fahrtsfonds von noch 8000 Mk. Die Gesamt-Aktiva beträgt 850 361 Mk. die Passiva 844 943 Mk. Gewinn: fast 5 500 Mk. Mitgliederzahl: 287.

DerZephire. derZuave, derSpahi...

Immer wieder begegnet man einer großen Un­kenntnis hinsichtlich der farbigen Soldaten Frank­reichs. Selbst Große Zeitungen verwechseln audauernd die Turkos mit den Zuaven und geben Bildern, die Turkos darstellen, irreführende Unterschriften, als ob es Zuaven wären. Es wird daher manchem will­kommen sein, wenn wir ihm eine kurze Schilderung dieser manigfaltigen Arten französischer Kulturträger darbieten. Eine lustige Zusammenfassung gab schon im letztem Kriege Wilhelm Kreusler in einem viel- gcsungeuenLiede:KöuigWilhelmsaßganzheiter."Dort heißt es: und beim Heere a la Ute brüllt der tapfereTurico. Der Zephire, der Zuave, der Spahi und jeder Brave von der grande nation." In dieser Aufzählung fehlen noch die Neger aus Senegambien, die unter der Be­zeichnungSenegalschützen" von der glorreichen Re- publick vor drei Jahrzehnten als Verteidiger der blau- weißroten Trikolore auserkoren wurden und das schwarze Elfenbein neuzeitlicher Sklaverei liefern fürdie Schützengräben in Nordfrankreich. Es sind baumlange Kerls mit Wollhaar, Stülpnase und Wulstlippen. Sie haben schon häufig das Staunen der deutschen Aerzte hervorgerufen durch die große Leichtigkeit mit der sie furchtbare und zahlreiche Wunden überstehen: Unkraut, das nicht vergeht. Senegalschützen Turkos und Zu- aveu tragen dieselbe morgenlandrsche Kleidung : Fez. offene Jacke Pluderhosen. Wegen dieser Tracht oft mit einander verwechselt, werden alle drei Trnppen- gattungen von Unkundigen schlechthin Zuaven genannt. , ,

Zuaven, eigentlich Zuauas, nannte man irr früheren Zeiten Angehörige der Kabylenstämme im Dschnurd-

fchuragebirge, die sich von den Berberfürsten Nord­afrikas als Söldner anwerben ließen, um ihnen ihre Fehden und Kriege durchzufechten. Als die Franzosen in Algerien festen Fuß faßten und sich bei einigen Eingeborenen Sympathien erwarben, errichtete Ge­neral Clausel im Jahre 1830 Zuavenbataillone, die aus Einheimischen zusammengesetzt waren. Nur ihre Offiziere und ^Unteroffiziere waren in der großen Mehrheit Franzosen. Diese neue Truppengattung fiel durch ihre malerische, der türkischen '.Nationaltracht nachgebildete Uniform so angenehm auf, daß zahlreiche Franzosen sich um die Ehre riffen, als einfache Sol­daten bei den Zuaven zu dienen. Kein Wunder, daß die Eingeborenen bald zum größten Teil durch Fran­zosen ersetzt wurden. Während des Aufstandes Abd el Kaders zeigten sich aber die eingeborenen Zuaven recht unzuverlässig, indem sie scharenweise zu ihm überliefen. Darum traf General Jugeaud bereits im Jahre 1842 eine Neuordnung. Er behielt zwar die Zuaven bei, rekrutierte sie aber aus Franzosen und errichtete Turkoregimenter, die aus Eingeborenen ge­bildet wurden. Zuaven wie Turkos taten sich durch große Tapferkeit in Napoleons Kriegen sehr hervor. Jetzt heißen die Turkos algerische Schützen. Sie sind keine Schwarzen. Als Mauren und Berber haben sie vielmehr eine braune Haut, die freilich Abtönungen vom lichtesten bis zum dunkelsten Braun aufweist. Während die weißen Zuaven zu ihrer offenen blauen Jacke eine hellblaue Leibbinde und rote Pluderhosen tragen, ist die Leibbinde der braunen Turkos rot und

ihr Beinkleid hellblau.

Die eingeborenen Reiter heißen Spahis. Ihr Name stammt von den türkischen berittenen Lehns­leuten (Sipahis) alter Zeiten her. Die Spahis tragen rote Jacke, rote Leibbinde, blaues Beinkleid und als Kopsputz einen Burnus. Das Malerische ihrer? fremd­artigen Tracht wird durch rote Mäntel nur noch er­höht. Die Chasseurs d' Afrique hingegen sind Fran­zosen und tragen eine ähnliche Uniform wie die euro­päischen Chasseurs a Cheval (Jäger zu Pferde). Die leichten eingeborenen Truppen nennt der französische Volksmund Zephyrs. Früher hießen so die Soldaten Zweiter Klaffe in den afrikanischen Disziplinarkom­panien. Der Name stammt von dem musselinartigeu Gewebe, aus dem ihre Uniform besteht. Damit wäre die Musterkarte dieser französischen Kulturträger er-

zrplmarkom- sselinartigeu

schöpft.

Die überwachte Lardaneüeualtiou!

An Syriens Küste kreuzte früher er, Den Türken Schrecken einzujagen. Ihn sandte ein Befehl ins Jnselmeer, Zu sehn, wie sich die Freunde schlagen.

Ob die Verbündeten mit voller Macht Die Dardanellenforts forcieren, Und nicht zum Scheine nur ihr Donner kracht, Den weisen Zar nur zu düpieren!

Wenn du, o Rußland, England hast vertraut, So wirst du auch von ihm betrogen, Stets hats den besten Trank für sich gebraut, Das meiste Gold für sich gewogen!

Auf seinen Vorteil ist es nur bedacht, Das wird die Welt noch einstens sehen Damit der Dreiverband jetzt nicht verkracht, Der Briten Flaggen dorten wehen.

Wie kann es unter Räubern anders sein?

Sie müssen sich doch überwachen! O edler Dreiverband, nun packe ein, Die Sache ist fürwahr zum Lachen!

Armin Kraft.

Verzeichnis

der bei L. P f e i f f e r, Depositenkasse Hersfeld ferner eingegangenen Spenden, worüber wie nachstehend dankend quittiert wird:

Für das Rote Kreuz, Seltioa Sersfeld

von Gymnasialdirektor Dr. Köhler

von

3. Rate gesammelt für Fremdwörter

Bestand

weiter verausgabt heutiger Bestand Für die Krieger im Felde Professor Schaaff, hier G. Loßdörfer, Hillartshausen

Fr. . . H. . .

Bestand

heutiger Bestand

M.

100.

3.

10421.50

M.

10524.50

//

350.

M.

10174.50

M.

50.-

//

50.

100.

895.51

Von

Für die notleidenden Ostprenßen. den Schulkindern in

RanSbach.

H. F., hier

Bestand heutiger Bestand

M.

-X

28.20

10.

92.53

"18ÖL73