Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
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Herzfelder
für den Kreis Hersfeld
WWt
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Nr. 86.
Mittwoch, den 14. April
1915
Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.
Bus der Heimat«
* (Wiederaufnahme der Schulbesich- t i g u n g e n.) Nach einer Verfügung der Königlichen Regierung zu Cassel haben die Herren Kreisschulin- spektoren vom Schuljahr 191516 mit den Schulbe- sichtigungen und Berichten wieder zu beginnen und diese Tätigkeit zwar unter wohlwollender Rücksicht auf den vielerorts unregelmäßigen und lückenhaften Schnlbetrieb, aber immerhin zur möglichsten Pflege und Förderung der Arbeit, Beratung und Unterstützung der Lehrer auszuüben.
* Im Generalgouvernement Belgien ist der Aufenthalt von weiblichen Angehörigen deutscher Offiziere, Beamten, Unteroffiziere und Mannschaften noch nicht gestattet, worauf wiederholt mit dem Bemerken aufmerksam gemacht wird, daß diesbezügliche Gesuche aussichtslos sind.
* Eine Begleiterscheinung des Krieges ist die sehr erhebliche Vermehrung des Wildbestandes in unseren Waldungen. Allerdings werden Jagdscheine gegenwärtig nur wenig angesordert, sodaß man z. B. wie aus Homberg berichtet wird, zur Anstellung von Jägern schreiten muß, um wegen des außerordentlich vermehrten Wildschadens namentlich die Rehe durch Abschuß zu vermindern.
* (Schutz der Truppen gegen d i e St ä s s e.) Beim Zurückgehen der kälteren Jahreszeit hat der Kriegsausschuß für warme Unterkleidung seine Aufmerksamkeit sogleich darauf gerichtet, die im Felde stehenden Truppen gegen die Nässe zu schützen. Die bisherigen Schritte des Kriegsausschusses nach dieser Richtung sind nicht nur in Berlin, sondern auch außerhalb der Reichshauptstadt von vollem Erfolge begleitet gewesen. Im Verlaufe des Monats März sind bereits 10 000 wasserdichte Umhänge und Ueberziehhosen an die Truppen gesandt, die sich nach den Mitteilungen der Truppenführer sehr gut bewährt haben. Mit dem nächsten Wollzuge, der am 12. April abgeht, werden weitere 20 000 Umhänge, 6000 Ueberziehhosen und 5000 Beinwickel zum Versande gelangen. Ferner soll mit einem Zuge am 16. oder 17. April 26 000 Umhänge und 5000 Wickel an die Truppe weitergegeben werden. Der Kriegsausschuß für warme Unterkleidung hat in seiner letzten Sitzung für den gleichen Zweck einen Betrag von 200 000 Mark zur Verfügung gestellt. Es ist wünschenswert, daß auch weitere Kreise der Bevölkerung, insbesondere die übrigen Kriegswohl- fahrts-Organisationen im ganzen Reiche der Wichtigkeit dieser neuen Unternehmung zum Wohle unserer Truppen ihre Aufmerksamkeit zuwenden. Der Kriegsausschuß für warme Unterkleidung (Reichstag) ist gerne bereit, seine Erfahrungen auf diesem Gebiete zur Verfügung zu stellen und würde es lebhaft begrüßen, wenn seiner Anregung im Interesse unserer wackeren Soldaten im weitesten Umfange Folge gegeben würde.
):( Hersfeld, 13. April. (Die hessischen Lehrer und der Krieg.) Von den Volks- und Mittelschullehrern des Regierungsbezirks Cassel sind bis jetzt 960 zum Heeresdienst einberufen worden: dies macht etwa ein Drittel ihrer Gesamtzahl aus.
Cassel, 12. April. Eine Hochstaplerin, die sich hier unter dem Namen einer Hauptmannsgattin von W., in einem erstklassigen Gasthofe eingemietet hatte, verschwand, nachdem sie mehrere Wochen dort gewohnt hatte, ohne ihre erhebliche Zeche und verschiedene Schulden bei hiesigen Kaufleuten zu bezahlen. Dieser Tage erschien sie abermals in Cassel und wurde in einem anderen Hotel festgenommen, als sie das Manöver wiederholen wollte.
Cassel, 12. April. (Ein e G umm i w v ch e.) Da das Rohgummi in einigen Teilen des Reiches knapp zu werden droht, wird die hiesige Bevölkerung zum Sammeln von alten Gummireifen, gebrauchten Gummischuhen, Gummischläuchen, Gummiabfälle usw. aufgefordert. Die „Gummiwoche" dürfte noch in diesem Monat abgehalten werden. Münden hat seine Gummiwoche vom 14. bis zum 21. April. Im Göttinger Landkreise hatte die gleiche Sammlung ein recht erfreuliches Ergebnis.
Frankfurt a. M., 9. April. Der HilfSlazarettzug Nr. 13 — Stiftung der Bürger der Stadt Frankfurt a. M. — verließ gestern nachmittag 4 Uhr zu seiner ersten Fahrt nach dem Osten unsere Stadt. Zur Verabschiedung hatten sich die Damen und Herren des Arbeitsausschusses und zahlreiche Angehörige der den Zug begleitenden Sanitätsmannschaften eingefunden. Oberstabsarzt Dr. Benario dankte in kurzen Worten den Bürgern Frankfurts für ihre opferwillige Stiftung, dlc den verwundeten Kriegern Linderung ihrer auf dem Schlachtfelde erlittenen Verletzungen bringen loH. Er versprach der Stadt Frankfurt a. M. Ehre machen zu wollen und schloß mit einem dreifachen Hurra auf die Stadt Frankfurt und ihre Bürger, das begeisterten Widerhall fand.
Verschwendet kein Brot! Jeder spare, so gut er kann.
Gleichzeitige kriegerische Unternehmungen.
Im Frühjahr — so hieß es schon lange in der Presse des Dreiverbandes — beginnt gleichzeitig die große Offensive auf allen Kriegsschauplätzen: in Ost und West und an den Dardanellen. Nur von größeren Unternehmungen der britischen Flotte in der Nordsee war niemals die Rede. England fürchtet sich dort vor Tauchbooten und Küstengeschützen, auch paßt es schlecht in die Art und das Herkommen seiner Kriegführung, allein die Mühen und Opfer der Kämpfe zu bestreiten. Auf Geld kommt es ihm weniger an. Das zeigten in alten Zeiten die „Subsidien", das würden in der Neuzeit die Reptiliengelder an gewisse käufliche Blätter in Neutralien beweisen, wenn nicht die Beteiligten aus begreiflichen Gründen so gut reinen Mund zu halten wüßten. Auch fremdes Land wird freigiebigst versprochen, wie die belgische Regierung ausplaudern könnte und Venizielos so Vaterland- und dreiverbandverräterisch ausgeplaudert hat. Wenn's irgend geht, läßt England andere die Kastanien aus dem Feuer holen,' in allen anderen Fällen gönnt es den verbündeten Streitern, wie den Franzosen und, wenn sie es gewollt hätten, den Griechen und Bulgaren an den Dardanellen, großmütig den Vortritt und beteiligt sich selbst nur mit kleineren Bruchteilen bei der Zusammensetzung des „alliierten" Heeres. Wellington hatte in seinem Heere höchstens ein Drittel Briten und Schotten; an seinem Aushalten bei Waterloo haben also Hannoveraner, Braunschweiger und Holländer ebenfalls ihr großes Verdienst, indem sie zwei Drittel seiner Streiter stellten: und als Blücher, Gneisenau und Bülow mit ihren Preußen erschienen, da wurde bei Belle-Alliance ein deutscher Sieg erfochten. Auch in Nordfrankreich macht Englands Hilfsheer, mitsamt den Gurkhas und Sikhs, kaum ein Viertel der Truppen der beiden Westmächte aus. Trotz seiner militärischen Ohnmacht, trotz der Untätigkeit seiner Flotte gegenüber der deutschen bläst England den schrillen Dudelsack, nach dem Belgier, Montene- grinier und Serbe, Franzmann und Moskowitter tanzen. Nur der Japaner ist so unmusikalisch, eigene Wege zu ziehen. Das Harakiri der Unselbständigkeit, des Vasallentums überläßt er den Anderen.
Was der Mann ohne Lachen, Lord Kitchener, der Erfinder der Fieberlager-Waffe gegen die Buren, des Aushungerungsplanes gegen Deutschland listenreich und feingefädelt ersonnen und, was die von ihm nach West und Ost entsandten Generale weitergaben, anbefohlen hat, führen Josfre und Nieolai Nicolaije- witsch mit großem Schneid, ohne Menschenblut zu schonen, aus. . Und wenn ihre eigenen Generale aus Unfähigkeit oder Verdrossenheit, aus Menschenfreundlichkeit oder höherer Einsicht versagen, dann regnet es im Westen blaue Briefe, im Osten, Faustenschläge, Arrest und Amtsentsetzungen; John Bulls Diktatur könnte am Ende, wenn sie Erfolg hat, den Franzosen zu ihrer Revanche und zum Rheine, den Russen zur Ausbreitung des Panslawismus und zum Besitze Konstantinopels verhelfen. England war der große Künstler, der die wiederholten verlustreichen Offensiven der Russen und Franzosen in Szene setzte, der jetzt in der Zeit um das Osterfest die hartnäckigen Angriffe zwischen Maas und Mosel, zwischen Njemen und Weichsel, Nida und Dnjester veranlaßte, der vor den Dardanellen zunächst nur bluffen wollte und schließlich selber ins Verderben rannte. Wenigstens bei den Dardanellen hat England empfangen, was seine Taten wert sind. Vier seiner stolzesten Schiffe sind dahin, alle anderen mehr oder minder schwer beschädigt: die schwachen Landungsabteilungen aber sind in Aegypten nötiger, wo das Attentat auf den Pseudosultan blitzartig die wirkliche Lage beleuchtete. In Ost aber und West sind die gleichzeitigen Angriffe der Russen und Franzosen unter Verlusten zusammengebrochen, die irr der Kriegsgeschichte bisher unerhört waren. Das Blut der Gefallenen und der Jammer, den diese Leichenfelder hervorrufen, wird früher oder später über Englands schuldiges Haupt kommen. England bat in seiner Selbstsucht, seinem Neide und Krämergeist ein Gökenbild errichtet, das abscheulicher ist als das der indischen Göttin Kuli. Englands Egoismus ist der Götze, dem Frankreich und Rußland willenloser und fanatischer dienen als die Thugs. Nicht lange mehr, und Götze und Götzendiener liegen zerschmettert im Staube.
Wer Brotgetreide verfüttert, versündigt Ach am Baterlande und macht Ach strafbar.
An die Eltern, Lehrherren und Arbeitgeber!
Die gewaltige Zeit, die mir jetzt durchleben, die furchtbaren Anforderungen, die sie an die Kraft, Gewandtheit und Ausdauer der gesamten Bevölkerung, besonders aber an unser unvergleichliches Heldenheer stellt, mahnt mehr als je, die schulentlassene Jugend zu ernster, kraftvoller Tätigkeit zusammenzusassen und ihr alles zu bieten, was die Schädigungen des Berufs in nicht immer einwandfreien, ausreichender Luft und lebenspendenden Lichtes entbehrenden Arbeitsräumen, besonders bei sitzender Beschästigung, auszugleichen geeignet ist.
Wohl wird dabei das zunächstliegende Bedürfnis der unmittelbaren Vorbereitung der Jugend für den Kampf gegen die von allen Seiten über uns herge- sallenen Feinde in den Vordergrund treten, und jeder junge Mann wird sofort nach dem Verlassen der Schule das Bestreben haben, einzutreten in die Reihen der Jungmannschaften, die unter sicherer Leitung in den Uebungen des Heeresdienstes, mit Ausnahme des Waffengebrauchs, unterwiesen werden. Aber mag man auch den Segen dieser Uebungen in freier Luft für die körperliche Entwickelung noch so hoch einschätzen, es werden daneben doch die geregelten Leibesübungen, wie sie das deutsche Turnen in seiner Vielseitigkeit bietet, nicht zu entbehren sein, wenn der Wunsch unseres Kaisers sich erfüllen soll, daß vor allem die große Masse auf ein hohes Niveau der Leistungsfähigkeit zu bringen sei.
Die beste Gelegenheit zu solchen Uebungen bietet die Deutsche Turnerschaft, die sich unter Hemmungen und Kämpfen aus kleinen Anfängen durch mühevolle Arbeit am Volke zu einer der größten Körperschaften der Welt mit fast l12 Millionen Mitgliedern entwickelt hat. Daß von diesen wohl die Hälfte auf den Schlachtfeldern im Osten und Westen, auf dem Meere und in der Luft für des Vaterlandes Ehre kämpft und fast 10 000 bereits das Eiserne Kreuz erworben haben, zeugt von der Männerbildenden Kraft des geregelten Turnens in unseren Turnvereinen.
Darum, Ihr Eltern und Lehrherren, führt Eure jetzt aus der Schule entlassenen jungen Leute, männliche sowohl wie weibliche, den Turnvereinen der Deutschen Turnerschaft zu und gönnt ihnen die wenigen Stunden, die sie wöchentlich zur Teilnahme an den Uebungen brauchen. Sie finden dort unter zielbewußter, erprobter Leitung eine tüchtige Ausbildung zu körperlicher Kraft und Frische, zu Gesundheit und Lebensmut, und im Kreise froher Genossen Nahrung für Herz und Gemüt. Sie werden um so leistungsfähiger im Berufe sein, je aufrichtiger sie sich der turnerischen Arbeit im Sinne Jahns, des großen Vaterlandsfreundes, hingeben. Sorgt dafür, daß Eure Knaben Männer werden für den wirtschaftlichen Kampf, Männer für die jetzige Not Deutschlands, Männer, die jederzeit ihr alles für des Vaterlandes Ehre und Größe zu opfern bereit sind.
In jedem, auch dem kleinsten Orte bestehen deutsche Turnvereine, in denen die Jugend alles findet, was zu einer gesunden Leibeserziehung, zu frischer, froher Vorbereitung für die Lebensarbeit nötig ist.
Der Ausschuß der Deutschen Turnerschaft.
Geh. Sanitätsrat Dr. F. Goetz-Leipzig, Vorsitzender.
Pros. Dr. H. Rühl-Stettin, Geschäftsführer.
Die Husaren-Wacht.
Halt' ich zu Pferd in finstrer Nacht Dort auf der Bergeshöh' die Wacht,
So denk' ich an das treue Herz, Das mit mir teilet Freud' und Schmerz.
Auch denk' ich an das Elternhaus,
Aus dem ich mutig zog hinaus,
Zu kämpfen für das Vaterland
Mit Kameraden Hand in Hand.
Und auch mein ganzer Lebenslauf
Taucht hier vor meinem Geiste auf.
Das plötzlich horch! Es fällt ein Schuß
Vom Feinde her als Todesgruß.
Mein Pferd erschrickt und spitzt dar Ohr,
Ich spring' im Sattel hoch empor,
Und als ich späh', was das wohl war,
Da sprengen Feindes Reiter her.
Getroffen nicht, ich hatte Glück —
Ich jag' zur Eskadron zurück.
Mein Pferöchen läuft was es nur kann
Und ich bring meine Meldung an.
„Aufsitzen!" schalt es da auch schon,
„Marsch zur Attacke die Schwadron!"
Der Feind, wie weicht er überall,
Gescheitert ist sein Uebersall.
Nachdem die Ordnung hergestellt,
Vom Feind gesäubert dann das Feld,
Reit' ich in finstrer Mitternacht
Nochmals auf die Husaren-Wacht.
Hertfeld. Max Bauer, Ober-Postschaffner.