gung aefordert werden könne. Der Belgier fährt fort, er befürchte, daß Frankreich und England, um den Krieg nicht zu verlängern, sich mit einem relativen Erfolg begnügen würden; es werde ihnen vielleicht gelingen, die Deutschen aus Frankreich und Belgien zu vertreiben, vom belgischen Standpunkte aus könne man mehr wünschen.
Schlechter Gesundheitszustand im «ichtbesetzte« Belgien.
Der Amsterdamer „Telegraaf" meldet nach der „Frkft. Ztg." aus Sluis: Es ist traurig mit dem Gesundheitszustand in vielen Dörfern des von Deutschland nicht besetzten Belgiens bestellt. Es ist dort sehr viel Bevölkerung zusammengedrängt; die Flüchtlinge der Grenzdörfer wollen nicht fliehen, wenn auch hier Gefahr herrscht, da durch Bomben schon verschiedene getötet wurden; andere gehen an Krankheiten zugrunde. Der Typhus fordert viele Opfer. Jetzt wird Zwang angewendet, um viele Flüchtlinge nach Frankreich zu bringen. Das noch unbesetzte Belgien zählt 44 Gemeinden.
Die Arbeit unserer Unterseeboote.
Der Lyoner „Nouvelliste" meldet aus Madrid: Die Zeitung „Phare de Bigo" berichtet, daß kürzlich aus Lissabon die Nachricht einlief, die Besatzung des Dampfers „Southpoint" sei auf der Berlengas-Jnsel gelandet. Die „Southpoint" war von dem deutschen Unterseeboot U 28 60 Meilen vom Kap Finisterre (nördlich Bigo) ««gehalten n«d durch Kanonenschüsse versenkt worden. Die Besatzung hatte eine viertel Stunde Zeit erhalten, die „Southpoint" zu verlassen. Sie konnte nur das nackte Leben retten und wurde nach längeren Irrfahrten von dem Kohlendampfer „Wellington" ausgenommen und nach der Berlengas-Jnsel gebracht.
Eine französische Bark versenkt.
Der Kapitän des Keinen Bugsierdampfers „Homer" hatte nach einer Kopenhagener Blättermeldung die französische Bark „General de Sonis" im Schlepptau, als er ein Unterseeboot erblickte. Er weigerte sich, dem Befehl, die Schlepptrosse zu kappen, nachzukommen und martere, bis das Unterseeboot herankam. Dann warf er die Trosse los nn6 versuchte, jedoch vergeblich, das Unterseeboot zu rammen. Sein Schiff wurde mit Kugeln überschüttet, die Brücke wurde eingeschossen und alles Holzwerk sowie die Fenster entzweigeschossen. Das Unterseeboot feuerte nun einen Torpedo ab, ohne jedoch zu treffen und jagte dann dem Bugsierdampfer zehn Minuten nach, aber der Dampfer entkam. Dafür wurde die französische Bark in den Grund gebohrt. Die ganze Besatzung konnte aber gerettet werden.
Neutrale Dampfer werden geschont.
Der Kapitän des dänischen Dampfers „Hansen", der jetzt in der Themse liegt, erzählte, daß er aus der Reise von Kopenhagen nach London von einem deutschen Unterseeboot angehalten wurde, das dreißig Meilen von der britischen Küste aufgetaucht sei. Der Dampfer sei nach Untersuchung der Schiffspapiere und längerer Besprechung mit dem Kapitän freigegeben worden.
Der Türkenkrieg.
Das feindliche Laudungskorps in trauriger Verfassung.
■o-$> Rom, 12. April. (T. U.) Wie eine Athener Meldung des „Mattino" nach dem „B. T." besagt, befinden sich die auf Lemnos gelandeten englisch-französischen Truppen in einer traurigen Verfassung. Sie seien nicht nur schlecht ausgerüstet uud organisiert, sondern auch völlig entmutigt. Die Bewaffnung des aus allen möglichen Rassen und Völkern zusammengesetzten Korps besteht zum Teil aus Gewehren älteren Kalibers. Die Zahl der vor den Dardanellen beschädigten Schiffe beträgt, wie das Blatt meldet, zwölf, von denen acht für jede weitere Aktion unbrauchbar sind.
Der Balkan.
Die diplomatischen Beziehungen zwischen Bulgarien und Rußland abgebrochen.
Der Mailänder „Secolo" meldet nach dem „H. K." aus Budapest: Nach Petersburger Meldungen seien die diplomatischen Beziehungen zwischen Bulgarien und Rußland infolge der bulgarisch-serbischen Grenz- zwischenfälle und der Haltung des bulgarischen Kabinetts Radoslawow abgebrochen.
Die Neutralen.
Wilson über den Krieg.
Dem „Daily Telegraph" wird aus Neuhork berichtet: Präsident Wilson sprach in einem Vortrag, der in der Met- Hodfftenkirche in Maryland stattfand, über den Kriez. Er beschränkte sich auf ganz allgemein gehaltene Bemerkungen und sagte, es sei feine Ueberzeugung, daß niemand weiset genug sei, um schon jetzt über den europäischen Krieg ein Urteil auszusprechen. Jedermann könne sich aber bereit halten, die Wahrheit über diesen titanischen Kampf auzu-i hören, ivenn sie offenbar werde. Es sei, als ob große blinde Gewalten losgelassen worden seien, die lange zu-: rückgehalten waren. Aber unter ihnen könne man den Antrieb starker Ideale sehen. Ohne diese wäre es den Menschen unmöglich durchzumachen, was jetzt auf den Kriegsschauplätzen Europas durchgemacht werde.
Kundgebungen in Turin.
w> TUrin, 12. April. (T. U.) Als Freitag abend das eigens zu diesem Zwecke zahlreich aufgebotene Militär und die Polizei die Abhaltung der von den hiesigen Sozialisten trotz des allgemeinen Versammlungsver- botes an zwei entgegengesetzten Plätzen Turins veran- stalteten, von über 4000 Personen besuchte Versammlungen gegen den Krieg verhindern wollte, kam es nach dem „B. T." wieder zu recht blutigen Zusammenstößen, bei denen es, während die Kavallerie vorging, auf beiden Seiten zahlreiche Schwerverletzte gab Es wurden zahlreiche Verhaftungen vorgenommen. Für den gestrigen Abend, an dem die hiesigen Jnterventwmsten eine große Gegenkultögebung für den Krieg planten, waren um- fasiende Maßnahmen zur Verhinderung der Kundgebung getroffen.
Die russischen Offiziersverluste.
Die ungeheuren Offiziersverluste, welche die Eng- lättder bisher erlitten haben, werden, wie der Korrespondenz „Heer und Politik" geschrieben wird, noch be: weitem durch die Offiziersverluste des rufftschen Heeres übertroffen. Wenn man auch berückstchirgen muß, daß das russische Heer viel zahlreicher tft als das englische und darum die Osfiziersverluste auch großer fein müssen, so sind doch im russischen Heer die Verluste auch nach dem Prozentsatz, also im Vergleich zu der Anzahl der im Felde stehenden Mannschaften, unverhältnismäßig hoch. Die Ursache hierfür liegt aber nicht in dem schneidigen Vorwärtsgchen der Offiziere, sondern ist anderer. Natur. Nach russischen Berichten hat die Winter-schlacht in Ma- suren dem russischen Heere einen Verlust von fast 3000 Offizieren gebracht, von denen mehr als 1500 schwer verwundet würben, während der Rest als vermißt, tot oder gefangen geklommen gemeldet wurden. Man kann so- ™tt sagen, daß fast das gesamte KLMeMxps dee Mi
schen 10. Armee in der WinteAchlacht in Masuren auf- gerieben wurde. Der Grund über diese bemerkenswerte Erscheinung ist darin zu suchen, daß das russische Heer in der Winterschlacht eingekreist worden war und fast völlig vernichtet wurde. Bei der Anlage der Schlacht gelang es ßefmtntHd) nur sehr geringen Truppen, unseren Soldaten zu entgehen, zumal eine heftige Verfolgung eingesetzt wurde. Die Offiziersverluste in den Schlachten bei Tannenberg und bei den Masurischen Seen haben einen ähnlichen Umfang angenommen. Auch diese beiden Schlachten verursachten dem russischen Heere nach russischen Zeitungsmeldungei: Verluste von mehr als 5000 Offizieren. Damals sah sich der Zar bekanntlich veranlaßt, in einer Ansprache an die ins Feld ausrückenden Kadetten darauf hinzuweisen, daß sie sich möglichst schonen sollten, da das russische Heer Offiziere dringend nötig habe. Die großen Offiziersverluste in den oben vorher erwähnten Schlachten vom August und September 1914 hatten im russischen Oberkommando geradezu eine Panik hervorgerufen, da der Ersatz für so bedeutende Abgänge nicht so schnell zu beschaffen war. Die Ursache für die Riesenverluste in diesen beiden Schlachten war die gleiche, wie in der Winterschlacht in Masuren, denn anch bei Tannenberg wurde fast die ganze russische Armee zum Teil vernichtet, zum Teil gefangen genommen. Die großen Offiziersverluste des russischen Heeres, die sonst unerklärtlich waren, wurden also dadurch hervorgerufen, daß die Schlachten, die Hin- öenburg ihnen lieferte, Vernichtungsschlachten im wahrsten Sinne des Wortes waren. Es mangelt darum jetzt dem russischen Heere an Offizieren, welche die neu eingestellten Truppen ausbilden und führen sollen.
Zciegsal!er!ei.
Der Arbeiterrnangel in den englischen Mnnitions- fabriken.
Lord Kitchener hat an den Lordmayor von Newcastle einen Brief gerichtet mit dem briitgenben Ersuchen, in den Fabriken am Tyne die Herstellung von Munition nnb Waffen nach Möglichkeit auszudehnen. Tausende Arbeiter sollten üazn noch sofort herangezogen werden. Der Lordmayor berief darauf eine Versammlung, um zu beraten, wie die nötigen Arbeitskräfte zu bekommen seien. In vielen englischen Städte:: sind nach Berichten der Blätter Plakate angeschlagen, in denen unter der Ueberschrift: „Menschen, die das Heer jetzt braucht" geschulte und ungeschulte Arbeiter aufgerufen werden, sich in den Fabriken für Munitions- und Waffenherstellung zu melden.
Die Trinklust der französischen Kriegerfrauen.
Der „Temps" meldet: Der Minister des Innern richtete ein Rundschreiben an die Präfekten, in dem er erklärte, er sei benachrichtigt worden, daß in einigen Departements Frauen von Mobilisierten einen Teil der ihnen gewährten Staatsunterstützung für alkoholische Getränke ausgeben. Die Präfekten sollten beachten, daß einem öerarigeu Mißbrauch gesteuert werde, nötigenfalls sollte die Staatsunterstützung jeder Person, die damit Mißbrauch treibe, entzogen werden.
Ein vernichtendes schwedisches Urteil über die russische Kriegführung.
Die schwedische öffentliche Meinung ist nach einer Mel-, dung der „Frkf. Ztg." aus Stockholm erregt über die furchtbaren Feststellungen des deutschen Weißbuches. Aus. den scharfen Urteilen der Presse wird folgender Kommen-: tar des „Svenska Dagbladet" yerausgehoben: „Der gegen-, wärtige Krieg stellt mit seinen^ entsetzlichen Geschehnissen alle anderen Feldzüge seit den Tagen des Dreißigjährigen Krieges in den Schatten, mit Ausnahme vielleicht von einigen Untaten in Spanien während der Napoleonszeit, die wir aus Goyas Schreckbildern kennen. Aber das alles kann kaum auffonnnen gegen die amttlichen Feststellungen des deutschen Weißbuches über oie unerhörten Greuel der Russen in Ostpreußen. Hier haben wir den Osten in Reinkultur, roh und nackend vor Augen, oen Kneg in seiner ursprünglichen EhWakterisierung, mit 'Schändung und Plünderung. Die guten Russen haben nichts vergessen von all dem, was in den Feldzügen des Mittelalters passierte, und was in der modernen Zeit nur noch in Ehiua praktiziert wurde."
Deutsche Fliegertätigkeit in Südwest.
Ein deutscher Flieger warf Bomben auf den Bahnhof in Swakopmund, wo eben feindliche Truppen verladen wurden.
Vermischtes.
Zu Tode gedrückt. Sourtabend abend wurde der 54 Jahre alte Arbeiter August Gust tu Berlin, der in einer Maschinenfabrik in der Christianiastratze beschäftigt war, in der Durchfahrt des Fabrik-Quergebäudes beim Hin- ausschieben eines mit einer 150 Zentner schweren Ge- schotzdrehbank belaöenen Plattenwagens gegen den an die Wand gelehnten Torflügel gedrückt, so daß die Wirbelsäule brach und der Tod auf der Stelle eintrat.
Mordprozetz gegen einen französischen Rittmeister. Vor dem Schwurgericht in Paris begann der Prozeß gegen den Rittmeister Herail, der im November seine Gattin ermordete. Sie war ihm trotz des militärischen Verbotes ins Feld nachgereist und wollte sich durchaus nicht wieder entfernen, obschon sie der Rittmeister darum beschwor. Schließlich bestrafte der Oberst des Regiments den Rittmeister mit fünfzehn Tagen Arrest und drohte ihm die Entziehung der Ehrenlegion an. Der Rittmeister geriet hierüber in solche Erregung, daß er seine Frau, weil sie an seiner Maßregelung schuld trug, im Zorn durch sechs Revolverschttsse tötete. — Wie der „Matin" meldet, wurde Hauptmann Herail vom Kriegsgericht freigesprochen.
Heuschreckeuplage in Aegypten. Die „Morning Post" meldet aus Kairo: In ganz Aegypten herrscht eine Heuschreckenplage, die trotz aller Vorkehrungen znnimmt. Die Baumwollernte ist in Gefahr, vernichtet zu werden. Aus Syrien kommt die Nachricht, daß die Heuschrecken die Felder zwiWen Jerusalem und Elarisch zerstörten, und daß die Nomaden der Halbinsel Smai nach Aegypten flüchten.
Fehleude Arzneimittel in England. In England herrscht große -Knappheit an wichtigen Arzneimitteln, die man bisher ans Deutschland bezog. Das ttttentbehr- lichste dieser Arzneimittel ist, wie ein Mitarbeiter des „British Medical Journal" hervorhebt, Karbolsäure oder Phenol. Phenol wird nicht nur sehr viel gebraucht, sondern ist auch eine Chemikalie, aus der andere wertvolle Substanzen hergestellt werden, so besonders Salizyl- sänre, Aspirin und einige andere Arzneiunttel. Alle diese Dinge kamen aus Deutschlaud^ und vor Ausbruch des Krieges wurde überhaupt keine Salrzy^ saure in England hergestellt. Auch jetzt ist ö:es den britischen Fabri- fanten noch nicht gelungen, und deshalb wird den Aerzten dringend ans Herz gelegt, besonders mit Aspirin zu sparen und es nur in Fällen von schwerem Rheumatismus zu verabreichen, während Influenza, Neuralgien und leichtere Formen von Rheumatismus ohne Aspirin behandelt werden sollen. Bester als mit der Salizylsaure steht es mit den Bromverbindungen; auch die fehlten LWMft in Enaland, werden aber letzt reichlicher aus
Amerika eingeführt. Ein Arzneimittel, das sehr knapr zu werden anfängt, ist das Atropin, das nur in Deutschland hergestellt wird, obwohl die Pflanze, aus der es gewonnen wird, in Aegypten wächst. Ebenso sind Kokain und Eukain so spärlich geworden, daß sie nur in dringlichsten Fällen angewandt werden dürfen. Thymol, das wie Atropin in Deutschland und zwar aus einem in den britischen Kolonien wachsenden Material hergestellt wird, ist unerschwinglich teuer geworden. Das gleiche gilt von Phenacetin und Veronal, und der Mangel an Ehrlichs berühmtem Salvarsan gibt zu den schwersten Bedenken Anlaß. Danach scheint es, daß die Engländer wie mit dem Versuch, andere deutsche Arzneimittel her-' zustellen, so auch mit der Salvarsansabrikation gescheitert sind.
wie der „Prinz Eitel Friedrich" die „Florida" versenkle.
Eine dramatische Szene vom Kreuzerkrieg auf hoher See erzählt ein Passagier des Dampfers „Florida", der von dem deutschen Hitsskreuzer „Prinz Eitel Friedrich" versenkt worden ist. Die „Florida" hatte Le Havre am 28. Januar verlassen, um nach Buenos-Aires zu fahren; sie hatte außer einer bedeutenden Ladung an Gütern auch Passagiere an Bord.
„Am Morgen des 19. Februar," so erzählte der jetzt nach Paris znrückgekehrte Passagier einem Mitarbeiter des Matin, „signalisierte die Wache ein Schiff, das auf uns zukaur. Es war 8 Uhr 50. Die Offiziere stiegen auf die Kommandobrücke, die Reisenden kamen auf Deck. Alle verfolgten mit den Ferngläsern die Bewegungen des unbekannten Schiffes. Nach einer Stunde waren wir einander nahe genug, um auf dem unbekannten Dampfer das Signal zu erkennen: „Stoppt sofort!" Wir stoppten. Ein zweites Signal wurde gehißt: „Zeigt eure Flagge!" Sofort wurde unsere Flagge emporgezogen. Inzwischen verringerte sich die Entfernung. Wir erkannten an dem Schiff die Mündung von Geschützen. Es war kein Zweifel, wir hatten es mit einem Hilfskreuzer zu tun. Aber von welcher Nation? Englisch oder Deutsch? Alle legten sich ängstlich diese Frage vor. Ein Offizier sagte: „Brauner Anstrich aus dem Schornstein, schwarzer auf dem Rumpf, es ist ein Engländer . . ." Aber der Kapitän meinte, nachdem er durch das Fernglas beobachtet hatte: „Nein, ich zweifle nicht, das Schiff ist deutsch, ich erkenne es . . ." Unterdessen wnrden weitere Signale ausgetauscht: „Wir senden ein Boot!" Wir haben gesehen!" Diese Zeichentelegraphie hatte natürlich unter den Passagieren eine sehr große Erregung hervorgerufen, besonders unter den Frauen, während die Männer ihre Ruhe zu bewahren versuchten.
In dem Boot, das von dem Schiff abstieß, waren 3 Offiziere und 19 Matrosen. Die Falltreppe wurde herabgelassen und die 3 Offiziere stiegen an Bord, gefolgt von einigen Matrosen, die die ihnen vorher bezeichneten Posten einnahmen. Die 3 Offiziere mit dem Revolver in der Hand stiegen auf die Kommandobrücke. Sie hatten die schwarz-weitz-roten Kokarden an der Mützen es waren deutsche Seeleute. „Zieht eure Flagge ein!" Wir mußten gehorchen, die Flagge wurde etn= gezogen. Ein deutscher Offizier nahm sie, wickelte sie zusammen und warf sie in das Boot. Darauf wandte sich ein Offizier an den Kommandanten und verkündete: . „Ihr Schiff ist Kriegsbeute!" Die französischen Ossiziere, die an Bord waren, suhren auf, faßten sich aber gleich wieder. Sie waren bleich, blieben aber stumm. Die Deutschen ließen sich alle Papiere, Borddokumente und Schlüssel geben und. begannen die Durchsuchung. Inzwischen kamen andere Boote, und bald war das galtst: Schiff besetzt. Maschinisten von dem Kreuzer traten an die Stelle der Maschinisten t^r „Florida". Unter der Leitung eines deutschen Offiziers wurde die ganz« Mannschaft am Bug versammelt, wo ihr französisch folgende Mitteilnng gemacht wurde: „Die Männer können alle ihnen persönlich gehörenden Gegenstände mit sich nehmen, aber es ist streng verboten, irgend etwas zu nehmen, was zum Schiff gehört." Eine Kassete mit Goldmünzen, die von der Französisch-Portugiesischen Ban! in Lissabon nach Rio de Janeiro geschickt war, wurde beschlagnahmt. Alles vollzog sich in einem Augenblick Unter den Kochgeschirren wurde eine Auswahl getroffen, alles wurde in völliger Ordnung auf Deck gebracht. Unterdessen wurden die Reisenden zweiter und dritter Klasse im Schiffshinterteil versammelt, während die erster Klasse weiter frei nmhergingen. „ _ ,
Zwischen dem Kreuzer und der „Florida ‘ gingen die Boote hin und her. „Dürfte ich «« fragen, auf welches Schiff wir gebracht werden?" fragte ich einen deutschen Offizier. „Ist das nicht Prinz Eitel Friedrich?" „Sie irren sich!" antwortete der Offizier kurz. Bald nach Mittag wurden die Reiienden benachrichtigt, daß sie sich fertig machen müßten, den „Prinz Eitel Friedrich", denn dieser Kreuzer war es wirklich, zu erreichen. Auf der Treppe grüßte uns ein Offizier militärisch. Als alle Passagiere hinübergebracht waren, mußte die Mannschaft die „Florida" vertäuen, zuerst die Matrosen, dann die Offiziere nach ihrem Grad, zuletzt der Kommandant. Als dieser b e Kommandobrücke verließ, entblößten alle das Hanpt. Die Mützen in den Händen, gingen die Mannschaften und Matrosen auf die Treppe Pinab. Alle waren sehr bleich. Auf Deck war noch ein Ochse, der durm einen Revv'oerichnß getötet, zerlegt und in das Boot geschafft wurde. Die Deu'ichen vergaßen nichts.
Der „Prinz Eitel Friedrich" fetzte sich in Bewegung und fuhr um das Schiff. Um 9 Uhr erschien ein groner Brand am Horizont; es war die „Florida". Der Kommandant des Kreuzers befahl uns: „Gehen Sie in .ihre Kabinen! Es ist nicht meine Absicht, Sie zn Fransen. Aus den kleinen Fenstern unserer Kolnue verfolgten wir die Entwicklung des Brandes weiter. Um Nutter- nacht hatten die Flammen fast das ganze Schiff Zerstört. Dieser Schiffsbrand in einer heileren Nacht am höbe: See hatte was unendlich Tragisches/ .
Weisere Drahtnachrichten.
Schlechte Er«tea«ssichten in Portugal.
w> Paris, 12. April. (WTB.) Das -Journal" meldet aus Lissabon: Das andauernd sMcchte Wettender letzten sechs Monate hat der Landwirtschaff großen -scha- dc:i verursacht. Man glaubt, da« 1915 ein Hungersjahr sein wird.
Brand eines Liverpooler Tabakspeichers.
Amsterdam, 12. April. (T. U.) Wie die Blätter nach dem „B. T." melden, brach in der Nacht vom Freitag zum Sonnabend ein großes Schadeuseuer im Tabak- speicher der Mersey-Docks in Liverpool aus. Das in seiner Art größte Gebäude der Welt war mit Waren vollgestopft. Um Mitternacht machte das Feuer noch weitere Fortschritte. Sechs Feuerivehrleute wurden durch Rauch betäubt und mußten ins Hof vital gebracht werden. Bis nach Mitternacht war es der Feuerwehr nicht gelungen, an den Herd des Brandes heranzu- tommem