Offiziere und Mannschaften der deutschen flotte von oer britischen Marine, manchmal unter Mißachtung der Gefahr für die Netter und manchmal unter Schädigung von britischen Marineoperationen", gerettet worden seien, während kein Fall vorgekommen sei, in dem irgendein Offizier oder Mann der englischen Flotte von den Deutschen gerettet worden wäre.
Die englische Regierung stellt sich also ganz aus den Boden der Auffassungen und Anregungen, die sie sich von der Londoner Presse seit Beginn unseres Unterseebootkrieges hatte apportieren lassen. Ueber die Ehrenhaftigkeit unserer Unterseebootoffiziere werden wir natürlich weder mit britischen noch mit sonstigen ausländischen Stellen verhandeln. Dem schärfsten Protest, den unsere Regierung sofort gegen diese Anmaßung erhoben hat, muß nun, da er.wirkungslos geblieben ist, die Tat auf dem Fuße folgen.
(Unter Naval Detention Varacks sind Anstalten zu verstehen, in denen die längeren Arreststrafen abgebüßt werden, während die kleineren Arreststrafen an Bord ober in den Kasernen erledigt werden. Selbstverständlich geht das Verbringen von Kriegsgefangenen in Arrest- lokale über das völkerrechtlich Zulässige hinaus.
Der Türkenkrieg.
^ Die Landungskorps auf den Griecheninsel».
Aus Mytilene und Lemnos im Piräus eingetroffene Reisende erzählen, daß ein großer Teil der feindlichen Kriegsschiffe so stark beschädigt ist, daß sie augenblicklich zu einem Unternehmen unbrauchbar sind. Aus Lemuos befinden sich 5000 bis 6000 Mann an Land, weitere 10 000 weilen auf den Transportschaffen. Die Ernährung der Truppen bereitet große Schwierigkeiten. Der Versuch, artesische Brunnen anzulegen, blieb erfolglos: das Wasser für die Soldaten mußte man aus Saloniki herbeischaffen. Nach der Meinung eines Berichterstatters seien die Operationen gegen die Dardanellen noch nicht endgültig aufgegeben, da noch in der Vorwoche englische und französische Truppen nach der Mudrosbai und Lemnos abgingen.
Der Balkan.
- Eine Dreioervandsdrohnng an Bulgarien.
e-^ Christiania, 10. April. (T. U.) „National Ti- deude" meldet nach dem „B. T." aus Paris: Die Ge- fandten der Alliierten in Sofia hätten den Auftrag, einen gemeinsamen Schritt bei der bulgarischen Regierung zu unternehmen und eine Erklärung für den Grenzzwischenfall zu fordern. Die Anfrage werde die Form eines Ultimatums haben und es werde klarste Abfassung der Antwort gefordert werden.
Griechenlands Stellungnahme.
Nach einer Meldung der „Köln. Ztg." empfing der König von Griechenland den Vertreter der römischen „Tribuna" und sagte ihm, Griechenland befinde sich in einer ähnlichen Stellung wie Italien. Wenn das Interesse des Vaterlandes es verlangen sollte, so würde sich das griechische Volk mit Begeisterung unter die Fahnen stellen. Die Regierung müsse indes die Lage in ihrer Gesamtheit rüfen und sorgsam abwägen. Vor allem müsse Griechenland seine Finanzen verstärken.
Die Neutralen.
Die amerikanische Note an England.
London, 10. April. (T.-U.) Der Washingtoner Korrespondent der „Times" meldet seinem Blatte folgendes: Die amerikanische Regierung kann die For- derung Englands, Ladungen nach neutralen Häfen nach Belieben anzuhalten, wenn die Vermutung besteht, daß sie für den Feind bestimmt sind, nicht anerkennen. Um weiteren Meinungsverschiedenheiten vorzubeugen, soll England, wenn auch nur dem Buchstaben nach und nicht in Wirklichkeit, in dieser Hinsicht ein Entgegenkommen zeigen. Die Unionregiernng werde, wenn die Liste der bedingungsweisen Kontrebande erweitert würde, nur schwach protestieren, da viele Urteile aus dem Bürgerkriege die Lehre von der beöingsweisen Kontrebande bestaUgeMn^lische ^^ beschäftigte sich auf's lebhafteste mit der letzten amerikanischen Note. Die Kommentare sind in der höflichsten Form gehalten, bedeuten jedoch dem Inhalte nach eine glatte Ablehnung des amerikanischen Protestes.
Amerikas Einfluß auf den Krieg.
Die „Vofs. Ztg." berichtet aus Rotterdam: Der „Rotterdamsche Courant" schreibt: „Die Armeen der Verbündeten mit amerikanischem Fleisch ernährt und hinter amerikanischem Stacheldraht verschanzt, beschießen die Deutschen mit amerikanischen Granaten", sagte kürzlich ein Amerikaner und jedermann weiß, daß er damit noch lange nicht alles gesagt hat. Jetzt kommt Amerika mit einer Grabemaschine, die in der Stunde 75 Meter Laufgräben anlegt. Man nimmt an, daß die neue Maschine für die Schanzarbeiten dieselbe Bedeutung hat, wie die Maschinengewehre für die Schützenlinien.
Die Lage im fernen Osten.
Abermalige Verlängerung der China gestellten Frist.
te* Mailand, 10. April. (T. U.) „Sera" meldet nach dem „H. Frdbl/ aus Tokio: Das Parlament ist zum 18. April westeuropäischen Stils einberufen worden. Die an China gestellte Frist zur Annahme der japanischen Forderungen ist infolge der Nachgiebigkeit des chinesischen Präsidenten bis zum 30. April verlängert worden.
Englische Unzufriedenheit mit Japans Borgehen.
,u
Der „Manchester Guardian" veröffentlicht folgende schrift: Wenn Graf Okuma in einer Unterredung te, daß die japanischen Forderungen so unschädlich
sagte, daß die lapantfcyen Foroerungen w unicyaoncy sind, weshalb werden sie dann nicht amtlich veröffentlicht? Wahrheit ist, daß im fernen Osten viele Engländer diesen Forderungen feindlich gegenuberstehen, weil sie den Grundsätzen des englisch-japanischen Bündnisvertrages zuwiderlaufen, der Gleichberechtigung auf dem Gebiete des Hauöels widersprechen und die Stellung vieler Völker, darunter auch dwsemge des englischen Volkes, ernstlich gefährden. Okuma wiederholt das oft widerlegte Märchen, daß an Chinas Widerstände deutsche Umtriebe schuld seien. Dies ist eine Geringschätzung des Verstandes unserer Lanösleute in China. Sie kennen die völlige Unrichtigkeit dieser Behaup-
tungen.
Krlessallerlei.
Generalleutnant Lndendorff, der Chef des Generalstabes unserer gesamten Streitkräfte im Osten beging am 9. April seinen fünfzigsten Geburtstag — worin liegt, daß er der jüngste deutsche Generalleutnant sein dürfte. Gleich zu Beginn des Krieges lernte die breite Oeffentlichkeit seinen Ramien kennen: bei der Erstürmung Lüttichs unter Emmich zeichnete sich Luden- dorff so aus, daß ihm der Pour le Merite verliehen wurde. Noch mehr aus Herz wuchs er bem deutschen Volke, seitdem er als Generalstabschef Hindenburgs wirkt, dessen großen kriegerischen Plänen er die strategische Ausarbeitung l» erfolgreichster Weise zu gehen wußte.
Französische Frauen für den Kriegsdienst.
Die Lyoner Blätter melden, daß in Paris von Frauen ein Automobilklub gegründet worden ist, der es sich zur- Aufgabe gesetzt hat, daß alle Frauen, die die Erlaubnis besitzen, Kraftwagen zu lenken, militärisch ausgebildet werden und sich der Heeresverwaltung zur Verfügung stellen.
Der Fall der „William Frye".
Dein „B. L.-A " zufolge erklärte sich Deutschland nach, einer Meldung aus Washington in der Antwort auf die amerikanische Note znr Entschädigung für das Jngrund- bohren des amerikanischen Dampfers „William Frye" durch den „Prinz Eitel Friedrich" bereit, ersucht aber, die Angelegenheit dem Prisengericht vorzusegen, um die wahren Eigentümer von Schiff und Ladung zweifellos festzustellen.
Die Schlacht im Hexenkessel.
Einen: Feldpostbriefe, in dem der siegreiche Kampf eines tapferen Reserve-Regiments von einem, der dabei gewesen ist, etwas näher beschrieben wird, entnimmt die „Weser-Ztg." folgendes: „16 Tage lagen wir vor P... ..; es ist die schauerlichste Bett meines Feldzuges. Zwölf Tage lang knallten die Franzosen unaufhörlich auf den Hexenkessel, den berüchtigsten Platz an der ganzen Westfront; es war kein Kanonenschall, sondern ein unaufhörliches Getöse. Dann kamen die Angriffe immer wieder und immer wieder. Gräben wurden genommen und wieder verloren. Die Franzosen machten mit unerhörter Wut Durchbruchs- versuche. Die Brigade hielt aber stand, bis Ersatz kam. Dann wurden |b te beiden total erschöpften Reserve-Regi- menter abgelöst. Es sind wirkliche Helden, die Leute, so ruppig und struppig sie auch aussahen. Und noch zuletzt, als eine Kompagnie abgelöst werden sollte, erblickte, sie ein anschleichendes Bataillon Franzosen. Unsere Leute stellten sich auf die Schützengräben und schössen auf 300 Schritt ruhig ihre naiven, dann auf 150 Schritt. Das Bataillon war vernichtet. Nun zog die Kompagnie ab,, das Regiment war erschöpft, aber noch leistungsfähig." Kein Wunder, wenn da eine ganze Kompagnie — vielleicht die oben erwähnte — zum Eisernen Kreuze eingegeben worden ist. Alle Achtung vor den Tapferen, die mit solchem Löwenmute gekämpft haben. -
Wirkungen des russischen Alkoholverbotes.
Stockholm, 10. Aprjl. (T. U.) Das Alkoholverbot wird in der letzten Zeit in Petersburg mit einer für russische Verhältnisse ungewöhnlichen Schärfe durchgeführt. Wegen Uebertretnng der Bestimmungen des Gesetzes sind binnen kurzem allein im Stadtbezirk Petersburg 900 schenken, 200 Weinrestaurants und 40 Speisewirtschaften durch die Polizeibehörde geschlossen worden.
Kriegsgefangene als Arbeiter in der russischen Industrie.
Stockholm, 10. April. (T. U.) Ein untrügliches Merkmal für das allmähliche Versiegen des „unerschöpflichen" russischen Menschenreserpoirs bildet die immer dringlicher! werdenden Klagen der russischen ^nifuftrieslen über den Mangel an Arbeitskräften. Der Verband der Industriellen von Jekaterinoslaw hat daher an die Regierung eine Eingabe gerichtet, Kriegsgefangene die Beschäftigung in industriellen Unternehmungen zu gestatten, da diese sonst zur Stillegung der Betriebe gezwungen würden.
Portsmouth vorübergehend gesperrt.
s-s- Haag, 10. April. (T. 11.) Englische Blätter melden nach der „Tgl. Rösch.", daß der englische Hafen Portsmouth ungefähr zehn Tage für alle Handelsschiffe gesperrt werde. Der Grund der Maßregel ist nicht bekannt.
Vermischtes.
Hindenburg über die Läufeplage im Osten. Die vom Zentral-Depot für Liebesgaben verunstaltete Son- dersammlung, um Mittel zur Bekämpfung der Läuse- plage zu beschaffen, hat bisher schon die erfreuliche Summe von 300 000 Mark ergeben. Die höchsten Kreise, der Mittelstand, die Arbeiterschaft und sogar Schulkinder haben sich an den Sammlungen zu diesem Zwecke beteiligt. Der Berliner Spezialarzt für Haut- und Haarleiden Dr. Dreuw, der die obige Sammlung seinerzeit anregte, hat sich nun an Generalfeldmarschall von Hindenburg gewandt mit der Anfrage, ob noch weitere Sammlungen im Interesse einer intensiven Lttusebe- kämpfung erwünscht seien. Darauf ist Dr. Dreuw aus dem Großen Hauptquartier im Osten folgende Antwort zugegangen: „Der Forderung des gesundheitlichen Wohlergehens der Truppen des Ostheeres ist andauernd die besondere Fürsorge des Herrn Generalfeldmarschalls gewidmet. Auf seinen Befehl wird durch die Sanitäts- dienststelleu die Bekämpfung der Läuseplage an allen Orten mit Macht und mit gutem Erfolg betrieben. Trotzdem kann eine Unterstützung auf diesem Gebiet nur erwünscht sein." Diese Mitteilung dürfte dazu anspornen, den Kampf gegen die Läuseplage auch noch weiterhin zu unterstützen. Lieber wollen unsere Soldaten im Felde Hunger und Durst leiden, als das unerträgliche Jucken. Die moderne Hygiene hat uns die Mittel an die Hand gegeben, den Kampf gegen die Peiniger unserer Soldaten mit Erfolg aufzunehmen. Systematisch gegen die Ungezieferplaae durchgeführte Maßnahmen, wie sie bisher schon erfolgt sind, bedeuten ebenfalls eine patriotische Tat, denn sie erhöhen die Schlagfertigkeit unserer
Truppen.
Unglaublich, aber wahr. Graf Hoensbroech «Berlin) schreibt der „Post": Jüngst teilte mir die Leiterin eines der größten Damenmodengeschäftes Berlins mit, daß die besten Damentuchstoffe, die den Damen als französische und englische Tuche verkauft werden, in deutschen Fabriken, meistens in Aachen, hergestellt und nach Paris oder London verschickt werden, und von dort als französische und englische Erzeugnisse nach Deutschland zurückkehren. Als ich erstaunt fragte, warum dieser un- deutsche Schwindel getrieben werde, erhielt ich die Antwort: Die vornehme Damenwelt Berlins verlange französische und englische Stoffe. Mit diesem Gebahren, das den Ruf deutschen Gewerbefleitzes und den Ruf deutscher Gesinnung unserer Damenwelt erheblich schädigt, muß aufgeräumt werden.
Eine Kriegszulage für die städtischen Aegestellten in Berlin. Der Berliner Magistrat beschloß, den städtischen Arbeitern, Angestellten und Beamten eine Kriegszulage von zehn Mark monatlich zu gewähren. Dieser Beschluß soll Geltung haben für alle, welche nicht mehr als zweitau-
soll Geltung haben ,----- ---------------------
send Mark jährliches Diensteinkommen beziehen und nicht bereits infolge des Krieges eine Aufbesserung ihrer Bezüge erfahren haben. Die Zulage gilt vom 1. April 1915 ab und soll monatlich ausgezahlt werden.
Russische Fahnen im Zeughaus. Die Fahne des 106. russischen Infanterie-Regiments, die von unseren Truppen erbeutet wurde, ist in der Herrscherhalle des Berliner königlichen Zeughauses neben den.anderen erbeuteten russischen, französischen und belgischen Feldzeichen ausgestellt worden. Um dieses Feldzeichen muß ein sehr schwerer Kampf entbrannt sein, denn von dem blauseiöenen Fahnentuch sind nur noch ganz kleine Ueberreste an dem schwarzlackierten Fahnenschaft vorhanden. Selbst die Fahnenspitze ist abgebrochen und auch die Fahnenbänder fehlen. , ,
Der Rechenkünstler als Prophet. Wann werden wir FriLörn haben? Das möchten wir so gerne wissen, aber
die alten Propheten sind gestorben und die neuen gelten nichts. Nun sind aber Viele, die das Horoskop auf eigene Art stellen, und dem Ungläubigen geht es wie dem Weltkinde Goethe: Prophete rechts, Prophete links, das Weltkind in der Mitte. Und dieses Weltkind lacht Herz- lich über die krampfhaften Bemühungen und Spielereien. Hier ist so eine! Der Rechenkünstler hat sie entdeckt. Den Friedensschluß im Deutsch-Französischen Kriege 1870/71 kann man also errechnen: Von den beiden Kriegsjahren werden je zwei Stellen getrennt addiert 18 + 18 = 36 und 70 + 71 - 141. Die Quersummen dieser beiden Zahlen 36 und 141 ergeben 9 und 6 das Datum des Friedensschlusses 9. Juni. Das gleiche System übertragen auf den Weltkrieg ergibt: 19 + 19 — 38; 14 + 15 — 29; die Quersumme der beiden Zahlen 38 und 29 das Datum 11. 11., nach Ansicht des Mathematik-Propheten den Zeitpunkt des Friedensschlusses 1915, wenn — ja wenn das Wörtchen Wenn nicht wäre.
von einem gefahrvollen Tag im vchiitzengraben
erzählt der nachstehend wiedergegebene Bericht eines Zugehörigen eines Reserve-Regiments in den „L.
Am Horizont erscheint ein heller Lichtstreifen, der uns Posten im Schützengraben den nahenden Tag verkündet. Fröstelnd hüllen wir uns fester in unsere Mäntel, em und spähen angestrengt durch das Morgengrauen aus unser Drahtverhau, eine fast undurchdringliche Sicherung unseres Schützengrabens. Hin und wieder pfeift eine verirrte Gewehrkugel über unsere Köpfe, sonst aber Stille, eine fast unheimliche Ruhe.
Bei einer solchen Totenstille ist gewöhnlich drüben bei unseren Feindes etwas nicht in Ordnung und wir sind schon auf unangenehme Dinge vorbereitet. Wir Posten werden abgelöst und ich krieche mit anderen Kameraden zur Ruhe in meinem Dachsbau, wie wir unseren primitiven Unterstand getauft haben.
Bis morgens 9 Uhr haben wir das Glück, ein paar Stunden im Halbschlummer verbracht zu haben, als plötzlich von drüben eine unheimliche Kanonade losgeht. Die Sache sind wir nun ja eigentlich gewohnt, und wir gehen gleichmütig über diesen Fall zur Tagesordnung über. Wir werden aber bald darüber klar, daß die Sache heute besonders unserem Kompagnieabschnitt gilt, und einschlagende Granaten, die vor und hinter uns krepieren, erhöhen für uns den Ernst der Lage. Wir sind nun klar, daß die Franzosen einen Angriff planen und machen uns kampfbereit. Gewehre und Patronen, Handgranaten und Maschinengewehre werden bereit gemacht, und so gerüstet erwarten wir den Lauf der Dinge. Die französische Artillerie schießt gut und gebraucht wenig Zeit, sich auf unseren Graben einzurich- ten. Und nun beginnt ein Höllentanz. Es gurgelt und pfeift, knallt und zifcht, die Luft erdröhut beim Platzen der Granaten und die Erde erbebt beim Aufschlagen der Geschosse. Die Franzosen verwenden heute als Spezialität Schwefelgranaten, die einen kolossalen Rauch verursachen und über unseren Graben eine dichte Wolke lagern. So geht es stundenlang ohne Unterbrechung. Die Nerven fangen an zu erschlaffen. Verwundete wimmern oder rennen vor Schmerz durch den Graben. Dazwischen das Singen der unheimlichen Granatsplitter und wir mitten drin, ausharrend, zum Sterben und Kämpfen bereit.
Unser Graben ist mit der Zeit ein Trünunerhaufen geworden, die Unterstände verschüttet, der Laufgang mit Erde angefüllt, wir selber fast mitverschüttet, so wird die Lage von Stunde zu Stunde schlinuner. Drei Stunden, vier Stunden, fünf Stunden, wie entsetzlich, langsam die Zeit doch manchmal kriecht und noch immer kein Ende. Die Nervenspannung hat sich bei uns in unbeschreibliche Wut verwandelt. Wäre jetzt ein Angriff erfolgt, den Franzmännern wäre es nicht gut gegangen. Schon liegen ein Leutnant und mehrere Kameraden tot im Graben. Aber wie angenagelt steht die Kompagnie an der Brustwehr. Was kümmert es den Hauptmauu, was schert es den gemeinen Mann, wenn hundcrtiveise Granatsplitter an und über unsere Köpfe saufen. Der Franzose soll kommen, wir wollen den Nahkampf.
Jetzt knattern von drüben die ersten Infanterie- salven. Ein Ruck geht durch unsere Reihen, der große Augenblick scheint gesammelt, nun mag werden, was da will. Da erschüttert plötzlich ein furchtbarer Knall die Luft, die Erde hebt und senkt sich wellenförmig, und dann tritt wie auf Kommando eine plötzliche Ruhe ein. Im Nachbarabschnitt ist eine Mine gesprengt worden, auch an der Stelle wollte der Feind angreifen. Alles ist bestürzt und in Ungewißheit, was eigentlich geschehen. Auch bei dem Feinde scheint es so zu sein. In der sechsten Stunde flaut sein Feuer ab, und bald wird es zur Gewitzheit, daß der geplante Angriff mißlungen ist. Für uns ist nun die Erlösung gekvimnen. Die Kompagnie wird abgelöst, und es geht in Reserve zur Ruhe über.
So ist wieder ein Tag hinter uns, der schwere Anstrengungen brächte, der uns aber auch zeigte, daß selbst in größter Bedrängnis das Pstichtgefühl alle auf den Posten ausharren läßt, zum Wohle unseres Vaterlandes, zum Schutze unseres heimischen Herdes!
Weitere Drahtnachrichten.
Eiue Ansprache des elsässische» Statthalters. -
6-kp Straßbnrg (Elf.), 10. April. (WTV.) Aus einem von Staatsmännern und Pressevertretern besuchten Feste zu Ehren der zweiten Uammcr hielt der Statthalter eine Rede, in der er die durch den Krieg gezeitigten erfreulichen und unerfreulichen Erscheinungen in den Reichslanden besprach. Er hob den glatten Verlauf der Mobilmachung hervor und bedauerte die unge- heLierlichen Vorkommnisse, welche Folgeerscheniunaen der vor dem Kriege beliebteu Spielerei mit dem Gedanken einer sogenannten Doppelkultur seien. Der Präsident der Zweiten Kammer betonte, daß Vcnehlunaeu Einzelner, die die Gesamtheit des elsamich-lothringischen Volkes peinlich empfinde, dieser Gesamtheit nicht aufs Schuldkonto geschrieben werden bürsten.
Von U-Booten torpediert.
tet, London, 10. April. (WTB.) Nach dem „Daily Chronicle" vermutet man, daß der Fischdampfer „Zarina" torpediert wurde. Die Mannschaft zweier etnge- laufener Fischdampfer erklärten, daß sie am Mittwoch gesehen haben, wie ein Dampfer, den sie für die „Zarina" hielten, von zwei deutschen U-Booten torpediert wurde.
Bandei und Verkehr.
Ueber die Hälfte Kriegsanleihe eingezahlt.
Bis zum 9. April sind auf die zweite Kriegsanleihe 4640 Millionen Mark eingezahlt worden, das ist mehr als die Hälfte der Gesamtzeichnung.