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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Trug und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

MHItr

für den Kreis Hersfeld

Will

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder- holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werttag nachmittags, i

Nr. 82.

Freitag, den 9. April

1915

Noch ist es Zeit

das Hersfelder Tageblatt zu bestellen. Die zahlreichen neuen Verfügungen der Behörden, die im amtlichen Teil veröffentlicht werden, machen das Hersfelder Tageblatt für jedermann unentbehrlich.

Der größte Teil des Lesestoffes ist den.

neuesten Kriegsnachrichten

gewidmet.

Bezugspreis vierteljährlich 1.50 Mk.

Bus der Heimat

* (Fürsorge für die Frühjahrsbestel­lung.) Der Kriegsminister hat auf Anregung des Landwirtschaftsministers die stellvertretenden General­kommandos angewiesen, Anträge landwirtschaftlicher Betriebe auf Zurückstellung, zeitweise Beurlaubung usw. ihrer Angestellten usw. aus Anlaß der Früh­jahrsbestellungen zu berücksichtigen, soweit die mili­tärischen Interessen es irgend gestatten. Außerdem hat er die mobilen Kommandostellen ersucht, in gleicher Weise Anordnung betreffend etwaige Anträge auf zeit­weise Beurlaubung von Angehörigen der Landwirt­schaft zn treffen, die sich bei mobilen Truppenteilen usw. befinden. Anträge der betreffenden Personen es handelt sich in der Hauptsache um leitende Güter­beamte, landwirtschaftliche Vorarbeiter, Kraftpflug- und Maschinenführer, sowie kleinere Besitzer wer­den, soweit sie begründet sind, von den Landräten dem zuständigen Generalkommando vorgelegt,- es ist ihnen gleichzeitig eine Bescheinigung beizulegen, nach der ein Ersatz für den in Frage kommenden Mann zur Ausführung der Frühjahrsbestellung anderweitig nicht beschafft werden kann. In jedem einzelnen Falle wird die Bedürfnisfrage aufs gewissenhafteste geprüft und die Bescheinigung nur dann erteilt werden, wenn sich eine ausreichende, sachkundige Vertretung durch Verwandte oder bezahlte Angestellte nach Lage der Verhähltnisse tatsächlich nicht finden läßt.

* (An die Eltern der aus der Schule entlassenen Kinder.)Der Gott, der Eisen wachsen, ließ, der wollte keine Knechte." Dieses kern- hafte Wort Ernst Moritz Arndt's gibt den einmütigen Ingrimm des deutschen Volkes wieder, das den Druck unserer Feinde in Ost und West und vor allem auch die von den Engländern an sich gerissene Knechtung der gesamten Kulturwelt auf dem Weltmeere nicht länger erdulden will noch darf. Auch das bekannte Bismarckwort: ,,Nü'

cht durch Reden und Parlaments- die großen Fragen der Zeit ent-

beschlüsse werden die großen Fragen der Zeit ent­schieden, sondern durch Eisen und Blut", wird jetzt von jedermann verstanden und als Wahrheit erkannt.

Daher bewilligen unsere Volksvertreter mit erhebender Einmütigkeit taufende von Millionen für das unge­heure Völkerringen. Diese Unsummen und die besten Waffen und Ausrüstungen zeitigen aber nur dann dauernden und sicheren Erfolg, wenn sie durchaus kräftigen und gesunden Menschen in die Hand ge­geben werden. Ein gesunder, widerstandsfähiger Körper ist daher nicht allein ein kostbares Gut des Einzelnen, sondern auch die Vorbedingung für die Wehrhaftigkeit des Volkes und für den Fortbestand des Reiches. Mit Genugtuung kann daher die deutsche Turnerschaft sich das Verdienn zusprechen, auch in der Zeit, in der viele vom ewigen Weltfrieden träumten, durch die planmäßige Ausbildung der körperlichen Kräfte der deutschen Jugend und durch die Pflege echt vaterländischer Gesinnung an der Vorbereitung zum schließlichen Erfolge in diesem großen Ringen wesent­lich beigetragen zu haben. Die Arbeit muß, das wird wohl von allen gewürdigt, dauernd und allgemein ge­leistet werden. Die Heeresleitung läßt die Jugend­lichen von 16 Jahren ab für den Militärdienst vor­bereiten ; es wäre aber ein Unding, wollte man die Zeit vom 14. bis 16. Jahre bei der Ausbildung des Körpers ausschalten. Es geht daher auch in diesem Jahre und zwar der Zeit entsprechend in verstärktem Maße an alle die Schule verlassenden Knaben und Mädchen der Ruf: Tretet in einen Turnverein ein; denn dort wird unter sachkundiger Leitung der Körper gekräftigt und gestählt, das Gemüt durch echte Kamerad­schaftlichkeit gehoben und die Liebe zu Volk und Vaterland geweckt und gepflegt.

* (DasBuchdruckgewerbeinderKriegs- zeit.) Den wirtschaftlichen Druck der Gegenwart fühlen am härtesten diejenigen Gewerbe, denen es schon in der Zeit des Friedens sehr erschwert wurde, für ihre Erzeugnisse von den Auftraggebern aus­kömmliche Preise zu erhalten. So mußten sich die Buchdruckereien, ohne daß dies öffentlich bekannt ge­worden ist, schon seit Jahren fast allgemein mit einem Preisstande begnügen, der in einem nachweisbaren Mißverhältnis zu den Herstellungskosten der Druck­arbeiten steht. Jetzt hat sich die mißliche Lage der Buchdruckereien so'verschlimmert, daß sich eine Er­höhung der Druckpreise nicht länger mehr vermeiden

läßt. Alles, was für den Buchdruckereibetrieb an Materialien gekauft werden muß, ist teurer geworden. Welchen Grad diese Verteuerung erreicht hat, ergibt sich daraus, daß z. B. die Einkaufspreise für Papier 10 Prozent und mehr, für Druckfarbe bis 50 Prozent, für Schriftmetalle bis 40 Prozent, Chemikalien bis 100 Prozent, Schmieröle bis 100 Prozent, Kohlen bis 30 Prozent gestiegen sind. Zur Steigerung der Selbst­kosten bei Herstellung der Druckarbeiten trägt weiter der gegenwärtige Mangel an geschultem und im Be­triebe eingearbeiteten Personal wesentlich bei. Vor kurzem wurde vom Deutschen Buchdrucker-Verein gemeinsam mit dem Gehilfenverbande an die behörd­lichen und sonstigen Druckauftraggeber die Bitte ge­richtet, den nach Ausbruch des Krieges bei zahlreichen Buchdruckereien eingetretenen Mangel an Be­schäftigung nicht durch Einschränkungen des Ver­brauchs von Drucksachen noch zu vergrößern. Wie dieser Wunsch vielfach berücksichtigt worden ist, so darf auch erwartet werden, daß die Verbraucher von Druck­arbeiten die unbedingte Notwendigkeit einer mäßigen Preiserhöhung nicht verkennen werden. Jedenfalls ist der Wunsch der Buchdruckereien, daß man ihnen in der für sie besonders schweren Zeit angemessene Preise für ihre Arbeiten zubilligen und sich der leider noch immer vorkommenden, jetzt aber am wenigsten angebrachten Preisdrückereien enthalten möchte, ein vollauf berechtigter. Was für das Buchdruckgewerbe gilt, das gilt in gleich hohem Maße auch für ein ihm nahestehendes, aus ihm hervorgegangenes Gewerbe, für das auf so hoher Stufe stehende deutsche Zeitungs­gewerbe, an das man nicht nur immer mehr sich steigernde Ansprüche stellen sollte, dem man vielmehr ebenfalls, damit es seine für die Allgemeinheit wichtigen Aufgaben zu erfüllen vermag, angemessene Bezugs- und Anzeigenpreise nicht versagen darf!

):( Hersfeld, 8. April. (Personalien.) Am 1. April d. J. wurde der Königliche Oberlandmesser Rudolf Saal auf seinen Antrag nach 30jähriger Staatsdienstzeit in den Ruhestand versetzt. Aus diesem Anlaß wurde ihm durch Herrn Regierungsrat Bonatz der Rote Adler-Orden 4. Klasse überreicht.

Oberhaun, 7. April. Von den Gemeinden des Kreises Hersfeld und des angrenzenden Kreises Hünfeld, die ein Interesse an der Errichtung einer Güterverladestelle auf der hiesigen Haltestelle haben, ist eine Summe von 30 700 Mark als Beitrag zu den Kosten zur Verfügung gestellt worden. Auf den Kreis Hünfeld entfallen davon 9400 Mark.

Melsnngen, 6. April. Durch leichtsinniges Spielen mit einer geladenen Pistole tötete im benachbarten Dorfe Kehrenbach ein 16jähriger junger Mann am Karfreitag sein dreijähriges Schwesterchen durch einen Brustschuß und verletzte sich selbst schwer an der Hand.

Caffel, 7. April. Ernannt zum Rechnungsrat wurde der Amtsgerichtssekretär Cristian Diebel, welcher seit sieben Jahren beim hiesigen Königl. Amts­gericht tätig ist und früher lange Jahre an den Amts­gerichten zu Schwarzenfels, Hersfeld und zuletzt in Melsungen tätig war.

Weimar, 6. April. Das erste Wildenbruch-Denk­mal in Deutschland wurde gestern vormittag hier ent­hüllt, ein Werk Richard Engelmanns, darstellend eine zum Schwertangriff schreitende nackte Jünglingsgestalt. Das Denkmal steht im Stadtpark, dem früheren v. Poseckschen Garten, an den das städtische Museum stößt. Der eigentliche Festakt, der tausende von Menschen angelockt hatte, fand bei leichtem Regen statt. Die Festrede hielt der Sekretär der Deutschen Schillerstiftung, Professor Dr. Bulle, in der besonders der wahrhaft deutsche Dichter Wildenbruch zu seinem Rechte kam.

Fulda, 7. April. Der Faktor und Journalist Herr- Hans Schoen konnte zu Ostern auf eine 50jährige Berufstätigkeit als Buchdrucker zurückblicken. Bereits vor zwei Jahren konnte er sein 25jähriges Jubiläum ununterbrochener Tätigkeit in J. L. Uth's Hofbuch­druckerei und im Dienste desFuldaer Kreisblattes" begehen, und das s. Zt. in gebührender Weise gefeiert wurde.

Frankfurt a. M., 7. April. Die Stadtverwaltung gedenkt jedem im Felde stehenden Frankfurter, der sich das Eiserne Kreuz erwarb, mit einem reichhaltigen Liebesgabenpaket, dem eine vom Oberbürgermeister unterzeichnete Karte mit poetischem Gruße beiliegt. Bis jetzt wurden meljr als 700 solcher Pakete und Karten üt@ Feld gesandt.

Verschwendet kein Brot! Jeder spare, so gut er taun.

Die Handgranate.

(Von unserm militärischen Mitarbeiter.)

In den Berichten und Briefen aus dem Felde ließt man immer wieder von Handgranaten, die beim Sturm auf eine feindliche Stellung von dem Angreifer geschleudert werden. Vor dem Kriege hörte man bei uns noch sehr wenig von Handgranaten, so weit er­innerlich, tauchte nur einmal eine Nachricht in den Zeitungen auf, daß bei einer Uebung mit Hand­granaten Tötungen und Verletzungen der dabei be­teiligten Personen vorgekommen seien. Die Ver­wendung dieser Waffe im deutschen Heere ist also neuesten Datums, obwohl die Waffe selbst schon recht alt ist.

Das erste Mal hören wir von Handgranaten aus dem Jahre 1427. Die Verteidiger warfen mit Pulver gefüllte Flaschen, aus der Festung heraus dem an­stürmenden Angreifer entgegen. Das Pulver wurde durch eine vor dem Wurf in Brand gesetzte Zünd­schnur entzündet, zerriß die Flasche in Scherben, und diese verletzten den Angreifer. Später hatte jede Truppeneinheit ihre Grenadiere, gewandte Leute, deren Aufgabe es war, kleine mit Pulver gefüllte und mit einem Brennzünder. versehene Hohlkugeln in den Feind zu schleudern. Dann kam diese Art des Kampfes aber wieder ab. und schon die Grenadiere Friedrichs des Großen hatten mit dem Schleudern von Handgranaten nichts mehr zu tun. Andere Staaten, z. B. Italien, Frankreich und England haben die Handgranaten noch im 18. und 19. Jahrhundert benutzt. Sogar noch 1870 71 benutzten sie die Fran­zosen bei der Verteidigung der Forts um Paris, wie überhaupt stets die Handgranaten in der Hauptsache im Festungskriege, und hier besonders wieder vom Verteidiger benutzt worden sind. Erst der russisch­japanische Krieg 1904 05 war berufen, die Handgranaten zu neuem Leben zu erwecken. Zuerst waren es die Russen, die das alte Kampfmittel in neuer Form wieder anwendeten, aber natürlich bestand die Füllung der Wurfgeschosse nunmehr aus modernen Spreng- mitteln, die sehr hohen Luftdruck und giftige Gase entwickeln. Die Japaner machten die Sache schnell nach. Da sie aber keinen Vorrat an wirklichen, fabrikmäßig angesertigten Geschossen hatten, suchten sie sich durch allerlei einfache Hilfsmittel zu helfen, so z. B. durch Konservenbüchsen, abgeschossene Kar­tuschen von kleinen Schnellfeuergeschtttzen usw., füllten sie mit Dynamit, versahen sie mit Zündkörper und Zündschnur, und die Waffe war fertig. So ist denn tatsächlich besonders bei der Belagerung von Port Arthur, aber auch bei Kämpfen im freien Felde, die Handgranate vielfach benutzt worden und hat sich auch bewährt.

Es ist furchtbar, daß dem Menschen die vor­handenen Vernichtungsmittel für den Krieg immer noch nicht genügen und er stets auf neue sinnt. Aber die unaufhaltsam fortschreitende Technik auf allen Gebieten kann natürlich vor den Kampfmitteln nicht Halt machen. Jeder Staat macht sich die Errungen­schaften der Neuzeit für sein Heer nutzbar,- denken wir doch an unser Zündnadelgewehr vom Jahre 1780 71, das nur auf Entfernungen wirksam war, die wir heute die nahen nennen, und dann an unsern heutigen Mehrlader, mit dem wir den Feind auf früher ungeahnte Entfernungen beschießen können. Und was sind inzwischen noch für furchtbare Waffen hinzugekommen, die Tod und Verderben in die Reihen der Gegner schleudern sollen. All' das zwingt wieder zu allen erdenklichen Schutz- und Abwehrmaßregeln. Ferner, wie find die Heere inzwischen zu Millionen- heeren angewachsen, wie hat die Erbitterung im Kampfe, die Zähigkeit im Standhalten und damit die Dauer der einzelnen Kampfhandlungen zugenommen. Friedrich der Große schlug seine Schlachten in wenigen Stunden. 1870/71 dauerten selbst die größten und blutigsten kaum länger als einen Tag, im russisch- japanischen Kriege 1904 05 und in den letzten Balkan­kriegen erlebten wir Kämpfe, die sich ununterbrochen über mehrere Tage hinzogen, und jetzt wird wochen- und monatelang an denselben Stellen gekämpft. Die Feldbefestigungen haben eine ungeahnte Verwendung gefunden und gerade im Kampf um sie; beim Sturm, dem Höhepunkt eines jeden Kampfes, fehlte dem An­greifer bisher eine wirksame Waffe, da er beim Vor- stürzen das Gewehr nicht benutzen kann, und die Ar­tillerie mit dem Feuer auf den anzugreifenden Feind aufhören muß, um nicht die eigene angreifende Truppe zu beschießen. Gerade in diesem Endkampfe ist die Handgranate zur Ergänzung des Sieges und Ver­nichtung des Gegners von besonderer Wirkung. Wer wollte die Möglichkeit leugnen, daß die Handgranate noch einmal zur zweiten Waffe des Infanteristen wird? Alle Staaten fertigen jetzt fabrikmäßig solche Handgranaten an, genau so wie sie Infanterie- und Artillerie-Munition herstellen. Die Konstruktion aller, dieser Handgranaten ist selbstverständlich geheim.