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Feindliche Flieger über Müllheim.

Aus Müllheim (Baden) wird vom 1. April ge­meldet: Abends um 5% Uhr erschien ein feindlicher Flie­ger über der Stadt, der eine Bombe abwarf, die nur ge­ringen Gebäuöcschaden verursachte. Aus Neuenburg (Rhein) wird vom gleichen Tage gemeldet: Um 7 Uhr abends erschien ein seindlicher Flieger über der Stadt, der drei Bomben abwarf, wodurch nur unwesentlicher Schaden augerichtet wurde.

Ein deutsches Luftschiff über Bailleul.

Der „Temps" meldet: Ein deutsches Luftschiff hat in der Nacht zum 31. März Bailleul «verflogen und zwei Bomben abgeworfen, die aber keinen Schaden ver­ursachten. Das Luftschiff flog in der Richtung nach Ar­mentieres und Harzebrouck weiter. In den beiden Or­ten wurde Alarm geschlagen und das Licht gelöscht.

Bailleul liegt an der französisch-belgischen Grenze südlich von Dünkirchen.

Der TürKenKrieq,

Ein neuer Dardanellenangriff bevorstehend?

Einen neuen umfassenden Angriff auf die Darda­nellen stellt nach Berliner Blättermeldungen der Pa­riser „Figaro" in baldige Aussicht.

Konstantinopeler militärische Kreise schenken den über Athen und Saloniki eintreffenden Nachrichten von einem bevorstehenden englisch-französischen Abtransport der vor den Dardanellen zusammengezogenen Expedi­tionskorps nach Aegypten wellig Glauben. Man be­zeichnet der „Tgl. Rösch." zufolge die Meldungen als ziemlich plumpe Kriegslist, die den Zweck habe, die Tür­ken zu täuschen.

* * *

Epidemische Krankheiten in der rnssischen Kaukasusarmee.

^ Erzerum, 3. April. (T.-U.) Russische Gefangene und Ueberläufer erklären, daß die russische Armee stark unter epidemischen Krankheiten zu leiden hat. Täglich müßten zahlreiche Soldaten krank die Front verlassen. Auf russischer Seite werden von den türkischen Vorposten zahlreiche kleine gelbe Fähnchen bemerkt, die die Stel­len bezeichnen, an denen ansteckende Krankheiten herr­schen.

Der Gesundheitszustand und die Stimmung der tür­kischen Truppen ist gut. Die Nachricht von delt siegrei­chen Dardanellenkämpfen hat bet der Armee und der Bevölkerung großen Jubel hervorgerufen.

England und Japan.

Das Haager „Het Vaderland" gibt japanische Presse- stimmen wieder. Tokutomi, der Chefredakteur der „Kokumin Schtmbun", Mitglied des Oberhauses, kri­tisiert in seinem Blatte das englische Bündnis scharf. Er will dessen Zukunft nicht gerade pessimistisch ansehen, meint aber, daß es nicht mehr als leitendes Prinzip für Japans auswärtige Politik gelten könne, sondern hier­für zu einseitig ser. Da in England so wenig Begeiste­rung für dies Bündnis mit Japan herrsche, so würde es für Japan gefährlich sein, zn sehr darauf zu ver­trauen. In dem gegenwärtigen Kriege sei Japan, dies betont Tokutomi, ein sehr notwendiger Bundesgenosse für die Entente, und England strebe jetzt auch danach, das Bündnis mit Japan wieder wärmer zu gestalten; aber der Punkt, auf den es ankomme, sei, ob das Bünd­nis auch nach dem Kriege in seiner jetzigen Form be­stehen bleiben werde. Ferner wirft Tokutomi die Frage auf, welche Haltung England in einem Streite zwischen Japan und Nordamerika einnehmen werde; schon bei der letzten Erneuerung des Bündnisses habe es ge­schienen, als sei England geneigt, Japan den Ameri­kanern zu opfern. Jedenfalls werde das Bündnis in einem solchen Streitfall für Japan wenig Wert haben. In den chinesischen Angelegenheiten sei England vielfach ein Konkurrent, wenn nicht gar Gegner Japans; ein Konkurrent verwandle sich aber leicht in einen Feind. Die Engländer in China hätten schon srüher und auch

Abneigung gegen Japan und die Japaner gezeigt, er sei auch ein englisch-japanisches Zusammenwirken zur Losung der chinesischen Frage praktisch unmöglich. Schließlich müsse Japan sich fragen, welche Haltung Eng­land nach dem Friedensschluß in der Welt einnehmen werde. Tokutomi will nicht gerade sagen, daß England unzuverlässig sei, aber er weist auf den britischen Egois­mus hin, der sich ja schon früher gezeigt habe, noch ehe England sich in diesen Krieg eingemischt hätte. Man müsse sich daher die Frage vorlegen, wie England, das ausschließlich an seine eigenen Interessen denke, da­neben Japans Interessen schützen werde. Wenn Deutsch­land darauf ausginge, sich an Japan zu rächen, so wisse man nicht, welche Hilfe England Japan gewähren werde. Das eine Mal fehle es England an Macht, Japan bei- zustehen, ein anderes Mal fehle ihm der Wille dazu, wieder ein anderes Mal fehle ihm beides.

Zuspitzung des Hinesisch-japanischen Konflikts.

* * Kopenhagen, 3. April. (T. U.) Der „Daily Te­legraph" meldet aus Peking: Von der 16. Konferenz ab haben die chinesisch-japanischen Verhandlungen einen unheilvollen Weg genommen. Ein japanischer Vorstoß auf der Linie Puku-Tientsin und von der Muköen-Pe- king-Bahn aus werde in den nächsten Tagen erwartet. Die chinesischen Truppen seien in gutem Zustande.

Ein Kaisertelegramm am Bismarcktage.

Reichskanzler von Beth in a n n H o l l tv e g hat über den Verlauf der Bismarckgedenkfeier dein Kaiser und König am Donnerstag telegraphisch wie folgt berichtet:

Euer Majestät melde ich ehrfurchtsvoll, daß die Bis- marckgedenkfeier heute bei strahlendem Sonnenschein er- Hebeno verlaufen ist. Der Enkel Eurer Majestät wurde, als er den Kranz am Denkmal niederlegte, vom Publikum lebhaft begrüßt. Nach einem kurzen, von mir gesproche­nen Gedenkwort brächte der Reichstagspräsident ein Hoch auf Euer Majestät aus, in das die den weiten Platz fül­lende Volksmenge begeistert einstimmte. Die Feier schloß mit einem gemeinsamen Gesang des Liedes „Deutschland, Deutschland über alles". Sre entsprach in ihrer schlichten Form dem Ernst der Zeit und brächte zum Ausdruck, daß das deutsche Volk fest entschlossen ist, das Erbe seines alten Heldenkaisers und seines eisernen Kanzlers bis zum> letzten Atemzüge zu wahren. i

Darauf ist von Kaiser Wilhelm folgende Antwort an den Reichskanzler ergangen:

Großes Hauptquartier, 1. April.

Ihre Meldung von dem erhebenden Verlauf der heu­tigen Bismarckfeier hat Mich hoch erfreut. Gern hätte Ich an der Huldignng für den großen Kanzler an seinem 100. Geburtstage persönlich teilgenommen und an ben Stufen seines Standbildes inmitten der Vertreter des Deutschen Reiches und des Volkes als Zeichen dankbarer , Verehrung einen Kranz für den Mann niedergelegt, der uns als eine Verkörperung deutscher Kraft und deutschen | Willens in id'er jetzigen ernsten Zeit besonders teuer ist. ; Aber noch gilt es für Mich wie für das waffentragende deutsche Volk, im Felde aus zuharren im heißen Kampfe, um des Reiches Macht nach außen zu schützen und zu stärken. Daß uns dies, gelingen wird, dafür bür- i

gen nächst Gottes Gnade der uns alle beseelende einmü­tige Wille zum Siege und das durch die Tat erprobte Gelöbnis jedes Opfer für das Vaterland. Der Geist der Eintracht aber, der unser Volk daheim und auf den Kriegsschauplätzen über alles Trennende sieghaft erhoben hat, der wird — das hoffe ich zuversichtlich — den Waffen- lärm überdauern und nach glücklich erkämpftem Frieden auch oie E n t w i ck e l u n.g des Reiches im Innern stgensrcich befruchten und fördern. Dann wird uns als Siegespreis ein nationales Leben erblühen, in dem sich deutsches Volkstum frei und stark entfalten kann. Dann wiro der deutsche Bau gekrönt, zu dem Bismarck einst den Grund gelegt hat.

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Eine schamlose Lüge.

Die verhetzende Behauptung der englischen und neu­tralen Presse, daß anläßlich der Versenkung der „Faliaba" die Besatzung des deutschen U-Bootes den Todeskampf der Pasiagiere belacht und trotz gegebener Möglichkeit keine Hilfe geleistet habe, beruht auf schamloser Lüge. Englands Vorgehen, durch Handelsschiffe U-Boote angreifen zu lassen und Prämien für erfolgreichen Angriff auszusetzen, zwingt die Unterseeboote zu schnellem Handeln. Vernichtung von Menschenleben ist jetzt schwere Pflicht der U-Bootsbe a mn- gen, die, wie England selbst bisher anerkannt hat, bisher mit größter Menschlichkeit und Milde vor gegangen sind. Die veränderte Stellungnahme Englands entspringt dem Schreck darüber, daß der Untergang der „Faltaba" das Aufhören der Sicherheit des Pasiagierverkehrs beweist und der U-Bootsk ieg dadurch einschneidender in das Wirtschasts- leben eingreist.

Der „Temps" über das Leben in Deutschland.

Der „Temps" veröffentlicht in einer ausführlichen Schilderung die Eindrücke, die ein sehr franzosenfreunö- licher Neutraler bei einer Reise durch Deutschland ge­sammelt hat. Es wird u. a. erklärt: Die ganze Geschichte mit der Hungersnot ist unwahr, es fehlt in Deutschland garnichts. In allen Städten, wo ich mich aufgehalten habe, war alles reichlich vorhanden, und ich bin in die­sem Lande, das bereits die beginnende Hungersnot spü­ren soll, geradezu dicker geworden. Die Brotkarten stö­ren in keiner Weise. Den mittleren Klassen genügt die ausgesetzte Ration vollkommen. Weiterhin erklärt der Reisende es gleichfalls für unwahr, daß das Vertrauen auf den Sieg im deutschen Volke irgendwie erschüttert sei. Im Gegenteil, in ganz Deutschland herrscht nur eine Stimme, nämlich die, daß der Friede vom deutschen Heere diktiert werden würde. Deutschland ist so einig und siegesgewiß, wie es zu Anfang des Krieges war. Die Betrachtungen schließen mit dem resignierten Auf­ruf: Was soll man zu solcher Einmütigkeit, zu solchem Vertrauen in die eigene Stärke und zu solchem Stolze sagen?!

Die „Barbaren" in Frankreich.

Oberst Müller schildert im Berner „Bund" eine Fahrt durch die seit September besetzten französischen Dörfer des Plaimetales und sagt: Alle Ortseinwohner, Frauen und Kinder und die nicht wehrfähigen zurück­gebliebenen Männer, stehen mit den deutschen Soldaten auf gutem Fuße, man möchte sagen, in freundschaftlichem Verkehr. Wie überall, wo er besetzte Dörfer besichtigte, trieb sich fröhlich die Schuljugend unter den Mannschaf­ten umher. Am Dorfbrunnen wäscht die Französin harmlos neben den Feldgrauen. Oberst Müller schließt: „Wie allüberall, wo ich Gelegenheit hatte, deutsche Sol­daten auf französischem Gebiet zu beobachten, kann ich auch hier nur ihr gesittetes, anständiges Betragen der Bevölkerung und namentlich dem weiblichen Geschlecht gegenüber und ihr herzliches und freundliches Wohl­wollen für die französische Kinderwelt bezeugen."

Militärisch organisierte englische Dockarbeiter.

Kriegsminister Lord Kitchener hat den Plan ge­billigt, der nächste Woche ausgeführt werden soll, daß die Dockarbeiter in Liverpool mi'itärisch organisiert werden; ein Dockarbeuer-Baiaillon wird bei dem Liverpooler Regiment ausgestellt, das die Regierungsarbeit im Ha­fen verrichten soll. Lord Derbn wird Bataillons-Kom- mandeur, die Mannschaft wird in jeder Beziehung un­ter dem Militärgesetz stehen, aber nur in der Heimat verwendet werden; sie wird Arbeitslohn und Armee­sold erhalten und mindestens 42 Schilling in der Woche verdienen. Nur Mitglieder der Dockarbeiter-Gewerk­schaft können in das Bataillon eingestellt werden, das streng nach den Gewerkschaftsregeln, also auch nicht zum Streikbruch, verwendet werden wird.

Deutsche Textilstoffe für die Türkei.

Berlin, 3. April. (T. U.) Wie der „B. L.-A." hört, hat der Sultan dem Deutschen Werkbuno besonders mitteilen lassen, daß er alle Beziehungen zu Vertretern der englischen Textilindustrie abgebrochen hat, und daß er die Zusendung von Proben deutscher Stoffe wünscht. Der Deutsche Werkbunö soll geeignete deutsche Firmen vorschlagen. Der Deutsche Werkbund wird gemeinsam mit der deutsch-türkischen Vereinigung die gewünschte Vrbindung zwischen der deutschen Textilindustrie und der Türkei herstellen.

Mischbrot aus Weizen- und Roggenmehl.

Amtlich wird bekannt gegeben: Das Verhältnis der in Deutschland verfügbaren Bestände an Weizen und Roggen hat sich durch den vorzugsweise« Verbrauch von Roggenbrot im Heere und bei der zivilen Bevöl­kerung so verschoben, daß, wenn künftig nicht mehr Wei­zenmehl verbacken wird, in den letzten Monaten über­wiegend Weizenmehl vorhanden fein würde. Ich habe deshalb auf die Kriegsgetreidegesellschaft etngewirkt, daß sie bei ihren Mehlüberweisimgen auf die Herstellung eines richtigen Verhältnisses Rücksicht nimmt. Die Kom- munalverbänöe werden deshalb auch gegen ihren An­trag Weizenmehl neben Roggenmehl zugewiesen erhal­ten und haben durch Erlaß geeigneter Backvorschriften dafür zu sorgen, daß ein möglichst nahrhaftes Mischbrot hergestellt wird. Reines Weizenbrot dagegen soll nur ausnahmsweise gegessen werden. Der Reichskommissar, gez. Michaelis, Unterstaatssekretar.

Hefe für Fntterzwecke.

Dem Institut für Gärungsgewerbe in Berlin ist es gelungen, ein Verfahren auszuarbeiten, welche) die Masen- erzeugung von Hefe als Futtereiweiß unter ausschließ­licher Verwendung von Zucker und schwefelsaurem Ammo­niak ermöglicht. Das Verfahren kann sofort von jeder Lusthefefabrik ausgenommen werden und ist von aller­größter Tragweite.

Ueber die Slusnutzung der gesamten Ackerfläche» hat der Bundesrat eine Verordnung erlassen, die von ein- schneidender Bedeutung ist. Hstmach ist die untere Ver­waltungsbehörde nach näherer Anordi ing der Landes­zentralbehörde befugt, die Nutzberechtizien von Landgü­tern und landwirtschast ichen Grundstücken mit kurzer Frist zu einer Erklärung darüber auf usordern, ob sie ihre ge­samte Ackerfläche bestellen wollen oder welche Stü.te da on unbestellt bleiben sollen. Die Möglichkeit der in Aus­sicht genommenen Bestellung ist auf Erfordern glaubhaft zu machen. Die Aufforderung kann durch öffentlich? Be- 1 kanntmachung erfolgen. Soweit der Nuhungsberech igte j die Bestellung nicht übernimmt -der die Möglichkeit der I

Bestellung nicht glaubhaft macht over Die Austorverun« unbeantwortet läßt, oder wenn er nicht erreicht werden kann, ist die untere Verwaltungsbehörde befugt,- die Nut­zung des Grundstücks mit Zubehör ganz oder zum Teil längstens bis Ende des Jahres 1915 dem Berechtigten zu entziehen und dem Kommunalverbande zu übertragen. —- Weitere Bestimmungen enthalten den Zeitpunkt der Rück- gäbe und die Entschädigungsfrage.

Aachlarbeil im Aride.

Dem Feldpostbrief eines jungen Kriegsfreiwilligen der als Pionier im Westen steht, entnimmt die -,Voss. Ztg.^ nachstehende Schilderung:

Wir Pioniere bauen jetzt an der Aisne mit Unterstütz-, ung der Infanterie unsere neuen Stellungen aus, da wir die franz" -schen Schi'wengräben nicht gebrauchen können; denn ye ^ gen ca drki Kilometer hinter unserer Fronk. Abend für Abend wird gearbeitet. „Um 8 Uhr Abmarsch! Drahthindernis vor dem vordersten Graben ziehen! Eine Gruppe Infanterie hilft!" Mit diesen Worten kommt unser Gruppenführer in unsere „Stube". Zurufe durchschwirren die Luft, denn der Abschnitt, den unsere Gruppe auszu- bauen hat, zeichnet sich durch seine Kürze, aber auch durch seine Gefährlichkeit aus. Ein lustiger Berliner meint: „Na, denn man los!" ein anderer: „Det kann ja tut werden!" Ein Vorsichtiger mahnt: „Nur ruhig, freut Euch nicht zu früh!" „Wenn das verd. . . . Maschinengewehr nicht gerade das Gegenüber wäre!" .... Einer geht hinter dem an­dern. Das Spatenblatt fest unter den Arm geklemmt, da­mit es nicht klappert. Mit weit ausgesperrten Augen ist jeder bemüht, die Dunkelheit zu durchdringen. ^Achtung, Draht!" flüstert der Führer seinem Nachbar zu, „Weiter­sagen!" Langsam gelst's weiter, seder steigt über das erste Drahthindernis. Mancher bleibt in dem Stacheldraht hän­gen, und — das ist das Niederträchtige dabei — kann sei­nem Herzen nicht Luft machen, denn der Feind ist wach­sam wie ein Jagdhund. Mit unterdrücktem Schimpfen geht es über einen Reservegraben. Die schweren Drahtrollen werden hinüber gereicht, dann „hopp" drüber hinweg. Einer springt zu kurz, plums liegt er unten. „Taktaktast' sagt das feindliche Maschinengewehr. Alles zu Boden. „Siehste", tuschelt der Berliner dem Unglückswurm ins Ohr. „das kommt' davon."' Machdem der ,;2TutomaP feine Tätig­keit eingestellt hat, geht's weiter. Bald liegt alles im Graben. Nachdem Lauscherposten ausgeschickt worden sind, springt einer nach dem anderen über die Brustwehr, und nun werden lautlos und so schnell als möglich Pfähle eingegraben für den Stacheldraht. Einzelne Schüsse, die herüberknallen, werden kaum beachtet. Da klirrt jemand mit dem Spaten, und das Geräusch wird sofort mit einer Salve emittiert. Ein leuchtendes Aufblitzen am Himmel verrät Artilleriefeuer. Ein wütendes Heulen erfüllt die Luft, ich kann eben noch meinem nächststehenden Kameraden eine kurze Warnung zurufen, als das Krachen berstender Schrapnells die Luft erschüttert.

Am nächsten Tag muß ein Stück Graben vor einer Feldwache gebuddelt werden. Mit fünf Gruppen Infante­rie marschieren wir los. Unmittelbar an der Aisne liegt ein kleiner Wald, den wir durchkreuzen müssen. Wir Pio­niere teilen die Abstände zwischen der^ einzelnen Leuten ein, und dann gräbt jeder so schnell als möglich ein Loch, um etwas Deckung zu haben, denn der seindliche Posten stellt keine 30 Meter entfernt. Außerdem sitzt noch einer im Schornstein einer am jenseitigen Ufer gelegenen Fabrik. Die als Gruppenführer eingeteilten Pioniere kon­trollieren d en Fortgang der Erdarbeiten und greifen überall helfend ein. Dort sitzt einer sest, er kann wegen einer dicken Wurzel nicht weiter, der Pionier zieht sein Seiten­gewehr mit der Säge, und bald ist der Schaden behoben. Da ist einer int Zweifel, wie tief und wie breit der Graben sein soll, der Pionier klärt ihn auf, und so geht es -von einem zum andern, bald anseuernd, bald zur Ruhe mah­nend. Trotz aller Vorsicht hat der Feind uns doch be­merkt, d enn der „Abendsegen" in Gestalt von Schrapnells kommt sausend über die Aisne geflogen. Die Infanteristen ducken fiel) in die Löcher, die sie sich gegraben haben, die Pioniere werfen sich zu Boden, für sie gibt es keine.andere Deckung, sie arbeiten fast immer ohne Schutz. Da beißt es eben aushalten, wenn auch das Herz bis zunr Halse schlägt und der Tod bedenklich nahe vorbeischreitet. Doch die Artillerie hat sich getäuscht, und die Geschosse schlagen fast huneert Meter zu weit links ein . . _

Weitere Drahtnachrichten.

Die Anleihe» der Kriegführenden in Amerika.

Washington, 3. April. (T.-U.) Bryatt hat die Erklärung abgegeben, daß die Regierung sich nicht für berechtigt erachte, gegen die Anleihen der Kriegführen­den, die diese in den Vereinigten Staaten unterzubrin- gen suchen, Opposition zu machen.

Der Verkehr an den französischen Sparkasse».

te* Paris, 3. April. (WTB.) Nach dem „Temps" haben die Auszahlungen auf den französischen Spar­kassen die Einzahlungen in der Zeit vom 21. bis 31. März um 5 220 629 Francs und in der Zeit vom 1. Ja­nuar bis 81. März um 41 012 454 Francs überstiegen.

Pockenepidemie in Charkow.

^ Petersburg, 3. April. Der „Rjetsch" meldet aus Charkow: Hier wütet eine große Pockenepidemie. Es wurde die Zwangsimpfung aller Einwohner dnrchge- führt. — Nach demselben Blatte ersuchte der Minister des Innern die Gouverneure, durch energische Maß­nahmen die Bevölkerung zum Verkauf versteckten Ge­treides zu veranlassen. Im Notfalle müßten Requi­sitionen vorgenommen werden.

Haldane plaudert a»s.

London, 3. April. (WTB.) „Daily Chronicle" gibt das Interview eines Vertreters der „Chicago Daily News" mit Lord Haldane wieder. Der Journa­list fragte, ob England neutral geblieben wäre, wenn Deutschland Belgiens Neutralität respektiert hatte. Haldane erwiderte: „Ich biu durchaus nicht sicher, daß wir das hätten tun können. Belgien berührte unsere Ehre, Frankreich berührte unser Gefühl und unser In­teresse. Wenn man die Theorie der Welteroberung be° trach.et, die hinter der erfolgreichen deutschen Bewegung zugunsten eines Angriffskrieges stand, so scheint es mir, daß es ein Wahnsinn von uns gewesen wäre, mit gefal­teten Händen still zu sitzen, während Deutschland die Hindernisse auf dem Kontinent für einen Angriff auf das britische Reich beseitigte. Jetzt unter günstigsten Umständen sind wir der deutschen Stoßkraft sehr nahe. Ich glaube nicht, daß wir hätten zulassen dürfen, daß die deutsche Stoßkraft noch näher herankommen und uns die nächsten Staaten absorbieren durfte, ohne daß wir einen verzweifelten Versuch machten, zu verhindern. Aber der Angriff auf Belgien ließ uns keine Zeit zur Ueberlegung und Wahl. Wir hatten dem Vertrags« bruch und dem einem schwächeren Staate zugefügten Un­recht Widerstand zu leisten oder wir wären entehrt ge­wesen.