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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck Und Verlag von Ludwig Funks Vuchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

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für den Kreis Hersfeld

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Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zelle 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zelle 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittag».

Nr. 78

Sonntag, den 4. April

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Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.

Neuster Tagesbericht.

Großes Hauptquartier, 3. April. Westl. Kriegs­schauplatz. Ein Versuch der Belgier das ihnen am 31. März entrissene Kloster-Gehöft wieder zn nehmen, scheiterte.

Im Priesterwalde mißlang ein französischer Vorstoß.

Ein französischer Angriff bei und südlich Nieder- Aspach, westl. von Miilhausen, wurde zurückgeschlagen.

Oestlicher Kriegsschauplatz. Auf der Ostfront er­eignete sich nichts wesentliches.

Oberste Heeresleitnng.

Deutsche öfter».

Wieder läuten die Osterglocken durch das deutsche Land, aber diesmal haben sie einen besonderen Klang. Reden sie etwa nur vom Erwachen der Natur, vom jungen Lenz, der doch einmal mit sieghafter Kraft seine weite grünende und blühende Herrlichkeit ent­falten muß? Gewiß, auch die österliche Naturfreude hat ihr gutes Recht, aber wir haben es doch zuerst und zuoberst mit einem christlichen Ostern zu tun. Der christliche Osterglaube ist schon so oft verlästert und verspottet, ja geradezu totgesagt worden, aber immer wieder hat er sich kräftig und gegenwartsstark erhoben, und Millionen von sorgenden, kämpfenden Menschen bekennen sich auch heute noch zu ihm. Diesem Glauben eignet ein Herzenstrost, der durch keine philosophische Weisheit oder sonst kulturelle Er­rungenschaft verdrängt oder ersetzt werden kann. Es webt und waltet da eine Gewißheit wirklichen Lebens, gegründet in der eigenpersönlichen Erfahrung von einem wirklich lebendigen Christus. Um einen toten Christus würde sich keine gläubige, hoffende Gemeinde sammeln können. Nur mit der Zuversicht des christ­lichen Osterglaubens konnte die christliche Kirche einen unendlichen, treuen und furchtlosen Missionsgeist ent­falten. Es ist begreiflich, daß solcher Glaube immer­fort hohe, jubilierende Töne angeschlagen hat.

Ein gewaltiges deutsches Ostern erlebt diesmal unser Volk, ein befreiendes Erwachen unter Blut und Eisen, und man würde diese große Zeit nicht nach ihrem vollen Werte einschätzen, wollte man nicht auch ihrer christlichen Glaubensfreudigkeit einen Gedenk­stein weihen. Als der große Krieg ausbrach, füllten sich die Kirchen, und das war nichts Konventionelles und Gemachtes, es kam aus einem tiefen inneren Dränge. Die religiöse Grundstimmung unseres Volkes, der Glaube an ein höheres Ziel des Lebens und an das Walten Gottes in den Schicksalen der Menschheit hat sich in dieser großen Zeit herrlich offenbart, und in Gottesfurcht und Gottvertrauen werden wir verbunden bleiben, solange wir Deutsche sind. Das deutsche Volk ist auferstanden, es hat sich befreit von dem Hader der Parteien und hat das Be­wußtsein wiedergewonnen, daß wir Angehörige einer starken, wehrhaften und vorwärts schreitenden Nation sind, deren erster Kanzler, Fürst Bismarck, dessen 100. Geburtstag wir soeben begingen, einmal die großen und stolzen Worte in die Welt hinausgerufen hat: Wir Deutschen fürchten Gott, sonst nichts in der Welt!" Diesem Wahrspruch sind wir auch jetzt treu geblieben, wo wir gegen eine Welt von Feinden um unsere Existenz und Freiheit zu sümpfen gezwungen wurden, und diesem Wahrspruch wollen wir treu bleiben zu allen Zeiten und in allen Lebenslagen.

Es war um die Osterzeit, als vor 44 Jahren irü Frieden zu Frankfurt a. M. das geeinte Vaterland in neuer Herrlichkeit auferstand, und das diesjährige Ostern läßt uns beten, daß bald die Glocken einen dauernden Frieden einläuten möchten, einen Frieden, der einen erneuten Ueberfall neidischer und miß­günstiger Feinde unmöglich macht. So darf das deutsche Volk in diesem Jahre das Osterfest als wahr­haft deutsches Ostern feiern.

Bus der Heimat.

* (G o l d s a mm l u n g durch Schulen.) Bei der Zentralstelle der Organisation der deutschen Philologen, Lehrer und Geistlichen sind bis zum 16. März von etwa 100 höheren Lehranstalten 4 Millionen Gold als in die Reichsbank abgeliefert gemeldet wor­den, ein hocherfreulicher Erfolg, der zu weiterer Ar­beit anspornt. Von dem Gesamtbetrag hat Groß- Berlin mit 32 Schulen, also etwa einem Viertel seiner höheren Schulen, runb P i Millionen gesammelt. An der Spitze stehen hier zwei Charlottenburger Anstalten die Kaiser-Friedrich-Schule mit 96500 Mark und das Mommsengymnasium mit 84800 Mark; beide zusam­men reichen freilich noch nicht ganz an die Oberreal.

schule in Gumersbach (Rheinprovinz) heran, die in 14 Tagen 182 000 Mark gesammelt hat.

§ Hersfeld, 3. April. Feingemahlener Kainit ist gegenwärtig das zweckmäßigste Mittel zur Hederichbekämpfung,- derselbe läßt sich bequem streuen, wirkt sicher und zugleich düngend. Der Kainit muß morgens im Tau gestreut werden, nachfolgender Sonnenschein unterstützt seine Wirkung wesentlich. Je nach Größe des Hederichs (25 Blätter) sind 36 Zt. Kainit pro Morgen erforderlich, welche einen vollen Erfolg sichern, wenn es nicht regnet. Eine solche Kopfdüngung schadet dem Boden und dem jungen Getreide bei Blattpflanzen und Kleeuntersaat ist Kainit nicht zu verwenden absolut nicht, im Gegen­teil, es zeigt sich, besonders bei starken Gaben, die düngende Wirkung recht deutlich, fvdaß dadurch allein schon die Kosten des Kainits um ein Mehrfaches ge­deckt sind.

):( Hersfeld, 2. April. Heute nachmittag brach im Staa tswa lde hinter der Meisebach ein Brand aus, dem ca. 5 Acker junge Fichten zum Opfer fielen. Durch schnell herbetgeholte Bewohner von Kalkobes und Forstbeamte wurde das Feuer gelöscht, ehe er größere Ausdehnung annehmen konnte. Wie ver­lautet ist der Brand durch Kinder angelegt worden. Hätte nicht zur Zeit völlige Windstille geherrscht, so würde das Feuer leicht einen großen Umfang ange­nommen haben.

):( Hersfeld, 3. April. Gestern wurde hier eine steckbrieflich verfolgte Person f e ftgenomm e n, welche vor einiger Zeit durch Urkundenfälschung verschiedene Betrügereien in hiesiger Stadt verübt hatte.

Dörnberg, 30. März. Trotz der täglichen Er­mahnungen geschieht es immer leider noch öfter, daß sich gegen den Bundesratsbeschluß vom 31. Januar 1915, kein Getreide zu verfüttern, vergangen wird. Der Landwirt L. fütterte seine Hühner mit Weizen und hatte sich deshalb vor dem Schöffengericht in Zierenberg zu verantworten. Er wurde zu 300 Mk. Geldstrafe verurteilt, zuzüglich der entstandenen Kosten.

Dörnberg, 30. März. Ein Landwirt aus dem be­nachbarten Dorfe O. hatte etwa 70 Zenter Hafer mit Häcksel vermischt und glaubte so, diese Menge der Be­schlagnahme entziehen zu können. Die Sache kam aber heraus und der Landwirt mußte die 70 Zentner ohne irgendwelche Bezahlung abgeben.

Eisenach, 31. März. Der Thüringer Hotelierver­band will in Gemeinschaft mit den sonnigen Verkehrs- verbändeu bei der Eisenbahnverwaltung beantragen, daß die Geltungsdauer der Sonntagsfahrkarten vom Sonnabend mittag bis Montag früh ausgedehnt wird, damit besonders die Einwohnerschaft größerer Städte einen vollen Sonntag an einem Ausflugsorte zu­bringen oder eine ganztägige Wanderung vornehmen kann. Weiter soll angestrebt werden, daß aus den verschiedensten Richtungen (Halle, Leipzig, CasselMühl- Hausen, Meiningen usw.) schon am Sonnabend mittag Sonntagszüge nach den verschiedensten Ausflugsorten abgelassen werden, die erst am Montag früh wieder zurückfahren. Da die gesamte Fremdeninduurie Thüringens schwer unter dem Kriege zu leiden hat, wird bestimmt erwartet, daß die Eisenhahnverwaltung diesem Ersuchen stattgeben wird.

Trost sür Kriegsoerstömmelte.

Wie tief erschüttert sind wir bei dem Anblick unserer wackeren Feldgrauen, die einst freudig ins Feld zogen, das Vaterland zu schützen, und die ver­wundet oder gar verstümmelt zurückkehren und nun sorgenvoll in die Zukunft blicken. Ihr Anblick löst aber nebst dem innigsten Mitleid noch andere, ganz eigentümliche, ja unsagbare Gefühle in unserem Herzen aus. Es ist beinahe, als träfe uns der Vvr- wurf, nicht dankbar genug zu fein; es ist, als zöge die Erkenntnis einer heiligen Verpflichtung durch unser Gemüt, obzwar wir nicht wissen, wie der Einzelne dieser Pflicht nachzukommen vermag. Ja, noch mehr. Wir sehen im Geiste das Heer der Schwer­verwundeten und Verstümmelten, und immer wieder taucht die quälende Frage auf, wie wohl das schwere Problem der Versorgung jener Unglücklichen in sittlicher und wirtschaftlicher Beziehung zu lösen sein wird.

Da kommt ein kleines Büchlein zur rechten Zeit heraus und befreit unser verdüstertes Gemüt von bangen Sorgen, wie der Frühlingssturm die kalten trüben Winternebel verscheucht.Kriegskrüppelfür­sorge. Ein Aufklärungswort zum Troste und zur Mahnung" nennt sich das Büchlein, das im Auftrage der Deutschen Vereinigung für Krüppelfürsorge und der Deutschen orthopädischen Gesellschaft von Prof. Dr. Konrad Biesalki herausgegeben und im Verlage von Voß (Leipzig und Berlin) erschienen ist.

Mit wachsendem Interesse vertiefen wir unS in den Inhalt der Broschüre, nach jeder Seite, die wir gelesen, fühlen wir unser Herz leichter, unser Gemüt ruhiger werden.

Wohl ist uns schon früher bekannt geworden, daß

in den Zentralstellen des Reichs mit Bienenfleiß an einer staatlichen Organisation der Fürsorge für die verstümmelten Kriegsinvaliden gearbeitet wird, wo­bei es sich vor allem darum handelt, diese baldmöglichst in den Stand zu setzen, sich in ihrem seitherigen, einem verwandten oder, wenn dies nicht möglich sein sollte, in einem neuen Berufe zu betätigen und ihnen Ar­beit nachzuweisen,- aber die freudige Anerkennun- der menschenfreundlichen Absicht wurde wohl noch hier und da durch den Zweifel getrübt, ob die Ausführung des großartig angelegten Planes gelingen werde.

Durch die Broschüre erfahren wir, daß die beab­sichtigte Fürsorge für unsere Kriegsverstümmelten ge­lingen muß, weil alle Voraussetzungen dafür vor. Handen sind: die ärztliche Kunst, die hohen Leistungen der Orthopädie, die Erfahrung in der Krüppelfürsorge und die wohlwollende und tatkräftige Beteiligung der Behörden.

Deutschland, das in der Arbeiterfürsorge allen anderen Staaten voranging, eS ist auch das Land, welches am besten vorbereitet und ausgerüstet ist, um die schweren Anforderungen glücklich bewältigen zu können, die ihm die Fürsorge für seine schwerver­wundeten und verstümmelten Krieger auferlegt.

Der Verfasser der Broschüre liefert uns in kurzem klaren Vortrag, der durch zahlreiche Beispiele auS dem reichen Schatze seiner Erfahrungen und durch viele Abbildungen unterstützt wird, den beruhigenden Beweis, daß auch sehr schwer Verstümmelte dank der Kunst der Aerzte und Orthopäden wieder die Fähigkeit erlangen können, sich in ihrem Berufe oder Gewerbe betätigen oder sich einem anderen Berufe widmen zu können, wenn nur der feste Wille da­zu vorhanden ist. Wer eine Gefühlsroheit darin erblicken sollte, daß man einem Kriegsverstümmelten zumutet, wieder zu arbeiten, der wird durch die Broschüre eines Besseren belehrt werden. Gerade die Möglichkeit, wieder arbeiten, wieder für sich und andere sorgen zu können, wieder ein nützliche- Glied der Menschheit zu werden, erfüllt den Verstümmelten mit größter Freude, spendet seinem Herzen echten wahrhaftigen Trost.

Daraus geht schon hervor, wie wichtig und not. wendig es ist, die Kriegsverstümmelten recht früh, zeitig mit dieser Möglichkeit vertraut zu machen. Die Pflicht der Aufklärung in dieser Richtung ist in erster Linie den Lazarettärzten, den Fachleuten der Krüppel­fürsorge, den Krankenpflegern und Schwestern vom Roten Kreuz" auferlegt, aber jedermann kann und soll zu dieser Aufklärung beitragen, so gut er es vermag. Insbesondere die Besucher der Schwerver­wundeten werden ihr gutes Werk noch ersprießlicher gestalten, wenn sie sich für den Krankenbesuch durch das Lesen jener Broschüre vorbereiten. Statt der immer wiederkehrenden und von dem Kranken zu seinem Verdrusse hundertmal beantworteten Fragen, wo er gedient hat, bei welcher Gelegenheit er ver­wundet wurde und dergleichen mehr bringe man da- Gespräch geschickt auf seine Pläne für die Zukunft und erzähle ihm von der erfolgreichen Tätigkeit der Ver­einigung für Kriegskrüppelfürsorge. Wie gespannt wird er zuhören, wie werden seine Augen lenchten, wenn er erfährt, daß das unwürdige Bild deS KriegS- invaliden mit dem Leierkasten für alle Zeiten ver- fchwunden ist, daß jene Vereinigung 138 Fürsorge, einrichtungen besitzt, darunter 54 Krüppelheime, in welchen sich 221 Werkstätten befinden, in denen 51 Erwerbstättgkeiten gelehrt werden. Wie groß wird die Freude des Verstümmelten sein, wenn ihm klar gemacht wird, daß er kein nutzloser Krüppel zu bleiben brauche, daß er wieder in die Lage gebracht werden könne, sein selbstverdientes Brot zu essen. Man ver- künde ihm die erhebende Botschaft, die uns Dr. Bie- salski in seinem Büchlein bringt und die in den Worten gipfelt: Es gibt kein Krüppeltum mehr, wenn der eiserne Wille vorhanden ist, es zu überwinden!

Diese Zeilen sollen zur Vorbereitung dieser Bot­schaft beitragen, verfolgen aber dabei auch den Zweck, zum Eintrit in die Deutsche Vereinigung für Krüppel, fürsorge anzuregen, deren Geschäftsstelle stch nr Berlin W. 62, Bayreutherstraße 13 I., befindet. Die Beitritts­erklärung auf einer Postkarte genügt zur Aufnahme. Der kleinste Beitrag ist auf 15 M. jährlich festgesetzt; dafür wird die ZeitschriftKrüppelfürsorge" und die Verhandlung eines jeden Kongresses geliefert.

Viele der Leser werden den Entschluß fassen, der Vereinigung beizutreten. Zu diesem Behufe werden sie sich die obige Adresse sorgfältig vermerken, und dannim Dränge der Geschäfte" das Schreiben der kurzen Beitrittserklärung vielleicht dochvergessen. Aber sie werden ihren Entschluß früher oder später dennoch zur Ausführung bringen; denn sie werden täglich mehr­mals an ihn erinnert werden, und zwar von den­jenigen, die an der Sache am meisten beteiligt sind von den wackeren verwundeten Feldgrauen selbst, deren Erscheinung in stummer und doch sehr beredter Weise zur Tat mahnen wird. Und ist diese geschehen, dann wird auch jene niederdrückende, eingangs erwähnte Gefühlsregung, die der Anblick der »erftümmchen Tapfernausübt.dembesriedigendenB wußisein weichen, die ihnen schuldige Verpflichtung redlich erfüllt zu haben.

H. Kunz, Geheimer Regierungsrat.