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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld

Herrscher WW ÄreisMatt

Segußspreie vierteljährlich für HersfeL 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Nr. 77.

Donnerstag den 1. April

1015

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich auf der letzten Seite.

Sismari.

Nun Dein Jahrhundert geht zu Ende, zieht Dein Jahrtausend groß heran. Du schläfst und faltest still die Hände. Und doch: an dieser Schicksalswende wie steht die Welt in Deinem Bann!

Ein Neues will sich rings bereiten aus Deinem Geiste weltversöhnt, ob auch in Hundertmeilenbreiten noch Millionen uns bestreiten und Lügenbrut uns frech verhöhnt!

Mag eine Hölle uns umtoben, wir fürchten nichts auf dieser Welt! Du sollst das Ende segnend loben, wenn nur der alte Herrgott droben uns treu bet alter Ehre hält.

Wie mag nun zitternd zu Dir dringen die Heldenbotschaft aus dem Licht! Und doch hör' ich ein Nornensingen, und einer Glocke gläsern Klingen heimlich aus dunkler Tiefe spricht-

Es raunt von Siegfrieds reinem Schwerte, das Alberichs Gezücht erschlug, von Schleicherlist und Heldenwerte, vom Nörge, der den Hort begehrte, Und von des Goldes altem Fluch.

Und immer wieder tönt die Klage, wie uns Dein Rat, fehlt Schritt für Schritt, daß nicht im Nebel dieser Tage der Zwerge List von dannen trage, was heller Schwerter Streich erftrUt.

Doch nein: Du ziehst mit unsrem Heere als Rüdiger der Todespflicht!

Du Hildebrand der blanken Wehre,

Du Eckehart der alten Ehre, verlaß uns nicht, verlaß uns nicht!

Fritz Bley.

Zu Birmarüs 100. Geburtstag.

Hundert Jahre sind am 1. April verflossen, seit Bismarck, der Baumeister und erste Kanzler des neuen Deutschen Reiches, dem deutschen Volke geboren wurde. Mitten in das Toben des Weltkrieges fällt Bismarcks 100. Geburtstag, aber gerade diese große Zeit ist so recht dazu angetan, den Tag feierlich und weihevoll, wenn auch nicht in rauschenden Festen, zu begehen. Denn die Einrichtung, in der sich der nationale Gedanke, wie er sich in großartiger Wirk­lichkeit verkörpert in Otto von BiSmarck, am klarsten und gewaltigsten offenbart, ist das deutsche Heer. Sein Kern, die preußische Armee, verdankt die Durch­führung seiner Neugestaltung nächst Kaiser Wilhelm L und Roon der überlegenen Einsicht, der unbeugsamen Energie des damaligen Ministerpräsidenten Otto von Bismarck. Ohne diese Armeereform wären die Siege von 1864, 1866 und 1870 wie auch die bisherigen großen Erfolge im gegenwärtigen Weltkriege nicht möglich gewesen. Bismarck war uns der Erlöser aus den Ketten der Kleinstaaterei und Zerrissenheit, der Befreier aus der politischen Ohnmacht, der Einiger und Lenker der Deutschen, der den Traum der deutschen Jugend in ungeahnter Weise verwirklichte. Er war jener Mann der nationalen Sehnsucht, nach dem der schwäbische Dichter Johann Georg Fischer schon im Jahre 1849 verlangte, wenn er sang:

Tritt aus der Führer wildem Zanken Kein so antiker ganzer Mann, Der den unsterblichen Gedanken Der deutschen Größe fassen kann?

Der ohne Ansehn und Erbarmen Zu Haus uns treibt im Schlachtenschweiß

Und dann mit unbeugsamen Armen

Die deutsche Mark zu runden weiß!

Ja, unser Bismarck war der Mann, der mit klarem Blick den Gedanken der deutschen Größe gefaßt und mit starkem Arm die deutsche Mark gerundet hat. Er war der Recke von wahrhaft antiker Größe,von dem die Truppen beim Beiwachtfeuer so oft gesprochen hatten ... AlS er dem Reichstage die Kriegserklärung Frankreichs verlas, da war allen zumute, als ob er zuerst den Ruf erhöbe: Alldeutschland nach Frankreich hinein! und allen schien es, als ob er wie ein Herold den deutschen Geschwadern in Feindesland voran- ritt", wie Heinrich von Treitschke einmal von ihm ge­sagt hat.

So hat BiSmarck nicht nur dem 19. Jahrhundert sein Gepräge aufgedrückt, er steht auch wie ein Mark- stein an der Schwelle einer neuen Zeit. Denn das Deutsche Reich ist sein Werk. Ohne ihn, ohne seine markige Kraft, ohne seine maßvolle Klugheit, ohne seine goldene Rücksichtslosigkeit hätten wir nimmer­mehr die Zeit fv groß, nimmermehr PeMMM* I*

einig gesehen. Seine Gegner und Feinde, deren er nicht wenige hatte, haben ihm Ehrgeiz und Rücksichts­losigkeit in der Verfolgung seiner Pläne vorgeworfen, und sie haben ihm dabei bitteres Unrecht getan; denn immer hatte er nur das eine Ziel im Auge, sein Vaterland groß und stark zu machen, Deutschlands Ehre und Ruhm zu mehren und zu befestigen. Daran hat er gearbeitet sein Leben lang mit unermüdlicher Tatkraft, und dieser große und unvergängliche Ver­dienst kann kein Neid, keine politische Gegnerschaft hinweg leugnen, das müssen alle Deutschen anerkennen. Allezeit treu bereit für des Reiches Herrlichkeit!" Das war Bismarcks oberster Wahlspruch, von dem er sein langes tatenreiches Leben hindurch nie gelassen hat. Was er für sein deutsches Vaterland vollbracht, das hat die große Lehrmeisterin der Völker und Menschen, die Geschichte, mit ehernem Griffel in ihre Annalen eingetragen, und schon bei seinen Lebzeiten hat sie ihm den verdienten Lorbeerkranz gereicht. Unvergänglicher aber als alle Ehrungen und aller Ruhm, unauslöschlicher ist im deutschen Volke die tiefe Herzensliebe zu seinem größten Sohne, und so­lange es ein Deutschland auf diesem Erdenrund gibt, wird diese Liebe nicht schwinden,- denn er war unser.

Alles dessen wollen wir heute wieder eingedenkt sein und dabei daS heilige Gelöbnis erneuern, mit Herz und Hand, mit Gut und Blut und das gewaltige Vermächtnis, das Bismarck uns hinterlassen hat, zu hüten und zu beschützen auch gegen eine Welt von Feinden und durchzuhalten in diesem uns aufge­zwungenen Riesenkampfe, bis auch der letzte Feind am Boden liegt. In diesem Sinne begehen wir am besten den 100. Geburtstag des großen Toten, von dem wahrlich das Wort Goethes allezeit gelten wird:

Er schwebt vor uns als ein Komet entschwindend, Unendlich Licht mit seinem Licht verbindend.

Bus der Heimat«

* (K e i n e E r h ö h u n g S e r H a f e r r a t i o n e n.) Nach amtlichen Mitteilungen ist keinesfalls damit zu rechnen, daß die Haferration für Pferde (täglich IVa Kilogramm als Futter für ein Pferd) erhöht wird,' die Pferdehalter müssen daher mit ihren Hafervorräten äußerst sparsam umgehen, damit sie bis zur nächsten Ernte reichen. Nachlieferungen von Hafer sind gänz­lich ausgeschlossen. Ob die Saatgutmenge für 1 Hektar gleich 75 Pfund pro Morgen erhöht werden wird, ist noch nicht entschieden. Soweit Halter von Pferden u. Unternehmer landwirtschaftlicher Betriebe nicht im Besitze des erforderlichen Futterhafers und Saathafers sind, muß der KreiS ihnen den Bedarf, soweit dies möglich aus den ihmüberwiesenen Beständen zuteilen. Anträge auf Zuweisung sind an die Gemeinde-, Guts- Vorstände (Magistrate) einzureichen unter Angabe der Anzahl der Pferde und der Morgenzahl der mit Hafer zu bestellenden Grundstücke, sowie derjenigen Hafermengen, die der Antragsteller am 1 Februar d. J. selbst im Besitz hatte. Die Ortsbehörden haben die. Bedarfsanmeldungen sorgfältig zu prüfen und sofort weiter zu geben. Dabei ist anzugeben, ob in der Ge­meinde selbst noch Hafervorräte verfügbar sind, aus denen der Bedarf gedeckt werden kann, unter Nam- haftmachung der Besitzer des Hafers und der von ihnen absehbaren Mengen. Es ist als dringend erforderlich erachtet worden, daß die Ortsbehörden durch wieder­holte Revisionen, feststellen, ob der Hafer tatsächlich der Vorschrift entsprechend verfüttert bezw. als Saat­gut aufbewahrt wird.

* (Keine Oster- und Pfingstkarten.) Ein neues Armeeverordnungsblatt enthält u. a. fol­gende Verordnungen: Verbot der Versendung von Öfter- und Pfingstkarten. In geicher Weise wie die Versendung von Neujahrs-Glückwunschkarten wird den Angehörigen des Heeres die Versendung von Öfter- und Pfingstglückwunschkarten untersagt.

8 Hersfeld, 81. März. DerNationalstiftung für die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen" hat die ReichSpostverwaltung in dankenswerter Weise seit Monaten ihre Mitwirkung dadurch geliehen, daß alle Postanstalten des Reichs-Postgebiets Spenden für die Stiftung kostenfrei annehmen. Auch den Landbe­wohnern ist, was vielleicht nicht allgemein bekannt sein dürfte, bequeme Gelegenheit geboten sich an der Stiftung zu beteiligen, da nicht allein die Postagen­turen und Posthilfsstellen, sondern auch die Landbnef- träger auf ihren Bestellgängen Beiträge entgegen­nehmen. Selbst die kleinste Gabe ist willkommen. Bis­her konnten die Postanstalten rund 1037 000 Mark an den Schatzmeister der Stiftung abfuhren. Weitere Spenden sind dringend erbeten!

):( HerSfeld, 31. März. Die in eine Genossenschaft mitbeschränkterHaftpflichtumgewandelteHersfe der Spar-undDarlehnskasse wird am 1. April d Js. ihren neuen Betrieb eröffnen. Gegenstand des jetzigen Unternehmens ist: 1. Annahme und Ver­zinsung von Einlagen. 2. Hebung des Sparstmes und Förderung der wirtschaftlichen Interessen der Mit­glieder und 3. Diskontierung von Wechseln und Aus- flihrunö »2« in da- vsrrksach MMagrnSen GeMfte,

mit Ausschluß jeder Tätigkeit auf dem Wege der Spekulation. AlsDirektorderKasse tritt Herr Bierbrauereibesitzer Jean Steinweg, ein und es wird Herr Steinweg, welcher im Bankfach s. Zt. Ausbildung genossen hat, in Gemeinschaft mit dem bisherigen Kassierer, Herrn Lehrer a. D. Heeger, die Geschäfte führen. Die Spar- und Darlehnskasse hat bereits 33 Jahre lang in bescheidener Weise recht segensreich wirken können und es steht zu erwarten, daß die Kasse nach ihrer jetzt stattgefundenen Er­weiterung solches in noch weit größerem Maße zu tuen wird in der Lage sein. Namentlich wird die Kasse jetzt und zunächst während der Kriegszeit ganz be­sonderes Interesse der Hebung und Unterstützung der Lage des gewerblichen Mittelstandes zuwenden, und damit dem so sehr berechtigten bezüglichen Wunsche der Staatsregierung entsprechen. Der Eintritt in die neue Genossenschaft war in letzter Zeit ein recht zahl­reicher und namentlich aus den verschiedenen Bürger­kreisen der Stadt. Der Betrag, bis zu welchen sich die einzelnen Mitglieder beteiligen können, (der Ge­schäftsanteil) ist auf 150 Mk. festgesetzt. Die Beteili­gung eines Mitgliedes auf mehrere Geschäftsanteile ist zulässig; es können jedoch höchstens 20 Anteile von einem Mitgliede erworben werden. Für 1914 wurde auf die Geschäftsanteile der Genossenschaft bereits eine Dividende von 5°/o verteilt. Die neue Zusammen­setzung von Vorstand und Aufsichtsrat der Kasse bietet die beste Garantie dafür, daß die Verwaltung, wie bis­her, in durchaus vorsichtiger Weise geführt, und daß das Institut zum Segen für Stadt und Land sich,weiter günstig entwickeln wird.

):( Hersfeld, 31. März. Der Königs Ulan Fritz S i e b e r t, Sohn des Postschaffners a. D. Hermann Siebert zu Hersfeld, wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet; es wurde ihm von seinem Kommandeur mit den Worten überreicht, er möchte sich auch fernerhin wie bisher tapfer und mutig zeigen.

):( Hersfeld, 31. März. Zur Beschleunigung der Uebertragung des Durchschnittsbrandes einer Brennerei auf eine andere hat der Herr Finanz­minister durch Bekanntmachung vom 15. März 1915 ein erleichtertes Verfahren zugelassen. Die Bekannt­machung kann bei den Zollämtern eingesehen werden.

):( Hersfeld, 31. März. Nach der vorläufigen Fest­stellung wurden am 1. Dezember 1914 in Hessen-Nassau gezählt: 63 891 Pferde (ohne Militärpferde), 652 348 «tuet Rindvieh, darunter 61227 Kälber unter 3 Monate alt, 210 976 Jungvieh, 3 Monate bis 2 Jahre alt, 33124 zwei Jahre alte und ältere Bullen, Stiere und Ochsen und 347 021 Kühe (auch Färsen, Kalbinnen), 166 423 Schafe, 779 915 Schweine, darunter 374119 unter 1/2 Jahr alt, 292123 1/2 bis 1 Jahr alt und 113 673 ein Jahr alt und älter, 200 228 Ziegen.

Langensalza, 29. März. Die Stadtverordneten beschlossen, von den Unteroffizieren und Mannschaften des Beurlaubtenstandes, die mit einem Einkommen von nicht mehr als 3000 Mk. veranlagt sind, die Ge­meindeeinkommensteuer, für diejenigen Monate nicht zu erheben, in denen sie zum Kriegsheer einbe­rufen sind.

Jena, 27. März. Wie seinerzeit berichtet wurde, ist die Jahneiche auf dem Schlachtfelde von 1806 durch äußere Einwirkung vernichtet worden. Nunmehr kann mitgeteilt werden, daß eine neue Eiche au derselben Stelle gepflanzt wurde, die hoffentlich eine längere Lebensdauer hat.

Eisenach, 29. März. Ende März findet eine Ver­sammlung des Vereins deutscher Druckpapier­fabrikanten statt, in der im Hinblick auf die erhebliche Steigerung der Herstellungskosten die Verkaufspreise für Druckpapier abermals erhöht werden sollen. DerGeneral-Anzeiger für Thüringen und Franken" in Coburg stellt am 31. März d. Js. sein Er­scheinen eilst t

Fulda, 29. März. Der Kreistag des Kreises Fulda bewilligte die Aufnahme eines BorschuffeS in laufende Rechnung in Höhe von 200 000 Mark zu 5 Prozent Zinsen bei der Landeskredttkaste _tn Cassel zur Bestreitung der Kosten an Familienunterstützungen in den Dienst eingetretener Mannschaften. Bis zum 1. Juli d. J. stehen zu diesen Zwecken dem Kreisaus­schuß 619.710 Mark zur Verfügung. Weiter wurde der Kreistag ermächtigt, die zur Auszahlung von Familienunterstützungen einberusener Mannschaften weiter erforderlichen Anleihen brs zur Höhe von 300 000 Mark aufzunehmen.

Frankfurt, 27. März. Mit der Aufnahme des Kartoffelbestandes in einem hiesigen Haushalt wurde der Hausbursche betraut. Nach Stunden kam er aus dem Keller zurück. Er meldete der Herrschaft, daß sich im Keller 4572 gesunde und 112 kranke Kartoffeln be­fänden. Der Bursche erhielt für seine Glanzleistung ein besonderes Lob.

I Verschwendet kein Brot! Zeder spare, so gut er kann.