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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^^^ für den Kreis Hersfeld Hnskelder KMM

BezugsprAs vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zelle 25 Pfg. Bei Wieder- j holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Nr. 76.

Mittwoch den 31. März

1615

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden fich auf der letzten Seite.

Bus der Heimat

* (Der Doktoreid imFelde.) Der Doktor- eid ist eine alte Einrichtung, die bei vielen Fakultäten noch besteht. Dieser muß natürlich persönlich geleistet werden. Schwierigkeiten ergeben sich nun bei den Doktoranden, die im Felde stehen. Auf die Anfrage einer medizinischen Fakultät hatder Unterrichtsminister erklärt, daß der Doktoreid den Doktoranden in keinem Falle erlassen werden könne. Um die Ableistung des Doktoreides zu ermöglichen, bat der Minister die Fa­kultät ermächtigt, bei diesen Doktoranden ausnahms­weise die Unterschreibung der Eidesformel als genügend, anzusehen. Der Eid soll aber ebensowenig erlassen werden, wie die Einrichtung der vorgeschriebenen Zahl von Stücken der gedruckten Dissertation. Von diesem Bescheide sind sämtlichen Universitätskuratoren und der Oberpräsident in Cassel als Königlicher Kommi­ssar der Universität zu Frankfurt a. M. unterrichtet worden.

* (Vom Volksschulwesen.) Die Zahl der Lehrerstellen an den öffentlichen Volksschulen des Reg.-Bez. Cassel beträgt 2797 und die der Lehrerinnen- stellen 335. Im Reg.-Bez. Cassel bestehen 69 israelitische Volksschulen, an welchen 70 Lehrer ange­stellt sind. Nur an der israelitischen Schule zu Fulda wirken 2 Lehrer; alle anderen Schulen sind einklassige.

* (Der AustauschSchwerverwundeter.)

Dem Kriegsministerium werden fast täglich Anfragen übersandt, ob Angehörige beim Austausch Schwerver­wundeter zwischen Deutschland und Frankreich be­rücksichtigt worden sind. Der erste Austausch ist zur Zeit beendet. Die Zurückgekehrten haben sofort Nach­richt von ihrer Heimkehr an ihre Angehörigen gesandt. Wer also bis jetzt noch nicht im Ser^t einer solchen Mitteilung ist, muß annehmen, daß der von ihm Zurückerwartete sich noch in französischer Kriegsge­fangenschaft befindet. Das Kriegsministerium führt über alle Schwerverwundeten, deren Namen ihm be­kannt werden, Listen, um sie für den Austausch in Vorschlag zu bringen. Ob aber die französische Re­gierung sie freigeben wird, ist nicht vorauszusehen. Wann der nächste Austausch stattfindet, läßt sich zur­zeit noch nicht angeben. Verhandlungen hierüber sind Zm Gange.

* (Herabsetzung der Mehlpreise durch die Kriegsgetreidegesellschaft.) Der Aufsichts­rat derKriegsgetreidegesellschaft hat am Samstag be­schlossen, daß von dem Zeitpunkt der geregelten Ver­teilung der Mehlbestände nach dem Verteilungsplan der Reichsverteilungsstelle, d. h. vom 1. April ab die Preise für Mehl allgemein herabgesetzt werden. Die Preise passen sich im allgemeinen der Abstufung der Getreidepreise in den Höchstpreisbezirken nach dem Höchstpreisgesetz vom 4. August 1914 und der Be­kanntmachung des Bundesrats über die Höchstpreise vom 28. Oktober 1914 an. Doch sind im ganzen nur

Der niedrigste Preis für Mark einschließlich Sack

zehn Preisbezirke gebildet.

Roggenmehl stellt sich auf 35 . , , .

und Fracht, der höchste Preis im zehnten Preisbezirk auf 38 Mark. Die Preise für Weizenmehl bewegen sich zwischen 40,75 Mk. und 43,75 Mk. und der mittlere Preis für Roggenschrot wird vom 1. April ab 32,50

Mark sein. Die Preise bedeuten eine erhebliche Herab­setzung gegenüber den letzten Mehlpreisen im freien Handel.

):( Hersfeld, 30. März. Eine Auskunftei Brück und Co. in Mannheim (Baden) versendet an die Bürgermeister der Heimatorte von als vermißt gemeldeten Soldaten gedruckte Karten, in denen die sich den Angehörigen gegenüber gegen Zahlung von 2 Mark zu Forschungen anbietet. Das Kriegs­ministerium (23. 2. 15. No. 627/15. N. B.) weist dar­auf hin, daß solche privaten Auskunftsstellen nur in seltenen Fällen etwas werden ermitteln können, meistens werden sie sich darauf beschränken, beim Zentral-Nachweisebureau oder beim Roten Kreuz an- zufragen und die dort erhaltenen Auskünfte weiter- zugeben. Es wird daher ersucht, durch die Z e i t u n g darauf hinzuweisen, daß eine Inanspruchnahme der Firma Brück und Co. in Mannheim zur Ermittelung Vermißter nur nutzlose Ausgaben bereite; die An­gehörigen können die Nachrichten von beiden ge­nannten Stellen, dem Zentral-Nachweis-Büro des KriegSministerium in Berlin N w. Dorotheenstraße 48. und soweit eS sich um Kriegsgefangene handelt, dem Zentral-Komitee der Deutschen Vereine vom Roten Kreuz, Abteilung für Gefangenenfürsorge, Berlin Reichstagsgebäude, unentgeldlich erhalteur Formulare für Anfragen an das Kriegsminrstertum find bei den Postanstalten erhältlich.

Hersfeld,30. März. (Meh r a l s g e n u g W o^ l- s o ck e n.) Dem Vernehmen nach werden tut Wege der Heimstrickerei noch große Mengen Wollsachen für das Heer gefertigt. Der Bedarf an solchen Socken ist in­des laut Mitteilung des Kriegsministeriums auf ab­

sehbare Zeit überreichlich gedeckt, das sowohl bei den betreffenden militärischen Dienststellen, als auch im Handel große Vorräte lagern. Es erscheint deshalb wünschenswert, die Herstellung von Wollsocken für das Heer bis auf weiteres einzustellen und die Wolle für andere Verwendung verfügbar zu machen.

):( Hersfeld, 30. März. Karl Otto, ein Sohn des Herrn Hutmachers Joh. Otto, welcher vor kurzem mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet wurde, ist jetzt zum Leutnant d. R. befördert.

Caffel, 29. März. (Vorsitzender des Schwurgerichts.) Landgerichtsdirektor Roßpatt wurde zum Vorsitzenden der ersten diesjährigen Schwurgerichtsperiode, welche am Montag, den 19. April, ihren Anfang nimmt, er= nannt. Nach der Zahl der bis jetzt vorliegenden An­klagesachen zu urteilen, ist nur mit einer kurzen Dauer der Schwurgerichtsverhandlungen zu rechnen.

Caffel, 29. März. Der Kreistag für den Landkreis Cassel beschloß, bei der Landesversicherungsanstalt ein Darlehn von 250 000 Mark aufzunehmen und hiervon 150 000 Mark an Gemeinden des Kreises für Not­standsarbeiten zur Verfügung zu stellen.

Arolsen, 28. März. In dem benachbarten Wetter­burg erhängte sich eine dort zu Besuch weilende deutsche Erzieherin, die anfangs August aus Frank­reich hatte flüchten müssen und in letzter Zeit Spuren von Schwermut zeigte.

Marburg, 29. März. Ein gräßliches Unglück er­eignete sich heute früh auf dem Bahnhof in Sterz­hausen. Der Eisenbahnschaffner Albert Sauer von hier, ein Mann im Alter von 49 Jahren, geriet dort zwischen die Puffer und wurde so zugerichtet, daß er bald darauf sein Leben ausyauchte. Der Verblichene, der viele Freunde besaß, hinterläßt eine Frau und mehrere Kinder. Ein Sohn von ihm steht im Felde.

Von der Werra, 27. März. Auf dem Kaliberg­werke zu Dankmarshausen ereignete sich ein Unglücks­fall, wobei der Bohrmeister imd Schachtaufseher Bur- meister zu Tode kam. Während des Betriebes zer­sprangen plötzlich die Zähnräöer eines mit elektrischer Kraft betriebenen Schachthaspels, so daß die ab­springenden Teile weit umherflogen. Ein Teil traf dabei den Bohrmeister mit solcher Wucht an den Kopf, daß sein Tod auf der Stelle eingetreten ist. Ein anderer Unglücksfall ereignete sich gestern auf der SchachtanlageWilhelm Ernst" bei Dippach. Der Fabrikarbeiter Johannes Bachmann von dort wollte ein großes eisernes Gefäß verlassen,' anstatt aber die Leiter zu benutzen, kroch er durch das sog. Mannloch. Dabei geriet er mit dem linken Bein in eine vor dem Gefäß vorbeilaufendeTransportschnecke", das Bein wurde ihm ausgerissen und der Tod trat als­bald ein.

Ohrdruf i. Th., 29. März. Das Gefangenenlager auf dem Truppenübungsplatz Ohrdruf erhielt dieser Tage wieder einen ansehnlichen Zuwachs: 12000 Franzosen, darunter viele Verwundete, wurden ein­geliefert.

Hauswirtschastliches für die Kriegszeit.

Was soll man zum Brote essen?

In vielen deutschen Landesteilen spielt bekannt­lich das Butterbrot und das Schmalzbrot in der täg­lichen Kost eine sehr erhebliche Rolle. Namentlich in Norddeutschland ist es eigentlich ganz gewohnheits­mäßig das tägliche zweite Frühstück und auch das Avendbrot. Nun soll ja dieser Brotkonsum überhaupt etwas eingeschränkt werden: man soll zum Abendbrot öfters Kartoffeln, Ueberbleibsel vom Mittagessen, Breie, Mehlspeisen usw. zu sich nehmen. Trotzdem wird selbstverständlich der Brotkonsum am Avend immer sehr erheblich bleiben und eine große Rolle in der üblichen Ernährung spielen. f

Nun sind aber bereits die dazu benutzen Fette erheblich knapper geworden,' es fehlt uns die Einfuhr von Schweineschmalz, und auch das heimische Schmalz, die Butter und Kunstbutter werden knapper und teurer. So ist denn die Frage nicht unwichtig, welcher Ersatz uns 'für die fehlenden Fette zur Verfügung steht,' der dieselben physiologischen Forderungen er­füllt wie die Fette, damit man mit diesen sparen kann und das gefettete Brot nicht die einzige Form des abendlichen Brotgenusses zu bleiben braucht.

Man kann ja natürlich noch immer Fette genießen, es stehen ja außer Butter und Schmalz noch Speck, sonstiges fettes Fleisch usw. zur Verfügung. Augen­blicklich sind sogar Butter und Butterersatz gerade reichlicher angeboten. Aber man braucht doch Ersatz, und dafür bieten sich in erster Linie die Milch und ihre Produkte dar. So ist es z. B. sehr wünschens­wert, namentlich die Mahlzeiten der Kinder so em- zurichten, daß man ihnen Milch selbst zum Brote gibt, es i B. dirkt in die Milch einbrockt, und etwas Zucker dazu gibt. So kehrt man zu guten alten Sitten zurück. Weiter kommen die Käse in Frage. Am meisten geeignet sind die weichen, fettreichen Käse, doch enthalten auch die Hartkäse (Schweizer usw.) reichlich Fett (mehr als 25 Proz.), so daß es völlig überflüssig ist, noch Butter dazu zu nehmen. Endlich kann man

auch Quark und Zucker zum Brote essen, was sehr gut schmeckt und eine sehr gehaltvolle Nahrung dar- stellt. Bei diesem Zusatz zum Brot, schlagen wir nun schon den anderen möglichen Weg ein, Butter und Schmalz entbehrlich zu machen, indem wir näm­lich überhaupt auf das Fett verzichten und es durch den physiologisch gleichwertigen Genuß von Zucker er­setzen. Dieser Weg eröffnet nun viele weitere Möglich­keiten, gute und wohlschmeckende Zuspeisen zum Brote zu finden. In allererster Linie kommen dabei aller­lei Fruchtmuse in Betracht. Die Früchte an sich haben wenig Nährwert, sind aber sehr wohlschmeckend und erlauben die Zufuhr von größere Mengen von Zucker, der an Nährwert die Fette ersetzt. Man wird haupt­sächlich Pflaumenmus und Apfelmus verwenden, doch stehen auch viele andre Muse und Marmeladen zur Verfügung. Daß auch frische Früchte aller Art mit reichlich Zucker eine vorzügliche Zuspeise zum Brot sind, braucht nicht erwähnt zu werden und ist be­sonders für den kommenden Sommer wichtig.

Weiterhin aber haben wir noch eine vorzügliche Zuspeise zum Brot im Honig. Der Naturhonig be­steht praktisch (außer Wasser und etwas Salzen) aus reinem Zucker, besitzt aber wegen seines herrlichen Aromas einem den reinen Zucker fehlenden Wohlge­schmack. Honig hat auch leicht regulierende Wirkung auf den Darm und besitzt außerdem noch einen Vor­zug vor dem Rübenzucker: er besteht nämlich so gut wie ganz aus sog. Jnvertzucker, d. h. einem Gemisch aus Traubenzucker und Fruchtzucker, während der Rübenzucker chemisch aus Rohrzucker besteht. Dieser chemische Stoff ist aber nicht für alle Leute glatt ver­daulich, bei einigen erzeugt er in größeren Mengen Unbehaglichkeiten, während dies vom Jnvertzucker nicht gilt. Der Honig hat aber, wenn es wirklich reiner Bienenhonig ist, einen ziemlich hohen Preis. Infolgedessen wird vielfach sog. Kunsthonig in den Verkehr gebracht.

Durch geeignete Abwechselung zwischen allen diesen Dingen ist es möglich, auch unter Einschränkung des Fettgenusses gute und nahrhafte Zuspeisen zum Brot zu genießen.

Verzeichnis

der bei L. P f e i f f e r, Depositenkasse Hersfeld ferner eingegangenen Spenden, worüber wie nachstehend dankend quittiert wird:

Für dar Rote Kreuz, Sektion hersseld

von N. N.

M. 5.

//

Herrn Bürgermeister Schaub Herfa

13.

//

für Adieusagen von Herrn Wilhelm Nuhn Kirchhakn

2.50

//

C in Friedewald

2.

//

Erlös für Schleifchenverkauf

//

87.46

//

Hotel Hohenzollern

25.

//

Frau Elise Roßbach, hier

3.

//

Frau Präsiden tScheffer Hof Engelbach

50.

"

Frl. Wilhelmine Scheffer

100.

Herrn Hrch. Schaumann, Chicago

//

20.

/,

von einem Vaterlandsfreund in Motzfeld

//

50.

//

Herrn Postsekt. V. Glebe

//

15.

Erlös für Goldschlägerhäutchen der Schlachthofverwaltung

V

20.

//

Herrn Kreisbaumeister Heckmann

50.

//

Erlös der Sammlung anl. des Vortrages von Frau Waescher, Cassel

31.76

V

Herrn J.Oppenheim, Schenklengsfeld

20.

t

M.

494.7-

dazu Bestand

//

12.914.71

Abhebungen

M.

13.409.43

2.987.93

heutiger Bestand

M.

10.421.50

von

Für die Krieger im Felde. Vergütung Roten Kreuz

M.

500.

A. Bieber Niederaula für Adieusagen

2.

D. N. für Adieusagen

1.65

//

Frau Fritz Otto, hier, Linggplatz Vergütung Cto. Rotes Kreuz April

Rate

//

15.

//

//

500.

Transport

M.

1018.65

Bestand

1918.11

2936.^6

Abhebungen 2041.25

heutiger Bestand M. 895.61

Für die notleidenden Ostpreußen:

von Scatkasse

M.

5.49

Ungenannt (Quartiergeld)

n

10.80

Postsekretär V. Glebe

//

10.

Bestand

66.24

Heutiger Bestand M.

92.53