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Hersselder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

B^ugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be-

zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei WlSIuOOl Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

für den Kreis Hersfeld

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holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Nr. 73.

Sonnabend, den 27. März

1915

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich auf der letzten Seite.

Bus der Heimat.

* (Handwerk und Kriegsbeschädigten- F ü r s or g e.)DieDeutsche Parlaments-Korrespondenz" berichtet: Die Handwerkskammer zu Trier hat erhebliche Geldmittel für die Wiederherstellung von verwundeten Handwerksmeistern und Gesellen und zur Erlangung der vollen Arbeitsfähigkeit bereitgestellt. Dieses Vor­gehen verdient allgemeine Nachahmung bei den Hand­werkskammern. Die Handwerker sind zum weitaus größten Teile in ganz besonderem Maße auf den Ge­brauch ihrer Glieder zur Ausübung des Berufes an­gewiesen, da die Verwendung von maschinellen Hilfs­mitteln bisher noch in geringem Umfange stattfindet. Es wird jetzt von großem Wert sein, den verwundeten Meistern die Fortführung ihres Berufes durch An­schauung geeigneter Maschinen zu erleichtern, um die körperliche Arbeit teilweise zu ersetzen und zugleich die Wettbewerbsfähigkeit des Einzelnen zu steigern. Auch würde es angebracht sein, daß die entlassenen Meister alsbald zurAusführungvonHeereslieferungen mitherangezogen werden.

* Ehrentafel des hessischen Pfarr­hauses. Den Heldentod für Kaiser und Reich starben nach den weiteren Zusammenstellungen des Königlichen Konsistoriums: Wilhelm Baumann, Ober­lehrer, Leutnant der Reserve in einem Jnf.-Regt., Sohn des Metropolitans Baumann in Windecken, t am 21. Februar in Rußland; Otto Fischer, stud. theol., Kriegsfreiwilliger in einem Jägerbataillon, Sohn des Pfarrers Fischer in Frankenberg, f am 6. Februar bei La Bassee; Heinrich Hast, Kriegsfrei­williger in einem Reserve-Jnf.-Regt., Sohn des Pfarrers Hast in Simmershausen, t am 23. Oktober 1914 bei Langemarck; Rudolf Lehn, Gerichtsreferen­dar, Leutnant der Res. in einem Jnf.-Regt., Sohn des verstorbenen Pfarrers Lehn, t am 24. November 1914 bei Lodz. Im Kriegsdienst des Vaterlandes verstarb gleichfalls: Maria Otto, kriegsfreiwillige Pflegeschwester des Lazarett-Trupps Metsch, Etappe der 9. Armee, Tochter des Pfarrers Otto in Großen- englis, t am Typhus zu Lowitsch in Polen am 29. Januar. Mit dem Eisernen Kreuz wurden ausgezeichnet: Karl Fürer, Dr. med., Leiter der Heil­anstalt Rokkenau, Stabsarzt d. Res. im Offizier-Er­holungsheim zu Peruwelz bei Valenciennes, Sohn des in Cassel verstorbenen Pfarrers Fürer; Herman Orth, Dr. med., Stabsarzt d. Res. im 14. bayerischen Jnf.-Regt., Sohn des Superintendenten Orth in Schlüchtern; Otto Schafft, Dr. med., Kreisarzt-Assistent in Cassel, Stabsarzt d. Res. bei der 43. Ersatzbrigade der 10. Ersatzdivision, Sohn des Pfarrers Schafft in Breitenau. Außerdem wurden ausgezeichnet: Mit dem Ritterkreuz zweiter Klasse des Sachsen-Meiningen- schen Hausordens mit Schwertern der Oberleutnant und Regimenisadjutant Hans Obstfelder; mit dem Bayrischen Militär - Verdienstorden mit Schwertern der Stabsarzt ö. Res., Dr. med. Hermann Orth, die als Ritter des Eisernen Kreuzes bereits genannt wurden.

* (Für Kriegsfreiwillige.) Das Ersatz­bataillon Landwehr-Jnfanterie-Regiments Nr. 32 Mühlhausen t. Thür, teilt mit, daß daselbst Kriegs­freiwillige jederzeit angenommen werden. Es eignen sich für das Bataillon als Ersatz-Bataillon eines Landwehr-Regiments vorzugsweise schon ältere Leute. Ferner teilt das 2. Ersatz-Bataillon 2. Kurhesi. Jn- fanterie-RegimentS Nr. 82 Göttingen und das 2. Ersatz- Bataillon Infanterie-Regiments Nr. 95 Coburg mit, daß jederzeit Kriegsfreiwillige eingestellt werden, auch bei dem Ersatz-Bataillon Fußartillerie-Regiments Nr. 18 in Mainz werden zum 12. April d. I. Kriegs­freiwillige eingestellt. Dagegen teilt die Reserve-Er- satz-Eskadron 11. Armeekorps in Erfurt mit, daß vorläufig keine Kriegsfreiwillige mehr eingestellt werden.

) :( Hersfeld, 26. März. Auf die im Amtlichen Teil der heutigen Nummer erneut abgedruckte Derich - tigte Bekanntmachung, betreffend Bereitung von Backware, machen wir auch an dieser Stelle noch besonders aufmerksam.

[ :] Hersfeld, 26. März. Ueber die Wirtschaftslage im Handelskammerbezirk Cassel erstattete in der letzten Sitzung der Syndikus Dr. Metterhausen Bericht. Er kam zu dem Ergebnis, daß die Wirtschaftslage im Durchschnitt bisher nicht ungünstiger sei, wie es de§ Fall sein mürde, wenn bei fortdauerndem Frieden die seit Ende 1913 herannahende allgemeine Krisis weitere Fortschritte gemacht haben würde. Kommerzienrat Plaut bemerkte im Anschluß an diesen Bericht, daß die finanzielle Lage Deutschlands geradezu glänzend sei. Es ist soviel Geld vorhanden, wie niemals bis­her. Das ist nicht etwa ein Anzeichen dafür, daß die Geschäfte ruhen, sondern der Grund liegt in der Hauptsache darin, daß der Staat als Hauptabnehmer alles bar bezahlt, daß die Kredite, welche die Industrie bisher nötig hatte, nicht mehr beansprucht werden und

daß die Banken daher über sehr bedeutende Geld­mittel verfügen. Der Wechselverkehr ist stark zurück­gegangen, die Einlagen bei den Sparkassen haben sich trotz der Kriegszeit um 900 Millionen Mark erhöht. Die Aufnahme der Kriegsanleihe war außerordentlich günstig. Erbe-Schmalkalden empfahl, daß die Handels­kammer der Einsammlung von Gold für die Reichs­bank weiter ihre Aufmerksamkeit zuwenden möge. Kommerzienrat Plaut meinte, daß sich durch eine planmäßige Sammlungstätigkeit noch etwa eine Milliarde Mark Gold hereinbringen lassen würde, freilich sei es mehr die ländliche Bevölkerung, die das Gold festhalte in kaufmännischen Kreisen würde kaum mehr etwas zurückbehalten.

) :( Hersfeld, 26. März. Mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet wurde Feldwebel-Leutnant Reinhardt Pforr von hier.

Cassel, 26. März. An die Königl. Staatsanwalt­schaft bei dem hiesigen Landgericht wurde Herr Staats­anwaltschaftsrat Frackenpohl, bisher am Landge­richt zu Berlin, versetzt. Er'hat gestern sein neues Amt angetreten.

Grotzalmerode, 25. März. Ein Großfeuer entstand in der gestrigen Nacht gegen 5 Uhr in Uengsterode im Wohnhause des Arbeiters und Invaliden Pforre und verbreitete sich bei dem herr­schenden Winde auf die zwei benachbarten Gebäude. Die Feuerwehren waren rasch zur Stelle und ver­suchten mit aller Gewalt das verheerende Element einzudämmen, vermochten aber nur wenig auszu- richten. Das Scheibesche Wohnhaus und das Ge­meindehaus wurden vollständig, das Pforresche Haus nur zum Teil eingeäschert. Weiteres Umsichgreifen des Feuers wurde zum Glück verhindert. Leider hat sich bei den Löscharbeiten ein schwerer Unglücksfall ereignet. Dem Feuerwehrmann F. Mühlhausen fiel ein brennender Balken auf den Körper und führte eine schwere lebensgefährliche Verletzung herbei, so- daß er ins Landkrankenhaus überführt werden mußte.

Eschwege, 24. März. Unser ulteS Rathaus, das nach dem Urteil des Provinzialkonservators zu den schönsten Renaissancebauten der Provinz gehört, soll bekanntlich von dem häßlichen Putz befreit und in seinem ursprünglichen Schmuck wiederhergestellt wer­den. In dem neuen Haushaltungsplan sind als erste Rate zu den Kosten, die auf etwa 3800 Mark veran- chlagt sind, 1000 Mark eingestellt worden. Die Kosten ollen auf vier Jahre verteilt werden. Mit den Ar­beiten wird vielleicht noch in diesem Jahre begonnen.

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Treysa, 24. März. Die hiesige höhere Schule hielt gestern zum erstenmale eine vom Herrn Minister ge­nehmigte Schlußprüfung ab, deren Bestehen zum suche der Untersekunda einer Oberrealschule berechtigt. Sechs Schülern konnte das Reifezeugnis übergeben

werden.

Fulda, 25. März. Beim Säcke-Aufziehen in der Wiesenmühle hier waren gestern einige Jungen aus der Nachbarschaft beteiligt. Einer dieser Hilfskräfte, der 41jährige Franz Menget von der Tränke, der am weißen Sonntag zum erstenmale zur heil. Kommunion gehen sollte, machte einen Fehltritt und stürzte von dem Aufzug etwa 10 Meter auf einen Pritschenwagen ab. Die Verletzungen, die sich der Bedauernswerte bei diesem Sturz in die Tiefe am Kopfe zuzog, waren derart schwere, daß sie alsbald ein junges Leben zum Opfer forderten, der Knabe starb, ohne das Bewußt­sein wieder erhalten zu haben.

Frankfurt, 25. März. In der vergangenen Nacht wurde auf dem Bahnpostamt ein Postaushelfer erwischt, als er aus Paketen, die an deutsche Gefangene in Feindesland adressiert waren, Sachen entwendete. Der Spitzbube der selbst schon im Felde, wegen eines Leidens aber entlassen war, wurde nach dem Unter­suchungsgefängnis gebracht.

Festungen.

Der Fall der starken österreichischen Festung Przemysl lenkt die Aufmerksamkeit wieder einmal auf die Festungen, die in diesem Kriege eine Rolle spielten oder noch spielen werden. Der neue Lehrsatz, der aus den Erfahrungen der bisherigen Kämpfe ge­zogen wurde, lautet; Festungen fallen schneller als früher und Schlachten dauern oft umfo länger, zunral im Stellungskriege. Nur die Festungen, tue wie Ver- dun, Toul, Epiual und Arras als ragende Turme aus und hinter den Menschenmauern der Armeen emporragen, behalten ihren , Wert als Stutzpunkte. Die anderen aber, die als ernjame Inseln dem An- pralle schanzender und stürmender Strertkrafte prers- gegeben werden mußten, wurden meist Binnen wenigen Tagen genommen, nachdem fernere Artillerie und Verbindungen bauende und Minen werfende Pioniere ihre treffliche Vorarbeit geleistet hatten. So Lütttch, Namur und Maubeuge, von klemeren Werken ganz zu schweigen. Auch die zweitstarkste Festung der Welt, die Hafen- und Landfestung Ant­werpen, erlag trotz ihres doppelten Fortsgürtels in dreizehn Tagen dem Angreifer. Ein Kreisausschnitt war als Gegenstand der Beschießung und Berennung

ausgewählt worden, und sein Schicksal entschied über das Los des Ganzen. Alle Festungen, die vor Przemysl genommen wurden, befanden sich in den Händen unserer Feinde und wurden fast alle von Truppen verteidigt, die an Zahl den deutschen Be­lagerern überlegen waren. Die Besatzung Antwerpens zum Beispiel war mehr als doppelt so stark als Beselers 3. Reservearmeekorps und Schroeders Marinedivision zusammengenommen an Streitern zählten; nur dadurch erklärt es sich, daß soviele Eng­länder und Belgier zum kleineren Teile nach Holland, zum größeren nach Ostflandern entkommen konnten, während nur etliche Tausend in die deutsche Ge­fangenschaft gerieten. Die Zweiundvierziger-Mörser und die österreichischen Motormörserbatterien durch­schlugen mit ihren Geschossen die Betonierungen und die Panzerungen so gründlich, daß jeder ernstliche Widerstand bald erlahmte und schnell erstarb.

Solche Geschoßwirkungen vermögen unsere Feinde nicht zu erzielen. Przemysl stände noch heute als fester Fols, sieben Meilen hinter der russischen Schlacht­front im brandenden Meere der russischen Belagerungs­armee; die Blitzstrahlen, die aus den schwersten russischen Haubitzen und Mörsern so oft hernieder- zuckten, hätten diese Festung mit ihren dreizehn Vor­werken auf dem linken, mit ihren sieben Forts auf dem rechten Ufer des San nicht bezwungen. Was der stürmische Draufgänger Dimitriew in der ersten Be­lagerung nicht erzwingen konnte, obwohl er siebenzig- tausend Mann an Toten und Verwundeten als Preis zahlte, hätte auch die regelrechte zweite Belagerung durch ihre ruhige methodische Art nicht erzielt. Wenn der Hunger nicht sein entsetzliches, jedem Widerspruch ausschließendes Machtwort gesprochen hätte, dann hätte die heldenmütige österreichisch-ungarische Be­satzung noch bei weitem länger als hundertsünfund- dreißig Tage erfolgreichen Widerstand geleistet und brauchte nicht zu kapitulieren. Die Zerstörung der Werke und des Materials durch eigene Hand ist ihr hierbei neben dem guten Gewissen der einzige Trost. Die wackeren, ehrenwerten Fabrikanten aus dem neutralen Amerika können wohl mit ihren Waffen den Krieg verlängern, sie können wohl die Soldaten der Zweikaisermächte töten helfen, aber zur schnellen Eroberung von Festungen und zu entscheidenden Siegen können sie dem Dreiverbände nichts nützen; dazu langt es bei ihnen nicht.

Wenig ausgerichtet haben auch bisher die schweren Schiffsgeschütze der Briten und Franzosen vor den Dardanellen trotz ihrer achtunddreißig Zentimeter. Ihre flache Geschoßbahn wird nicht aufkommen können gegen die verdeckt stehenden schweren Steilgeschütze der Türken. Nur starke Landungstruppen mit schwersten Mörsern könnten dort obsiegende Unter­nehmungen der Geschwader ermöglichen. Festungen und Küstenbatterien an Meerengen erfordern eben die Anwendung anderer Methoden.

Durch die Lupe.

Ein Stückchen Zeitgeschichte in Versen.)

Unversehrt und unbeschädigt ragen aus den grünen Wellen immer noch im Oriente alle Forts der Dardanellen, Briten und Franzosen haben mit Granaten, ungezählt, -.- sich durch einen vollen Monat ganz und gar umsonst gequält, haben nutzlos in Geschossen ein Millionengeld vertan, ohne daß sie an Erfolgen auch nur das geringste sah'n. Groß dagegen an Verlusten -- ist für sie der Kampf schon jetzt, drei der schwersten Panzer­kreuzer sanken, durch und durch zerfetzt, andere sind so beschädigt, daß man sie zur Werft gegeben und beträchtlich ist daneben der Verlust an Menschenleben. Stolz und mutig unterdessen ist der Türke stets bereit, weiter sich zur Wehr zu setzen, und für absehbare Zeit scheint es auf der Hand zu liegen, -- daß an diesen Dardanellen -- Briten- und Franzosen künste nach wie vor in nichts zerschellen. Ja, sogar die Balkanstaaten regen sich bereits aufs neu', zeigen sich in dieser Frage ganz und gar dem Türken treu,inRumänien und Bulgarien hat vergeblich sich bemüht Eng­land, dem auf dieser Erde nirgends mehr ein Freund erblüht. Muß man da nicht doppelt lachen, wenn in Frankreich unverweilt man bereits in jeder Zeitung jetzt schon die Türkei verteilt? Wenn man täglich seitenweise Druckerschwärze dort verbraucht, um auf einem Herd zu kochen, wo bisher kein Feuer raucht? Lange kann es nicht mehr währen, bis im Ausland überall die Erkennt­nis Bahn gebrochen, auf dem ganzen Erdenball, daß Franzosen, Briten, Russen nichts verstanden und verstehen, als dem Ausland gegenüber jede Wahrheit zu verdrehen, daß sie sicherlich solange mit dem Lügenmaule siegen, bis sie mit zerschlag'nen Knochensiegreich" auf dem Boden liegen.

Walter-Walter.

I Verschwendet kein Brot! i

Feder spare, so gut er kann. |