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Hersselder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugsprsis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Hersselder

für den Kreis Hersfeld

Kreisblatt

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Nr. 72.

Freitag, den 26. März

1915

Amtlicher Teil.

Bekanntmachung.

Auf Grund der Bundesratsverordnung vom 25. Januar 1915 über die Sicherstellung von Fleischvor­räten (Reichs-GesetzblattSeite 45) und der ministeriellen Ausführungsanweisung vom 8. Februar 1915 werden für den Regierungsbezirk Cassel folgende Schiedsge­richte gebildet, denen die Enscheidung über Beschwerden gegen die von den Behörden in dem Verfahren zur Uebereignung der Schweine festgesetzten Uebernahme­preise obliegt.

1. in C a s s e l für den Stadt- und Landkreis Cassel, und die Kreise Wolfhagen, Fritzlar, Hofgeismar, Hom- berg und Mclsungen.

Vorsitzender: Kreistierarzt, Veterinärrat Schlitzberger in Cassel,

Beisitzer: Privatmann Wilhelm Heike in Cassel, Hohenzollernstraße 13 und Rentner M. Hasselbach in Cassel,

Stellvertreter des ersten Beisitzers: Hoflieferant Carl Schnell, Obermeister der Fleischerinnung in Cassel,

2. inHanaufür den Stadt- und Landkreis Hanau und den Kreis Gelnhausen.

Vorsitzender: Regierungs-Assessor Karbe in Hanau, Beisitzer: Fritz Anthes in Hanau, Marktplatz 20 und Oberamtmann Gustav Schwarz in Kinzig- heimerhof bei Hanau,

Bus der Heimat.

* Der Stand der Wintersaaten im Re - gierungsbezirkCassel. Wie aus Mitteilungen von Fachleuten hervorgeht, ist zurzeit der Stand der Wintersaaten im Regierungsbezirk Cassel fast durch­weg sehr zufriedenstellend. Das gilt sowohl für Korn und Weizen, wie auch für den Stand des Klees.

* Briefe und Postkarten an Kriegs­und Zivilgefangene im feindlichen Aus- land müssen in großer, deutlicher, nicht zu enger Schrift abgefaßt sein. Briefe sollen höchstens vier Seiten gewöhnlichen Briespapiers lang sein. Ferner empfiehlt es sich nicht, Briefumschläge mit Seiden- papierfutter zu verwenden. Solche Umschläge könnten Verdacht erregen, weA es vorgekommen sein soll, daß das Papierfutter zür Uebermittelung verbotener Nachrichten benutzt worden ist.

»(Bahnlandzum Kartoffel- und Ge­müsebau.) Die Eisenbahndirektionen haben ver­fügt, daß die auf oder an den Bahnhöfen oder bei anderen verwaltungseigenen Gebäuden befindlichen Zieranlagen, soweit es irgendwie möglich und aus- sichtsvoll ist, für den Kartoffel- und Gemüsebau frei­zugeben und zu diesem Zwecke an Eisenbahnange­stellte zu verpachten sind. Finden sich keine Pächter, so erfolgt die Bestellung durch die Verwaltung. Auch in allen Hausgärten der Dienstwohnungen sind Zier­anlagen, Rasenflächen usw., soweit nur tunlich für den Gemüsebau zu benutzen.

* (Ermäßigung der Einkommensteuer für Militärpersonen.) Bis Ende März wird die Abgangstellung der Staaiseinkommensteuer in Preußen u. a. auch für die dem aktiven Heere oder der aktiven Marine angehörenden Steuerpflichtigen erfolgen. Es handelt stch hierbei um Feldwebel, Vizefeldwebel einschl. der Offiziers-Stellvertreter, alle weiteren Unteroffizieren und Mannschaften, soweit ihr Einkommen den Betrag von 3000 Mk. nicht ttber- steigt. Sind diese Personen mit einem Einkommen von mehr als 3000 Mark veranlagt, so kann die Steuer uur im Ermäßigungverfahren in Abgang ge­stellt werden, wenn die Bedingungen hierfür vor­liegen. Diese Bestimmung ist besonders von den im Heere stehenden Landwirten, Handwerkern, Kaufleuten und Industriellen zu beachten. Militärpersonen, welche die Stellung eines Feldwebelleutnants bekleiden, sind als Offiziere zu erachten. Die Einkommen­steuer derselben ist daher nicht in Abgang zu stellen. Von den zu militärischen Dienstleistungen herange­zogenen Personen, kommen in Betracht: 1 Ange­hörige der Landsturm- und Ersatz-Bataillone, der Er­satzabteilungen und Ersatzeskadronen und der Pferde­depots,- 2. Angehörige einer immobilen Bahnhofs­kommandantur und des Kriegsbekleidungsamtes; 3. freiwillige Krankenträger und Krankenträger des Noten Kreuzes; 4. Feldpostbeamte; 5. Krankenpfleger­innen des Roten Kreuzes und freiwillige Kranken­pflegerinnen, welche im Kriegsdienst tätig sind; 6. dre durch Kriegsbeorderung zum Pferdetransport einbe- rufenen Ersatzreservisten und ungedienten Landsturm­mannschaften, sowie die zur Schreibhilfe bet militär- schen Stellen einberufenen Ersatzreservisten für die

Stellvertreter des ersten Beisitzers: Ernst Schäfer in Gelnhausen.

3. in Fulda für die Kreise Fulda, Schlüchtern, Hünfeld und Gersfeld.

Vorsitzender: Landesökonomierat Wagner in Fulda, Kommissar der Spezialkommission i in Fulda,

Beisitzer: Johannes Nüdling, in Firma F. C. Nüd- ling, in Fulda und Gutsbesitzer Homburg in Karolinenhof bei Fulda,

Stellvertreter des ersten Beisitzers: Anton Schwarz in Firma Joseph Schwarz in Fulda.

4. in Marburg, für die Kreise Marburg Kirch- Hain und Frankenberg.

Vorsitzender: Kreisdeputierter. Forstmeister Wolf in Wetter,

Beisitzer: Stadtrat Valentin Zeiß in Marburg und Gutspächter Neumeyer in Bürgeln bei Marburg.

Stellvertreter des ersten Beisitzers: Rentner Caspar Brauer in Marburg.

5. in Hersfeld für die Kreise Hersfeld, Ziegen- hain und Rotenburg.

Vorsitzender: Kaufmann und Beigeordneter Heinrich Altenburg in Hersfeld,

Beisitzer: Rentner Hieronymus Bätz in Hersfeld, u.

Rentner Franz Roll in Hersfeld,

Stellvertreter des ersten Beisitzers: Kaufmann Emil Hirschberger, Stadtrat, in Hersfeld.

6. in Eschwege für die Kreise Eschwege und Witzenhausen.

Vorsitzender: Kreistierarzt, Veterinärrat Kalteyer in Eschwege.

Beisitzer: Obermeister Carl Heinemann, Metzger­meister in Eschwege und Rittergutspächter

Zeit der Einberufung. Hinsichtlich der nächstens be­zeichneten Personen ist hingegen ^ie Zugehörigkeit zu einer Kriegsformution nicht anerkannt worden: 1. Angehörige der bei den Landgerichten errichteten Kriegsgerichte, 2. Personen, welche von der Militär­verwaltung der Polizeiverwaltung als Hilfsschutzleute überwiesen sind, 3. die in Schutzhaft genommenen Jungmannschaften. Die Steuer kommt vom 1. des­jenigen Monats, in welchem die Einberufung des Steuerpflichtigen, bis zum Ablauf desjenigen Monats, in welchem die Entlassung aus dem Heeresdienst er­folgt ist, in Abgang.

§ Hersfeld, 25. März. Liebesgaben an deutsche Kriegsgefangene in Rußland werden auf den russischen Staats und Privatbahnen frachtfrei befördert. Die einzelnen Sendungen dürfen nicht unter 5 und nicht über 50 Kilogramm schwer sein. Ferner muß aus den Frachtstücken hervorgehen, oder es muß sonst nachgewiesen werden, daß es sich um Liebesgaben oder Beihilfen für Kriegsgefangene handelt.

Hersfeld, 25. März. Auf der Eisenbahnstrecke HersfeldBebra wurde heute morgen der Eisenbahn­arbeiter Sauerwein aus Friedlos von einem Personen- zuge, dem er nicht rechtzeitig ausgewichen war, ttber- sahren und auf der Stelle getötet.

f Hersfeld, 25. März. Nächsten Montag, nach­mittag 5 Uhr, wird eine Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung im Rathaussaale stattfinden. Tages­ordnung : Jahresrechnung der städtischen Forstkassen für 1912/13. Jahresrechnung der städtischen Spar­kasse für 1913. Beschlußfassung über die Gültigkeit der Ersatzwahl zur Stadtverordneten-Versammlung vom 1. März d. Js. - Einführung und Verpflichtung des neugewählten Stadtverordneten. Bepflanzung des Weges von der Haunbrücke nach dem Obersberg. Fleischversorgung der Stadt Hersfeld während der Dauer des Krieges. Auf die öffentliche Sitzung folgt eine vertrauliche Beratung und Beschlußfassung.

Rotensee, 25. März. Mit dem EisernenKreuz ansgezeichnet wurde Vizewachtmeister Geist im Feld- Art. Regt. Nr. 47.

Breitenbach a. H., 22. März. Auf die neue Kriegs­anleihe wurden im hiesigen Orte und Umgegend 70 000 Mk. gezeichnet, zumeist von kleinen Leuten.

Cassel, 23. März. (Die Folgen eines Wirtshaus­streites). Wegen Gotteslästerung und Körperver­letzung hatte sich der Zigarrenarbeiter Otto K. aus Eschwege in gestriger Strafkammersitzung zu verant­worten. Wie die Verhandlung ergab, unterhielt sich der Angeklagte kurz vor Weihnachten in einer Wirt­schaft mit anderen Gästen über den Krieg. Im Laufe der Unterhaltung sagte einer der Gäste:Bis jetzt hat uns Gott geholfen, er wird auch weiter helfen". Der Angeklagte erwiderte darauf mit einer ganz ge­meinen Gotteslästerung und fügte an, Deutschland müsseHiebe kriegen", damit die Arbeiterschaft frei werde. Darauf sprang ein anwesender Landwehr- mann auf und sagte, wenn du so etwas nochmals sprichst, steche ich dich über den Hausen. Der Ange­klagte flüchtete sich daraufhin an den Schanktisch, trank sein Glas leer und warf es dem Krieger in das Ge­sicht, wodurch dieser nicht unerheblich verletzt wurde.

Fritz Nägel in Aue bei Eschwege, Stellvertreter des ersten Beisitzers: Metzgermeister

Andreas Hohlstein in Eschwege.

7. in Schmalkalden für den Kreis Herrschaft Schmalkalden.

Vorsitzender: Amtsgerichtsrat Lattmann in Schmal- kalöen,

Beisitzer: Kaufmann Eduard Dittmar in Schmal- kalden und Gutsbesitzer Pfannstiel in Schmalkalden,

Stellvertreter des ersten Beisitzers: Fabrikant Julius Liebaug in Schmalkalden.

8. in R i n t e l n für den Kreis Grafschaft Schaumburg.

Vorsitzender: Rittergutsbesitzer Bredemeier in Stau, Beisitzer: Bürgermeister Rieke in Großen-Wieden die Ernennung eines zweiten Beisitzers bleibt vorbehalten.

Stellvertreter des ersten Beisitzers : Rittergutsbesitzer Franke in Apelern. (A. lll. 1177 I.)

Cassel, den 16. März 1915.

Der Regierungs-Präsiöent. Bernstorff.

* * *

Hersfeld, den 22. März 1915.

Wird veröffentlicht.

I. 3421. Der Landrat

3. V.:

v. Heöemann, Reg.-Assessor.

Fortsetzung aus der 4. Seite.

Darauf gab er Fersengeld und riegelte sich in seiner im oberen Stockwerk des zweiten Hauses gelegene Wohnung ein. Die Strafkammer verurteilte den rohen Menschen wegen der begangenen Gotteslästerung zu einer Gefängnisstrafe von vier Monaten, wegen der Mißhandlung zu einer solchen von einem Monat, wobei strafmildernd berücksichtigt war, daß er noch nicht bestraft war.

Hameln, 23. März. Vom Zuge überfahren wurde gestern morgen beim Bahnhof Sonneborn ein junges Mädchen namens Vennecke. Die Verunglückte der beide Beine abgefahren wurden, wurde in das hiesige Krankenhaus eingeliefert.

Hannover, 22. März. Der hier kürzlich ver­storbene Rentner Wollecke vermachte der»Hannover- schen Kurier" zufolge der hiesigen Blindenanstalt 500 000 Mark. Ein Teil des Kapitals soll zur Er­bauung eines Asyls für arbeitsunfähige Blinde ver­wandt, der Rest zur Verpflegung der in das Asyl auf­genommenen Blinden dienen.

Bad Wildungen, 23. März. Die 18 Jahre alte Tochter der Witwe Schmalz in dem benachbarten Dorfe Züschen benutzte gestern früh beim Feueranzünden unvorsichtigermeise Petroleum. Hierbei explodierte der Inhalt der Petroleumkanne und das Mädchen erlitt schwere Brandwunden.

Eisenach, 23. März. Das Ergebnis der zweiten Kriegsanleihe brächte in Eisenach insgesamt 8 Milli­onen Mark, während auf die erste Kriegsanleihe nur 3 Millionen Mark gezeichnet wurden.

Fulda, 22. März. Die Beteiligung an der zweiten Kriegsanleihe soll hier die Höhe von etwa 7 Millionen Mark erreicht haben, annähernd das Doppelte der ersten Kriegsanleihe, wofür 3 600 000 Mark gezeichnet worden sind.

Fulda, 23. März. Gestern nachmittag entgleiste bei Kerzell auf der Strecke Fulda-Franksurt der Wagen eines Güterzuges und ragte in das andere Gleis hinein, wodurch einige Wagen eines anderen Güterzuges in Unordnung gerieten. Ern Bremser aus Hanau erlitt schwere, Verletzungen, das übrige Personal konnte sich durch Abspringen rechtzeitig retten. Beide Strecken Fulda-Franksurt waren einige Zeit gesperrt. Aus Hanau und Fulda waren Hilfszüge abgegangen.

Fulda, 24. März. Wegen der Errichtung einer großzügigen elektrischen Ueberlandzentrale gelegent­lich der Durchführung der Mainkanallsation von Offenbach bis Aschaffenburg war im Ministerrum der öffentlichen Arbeiten in Berlin eine Besprechung, an der als Vertreter der in Betracht kommenden Kreise unserer Provinz Reichstagsabgeordneter Müller-Fulda teilnahm. Wie dieser mitteilt, soll das geplante Unternehmen in Verbindung mit der Edertalsperre die Kreise Hanau, Gelnhausen, Schlüchtern, Fulda und Hünfeld mit elektrischer Energie versorgen. Als Durchschnittspreise pro Kilowattstunde sind gedacht: für Licht 40 Pfg. und für Kraft 20 Pfg.; als Höchst­preise für Großabnehmer 6 bis 8 Pfg. Als Zeitpunkt der Fertigstellung gilt der 1. April 1917. Das Kapital zur Finanzierung des Unternehmens sollen die be­teiligten Kreise aufbringen.