Einzelbild herunterladen
 

M, wenn Rußland heute bereits trotz seiner großen Volkszahl, und trotz der bereits erfolgten Einberufung der Reichswehr auf die Jahrgänge 1916 und 1917 zurück­greifen muß. Bei Beginn des Jahres brachten die fran­zösischen und englischen Blätter die Mitteilung, daß die russischen Gesamtversuste fast drei Millionen Mann be­tragen. Da diese Mitteilung von den Verbündeten Rußlands stammen, so dürfte die Zahl eher zu niedrig, als zu hoch gegriffen sein. Tatsächlich sind die Verluste des russischen Heeres sowohl in den ersten Schlachten bei Tannenberg und den Masurischen Seen, wie in Ga- lizien und in den Karpathen ganz ungewöhnlich hoch gewesen. Die Anzahl der Gefangenen hat sich sowohl in Galizien als auch in Polen seit Jahresbeginn um mehrere 100 000 vermehrt. Die Vernichtung der 10. rus­sischen Armee in der Winterschlacht in Masuren ist noch in bester Erinnerung und zeigt, welcher Art die rus­sischen Verluste sind. Es ist nun die Frage, ob die Jah­resklassen 1916 und 1917 für Rußland eine Stärkung bedeuten werden. Die beiden Jahresklassen haben un­gefähr eine Größe von 1 Million 300 000 Mann. Den Verlust ersetzen können sie schon an. Zahl nicht. Das Wichtigste dabei ist aber die Tatsache, daß die ruisischen Heere bei ihren furchtbaren Niederlagen nicht nur ihre Menschen, sondern auch oft ihre gesamten Geschütze und Gewehre verloren haben. Allein die Siege bei Tannen­berg und bei den Masurischen Seen brachten uns außer vielen Hunderten von schweren Geschützen noch viele hunderttausend Gewehre als Beute ein. Das gleiche gilt für die Munition. Die Vernichtung ganzer Heere bringt selbstverständlich auch den vollen Verlust der ge­samten Ausrüstung mit sich. Bei manchen Truppen­teilen wurden schon die ältesten Waffen entdeckt, ein Zeichen, daß Rußland nicht mehr über moderne Waf­fen verfügt. Die Waffenfabriken können aber aus Man­gel an leitenden Ingenieuren, die im Frieden meistens Deutsche waren, sowie an geschulten Arbeitern Waffen nicht herstellen. Es erscheint also ganz ausgeschloyen, daß Rußland auch nur im entferntesten seine Leute be­waffnen kann. Die Jahresklassen 1916 und 1917 können darum zwar einberuken, aber nicht ausgebildet und tu öen Krieda geführt werden. Hier wird sich zum eilten Mal der unW Materialverlust in über- wältiaender Weise geltend machen, während er bisher nur schwächer wirkte. Das Uebergewaht des deutichen und des österreichischen Heeres muß darum von ^.ag zu Tag größer werden.

Die Meuterei in Singapur.

Rotterdam, 24. März. (WTB.) Der „Nieuwe Rot- terdamsche Courant" meldet nach dem „Delhi Cour ant und der „Snmatra Post" weitere Einzelheiten über die Meuterei in Singapur. Danach herrschte nach dem 15. Februar in Singapur ernstliche Unruhe unter den Pandschab-Soldaten, deren Ursache, wie Engländer er­zählten, gewesen sei, daß die Leute unzufrieden waren, nicht an die Front geschickt zu werden, was der „Delhi Courant" schwer glaublich findet. In dem ersten Ge­fecht fielen acht Europäer. Der BelagerungsZustand wurde verhängt. Am 17. Februar waren die Behörden Herren der Lage. Die meuternden Pandschabs hätten die Tagesstation angegriffen und dabei den Leiter und dessen Frau getötet. Dreihundert Pandschabs, fielen im Gefecht mit europäischen Truppen, während vierhundert in der Kaserne bis zum 17. Februar Wiöerstmld ge­leistet haben sollen, nachdem sie ihre Offiziere eMosien hatten. Die Blätter dürfen nur die amtlichen Berichte über den Borfall veröffentlichen. _

Nach dem „Java-Bode" drangen die Meuterer, als am 15. Februar die Unruhen auftraten, m die Bunga­lows ein und ermordeten alle Weißen. Bei dem mit Freiwilligen entstehenden Gefecht fielen zehn Frer- milliae und zwanzig Offiziere. Ein Teil des 5. In- Mnterieregiments Hilfe und ein abgefahrenes französisches Kriegsschiff wurde drahtlos zuruckgerufen und landete eine starke Abteilung. Am 17. ^eörusti wurden zweihundert Meuterer festgenommen. Vlele Zivilpersonen wurden ermordet. Alle Berichte beruhen

“" Ä®® NÄM-N «« der Wulerei siebenhundert Soldaten teil, die siebzig internierte Dents^ befreiten, von denen behauptet wird, daß sie die Meuterer aufgehetzt hätten. Die SOtilitarbehörden war­fen den Aufruhr durch Truppen nieder. Nach der „Pe- nang Gazette" finden die offiziellen englischen Kriegs­berichte unter den Eingeborenen keinen Glauben.

. Kriegsallerlei.

Auszeichnung preußischer Prinzen.

Prinz Adalbert ist zum Korvettenkapitän und im Heere zum Major befördert worden. — Wie die „Deutsche Kriegszeitung" meldet, erhielt Prinz Eitel Friedrich, der als Brigadekommandeur im Westen steht, den Orden Pour le mörite.

Eine Stiftung für U-Boote und Zeppeline.

Der Geheime Kommerzienrat Ludo Mayer hat dem Frankfurter Oberbürgermeister Voigt unterm 19. März mitgeteilt, daß er dem ersten deutschen Unterseeboot, das ein englisches Kriegs- oder Truppentransportschiff vom heutigen Tage an vernichtet, 2000 Mark und dem ersten Boote, das ein englisches Handelsschiff zerstöre, 1000 Mark zahle. Dasselbe gelte vom ersten Zeppelin-Luft­schiff. Das Reichsmarineamt hat die Stiftung ange­

nommen.

Forderungen für die neue Ernte.

In den „Münch. Neuesten Nachr." stellt der be­kannte Bauernführer Dr. Heim unter der Ueberschrift „Noch hundert Tage" den Regierungen vier Forderun­gen für die neue Ernte, die in hundert Tagen spruchreif sein werde, auf: 1. Zur Verfügungstellung der notwen­digen menschlichen Kräfte. 2. Sofortiges Begmnen des Drusches nach der Ernte. 3. Einführung von Prämien für solche Landwirte, die möglichst frühzeitig ausgereifte 8rucht zur Verfügung stellen und 4. Von der ersten tunöe an Entziehung der neuen Ernte aus dem freien Markte. Dr. Heim schließt, wenn diese Forderungen von den Regierungen beachtet würden, werde Deutsch­land nicht Hunger zu leiden brauchen.

Eine Deutsche in Nancy zum Tode verurteilt.

Paris, 24. März. (T. U.) Das Kriegsgericht in Nancy hat nach der „Frkf. Ztg." die 31 Jahre alte Frau Margarethe Schmidt aus Thraucourt wegen Spionage zum Tode verurteilt.

Przemysis Schicksal.

Aus dem Kriegsvresseyuarcier meldet die „Köln. Ztg." unterm 28. Mar^:

Die Haltung der Festung Przemysl wird, wie trau­rig sich ihr Schicksal auch gestaltet hat, von der Kriegs­geschichte als Heldentat gebucht werden. Seit Anfang November, wo die Verhältnisse in Mittelpolen den Rückzug der damals siegreich bereits zum San vorge- drungenen österreichisch-ungarischen Heere bedingten,

war der russische Ring zum zweiten Male um Przemysl gelegt worden. Es wird daher zweckentsprechend sein, zu erzählen, was die Festung für Oesterreich-Ungarn in diesem Kriege geleistet hat. Von den Russen als minder­wertig behandelt, zumal sie im Frieden alle Gelegen­heit geutttzt zu haben glaubten, sich mit den Werken von Przemysl vertraut zu machen, überraschte das Boll­werk durch seine Taten. Bald nach Kriegsbeginn, als das österreichisch-ungarische Heer nach der Grodeker Schlacht zurückging, um ine Front mit der Hindenburg- schen Aufstellung auszugleichen, vollbrachte Przemysl seine erste wichtige Tat. Hinter Jemen Forts, die die Russen ganz beschäftigten, vermochten sich die Truppen in voller Ruhe neu zu ordnen, me drei Wochen lang in erschöpfendstem Kampfe gestanden hatten. Diese erste Belagerung band starke feindliche Kräfte. Der Gegner hatte bald Gelegenheit, seme Unterschätzung der Festung zu berichten. Seine Anstrengungen waren ungeheuer, Przemysl in seine Hand zu bekommen. Alle Versuche, die Besatzung durch Angriffe nlederzuringen, mißlan­gen, und die erste Belagerung schloß ab, als dre glück­liche Offensive gegen den San immer naher ruckte, mit dem letzten verzweifelten Sturmversuch Radko Dimsiri- jews, der mehr als 40 000 Russen vor den Forts in den Drahtverhauen liegen ließ.

Der Zustand des Landes ringsum war, als die Russen abzogen, trostlos. Sogleich mußte man daran denken, die Festung auf etwa erlittene Schaden hin zu prüfen, sie auszubessern und vor allem ihre Vorräte aufzufrischen. Die technischen Truppen arbeiteten Lag und Nacht, und die Neuerschlietzung der Zufahrtvwege gelang. Die wiederhergestellte Gebirgsbahn hatte fast Unmögliches zu leisten. Sie trug Verwundete und Kranke ins Hinterland, sie besorgte den Nachschub für die Armee, die am San stand. Obgleich die beiden Wochen, die zur Neuverproviantrerung von Przemysl gegeben waren, voll ausgenützt wurden, konnten dre Mengen nicht allzugroß sein, die auf Gebirgsbahn und Landesfuhrwerk herangebracht wurden, da die oberste Sorge der Munitionsergänzung gelten mußte. Im Norden gingen um iene Zeit die verbündeten Armeen Hindenbnrg und Dankt zurück. Sie kamen von War­schau und Jwaugorod: Dies war der Abbruch der San- Offensive.

Przemnsl's Tore schloffen sich von neuem, die Zi­vilbevölkerung der Stadt hatte man vorher zum größ­ten Teil entfernt, wer bleiben wollte, mußte nachweisen, daß er auf bestimmte vom Festungskommandanten fe)t= gesetzte Zeit versorgt war. Es gab Leute, die sich von ihrer Mutterstadt nicht trennen wollten, wie es auch vor den Toren Przemysl's Bauern gab, die sich von ihrer Scholle nicht toszureißen vermochten. Die Ver­steckteil in der Festung, die später hervorkrocyen, moch­ten bitter Mangel leiden in der Festung: sie hatten ihre Not selbst verschuldet; und die Bauern draußen zwischen Przemysl und den russischen Kanonen werden zugrunde gegangen sein, verhungert im auegesogenen Land, erfrören im harten Winter, in den sie auv ihren halb ruinenhaften Häusern der Geschutzkamps trieb. Am 5. November war alles still um Przemysl. Unsere eigenen Nachhuten waren seit diesem Tage verschwun­den. Alles war nach Westen abgezogem Die Rußen waren itod) nicht da. Die Flieger von Przemysl mel­deten die erste feindliche Annäherung am (. Nommber. Fünf Tage später war der Belagernnasaufmarsch klar. Das Aufgebot der Belagerungskräfte schwankte, jeden­falls konnten sie von den Russen leicht und rechtzeitig, wenn es nottat, verschoben werden, denn der Belage- rungsring lief weit vor den Forts herum. General Radko Dimitrijew war abberufen Sem Nachfolger wagte keine Stürme mehr, man bli^.. möglichst außer­halb der Tragweite der Festungsgeschutze. Die Belage­rer ängsteten sich vor den Belagerten: „Wir werden die Stadt niemals nehmen, stand in emem angesange- nen, in die Heimat bestimmten russischen Briesi werl die heilige Jungfrau von Przemysl starker ist als die von Czenstochau, und drei Bischöfe jede Nacht zu ihr beten."

Es blieb nur eine Belagerungsmethode: Slushun- aern. Przemysl stand und stand nicht nur, die Festung begann offensiv zu werden! In den beiden ersten De- Aemberwochen mehrten sich die Ausfälle. General -pa- Sr dieser geffirchtete Befehlshaber der Festungs-Jn- fanterie, vor dem jeder Russe sich bekreuzte, dem jeder auswich, weil er natürlich „unverwundbar war", wußte, weshalb er plötzlich an der Spitze seiner Helden vom7. Honvedregiment anariff, uüö den Angriff gegen die (Strnüe von Bireza trug. Große russische Massen üje- ÄX S» nmbw-I«. Sie wollten be, Limanowa zurechtkommen. Przemysl erhob sich plötzlich wie ein rasend gewordener Löwe. Den Rußen ßlnl iticfitS übrig, sie mußten den Belagerern zu Hilfe kom­men Przemysl band stärkere feindliche Kräfte, bis die Schlacht von Limanowa entschieden war, bis öas Armee- Oberkommando durch Funkspruch befahl. Geht henn, die Anfaabe ist erfüllt, habt eure Sache gut gemacht. Die Russen wurden ^gleich kommt Zeit dachten sie kommt vielleicht auch Hunger, sann sein, daß dieo hilft.

ffrh vor Ueberraschungen rote int Dezember zu sMUtzei? bauten sie selbst um die Festung eine Festung, mst Gräben, Schanzen, Stacheldraht und Beton.

Vermischtes.

Das Spiele» mit Explosivkörpern hat nach der

5^rks rrta" in Augsburg ein schweres Unglück verur­sachst Die Än 7 und 14 Jahre alten Söhne des Schlossers Schwarz hantierten an einem Geschoß herum, das vlötzlich explodierte. Die Wirkung war schrecklich. Dem lliührigen Jungen wurde der Leib aufgerissen, Wer 17jährigen schwester die Brust weggerissen. Auch die Mutter und ihr jüngerer Sohn erlitten schwere Ver­letzungen Der älteste Sohn ist im Laufe des Vormit­tags seinen Verletzungen erlegen.

Tödlicher Unfall rnssischer Flieger. Ein russisches Flugzeug, das von einem Erkundungsfluge von den Stellungen der Verbündeten an der Pilica znr russi- Zen Front zurückkehrte, geriet durch Explosion des Benzinbehälters in Brand und stürzte. Der Flieger und der Beobachtungsofftzier verbrannten, eBenfo miiröe der Apparat und wichtige Papiere vollständig vernichtet. Die beiden Flieger sollen aus sehr hohen Petersburger Gesellschaftskreisen stammen.

Die Krähe der Argonnen. In verschiedenen Be­zirken des Niederrheins sind augenblicklich ungeheure Scharen von Krähen anzutreffen, wie sie dort noch nie­mals beobachtet worden sind. So treibt die „schwarze Plage" besosiöers. auch im Landkreise Neuß ihr Un­wesen: auf größeren Feldern haben sich an manchen Abenden Tausende und Abertausende niedergelassen. Man vermutet daß es sich um gefiederte Bewohner der Araonnen, der Ardennen und der Vogesen handelt, die durch das Kriegsgetümmel verscheucht wurden und nun­mehr die weiten Ebenen des Niederrheins ausgesucht haben.

24 Jahre eine Kugel im Kopfe. Die Arten der Ver­wundungen unserer Krieger stehen auch gegenwärtig

wieder im Mittelpunkt des Studiums unserer Aerzte«

Es ist deshalb vielleicht nicht ohne Interesse, auf den Fall eines Kriegsteilnehmers von 1870/71 Hinzuweisen, der in der Schlacht bei Wörth verwundet worden war. Die Verletzung befand sich an der linken Wange, bei der Untersuchung, die sehr rasch vor sich gehen mußte, war nichts gefunden worden und die Wunde war bald ausgeheilt. Der Betreffende, ein Oekonom Johann Schlegel aus Solg, konnte sogar in der Folge wieder am Felözug teilnehmen, bis sich erst später wieder Schmerzen einstellten. Wiederholt bildete sich an der linken Kopfseite sogar eine Geschwulst, der aber der Kriegsveteran, weil sie von nicht allzu langer Dauer war, keine Bedeutung beilegte. Als sich im September 1894 abermals eine solche Geschwulst gebildet hatte, be- gab sich Schlegel endlich in ärztliche Behandlung. Der Arzt ließ zunächst die Geschwulst wieder zurückgehen, stellte dann aber durch Befühlen am Kinn in der Nähe des linken Ohres einen Fremdkörper im Fleische fest, den der Patient nur für eine „Drüse" gehalten hatte. In Wirklichkeit förderte der Arzt bei einem operativen Eingriff eine französische Chassepotkugel zutage, die der Veteran also, ohne es selbst zu wissen, vierundzwanzig Jahre mit sich Herumgetragen hatte.

Lismanl-Humor.

Fürst Bisviarck, dessen 100. Geburtstag jetzt das Deut­sche Volk in würdiger Weise zu begehen sich rüstet, besaß auch einen köstlichen Humor. Zahllos sind die Blüten des Bismarckschen Humors, aber schon die nachstehenden tue« nigen Proben dürften die Schlagfertigkeit von Bismarcks humoristischem Witz glänzend erweisen.

Bon ungenierter Entschiedenheit gegenüber allem, was ihn ärgerte, war schon der junge Bismarck. Als er int Jah­re 1835 als Auskultator (Referendar) am Berliner Stadt- »Lrichr arbeitete, vernahm er einen echten Berliner zu Pro­tokoll. der jedoch durch seine Dreistigkeit die Fassung Bis- marcks derart erschütterte, daß dieser aufsprang und ihnc zu- rief: „Herr, menagieren sie sich, oder ich werfe sie hinaus'Z Der anwesende Stadtgerichtsrat klopfte dem erhitzten Aus- kultator freundschaftlich auf die Schulter und sagte beruhi­gend: „Herr Auskultator, das Hinauswerfen ist meine Sache!" Die Vernehmung wurde hierauf fortgesetzt; aber es dauerte nicht lange, und Bisnlarck stand lvieder auf und donnerte: „Herr, menagieren Sie sich, oder ich lasse Sie durch den Herrn Gerichtsrat hinauswerfen!"

Als Bismarck Bundestagsgesandter in Frankfurt am

Main war, wurde er von seinem Hauswirt, einem Frank­furter Taillier, sehr nachlässig behandelt. Der Hausherr, der dem „Preußen" nicht recht besonders gewogen war, gab auf den Wunsch Bisinarcks nach einer Zimmerglocke zur Antwort, daß seine Mieter in der Regel derartige besondere Wünsche auf eigene Kosten befriedigen müßten, und er nicht wüßte, warum in diesem Fall eine Ausnahme gemacht wer­den solle Einige Tage später knallte ein Pistolenschuß durch das Haus. Erschreckt durcheilte der Hausherr alle Räume und kam schließlich an Bismarcks Arbeitszimmer, wo die noch rauchende Pistole auf dem Tische lag, der ebenfalls rauchende Bismarck aber ruhig hinter seinen

Akten saß. „Um Himmelswillen, was ist geschehen?" rief bestürzt der Hausherr. „Gar nichts, ich habe nur meinem Diener ein Zeichen gegeben, daß er kommen soll. Es ist ein ganz harmloses Signal, an das Sie sich hoffentlich bald gewöhnen werden." Es braucht wohl nicht erst hinzu­gefügt zu werden, daß Bismarck in kürzester Zeit seine Zim­merglocke bekam.

Kurz nach Beendigung des Böhmischen Feldzuges 1866 fand bei einem hohen militärischen Würdeträger, der im Rufe einer nicht allzubedeutenden geistigen Regsamkeit stand, ein großer Diner statt, zu dem auch Bismarck ge­laden war. Das Mahl wurde.in dem mit Büffelhörnern und anderen Jagdtrophäen geschmückten Speisefaale des Gastgebers gereicht, und als sich Bismarck zu Beginn der Tafel eben niedersetzen wollte, bemertte er zu seinem Tisch­nachbar, einem bekannten General, auf die über seinem Platze angebrachte Gruppe von riesigen Auerochsenhörnern zeigend: „Exzellenz, wie es den Anschein hat, speisen wir hier int Ähnensaale unseres gütigen Gastgebers."

Als sich einmal wenige Jahre vor seinem Tode das Gerücht verbreitet hatte, daß Fürst Bismarck an die Süd­westküste von Afrika zu reifen gedenke, um die neuen deutschen Erwerbungen in Augenschein zu nehmen, fragte ihn eine ihm nahestehende Persönlichkeit, ob es war sei, daß er nach Angra Pequena reisen wolle. Schlagfertig tute immer antwortete der Kanzler: „Ja, aber nur auf dem

Kamel, das diese Nachricht überbracht hat."

Eine köstliche Geschichte aus seiner Frankfurter Zeit, die er mit einem biederen Jagdgenossen, dem Nassauer Säumer erlebte, der wegen seiner lächerlichen Todesfurcht bekannt war, hat Bismarck selbst erzählt. „Mit diesem dicken Dau- mer," so erzählte er, „war ich eines schönen Herbstmorgens in der Nähe von Frankfurt auf der Jagd gewesen. Als wir uns am Rande des Waldes hoch im Gebirge zur Rast niedersetzten, entdeckte ich zu meinem Schrecken, daß ich kein Frühstück mit hatte. Der „dicke Daumer" dagegen zog eine mächtige „Wurscht" hervor, die für inich allein gerade ausgereicht hätte, und von der er mir edelmütig die

Hälfte offerierte. Das Mahl begann, ich sah das Ende mei­nes Wurstteiles herannahen. Ich hätte vor Wehmut frank- furterisch reden mögen. Da frage ich den dicken Daumer von ungefähr: „Ach sage Se mir, Herr Daumer, was is doch das Weiße da unne, was aus de Zwetschebaum heraus- schaut"

„Gott, Exzellenz, da möchte eine ja der Appetit vergehe — das is der Kirchhof." i

„Aber, lieber Daumer, da wollen wir uns doch beizeiten ein Plätzchen suchen, da muß sich's wunderbar friedlich ruhen."

„Nu Exzellenz nun leg i awer die Wurscht weg!"

Der dicke Daumer blieb bet diesem Entschluß, und ich hatte mein ordentliches Frühstück.

Man sieht, der „eiserne Kanzler" war in allen Situ­ationen von unverwüstlichem Humor, und der hat ihn bis zu seinem Tode nicht verlassen.

Weisere Drahtnachrichten*

Eingreifen der Union in Mexiko?

w> Madrid, 24. März. (T. U.) Das Blatt „Epoca" veröffentlicht eine Informativ«, wonach die Vereinigten Staaten die Mobilisierung vorbereiten, welche ein so­fortiges Eingreifen in Mexiko bezweckt.

Japanischer Boykott in China.

o-* Petersburg, 24. März. Nach dem „Njetsch" nahm der Boykott japanischer Waren immer mehr zu. Japan versuche mit Hilfe chinesischer Stevolntiouäre Unruhen in China hervorzurufen. Die Gouverneure sind ange­wiesen w n, gegen den Boykott aiOautreten. roet die dadurc .standene Erregung den Verhandlungei schädlich sei.