Die Dardanellenbeschietzung
soll wieder ausgenommen werden. „Corriere della Sera" meldet aus London: Die Beschießung der Dardanellen mußte abgebrocheu werden, weil ein starker Südwind den sechs Schiffen, welche in die Meerenge eingefahren waren, die Fortsetzung der Operationen unmöglich machte. Sie wird jedoch sehr bald mit vermehrter Energie wieder ausgenommen werden. Dieser Beschluß wurde in der Konferenz der Admirale und Kommandanten an Bord des französischen Admiral- schiffes „Suffren" im vollen Einvernehmen mit den Regierungen Englands und Frankreichs gefaßt, und zwar sollen keine Opfer gescheut werden, um das Ziel zu erreichen, und wenn es ein Dutzend Schlachtschiffe kosten sollte. Die Seeherrschaft Englands werde dadurch in keiner Weise berührt werden. Die Operation. an der auch französische und englische Landtruppen teilnehmen werden, wird vom Kontreadmiral de Rodeck befehligt werden, einem Jrländer von 53 Jahren, der vor drei Jahren das Kommando der gesamten englischen Torpedobootsflottille übernommen hat.
Auch „Inflexible" vernichtet?
Im „Corriere della Sera" kommt der Marinesach- verständige Pausario zu dem Schluß, daß die Panzer „Bouvet" und „Ocean" offenbar durch Minen, „Jrre- sistible", „Gaulois" und „Inflexible" (von einer Vernichtung des „Inflexible" ist bis jetzt nichts genaues bekannt) durch das Feuer feindlicher Batterien vernichtet worden seien. Pausario nimmt an, daß auch der „Gaulois" verloren sei. Die erlittenen Verluste seien wohl kaum die letzten. Falls die Unternehmung weitergeführt werde, müßte man sich auf noch viel schwerere Verluste gefaßt machen. Für England seien die bisherigen Verluste nicht erheblich, dagegen von um so größerer Tragweite für Frankreich.
Französische Großkampfschiffe für die Dardanellenschlacht.
o-£ Athen, 23. März. (T. U.) Die verbündete Flotte soll nach der „Voss. Ztg." durch die zwei Ueber- Dreönoughts „France" und „Courbet" sowie die vier Dreadnoughts „Danton", Mirabeau", „Diderot" und „Condorcet" sowie fünf Torpedojäger verstärkt werden. Zwei englische Linienschifse sind bereits eingetroffen.
Der Krieg in den Kolonien.
Schwere englische Verluste in Südwest.
Reuter meldet aus Swakopmund: Eine starke Abteilung berittener Truppen kam am 20. März mit dem Feinde in Berührung, der sich in stark befestigter Stellung eingegraben hatte. Durch Feldartillerie und Maschinengewehre unterstützt, entstand ein heftiges Gefecht. Die Operationen wurden von Botha geleitet. Zur Zeit der Absendung dieses Telegramms dauerte der Kampf noch fort. Unsere Verluste scheinen ziemlich schwer zu sein. Der Schauplatz des Kampfes ist im Bezirk um Barrenkopje.
Offenbar handelt es sich um einen Zusammenstoß in dem gebirgigen Hererolande zwischen Swakopmund und Windhuk.
Das feindliche Kolonialheer.
Ein Brief aus Marseille, den der „Mattino" veröffentlicht, schildert den vollständigen Verfall des französisch-englischen Kolonialheeres. Die ersten beiden indischen Expeditionen bildeten den Gipfel dessen, was England aus Indien beziehen konnte. Das Ende Januar gelandete dritte Epeüitionskorps zählte nur 20 000 Mann, oder vielmehr nicht Männer, sondern Knaben und Greise, die nach der Ausschiffung von Offizieren mit Peitschenhieben vorwärts getrieben werden mußten. Mit diesen 20 000 seien nun auch die letzten verfügbaren Truppenöepots Indiens erschöpft. Der Korrespondent bezeichnet den inzwischen mit Senegalnegern gemachten Versuch ebenfalls als gescheitert. Die Senegalesen und die anderen farbigen Truppen seien jedenfalls nur im Nahkampfe mit der blanken Waffe zu verwenden, dagegen bei einem Artilleriekampfe völlig wertlos.
Englische Maßnahmen in Indien.
»^ Konstantinopel, 23. März. (T.-U.) Trotz aller Versuche der englischen Regierung, um Indien einen Ring des Schweigens zu legen, sind Kundgebungen des indischen Revolutionsausschusses aus Amerika auf unterirdischem Wege nach dem Lande gelangt und haben insbesondere auf die gebildeten Eingeborenen ihre Wirkung nicht verfehlt. Der Regierung ist diese Bewegung nicht entgangen. Sie hat deshalb die Geheimpolizei bedeutend verstärkt und das ganze öffentliche Leben unter scharfe Aufsicht gestellt. Eine Versammlung der indischen Reishändler in Bombay, in der über die Geschäftslage beraten werden sollte, wurde polizeilich verboten. Im Hafen von Banhot (südlich von Bombay) wurden mohammedanische Arbeiter und Matrosen auf ägyptischen Dampfern als Spione festgenommen und 300 Hindus als Mitschuldige an einem angeblich geplanten Bombenattentat verhaftet.
Macht Japan seine Flotte mobil?
Nach einer zensierten Meldung der Petersburger „Nowoje Wremja" aus Tokio soll der Kaiser von Japan unter Gegenzeichnung sämtlicher Minister die Mobili- sterung der gesamten japanischen Flotte angeordnet haben. Den Gesandten der Dreiverbandsmächte in Tokio wurde freilich zugleich amtlich bekanntgegeben, daß es sich um eine Präventwmatzregel handle.
Nach einer Meldung des Petersburger „Rjetsch" aus Tokio überreichte der dortige amerikanische Botschafter der japanischen Regierung eine Note, worin eine Fristverlängerung für das am 25. März ablaufende japanische Ultimatum an China verlangt wird.
Vor dem Abbruch der japanisch-chinesischen Beziehungen?
Petersburg, 22. März. (WTB.) In der Mandschurei kommen fortgesetzt japanische Truppen an. Wie der „Rußkoje Slowo" aus Peking berichtet, meldet die dortige offiziöse Zeitung „Afhtanahe": Ueber einen großen Teil der mit Japan zur Verhandlung stehenden Punkte sei eine Einigung erzielt worden. In allen Fragen, die die Integrität Chinas berühren, blieben beide Teile fest bei ihrem entgegengesetzten Standpunkte. Gestern erhielt China Nachricht von einer Demonstration der japanischen Flotte. Das japanische Heer steht znm Abtransport bereit. Wenn im Laufe der Woche nicht eine Einigung erfolgt, droht Japan vorzugehen, aber jeder Chinese ist bereit, für sein Vaterland zu kämpfen und zu sterben.
Militärische Telegrammzensur in Amerika.
Der Pariser „Herald" meldet: Aus nicht bekanntgegebenen Gründen ist im ganzen Telegrammverkehr aus den Vereinigten Staaten seit dem 19. d. M. eine militärische Zensur durch die Washingtoner Regierung eingeführt worden. Mutmaßlich steht diese in Verbindung mit der Haltung Nordamerikas in der Blockadefrage, nach anderer Ansicht aber mit der Stellungnahme der Union zu den Vorgängen in Ostasien.
SrieasMerlei.
Die Fürsorge für Sie Memeler Flüchtlinge.
Königsberg i. Pr., 22. März. (WTB.) Regierungspräsident Graf von. Kaiserlingk begab sich am Sonnabend an die Kurische Nehrung, um die Ortschaften, in denen Memeler Flüchtlinge untergebracht waren, zu besichtigen. Auf der Nehrung befanden sich 7000 bis 8000 Flüchtlinge, welche überall von der Bevölkerung freund- licUt ausgenommen waren. Für die Lebensmittelzufuhr von Königsberg war sofort von dem Landeshauptmann im Einvernehmen mit den Staatsbehörden gesorgt. Warme Decken und Kleider lieferten die Bersandstellen des Bater- ländischen Frauenvereins in Königsberg. Der 'Abtrails- port der Flüchtlinge wurde durch Sturm und Schneewetter erschwert, trotzdem gelang es, etwa 3500 Menschen zu Wagen nach Eranz und in Schlitten über das Kurische Haff von Schwarzort nach Starischken und von Nidden nach Karleln zu bringen. Dagegen konnten die vom Regierungspräsidenten von Pillau und Schwarzort zur Aufnahme von Flüchtlingen entsandten Dampfer wegen des herrschenden Sturmes ihre Aufgabe leider nicht erfüllen. Die rüstigen jungen Leute kamen zu Fuß über die Nehrung und das Packeis. In den Ortschaften, wo die Flüchtlinge rasteten, wurde überall für Berpflegung und Unterkunft gesorgt. In Schwarzort befanden sich zeitweise 7000 Menschen. Dort leitete der Memeler Landrat, Geheimer Regierungsrat Cranz, persönlich die Fürsorge.
Bewunderung der Franzosen für unsere Soldaten.
Der Kriegsberichterstatter der „Neuen Züricher- Zeitung" au der französischen Front schreibt u. a.: Kem Franzose ließe sich zu einer schlechten Bemerkung über den Feind hinreißen. Im Gegenteil, sie bemühen sich, den guten Eigenschaften des Gegners gerecht zu werden. Die Bayern, die wir vor uns haben, bemerkte der Kommandant in Billers au bois, sind tapfere Soldaten. 9[Ue Achtung vor den Offizieren, die an der Spitze ihrer Leute in den Kampf stürzen. Auch die Bravour der preußischen Garde findet bei den Franzosen ehrliche Bewunderung.
Ein Mitarbeiter von „Sveuska Dagbladet" hat nach der „Köln. Ztg." eine Unterredung gehabt mit einer Persönlichkeit, welche über die Verhältnisse an der Ost- wie an der Westfront genau unterrichtet ist. Als recht bezeichnend ist aus der Unterredung mitzuteilen, daß der Gewährsmann die Fähigkeit der Franzosen als Soldaten sehr niedrig einschätzt. Die Franzosen seien zu bequem: die Leute, die einmal die tüchtigsten Soldaten der Welt gewesen sind, eignen sich jetzt nicht mehr für das Kriegshandwerk, im Gegensatze zu den durch Sport abgehärteten Engländern. Von den Russen als Soldaten hatte der Berichterstatter dagegen viel mehr Achtung.
Politische Rundschau.
Ueber den innern Frieden sprach in Berlin vor einer großen Hörerschaft der sozialdcmokratische Reichstags- abgeorönete Wolsgang Heine. Der Redner sprach mit Bewunderung und Dank von der Leistung unseres Heeres. Als Antwort auf den bekannten Zwischenruf seines Fraklionsgenossen im Reichstag kann das Wort des Redners gelten: „Wir erlauben keinem, wer es auch sei, vou Barbaren zu sprecheu." In längeren Ausführungen bekämpfte der Redner die kleinliche Art unserer bisherigen Parteikümpse mit ihrer Herabsetzung und Aechtung des Gegners, von der wir uns befreien müßten, zumal Deutschland and) nach dem Kriege. nicht von Bedrohungen frei sein werde. Die Parteikämpfe, die bleiben werden, müssen in einem andern Geiste geführt werden, die Herabsetzung des Gegners muß aufhören, der Philistergeist muß überwunden werden, der gegensätzliche Meinungen nicht vertragen kann. In diesem Sinne trat der Redner unter lebhaftem Beifall für die Erhaltung des nunmehr errungenen Zusammengehörigkeitsgefühls ein.
VernuTchfes»
Geld auf der Straße. ein schwerer Unfall stieß dem Kassenboten H. aus Neukölln zu. Der Beamte sollte 5000 Mark von der städtischen Kasse nach der Bank bringen. Er trug das Geld, 2000 Mark iu Silber und 3000 Mark in Papier, in einem Beutel auf der Schulter. Als er an der Haltestelle am Neuköllner Rathaus eine Straßenbahn besteigen wollte, übersah er ein Automobil, das in schneller Fahrt herangefahren kann Er wurde zu Bvoen gerisseu und geriet unter die Vorderräder des Wagens. Bei dem Sturz fiel dem Kasseu- boten der Beutel von der Schulter, ginn auf, und das Geld zerstreute sich im Schnee. Vom Fenster der stüädtischeu Kasse wurde der Unfall bemerkt, und sofort eilten Kassenboten mit Beuteln herbei, Stifteten einen Ring um den Verunglückten und sammelten das zerstreute Geld wieder auf. Sie fanden auch alles bis auf acht Mark, die wahrscheinlich in einen Kanalisations- schacht gefallen sind. Der verunglückte H. erlitt schwere Verletzungen.
Hungerrevolten in Venetien. In Poreia (Vene- tien) strömten am Sonntag, während die Glocken Sturm läuteten, 200 bis 300 Personen zusammen, um gegen die Teuerung zu protestieren. Sie zogen dann zum Schlosse des Grafen von Poreia. Die wenigen anwesenden Carabinieri wurden überrannt, den Menge schlug die Tore ein und drang ins Innere, verwüstete die Gemächer des abwesenden Besitzers. Erst als Militär ein= traf, wurde die Ruhe wieder hergestellt. Auch in anderen kleinen Orten Venetiens wiederholten sich Un
ruhen.
Im Mineuwerfer-Unterstaud. Unter diesem Titel erzählt die Münchener „Jugend" folgende Schnurren: Meine Mannschaften, Pioniere, lauter Hamburger Jungens, streiten sich, ob jemand, der das Eiserne Kreuz besitzt, Inhaber oder Ritter dieses Ordens ist. Ich, ihr Korporal, als Autorität »»gerufen, mache ihnen klar, bei welchen Orden der Träger Ritter, bei welchen er Inhaber heißt. „Dunnerwetter", ruft plötzlich Hein Rötbohm aus der Ecke, „deu» bünn ick jo ok Ritter, dor mutt ick mi obers bald en Perd toleggeu." — Die Franz- männer funken gewaltig, alle Augenblicke krepieren die Granaten mit mächtigem Krachen. „Du, Hein," fragt Willi, „wenn wi erst weöder to Hus bi de Olsch stind, wie ward uns dat bloß Vorkommen, wenn dat mi eenmal so ruhig is?" — „Och, Willi," entgegnet Hein, „ick will di wat seggen, ick mok mi erst so'» 100 Stück Kanonen- schläg und denn brenn ick jeden Dag een por dorvon auf, dormit ick mi so ganz bi lütten an de Ruh gewöhn." — Di Franzosen schießen zu weit. Wir stehen in der Tür unseres Unterstandes und beobachten das Einschlägen der Granaten. Plötzlich ruft Hein: „Krisch», mok de Dör to, fünst summt so'n Aas hier noch rin!" Die,e Bemerkung Hein's ist jedoch überflüssig, denn über der Tür unseres Unterstandes prangt ein Schild mit großen Lettern: „Granaten ist der Eintritt streng verboten!"
Er geht auf Patrouill'! Der Kriegsverichterstatter der „Neuen Züricher Zeitung", Oberst Karl Müller, erzählt in dem neuen Kapitel seiner Berichte aus dem lothringischen Kampfgebiet ein lustiges Geschichtchen, für dessen Wahrheit er sich verbürgt. Der Vorgang spielte sich bei einer der vordersten deutschen Feldwachen ab: der feldwachhabende Offizier, nebenbei bemerkt: im Frieden Frankfurter Opernsänger, hatte seine Leute in der Nähe eines alten französischen Schlosses untergebracht, das von den Franzosen eifrig beschossen wurde. Ein Rittmeister besichtigte nun eben die Feldwachen und Uureroffiziersposten, da wurde ihm gemeldet, daß soeben ein Infanterist gegen das nächste, in der französischen Vorpostenstellung liegende Dorf vorgegangen sei und angegeben habe, er gehöre zu einer Patrouille, die den Auftrag habe, auszukundschaften, ob das Dorf von den Franzosen besetzt sei. „Das ist ja toller Unsinn!" ruft der Rittmeister, „am hellichten Tag über das fast offene Gelände eine Patrouille in das Dorf Hinein- zuschicken: die wird ja totsicher abgeschossen!" Und rasch entschlossen schickt er einige flinke Reiter ab, um die unvorsichtige „Patrouille" zurückzuholen. Die bringen bald den Infanteristen, einen biederen bayerischen Landwehrmann, zurück. „Was wollten Sie da vorne?" fragt ihn der Rittmeister. „Herr Leitnant" — im Feldgrau sind die Gradabzeichen schwer kenntlich! — „Herr Leitnant, ich wollt' auf Patrouill' geh'n und uach- schau'n, ob L. von den Franzosen besetzt sei, und sehn, ob nix zu machen wär', daß ich einige Franzosen ab- schietz'n könnt'." Der Rittmeister: „Wer hat Ihnen den Beseht gegeben?" Der Landwehrmann (der unterdessen gewahr geworden, daß er sich wohl im Grade geirrt): „Herr Oberleitnant, ich bin halt eben auf Patrouill' g'wesen." Der Rittmeister: „Wer hat Ihnen den Befehl gegeben?" Der Landwehrmann: „Den Befehl? Herr Oberleitnant, just eigentlich niemand, ich bin halt eben auf Patrouill' 'gangen." Der Rittmeister: „Wissen Sie nicht, daß der Soldat nur auf Befehl auf Patrouill' geht?" Der Landwehrmann: „Ja, Herr Oberleitnant, das is ja schon wahr, aber schauen's, Herr Oberleitnant, in diesem Kriege g'schieht so qar nix mehr, das is ja gar kein Krieg nicht mehr, wenn man nicht selber was unternehmen tut." Der Rittmeister konnte das Lachen kaum mehr verbeißen und schickte den unternehmungslustigen Bayer seiner Truppe zu.
Sie Angst vor der Wahrheit.
Seit Wochen und Monaten bekommt die Welt mittags und abends zu lesen, daß auf dem westlichen Kriegsschauplatz die Sache der Verbündeten günstig steht. „Bei X gewannen wir Boden", „bei ?) machten wir leichte Fortschritte", „bei Z fielen so und so viele Meter Schütze »graben in unsere Hände".
Das sind die ständigen Redensarten in den französischen Kriegsberichten, die ihre Fassung nicht im Hauptquartier Joffres, sondern in Paris erhalten. Die größte Sorge der Pariser Regierung ist, zu verhindern, daß die Bevölkerung des Landes die Wahrheit erführt. Das Scheitern der großen Jofsre'schen Offensive in der Champagne, die Schwere der Verluste, die Un- bezwinglichkeit oer deutschen Mauer von Dirmuiden bis zu den Vogesenkämmen, und vor allem auch die fürchterlichen Niederlagen der Russen bei den Masurischen Seen, bei Slugustow, in den Karpathen und der Bukowina. Während die deutsche Heeresleitung im Bewußtsein des Vertrauens des eigenen Volkes kein Bedenken trägt, die feindlichen Berichte zur Veröffeutlichung in der Presse zuzulassen, Saii in Frankreich nichts von den nüchternen deutschen Kriegsberichten gedruckt werden.
Die Drahtzieher in Paris wissen, daß sie sich nur durch eine Gewaltherrschaft über die Geister ihres Landes behaupten können. Bezeichnend für die Angst der Regierenden ist die Härte, mit der die aus Deutschland im Anstausch der Krieqsinvaliöen heimgekehrten Soldateti von der Außenwelt abgesperrt werden, damit sie ihren Angehörigen und Freunden nichts davon erzählen sönnen, was sie in Deutschland gehört, gesehen und am eigenen Leibe erfahren haberr. Wie leicht würden sonst die Lügengespinste über die deutschen 'Niederlagen und die deutschen Barbaren als das erkannt werden, was sie sind. Ein Londoner Blatt, der „Daily Telegraph", brächte kürzlich in breiter Ausmalung folgendes Bild des Lebens in Berlin: Die Bevölkerung verzweifelt, die Straßen verödet, Verwundete ohne Beine, die sich wje unter dem Druck fürchterlichster seelischer Qualen fortschleppen, des Nachts die Cafees über- füllt von Menschen, die ihre Verzweiflung in Bier und Wein ertränken, am Tage überall öde Traurigkeit. Diese Schilderung ivar offenbar bestellte Arbeit, die Pariser Regierung ließ sie sofort in ihrer Presse verbreiten mit dem Zusatz, daß der Ausbruch einer Hungerrevolte in Berlin bevorstehe.
Die beste Antwori darauf sind die neun Milliarden Kriegsa n le t h c , die das deutsche Volk von neuem aufgebracht hat. Aber ob die französische Landbevölkerung etmgs davon erfährt? Nachgerade werden teuflische Künste nötig sein, um das Lügengeschäft fort- zusetzen. Der Tag muß doch einmal kommen, da es unter den Flüchen des getäuschten Volkes zusammenbricht.
Weisere Drahtnachrichten.
Unteroffiziermangel in Frankreich.
»-^ Paris, 23. März. (WTB.) Die „Humanitee" will aus sicherer Quelle ersahreu habeu, daß man in einigen Kavallerieregimentern nach Unteroffizieren sucht, um sie als Unterleutnants in die Infanterie eul- zureihen. Die Beiverbungen um Unteroffiziersposten wären wegen der großen Verluste gering.
Ein englischer Dampfer torpediert.
Rotterdam, 23. März. (WTB.) Der „Nieuwe Rotterdamsche Courant" meldet auS London: Der Dampfer „Cairntorr", mit einer Ladung Stemkohleu, wurde elf Meilen von Beachy Head torpediert. Der Steuer- mamt sah das Torpedo, bevor öaö Schiff getroffen wurde. Die Boote wurden ohne Schwrerigtelten flott- gemacht. Auch eilten andere Rettungsboote zu Hilfe. Das deutsche Unterseeboot wurde iu einer Entfernung von etwa 350 Meter gesehen.
Die Norddeutsche znm Fall Przemysls.
»-»> Berlin, 23. März. (WTB.) Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Die tapfere Gegenwehr, die die Verteidiger von Przemysl während langer Mo- nate einem zahlenmäßig weit überlegenen Feinde gegenüber geleistet haben, sichert ihnen in der Geschichte dieses Krieges ein ehrendes Gedenken. Der Bewahrung solch soldatischer Tugenden waren allerdings zeitliche Schranken gezogen durch die Dauer der Verpflegungsmöglich- keiten. Bis zuletzt erfüllten die in der Festung eingeschlossenen Truppen ihre Pflicht. So ist die mit großer Aufopferung verteidigte Festung m Ken Ehren ge- • kallen.