Hersselder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld. ’
für den Kreis Hersfeld
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Nr. 70
Mittwoch, den 24. März
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Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich auf der letzten Seite.
Bus der Heimat«
* Familien-Unterstützungen für uneheliche Kinder von Kriegsteilnehmern.) Die „Deutsche Par- laments-Correspondenz" berichtet: Der preußische Ministerdes Innern hat folgenden entgegenkommenden Erlaß herausgegeben: Nach der Novelle vom 4. August 1914 zum Gesetz, betreffend die Unterstützung von Familien in den Dienst eingetretener Mannschaften vom 28. Februar 1888, ist Voraussetzung für den Anspruch der unehelichen Kinder auf Unterstützung „die Feststellung der Verpflichtung als Vater zur Gewährung des Unterhalts". Diese „Feststellung" gilt in Friedenszeiten als erfolgt nur in der Form der rechtskräftigen Verurteilung, des Anerkenntnisses gemäß § 1718 B.-G.-B. und des Vergleichs gemäß § 1822,12 V.-G.-B. Der sozialen Tendenz der Novelle würde es aber nicht entsprechen, die Unterstützung des Kindes an der in vielen Fällen unerfüllbaren Forderungen, einer dieser formellen Nachweise beizubringen, scheitern zu lassen. Es ist daher nichts dagegen ein- zuwenden, wenn diese Feststellung behufs Anweisung der Unterstützung durch Briefe an die uneheliche Mutter oder auf andere Weise erfolgt. Die Unterstützung kann auch dann gezahlt werden, wenn nachgewiesen wird, daß der Vater des unehelichen Kindes, ohne die Vaterschaft anerkannt zu haben und ohne verurteilt zu sein, freiwillig für den Unterhalt des Kindes regelmäßig gesorgt hat.
* (Ueber eine Million Kirchenkollekte). Die in den Landeskirchen Deutschlands im vergangenen Herbst eingesammelte Kirchenkollekte zum Besten der kirchlichen Notstände in Ostpreußen hat bis jetzt eine Million Mark bereits überschritten. Weitere Beiträge laufen noch immer ein.
*Die Versendung mehrerer Pakete mit einer Paketkarte ist für die Zeit vom 29. März bis einschließlich 3. April im inneren deutschen Postverkehr nicht gestattet.
* (Wi t w e n u n t e r st ü tz u n g e n in Krieger* vereinen.) Der Deutsche Kriegerbund hat am 22. März, dem Geburtstage weiland Seiner Majestät Kaiser Wilhelms des Großen, auf Antrag der Vereinsvorstände 36000 Mk. Unterstützungen an hilfsbedürftige Kameradenwitwen gezahlt.
* (Mitteilung für die Ortsausschüsse und die Herren Vertrauensmänner.) Der Krieg hat als Folgeerscheinung in unserem Wirtschaftsleben, namentlich in den ersten Kriegsmonaten, eine größere Stellenlosigkeit von Angestellten mit sich gebracht, die jedoch erfreulicherweise in der letzten Zeit wieder erheblich im Rückgänge begriffen ist. Es erscheint besonders wichtig, die bisher versicherten, teilweise noch stellenlosen Angestellten auf die gesetzlichen Bestimmungen aufmerksam zu machen, die ihnen für diese Zeit eine Sicherheit zur Verhinderung des Erlöschens der Anwartschaft gewähren. Einen solchen Schutz bietet der § 50 des Gesetzes, der folgendermaßen lautet: „Die Anwartschaft lebt wieder auf, wenn der Versicherte innerhalb des dem Kalenderjahre der Fälligkeit der Beiträge oder der Anerkennungsgebühr folgenden Kalenderjahrs die rückständigen Beiträge nachzahlt. Ist eine Anwartschaft während der Wartezeit erloschen, so kann bj^ Reichsversicherungsanstalt auf Antrag die rückständigen Beiträge stunden. Der Antrag muß vor Ablauf der im Absatz 1 bezeichneten Frist gestellt werden. Spätere Pflichtbeiträge können, soweit sie nicht gemäß § 49 erforderlich sind, auf die gestundeten Beiträge angerechnet werden. Durch die Anrechnung lebt die Anwartschaft wieder auf." Hiernach kann dem Versicherten beim Erlöschen der Anwartschaft während der Wartezeit Stundung der rückständigen Beiträge durch die Reichsversicherungsanstalt gewährt werden, wobei spätere Pflichtbeiträge, soweit sie nicht gemäß § 49 erforderlich sind, auf die gestundeten Beiträge angerechnet werden können. Erforderlich ist allerdings, daß der Versicherte in der in § 50 Absatz 1 a. a. o. angegebenen Frist einen Stundungsantrag bei der Reichsversicherungsanstalt stellt.
* (Postp rotestaufträge.) Nachdem der Bundesrat durch Bekanntmachung vom 4. März bestimmt hat, daß die Protestfrist für Wechsel, die in Elsaß- Lothringen, in der Provinz Ostpreußen oder in einzelnen Teilen Westpreußens zahlbar sind, frühestens mit dem 31. Mai 1915 statt mit dem 31. März 1915 abläuft, ist die Postordnung vom 20. März 1900 entsprechend geändert worden. Danach werden die Postprotestaufträge mit Wechseln der bezeichneten Art deren Zahlungstag in die Zeit vom 30. Juli 1914 bis einschließlich 29. April 1915 fällt, am 31. Mai 1915 nochmals zur Zahlung vorgezeigt werden.
):( Hersfeld, 23. März. Der hiesige Z n ein vom Roten Kreuz sandte in dieser Wi _ eine Sammlung von Woüsachen für die Truppen ir Felde an die Abnahmestelle 3 zu Cassel zur Weiter.
weigver - 'od)e wieder oüsachen für die Truppen im
beförderung. Die Sendung enthielt 225 Paar Strümpfe, 50 Hemden, 50 Unterhosen, 35 Unterjacken, 50 Paar Handschuhe, 5 Kopsschützer, 20 Ohrenschützer, 7 Paar Kniewärmer, 4 Paar Pulswärmer und 24 Handtücher. Die Strümpfe waren von einer großen Zahl treuer Helferinnen aus unserer Stadt und zahlreichen benachbarten Gemeinden gestrickt worden,- Hemden und Unterhosen hatten die Damen des Näh- vereins zum größten Teil angefertigt. All den auf- opferungsfreudigen Mitarbeiterinnen, den freundlichen Spenderinnen eines Teils der Liebesgabe sei auch hiermit herzlichst Dank gesagt. Wenn auch die Sendung von Woüsachen an die Front in der jetzigen Zeit nicht mehr in dem Umfange erforderlich ist wie im Winter, so darf sie doch keineswegs ganz eingestellt werden. Es ergeht deshalb an alle die in der Lage find,»durch persönliche Mitarbeit oder durch Zuwendung von Geldmitteln und sonstige Liebesgaben die Absendung von Woüsachen an die für uns im Kampfe stehenden Söhnen unseres Vaterlandes zu fördern, die dringende Bitte, doch auch weiterhin mithelfen zu wollen, daß der hiesige Zweigverein vom Roten Kreuz diese Ehrenpflicht zu erfüllen vermag.
Solz, 20. März. Der Vorsitzende vom Solzer Kriegerverein Rittergutspächter Leutnant der Reserve Ernst Cornelius wurde bei den Kämpfen im Osten zum Oberleutnant befördert: er steht im Artillerieregiment Nr. 47 und ist Inhaber des Eisernen Kreuzes.
Cassel, 23. März. (80 000 Mark gestohlen.) Der Bankkassierer Heinrich Stenn aus Köln ist, nachdem er einem Bankhause 80 000 Mk. gestohlen, in Begleitung eines Frauenzimmers nach Cassel gekommen. Das gestohlene Geld führt er in einer braunen Ledertasche mit sich. Das Frauenzimmer konnte bereits von der Kriminalpolizei verhaftet werden. Stenn ist 35 Jahre alt, von untersetzter Statur, 1,68 Meter groß, trägt dunkelblonden rötlichen Schnurrbart. Die hiesige Kriminalpolizei soll ihm ebenfalls auf der Spur sein.
Melsungen, 23. März. Unter dem Vorsitz des^Kgl. Provinzialschulrats Kanzow aus Cafsel hat gestern l an der hiesigen Vilmarschen cn. Von zehn Schülern, die
die mündliche Prüfung Lehranstalt stattgefundl „ ,
sich der Prüfung unterzogen, haben neun bestanden. Das Zeugnis zum Einjährig-Freiwilligen Militärdienst wurde ihnen zuerkannt.
Caffel, 22. März. (Ein Prüfling mit dem Eisernen Kreuz.) Der Rechtskandidat Heinrich von Buttlar aus Hanau, der sich als Leutnant der Reserve des dortigen Ulanen-Regiments im Januar bei der Einnahme und Verteidigung eines Schützengrabens das Eiserne Kreuz 1. Klaffe erworben hat, bestand am 20. d. M. während eines ihm bewilligten kurzen Urlaubs vor der hiesigen Kommission für die erste juristische Prüfung die Notprüfung mit dem Prädikate „gut."
Cassel, 22. März. Von den hessischen Volksschul- lehrern aus dem Regierungsbezirk Cassel sind (einschließlich der Schulamtsbewerber, Seminaristen und Präparanden) 126 auf dem Felde der Ehre gefallen.
Marburg, 22. März. Im November v. I. erschien in einem hiesigen Schokoladegeschäft ein junger Herr, gab sich als Sohn eines hiesigen Professors aus und bestellte allerhand Waren. Zugleich ersuchte er ine Verkäuferin, ihm doch 60 Mark Hartgeld in Papier umzuwechseln. Als der junge Btann die Scheine in einem mitgebrachten Briefumschlag eingesteckt hatte, bemerkte er, daß er sein Silbergeld zu Hause liegen gelassen. Er gab deshalb den Briefumschlag wieder zurück, um angeblich erst das Hartgeld zu holen. Als die Annahme der bestellten Sachen verweigert wurde und der junge Herr das Wiederkommen vergaß, öffnete die Verkäuferin den Briefumschlag und fand darin ein Stück Papier. Der Gauner, ein schon vielfach wegen ähnlicher Geschichten vorbestrafter junger Mechaniker namens Jauch aus Ulm, wurde von der Strafkammer zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt.
Hünfeld, 23. März. An Stelle des in Rußland gefallenen Rechtsanwalts Backhaus ist derBuchöruckerei- besiüer und bisheriger Stadtverordneten-Vorsteher Albiez zum ersten Beigeordneten gewählt worden.
Mettrichstadt (Rhön), 22. März. Zwei Kinder im Alter von 2 bezw. 4 Jahren das Buchdruckereibe- sitzerstöchterchen Banner und das Fabrikarbeiterskind ©eifert, fielen in die Streu und ertranken.
Frankfurt, 22. März. Auf die erste Kriegsanleihe wurden in Frankfurt 148 Millionen Mark gezeichnet. Diesmal wurden etwa 250 Millionen Mark gezeichnet. Die größten Zeichnungen weisen die Frankfurter Bank und die hiesige Filiale der Deutschen Bank auf.
Der Brotlartengeikt.
^n der gesamten feindlichen Presse wird in der letzten Zeit mit einem außerordentlichen Eifer dre Fabel verbreitet, Deutschland stehe finanziell vor dem Bankerott und wirtschaftlich vor einer allgemeinen Hungersnot. Spätestens zum 1. Juni soll diese Hungersnot im ganzen Reiche ausbrechen, und dann sei es mit Deutschland trotz aller seiner bisherigen militärischen Erfolge gänzlich zu Ende. Um dieser Fabel den Anschein von Glaubwürdigkeit zu ver
schaffen, und durch sie die Verzweiflung bei dem eigenen Volke hintanzuhalten, versucht die feindliche Presse sich auf allerlei Aeußerungen deutscher Blätter und deutscher Volkswirte zu stürtzen, welche zur Sparsamkeit beim Verbrauche der Lebensmittel mahnen, damit die Siege unserer Waffen nicht durch den Eintritt eines wirklichen Mangels an Mitteln zur Volksernährung beeinträchtigt würden. Diese Aeußerungen werden selbstverständlich in der üblichen Weise verdreht und gefälscht. Hat man doch die von einem deutschen Arzte ausgegangenen Vorschläge, das Stroh zu vermahlen — selbstverständlich nur zu Fütter- ungszwecken —, dahin gedeutet, die Deutschen hätten schon jetzt nichts mehr als Stroh zu essen. Auch unsere Brotkarten sind weidlich zu dem Nachweise ausgenutzt worden, daß Deutschland bereits am Hungertuche nage, und selbst der französische Minster- präsident Viviani hat sich nicht entblödet, zu behaupten, Deutschland befände sich finanziell und wirtschaftlich in einer völligen Deroute.
Man könnte über derartige Dummheiten leicht hinweggehen, wenn die Sache nicht doch bei aller Lächerlichkeit eine ernste Seite hätte. Durch die obengekennzeichneten Ausstreuungen der feindlichen Presse wird, wie aus sicheren Anzeichen zu schließen ist, die Bevölkerung der gegen uns im Kriege befindlichen Länder trotz aller militärischen Schlappen, die ihre Heere erlitten haben, zu weiterem Widerstände angestachelt, und auch in neutralem Auslande werden die Anschauungen über die Siegesaussichten Deutschlands dadurch wenigstens einigermaßen beeinflußt. Es fehlt ja auch im feindlichen Lager nicht an Stimmen, die dem Gerede über die drohende Hungersnot in Deutschland entgegentreten, wie zum Beispiel der englische Minister Lloyd George erklärt hat, er fürchte den „Brotkartengeist" in Deutschland mehr, als die deutschen Heere, aber die große Masse fällt doch auf jenes Gerede hinein. Und dieser Umstand ist es, der, abgesehen von der Vermeidung jeder unnötigen Beunruhigung unker.es eigenen Volkes, jedem Deutschem die Pflicht auserregt, mit allen Mitteln zu verhindern, daß durch Schwarzseherei und Flaumacherei Wasser auf die Mühle unserer Feinde geleitet wird.
Gewiß, es herrscht .bei uns eine Knappheit am Brotgetreide, und es besteht auch auf manchen Gebieten eine Teuerung, aber von einer Hungersnotgefahr sind wir, namentlich nachdem eine organisierte Sparsamkeit Platz gegriffen hat, Gott sei dank himmelweit entfernt, und wir können mit der vollen Zuversicht, daß wir bis zur nächsten Ernte alles zur ausreichenden Volksernährung Nötiges »besitzen, in die Zukunft schauen. Für die nächste Ernte aber wird schon jetzt vorgesorgt, und die Feinde selbst stellen uns in bald eine Million erreichenden Kriegsgefangenen eine willkommene Hilfe für diesen Zweck. Ueber die finanzielle Leistungsfähigkeit Deutschlands wird zweifellos das Ergebnis der zweiten Kriegsanleihe unsere Feinde belehren, wie das täglich wachsende Aufblühen unserer Industrie und unserer ganzen inneren Volkswirtschaft sie davon überzeugen sollte, daß Deutschland auch in wirtschaftlicher Hinsicht nicht zu Boden zu bringen ist. Wer aber angesichts dieser Sachlage heute noch in Deutschland selbst dem Kleinmut Nahrung giebt und dadurch dem Feinde in die Hände arbeitet, versündigt sich schwer am Vaterlande. Wir müssen sparen und wollen sparen, aber das Ausland soll wissen, daß dieser „Brotkartengeist" gleichbedeutend ist mit dem Eisernen Willen zum Siege.
Durch die Lupe.
Ein Stückchen Zeitgeschichte in Versen.)
Wieder einmal hat vergebens — sich Herr Joffre abgemüht, — ohne daß bei dieser Arbeit — schließlich ihm Erfolg erblüht, — fester noch, als vorher beinah — steht im Westen unsre Front, — wo der Franzmann, wie schon öfter, — nichts erzielen hat gekonnt.— Auch im Osten steh'n noch immer — Deutschlands Truppen siegreich da, — und dem großen Rußenheere — ist ein neues Unheil nah. — Im Gebiete der Karpathen — zeigt sich Oesterreich neu gestärkt, — und mit frischgestählten Kräften - geht es an das Sregeswerk. - Unterdessen auf dem Wasser - hat man England em- geschnürt, - sehr empfindlich hat inzwischen — schon das Britenvolk gespürt, - daß die Deutschen wenn sie drohen, - nicht mit - Worten spielen bloß, nein, daß sie zu handeln wissen, - zielbewußt mit Hieb und Stoß _ Englands große Handelsflotte, — mag sie noch so mächtig sein, - fühlt, bedenklich die Verluste, _ zähneknirschend blicken drein - Greh und Churchill, diese beiden, — welche sich vielleicht gedacht, — daß man Deutschlands Heldenstärke — mit dem Maule niedermacht. — Wenn aus Wut und Ohnmachtstücke — jetzt in England alles keift, und nach jedem kleinen Mittel, uns zu schaden, gierig greift, — reizt uns nur zum Hohngelttchter — solche kleinlich dumme Wut, — weil sie an dem Endergebnis — nicht das kleinste ändern tut. — Denn der Deutsche hats geschworen — und wir wissen, daß ers hält: England soll im «taube liegen — bettelnd vor der ganzen Welt!
Walter-Walter.