Lands und Frankreichs beschlagnahmen alle Waren, die vom Auslande für Deutschland herangeführt werden. — Die deutsche Zivilbevölkerung erhält Brot, Kartoffeln, Bier und Fleisch von der Regierung in nur unzureichender Menge. Beweise für die Unzulänglichkeit der Verpflegung finden sich in den Briefen, die deutschen Gefangenen und Toten abgenommen sind. Die deutsche Regierung hat diesen Mangel selbst eingestanden, indem sie die amerikanische Regierung ersuchte, die Verpflegung der deutschen Zivilbevölkerung zn sichern und zu beaufsichtigen. Ein solcher Vorschlag — der übrigens von Amerika abgelehnt wurde — steht bisher einzig da in der Geschichte einer Großmacht. Das deutsche Geld hat in neutralen Ländern einen Kursverlust von 15 Prozent erfahren. Die deutschen Soldaten, die bisher von ihren Offizieren planmäßig über alle Kriegsereignisse getäuscht worden sind, fangen langsam an zu begreifen, daß Deutschland geschlagen ist, und daß die Hungersnot das durch unsere Waffen begonnene Zerstörungswerk vollenden wird.
3. Die Verbündeten Deutschlands geschlagen!
Die Türkei, der Bundesgenosse Deutschlands, wird in ihrer eigenen Hauptstadt durch die Flotten Englands und Frankreichs bedroht. Griechenland und Rumänien haben mobil gemacht, um sich uns anzuschlietzen. Die Russen haben soeben den Versuch eines deutsch-österreichischen Angriffes im Keim erstickt und dabei noch nicht einmal den fünften Teil ihrer ungeheuren Kraftquelle im Rekrutennacherfatz verbraucht. Die Serben haben die Oesterreicher für immer aus ihrem Lande vertrieben. Die deutschen Schlachtschiffe wagen nicht, den schützenden Hafen zu verlassen. Was die Unterseeboote anbetrifft, so haben wir und unsere Verbündeten schon mehr davon in den Grund gebohrt, als sie selbst Handelsschiffe vernichten konnten. Der Sieg ist unser. Ohne Mitleid für den Feind muß er bis zum letzten Ende durchgeführt werden.
4. Die Verbrechen der Deutschen!
Mitleid verdient Deutschland wahrhaftig nicht. Seine Regierung hat durch den Einfall in Belgien seine Vertragspflichten gegen dieses edle Land auf das gröblichste verletzt und zu Land und zu Wasser jedes Völkerrecht außer acht gelassen. Die deutschen Truppen haben offene Sradte veichossen, wehrlose Dörfer in Brand gesteckt, Greise und Kinder ermordet, Frauen und Mädchen geschändet. Die Unterseeboote haben sogar neutrale Handelsschiffe versenkt. In den Gebieten Frankreichs und Belgiens, in denen die Deutschen zurzeit hausen, zwingen sie die Frauen, deren Männer im Felde stehen, sich ihrem brutalen Willen zu fügen. Viele Unglückliche gehen schwanger infolge der Bergewaltr-
gungen.
5. Die Leiden der französischen Gefangenen.
In zahlreichen Kämpfen haben wir gesehen, wie die Deutschen unsere Verwundeten in planmäßiger Bestralr- tät mit dem Bajonett töteten. Die wenigen, die als Gefangene abgeführt sind, sind in Deutschland fürchterlichster Willkür und Gemeinheit ausgeliefert. Sie sterben vor Hunger. Ihre Nahrung besteht morgens und abends aus einem Aufguß von Eicheln, mittags in einer Suppe, dazu für je fünf Mann ein verschimmeltes Brot.
8. Der sichere Sieg!
Welche Schlußfolgerungen sind nun aus allem zu ziehen? Zunächst die Mahnung, unsere Kräfte doppelt anzuspannen, um das eine Ziel zu erreichen, nämlich die Sicherstellung und dauernde Erhaltung des europäischen Friedens. Andererseits aber die Ueberzeugung, daß es besser ist, auf dem Schlachtfelde zu sterben, als den Deutschen in die Hände zu fallen, und an Entkraf- tung oder Schwindsucht in ihren Kerkern elend um- kommen. Also vorwärts, vertrauensvoll, mit aller Kraft dem sicheren Sieg entgegen, dem Sieg des Vaterlandes und der Republik, dem Sieg von 9ied)t, Freiheit und Sitte.
Eine Erörterung zu diesem Befehl zu geben, er-
übrigt sich.
Oberste Heeresleitung.
krieasaverlei.
Die „Dresden" in neutralem Gewässer angegriffen.
Die „Köln. Ztg." berichtet von der holländischen Grenze: Aus Washington meldet das Reuterbureau: Graf Bernstorff erkläre, daß der deutsche Kreuzer „Dresden" in neutralen Gewässern angegriffen worden sei.
„Eitel Friedrich" in Amerika.
Aus Neuyork erfährt „Daily Chronicle": Eine große Zahl Extrazüge und Dampfer brächte Tausende von Neugierigen am Montag nach dem Hafen von Norfolk, die alle den Hilfskreuzer „Prinz Eitel Friedrich" sich ansehen wollten. Ein britischer Kreuzer hält außerhalb der Dreimeilengrenze Wacht, um ein Entschlüpfen des Dampfers zu verhindern, dessen Kapitän erklärte, er werde die Streifzüge fortsetzen, „wenn das Schiff repariert sei. „Ich werde mein Möglichstes tun, um noch mehr feindliche Schiffe zu versenken. Wenn sie mich versenken, schön, das ist das Wechselgluck des Krieges."
„Aufbietung" der Frauen in England.
Das Londoner Handelsblatt fordert in einem Zirkular alle arbeitsfähigen und arbeitswilligen Frauen auf, sich in Listen einzuschreiben, um die Männer für den Kriegsdienst frei zu machen.
Deutsche und russische Schützeugrabenarbeit.
Einen Vergleich zwischen den Felöbefestigungs- arbeiten, die die Deutschen und die Russen im polnischen Schlachtgebiet ausgeführt haben, gibt der Kriegsbericht- erstatter der „Times" beim russischen Heere Stanley Wasburn: „Die Deutschen haben einen, beträchtlichen Vorteil vor den Russen in fast allen Dingen, die sich auf Jngenieurarbeit beziehen. Es gibt dafür verschiedene Gründe, und wohl der wichtigste ist der, daß die Deutschen durch ihre ganze Anlage ein außerordentlich genaues, ordentlich und geschulten Volk sind, während der Russe in seiner Natur nichts von all dem hat. Der zweite Grund, der eigentlich nur e ne Folgeerscheinung des ersten ist, besteht darin, daß die teutonische Armee sehr viele Handwerker, und Mechaniker aufweift, besonders in ihren Reservekorps. Man sieht Überall ihren Einfluß sehr deutlich. Die Gelegenhe t, deutsche Schützengräben zu betrachten, ist na lirlich für mich beschrankt auf die Teile Polens, in die die Russen gekommen sind, nachdem die Deutschen hier bereits Stellungen ausgegraben hatten, aber das, was ich M flößt mir die höchste Achtung vor der Tüchtigkeit der Deutschen beim Anlegen von Feldbefestigungen ein. Ihre Schützengräben waren fast ohne Ausnahme vorbildlich angelegt, und ich habe viel gesehen, bei denen man denken konnte, sie seien von Ingenieuren angelegt, die ein unübertreffliches Muster vorführen wollten. Die Genauigkeit in der Anlage der Gräben, die Sauberkeit der Arbeit, die Reinlichkeit in allen Unterständen ist erstaunlich, und wo Zeit war, sind vorzügliche Maskierungen und Schutz- vorrich-tunaen geschaffen worden. Laufgraben und Zu
gänge sind höchst praktisch entworfen, alle durch den Boden und das Gelände gebotenen günstigen Möglichkeiten voll ausgenützt, und jede Bequemlichkeit ist durchgeführt, die in einem Schützengraben geboten werden kann. Die Stellungen der deutschen Kanonen sind in derselben exakten und musterhaften Weise angelegt wie die Schützengräben,' ebenso zeigen alle Ausbesserungen an Wegen, Brücken usw. den Geist dieser Ingenieur- kunst, die im ganzen Heere zu leben scheint. Die Russen standen zunächst in jeder Art dieser Arbeiten weit zurück: aber sie haben große Fortschritte gemacht, und die Bzura- Rawka-Linie, die im Dezember angelegt wurde, stellt das Beste dar, was ich an solchen Arbeiten von den Russen gesehen habe, während die zweite Linie zwischen der Front und Warschau, die man gewöhnlich die Blonie- Linie nennt, ebenfalls die gesteigerte Erfahrung in dieser Hinsicht erkennen läßt."
Englisches „Christentum".
Wie verschieden englische und deutsche Christen empfinden, dafür ist eine Rede bemerkenswert, die zwar schon am 1. Oktober bei der Verabschiedung von 200 Sendboten der Kirchlichen Missionsgesellschaft in London gehalten wurde, aber weiter bekannt zu werden verdient. In dieser Rede hieß es: „In einem einzigartigen, ernsten Zeitpunkt sind wir versammelt. Steht doch die Existenz unserer ganzen Nation auf dem Spiele. Gleichwohl geht ihr Euren ruhigen Gang als Sendboten für das Evangelium des Friedens, und wir sind hier, um Gottes Segen über euch herabzuflehen. Einige von euch reisen jetzt mit der Friedensbotschaft nach Indien, und vielleicht werdet ihr auf der Reise indischen Truppen begegnen, die zu dem bereits m Frankreich für ihren Kaiser und unseren König kämpfenden indischen Heer als Verstärkung gesandt werden. Ihr reist nach Osten, um für Christus zu leben, und Indiens Söhne kommen nach Westen, um, wenn es notwendig ist, für Englands Sache zu sterben. Die Ernte unseres Königs Christus hat Eile, darum reist ihr auf das Missionsfeld in einer so ernsten Zeit. Jene ziehen zum Kampfplatz in Frankreich, aber ihr reist, um Christi Heeren auf dem fernen Schlachtfelde Verstärkung zu bringen. Laßt uns nicht vergessen, daß unsere Väter mit dem Mute des Glaubens mitten unter dem Kriegsgetümmel (1799) unsere Gesellschaft stifteten! Das möge uns dazu dienen, in diesen Tagen der Sache des Herrn treu zu sein." Das „Hannoversche Missionsblatt" drückt mit Recht sein maßloses Erstannen über diese Taktlosigkeit aus. Wie kann man freiwillig im Dienste des Friedenskönigs ausziehenden Missionare mit den willenlosen Söldner- scharen des Kaisers von Indien vergleichen! Es fehlt jedes Gefühl für den Frevel Englands, die Farbigen in unseren europäischen Kampf hineinzuzerren. Heißt es nicht die Mission zerstören, wenn man aus dem Osten die Heiden, die man bekehren will, auf die Schlachtfelder des christlichen Abendlandes führt?
Vermischtes.
„Hungersnot" in — Mainz. Folgendes Telegramm aus London findet sich, wie das „Berl. Tagebl." mit- teilt, in der amerikanischen Zeitung „Chicago Daily Tribune": „Neuntausend Bewohner von Mainz, zumeist Frauen und Kinder, stürben gestern infolge Hungersnot. Der Anblick, den der Todeskampf und die Leiden boten, läßt sich nicht schildern. Die Straßen sind gefüllt mit Menschen, die halb wahnsinnig durch das Jammern der Kinder sind. Frauen ziehen durch die Straßen und rufen die Rache des Allmächtigen auf England herab. Ein Mann, der einen englischen Namen trug, wurde vom Pöbel in Stücke gerissen. — In Mainz wird man einigermaßen erstaunt sein, daß ein solches Massensterben von keinem Menschen bemerkt worden ist.
Das beschlagnahmte Leichenbrot. Trotz Verbots hatte ein Bäckermeister und Bierwirt in Pegnitz (Obf.) für einen sogen. Leicheutrunk ein Quantum reines Weizenbrot gebacken. Als aber die Trauergesellschaft zum Schmaus beisammensatz und einige der delikaten Weißbrotlaibe schon angeschnitten waren, erschien ein Beauftragter des Bezirksamtes und beschlagnahmte sämtliches Leichenbrot. Die Gesichter der „Festgüste" wurden öarob sehr lang. Einige aber hatten vorgebant: sie zogen das vorsichtshalber mitgebrachte Schwarzbrot hervor und der Leichenschmaus konnte seinen Fortgang nehmen, wird aber für den Bäcker noch ein unangenehmes Nachspiel zeitigen.
Der erste Soztaldemokrat im Berliner Magistrat. Die Berliner StaütverordnetenversammlMg wählte den sozialdemokratischen Stadtverordneten Sassenbach mit 85 Stimmen zum unbesoldeten Stadtrat von Berlin. Sassenbach ist der erste Soztaldemokrat, der in den Berliner Magistrat einzieht.
Leuische Wenlafel.
. Der Sergeant Albert S ch a e f e r aus Bodenwerder, Kreis Hameln, von der 5. Batterie des 3. Lothringischen Feldartillerie-Regiments Nr. 69 hat sich durch setbstän- diges Handeln bei einer kritischen Gelegenheit ganz besonders hervorgetan. Am 7. September gegen 5 Uhr nachmittags war die 5. Batterie südwestlich von . . . . etwa 2 Kilometer nördlich des Dorfes.... in eine verdeckte Stellung gegangen, die noch vor der vordersten eigenen Schützenlinie lag, und hatten von hier aus das Feuer eröffnet. Als der Batterie - Chef, Hauptmann Donner, von seiner bei der Batterie aufgebauten Beobachtungsleiter aus nicht mehr genügenden Ucberblick hatte, eilte er mit seinen Begleitern, dabei Sergeant Schaeser, auf die vorliegende Höhe und sah sich hier feindlicher Infanterie gegenüber, die ihn und die Batterie sofort heftig beschoß. Als Hauptmann Donner bei den ersten Schüssen tödlich getroffen fiel, übernahm ohne jedes Zögern Sergeant Schäfer das Kommando über die Batterie, gab, ohne Rücksicht auf das feindliche Schützenfeuer aufrecht stehend, mit ausgebreiteten Armen den Geschützen die allgemeine Richtung an, eröffnete mit Schrapnell-Brennzünder anf 400 Meter das Feuer auf die feindliche Infanterie und wehrte durch äußerst wirkungsvolles Schnellfeuer deren Angriff in kürzester Zeit ab. Für die dabei bewiesene hervorragende Tapferkeit, Umsicht und Entschlossenheit wurde Sergeant Schaeser zum Vizewachtmeister befördert und durch Verleihung des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet.
Am 22. Dezember erhielten folgende Pioniere der 4 Kompagnie des Pionier-Regiments Nr. 29 Gelegenheit zur Auszeichnung: Unteroffizier Steinke aus Stobnitza, Kreis Obornik, Pionier Laurinat aus Lompönen, Kreis Tilsit, Pionier K w i a t k o w s k i aus Koschmin, Kreis Tilsit, Pionier Dehmel aus Ober- Gröditz, Kreis Goldberg, und Pionier Mariens aus Ottendorf, Kreis Bremervörde. Sie hatten den Befehl, gegen drei am Äusaang einer Ortschaft befindliche von Franzosen besetzte Gebäude mit Handgranaten vorzu- aebeu. Sie besetzten darauf einen hinter den Häusern
| gelegenen Skerlyang uno warfen vorerst fünf yanogrcv naten. Die Folge hiervon war zunächst, daß die feind^ liche Artillerie den Ortsausgang stark unter Feuer nahm, doch unsere Pioniere blieben während der 50 bis 60 Schuß, die zum Teil unmittelbar vor ihnen einschlu- gen, unerschrocken auf ihrem Platze. Als der Unteroffizier Steinke merkte, daß die Gebäude stark besetzt waren, holte er zwei Gruppen Infanterie zur Verstärkung heran, warf hierauf noch drei Handgranaten und ging mit den oben genannten Pionieren zum Sturm auf die Gebäude vor. Aus den hinter den Häusern befindlichen feindlichen Stellungen fielen darauf vereinzelte Schüsse. Während die beiden Gruppen Infanterie das Feuer erwiderten, machte sich der Pioniertrupp daran, die Häuser zu durchsuchen. Als der Trupp vor dem Tore einer Scheune erschien, rief man ihnen von innen auf Deutsch zu: „Nicht schießen, eigene Leute!" Die Pioniere forderten die in der Scheune versteckten Leute auf, herauszukommen, und als diese der Aufforderung nicht Folge leisteten, rissen sie die Torflügel auf und sahen, daß es, wie vermutet, Franzosen waren, welche die Deutschen zu täuschen versucht hatten. Im gleichen Augenblick wurde Unteroffizier Steinke durch einen Schuß in den Oberschenkel verwundet, blieb aber trotzdem auf seinem Posten. Als die Franzosen auszureißen versuchten, sprang er und Pionier Laurinat ihnen nach und machte mit Hilfe von drei anderen Pionieren nicht weniger wie 20 ünverwundete Franzosen gefangen.
Die nachstehend geschilderte Tat des Pioniers Mathias G re v e n von der in Wesel aufgestellten 1. Land- sturm-Pionier-Kompagnie des VI. Armeekorps gibt einen neuen Beweis der Geistesgegenwart, die unsere Leute im gegenwärtigen Stellungskriege auszeichnet. Der genannte Ptonier, aus Warum, Verwaltungsbezirk Geldern, gebürtig, stand am 21. Januar im Schützengraben neben einem Jnfanterieposten, als eine vom Feinde abgefeuerte Wurfmine dicht vor seinen Füßen niederschlug. Kurz entschlossen ergriff er die Mine und warf sie über die Brustwehr, wo sie, kaum niedergefallen, krepierte. Durch diese Tat rettete Greven einem Offizier, seinem Kameraden und sich selbst das Leben. In Anerkennung seiner hervorragenden Geistesgegenwart und Tapferkeit hat er das Eiserne Kreuz erhalten. Die durch den gegenwärtigen Stellungskrieg be- dingte Kampfesweise stellt an die persönliche Tapferkeit und Entschlossenheit unserer in unmittelbarer Nähe des Feindes in Schützengräben liegenden Mannschaften hohe Anforderungen. Bei einer Sappenarbeit im Dezember hatten die Musketiere Junker aus Bremen, Kreis Soest, und Bettmann aus Flörsheim, Kreis Wies- baden, von der 5. Kompagnie des Rheinischen Infanterie-Regiments Nr. 30 besondere Gelegenheit, sich durch Geistesgegenwart auszuzeichnen. Die Stellungen der Kompagnie waren durch vorgeschobene Sappen bis auf etwa 12 Meter an die feindlichen herangetrieben. Die Franzosen versuchten, die Arbeit unserer Leute durch heftiges Werfen von Handgranaten zu stören, was von ihnen in der gleichen Weile erwidert wurde. Als bei diesem Kampfe zwei französische Handgranaten in die Sappe flogen und nicht gleich explodierten, nahmen die Musketiere Junker und Bettmann die beiden Granaten schnell auf und warfen sie mit brennender Lunte zurück. Die von Junker aufgenommene Granate platzte leider etwas zu früh und verwundete den tapfern Mann ziemlich schwer. Durch das unerschrockene Zufassen aber wurde großes Unheil für die übrigen in der Sappe befindlichen Leute verhütet. Beide Leute erhielten für ihr heldenmütiges Eingreifen das Eiserne Kreuz.
Durch Kaltblütigkeit und Unerschrockenheit rettete der Gefreite Wohlfahrt aus Walldorf, Kreis Groß- Gerau, von der 10. Kompagnie des Leibgarde-Infanterieregiments (1. Großherzgl. Hess.) Nr. 115 seinem Kom- pagniechef das Leben. In der Schlacht bei Neuschateau am 22. August befand sich das Regiment in heftigem Waldkampf. Wohlfahrt sah hierbei, wie ein französischer Unteroffizier, der sich tot gestellt hatte, plötzlich von hinten auf den vorstürmenden Kompagniechef anlegte. Sofort Wie er diesem zu: „Rechts Marsch Marsch, Herr Hauptmann!" Der Hauptmann sprang nach rechts und die Kngel ging dicht an ihm vorbei. Ehe der Franzose erneut feuern konnte, hatte Wohlfahrt ihm mit dem Kolben den Schädel eingeschlagen. Die Beförderung M>n Unteroffizier und die Verleihung des Eisernen Kreuzes waren der Lohn für seine Unerschrockenheit.
Weitere Drahtnachrichten.
Meldung des türkischen Hauptquartiers.
^ Konstantinopel, 18. März. (WTB.) Das Hauptquartier meldet: Heute vormittag 11^ Uhr eröffneten vierzehn feindliche Panzerschiffe das Feuer gegen die Dardanellenbatterien. Um 3 Uhr nachmittags zog sich ein Teil der Panzerschiffe aus unserem Feuer zurück. Acht Panzerschiffe setzten das Bombardement bis um 5 Uhr in sehr großen Zwischenräumen fort. Außer dem französischen Kreuzer „Vonvet" wurde ein feindliches Torpedoboot zum Sinken gebracht. Ein feindlicher Panzer vom „Jrresistible"-Typ wurde kampfnnfähia gemacht, ein anderer vom „Cvrnwallis"-Typ beschädig und gezwungen, sich aus der Kampflinie zurückzuziehen.
Die Türken in Korna eingezogen.
^ Konstantinopel, 18. März. (WTB.) Privatmel- dungen aus Bagdad zufolge zogen die türkische» Truppen nach Verfolgung des Feindes in Korua ein. Die Engländer, die sich in die Stadt geflüchtet hatten, zogen sich dann gegen Süden zurück Im Laufe des Kampfes, der sich in der Stadt entspann, schössen die Engländer von Panik. ergriffen gegeneinander. Auf türkischer Seite war kein Verlust.
Serbiens Ruin.
^ Petersburg, 18. März. (WTB.) Nach dem „Njetsch" sind die wirtschaftlichen Verhältnisse Serbiens durch den Krieg völlig vernichtet. Die frühere Aus- und Einfuhr im Werte von 200 Millionen Franken habe gänzlich durch den Krieg aufgehört. Es herrsche große Not an Mehl.
Eine Finanzrede Ribots.
w* Paris, 19. März. (WTB.i Die Kammer nahm in ihrer gestrigen Sitzung die Erhöhung des Ausgabe- betrages der Staatsschatzichciue ans 415 Milliarden an Finanzmiwster Ribot erklärte, der Staatsschatz fei sicher, alle Schwierigleiten zu überwinden. Er stellte mit Befriedigung fest, daß die Geschäfte wieder anziehen und das Stenererträgnis zunehme. Man könne am Tage des Friedens die Entwickelung des Reichtums erwarten, welches Frankreich gestatte, aller Schwierig ketten Herr zu werden. Ribot schloß: Er sage der Publikum die volle Wahrheit und habe nicht nötig, Lage und die Ausgabe von Papiergeld zu verschleier Darauf nahm die Kammer einen Antrag betreffe! Vorschüsfe au Verbündete und befreundete Länder c wobei Ribot erklärte, Belgien und Serbien seien einzigen Länder, denen Frankreich Vorschüsse gewä