bloß auf Einspruch beschränken, der bei der notorischen Mißachtung der Neutralität durch England wenig nützen dürfte.
Die Anarchie in Portugal.
^ Madrid, 18. März. (T.-U.) In Lissabon wurde eine weitverzweigte Verschwörung gegen das Leben des Diktators General Castro entdeckt, deren hauptsächlichste Rädelsführer verhaftet werden konnten. Sie standen unmittelbar vor der Ausführung ihres Anschlags. Nach Berichten von Reisenden gleicht Lissabon jetzt einer toten Stadt. Aus Furcht vor einer plötzlichen Revolte haben alle Banken und größeren Finanzinstitute ihre Pforten geschlossen. Der Eisenbahnverkehr wird mit gewisser Regelmäßigkeit nur noch auf der Hauptverkehrsader nach Spanien, Lissabon-Madrid aufrecht erhalten. Fast alle Ausländer, die nicht dringend Geschäfte in Lissabon zurückhalten, haben das Land verlassen. Bezeichnenderweise haben sogar die meisten Mitglieder des diplomatischen Korps in Lissabon ihre Familien nach Spanien in Sicherheit gebracht. Die monarchistische Bewegung einzige, der hinreichende Geldmittel zur Verfügung ste- verfügt wieder über sehr viel Anhänger, sie ist auch die Hen.
KriegsaNerlei.
- Zeichnungen Deutsch-Amerikaner auf die Kriegsanleihe.
Amsterdam, 18. März. (T. U.) Wie der „Stan- öard" aus Neuyork meldet, sind nach dem „B. T." von den Deutschen in Amerika bis jetzt 15 Millionen Dollar auf die zweite Kriegsanleihe gezeichnet worden.
Der Kapitän des „Eitel Friedrich" bei einem amerikanischen Stapellauf.
Eine Wolff-Meldung aus Newport News (Virginia) besagt: Der amerikanische Dreadnought „Penn- sylvania" wurde heute vom Stapel gelassen. Marine- sekretär Daniels hielt die Festrede. Der Kapitän des deutschen Hilfskreuzers „Prinz Eitel Friedrich" wohnte der Feier in großer Uniform bei.
Deutsche Beamtenfranen als Geiseln verschleppt.
Die „Baseler Nachrichten" melden: Die Franzosen führen in den von ihnen besetzten Gebieten neuerdings Personen als Geiseln weg. Hauptsächlich sind Beamtenfrauen die Opfer dieses Vorgehens. Es handelt sich nicht etwa um Leute, die in gefährdeten Zonen des Kalnpfgebtetes wohnen. In der letzten Woche des Februar schleppte man aus dem hinteren Seile des Ama- rintales und des Maaß-Münster-Tales eine Anzahl von Beamtenfrauen als Geiseln nach Besancon in Gefangenschaft.
Politische Rundschau.
Ein mexikanischer General mit seinem gesamten Stab hingerichtet. General Mateo Almanza, ein Anhänger Carranzas, und sein gesamter Stab, wurde durch ein Kriegsgericht wegen Verrates verurteilt und hingerichtet.
Die Budgetkommission des Reichstags beriet am Mittwoch einige Resolutionen, in denen eine Abände- »der bestehenden Mannschaftsversorgungs- und är-Hinterbliebenen-Gesetze gefordert wird. Vollkommene Einmütigkeit herrschte in der Kommission darüber, daß diese Gesetze unbedingt verbesserungsbedürf- tig seien. Auch seitens des Kriegsministeriums wurde zum Ausdruck gebracht, daß es eine vornehme und heilige Pflicht des Reiches wäre, für die Kriegsinvaliden und die Hinterbliebenen der Gefallenen so weitgehend zu sorgen, als es irgend möglich sei.
Set ttiiMaile grleasiolöaf.
Aus Tberesienstadt tn Böhmen wird dem „Präger Tagblatt" berichtet: Beim Ersatzkader des hiesigen Jmanwrie- Regimentes erschien dieser Tage ein bayerischer Infanterist ein blutjunges Bürschchen, schlug die Hacken zusammen und trug, ehe noch trer von dem seltenen Besuche etwas überraschte Kanzleivorstand Zeit gesunden hatte, dem Bundesgenossen seine Aufmerksamkeit zu zeigen, in kurzen Worten die Bitte vor, in den österreichischen Heeresverband ausgenommen und möglichst bald mit dem nächsten Transportzuge an die Front geschickt zu werden. Es war gerade Rapportstunde und in der wenig geräumigen Kanzler drängte sich Kops an Kopf, Soldaten allcrE hargengrade und Zior- listen, die die unterschiedlichsten Angelegenheiten hierher befohlen hatten. Stand auch mehr als einer darunter, dem das Herz pochen mochte vor Erwartung ... in Kriegszeiten können auch in Kaderkanzleien Schicksale entschieden werden. Aber das stramme feldgraue Kerlchen, das da so dreinhauerisch auftrat, hatte es im Nu fertigge- bracht, daß das eigene Ich in jedem schwieg. Mäuschenstille war eingetreten, als der Bayer in ein paar Sorten seine Geschichte erzählte: War von den ersten Wochen an freiwillig dabei gewesen. Armschutz in den belgischen Kämpfen, am fünften Tage dem Lazarett entlaufen und zur Front zurück, irgendwo in Frankreich zweite Schutzverletzung, rechter Arm lange Wochen unbrauchbar. Dann den Vater gerächt, der als Landsturmmann in den Vogesen gefallen, bis um Weihnachten herum bei Lrlle ein tiefer Bajonettstich in den Oberschenkel dem Heldentum des Jungen Zein Ziel gesetzt hatte. Als invalid aus dem deutschen Heere entlassen, wollte er nun die Uniform tauschen und in österreichisch-ungarischen Diensten weiterkämpfen. Er habe nie» manden mehr — so setzie er schlicht hinzu — für den sein Leben Wert hätte, seine einzige Schwester ser versorgt, ertrage das stille Leben nicht mehr, er müsse w§ Feld zurück. . . . Als ihm der Kaderoffizier die Unmöglichkeit seines Vorhabens vorstellte, bat er ganz verzweifelt, sich doch davon zu überzeugen, baß er durchaus nicht invalid sei, datz sich der Stabsarzt, der ihn heungeschickt hätte, nur geirrt haben müsse und datz er gerne alles eroulden und ertragen wolle, wenn er nur wieder ferndeswärts marschieren dürfe. Bis hierher hatten ihm die rn der Kanzlei Versammelten teilnahmsvoll, die jungen österreichischen Waffenbrüder unter ihnen begeistert, zugehort — als aber der Deutsche noch einen letzten Trumpf aussprelte und versicherte, er werde, wenn man ihn aufnehme, trachten, noch weitere Leidensgefährten aus Oberfranken dem österreichischen Grenadierregimente von Theresienstadt zuzn;Uhren, da ging doch ein höchst ungehöriges Schmunzeln durch den heiligen Raum. Aber auch dieser ganz köstliche Bestechungsversuch konnte an den eisernen Gesetzen mchtv andern — der kleine Feldgraue mußte unverrichteter Dinge wieder tn seine Heimat zurück. Ob er wohl seinen Plan sich nunmehr dem Sultan zur Verfügung zu stellen, ausfuhren wird?.
Sie Wirkung der Geschosse.
und die Tätigkeit der Wundärzte im Kriege behandelte, wie amerikanische Blätter berichten, der aus Frankreich heimgekehrte Columbia-Professor Walton Martin in einem interessanten Vertrag. Prosestor Martin war in
Paris an dem dortigen amerikanischen Hospital tätig gewesen. Er schilderte drei Fälle Verwundungen: durch Schrapnell, durch Kugel und durch Bajonett. Die gefährliche Eigentümlichkeit der Schrapnellwunöe ist, wie der Professor sagt, die, daß die Wunde fast immer infiziert wird. In vielen Fällen wurden Uniformfetzen, kleine Stücke Holz intb sogar Steinchen aus den Wunden herausgeholt. Das Schrapnellgeschotz zerplatzt bekanntlich, unb die Schrapnellstücke reißen vom Boden Erde in die Wunde hinein. Sowohl beim Eintritt wie beim Austritt verursacht das Schrapnell eine große Wunde. Der Professor hatte 82 Schrapnellfälle in seiner Abtei- lung, und fast alle waren infiziert. Von zwanzig durch Gewehrkugeln verwundete Franzosen hatten vier durchaus insektionsfreie Wunden, während bei den übrigen eine leichte Zündung vorhanden war. Nur einen einzigen Fall von Bajonettverwunöung hatte der amerikanische Chirurg. Diese Tatsache habe ihn an der Wahrheit der vielen Zeitungsberichte über Bajonettangriffe und Bajonettstürme zweifeln lassen. (!) Der gefährlichste Bajonettstich sei der in den Unterleib: Soldaten, die auf solche Weise verwundet seien, kämen nur in ganz vereinzelten Fällen mit dem Leben davon. Nach den von ihm in den englischen und französischen Schützengräben gesammelten Erfahrungen seien die meisten der in den Gräben mit dem Bajonett verwundeten Krieger dem Tode verfallen.
Was die Verluste der Franzosen in dem jetzigen Kriege so groß mache, sei der Umstand, daß die Fortschaffung der Verwundeten aus den Verschanzungen nur während der Nacht möglich sei. Ein am frühen Morgen verwundeter Soldat müsse also acht bis zehn Stunden im Graben liegen, bevor an ärztliche Pflege gedacht werden könne. Dieser Umstand mache die Errichtung eines großen Hospitals dicht hinter der Front durchaus notwendig, denn nur wenige der Verwundeten, können einen langen Transport aushalten. Die französischen Verwundeten seien derartig erschöpft gewesen, daß sie nach ihrer Einlieferung ins Hospital meist 24 Stunden hintereinander einen todähnlichen Schlaf schliefen. Die Sterberate unter den französischen Verwundeten betrage 7 bis 10 v. H., sie sei also weit höher als die Sterberate im Balkan- und im Rusfisch- ^Am^Schlüsse^eines Vortrages erzählte der Professor ein paar Geschichten. In seinem Hospital befanden sich sechs Turkos. Die Leute waren auf beut Wege der Besserung und sollten nach einem Genesungsheim geschafft werden. Unterwegs sprangen sie aber auf ein Auto und fuhren schnurstracks nach dem amerikanischen Hospital zurück. Sie seien im Hospital viel zu gut behandelt worden, sagten sie, als daß sie sich einfach in ein Genesungsheim stecken ließen. . . Ein verwundeter Araber weigerten sich tagelang, Nahrung zu sich zu nehmen. Nach dem Grunde seines Fastens gefragt, antwortete er schließlich, er habe seine Frau und seine Kinder in Tunis zurückgelassen und habe erfahren, daß die Franzosen die Aermsten hungern ließen, während er im Kugelregen standgehalten habe. Wie solle er wohl essen können, wenn seine Familie hungern müsse! . . .
Vermischtes.
Zwei Hundertdreijährige. Der Ehrenmeister der Berliner Schlosserinnung, Wilhelm Fritsch, der älteste Bürger Berlins, feierte vor einigen Tagen seinen 103. Geburtstag. Am Sonnabend nachmittag ist der älteste Einwohner von Stadt Mülsen-St. Niklas, der älteste Soldat und zugleich der älteste Schütze Sachsens, Straaß, im Alter von 103 Jahren gestorben.
Berlins Kriegsfürsorge. Eine Magistratsvorlage gibt ein Bild von den bisherigen Kriegsmaßnahmen der Stadt Berlin. Bis Ende vorigen Monats war die Zahl der unterstützren Kriegerfamilien auf über 90 000 gestiegen. Neben den für das Reich verauslagten 8,7 Millionen Mark wurden von Berlin an Zuschlägen an diese Familien 8,6 Millionen Mark gezahlt. Dazu kommen 40 000 Mark Beihilfen an don österreichisch-ungarischen Hilfsverein. Die Familien der städtischen Beamten und Angestellten erhalten besondere Zuschüsse. Für die Ausrüstung von Berliner Schanzarbeiten wurden 177 000 Mark verausgabt. Der Zentralverein für Arbeitsnachweis erhielt eine Beihilfe von 185 000 Mark. An Mietunterstützungen wurden mit Hilfe der Miet- einigungsämter allein.im Februar 663 000 Mark bewilligt. 400 000 Mark wurden bis Ende Dezember 1914 für die Speisung bedürftiger Schulkinder verausgabt, und vor wenigen Tagen weitere 350 000 Mark bewilligt. Dem Roten Kreuz wurden monatlich 12 000 Mark gezahlt, dem Nationalen Frauendienst bisher 275 000 Mark, allmonatlich erhält er weitere 15 000 Mark. Außerdem sind ihm 163 000 Mark aus sogenannten Sup- penfonds für Speisemarken und 13 500 Mark Sammel- fonds zur Verfügung gestellt worden und fo fort. Ein Ein besonderes Kapitel nimmt die Nahrungsmittelfürsorge ein. Rund 17 K Millionen Mark waren erforderlich für die Beschaffung von Mehl, Getreide, Hülsen- früchten, Kartoffeln, Fleisch, Vieh, Speck, Schmalz, Heringen, Klipp- und anderen Seefischen. Für die Beschaffung von Dauerfleischwaren dürften sogar 30 Millionen Mark bereitgestellt werden müssen: denn es sollen rund 80 000 Schweine konserviert werden, obgleich Berlin schon für 5 Millionen Mark Konserven und Wurstwaren besitzt. Allein die Aufbewahrung und Verarbeitung dieser Dauerware wird annähernd 600 000 Mark Kosten verursachen.
Die Zeitung im Felde. Was das einförmige Leben im Schützengraben und in der Verteidigungsstellung erträglicher macht und mit Gleichmut durchhalten läßt, ist die regelmäßige Verbindung mit der Außenwelt unb mit der Heimat. Die Angehörigen brauchen nicht 31t schreiben, was sich anderswo oder zu Hause Wichtiges ereignet hat: die Zeitung vereinfacht und erleichtert den Briefverkebr und den zu einem gleichmütigen Leben notwendigen Gedankenaustausch. Fügen wir noch den rein stofflichen Wert der Zeitung als Papier hinzu, das gerade jetzt draußen im Felde kaum geahnte Verwendungsmöglichkeiten besitzt, so sieht man leicht ein, welchen Segen die sonst oft so arg verlästerte Zeitung stiftet. Wir beziehen einen neuen Graben. Die Unter- stünde sind feucht: Stroh ist nicht da. Flink die Zeitung aus der Tasche, auf den Boden gebreitet, darüber die Zeltbahn oder Decke unb die trockene Unterlage ist fertig. Regen und Schnee dringen mit ihrer Nässe durch die Stiefel und Strümpfe: die Füße sind nicht warm zu bekommen, allgemeines körperliches Unbehagen. Stiefel runter, Papier um die Füße gewickelt und wieder rin in die Langschäfter Bald verbreitet sich behagliche Wärme in den eisigen Gliedern. Schlüpft man bei schlechtem Wetter in den Unterstand, so scheut man sich, die Decke über die schmutzigen Stiefel zu schlagen. Es ist sonst nichts da zum Reinigen.. Aber Papier hilft wieder. Man wischt damit die Dickledernen ab und kann sie obendrein noch darein wickeln. Werden Etz- waren, Käse und Butter empfangen, so wußte man oft im Augenblick nicht, wohin damit, wenn man nicht ein Stück Papier eingesteckt.hätte. Viele haben sich gutes
mehrfach gelegtes Zeitungspapier in das Futter des Rockes genäht und in die Hose um die Knie: das wärmt nicht nur und ersetzt dicke, lästige Wolljacken, sondern schützt auch vor Nässe und Feuchtigkeit: ebenso erhält der Helm und die Mütze eine Papiereinlage, und Schnupfen und Erkältung bleiben fern. Da wundert sich wohl keiner mehr, wenn unsere Braven im Felde so gierig nach Zeitungen sind.
Stfineriefsmpf und Fesselballon').
Von Privatdozent Dr. Albert Wigand, Halle a. d. S.
Ganz von fernher über die Höhen kam der Geschützdonner, als unser Luftschiffertrupp das schöne Vogesental hinaufzog Ein heißes Ringen hatte das Tal gesehen vor wenigen Tagen, bis endlich die letzten Franzosen gewichen waren. Zerschossene, geborstene Häuser, Brandruinen, kleine Holzkreuzlein am Wegrand und auf den Hängen, das waren die Spuren.
Als die letzte Dämmerung versank, tag das deutsche Grenzstädtchen hinter unserer Marschkolonne. Wir schauten von der Paßhöhe hinab in die wundervollen Täler und Wälder der französischen Vogesen, bte uns im bleichen Vollmondschein erwarteten. Ernst, fast stumm betraten wir des Feindes Land. Aber es saß doch tief im Herzen eine unbändige, Freude, daß wir endlich vor an die Front kamen. Ein Biwak am Lagerfeuer beschloß diesen Tag.
Im ersten Morgengrauen wurde geschirrt und gesattelt/ und oann giug's das Tal hinab nach Südwesten. Immer näher kamen wir beut Geschützdonner. Seit zwei Wochen stand hier der Kampf. Einen Fuß breit vor,, einen Fuß breit zurück, keine Entscheidung, vielleicht ein ganz langsames Zurückweichen der Franzosen. Unsere Soldaten, besonders die Infanterie, mußten ihr äußerstes an Ausdauer hergeben; in ihren vordersten Stellungen waren die Opfer groß, die Verpflegung schwierig. Tag und Nacht ununterbrochen dauerte die Spannung; keine Quartiere/ immer in den Schützengräben. Die bayrische und Frankfurter Landweyrinfanterie wurde in den aufreibenden Waldgefechten schwer mitgenommen.
Gegen Mittag halten wir bei den Stellungen einiger deutscher Batterien der schweren Artillerie und empfangen unsere Befehle Der Kampf ist voll im Gang. Feindliche Schrapnelle schlagen vorne in 1—2 Kilometer Entfernung em. Unsere Geschütze — Batterien der Feldartillerie, Hau- bitzbatterien und eine schwere Batterie langer 10-Ctm.- Kanonen — speien unaufhörlich ihr Feuer über einen breiten Höhenrücken hinweg, an dessen Fuß sie eingebaut sind Aber der Erfolg war gering bisher. Der Feind kennt se:^ eigenes Land gut und hat für seine Batterien zwei Stellungen, die wegen des gebirgigen Geländes von den Ar< tilleriebeobachtLern nicht genau aufzufiuden und kaum mit Erfolg zu beschießen sind; die eine Stellung in einem undurchdringlichen Bergwald nach Süden zu, die andere im Südwesten hinter einem Höhenzug, mit Beton sicher im Felsen eingelassen. Die besten französischen Schützen Alpenjäger, sichern zudem noch die Stellungen nach vorne
Un;er Fesselballon, ein Drachenballon des Systems Par- seval-Siegsfeld, bekommt seinen Aufstiegplatz angewiesen und steht eine Stunde später mit dem Beobachter in der Luft. Er hat zunächst die Aufgabe, die feindlichen Batterce- siellungen zn erkunden, sodann das Einschießen der eigenen Batterien auf das Ziel zu beobachten und zu unterstützen, schließlich auch die Bewegung feindlicher und eigener Truppen zu überwachen. Die Leitung des Einschreßens einer Batterie auf das vorgenommene Ziel ist eine Auf-, gäbe, die bei einigermaßen klarem und windschwachem Wetter mit keinem Luftfahrzeug so gut gelöst werden kann tote mit dem Fesselballon, da er länger dauernde Beobachtungen von derselben Stelle aus niögüd) macht und mit Hilfe direkter Telephonverbindung eine schnelle Korrektur der einzelnen Schüsse zuläßt.
Der Feind beginnt sofort, nadjbem der Ballon in der Luft sichtbar geworden ist, mit Schrapnellen nach ihm zu schießen, zielt zwar in der Richtung gut, trifft aber zu kurz. Der Ballon und der Aufstiegplatz sind also nicht besonders gefährdet. Dagegen schlagen bte Schrapuellkngeln ganz in der Nähe unserer schweren Batterie ein, hinter der wir 1000 Meter entfernt ausgestellt sind. Der Aufstiegplatz muß daher mehrmals gewechselt iverden. 'Nachdem der gefüllte Ballon unter einer Telegraphen- und einer Hochspannungsleitung durchgezogen worden ist, haben >vir schließlich am folgenden Tage 2 Kilometer seitlich hinter her schweren Batterie einen Ort mit hinreichender Gelände- übeisicht und ohne Einspruch des Batterieführers erreicht.
Es gilt zunächst die Bekämpfnng der Waldbatterien. Durch Vorerkundung ist die ungefähre Lage einer Batterie festgestellt worden. Die Luft ist sichtig und die Beleuchtung günstig. Der Ballonbeobachter findet aus 400 Meter Höhe init Gelbscheibe und Prismenglas leicht die vom Erdboden aus nicht sichtbare Höhe .... in 8 Kilometer Entfernung und bemerkt, wie am Waldrand auf bem Westabhang des Hügels zweiliiat kurz hintereinander das Mündungsfeuer von Geschützen aufblibt. Dort ist also genau das Ziel. Nach Meldung zur Batterie werden die vier langen Kanonen gerichtet, und auf eine orientierende Rollsalve von L>chrap- nellen folgen einzelne Granatschüsse. Der Beobachter erkennt den Einschlagspunkt jeder Granate an dem auf gewirbelten Staub und gibt seine Meldung sofort telephonisch zur Batterie. Un en aus dem Geschütz ein Feuerstrahl, dann der Kanonenschlag, ein dumpfsansendes Pfeifen, der Staubwirbel und nach 24 Seknnden der Knall der beim Aufschlag platzenden Granate.
Die ersten Treffpunkte liegen alle zu weit rechts. Nach fünf einzelnen Schüssen stimmt die Entfernung. Zwei Rollsalven müssen dann hinter dem Ziel im Wald auf dem rückseitigen Abhang des Hügels eingeschlagen haben, da ihre Wirkung nicht zu sehen ist. Nach bret weiteren Salven sitzen die Granaten im Ziel, und dann beginnt eine furchtbare Kanonade, so daß die ganze Höhe nur uoch eine große graue Rauch- und Staubwolke ist. Diese Waldbatterie ist zugedeckt, verstummt.
*) Entnommen aus dem neuesten Heft der „Illustrierten Geschichte des Weltkrieges 1914/15" (Verlag Union Deutsche Verlagsgesellschaft, Stuttgart, Berlin, Leipzig, Wie i). Prers jedes reich illustrierten, mindestens 20 Seiten umsastenden Heftes 25 Pfennig.
Weitere Drahtnachrichten.
Von U-Boote» verfolgt.
$^ Amsterdam, 18. März. (WTB.) Aus Hoek van Holland wird gemeldet, daß die britischen Dampfer „Avicat" und „Lestrie" von der Cork Steamship Co. von einem deutschen Unterseeboot verfolgt wurden, das die Verfolgung in den holländischen Territorialgewässern eiustellte. Der britische Dampfer „Leeuwarden" auf der Fahrt von London nach Harlingen, wurde vier Meilen südöstlich des Maas-Leuchtschiffes von einem deutschen Unterseeboot torpediert. Die 17 Mann starte Besatzung des Dampfers wurde durch ein Lotsenboot nach Hoek van Holland gebracht.
Die „Frkf. Ztg." meldet aus London: Die Admiralität gibt bekannt, daß auch der Dampfer „Floranzan", dessen Torpedierung seinerzeit gemeldet wurde, gesunken ist.