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£ Aus dem große» Hauptquartier ’

x Großes HSUptquartier, 17. März 1915. (Amtl.

WTB.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Der Kampf um die Bergnase am Südabhange der

Lorettohöhe nordöstlich von Arras wurde zu unseren Gunsten entschieden.

In der Champagne westlich von Berthes und nörd­lich von Lemesnil griffen die Franzosen tagsüber mehrmals erfolglos an. Am Abend setzten sie nördlich von Lemesnil zu neuen Angriffen mit stärkeren Kräf­ten an. Der Kampf ist noch im Gange.

In den Argonnen sind die Gefechte noch nicht been­det. Vom Hange südwestlich von Vaugnois östlich der Argonnen würden die Franzosen, die sich dort vor­übergehend eingenistet hatten, heruntergeworfen.

Im Priesterwalde nordwestlich von Pont a Mo«s- son scheiterten zwei französische Angriffe.

In den Vogesen fand nur Artilleriekampf statt.

Oestlicher Kriegsschauplatz.

Die schwachen russischen Vorstöße auf Tauroggen und Laugszargen wurden abgewiesen. Zwischen Szkwa und Orzyc wurden russische Durchbruchsver- snche zurückgeschlage».

Südlich der Weichsel hat sich nichts verändert.

Oberste Heeresleitung.

Der deutsche Sturm auf St. Eloi.

»^ Kopenhagen, 18. März. (T. U.) Ueber die Kämpfe bei St. Eloi schreibt nach dem „B. L.-A." das „Echo de Paris": Die Deutschen griffen Sonntag «acht nach Heranziehung von Verstärkungen das von den Engländern besetzte St. Eloi an. Der Angriff war furchtbar. Wie rasend stürmten die Deutschen vor und zwangen die britischen Truppen, wenn sie nicht um­zingelt werden wollten, St. Eloi anfzngeben.

Neutrale Urteile znr Kriegslage.

Der militärische Mitarbeiter der „Basler Nach­richten" kritisiert die Planlosigkeit in den Operationen unserer Gegner, die ja übrigens auch von ihnen selber schon seit langem empfunden ist. Während auf der Seite der Zentralmächte ein verständnisvolles Zusam­menarbeiten von Ost und West, Deutschland und Oester­reich, stattfinöet, fehlt bei den Ententemächten anfchei- nend eine einheitliche Leitung! Dazu kommt noch der Umstand, daß dort, wahrscheinlich mehr als zuträglich ist, in einzelnen Ländern Politiker Einfluß auf die Operationen haben." Laut „Köln. Ztg." bespricht die Mailänder „Jtalia" die militärische Lage Deutschlands als sehr günstig. Deutschland besitze heute noch genü­gend Reserven, um auf lange Zeit Hinaus die entstehen­den Lücken auszufüllen.

Vom österr.-ungar. Generalstab

Wie», 17. März. (WTB.) Amtlich wird verlaut- bart:

I« RussischsPoleu ««d West-Galizieu wurden auch gestern vereinzelte Angriffe des Feindes abgewiesen.

An der Karpathenfront keine wesentlichen Ereig­nisse. In der Gegend bei Wyszkow versuchte« feindliche

Abteilungen durch wiederholte Vorstöße während der Nacht die von unseren Truppe« genommene« Stell««- ge« zurückzugerviune«. Die Angriffe scheiterten durch­weg.

Südlich des Dnjestr wirb stellenweise gekämpft. Die

Situation hat sich nicht geändert. Ein Vorstoß feindlicher

Artillerie anf das Prnth-Ufer östlich Czernowitz wurde in unserem Feuer bald zum Scheitern gebracht.

Der Stellvertreter des Chefs des Geueralstabes: v. H o e f e r, Feldmarschalleutnant.

Die Kämpfe in Polen.

Der militärische Sachverständige des „Nieuwe Rot- terdamsche Courant" schreibt nach der „Frkf. Ztg." über die deutschen Operationen im Osten: „Allgemein wird angenommen, daß Warschau das Endziel der Ope­rationen ist. Aber bevor dieses Endziel erreicht ist, kann

allein schon infolge des Vordringens anf dem nördlichen , Weichselufer gegenüber dem nördlichen Flügel der

Verstrickt.

Roman von A. von der Elbe.

71) (Nachdruck verboten.)

Sie dankte ihm aus Herzensgrund: „Und nur noch eines, Werner, ich muß Dir sagen, so bald ich Dich kannte und Dich liebte, wußte ich, daß jener — jener Abscheuliche — nie, nie meinem Herzen nahe gestanden hat. Es war eine kindische Spielerei, nichts weiter."

„Jetzt habe auch ich es als solche erkannt. Aber nun kein Wort mehr von dem allen."

Eine Stunde später traf Susanne ein, um die Schwester abzuholen. Sie war freudig überrascht, Werner Brüggen und Adele als verlobtes Paar vorzu- finden. „Mein Deelchen, mein Schwesterchen," rief sie, die glückliche Braut in ihre Arme schließend, „wie un­säglich freue ich mich mit Dir, und wie froh wird unser Vater sein, daß sein Lieblingswunsch nun doch noch in Erfüllung geht."

Adele stand bald zur Abfahrt bereit, sie dankte ihren Freunden übervollen Herzens für alle ihr erzeigte Güte und Teilnahme.

„Nicht dafür — nicht dafür, Fräulein Adelchen," sagte die Mutter freundlich, „ist ja alles gern geschehen."

Mienchen hing weinend am Halse der Freundin und flüsterte: „Gott sei Dank, daß Du glücklich wirst

^^ uuch Dein Leben zerstört hat."

mutu^ v^J^^V«, und es stiegen ihr Ver­mutungen über Minnas Kummer herauf über den sie f X Ä“ ^^ wenig nachgLcht hatte 1 ' Allein chon lächelte Mienchen unter Tränen

muß Dir ein gutes Zeugnis geben. Du hast rasch a5 lernt und könntest bald einen Taglohn verdienen schön daß Du es nicht brauchst." ' 1c9on'

»Ach ja, das freut mich auch, aber ganz gut wars daß ich mal fleißig sein mußte. Wenn ich mit Werner i

Front an der Bzura ein wichtiges Resultat erreicht wer­den. Man nimmt zwar an, daß die Russen Gegenmaß- regeln treffen werden. Da die Deutschen jedoch an der P i l i c a ihren Druck auf die russische Front vergrößert haben, so wird es nicht möglich sein, hier russische Streit­kräfte wegzunehmen. Wenn die Russen in der Tat einen Aufmarsch in der Richtung auf Warschau verhin­dern wollen, dann müssen sie hierfür die strategischen Reserven in Anspruch nehmen. Das wäre schon für die Deutschen ein Erfolg. Truppen festzuhalten und sie nach den nördlichen Operationsgebieten zu ziehen, ist ein Ereignis, das die russische Armeeleitung verhindert, sie zu anderen Zwecken zu benutzen,' möglicherweise sollten diese Truppen zu einer Landungsoperation gegen die europäische Türkei zur Verfügung gehalten werden. Inzwischen haben auch mehr nach dem Norden die deut­schen Heeresabteilungen beträchtliche Fortschritte ge­macht. Die russische Offensive bei A u g u st o w ist miß­glückt und endigte mit einem Rückzug auf Grodno. Ob­wohl der russische Bericht vom 13. März noch von einem Zurücktreiben des Feindes spricht, erkennt er doch an, daß die russischen Truppen sich in der Gegend von Lipsk d. h. westlich von Grodno am Bobr zurückgezogen haben, woraus folgt, daß sie sich aus der Gegend von Augustow zurückgezogen haben."

General Pans Aufgabe in Rußland.

Die Berliner „Nationalzeitung" berichtet von der russischen Grenze: Zuverlässige Petersburger Meldun­gen besagen, daß General Pau anscheinend vorüber­gehend in den Verband der russischen Heeresleitung ein­treten wird. General Pau wird dem Großen russischen Hauptquartier auch seine militärischen Erfahrungen. Sie er an der französischen Front mit der deutschen Taktik und Strategie gesammelt hat, verwenden, und den rus­sischen Oberkommandierenden eingehend über den Stand an der französischen Front unterrichten, um so ein mög­lichst enges Hanöinhnndarbeiten der beiden Fronten zu erzielen. In Petersburger militärischen Kreisen ver­spricht man sich von der Wirksamkeit des bekannten fran­zösischen Strategen sehr viel Gutes für den Offensivgeist der russischen Truppen.

Die Ueberlegenheit unserer U-Boote.

Der „B. L.-A." berichtet aus Genf: Rückhaltlos erkennen französische und englische Marineautoritäten an, daß „U. 29" als das weitaus vollkommenste aller deutschen Unterseeboote einzuschätzen sei. Es überbiete vielleicht an Schnelligkeit und Aktionsradius alle übri­gen deutschen Unterseeboote. Diesen Rekord dürften, so wird Hinzugefügt, Frankreich und England der deutschen Kriegsmarine nicht lange überlassen. Aber das sei ein schwacher Trost, denn für entsprechende Vervielfältigung jenes Modells hätten die Deutschen Werften fraglos rechtzeitig vorgesorgt.

Die Massenversenkung englischer Handelsschiffe durch „U 29" beschäftigt nach dem „B. T." die englische Presse aufs eingehendste, und die Blätter veröffentlichen lange Berichte über alle Einzelheiten, die ihnen von den Besatzungen der Schiffe mitgeteilt werden. „Daily Mail" bringt aus diesem Anlaß nicht weniger als vier photographische Aufnahme deutscher Unterseeboote auf See, davon zwei, die „U 29" bei der Arbeit zeigen. Au­ßerdem schreibt das Blatt: „U 29" hat feine Erfolge an Englands Zehe errungen, an dem großen Vorsprung zwischen Bristol und den englischen Kanälen. Es er­schien im Kanal am Donnerstag früh und griff ein Schiff um 7 Uhr an, ein anderes am Nachmittag am Kap Start Point und wahrscheinlich noch eins am Abend an der äußersten Spitze des Zehes gerade bei Lanösend. Es lag die ganze Nacht auf der Lauer und am Freitag morgen liefen ihm drei weitere Opfer ins Garn dicht bei den Scilly-Jnseln. Nur ein Schiff, die „Florazan", scheint ohne Warnung versenkt worden zu sein. Zu den Besatzungen der anderen Schiffe seien die „Piraten" höflich und mitteilsam gewesen. Der Kapitän offerierte den Engländern Zigarren und Wein und habe trockene Kleidungsstücke in eins der Boote geworfen für einen Seemann, der ins Wasser gefallen war. Außer diesen sechs Schiffen torpedierte „U 29" noch zwei andere am Sonnabend, eins an der Küste von Northumberland, und ein anderes bei South Rock im Frischen Kanal.

Aus den Einzelberichten der Blätter ist im übrigen noch hervorzuheben: Zum Kapitän des Cardiffer Dampfers „Adenwen" habe der Kommandant des Un­terseebootes gesagt, er wünsche, daß alle Seeleute des Dampfers gerettet würden, gab ihnen eine Kiste Zi­garren und fragte, ob sie etwas zu essen haben wollten. Die Rettungsboote mit der Besatzung habe das Unter­seeboot nach der Torpeöierung ins Schlepptau genom­men und nach der Küste hingeichleppt. Im ganzen wur­den am Freitag 95 Mann von drei Dampfern gelandet. Kein einziger Mann der Besatzung war nms Leben

in Berlin wohne, kommst Du oft zu uns, Herzens- Mienchen." Sie küßte die Freundin, dann schieden sie.

Auf dem Bahnhof erwartete Otto Ehlers die drei Reisenden. Er sprach dem Brautpaar seine Glück­wünsche aus, und es war ein vielsagender Blick und warmer Händedruck, den die beiden Männer aus- tauschten.

Bernhammer wollte mit seinen Töchtern auf den: Bahnhof Zoologischer Garten zusammentreffen und von da heimfahren. So benutzten die Schwestern mit Brüg­gen vom Schlesischen Bahnhof aus die Ringbahn und kamen bald am verabredeten Ort an.

Der Vater stand wartend auf dem Bahnsteig und sah voll Staunen den Doktor mit seinen Töchtern aus­steigen. Und wie freudestrahlend nickte Adele ihm zu, wie glücklich sah Brüggen aus, als er ihm entgegen­eilend die Hand ausstreckte.

„Alle Wetter, Kinder! — Habt ihr euch wieder vertragen?" rief er ihnen vergnügt entgegen.

Der Bahnhof war in diesem Augenblick leer und sie konnten unbeobachtet verkehren.

„Endlich bin ich nun in der glücklichen Lage," sagte Brüggen bewegt zu Bernhammer, „meine Bitte von: Weihnachtsabend zu wiederholen und in die Tat um- zusetzen. Adele hat mir ihr Jawort gegeben, wir haben uns verlobt."

„Das ist vernünftig — das ist famos! Na, meinen Segen habt ihr schon lange."

Adele schmiegte sich an den Vater: „Guter, lieber Papa, wie danke ich Dir —"

„Laß man sein, Kind, laß alte Geschichten ruhen, sie haben lange genug gespukt."

Der Zug lief ein, und sie beeilten sich, ins Abteil zu steigen, um nach einigen Stunden Fahrt in Morse an- zukommen.

auch Hof und Park in winterlicher Schnee- vülle wen, fühlten doch beide Schwestern das Glück

gekommen. „Plymouth Evening Herald" erklärt, die ge­retteten Mannschaften sprächen mit großer Hochachtung vom Kommandant des Unterseebootes, der sich mit ihnen so freundlich unterhalten habe. Kapitän Williams von der „Jndian City" erklärte nach den Blätterberich­ten andauernd, der deutsche Kommandant habe ihm ge­genüber wie ein Gentleman gehandelt. Die „Jndian City" war übrigens ein ganz neues Schiff und befand sich auf ihrer ersten Fahrt. Als der Kapitän der „An- öalusian" sein Schiff verließ, glitt er aus und brach eine Rippe. Er wurde an Bord des Unterseebootes genom­men und von einem der deutschen Seeleute verbunden.

Neue U-Boot-Opfer.

Das Reutersche Bureau meldet amtlich: Der Dam­pfer „Singal" — 1563 Tonnen — ist am Dienstag an der Küste von Narthuuiberland torpediert worden und gesunken. Sechs Mann sind umgekommen. Der Dam­pfer „Atlanta" — 519 Tonnen — wurde am Sonntag an der Küste von Westtrlaud torpediert, sank jedoch nicht.

Hamburg, 18. März. (T. U.) Das „Hamburger Fremöenblatt" berichtet aus Rotterdam: Die Holt-Linie in Liverpool gibt bekannt, daß am Montag drei Fracht­dampfer der Gesellschaft auf der Fahrt nach Brest, fünf­zehn Seemeilen westlich von Hoverford-West, torpediert wurden. Zwei Dampfer sind gesunken.

Die Verluste des französischen Exporthandels.

e-^ Genf, 18. März. (T. U.) Das französische Finanzministerium veröffentlicht eine Statistik über den französischen Export und Import vom 1. August bis 31. Dezember 1914. Die Riesenverlnste des französischen Außenhandels in den ersten fünf Kriegsmonaten gehen deutlich aus dieser Bilanz hervor. Der französische Im­port betrug von August bis Dezember 1913 3 150 432 000 Francs. In der gleichen Periode 1914 belief sich der Import auf 1385 274 000 Frcs. Was den Export an­belangt, so ist er von 2 969 434 000 Frcs. auf 994 624 000 Francs gesunken. Der französische Außenhandel hat also in diesen fünf ersten Kriegsmonaten 4100 Millionen verloren.

* * *

Die gerettete Besatzung der „Dresden" in Valparaiso gelandet.

Der britische Kreuzer „Drama" ist in den Hafen von Valparaiso mit den Ueberlebenden des gesunkenen deutschen Kreuzers „Dresden" an Bord eingelaufen, von denen einige verwundet sind. Neunzehn Mann von der Besatzung der „Dresden" werden vermißt. Drei sind tot.

Der Londoner Vertreter des „Corriere della Sera" meldet: Die „Dresden" fügte der englischen Handels- schiffahrt für 6^ Millionen Pfund Sterling Schaden zu und trieb zeitweise die Versicherungsprämien stark in die Höhe.

Ein verschwundener deutscher KohlenZaurpfer.

Die „Agence Havas" meldet aus Las Palmas: Der deutsche Kohlendampfer „Mazedonia", der mit Beginn des Krieges die deutschen Kreuzer im Atlantischen Ozean mit Kohlen versehen hatte und dann von dem spanischen Kreuzer „Catalonia" in Las Palmas eingebracht wurde, verließ gestern vor Tagesgrauen während der Ab­wesenheit des Kreuzers den Hasen. Sein Aufenthalt ist seitdem unbekannt.

Der Türkenkrieg.

Der ergebnislose Dardauellenangriff.

6=* Zürich, 18. März. (T. U.) Die Nachrichten, die in Paris über die Unternehmung gegen die Darda­nellen eingehen, werden nach der „Köln. Ztg." italeni- schen Berichten zufolge immer knapper. Die kurzer: Mitteilungen der Blätter sind veraltet, die Korrespon­denten berichten von nebligem und schlechtem Wetter. Aus London lauten die Meldungen auch nicht zuver­sichtlich. Um weiter in die Meerenge vorrücken zu kön­nen, müsse man jetzt die Truppen des Generals d'Amade abwarten, welche schon nach dem Osten unterwegs seien. Die Arbeit der Minenfischer werde fortgesetzt, wenn das Wetter es gestatte.

Mit Zustimmung der türkischen obersten Heeres­leitung ist der amerikanische Botschafter Morgentau nach den Dardanellen abgereist. Der amerikanische Dip­lomat wird selbst Gelegenheit haben, sich ein ovektives Urteil über den günstigen Stand daselbst zu verschaffen.

Die Engländer auf Lemnos.

Der „Boss. Ztg." wird aus Athen über Sofia be­richtet, daß in Athen amtliche Nachrichten eingetroffen seien, wonach die englisch-französische Flotte auf Lern- nos 20000 Mann gelandet und die dortige griechische Be­hörde abgesetzt habe. Griechenland sei gegen diese offen­kundige Vergewaltigung ohnmächtig und könne sich

heimischen Behagens in ihre Herzen einziehen, als sie das Vaterhaus betraten und freudig von den alten Dienstboten begrüßt wurden.

Besonders Susanne, die viel in der Fremde Um­hergetriebene, hätte sich gern niedergeworfen und den Heimatboden geküßt. Sie wurzelte hier noch mehr als die leichtherzigere Schwester. Sie kannte kaum andere Neigungen, als die sich in der Häuslichkeit befriedigen ließen und gerade ihr war es auferlegt gewesen, oft und lange ein Wander- und Hotelleben zu führen.

Mit dem tröstlichen Gefühl, ihre erste und heiligste Pflicht treu erfüllt zu haben, meinte sie, es sei nun ihr Recht, so zu leben, wie sie es ihrer Anlage nach be­gehrte, und sie war sich klar darüber, daß sie von der Außenwelt wenig verlange.

Zugleich regte sich aber doch ein still verschwiegenes Sehnen in ihrer Brust, das ihr mit dem Heimweh zum Bewußtsein gekommen war. Ein Mann lebte hier, der dachte wie sie, mit dem verband sie eine tief innerliche Gleichartigkeit, und war sie auch bis jetz scheu an ihm vorübergegangen, so hatte sie doch einen Zug der Sym­pathie für ihn empfunden, der sich zu inniger Neigung steigern konnte. Wenn er sie aus dem Elternhause führen wollte, so würde sie ihm ohne Bedenken folgen. Mit bangem und doch freudigem Gefühl sah sie der ersten Begegnung mit Hermann Eggeruck entgegen, denn ein altes Hoffen und Ahnen sagte ihr, daß sie ihm nicht gleichgültig sei.

Bernhammer hatte die Anzeige vom Tode seiner Frau mit einigen begleitenden Worten nach Lindental geschickt und einen der Sachlage nach etwas zu tief be­dauernden Brief von Eggeruck als Antwort erhalten. Da dieser die Trennung des Ehepaars tadelte und die Kenntnis von ihrem Zerwürfnis ablehnte, lag es ihn: nahe, den Verlust des Freundes zu überschätzen.

(Schluß tolattt