Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
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HerMer
für den Kreis Hersfeld
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Nr. 66.
Freitag, den 19. März
1915
Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich auf der letzten Seite.
Bus der Heimat.
* (Reisepässe für Nordschleswig.) Wie uns mitgeteilt wird, treffen in Nordschleswig immer wieder Reisende ein, die nicht im Besitze der für Reisen im Grenzgebiet und über die dänische Grenze vorgeschriebenen Ausweise oder Pässe sind. Für die Reisenden entstehen dadurch auf den Stationen, auf denen die Ausweise und Pässe durchgesehen werden, Unannehmlichkeiten und mehrtägige Verzögerungen und damit verbunden große Kosten. Nach der Kaiserlichen Verordnung betreffend anderweitige Regelung der Paßpflicht vom 16. Dezember 1914 muß bis auf weiteres jeder, der nach einer Station des Grenzgebietes oder über die dänische Grenze reisen will, im Besitze eines nach besonderer Vorschrift (mit Photographie usw.) ausgefertigten Ausweises oder Passes der Ortspolizeibehörde seines Heimatortes sein. Zum Grenzgebiet gehört der Streifen zwischen der dänischen Grenze und der Linie Glücksburg—Flensburg— Tondern—Hoyer-Schleuse mit Einschluß dieser Orte. Man tut also gut, wenn man eine Reise nach den in dem obigen Grenzgebiet gelegenen Orten oder nach Dünemark unternehmen will, sich vorher rechtzeitig bei der Ortspolizeibehörde mit dem vorgeschriebenen Ausweis oder Paß zu versehen.
):( Hersfeld, 18. März. Auf die im amtlichen Teil der heutigen Nummer abgedruckte Bekanntmachung betr. die Bereitung von Backwaren sei auch an dieser Stelle noch ganz besonders aufmerksam gemacht.
):( Hersfeld, 18. März.. Die so zeitgemäßen Vor- träge von Frau Johanna Waescher aus Kassel fanden, besonders derjenige am Abend, vor einer sehr zahlreich erschienen Versammlung von Frauen statt. Die gewandte Rednerin sprach über die vaterländischen Pflichten der Hausfrau, deren wichtige Aufgabe es ist, sich in ihrem Haushalt der allgemeinen Sparsamkeit in betreff der durch Einfuhrunmöglichkeit knapp werdenden Lebensmittel zu befleißigen. Die deutschen Frauen würden damit ihre Bereitwilligkeit zeigen, in der Heimat mitzutämpfen. Frau Waescher gab einige Fingerzeige, wie man sparsam und, was die Hauptsache bleibt, dennoch, schmackhafte und bekömmliche Speisen herstellen könnte. Die Ausführungen der Rednerin fanden lebhaften Beifall, und wenn auch nur ein Teil der in Form von Mahnungen ausgestreuten Samenkörner aufgehen sollte, würde es uns herzlich freuen, dem Vaterland damit einen kleinen Dienst geleistet zu haben!
-ü- Heringen, 18. März. Reiche Anerkennung zollt der General- und Korpsarzt des stellvertretenden 11. Armeekorps Dr. B e n z l e r in einem Schreiben an den Oberpräsidenten der Arbeit der vaterländischen Frauenvereine. Auch in unserer Gemeinde entfaltet der vaterländische Frauenveretn eine segensreiche Tätigkeit. Nachdem bereits zu Weihnachten 159 Pakete ins Feld gesandt werden konnten, konnten im vergangenen Monat wieder 2 größere Sendungen mit 120 Paar Strümpfen 36 Paar Stauchen und 81 Hemden an die Zentralstelle nach Cassel gesandt werden. Auch in diesem Monat wurde eine Kiste mit 35 Pfd. Wurst 12 Pfd. Kakao und anderen Stärkungsmittel für die Kranken und Verwundeten weggeschickt. Erfreulich ist es auch, daß sich der vaterländische Frauenverein zur Ausgabe gemacht hat, die hiesige Kleinkinderschule durch einen jährlichen Beitrag zu unterstützen. Möge der Verein, getragen von der Liebe der Einwohner auch fernerhin seiner hohen Aufgabe gerecht werden zum Wohle der Gemeinde und zum Segen des Vaterlandes.
Vebra, 16. März, Am 5. d. Mts. erlitt durch einen Kopfschuß in dem Kampf bei Rawa den Heldentod fürs Vaterland der 17jährige Kriegsfreiwillige Pionier Heinrich Gebert von hier, Sohn des Lokomotivführers Gebert. Ein an seiner Seite kämpfender gleichaltiger Kamerad und Hausgenosse des Gefallenen teilte durch Brief die Trauerkunde nach hier mit.
Cassel, 17. März. Durch einen tödlichen Unglücksfall wurde eine Familie im Hause Holländische Straße 270 in tiefe Trauer versetzt. Das vierjährige Kind stürzte aus der im vierten Stockwerk gelegenen Wohnung auf die Straße und erlitt schwere Verletzungen der Wirbelsäule. Im Landkrankenhause ist er bald darauf gestorben.
Gerstungen, 17. März. Spurlos verschwunden ist seit letzten Donnerstag früh der in guten Verhältnissen lebende Landwirt August SUmz von hier. Man nimmt hier allgemein an, daß St. sich ein Leid angetan hat.
Göttingen, 17. März. Der bei Ausbruch des Krieges als Freiwilliger in ein Infanterie-Regiment eingetretene 17jährige Schlosserlehrling Kern hatte Gelegenheit, sich durch eine besonders mutige Tat aus- zuzeichnen und sich das Eiserne Kreuz zu erwerben.
Bei den Gefechten in Flandern im November vorigen Jahres, wo Kern als Patrouille gegen den Feind vorgesandt war, bemerkte er, wie vier Engländer einen verwundeten deutschen Offizier wegschleppten. Durch ein Gehölz gedeckt, war es Kern möglich, sich näher heranzuschleichen und mit Gewehrschüssen zwei Engländer zu töten und die beiden anderen Feinde durch Verwundungen unschädlich zu machen. Kern wurde bei diesem Kampfe ebenfalls verwundet. Den durch sein energisches Eingreifen aus der Gefangenschaft befreiten verwundeten deutschen Offizier, einen Oberstleutnant, brächte der 17jährige ehemalige Schlosserlehrling mit großer Mühe zu den deutschen Vorposten zurück. Kern erhielt für seine mutige Tat das Eiserne Kreuz und wurde sofort zum Unteroffizier befördert; außerdem erhielt er die hessische Tapferkeitsmedaille. Vor kurzer Zeit ist Kern zum Bizefeld- webel befördert worden und konnte sich als solcher seinem Vater, dem Heizer^im Universitäts-Auditorium Kern, vorstellen. Sein ehemaliger Lehrherr, der Schlossermeister Oberdieck, hat seinem früheren Lehrling den Rest der Lehrzeit als Belohnung für sein mutiges Verhalten erlassen. Von Interesse ist ferner, daß Kern während seiner militärischen Ausbildung hier zwei Personen vom Tode durch Ertrinken rettete. Damals wurde Kern mit der preußischen und hessischen Rettungs-Medaille ausgezeichnet.
Eisenach, 15. März. Ein interessanter Prozeß wird in Kürze die hiesigen Gerichte beschäftigen. Seit Jahren drängte der Staat die Stadt, die Hörselre- gulierung zur Verhütung der Hochwassergefahr in Angriff zu nehmen. Jetzt nun sind die Pläne genehmigt und die Ausführung begonnen worden. Bisher stand nun dem Staate der Ertrag der Fischereigerechtsame der Hörsel zu. Durch diese Hörselre- gulierung geht aber nun der Fischreichtum fast gänzlich zurück, so daß die Staatskasse einen nicht unwesentlichen Einnahmeausfall erleidet. Deshalb hat nun der Staat der Stadtgemeinde die Klageerhebung wegen des Einnahmeausfalles angedroht. Der Ge- meinöerat nahm von dieser Kenntnis, beschloß jedoch, vom Staatsministerium erst noch eine genaue Angabe der Forderungen zu verlangen.
Eisenach, 16. März. In einer hiesigen Villa verübten die beiden noch schulpflichtigen Knaben Böttcher und Großmann einen schweren Einbruchsdiebstahl. Sie wurden ermittelt und zur Anzeige gebracht.
Erfurt, 16. März. Ein zwölfjähriger Oberrealschüler in Bautzen, dessen Vater seit Kriegsbeginn eingezogen ist, kleidete sich feldmarschmäßig an, entwendete seiner Mutter 30 Mk. und dampfte ab, um den Vater aufzusuchen und ihn gegen den Feind zu begleiten. Der kleine Kriegsfreiwillige kam aber nur bis Erfurt, wo er auf dem Bahnhof von einem Beamten in Empfang genommen wurde. Er wurde wieder nach seiner Heimat befördert.
Aus zur Zeichnung!
Nur noch ein Tage trennt uns von dem letzten Zeichnungstermin auf des Deutschen Reichs zweite Kriegsanleihe. Am 19. März mittags 1 Uhr wird die Anmeldungsliste geschlossen. — Wer bislang noch nicht seinen Teil zu der finanziellen Kriegsrüstung des Reichs beigetragen hat, muß sich mithin beeilen, wenn er seinen Pflichten als Staatsbürger und seinen Pflichten gegen sich selbst nachkommen will. Ein jeder muß an dem großen Werk Mitarbeiten. Dessen muß nicht nur der reiche Mann eingedenk fein, sondern vor allem die zahlreichen kleinen n. kleinsten Kapitalisten beiderlei Geschlechts. Denn so erfreulich auch die großen Zeichnungsanmeldungen sind, die täglich an den verschiedensten Stellen einlaufen — erforderlich ist und bleibt, daß das Heer der kleinen Sparer mit seinem Gelde Kriegsanleihen erwirbt.
Wenn man in den Zeitungen von den vielen Millionen und Hunderttausenden Mark liest, die dieser und jener Großbankier und Großindustrielle dem Vaterland zur Verfügung stellen will, so kann leicht bei dem kleinen Mann der Gedanke auftauchen: auf meine paar Groschen kommt es nicht an! Weit gefehlt ! Die Kriegsanleihe muß in die weiteste Kreise eindringen, weil wir den glänzenden Waffentaten unserer tapfern Truppen nur dann einen nachhaltigen Erfolg sichern können, wenn wir Alle, jeder nach seinem Können, unsere Kräfte einsetzen. — .
Die Kriegsanleihe darf aber auch in dre weitesten Kreise dringen, denn es gibt keine bessere Kapitalanlage. Mehr als 5°/° Zinsen erhält der Erwerber unter Berücksichtigung des Anschaffungspreises von 98>/r M. Mehr als 5°/» Zinsen für ein Wertpapier allerersten Ranges, das er jederzeit durch Vermittlung von Banken und Bankiers wieder zu Geld machen kann, und auf das ihm jederzeit die staatlichen Darlehns- kassen ein Darlehn gewähren. Und dre hohe Ver- zinsnng von 50/0 wird nicht etwa nur vorübergehend bewilligt, sondern mindestens bis zum Jahre 1924. Will dann das Reich zu dem niedigeren Zinsfuß zurückkehren, den es vor Ausbruch des KriegeS auf seine Anleihen gewährt hat, so kann es das nicht, ohne
zuvor dem Anleihebesitzer die Rückzahlung von 100 M' Geld für 100 M. Schuldverschreibung anzubieten.
Wenn man fonftso/o Zinsen erlangen wollte, so mußte man sich eine Anlage beschaffen, die im allgemeinen ein erhebliches Risiko in sich barg. Jetzt wird das Allerbeste mit einer 5 proz. Verzinsung geboten, und jeder noch so vorsichtige Sparer und Kapitalist, jeder Vermögensverwalter, jeder Vormund kann unbedenklich die seiner Verfügung unterstellten Gelder dahin leiten, wo sie nützlichste, dem Schutze des Deutschen Reichs dienende Verwendung finden.
^ Muf die erste Kriegsanleihe waren, wenn man von der Anmeldung der Feldzugteilnehmer absieht, von 1 177 235 Zeichnern mehr als 4 460 000 000 M. gezeichnet worden. Das war gewiß ein staatliches Resultat, das an manchen Stellen des Auslandes Neid, überall aber Bewunderung hervorrief. Und doch wird das Ergebnis der zweiten Kriegsanleihe noch ganz anders ausfallen, wenn nunmehr die kleinen Sparer vollzählig an die Front treten! — Unter den 1 177 235 Zeichnern auf die erste Kriegsanleihe befanden sich nämlich 231112, die Beträge von 100 und 200 Mk. u. 241804, die Beträge von 300 bis 500 M. anmeldeten. Es bedarf keiner Frage, daß diese Zahlen sich leicht verzehnfachen lassen, wenn die kleinen Sparer erst wissen, daß es vor allem auf ihre Mitwirkung ankommt. —
Das kleinste Anleihestück der Kriegsanleihe lautet über 100 M. ein solches Anleihestück, das 5 M. Zinsen für das Jahr bringt,.kostet 98V2 M., oder genauer, bei Einzahlung des Betrags bis zum 31. März, da die Zinsen bis zum 1. Juli sofort vergütet werden, nur 971/4 M. Das ist ein Betrag, den im Deutschen Reich nicht nur 200 000 oder 300 000 Leute mit Leichtigkeit aufbringen können, sondern sehr viel mehr.
Darum, kleine Sparer: Auf zur Zeichnung!
Die Reichsbank mit ihren säst 500 Filialen, sowie sämtliche deutsche Banken,Bankhäuser, öffentliche Sparkassen, Lebensversicherungsgesellschaften, Kreditgenossenschaften und zahlreiche Postanstalten nehmen Anmeldungen entgegen. Niemand lasse sich die Gelegenheit einer so günstigen Verwertung seines Geldes entgehen; niemand versäume es, mit seiner Kraft für das Wohl des Vaterlandes einzutreten.
Sie Met Ausaren 00« Aessen-Aomdurg im Felde.
Seht ihr die Schar von Reitern Im Hellen Sonnenschein?
Das müssen die Husaren
Von Hessen-Homburg sein!
Fürst Adolf an der Spitze,
Er reitet kühn sein Pferd,
Und jeder der Husaren
Schwingt Lanze hoch und Schwert.
Nachdem sie froh begrüßet,
Den schönen deutschen Rhein,
Ziehst: sie so siegesmutig
Ins Franken-Land hinein.
Dort reiten sie Patrouillen
Durch Dörfer, Wald und Moos,
Und wo sie Feinde sehen,
Da sprengen sie drauf los.
Wohl gibt es hierbei Tote,
Zerschoßne Glieder auch —
„Nur siegen oder sterben"
Ist der Husaren Brauch.
Dann kommandiert der Oberst
„Husaren! Aufmarschiert!
Den Feind dort in der Flanke
Mit „Hurra" attackiert!"
So gehts im wilden Jagen,
Die Lanz' in kräft'ger Hand —
Was nicht sein Leben rettet,
Wird tollkühn überrannt.
Ist dann der Feind vernichtet,
Bläst „Sammeln" die Trompet',
Und die Husaren senden,
Dem Herrn ein Dankgebet.
Wird einst nach vollem Siege
Vom Felde abgerückt,
Kehrt jeder in die Heimat,
Mit Eichenlaub geschmückt.
Hersfelö. Max Bauer
Oberpostschaffner.
Der Verfasser ist ehemaliger 14er, welcher dem Regiment bereits 4 seiner Söhne gestellt hat.
Verschwendet kein Brot! Feder spare, so gut er kann