Einzelbild herunterladen
 
  

Schwere russische Verluste an der Karpalhensronl

Aus dem großen Hauptquartier

9e* Großes Hauptquartier, 16. März 1915. (Amt­lich. WTB.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Die englische Höhenstettnng bei St. Eloy südlich Ypern, um die seit vorgestern gekämpft wurde, ist in un­seren Händen.

Am Südhang der Lorettohöhe nordwestlich von Ar- ras wird um eine vorspringende Bergnase gekämpft.

In der Champagne brachen mehrere französische Teilangriffe in unserem Feuer unter starken Verlusten zusammen.

Nördlich von Beausejour entrissen unsere Trnppen den Franzosen mehrere Gräbeu.

In den Argonnen und am Ostrande derselben kam es z« Gefechten, die noch andanern.

In den Vogesen wird an einzelnen Stellen weiter gekämpft.

Oestltcher Kriegsschauplatz.

Beiderseits des Orzyk nordöstlich von Prafznysz griffen die Russen an. Sie wurden überall abgewiesen. Besonders erbittert war der Kampf «m JeSnorozek. 2000 russische Gefangene blieben in unserer Hand.

Südlich der Weichsel ist nichts zu melden.

Oberste Heeresleitung.

„Die Zeit des Stellungskrieges bald zn Ende".

Im „Stockholmer Dagblaöet" schreibt dessen mili­tärischer Mitarbeiter: Der Krieg ist bis zu einem Punkt gekommen, wo es für alle gilt, die äußersten Kräfte einzusetzen, um ein bleibendes Ergebnis zu ge­winnen. Nach allen Urteilen ist die Zeit des langen Stellungskrieges bald zu Ende. Die entscheidenden Feldoperationen werden kaum lange auf sich warten lassen. Die öreiverbanösfreunöliche „Dagens Nyheter" schreibt: Ein Zeichen dafür, wieweit das Abknappern der Kräfte fortgeschritten ist, ist die Einberusung der Rekrutenjahrgänge vor der normalen Zeit. Unleugbar bietet Frankreich dabei ein bedenkliches Bild. Die Zif­fern, die für die Kontingente 1914 15 angegeben werden, lassen darauf schließen, daß man bei der Musterung auf ein Mindestmaß der Anforderungen an körperliche Taug­lichkeit heruntergegangen ist. Frankreich scheint demzu- olge gezwungen zu sein, alle seine Einkünfte an Men- chenmaterial zusammenzuscharen, während Deutschland noch keine Rekruten vor der normalen Zeit einznbe- rufen braucht Das ist ein Vergleich, der einen gewisse" Anhalt gibt, um zu beurteilen, auf welcher Seite ö Zermalmungsprozeß am meisten fortgeschritten ist.

!öN

er

Verbot der Frieöensknu-gebungen in England.

Nach einer Londoner „News"-Meldung hat die eng­lische Regierung die von der Arbeiterpartei einberufenen Kundgebungen für Herbeiführung des Friedens auf Grund des bestehenden Ausnahmezustandes verboten.

Vom österr.-ungar. Generalstab

Wien, 16. März. (WTB.) bart:

Angriffe stärkerer feindlicher

Stellungen östlich Sulojow und

Amtlich wird verlaut-

Jufanterie auf unsere bei Luposzno an der

Front in Polen wurde« abgewiesen. Ebenso scheiterten mehrere Nachtangriffe, die die Russen im Raume bei Gorlice durchführten. Bei Abwehr dieser Angriffe brächte die eigene Artillerie durch flankierendes Fener auf nächste Distanz dem Feinde schwere Verluste bei.

I« den Karpathen hielte« gestern anf dem größten Teil der Front nur Geschützkämpfe an. Auch au der Stellung nördlich des Uzsoker-Passes herrschte nach den Ereignissen des 14. d. Mts. verhältnismäßig Ruhe. Der Gegner hatte *n den Kämpfen dieses Tages große Ver- l«ste erlitten. Von den vordersten russischen Abteilungen wurden zwei Bataillone vernichtet, 11 Offiziere und 650 Man« gefangen und 3 Maschinengewehre erbeutet. In der Gegend nordwestlich Wyszkow eroberte« einige Abteilungen eine Höhe, nahmen 380 Man« gefangen und hielten trotz wiederholter russischer Gegenangriffe die gewonnene Stellung.

Die Schlacht südlich des Dnjestr dauert an. Der von starken russischen Kräften auf den Höhen östlich Ottynia

De^fhiett

70) (Nachdruck verboten.)

Roman von A. von der Elbe.

„Ich bin überzeugt, daß Fräulein Adele durch ihre Mißgriffe und Erfahrungen fortgeschritten ist, und kann nur wünschen, ihr eigentliches fröhliches Wesen möge nicht ganz dadurch unterdrückt sein. Auch glaube ich, daß sie im Glück ihr eigentliches Ich wiedersinden wird, denn der Grundzug des Wesens ändert sich kaum. Sehr besonnen, ernst, umsichtig und vorsichtig wird sie nie sein und umsomehr der Ergänzung durch einen verstän­digen Mann bedürfen. Sollte dies wahrer Liebe schwer werden, wo so viel Reiz und Sonnenschein einzutauschen ist? Die Liebe verzeiht, hilft und trägt. Verzeihende Liebe ist ja der Hauptgedanke unserer Religion."

„Ich habe Adele vielleicht zu hoch gestellt, zu viel in dem lieblichen Mädchen gesehen," sagte Brüggen nach­denklich.

„Man macht immer schlechte Erfahrungen, wenn man Engel sieht, statt Menschen. Daran geht das Glück mancher Liebesheirat zu Grunde. Meine Käthe und ich, wir wissen genau, was wir einander haben, und über- schätzen uns nicht. Wir sind beide ein paar ehrlich stre­bende, hausbackene Menschen."

„Nein, lieber Freund, Sie sind mehr. Sie sind hilf­reich und verständig!"

Ehlers erhob sich: „Lassen wir das," sagte er be- scheiden, und legte die Hand zutraulich auf des Doktors Arm: „Nun, die Hauptfrage, feien Sie nicht böse darum: lieben Sie Fraulein Adele noch'?"

Nach kurzer Pause kam die Antwort halblaut ae- preßt und doch mit einer Beimischung von Glück'und Jubel: „Ja - ich - ich liebe sie noch!" Er fühlte, wie bei dieser Bekenntnis sich eine Flut von Wärme und Freudigkeit in seine Seele ergoß, und erkannte, daß er nie aufgehört habe, das kleine törichte Wesen, welches ihm so vielen Kummer bereitet hatte, zu lieben.

in -er Richtung Kolomea versuchte Durchbruch wurde

in mehrtägigem, erbittertem Kampfe unter großen Ver- lnsten des Feindes zurückgeschlagen. Nach Eintreffen weiterer Verstärkungen ging der Gegner abermals auf diese Höhen vor, griff in dichten Massen im Laufe des Nachmittags dreimal unsere dort stehenden Kräfte an und erlitt wieder schwere Verluste. Das Jufanterie- Regiment General der Kavallerie Dankt Nr. 53 hielt Wiederholte«! Ansturm überlegener feindlicher Kräfte heldenmütig stand. Alle Angriffe wurden blutig ab- gewiesen.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes, v. Hoefer, Feldmarschallentnant.

Der Kriegsberichterstatter der Wiener „Reichspost" schreibt u. a.: An der über 400 Kilometer langen Kar- pathenfront wird sowohl an den wichtigsten Stellen der Front, als auch an den Flügeln noch erbittert gekämpft. Die Eingangstore zu den Karpathenübergangen sind durchweg in nnseren Händen, ebenso alle Paßhöhen, und am rechten Flügel sind wir bereits bis über die Aus- gangstore der Karpathen vorgedrungen. Die Karpathen sind daher völlig für den Feind gesperrt, mit Ausnahme einiger Stellen in den Ostbeskien und in den westlichen Waldkarpathen, wo den Russen die auf galizischer Leite liegenden Zugänge zu den Aufstiegen ills Gebirge ver­blieben sind. Verzweifelte Anstrengungen des Fein­des, uns zurückzudrängen, waren erfolglos. Die Lei­stungen der in den Karpathen brüderlich Seite an Seite kämpfenden Truppen sichern diesen und ihrer Führung einen Ehrenplatz in der Geschichte.

Russische Ueberläufer.

w> Budapest, 17. März. (T. U.) Der „Pester Lloyd" veröffentlicht nach der „Bl. Mp." den, Feldpostbrief eines österreichisch-ungarischen Kavallerieofftziers aus Russisch-Polen. Die Leute ergeben sich, wo sie können. Vorgestern wurden 300 Ueberläufer eingebracht, die er­zählten, daß sie erst vierzehn Tage unter den Waffen standen. Als man den Ort absuchte, den sie verlassen hatten, fand man alle Offiziere erschossen. Jedenfalls sind sie von der eigenen Mannschaft niedergemacht worden.

Russische Gewaltakte in Polen.

s^- Krakau, 17. März. (T. U.) „Wiadomosci Polskie" melden, daß die russischen Truppen gegen­wärtig in Polen dieselben Gewaltakte verüben, wie m Ostgalizien. Ueberall wird geplündert und auf öffent­lichen Plätzen Galgen errichtet. In den Kämpfen wer­den von russischer Seite in erster Linie die polnischen Soldaten dem Feuer ausgesetzt. Der bei Zarnowiec töd­lich verletzte russische Oberst Wilczynski, ein Pole, sagte vor seinem Tode den sein Bett Umstehenden: Gott wird Rußland strafen, weil es uns immer dem sichern Tod entgegenschickt.

Rußlands Jahrgänge 1915 und 16.

Die „Köln. Volksztg." schreibt: Wenn Frankreich schon auf die Jahrgänge 1916 und 1917 zurückgreifen muß, so wundert das niemanden, daß aber auch das an Menschen schier sür unerschöpflich gehaltene Rußland diesem Beispiele folgen zu wollen oder zu müssen scheint, das muß doch Erstaunen erregen. Wir geben daher zu­nächst mit allem Vorbehalt wieder, was die deutsche „Loözer Zeitung" berichtet: Am vergangenen Sonn­abend ist ein jüdischer Kaufmann aus Warschau nach

„Loözer Bettung" berichtet: abend ist ein jüdischer Kauf langer und beschwerlicher R

langer und beschwerlicher Reise hier eingetroffen. Er erzählt, die Russen hätten den Jahrgang 1915 bereits ausgehoben. Wie durch Maueranschläge bekannt wurde, werde auch der Jahrgang 1916 am 1. April zu den Fah­nen einberufen werden. Gleichzeitig haben sich alle In­haber von roten und weißen Militärpässen zur soge­nannten Superrevision zu melden. Das war auch der Grund, weshalb unser Gewährsmann Warschau verließ.

General Pau in Warschau.

Wie dem „Berl. Tagebl." aus Genf gemeldet wird, ist der französische General Pau in Warschau einge­troffen. Es verlautet, daß er die dortigen Operationen leiten wird.

Die Not in Serbien.

„Daily Chronicle" macht Mitteilungen aus einem Brief an die britische Rote-Kreuz-Gesellschaft über die Lage in Serbien. Es wäre unmöglich, in einem Briefe die schreckliche Lage zu schildern, in der das Land infolge von Armut und Krankheit sich befindet. Die Hospi­täler sind überall voll von Typhuskranken. Dr. Ryan, der die amerikanische Abteilung leitet und etwa zwei- tausendneunhundert Kranke versorgt, meint, daß, wenn nicht bald etwas geschieht, um die Ausbreitung des Typhus zu verhindern, das Land über die Hälfte der Bevölkerung verlieren wird. Es fehlt an Matratzen und Decken. Kranke liegen in ihren Kleidern. Nisch

„Nun, dann ist alles gut!" rief Ehlers erfreut. „Dann werden Sie auch den Weg zu ihr zurückfinden. Und jetzt will ich gehen und Sie nicht länger von Ihren Bernfspflichten abhalten."

Brüggen umarmte in erhobener Stimme und mit Dankesworten den Freund. „Sobald ich kann, komme ich zu Ihnen hinaus." Damit schieden sie.

Es dünkte dem tiefbewegt Zurückbleibendeu, als habe Ehlers eigentlich nur allem, was sich iljm selbst in besseren Stunden aufgedrängt, Worte verliehen und so der Sehnsucht, verzeihen zu können und lieben zu dür­fen, zum Sieg geholfen. Immer besser gelang es ihm, alle die bitteren Empfindungen, unter deren Druck er gestanden, als nichtig zurückzuweisen.

Er war so verwandelt in seiner Auffassung des Ge­schehenen, daß er Aöelens Brief mit den Einlagen aus einem Winkel seines Schreibtisches hervorholte und das, was er in Zorn und Verzweiflung auf Nimmerwieder­sehen verschlossen, mit viel ruhigeren Gefühlen mit) ganz anderer Beurteilung überlas. Ja, dies war ein Liebeshandel gewesen, aber ein kindischer, über den man fast lächeln konnte. Endlich trat er zum Ofen und über- gab das ganze Päckchen, das so viel Unheil angerichtet hatte, den Flammen.

Nachdem dies geschehen war, hob ein befreiender Atemzug seine Brust, und er flüsterte „Morgen — morgen!"

Es war Brüggen gelungen, für einige Tage einen Stellvertreter zu finden, und so fuhr er, ohne vorher mit Bernhammer Rücksprache nehmen zu können, gegen Mittag nad) Friedrichshagen hinaus. Klopfenden Her­zens betrat er das ihm bezeichnete Haus, wo Frau Ehlers wohnte und wo sein armes Liebchen sich voll Scham und Betrübnis verborgen hielt.

Die Lehrerswitwe, von ihrem Sohne benachrichtigt, kam ihm erfreut aus der Küche entgegen und führte ihn in das kleine Vorderzimmer, das, kalt und leer, ihn wenig freundlich anmutete. „Ich hole Ihnen das Fräu­

ist voller Krankheit, meist Typhus. Die Hospitäler sind überfüllt. Auch tu Belgrad herrscht Typhus, obwohl nicht so schlimm wie in Nisch. In dem serbischen Haupt- quartier Kragujewatz herrscht eine schwere Typhus­

epidemie.

Heldenhafter Untergang der „Dresden".

s-sr Berlin, 16. März. (Amtlich WTB.) Amtlich wird von der britischen Admiralität bekannt gegeben, daß die englischen Kreuzer „Kent", „Glasgow" und der Hilfs­kreuzer „Oramo" im Stillen Ozean bei der Insel Juan Fernaudez auf S. M. kleinen Kreuzer „Dresden" ge­stoßen sind. Nach kurzem Kampf geriet „Dresden" durch Explosion einer Munitionskammer in Brand und sank. Die Besatzung soll von den englischen Kreuzern gerettet worden sein.

Der stellvertretende Chef des Admiralstabes, (gez.) Behncke.

Die Jusel Juan Fernaudez liegt an der Westküste Südamerikas im Großen Ozean. ,

Die „Dresden" war auf der Danziger Werft von Blohm u. Votz gebaut und im Oktober 1907 vom Stavel gelaufen. Sie hatte 3650 Tonnen Wasserverdrängung, eine Länge von 118 Meter, ihre Maschinen arm ett mit 15100 Pferdestärken, armiert war sie mit 12 10,5- Zentimeter-Geschützen, ihre Besatzung zahlte etwa 350 Mann.

„Daily Mail" meldet aus Valparaiso: Die Barke „Latorh" ist hier angekommen mit der Beman­nung der Londoner Bark „Conway Castle , die am 27. Februar vorn deutschen Kreuzer „Dresden" nahe der Mochainsel an der chilenischen Küste versenkt worden war. Der Offizier der „Dresden" sagte den Gefangenen, man würde sie wie Brüder behandeln. Auf die Frage des Kapitäns der „Conway Castle", was mit den Semen geschehe, wenn die „Dresden" in einen Kampf mit eng­lischen Schlachtschiffen verwickelt würde, antwortete der Kapitän der „Dresden", dann würden sie, in Booten ausgeschifft, zusehen können, wie „Dresden" siegen oder untergehen werde. , , , r _

Privatnachrichten zufolge verlautet nach Haager Meldungen, daß zwei Geschwader von je vier Kreuzern seit einigen Wochen auf der Suche nach der „Dresden waren. "Diese Geschwader hatten je ein Anfklarungs- schiff vorgeschickt, die jedoch die „Dresden" nicht fanden, während eins der Geschwader sie nahe der Juan-Fer- nandez-Jnseln entdeckte. Die Dauer des Gefechts er­klärt sich durch den Umstand, daß die „Dresden" sozu­sagen keine Munition mehr besaß, und plötzlich eine Uebermacht von drei Schiffen vor sich hatte. Durch die schwere Artillerie von „Glasgow" und „Kent" war das Schiff in Brand geraten, worauf mau die Bemannung ausschiffte und auf die englischen Kreuzer verteilte. An­geblich hat die „Dresden" bei dem Gefecht 14 Tote und Verwundete gehabt. Nach Explosion der Pulverkammer ging die „Dresden" in den Fluten unter.

Anf der Lauer nach „Prinz Eitel Friedrich".

Nach einer Neuyorker Meldung der „Bas. Nach­richten" sind britische Kriegsschiffe beim Kap Henry an der Küste von Virginien zusammengezogen worden, um den deutschen Hilfskreuzer „Prinz Eitel Friedrich" ab- zufangen.

Wieder ein englischer Dampfer torpediert.

Nach einer Meldung des „Hamb. Fremdeubll" „ist der englische Dampfer „Durham Castle" am 13. März bei Beachy Head durch ein Unterseeboot versenkt wor­den. Die Besatzung wurde gerettet und bei Beachy Head gelandet. Die Ladung des Dampfers war für das eng­lische Heer in Frankreich bestimmt und bestand in der Hauptsache aus Wagen und Zubehör.

Verluste der französischen Handelsmarine.

^ Kopenhagen, 17. März. (T. U.) Französische Blätter veröffentlichen nach dem „B. T." im Hinblick auf die englischen Schiffsverluste eine Aufstellung fran­zösischer SchiffsverlUste. Danach hat Frankreich fett dem 10. März 20 Schiffe durch Torpedierung -verloren.

Der Dampfer „Hanna" das Opfer einer Mine.

Der Kapitän des schwedischen Dampfers August Leffler, der den angeblich torpedierten schwedischen Kohlendampfer „Hanna" begleitete, und die Mannschaft größtenteils rettete, sagt aus, er habe weder ein U-Boot noch einen Torpedo gesehen, obwohl das Wetter sichtig und klar gewesen sei. Der Dampfer sei offenbar auf eine Mine gelaufen. Die Reederei des Dampfers „Hanna" in Helsingborg erklärt, der Kapitän der „Hanna" werde sich zu verantworten ßaöen, weil er gegen die Instruktion gefahren fei und Scarborvugh passiert habe, anstatt nördlich an Schottland vorbeizu- fahren.

lein," flüsterte sie, „wird das eine Neberraschung sein!"

„Da ist einer, der Sie sprechen will, Adelchen," sagte Frau Ehlers, in die Nähstube tretend, wo die beiden Freundinnen über ihre Arbeit gebückt saßen.

Das Mädchen lief über den Flur ins Besuchszim­mer. Brüggen stand am Fenster: als sie eintrat, kam er ihr hastig entgegen. Sie traute kaum ihren Augen, preßte beide Hände auf die Brust und schien zu wanken.

Er fing sie in feinen Armen auf. Wie blaß und schmal sie geworden war: „Adele — mein armes Lieb," er hielt sie fest und zog sie an sich.

„Sie — Sie sönnen mir verzeihen — ist das mög­lich?"

„Ja, Adele, ich habe verziehen und will alles ver­gessen, denn ich liebe Dich und kann nicht ohne Dich leben."

. Ohnmächtig hing sie in seinen Armen, das Glück, das unter Kämpfen und Schurerzell aufgegebene, das nun noch kam, hatte sie überwältigt.

Er trug sie zum Sofa, setzte sich neben sie, hielt sie in seinen Armen, streichelte ihre Wangen, bedeckte ihr Gesicht mit Küssen und redete ihr liebevoll zu: er wußte, daß Freude uicht auf lange die Lebensgeister lahme., Sie erholte sich auch bald, vermochte stammelnd zu sprechen und gestand ihm, wie tief unglücklich sie ge­wesen sei, seine Achtung und Liebe durch alle ihre Irr­tümer verscherzt zu haben.

„O, ich war so unverständig!" rief sie unter Tränen, „ich habe zu viel Verkehrtes getan, dafür mußte ich büßen. Aber jetzt habe ich alles eingesehen und lief, tief bereut."

Er erzählte ihr von Otto Ehlers Besuch und wie die Beleuchtung, die der treffliche Mann ihrem Wesen und ihrer Handlungsweise gegeben, klärend auf sein Em­pfinden gewirkt habe. Die Blätter, die sie ihm in ihrem Scheidebrief geschickt, seien verbrannt, und die Ver­gangenheit solle von nun an nicht mehr zwischen ihnen stehen und nie mehr aukleben. (Forts, folgt.)