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r Ueber 170000 Arbeitslose in Spanien.

Die MailanderJtaltw meldet aus Madrid: Eine von der Regierung veranstaltete amtliche Statistik in allen spa­nischen Städten über 15,000 Einwohnern ergab, daß am 1. Februar infolge des europäischen Krieges über 60 v. H. der industriellen Betriebe Spaniens eingeschränkt waren, etwa 18 v. H. waren vorübergehend ganz geschlossen. Die Gesamtzahl der Arbeitslosen, besonders in den Hafen­städten, betrug über 170,000.

Vierzig Stunden hilflos auf der Nordsee.

Kürzlich hatten zwei deutsche Militärflieger das Un­glück, einige Meilen von der Kanalküste in die Nordsee zu stürzen. Sie wurden erst nach vierzig Stunden furcht­baren Kampfes mit den Wogen von einem englischen Schiff gerettet. Ueber ihr Erlebnis wird derNationaltidende" aus London gemeldet: Die zwei Flieger befanden sich auf dem Wege nach der englischen Küste. Als sie sich über der Nordsee befanden, trat ein Motordefekt ein, und sie wurden gezwungen, auf das Meer niederzugehen. Stunde auf Stunde warteten sie auf Hilfe, aber vergebens. Kein Schiff kam dem Fahrzeug so nahe, daß man die Schiff­brüchigen entdeckte, und die Flieger wurden gezwungen, die ytadjt auf ihrer Maschine zu verbringen. Der Bor rat an Keks und Kognak war längst erschöpft. Das Wetter war kalt und dazu raste zeitweise ein starker Schneesturm. Es wurde Tag, die Flieger faßten neue Hoffnung. Einzelne Schiffe tauchten auf, aber nur in der Ferne am Horizont. Jetzt begannen aber auch ihre Kräfte nachzulassen. Der jüngere der Flieger war, als das Flugzeug niederging, über Bord gefallen, aber von seinem Kameraden gerettet worden. Er stand infolge seiner durchnäßten Kleidung furcht­bare Leiden aus. Als die Nacht sich wieder auf das Meer herabsenkte, glaubten beide Flieger, daß es nun schnell zu Ende sein würde, zumal auch die Wogen mit furcht­barer Gewalt gegen die gekenterte Maschine schlugen. Ge­gen 5 Uhr nachts feuerten sie die letzten Raketen ab, die noch in ihrem Besitz waren, und dies war ihre Rettung. Der Kapitän eines englischen Dampfers bemerkte das Sig­nal und steuerte auf sie zu. Aber erst als es Tag wurde, entdeckte man das Flugzeug mit den beiden deutschen Flie­gern; die von Hunger und Kälte bewußtlos waren, nach­dem sie sich vierzig Stunden auf der gekenterten Flugma­schine in der Nordsee aufgehalten hatten. Man brächte sie schnell an Bord. Hier erhielten sie eine ausgezeichnete Verpflegung, und als sie einige Tage später in einem eng­lischen Hafen an Land gesetzt wurden, drückten die deutschen Flieger jedem einzelnen von der Besatzung die Hand und dankten ihm für die Gastfreundschaft.

Frankreichs Opfer.

Der Weltkrieg legt allen an ihm Beteiligten Blut- und Eigentumsopfer auf, deren Größe weit über alle Vorausschätzung steigt. Das Land aber, dessen Verluste den europäischen Durchschnitt am stärksten überbieten, ist Frankreich. Von jeher hat di-s an Menschenzuwachs ärmste, an Gelöbesitz zwar noch reiche aber nicht fort­schreitende Volk die größte Verschwendung an Gut und Menschen getrieben. Schon im Krimkrieg hat es fast hunderttausend, 187071 etwa die gleiche Zahl seiner Soldaten geopfert; an Geldausgaben kosteten allein die Kriege des zweiten Kaiserreiches mehr als zwanzig Milliarden Franken. Doch was bedeuten diese für da­malige Zeiten ganz ungeheuren Opfer gegen die heu­tigen?

Wieviel Menschenleben Frankreich durch den gegen­wärtigen Krieg schon verloren hat, wird verheimlicht, vielleicht erfahren wir niemals die genaue Zahl. Da aber nach einigermaßen zuverlässiger Schätzung das französische Heer schon im Dezember 300 000 Tote zählte, sind, so schätzt dieStratzb. Post", 400 000 zurzeit wohl die niedrigste Summe. Auch wenn man die Hilfsvölker reichlich anrechnet, erreicht der nationale Menschenverlust schon 1 vom Hundert der Gesamtbevölkerung. Seit Be­ginn des Krieges ist die allgemeine Sterblichkeit fast verdoppelt. Zudem wird sich nachträglich ein Geburten- ausfall von monatlich 20 000 bis 30 000 geltend machen. Ein Volk von kräftigem Wachstum ersetzt selbst so riesen­hafte Verluste verhältnismäßig leicht. Anders Frank­reich. Falls es seine Grenzen behält, wird ein Krieg von einjähriger Dauer seine Bevölkerung um mindestens 800 000 vermindert haben; da mit einer verringerten Zahl von Ausländern gerechnet werden muß, wahr­scheinlich um eine Million. Dann wäre Frankreich auf den Stand von 1900 zurückgeworfen. An Männern aber zwischen Zwanzig und Vierzig wird es nach dem Kriege nicht mehr Haben als das Kaiserreich im Sommer 1870.

In diesem Kampfe der immer erneuerten Menschen­massen ficht, schon längst, nicht nur die Gegenwart der Völker. Mit den alten Jahrgängen steht ihre militäri­sche Vergangenheit, mit den jüngsten ihre Zukunft im Felde. Frankreich handelt iiictjt unrichtig, wenn es eine Vergangenheit aufruft. Seine alten Jahrgänge ind verhältnismäßig stärker an Zahl und widerstanös- ähiger als die späteren. Wenn wir die Männer der erritorialen Reserve vor uns haben, kämpfen wir gegen das Frankreich von 1890. Wie schonungsvoll aber müßte Frankreich mit seiner Zukunft umgehen! Jeder neue Jahrgang ist schwächer als der vorhergehende, es ist kein Ueberschutz da, der vorausverbraucht werden könnte. In Deutschland wachsen jährlich fast 700 000 Siebzehnjährige nach; in Frankreich nur wenig mehr als 300 000. Deutsch­land holt aus einem einzigen dieser jungen Jahrgänge mit Leichtigkeit 400 000 Soldaten heraus; Frankreich, bei geringen Ansprüchen an die Wehrfähigkeit etwa 200 000. Wenn die Franzosen jetzt in kurzen Zeitabständen die Jahrgänge 1915, 1916 und 1917 hinausfenden, so werden noch 20 Jahre später in den Reihen der alten Soldaten die Lücken klaffen. Die Zahl der jungen aber wird dann erst recht nicht ausreichen, diese Lücken zu füllen.

Nicht besser als dem Menschenbestand ergeht es der französischen Wirtschaft. Auch sie lebt vom Kapital. Wenn die Kriegskosten (bis Ende 1915) auf 20 Milliar­den geschätzt werden, so ist es ein schwacher Trost, daß der Gegner mit ähnlich hohen Summen rechnet. Dafür wächst aber das deutsche Volksvermögen um zehn Mil­liarden jährlich, das französische höchstens um den vier­ten Teil dieses Betrages. Frankreichs Geld liegt auf Zinsen, das deutsche verwandelt sich in schaffenden Wert. Wie die Hunderttausende, um deren Zahl der Krieg die Bevölkerung mindert, der französischen Volkskraft ein für alle Mal verloren sind, so die Milliarden, die vom gehäuften Kapital entnommen werden. Sie sind nicht wieder ersetzbar. Auch künftig wird Frankreich ein Land von Rentnern sein; aber von verarmten Rentnern. Die Milliarde, um die (mindestens) der jährliche Staatsbc- wächst nicht, wie in Deutschland, allein i Volksvermehrung in wenig Jahren den ^Ä^rträgen zu. Neue Hilfsquellen müssen geöffnet werden, ohne daß die alten reichlicher fließen.

Es versteht sich, daß Franzosen ihre Lanosleute mah­nen, schon jetzt an Stärkung der Volkswirtschaft zu denken. An dem Erfolg darf man zweifeln. Die biolo­gische Zukunft des Landes, das Kapital des Wohlstan­des, wird in das hohle Faß des Krieges geschüttet. Die neuschöpferischen Kräfte aber sind eine ungewisse Hoff­nung.

Hebet Sachl ergraut.

Der Kriegsberichterstatter desB. T." im öster- reichisch-ungarischen Kriegspressequartier erzählte u. a. aus einem Gespräche mit einem L und k. Hauptmann: . . . Wir sprachen von der Treue der Soldaten gegen ihre Offiziere, der Hauptmann erzählte und seine Augen leuchteten auf:Bet Komarow brächte uns der Sturm­angriff mittags in die feindliche Schwarmlinie. Eine Ausfeuerlage der russischen Artillerie gab uns den Rest, von meiner Kompagnie blieben 24 Mann. Ich hatte einen Schuß ins Bein und war wehrlos. Zwei meiner Leute hoben mich auf die verschränkten Arme, zwei rus­sische Kugeln warfen sie zu Boden. Zwei andere spran­gen hinzu, hoben mich auf und brachen tödlich getrof­fen zusammen. Wieder eilte einer der braven Vierzeh­ner herbei, lud mich auf den Rücken und trug mich durch den Kugelregen aus der Front . . . Bei Przemysl traf ich ihn wieder. Er hatte einen Schutz durch Bauch und Rücken und war zum Skelett abgemagert, ich hätte ihn nicht erkannt. Er aber streckte mir seine Knochenhände entgegen und rief, während ihm die Tränen über die Backen liefen:Herr Hauptmann, kennen Sie mich nicht mehr?" Ich werde den Ton nie aus den Augen ver­lieren."

Ich fragte:Herr Hauptmann, wie alt sind Sie?" Er lächelte trüb.Sie meinen, weil ich graue Haare habe? Die habe ich ganz, wie in den alten Schauerroma­nen, in einer Stacht bekommem Das war nach meiner Verwundung. Drei verwundete Hauptleute wurden wir auf einem Bauernwagen abtransportiert. Ich hatte einen Schutz im Bein, der zweite einen Bauchschutz, dem dritten war das Schienbein durch eine Granate aufge­rissen. Nachts, zwischen Uhnow und Rawa-Ruska, wurde unser Sanitätstrain von Kosaken überfallen. Der Fuhrmann warf vor Schreck um, ich wurde dabei mit dem rechten Arm eingeklemmt. Achtzehn fürchter­liche Stunden lagen wir drei Schwerverletzten unter derMWagen wie in einem Sarg. Der Hauptmann mit dem zerrissenen Schienbein weinte und lachte durch­einander, der Hauptmann mit dem Bauchschutz stöhnte, immer leiser und verstummte schlietzlich ganz. Ich ver­lor das Bewußtsein. Erwachend vernahm ich Schritte und schrie, ungewiß, ob es Russen oder die unseren seien, aus Leibeskräften um Hilfe. Es waren unsere Leute, sie drehten den Wagen um und befreiten uns. Der Hauptmann mit dem Bauchschuß war tot, der an­dere, wahnsinnig geworden, entwich trotz seiner schwe­ren Wunde in den Wald und wurde nicht mehr gesehen. Ich allein wurde gerettet. Mein Haar war über Nacht ergraut." Der Hauptmann erhob sich und ging inspi­zieren, er war Kommandant der Etappenstatiön.

Vermischtes.

Drei Mal durch Minen und Gewehrfener die Save durchschwomruen. Der Krieg gegen Serbien erfordert hin und wieder ungewöhnliche Vorkehrungen und manchmal ganz außergewöhnliche Heldentaten. Die Serben Hatten die Save an einzelnen Stellen derart durch Flußminen unsicher gemacht, daß es sich notwendig erwies, diese aufzusuchen und unschädlich zu machen. Zu dieser an und für sich gefährlichen, unter den obwalten- den Umständen, wo vom feindlichen Ufer jedes derartige Unternehmen durch Gewehrfeuer gestört wurde, Toll­kühnheit erfordernden Arbeit, meldete sich nach einem österreichischen Bericht Husar Josef Nemeth eines Hu­sarenregiments. Obwohl er wußte, daß das jenseitige Ufer sowie die dort verankerte Schiffmühle von Komitat­schis scharf bewacht wurde, machte er sich eines Abends auf den Weg und durchschwamm als die Abenddämme­rung hereingebrochen war, die an dieser Stelle ungefähr 600 Meter breite Save, um die Schiffmühle los zu ma­chen und sodann nach abwärts treiben zu lassen. Er ge­laugte glücklich bei der Mühle an und wollte eben die Ankerkette losmachen, als er von den Serben bemerkt wurde. Ein heftiges Feuer, welches man auf ihu er­öffnete, machte jeden weiteren Versuch, seine Aufgabe durchzuführen, aussichtslos und er mußte froh sein/daß er mit heiler Haut davon kam. Doch er gab sein Vor­haben nicht auf. Nachts darauf durchschwamm er zu­sammen mit dem Infanteristen Kapronczai eines In­fanterieregiments abermals die Save. Beide kamen bis zur Mühle, doch diese war stark besetzt und die Komitat­schis hielten scharfe Wacht. Bald klatschten die Geschosse wie Hagelkörner um sie herum in den Fluß und zwan­gen sie zur Umkehr. Nemeth ließ sich aber noch immer nicht abschrecken und madjte noch einen dritten Versuch, diesmal ganz allein. Wieder durchschwamm er die Save, wieder gelaug es ihm bis an die Schiffmühle heranzu- kommen, doch beim Versuche, die Ankerkette los zu machen, wurde er abermals entdeckt und derart be­schossen, daß er sich nur dadurch retten konnte, daß er lange Strecken unter dem Wasser zurückschwamm. Was die heroische Verwegenheit des Husaren nicht durchführen konnte, gelang zwei Tage später unserer Artillerie, wel­che die Schiffmühle beschoß und zum Sinken brächte.

Kriegseinsegnung im Berliner Schwurgerichtssaal. Der alles verändernde, neue Begriffe schaffende Krieg zauberte am Sonntag in den Vormittagsstunden ein gewiß seltsames Bild hervor: eine kirchliche Feier in einem Schwurgerichtssaal des Moabiter Kriminal- gerichtsgebäudes in Berlin. Dort ist bekanntlich eine größere Anzahl ostpreußischer Flüchtlinge einguartiert, von ihrer heimatlichen Scholle vertrieben, dank der Für­sorge der Tochter des Justizministers, ein Unterkommen gefunden haben. In dem im ersten Stochwerk gelegenen Schwurgerichtssaal wurden acht junge Ostpreußen ein­gesegnet, auch wurde ein kleiner Weltbürger, der in dem Gerichtsgebäude das Leben erblickt hatte, getauft. Bor dem Richtertisch war ein Altar ausgestellt, davor standen die acht Stühle, auf denen die Konfirmanden, vier Mäd­chen und vier Knaben, Platz nahmen. Auch ein Harmo­nium war aufgestellt worden. Die Feierlichkeit wurde vou dem Amtsgeistlichen geleitet.

6 Monate Gefängnis für Kriegssammlnngen. Eine empfindliche Strafe verhängte die Strafkammer in Aachen über den ungetreuen Postaushelfer Bernhard Siebertz. Der 17 Jahre alte Angeklagte hat fortgesetzt Postkarten mit Ansichten vom Kriegsschauplätze, die die Soldaten in die Heimat sandten, unterschlagen und auch Feldpostbriefe geöffnet, in denen er solche Karten ver­mutete. Zu seiner Entschuldigung gab er au, er habe 1 die Karten seinerSammlung von Kriegsermnerungen" einverleiben wollen. Er erhielt für diesenSammel­eifer" 6 Monate Gefängnis. Der Vertreter der Anklage , hatte nur 2 Monate beantragt.

Warschaudie Stöbt der Gerüchte.

Dre aufgeregte, von den wildesten Gerüchten durch- schwirrte Stimmung in Warschau während der letzten gro­ßen Kämpfe in ißolen schildert nach derKöln. Ztg " an­schaulich ein Artikel des Sonderberichterstatters der Times der sich bei den russischen Streitkräften befindet.

Als der Krieg ausbrach, wollten die Besitzer der ersten Hotels von Warschau schließen, weil sie fürchteten, keine Gäste zu bekommen; aber seit dem ersten Vordringen der Deutschen sind alle Gasthäuser, vom vornehmsten Hotel bis zur kleinsten Spelunke, dicht gefüllt, und ein unaufhör­licher Strom von Menschen flutet durch die Stadt. Offiziere von allen Graden und Waffengattungen hausen hier in größter Enge beieinander, und die Not an Räumlichkeiten hat sich noch gesteigert, seit viele Hunderte von Frauen der Offiziere, von weiblichen Verwandten und Bekannten an- gelommen sind, die ihre Lieben sehen und mit ihnen! leben wollen Die Verwirrung ist durch Diesen Zustrom des schöneren Geschlechts nicht geringer geworden; vielmehr schlagen die Wogen des Lebens in Frivolität und Vergnügen immer höher, und man kann sich, wenn man das Treiben in den eleganten Hotels von Warschau betrachtet, schwer vorstellen, daß man nur 40 Kilometer entfernt ist von der Front, in der Hunderttausende von Männern dem Tod ins Angesicht schauen. Aus den Straßen vergißt man diese Tatsache keinen Augenblick. Die ungeheuren Transporte, die hier unaufhörlich durchrasseln, machen es recht deutlich, daß Warschau die Basis der großen russischen Armee ist. Ein Dutzend mal im Tage stößt man auf Bataillone und Regimenter, die durch die Stadt marschieren, und Hunderte auf Hunderte von Munitionswagen rattern schwerfällig durch die Gassen. Trotzdem die Front so nahe ist, bedeutet es in Warschau doch eine unmögliche Aufgabe, sich darüber zu unterrichten, was draußen vor sich geht.Ich habe niemals bei meinen sehr mannigfachen Erfahrungen einen Ort gefunden, in dem mehr falsche Berichte und wilde Gerüchte verbreitet waren als in Warschau," sagt der Be­richterstatterSelbst Tschisu das im mandschurischen Feld­zug alsStadt der Lügen" berüchtigt war, muß den Rekord in unrichtigen Meldungen an Warschau abgeben, das in dieser Hinsicht wohl nicht zu übertreffen ist. Kein Tag vergeht, an dem einem nicht mit der größten Sicher­heit Geschichten erzählt werden, daß die Deutschen dreLinien der Russen durchbrochen haben, daß Warschau in ein paar Stunden geräumt werden muß, und andere derartige Schre­ckensnachrichten. Aber selbst die Leute, die am besten un­terrichtet sind und die man als zuverlässig kennt, machen häusig ganz irrige Mitteilungen.

Obwohl die Neuigkeiten von fast jeder Stelle der aus- gebreiteten Front innerhalb von 24 Stunden in mein Ho­tel gelangen können, ist es ganz unmöglich, sich die wider­sprechenden Erzählungen zusammenzurermen und daraus ein irgendwie klares Bild zu gewinnen. Dre jüngeren Offi­ziere wissen nicht das Geringste, mit Ausnahme der un­mittelbaren Nachbarschaft der Stelle, an der sie selbst am Kampfe beteiligt waren. Die Feuersime ist so ausgedehnt, und so viele Tausende Einzelheiten ereignen sich dort täg­lich, daß der Bericht eines einzelnen Mannes, der aus der Front kommt, so kurzsichtig und beengt ist, wie der Blick eines der mit der Nase einen Fuß von einer Steinmauer steht Ein Offizier, der von einem Punkt kommt, wo wäh­rend des Tages erbittert gesümpft wurde, sieht nichts an­deres als die Ergebnisse, die in seinem Schützengraben hervortraten.. Hat sein Bataillon zufällig die Deutschen zurückgeschlagen, so wird er nicht verfehlen, mitzuteilen, daß dre Deutschen einen allgemeinen Sturm versuchten, bet dem sie eine schwere Niederlage erlitten, denn in fernem Her-- zen ist er fest davon überzeugt, daß sein Regiment im Mittelpunkt einer der größten Schlachten der Weltgeschichte gestanden hat. Es ist ja auch schwer für einen Offizier, der sein Bestes ei nutzte, sich immer vor Augen zu halten, daß das Gefecht, bei dem er eben beteiligt war, nur eine winzige Einzelheit im ganzen Kriege darstellt und daß das verzweifelte Ringen, bet dem viele seiner Kameradn fielen und vielleicht sein ganzes Bataillon aufgerieben wurde, in Wirklichkeit nur ein kleines Scharmützel war. So hören wir denn Tag für Tag Berichte von großen Liegen und großen Niederlagen von Leuten, die durchaus ehrlich sind. Aber es ist unmöglich, aus diesen höchst anfechtbaren Mo­saikstücken ein wahres Bild zusammenzufinden. Dre Un­richtigkeiten im einzelnen bedeuten aber noch wenig tm Ver­gleich zu den allgemeinen Meldungen. Wenn die Deut­schen ein paar Verstärkungen erhalten, so heißt es gleich, daß die Hauptmacht ihrer Truppen aus dem Westen her- geworfen worden ist, und dre Mehrzahl der gemeinen Sol­daten glaubt sicher, daß sie gegen den weitaus größten Teil des deutschen Heeres kämpfen. Hätten die Deutschen nur halb so viel Kräfte hier, wie uns immer wieder ver­sichert wird, dann wären sie längst über Warschau hinaus und schon auf dem Wege nach Petrograd . . . ."

Weitere Drahtnachrichten.

Ein schweizerisches Urteil.

Bern, 16. März. (WTB.) DerBund" meint, die enorme Artillerietätigkeit der Verbündeten im We­sten könne nur durch stärkste amerikanische Lieferungen erklärt werden. Zu dem politischen Mißerfolg der Dardanellenaktion bemerkt das Blatt, es scheine viel­mehr, als ob der Kampf um die Dardanellen, der Ruß­land zugute kommen sollte, alle politischen Traditionen über den Haufen werfe und eher hemmend und zur Vorsicht mahnend auf die Balkan- und Mittelmeer­staaten zu wirken beginne.

Die englischen Verluste zur See.

#-> Berlin, 16. März. Gegenüber der von der englischen Admiralität am 13. März heransgegebenen amtlichen Statistik, wonach die Gesamtverluste der eng­lischen Handelsmarine seit Kriegsbeginn 87 Schiffe um­fassen sollen, erfahren die Morgenblütter von wohlunter­richteter Seite, daß die Angaben dieser englischen Stati­stik unzutreffend, die tatsächlichen Verluste der englischen Handelsflotte erheblich größer sind. Die Zahl ihrer Kriegsverluste belaufe sich auf 124 Schiffe. Zu diesen kommen noch die verloren gegangenen Fischdampfer hinzu, deren Zahl in der englischen Statistik mit 47 an­gegeben wird, sodass der Gesamtverlust 171 Schiffe be­trägt.

THormann zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt.

o*^ Berlin, 16. März. (T. U.) Im Prozeß gegen den falschen Bürgermeister Alexander Thormann wurde gestern nach derMp." in später Abendstunde das Urteil gefällt. Es lautete auf zehn Jahre Zuchthaus und zehn Jahre Ehrverlust.

Selbstmord dc, Baronin Baughan.

w= Kopenhagen, 16. März. (T. lt.) Aus Paris wird nach demB. T." telegraphiert: Die morganatische Gemahlin des verstorbenen Königs Leopold von Bel­gien, Baronin Baughan, die in Paris lebte, hat sich, wie derMatin" meldet, durch .Inen Revolverschuh ge- tötrt.