Hersselder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
Bezugspreis vierteWhrlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
Weiter
für den Kreis Hersfeld
Kreisblstt
Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wiederholungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.
Nr. 64.
Mittwoch. der» 17. März
1915
Die amtlichen Bekanntmachungen befinden fich aus der letzten Seite.
Zeichnet die neue Kriegsanleihe!
Die geichuungssrist endet am Freitag, 19 März mittags 1 Uhr.
Bus der Heimat.
§ Hersfeld, 16. Februar. Zum zweiten Male im Laufe des gewaltigen Krieges, den Deutschland gegen eine Welt von Feinden zu führen gezwungen ist, ist in diesen Tagen das Reichsbankdirektorium mit Begebung einer Kriegsanleihe hervorgetreten. Die zweite Kriegsanleihe dient wie die erste ausschließlich unserer wirtschaftlichen Kriegsrüstung. Es gilt die Mittel bereit zu stellen, um unser tapferes Heer, das soeben auch den letzten Fußbreit deutscher Ostmark in glänzendem Siege vom Feinde gesäubert hat, durch den schweren Winterfeldzug hindurchzuführen und seine Schlagfertigkeit für den kommenden Sommer zu sichern. Die Kriegsanleihe bietetbei fünfprozentiger Verzinsung und der Ausgabe zum Kurse von 98,50 eine vorzügliche, mündelsichere Vermögensanlage für jedermann, und ist, da sie in Stücken von 100 M. aufwärts erworben werden kann, zur Anlage auch der kleinsten Ersparnisse geeignet. Niemand, der sich seiner vaterländischen Pflichten bewußt ist und auch nur über geringe Mittel verfügt, wird deshalb den Erwerb eines entsprechenden Betrages an Kriegsanleihe unterlassen wollen! Welche wichtige Aufgabe hierbei den Sparkassen zufällt, hat die Begebung der ersten Kriegsanleihe bewiesen, an deren Zeichnung die deutschen Sparkassen mit nicht wenig .L als384 Millionen M. — die preußischen Sparkassen allein mit 768 Millionen M. — beteiligt gewesen sind. Bon dieser Summe entfällt bei den preußischen Sparkassen der erhebliche Betrag von 321 Millionen auf die für eigene Rechnung der Sparkassen gezeichnete Kriegsanleihe, während 447 Millionen M. Kriegsanleihe von den Sparern selbst gezeichnet und aus ihren Sparguthaben von den Sparkassen für sie beschafft sind. Haben die Sparkassen durch ihre eigenen Zeichnungen den Bestand ihrer flüssigen und hochverzinslichen Vermögensanlagen erheblich verbessert, so haben sie andererseits noch weit mehr durch Heranziehung ihrer Sparer zur Zeichnung sich um das günstige Ergebnis der ersten Anleihe verdient gemacht. Es hat das nur geschehen können, indem die Sparkasse entsprechend der einmütigen Anregung des Deutschen Sparkassenverbandes die Einlagen ohne Rücksicht auf die satzungsmäßigen Kündigungsfristen und ohne Beschränkung auf einen Höchstbetrag den Sparern zur Zeichnung von Kriegsanleihe zur Verfügung stellten, und dies angesichts des großen Zweckes meist auch dann taten, wenn aus besonderen Gründen die Zeichnung der Kriegsanleihe nicht bei der Sparkasse selbst erfolgte, sondern das Sparguthaben einer anderen Zeichnungsstelle über- wiesen werden sollte. Nur durch dies großzügige, über kleinen Bedenken das große Ziel nicht aus dem Auge lassende Entgegenkommmen ist das glänzende Ergebnis erreicht worden. Das Ziel ist heute kein geringeres wie im vergangenen Herbste. Die praktische Durchführung ist durch Bemessung der Zeichnungsfrist auf 3 Wochen und die aus fast 5 Monate ausgedehnte Einzahlungsfrist wesentlich erleichtert. Das Sinken des Zinsfußes von 6 auf 5Wo für die bei ^den staatlichen Darlehnskassen aufzunehmenden Lombarkredite schließt Verluste der Sparkassen angesichts der fünfprozentigen Verzinsung der Kriegsanleihe nahezu aus oder vermindert sie doch, erheblich bei den von den Sparern gezeichneten Beträgen. Unter voller Würdigung des großen vaterländischen Zweckes hat auch diesmal der Deutsche Sparkassenverband allen Sparkassen die nachdrücklichste Förderung der Kriegsanleihe nicht nur durch eigene Zeichnungen, sondern auch durch tunlichst unbeschränkte Annahme der Zeichnungen ihrer Sparer unter Verzicht auf die satzungsmäßigenKündigungsfristen anempfohlen. Ich zweifle nicht, daß alle Sparkassen der Monarchie diesem Rufe folgen und eingedenk der großen Sache, für die einzutreten sie berufen sind, die Zeichnung der Kriegsanleihe auch diesmal mit gleichem Nachdruck und gleichem Entgegenkommen fördern und unterstützen werden, wie im vergangenen Herbste.
§ Hersfeld, 16. März. Den Landwirten wird vom Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten empfohlen, den Bau von Zuckerrüben wesentlich einzuschränken und dafür Brotgetreide, Sommer- weizen und Sommerroggen, ferner Kartoffeln, Gerste und Hafer, besonders auch Erbsen, in größerem Um- fange zu bestellen. Wenn gleich für Erbsen wegen ^.erheblichen Bedarfs der Heeresverwaltung an Hulsenfrüchten und an Konserven voraussichtlich ein guter Preis erzielt werden wird, lehnen doch viele Landwirte ihren Anbau — abgesehen von dem Mangel
an Saatgut mit dem Einwand ab, daß die Speiseerbse eine zu unsichere Frucht sei und nur selten einen vollen Ertrag erwarten lasse. Dieser Einwand kann nicht gegen den Anbau der Peluschke, einer Abart der Futtererbse, erhoben werden. Die Peluschke hat vor der Ackererbse den Vorzug, daß sie mit leichterem Boden vorlieb nimmt und einen höheren und sicheren Ertrag gibt. Die Peluschke wächst verhältnismäßig üppig und neigt zum Lagern, sie wird deshalb zweckmäßig im Gemenge mit Hafer angesät, von dem sie nach dem Drusch durch Trieure und dergl. leicht getrennt werden kann. Die Früchte der Peluschke sind zwar bisher nur ausnahmsweise zur menschlichen Nahrung verwendet worden,- Koch- und Eßproben haben aber ergeben, daß die Peluschke nahrhaft ist, gut schmeckt und in beiden Richtungen der grauen Erbse oder Linse kaum nachsteht. Die Versuchsstation der Landwirtschaftskammer für Westpreußen hat durch chemische Untersuchungen die Bestandteile der Peluschke wie folgt ermittelt:
16,3 Prozent Wasser,
23,6 „ Protein,
1,2 „ Fett,
50,8 „ stickstofffreie Extraktstoffe,
5,4 „ Rohsaser,
2,7 „ Reinasche.
Die Landwirtschaftskammer empfiehlt zur Herstellung eines schmackhaften Gerichts, die Peluschke etwa 12 Stunden lang im Wasser einzuweichen und mit Wasser zu kochen. Nach Abguß des ersten Kochwassers wird die Peluschke von neuem mit Wasser ausgekocht und dann ganz wie Linsen zubereitet, denen das fertige Gericht im Aussehen (Farbe) auch vollständig gleiche.
§ Hersfeld, 16. März. Der Deutsche Verwaltungsrat für belgische Eisenbahnen in Brüssel hat angeordnet, daß zum Besuch kranker oder verwundeter Krieger sowie zur Beerdigung verstorbener Krieger die Fahrpreise auf den im Militärbetrieb befindlichen Eisenbahnen für rwaMepe Angehörige — Kinder unter 15 Jahren sind ausgeschlossen — gleichfalls auf die Hälfte und zwar auf 5 cts. in der 2 und 2V2 cts. in der 3. Wagenklasse für 1 km zu ermäßigen sind.
§ Hersfeld, 16. März. (P u tz m a ch e r.t^n^n - Prüfung.) Die Abnahme einer Gehilfinnenprüfung für Lehrmädchen des Putzmacherhandwerks für die Kreise Fulda, Gersfeld, Hünfeld und Hersfeld findet am 23. April in Fulda statt. Die Anmeldungen hierfür sind umgehend an den Vorsitzenden der Prüfungskommission, Herr Gg. Boten der in Fulda einzureichen.
):( Hersfeld, 16. März. (B e r i ch t i g u n g.) In dem gestrigen Bericht über die Versammlung des Hersfetder landwirtschaftlichen Kreisvereins ist im 6. Absatz in der 9. Zeile statt Kteinanbau zu lesen: „K l e e a n b a u."
):( Hersfeld, 16. März. Ein trauriger Unglücks- f a l l ereignete sich heute Vormittag auf dem Wehne- Herg, wobei die 41jährige Witwe des vor einem Jahre verstorbenen Landwirts KarlFreund vom Wehne- berg den Tod fand. Die Witwe Freund wollte aus dem Wassertümpel, woraus die Wehneberger Bewohner das Wasser zur Viehfütterung nehmen, Wasser holen und muß hierbei ausgerutscht und hineingestürzt sein. Das Tragejoch und die Eimer lagen noch im Tümpel.
§ Hersfeld, 16. März. Auch an dieser Stelle sei nochmals auf die so zeitgemäßen Vorträge von Frau Johanna W a e s ch e r hingewiesen. Der Dame geht der Ruf einer gewandten Rednerin voraus, und ihre Vorträge sind stets gut besucht. Jedermann ist herzlich eingeladen.
Ohrdrnf i. Thür., 13. März. Die Kommandantur in Ohrdruf gibt ein Schreiben bekannt, dem in Abschrift auch ein Brief an einen französischen Kriegsgefangenen beigegeben ist. Das eingeschmuggelte Schreiben war auf einer leeren Seite mit chemischer Tinte hergestellt und wurde auf der Postprüsungs- stelle entziffert. Man sieht daraus, iu welcher Weise die Franzosen über die Zustände auf den Kriegsschauplätzen im Dunkeln gehalten werden. Das Schreiben hat folgenden Wortlaut: „Volles Vertrauen! Die französische Armee wirft beständig die deutsche zurück. Die deutsche Flotte von englischen und französischen Schiffen in Grund gebohrt. Das englisch-französisch- belgische Heer rückt nach dem Rhein vor, belagert Lille und blockiert Metz. Elsaß zur Hälfte zurückerobert. Italien und Rumänien sind im Begriff, auf unserer Seite loszuschlagen. Die Serben haben das österreichische Heer vernichtet. Die Russen ziehen nach Budapest. Es wird bald zu großen Schlachten kommen. In Polen stehen acht Millionen Russen, an der französischen Grenze sechs Millionen Franzosen und Engländer. Die Japaner kommen über Sibirien. Noch einige Tage, und französische Trompeten werden Befreiung schmettern!" Die armen, so töricht Hintergangenen werden wohl noch lange auf die befreienden französischen Trompetensignale warten können.
In IW. NuMlag Förste« $i§mari§.
steht bevor. Aus diesem Anlaß schreibt die „Parole", das Blatt des Deutschen Kriegerbundes:
Lebten wir noch inmitten des Friedens und wäre es uns so vergönnt, Freudenfeste mit dem vollen Aufwand und Ausdruck frohgemuter Stimmung und jubelnder Erhebung zu feiern, so würde sich der 1. April, der vor einem Jahrhundert unserm Volke einen seiner hochragendsten, herrlichsten Helden be- schieden hat, zu einem glänzenden Gedenktage fast ohnegleichen, zu einem völkischen Sonnen-, Segen- und Siegesfeste gestalten. Aber der blutige, heilige Ernst des furchtbarsten der Kriege, die je auf dem Erdbälle getobt haben, mit seinen Pflichten und Aufgaben, seinen Schmerzen und Nöten gestattet nicht rauschende Jubelfeste.
In gedämpfter Stille und Weihe sind jüngst zwei Nationalsesttage, der Geburtstag unsers Kaisers und der siebzigste König Ludwigs von Bayern, begangen worden. In Andacht, zur Stärkung des einmütigen Willens, der Fürst und Volk zur Treue auf Leben und Sterben verbindet. In demselben Sinne, zur Stählung unsers Einheits- und Kampfeswillens, wollen wir den Bismarcktag dieses Jahres feiern.
Der eiserne Wille für Fürst, Volk und Vaterland, den Bismarck verkörpert hat, bildet das Vermächtnis, das wir im Ringen um unser Leben, unsre Größe, unsre Zukunft einsetzen. Bismarcks Wille ist Fleisch und Blut in unsern Kriegern. Er lebt in den Helden, die vor der Zertrümmerung das Werk behüten, das mit Kaiser Wilhelm dem Großen sein Kanzler bereitet und hinterlassen hat.
Darum möge kein Kriegerverein den Bismarcktag ohne Erbauung, ohne weihevolles Gedenken, so wie es der Gegenwart geziemt, vorübergehen lassen. Es empfiehlt sich hierfür ein feierlicher Appell mit einer Rede, die dessen besonders bewußt werden läßt, was der Erinnerungstag des 1. April gerade in diesem Kriegsjahre bedeutet. Wofür wir bis zum letzten Hauch kämpfen, das ist BismurckL Erbe. Die Kräfte, womit wir uns der schier ungeheuerlichen Uebermacht der Feinde erwehren, hat Bismarck großgezogen und gepflegt. Sie zeugen von Bismarcks unsterblicher Wirksamkeit über seine Erdentage hinaus. Bismarck hat uns sein furchtloses, unbeugsames, todesmutiges Selbstvertrauen in diesen Krieg mitgegeben. Er erfüllt uns mit der sieghaften Zuversicht, daß an der deutschen Volkseinheit die Gewalten aller Feinde ringsum zuletzt zusammenbrechen müssen. Weil Bismarck in unserm Volk in Waffen waltet, begeisternd, führend, darum gilt seines vierten Nachfolgers Wort: Deutschland läßt sich nicht vernichten.
Im Weltenbrand steigt die Flamme der Geistesund Willensgröße Bismarcks strahlend empor und kündet Sieg. Darum lautet für den Deutschen Kriegerbund die Losung des 1. April: Herz und Willen empor zu Bismarck! Zu ihm empor, der stolzen Hauptes aufrecht steht, leuchtend wie ein unvergänglich machtvolles Ehrenmal, wie das deutsche Siegeszeichen. Wirkt Bismarck ins uns fort, so dürfen wir auch getrost zu Gott die Augen richten, dem Lenker der Völkergeschicke, der uns vor 100 Jahren Bismarck verliehen hat, nicht, um das, was Bismarck uns hat schaffen und errichten helfen, heute bereits wieder in Trümmer zerfallen zu lassen, sondern damit wir auch dieses Weltkrieges allerhärteste Erfen- und Blutprobe bestehen können. Gott hat uns durch Bismarck gesegnet, und deshalb verläßt er uns nicht.
Weiter nichts?
An allen Straßenecken
Stehen die Leute und recken die Hälse, Neue Depeschen! — „Was gibt's?" „Ein paar lumpige Breschen
In französischen Schützengräben, — Gewehre
Und Munition erbeutet. — Zweihundert Gefangene gemacht. — Weiter nichts!" „Nichts weiter?" klingt's enttäuscht, verwundert.
„Zum Teufel mit eurem Weiter nichts. , Verdammt!" Ein verwundeter Feldgrauer spricht » Flammenden Augs und glühnden Gesichts.
„Ich fluche sonst nicht, bei meiner Ehre.
Aber bei solchem Lüstertreiben
Kann man wahrhastig nicht stille bleiben. Nichts weiter? — Wär's mit dem Maul zu machen, So stünden wohl besser unsere Sachen;
Dann könnte man alle die Helden brauchen, Die sonst zu nichts als zum Schmätzen taugen. Wem das nicht langt, was wir Feldgrauen schaffen. Der soll doch nicht Telegramme begaffen. Der soll in die Gräben hinaus, in die Schlacht Und soll es uns zeigen, wie man's macht.
Wer aber nicht taugt, vor den Feind zu treten, Der soll auch von solchen Dingen nicht reden!" Er räuspert und spuckt, der wackere Streiter, Und humpelt an seiner Krücke weiter.
So müßt' es all den Nörglern geschehen, Denen die Dinge zu langsam gehen. Jawohl! An die Front mit den Zungenhelden, Wolln'n sehen, was dann die Depeschen melden!
Paul Lang.
(In der „Liller Kriegszeitung".)