Hersselder Tageblatt
für den Kreis Hersfeld ÄreisMott
Amtlicher Anzeiger
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Nr. 63.
Dienstag, den 16. März
1915
Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.
Smvtoerems Versammlung der hers- selder landwirtschaftlichen Kreiroereins
am 13. d M. im Hotel Stern.
Die sehr gut besuchte Versammlung wurde durch den stellvertretenden Vorsitzenden Herrn Bürgermeister Großeurth, Unterhau n 2.30 eröffnet. Nachdem er den Herrn Regierungs-Assessor v. H e d e - mann und Herrn Dr. Sprenger von der Landwirtschaftskammer begrüßt hatte, erhielt Herr Dr. Sprenger zu seinen Vortrag: „Was ist bei der Früh- jahrsbestellnng unter Berücksichtigung der Kriegszeit zu beachten" das Wort. Redner führte dabei aus, daß die Landwirtschaft bei der Frühjahrsbestellung mit verschiedenen Mißständen zu rechnen habe, da es an Arbeitskräften, Spannvieh, Düngermittel und Saatgut fehlen dürfte. Gegen die Herbstbestellung seien bedeutend weniger Arbeitskräfte vorhanden, welches den Kleinbetrieb am härtesten betreffe, ganz besonders, da, wo der Eigentümer eingezogen sei und Hilfskräfte nicht gehalten würden. Hier sei zu begrüßen, daß die oberen Klassen der Schulen mit Verwendung finden dürften, die wohl im Stande seien, zusammen mit den vorhandenen Mädchen wertvolle Hilfe im Kleinbetrieb zu leisten. Auch die Anordnung, daß Kriegsgefangene zur Feldarbeit verwandt werden dürfen, sei zu begrüßen. Wünschenswert wäre es, daß die Ausnutzung der Gefangenen zu Feldarbeiten im Interesse unserer Ausstellung ausgiebig erfolge, zumal in der Hauptsache solche Gefangene Verwendung finden sollen, die mit Feldarbeiten vertraut sind.
Dem Mangel an Arbeitsvieh zu steuern sei versucht worden durch die Vermittlung von Beutepferden. Da infolgedessen die Ueberweisung solcher Pferde in letzter Zeit sehr nachgelassen habe, soll man sich nicht weiter darauf verlassen, solche Pferde noch bekommen zu können. Es müsse wieder mehr zur Rindvieharbeit übergegangen werden. Zu der in den Kreisblättern viel verbreiteten Nachricht, daß das Militär tragende Stuten Landwirten leihweise überlasse, müsse bemerkt werden, daß dieses bis jetzt sehr wenig der Fall gewesen sei. Auf einen Gewinn sei dabei auch nicht groß zu rechnen, da die Stuten infolge ihrer Arbeitsleistungen größtenteils versohlten.
Um gerade in dieser Zeit eine möglich gute Ernte hervorzubringen, müsse die Frage der Düngermittel besonders beachtet werden. Stickstoffdünger stehe nur in sehr beschränkter Menge zur Verfügung. Da müsse mehr zur Kalidüngung, der uns reichlich zur Verfügung stehe, gegriffen werden; auch Kalk sei genügend vovhanden. Die Verwendung der uns zur Verfügung stehenden künstlichen Düngermittel dürfte keinensalls unterlassen werden. Für die neue Ernte würden höhere Preise festgesetzt werden, sodaß auch höhere Preise für künstlichen Dünger angelegt werden könnten.
Die Anbauflächen für Zuckerrüben sei einzu- schränken und dafür mehr Futterartikel anzubauen. An Zucker seien 22 Millionen Zentner ausgeführt, wovon England allein 16 Millionen Zentner erhalten habe. Die Zuckerausfuhr müsse vermindert und der Selbstverbrauch gesteigert werden. Der Zuckerverbrauch in Deutschland betrage pro Jahr und Kopf 38 Mark, dagegen England für 80 Mark verbrauche.
Der Kartoffelbau müsse mehr ausgedehnt werden, besonders die Frühkartoffel. Um die Frage: „Haben wir die noch vorhandenen Kartoffeln für die menschlichen Ernährung nötig?" beantworten zu können, sei eine Erhebung der Vorräte an Kartoffeln vom Bundesrat angeordnet. Der Anbau von Frühkartoffeln müsse im Frühjahr auf alle Fälle in größerem Maße vorgenommen werden, da die Zufuhr der ersten Frühkartoffeln aus den südl. Ländern ausbleibe. Der Frühkartoffelbau sei auch für die Landwirtschaft ein gutes Geschäft, jedoch müsse möglichst im Herbst gut gedüngtes Land dazn verwendet werden, aber auch Kalidüngung käme in Betracht. Sehr ratsam sei das Vorkeimen der Saatkartoffel und dürften die Frühkartoffel nicht zu tief gelegt werden.
Um den Mangel an Hülsenfrüchte zu beseitigen müsse der Erbsenbau stärker als sonst erfolgen. Die Landwirtschaftskammer für Westpreußen habe Saatgut für Peluschke — eine kleine Erbse — angeboten, sodaß diese angebaut werden könne. Auch Bohnen müßten mehr angebaut werden, da wir in den nächsten Jahren Bohnen vom Ausland nicht erhalten würden. Gut sei auch wenn der Gersteanbau wieder besser würde. Für den Kleinanbau müsse der Same möglichst schnell be- schafft werden. Für die Tierhaltung müsse mehr Melasse Verwendung finden und sei die Melasse und
reiner Zucker besser für Pferde und Schweine anzu- wenden, wogegen die Zuckerschnitzel besser für Rindvieh sei.
Der Herr Vorsitzende von der Landwirtschaftskammer habe dem Herrn Kriegsminister persönlich empfohlen, durch kleine Abzüge an den Haferrationen bei den Militärpferden Hafer zu sparen um dem An- spannvieh und Bullen etwas Hafer geben zu können. Da dieses bisher keinen Erfolg gehabt nnd die Landwirtschaftskammer alles versucht habe um mehr Hafer zu bekommen, wobei nichts erzielt worden sei, müsse ein jeder sehen sich einzurichten.
Bei der kommenden Grünfütterung müsse Rotklee ohne Hafer gegeben werden. Auch sei den Pferden mehr Weidegang zu geben, wodurch viel Futter erspart würde.
Durch das Verbot des Schlachtens der Rinder u. das frühzeitige Abschlachten der Kälber sei der Rindviehbestand ein guter. Dagegen sei die Parole ausgegeben worden die Schweinbestände abzuschlachten
und Dauerware anzufertigen. Da die Gemeinden über 5000 Einwohner pro Person für 15 Mark Dauerware anzulegen hatten, waren die Schweinepreise sehr gestiegen, sodaß vom Bundesrat den Gemeinden die Enteignung zuHöchstpreisen zugebilligt wurden. Diese im Falle der Enteignung festgesetzten Höchstpreise, die bei Schweinen bis zu 120 Pfd. 54 Mk. und bis zu 200 Pfd. 65 Mk. für lebend Gewicht betragen, seien vielfach als allgemeine Höchstpreise für Schweine gehalten worden. Die Festsetzung allgemeiner Höchstpreise für Schweine wird nicht erfolgen, sodaß eine Verminderung derSchweinehaltungnicht einzutreten brauche. Dagegen könnten auch keine Höchstpreise für Futterartikel festgesetzt werden, da sonst das Ausland solche nicht weiter einführen würde. Jn letzterZeithabe man auch gelernt, daßdieSchweinehaltungauchohneGetreide u. Kartoffeln erfolgen könne, wobei die Schweinemästung allerdings langsamer vor sich gehe. Um aber einen Fleischmangel nicht eintreten zu lassen, müßten wir mit der Schweinehaltung so gut es eben ginge durchhalten, wobei die Grünfütterung nicht vergessen werden dürfe.
Für die Fütterung der Rindviehbestände kommen Seesam-, Palmkern- und Erdnußkuchen in Betracht. Obwohl die Kleie an Nährwert verloren habe, muß diese doch den einzelnen Verbänden gesichert werden, damit öie Komunalverbände die Verteilung vornehmen
m weiteren dürfte für den Rindviehstall
können.
die Zuckerschnitzel nicht fehlen.
Die Vermehrung der Schafbestände sei sehr zu empfehlen da Fleisch- und Wollpreise noch lange Zeit gut anhalten werden.
Reicher Beifall lohnte den Redner. Nachdem der stellvertretende Vorsitzende Herr Dr. Sprenger noch gedankt und den Vortrag zur Diskussion gestellt hatte, bemerkte der Herr Regierungs-Assessor, daß nach einem Erlaß des Herrn Ministers die Ab- schlachtung der Schweine wegen der Kartoffelfütterung nach Möglichkeit erfolgen solle. Hierauf erwiderte Herr Dr. Sprenger, daß erst durch die Aufnahme der Kartoffelvorräte festgestellt werden müsse, ob ein Verbot des Verfütterns von Kartoffeln geboten erscheine. Jedenfalls müßte diese Feststellung gewissenhaft erfolgen, denn nur auf richtige Angaben könnten richtige Maßnahmen erfolgen. Falsche Angaben müßten streng bestraft werden, da dadurch die gesamte Volks- und Landwirtschaft geschädigt würden.
Bei der sehr regen Diskussion wurden noch recht beachtenswerte Winke gegeben. So u. a., daß der Waldweidegang für Zucht- und Jungschweine sehr vorteilhaft sei und angestrebt werden müsse.
Zur Saatersparnisse der teueren Frühkartoffel könne eine Teilung der Kartoffel empfohlen werden, wobei das Schneiden ca. 3 Tage vor dem Setzen erfolgen müsse, damit die Schnittwunde wieder vernarbt sei.
Herr Direktor Fürst empfahl die Kartoffel und Rüben nicht allzu weit zu setzen. Die Reihen etwa 60 cm breit und die einzelnen Stöcke bezw. Pflanzen ea 40 cm von einander ergeben eine bessere Ernte.
Weiter teilte er mit, daß die Stadt Cassel mit Landwirten Verträge zum Anbau für Frühkartoffeln abschließe. Die Stadt Cassel liefert den Landwirten die Saatkartoffeln gegen einen Preis von 6 Mk für den Zentner. Der Landwirt verpflichtet sich, diese Saatkartoffeln zur Bestellung guten Kartoffellandes zu verwenden. Auf den Acker sind mindestens 9 Zentner Saatgut zu pflanzen Der Landwirt verpflichtet sich, die sämtlichen auf dieser Flache gezogenen Kartoffeln alsbald nach ihrer Reife, der Stadt Cassel käuflich zu überlassen. Für den Zentner werden in marktfähigen Zustande gezahlt:
bis zum 20. Juli 10 Mark vom 21. Juli bis 5. August 9 „
„ 6. August „ 15. August 8 „
16. August „ 1. Sept. 7 „ Nach dem" 1. Sept. werden keine Kartoffeln mehr an-
genommelk. „ , „ . ~
Die Absicht, die Kartoffeln zu liefern, ist dem Magistrat eine Woche vor dem Lieferungstage mit- zuteilen, um die Kartoffeln vor dem Ausnehmen durch seine Sachverständigen besichtigen zu lassen. Als Sachverständige sind vorgesehen die Herren Oeko- nomterat Gerland, Amtsrat Gabke und der Vorsitzende des Gartenbauvereins Cassel, Herr Luckhardt.
Die Verträge können auf dem Landratsamt eingesehen werden und müssen bis zum 20. d. M. unterschrieben werden. Den Landwirten kann nur empfohlen werden, davon Gebrauch zu machen.
Zu Punkt 1 erstattete der Kassenführer Herr Otto Schimmelpfeng den Kassenbericht. Bestand am 1. 4. 13. 1831,87 Mk. Einnahmen betrugen 1980,90 Mk., die Ausgaben 1443,43 Mk., sodaß am 1. 4. 14. ein Bestand von 2369,34 Mark verblieb. Herr Oberlandmesser Kussin erstattete als Rechnungsprüfer Bericht, daß Bücher und Kasse in Ordnnng und in gut übersichtlicher Weise geführt seien. Die von ihm beantragte Entlastung des Kassenführers erfolgte.
Zu Punkt 2 wurden die Herren Kussin und Bürger zur Prüfung der Rechnung 1914 gewählt.
Zu Punkt 3 erstattete Herr Otto Schimmelpfeng eingehend Bericht über die Vereinsausschußsitzung der Landwirtschaftskammer.
Zu Punkt 5 wurden mehrere Herren aus verschiedenen Gemeinden ausgenommen.
Zu Punkt 6 teilte der stellvertretende Vorsitzende mit, daß 200 Zentner Frühkartoffel fest gekauft seien und ständen noch weitere Abschlüsse vor, sodaß er hoffe alle Besteller bedienen zu können.
Zu Punkt 7 wurde bekannt gegeben, daß auch in diesem Jahre wieder Hafersortenanbauversuche erfolgen sollen. Nachdem hierzu einige Wünsche aus der Versammlung gestellt worden waren wurden die auf den Verein entfallenden Kosten bewilligt. Die Landwirtschaftskammer trägt 2 a derselben. Zu Punkt verschiedenes wurde beantragt, daß der Vorstand bei den Oberförstereien vorstellig werden möge, damit das Jahrholz — infolge des Mangels an Anspann- vieh — mehr zusammen gelegt werde, damit die Abfuhr leichter erfolgen könne.
In kernigen Worten wünschte Herr Dootermann, Hattenbach, daß in Zukunft die Landwirte noch weit mehr zusammen halten möchten.
Der stellvertretende Vorsitzende teilte noch das Ergebnis der vorjährigen Feldprämiierung mit.
Preise erhielten:
1. Wilhelm Setzkorn, Friedewald, 35 M.
2. Karl Schäfer, „ 35 „
3. Jakob Wetzel, „ 30 „
4. Georg Burghardt, Oberlengsfeld, 25 „
5. Valentin Sippel, Schenklengsfeld, 25 „
6. Ludwig Scheer, „ 25 „
7. Valentin Sippel, „ 25 „
8. Martin Mannel, „ 20 „
Die dafür anzuschaffenden Gerätschaften sollen in Kürze beschafft werden.
Da weiter nichts vorlag wurde die Versammlung gegen 5.30 Uhr geschlossen.
Bus der Heimat«
): ( Hersfeld, 15. März. Mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse wurden ausgezeichnet, der Wehrmann Hermann G ö b e l im Reserve-Jnf.-Regiment 71 9. Komp. — Joh. Braun, Vizefeldwebel im Jnf.-Regt. Nr. 167, — Jäger Wilh. Schütrumpf, im Jäger- Bataillon Nr. 11.
M.Hersfeld, 14. März. (Von der Mittel- deut schen-Privatbank, A. G. in Magde - b u r g.) Der dem Aufsichtsrat vorgelegte Abschluß für das Jahr 1914 ergibt bei einem Aktienkapital von M. 60,000,000.— ein Bruttoerträgnis von M. 8,452,230,36 gegen M. 10,011,948.35 im Vorjahr. Der auf den 15. April einzuberufenden Generalversammlung soll die Verteilung einer Dividende von 5Vo vorgeschlagen werden, (in den letzten 8 Jahren 7» o.)
Rotenburg, 11. März. Am hiesigen Königlichen Lehrerinnenseminar hat heute unter dem Vorsitze des Königl. Provinzialschulrates Dr. Albers (Cassel) die Abschlußprüfung begonnen. Drei Damen wurden von der mündlichen Prüfung entbunden.
Cassel, 13. März. Bei den Kämpfen in Masuren hat nach einer Mitteilung des hiesigen stellvertretenden Generalkommandos das 38. Reserve-Armeekorps dem 2 hessische Regimenter angehören, einen hervorragenden Anteil an der Kriegsbeute. Das 38. Reserve-Armeekorps hat 7 Generale und 25000 Mann gefangen genommen, 80 Geschütze und viele Maschinengewehre erobert.
Creuzburg (Werra), 13. März. Au der Eisen- bahnstrecke Eschwege-Eisenach wird am 1. Mar dte zwischen Mihla und Creuzburg gelegene neu eingerichtete Haltestelle Buchenau dem Verkehr ubergeben werden.
Marburg, 13. März. „Lieb' Vaterland magst ruhig sein!" Eine am Grün wohnende Frau wurde durch die Geburt von Drillingen erfreut. Der glückliche Gatte und Vater, der mit dem Reserve-Regiment Nr. 83 ins Feld gezogen war befindet sich leider in französischer Gefangenschaft.
Hanau, 13. März. Drei Metzgermeister, die beim Fleischverkauf die Schweinehöchstpreise um 5 bis 10 Pfg. das Pfund überschritten hatten, wurden von der Hanauer Strafkammer zu je 50 bezw. 40 Mark Geldstrafe verurteilt.