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HersWer Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^^^^ für den Kreis Hersfeld MM Wlatt

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Sir. 62.

Sonntag, den 14. März

1915

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich auf der letzten Seite.

Wer Brotgetreide verfüttert, versündigt sich am Vaterlande u. macht sich strafbar.

Bus der Heimat.

* Für unterstützungsberechtigte Angehörige von Kriegsteilnehmern ist es wichtig, zu wissen, daß Angehörige von zum Heeresdienst eingezogenen Mannschaften, welche Kriegsunterstützung bezogen haben, nicht mehr berechtigt sind, die Unterstützungs­gelder zu erheben, sobald der betreffende Mann ent­lassen oder nach Hause zurückgekehrt ist. Zuwider­handlungen werden als Betrug abgeurteilt.

*(ErlaßüeSReichskanzlersbetr. Ver­backen von FrischkartoffelnimBrot.) Der Reichskanzler (Reichsamt des Innern) hat an die Bundesregierungen folgenden Erlaß gerichtet:Die mit Hilfe der Kartoffelfabrikate bezweckte Streckung unserer Brvtvorräte läßt sich nicht Schritt um Schritt mit dem Bedarf durchführen, da die Landwirte bei dem Mangel an Futtermitteln offenbar in verstärktem Maße auf die Kartoffeln zu Futterzwecken zurückgreifen. Einer der Zwecke der Kartoffeltrocknung ist es, den im Laufe der Zeit normalerweise durch Atmungs- und Fäulnisvorgänge eintretenden Schwund der Kartoffel­masse hintanzuhalten. Je näher das Frühjahr heran- kommt, umso lebhafter setzen diese verlustbringenden Vorgänge bei sämtlichen ungetrockneten Kartoffelvor­räten ein. Im getrockneten Zustande findet ein Sub­stanzverlust nicht mehr statt. Danach liegt es jetzt im dringendsten Interesse unserer Volksernährung, nach Möglichkeit die frischen, ungetrockneten Kartoffeln ins Brot zu verbacken, daneben aber auch die Trocknung mit aller Kraft zu fördern, in der Absicht jedoch, diese Kartoffel-Trockenfabrikate soweit als tunlich aufzu- speichern, um sie erst in späteren Monaten zur Streckung des Brotes heranzuziehen. Das Verbacken der Frischkartoffeln ist auf dem platten Lande und in den kleineren Städten in weiten Landesteilen bekannt und auch von jeher in Gebrauch gewesen,' hier ist eS auch kaum mit irgendwelchen technischen Unbequem­lichkeiten verbunden. Wie mir der Obermeister der Berliner Bäcker-Innung berichtet, will man in Ber­lin planmäßig dazu übergehen, frische Kartoffeln in gequetschtem oder geriebenen Zustande (§ 5 der Ver­ordnung über die Bereitung von Backware vom 5. Januar 1915) in das Brot zu verbacken. Die Berliner Bäcker-Innung hat bereits Maßnahmen hierzu in die Wege geleitet (Anschaffung von Kartoffelschälmaschinen u. dergl. m.)"

* (Regelung des Diensteinkommens der zum Militärdienst einberufenen Beamten.) Der Minister des Innern, der Finanzminister und der LandwirtschaftSminister haben folgende Anordnung erlassen: 1. Die Bestimmung unter I. Nr. 8 des Staats- ministerialbeschlusses vom 1. Juni 1888 ist dahin aus- zulegen, daß auf die am Kriege teilnehmenden Be­amten, solange sie ihrer aktiven Dienstpflicht genügen, die unter I. Nr 1 bis 7 dieses Beschlusses gegebenen Vorschriften nicht anzuwenden sind, daß diese Beamten aber von dem Tage der Beendigung ihrer gesetzlichen Friedensdienstzeit an, solange sie weiter im Militär- oder Martnedienste zurückbehalten werden, der in jenen Vorschriften vorhergesehenen Vorteile teilhaftig werden sollen. Danach sind z. B. einem Regierungs­Bureaudiätar, der am 1. Oktober 1913 zur Ableistung des einjährig-freiwilligen Militärdienstes in den Heeresdienst eingetreten und infolge des Krieges im Militärdienst zurückbehalten ist, vom 1. Oktober 1914 an die Diäten weiter zu zahlen. 2. Die Bestimmung zu I ist auf alle nach Ausbruch des Krieges in das Heer oder in die Marine eingestellten Beamten, die von der Dienstpflicht nicht entgültig befreit sind und ihr auch noch nicht genügt haben, anzuwenden, weil die während des Krieges abgeleistete Dienstzeit auf die aktive Friedensdienstpflicht angerechnet wird. Da­nach können also die Diensteinkünfte nicht weiter ge­zahlt werden, an Beamte, die nach der Mobilmachung eingezogen sind: a) als ausgehobene Rekruten, b) als Freiwillige zur Erfüllung ihrer aktiven Dienstpflicht, =) vor entgültiger Entscheidung über ihre Militär- dienstpflicht als Freiwillige auf Kriegsdauer Kriegs­freiwillige und d) als zum einjährig-freiwilligen Dienste Berechtigte. Soweit abweichend hiervon Diensteinkünfte bereits gezahlt sind, sollen diese nicht zurückgefordert werden. 8. Auf Staatsbeamte, die im Landsturm zum Kriegsdienst herangezogen werden, sind die Bestimmungen unter I Nr. 1 bis 7 unbeschränkt anzuwenden. Danach sind z. B. die Diäten eines Re- gierungs-Bureaudiätars, der am 1. Dezember 1914 als unauSgebildeter Landsturmpflichtiger zum Kriegsdienst eingezogen ist, weiter zu zahlen. 4. Aus Staatsbeamte, die vor ihrer Einberufung zum Kriegsdienst der Ersatz­

reserve angehörten, sind die Bestimmungen unter I Nr.

1 bis 7 ebenfalls unbeschränkt anzuwenden.

):( Hersfeld, 13. Februar. (Wie halten wir am besten durch?) Es ist notwendig, daß alle Hausfrauen in der Stadt und besonders auch auf dem Land dieser Frage großes Interesse entgegenbringen. Aufschluß über diese Frage ge ben die am Mittwoch in Hersfeld und am Donnerstag in Niederaula statt- findenden Vorträge. Damit die Landbewohner die Nachmittagszüge benutzen können, beginnt ein Vor- trag in Hersfeld schon um Ve4 Uhr, der in Niederaula um 6 Uhr. (siehe Anzeige.)

):( Hersfeld, 13. Februar. Ein Verwundeten­transport, Kranke und Verwundete, ist gestern Vormittag hier eingetroffen und in die hiesigen Laza­rette verteilt worden.

Mühlhausen (Thür.) 10. März. In eine große Aufregung sind die Bewohner des benachbarten Ortes Tennstedt durch eine Bluttat versetzt worden. Der älteste Sohn des Landwirts Rex war seit vergangenen Freitag spurlos verschwunden. Er vertrug sich nicht gut mit seinen jüngeren Brüdern. Dem Vater fiel das sonderbare Wesen, das sein zweitälster Sohn Paul seit dem Verschwinden zur Schau trug, auf und er for­derte von ihm Rechenschaft. Nach längerem Leugnen gestand der Gefragte ein, daß er seinen Bruder er­stochen, gab jedoch nicht an, wohin er die Leiche ge­schafft habe. Während der Zeit, in der die Polizei be­nachrichtigt wurde, erhängte der Mörder sich auf dem Dachboden nachdem er sich vorher mehrere tiefe Messerstiche in die Brust beigebracht hatte. Die Leiche des Ermordeten, die mehrere tödliche Stiche in der Brust und am Hals aufwies, wurde gestern in der Scheune, vergraben aufgefunden.

Eisenach, 12. März. Vom Eisenbahnzuge über­fahren und auf der Stelle getötet wurde gestern vor­mittag eine Frau in der Nähe des Westbahnhofs. Die angestellten Ermittelungen ergaben, daß es sich um eine Frau Auguste Brauer handelt, die hier am Kupferhammer wohnhaft war. Es liegt unzweifelhaft Selbstmord vor. Die arme Frau, die schwer nerven- leidend war, hat die unglückselige Tat offenbar in einem Anfall geistiger Umnachtung begangen.

Benneckenstein (Harz), 11. März. Nachdem das hiesigeTageblatt" nach etwa 10jährigem Bestehen in­folge der Kriegswirren bereits in Herbst v. I. sein Erscheinen einstellte, hat auch die amtlicheHohen- steiner Zeitung" nach 30jährigen Bestehen aufgehört zu erscheinen.

Frankfurt a. M., 10. März. Der gestern in der Stadtverordnetenversammlung vorgelegte Haushal­tungsplan für 1915 schließt mit einem Defizit von nahezu drei Millionen Mark. Der Ausfall soll durch Erhöhung der Einkommensteuern von durchschnittlich 136 auf 150 Proz. gedeckt werden.

Reibungsflächen.

Der große Weltkrieg, den wir in jener ergreifenden Plastik der Wirklichkeit erleben müssen und dürfen, hat uns allen, insofern wir zu den ernsten und ge­wissenhaften Menschen zählen, etwas zu sagen. Er gleicht in seiner gewaltigen über alle seine Borgänger gigantisch hinausragenden Art den erhabensten und innigsten Tragödien, die je auf den Brettern, die die Welt bedeuten, sich abspielten und durch ihre wunder­bar tiefen Gedanken den Schein zum Sein machten und die Herzen noch immer erschüttern. Wie der echte Dichter ein Richter und Erzieher ist in einer Person, wie er durch den die menschliche Schuld und die göttliche Schickung folgerichtig verwebenden Ver­lauf seiner Dichtung bei seinen Lesern und Hörern jenen sinnigen Dretklang Furcht, Mitleid und Läuterung anschlägt, um ihnen, seinen Schülern, etwas Bleibendes zu sagen, zu geben, um sie alle nach Möglichkeit zu fördern, ob sie noch im Frühlings- prangen der Jugend oder schon im Winterschnee des Alters durchs Leben wandern, so ist auch dieser Krieg ein Richter und Erzieher der Menschen, der Völker. Welch eine abstoßende und zum Heiligen Zorne reizende Rolle spielt doch in diesem Kriege die Schuld verblendeter Menschen, die ein Meer von Blut und Tränen heraufbeschworen haben, um in schnöder Ländergier und in scheeler Mißgunst Deutich­land und Oesterreich-Ungarn zu vernichten. Wie in dem gewaltigen Drama des größten aller Briten Julius Cäsar, als der Größere, wenn auch Gestorvene, der ganzen Handlung seinen Geist aufzwln^ dem Trauerspiele, in diesem Verlaufe seine Freunde an seinen Mördern blutige Rache nehmen und an ihnen Strafe und Sühne voll,trecken, seinen unsterb­lichen Namen gibt, so lebt auch, freilich im entgegen- gesetzten Sinne, unter den Brandstiftern dieses Welt­brandes, unter den unseligen Vollstreckern seines Haß- und ränkevollen letzten Willens der größere Geist Eduards des Siebenten. Seine und seiner Nachfahren tragische Schuld ist die Verblendung

gegenüber Deutschland und Deutschlands FrieöenS- kaiser, der verbrecherische Plan, den rührigsten und ernsthaftesten Wettbewerber auf dem Weltmärkte nicht etwa durch eigene Tüchtigkeit und bessere Waren zu übertrumpfen, nein, durch ein unnatürliches Bündnis, das in der herzlichen Neigung (entente cordiale) der Habgier die verschiedenartigsten Völker zu einen wußte, militärisch zu vernichten. Halbwilde Farbige aus Afrika, Inder mit vergifteten Wurfmessern und andere noch tiefer stehende Rassen und Stämme wurden als Vorkämpfer der Kultur des Dreiver- verbandes und als Niederringer deutschen Barbaren­tums losgelassen. Als aber die Unmöglichkeit dieses Planes dank der Eintracht der beiden Zentralkaiser- reiche und dank der unvergleichlichen Tapferkeit, Ausdauer und innerlichen Ueberlegenheit der deutschen, österreichischen und ungarischen Truppen immer deutlicher sich herausstellte, da beugten und brachen die Helden des Trauerspiels das Völker- und See­recht immer schamloser, immer gewissenloser und setzten sich das neue wenn auch unerreichbare Ziel der Aushungerung der deutschen Frauen und Kinder.

Die tragische Schuld deren Höhepunkt der Verrat der weifen Raffe an die gelbe ist, trägt aber auch ihre tragische Strafe in sich. Neben der furchtbaren Verantwortung für die Hinmordung unzähliger Menschenleben, für die Vernichtung unwägbarer materieller und ethischer Güter, neben der Vergeltung, die der Lenker aller Dinge in dessen Hände zu fallen so schrecklich ist, sich vorbehalten hat, werden die nicht mehr aufzuhaltenden Siege der beiden verbündeten Kaiserreiche Strafvollstrecker werden. Und vor allem werden die Reibungsflächen, an denen die wider­spruchsvollen Interessen der Glieder des Dreiver­bandes so reich sind, Zwietracht und Verwickelungen hervorrufen. Wir nennen nur die Dardanellen, Persien, China, Nordafrika. Wer den Wind sät, wird Sturm ernten. Tragisch die Schuld, tragischer die Strafe.

Durch die Lupe.

(Ein Stückchen Zeitgeschichte in Versen.)

Seit in Suez am Kanale Türkenheere drohend steh'n, fangen Briten und Franzosen schließlich auch an, einzuseh'n, daß sie bis vor wenigen Wochen noch den Türken unterschätzt, darum geben sie sich Mühe, um ihn zu bezwingen jetzt. Allerdings am falschen Ende wird die Sache ange­faßt, vor den Forts der Dardanellen tummeln sie sich voller Hast und verfeuern dort Granaten, täglich tausend Stück und mehr, ohne daß bei der Geschichte schon etwas errungen wär. Tapfer steh'n auf ihrem Posten unsre Freunde vom Orient, lachen über Englands Mühen, das den Kopf sich blutig rennt, das als Knecht der feigen Russen deren Arbeit übernahm und für Rußlands Machtinteresse jetzt sich abmüht ohne Scham. Ueberall in diesem Kriege, wo sich England tätig zeigt, wird das Lied von seiner Ohnmacht un­ablässig ihm gezeigt, Englands Einfluß schwindet ständig ringsumher im Weltenall, ihre Hilfe selbst verweigern Griechenland und Portugal. Wenn in London seine Lage Eduard Grey sich recht bedenkt, fühlt er sicher sich allmählich schon so gut wie halb gehenkt, ASqiZth anch und Churchill haben wohl inzwischen eingesehn, daß den Fehler sie begingen und auf falscher Seite steh'n. Eng­lands Politik war immer, wie man weiß, darauf bedacht, ihren Vorteil zu erschleichen, wenn ein anderer Opfer bracht', diesmal kam die Sache anders, England, ach, wie wird dir nun? diesmal scheint man zu verlangen, daß die Briten selbst was tun ! und als Folge dieses Zwanges sieht man Eng­land jetzt sich müh'n, und dabei an allen Ecken immer Prügel nur bezieh'». m ,

Walter-Walter.

Gewißheit.

Und tanzen vom Himmel die Flocken, Und stürmet und brauset der Wind, Und fröhliche Lieder, erschrocken. Im Herzen nur träumend noch und: So weckt doch ein Blinzeln der Sonne Die schlafende Ahnung hold auf: ES nahen die Tage der Wonne, Der Frühling beginnt seinen Lauf!

Und klagen vom Turme die Glocken: Verblüht ist ein liebliches Kind" Und trauernde Lieder entlocken Die Tränen der Wehmut gclind: So tröstet der christliche Glaube, Bereinigt mit Liebe, so licht: Es bleibt nicht das Leben im Staube, Zum ewigen Frühling es bricht!"

Armin Kraft.