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yrrichtliches Nachspiel haben. Wie aus Paris gemeldet wird, hat der Besitzer derDacia" die französische Re­gierung wegen der Festhaltnng des Schisses verklagt und mit der Führung des Prozesses den Advokaten Gavore, den Präsidenten der französischen Vereinigung für Seerecht, betraut.

Englische Blättermeldungen über die letzten Seegefechte.

te^ Berlin, 12. Mürz. DieKreuzzeitunq" berichtet: DieTimes" sagen bei Besprechung des Gefechtes des Admirals Sturdee über die Seeschlacht bei den Falk- lanösinseln, daß das Entkommen des KreuzersDres­den" den Verlust eines japanischen Krenzers herbeige­führt habe. Von dem Verlust dieses Kreuzers war bis­her nichts bekannt. Die Berliner Morgenblätter ent­halten einen Bericht derDaily Mail" über das Gefecht bei Helgoland am 28. August, wonach die britischen Zer­störer sich zurückziehen mußten, da sie unter die Kanonen der feindlichen Forts und Kreuzer gelangt waren. Eine Granate derMainz" explodierte im Maschinenraum des englischen ZerstörersLaertes", der vom Kreuzer Lion" aus dem Bereich der feindlichen Granaten ge­schleppt werden mußte.

Der Türkepkrkeq.

Die erfolglose Dardanellen-Beschietzung.

o-» Genf, 12. März. (T. u.) Das Elias-Forts der Dardanellen ist nach demB. L.-A." gestern von fran­zösischen Kriegsschiffen erfolglos beschossen worden.

Die Neutralen

Die Zusagen an Griechenland.

Der MailänderSecolo" erfährt nach derVoss.

Ztg." aus Petersburg: Im Falle der Kriegserklärung Griechenlands an die Türkei hätte Griechenland vom Dreiverband das Versprechen auf Smyrna und den Streifen der Küste Kleinasiens gegenüber Chios und Mytilene erhalten.

Französische Anerbieten an Italien?

Der PariserTemps" schlägt vor, Italien Korsika als notwendige Ergänzung zu Sardinien sowie eine Grenzkorrektur in Tnnis und das Gebiet von Dbok am Roten Meer anzubieten, um die Verständigung zwi­schen Oesterreich und Italien scheitern zu machen. Das kleine Opfer werde großen moralischen Erfolg haben.

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Ein Sohn des preußischen Landwirtschaftsministers gefallen.

Der jüngste Sohn des preußischen Landwirtschafts­ministers, Friedrich Leo Freiherr v. Schorlemer-Lieser, im Kürassierregiment v. Driesen (westfälisches Nr. 4) ist am 10. März bei einem Sturmangriff gefallen.

42 jüdische Heeresangehörige zu Offizieren befördert.

Das in Hamburg erscheinende israelitische Fami- lienblatt teilt die Namen von 42 jüdischen Heeresange­hörigen mit, die bis zum 1. Februar d. J. in der preu­ßischen Armee zu Offizeren befördert worden sind.

Zeichnungen auf deutsche Kriegsanleihe in Amerika.

s^- London, 11. März. (WTB.) DieTimes" schreiben aus Neuyork: Hier wurden einige Zeichnungen auf die neue deutsche Kriegsanleihe gemacht, ebenso im Westen. Soviel bekannt ist, wird die Anleihe nur von einem Chikagoer Bankhaus öffentlich aufgelegt. Man nimmt jedoch an, daß gewisse deutsch-amerikanische Ban­ken private Zeichnungen entgegennehmen.

Selbstmord des russischen Generals Sievers.

Nach einer Petersburger Meldung derFrkf. Ztg." hat der Oberkommandant der vernichteten 10. Armee, General Stevers Selbstmord verübt, wie aus Berichten über die abgehaltene Trauerfeier für dentragisch Ver- . storbenen" in der lutherischen Annakirche hervorgeht.

Kriegsgefangene als Hilfe für die Landwirtschaft.

Für die Durchführung der Ackerbestellung und Ernte hat sich, wie amtlich mitgeteilt wird, die Heeres­verwaltung bereit erklärt, Kriegsgefangene möglichst noch im Laufe dieses Monats in ausgiebigem Maße zur Verfügung zu stellen. Die Grundsätze über die Ver­wendung der Kriegsgefangenen gehen in diesen Tagen den Lanöratsämtern zu, bei denen auch der Bedarf an Kriegsgefangenen anzumelden ist. Wenn möglich, wer­den nur Kriegsgefangene zur Verfügung gestellt, die von Haus aus in den verschiedenen landwirtschaftlichen Arbeiten wohlbewandert sind. Auch die Wünsche der kleineren Besitzer werden ausreichend Berücksichtigung finden, daß tagsüber Gefangene in ganz kleinen Trupps 2 Mann verwendet werden dürfen. Die Gemein­den werden ebenfalls in Vertretung der kleinen Besitzer als Arbeitgeber zugelassen werben.

Verurteilter englischer Kriegsgefangener.

Das Gericht der Inspektion des immobilen Garde- korps, Station Spandau, verurteilte den englischen Kriegsgefangenen Eisenbahnarbeiter John Brankble aus London wegen Achtungsverletzung gegen einen Vorgesetzten im Dienst vor versammelter Mannschaft und im Felde und wegen Gehorsamsverweigerung in zwei Fällen zu drei Monaten Gefängnis.

Der Ring derU-Boote um England.

Zu der jüngsten Vernichtung von 4 englischen Dampfern.

England, dieunangreifbare Insel", beginnt nun auch, wie der KorrespondenzHeer und Politik" ge­schrieben wird, die Schrecken des Krieges am eigenen Leibe kräftig zu spüren. Ganz systematisch ist der Ring um diese angeblich unverletzbare Seefestung durch un­sere Marine immer enger gezogen worden. Würde man es an nichts anderem erkennen, man könnte es an der großenmoralischen" Entrüstung der Engländer über den Sperrkrieg gegen England durch deutsche Untersee­boote sehen. Diese Entrüstung ist aber nicht neu, denn feit jeher ist es ein beliebter Trick verfolgter Diebe zu schreienHaltet den Dieb"! Seit dem Tage, wo im November deutsche Geschosse nach England hinüber- flogen und einen kriegerischen Gruß brachten, sind die Engländer ihres Lebens nicht mehr recht froh gewor­den. In den ersten Wochen berichteten die englischen Blätter triumphierend, daß England den Krieg am längsten aushalten könne, da das Land von den Wir­kungen des Krieges direkt nicht berührt, werden könne, dabei vergaßen sie einige Krokoöilstranen über das schreckliche Los Belgiens und Frankreichs, wo der Feind mitten im Lande stehe. Tatsächlich nahm das gewöhn­liche Leben mit allen seinen Vergnügungen seinen Fort-

die ersten deutschen Schiffe an Englands Küsten erschienen, wurde die Stimmung etwas gedrückter, aber man hielt das nur für einenBluff". Nun erfolgte An- aauf Angriff. Kriegsschiffe und Unterseeboote, Luf -

e und Flugzeuge wechselten im schönen Reigen mit einander ab. Die Bevölkerung wurde gewaltsam aus der Ruhe aufgescheucht, und was das Unglück Frankreichs und Belgiens, der zum Krieg verführten und dann von den treulosen Engländern elend im Stich , Verbündeten, bei bent gefühlslosen Jnselvolk

Blätter triumph

senen »t be-

wirken konnten, das brachten unsere unerschrockenen Krieger im Wasser und in der Luft zu Wege. Noch glaubte England nicht an den Ernst der Lage ober stellte sich wenigstens so an. Die englischen Führer verkünde­ten jedenfalls nach jedem Angriff, daß England stark genug sei, um alle Angriffe'mit seiner Flotte abwehren zu können. Dabei hatten sie eine prahlerische unb höh- nische Sprache, die ihnen nach ihren Schlägen, die sie er­halten hatten, schlecht anstand. Churchill verkündete noch vor wenigen Wochen, daß Englandsicher in den Wo­gen des Meeres liege" und Lord Fisher erklärte, daß England eine unangreifbare Festung sei.

Nun können mir, rückwärts schauend erkennen, wie­viel Wahrheit in den Reden der Engländer enthalten ist, und andererseits sehen wir mit Stolz, wie planvoll un­ser Vorgehen durchgeführt wurde. Schlag fiel auf Schlag! Und immer bedrohlicher trat der Krieg in die Nähe der Insel. Zuerst sahen sich die Engländer ge­nötigt, alles Licht des Nachts auszulöschen. Das war nur eine kleine Unbequemlichkeit. Schwereres und Ern­steres folgte. Die englische Flotte erlitt bei Helgoland das wissen wir heute einwandsfrei schwere Be­schädigung. Und dann begann der gewaltige Krieg der Unterseeboote. Sie zogen den Ring um England so fest, daß England bald die furchtbaren Wirkungen dieser Be­lagerung spüren wird. Schon im November hörten wir, daß ein Unterseeboot am 23. November das Handelsschiff Malachite" und am 26. November das Handelsschiff Primo" versenkt habe. Nur wenige legten diesem Vor- gang die Bedeutung bei, die sie tatsächlich hatte, da es sichnur um ein Handelsschiff, nicht aber um ein Kriegsjchiff handelte. Die Tateri desU 9" waren noch in frischer Erinnerung. Tatsächlich hatte aber bereits dlejer Vorgang, der sich bei Le Havre abspielte, eine un­gewöhnliche Bedeutung. Dann erfuhren wir, daß deut-

Unterseeboote das Feld ihrer Tätigkeit bereits in die Jrliche See an der Westküste Englands verlegt hat­ten. Die Einkreisung Englands war mit Riesenschritten vorwärts gegangen. Mehrere englische Handelsdampfer, die Speise und Trank nach England bringen sollten, ruhen auf dem Meeresboden. Nun erfolgte die be- riihmte Warnung an die Neutralen und endlich, als Krone des ganzen Werkes, die Erklärung des Sperr- krieges durch Unterseeboote.

cv eiserner Gürtel ist um dieunangreifbare Insel" gelangt, und wird sie einschnüren, bis ihr ber Atem ausgebt. Diegrößte Flotte der Welt" ist zur Untätigkeit dabei verdammt, denn die Ueberlegenheit deutschen Geistes und deutschen Helöensinnes hat sie gleichsam wehrlos gemacht.

Vermischtes.

. Die ersten Kartoffelkarten in Groß-Berlin. Nach dem Muster der Brotkarten beabsichtigt der Magistrat von Wilmersdorf in den nächsten Tagen auch Kartoffel karten herauszugeben. Die Karte berechtigt nach Maß­gabe der vorhandenen Borräte zur Entnahme von wö­chentlich 20, Pfund Kartoffeln von der gotischen Kar- tosfelvcrkaujsstelle.

Wie unsere Feldgrauen leben. Unsere Heeresver­waltung ist unablässig bemilht, die Kraft unserer Trup- pen durch gute Verpflegung hochzuhalten. Daß ihr dies selbst in Polen, wo der Nachschub bedeutend schwieriger als im Westen ist, gelungen ist, beweist folgender Brief emes Leipziger Kriegsfreiwilligen: .... Wir sind nun schon vier Wochen in dieser Stellung und fühlen uns leidlich wohl, komman alle sieben Tage in ein Dorf, eine Stunde von hier. Die Leute dort find sehr nett. Sie waschen unsere Leibwäsche, sorgen für warmes Wasser usw. Wir bezahlen das Waschen und geben auch etwas Seife dazu. Die armen Leute müssen zwei Mark für Seife zahlen und froh sein, überhaupt welche zu bekom­men. Wir bestimmen in der Regel jeden zweiten Tag je zwei Zigarren. Heute gab es eine sogenannte Cholera­zulage: 10 Zigarren und 50 Stück Zigaretten extra. Morgen soll noch eine Flasche Wein kommen. Auch gibt es des öfteren des Abends Speck, Schwarzfleisch, Fett, Butter (etwa % Stück) und Limbnrger Käse, was ge­rade zum Abendbrot langt. Wir sind jetzt sehr zufrieden mit dem Essen. Heute mittag gab es Nudeln und Rind­fleisch, gestern grüne Erbsen mit gekochtem Schinken- speck, ein Stück so groß, daß es in rohem Zustande % Pfund gewogen hat. Jeden Mittag gibt es zürn Essen Tee oder Kaffee, und zwar etwa Liter. Jeden Morgen bekommen wir Kaffee, Tee oder Schokolade. Dies ist sehr viel, wenn man die Massen betrachtet, die in Frage kommen. Heute gab es außerdem für jede Korporalschaft (12 Mann) ein Pfund Schokoladenmehl.

Wie weit ist es von Amerika nach Japan? Die Er­klärung der Vereinigten Staaten von Amerika, China schützen zu wollen, zeigt, wie der KorreiponderzHeer und Politik" geschrieben wird, daß die amerikanisch- japanische Frage noch sehr brennend ist. Es wird darum interessieren, wie breit die Meeresstraße ist, die Ame­rika von Japan trennt, da sie der Weg ist, auf dem die amerikanische Flotte zur Entscheidung der Frage fahren müßte. Der kürzeste Weg von Amerika nach Japan, nämlich der Weg San Franzisko-Yokohama beträgt 4532 Seemeilen. Es kommt noch die Entfernung von der Ostküste Amerikas hinzu, da an der Ostküste ein großer Teil des amerikanischen Geschwaders liegt. Nimmt man eine Fahrt der amerikanischen Flotte von der Ostküste durch den Atlantischen Ozean um das Cap Horn an, dann ist der Weg von Hampton Roads nach Cap §orn 7432 Seemeilen groß, von Cap Horn nach San San Fran- ztsko 6340 Seemeilen, der gesamte Weg von der Ost­küste Amerikas um das Cap Horn nach der Westküste bis nach San Franzisko also 13 772 Seemeilen. Es kommen noch dazu die 4532 Seemeilen von San Fran­zisko nach Jokohama, soöatz der gesamte Weg rund 18 250 Seemeilen betrügt. Da im russisch-japanischen Kriege eine große Flotte auch einen bedeutenden Weg zurück­legen mußte, um auf den Kriegsschauplatz zu gelangen, so würde eine Flottenaktion Amerikas nicht ohne Bei­spiel sein. Ebenso wichtig wie diese Entfernung für die amerikanische Flotte ist, ist sie auch für Japan, falls die

spiel sein. Ebenso wichtig wie dieß amerikanische Flotte ist, ist sie auch . _________ _____

Japaner daran denken würden, ein Heer nach Amerika zu werfen. Japan müsse auf dem 4532 Seemeilen lan­gen Wege eine Transportslotte nach Amerika schicken. Eine Fahrt mit Truppentransportschiffen ist zwar auf einer so langen Strecke nicht leicht, aber die Schwierig­keiten sind durchaus nicht unüberwindlich. Eine Trans­portflottille mürbe diesen Weg in 2 bis 3 Wochen zurück- lcgen können._______________

Thormann vor dem Schwurgericht.

Unter großem Andrange des Publikums verhandelt das Schwurgericht in Cöslin gegen den früheren Kreis- ausschußsekretär Heinrich Thormann, der seinerzeit die vielbesprochene Rolle des falschen Birrgermeisters von Köslin unter dem angenommenen Namen Dr. jur. Alexander spielte. Der Angeklagte ist bekanntlrch be­reits wegen zweier Betrngsfalle, die mit lerner Tätig­keit als falscher Bürgermeister in Verbindung standen, zu einem Jahr vier Monaten Gefängnis vernrteilt wor­den. In der gegenwärtigen Verhandlung sollen die schwereren Vergeben Thormanns: Urkundenfälschung, Amtsanmaßung, Abgabe falscher eidesstattlicher Ver­

sicherungen, Betrug u. a. zur gerichtlichen Erörterung gelangen. Die Verteidigung liegt in den Händen des Rechtsanwalts Walter Bahn (Berlin). Thormann ße» kennt sich in keinem einzigen Falle schuldig und schildert eingehend seine Lebensgeschichte. Er habe nach seiner Konfirmation fast seine ganze freie Zeit nur mit Schü­lern des Osteroder Gymnasiums zugebracht und sich nach und nach Gymnasialschulbücher aller Fächer angeschafft, und schließlich seinen Freunden auch bei den lateinischen, griechischen und französischen Aufsätzen helfen kön­nen. Er hätte sich das Zeugnis zumEinjährigen" er­worben, wenn ihm nicht wegen feiner Verurteilung zu 30 Mark wegen einer Sachbeschädigung das Unbeschol- tenheitszeugnis verweigert worden wäre. Er habe des­halb dem Rate eines befreundeten Studenten der The­ologie nachgegeben und sich unter dem Namen dessen kurz vorher verstorbenen Bruders den Berechtigungsschein zum einjährig freiwilligen Militärdienst beschafft. Sein Ehrgeiz sei nunmehr auf das Abiturientenexamen ge­richtet gewesen. Thormann will auch dieses Examen un­ter dem angenommenen Namen tatsächlich bestunden haben, auch in der Folgezeit unter angenommenem Namen sich bei der Berliner Universität haben innna- trikulieren lassen, auch die Kollegien der Rechts- und Staatswissenschaften und der Nationalökonomie besucht haben. Thormann gibt weiter an, daß er immer un­ter demselben angenommenen Namen schließlich den rechtswissenschastlichen Doktor gemacht und das Referen- Sarexamen bestanden habe, beides mit guten Noten. Das Geld habe er sich dadurch verschafft, daß er sich von den ihm von der Verwaltung Nieöerbarnim übertragenen Verkauf einiger Chausseehäuser Prozente von den Kau­ern geben ließ. Er sei dann juristischer Hilfsarbeiter n Schmarqendorf geworden. Von dort sei er nach 9Zeu= kölln gekommen und dann nach Brandenburg a. H. In­zwischen habe er versucht, seine Zeugnisse auf den Na­men Thormann umzuändern. ___________________

3(6 halt' einen Kameraden.

Viele sagen, der Krieg wirke verrohend auf uns. Ich stimme dem nicht zu, wndern sage, datz der Krieg alle Anlagen im Menschen zur Entfaltung bringt. Der Rohling, der nur von Europas Höflichkeit übertüncht ist, und seine Instinkte nur im Hinblick auf die vielen Para­graphen des Strafgesetzbuches im Zaum hält, wird zweifellos seine wahre Natur im Krieg nicht verleugnen. Anderseits bietet sich dem Ethiker überreichlich Gelegen­heit, sein Gefühlsleben zu betätigen, das seine höchste Blüte in der treuen Waffenbrüderschaft findet, die wir kurzweg Kameradschaft nennen. Eine solche verband uns vier Unteroffiziere des ersten Zuges der 10. Kompagnie. Wir hatten uns früher nie gesehen, unsere Lebenswege führten uns, wenn wir auch oenfelben Kreisen entstamm­ten, weit auseinander, den einen in das enge Kontor, den anderen in die lärmende Fabrik, denn dritten in den Talar des Staatsanwalts, und mich in fremde Län­der. Was uns hier vereinte, war der GedankeVater­land" undPflicht", was uns innig zueinander fügte, war die Gemeinsamkeit der Lebensauffassung. So wa­ren wir unzertrennlich geworden, unzertrennlich auf Märschen, im Quartier, im Schützengraben. Was dem einen gehörte, war des andern. Einer sprang für den andern ein und leistete ihm alle jene kleinen Dienste, die von Zeit zu Zeit dem andern angenehm sein können.

Wir hatten in unserem Standquartier einen klei­nen Haushalt errichtet und uns an Luxus angeschafft, was nur immer zu erreichen war. Jeder von uns hatte seinen Teller, seine Tasse und sein Glas, Gegenstände, die beim jedesmaligen Abrücken in den Graben sorg­fältigst ausgehoben wurden. Und nun hat das unerbitt­liche Schicksal den besten Kameraden au3 unserer Mitte gerissen: ein Granatsplitter machte seinem Leben ein Ende. Ein Fall, der täglich in dieser grausen Zeit tau­sendmal vorkommt, erschütternder, schrecklicher in seinen Folgen, wenn es einen armen Familienvater trifft. Ich habe schon manchen Kameraden mit begraben. In der Weihnacht haben wir im Feuer tote Kameraden, Freund und Feind, die vergessen zwischen den Gräben lagen, bestattet. Aber das Begräbnis meines Kameraden Z. wird mir ewig im Gedächtnis haften.

Die Dämmerung hüllte Freund und Feind in ihre grauen Schatten, als wir, Konrad M. und ich, mit vier Mann aus dem Graben zogen, um unsern Freund auf einer Begräbnisstelle beizusetzen. Der Mond verschwand von Zeit zu Zeit hinter dunklen Wolken, die uns mit Regen und Schnee bewarfen. Mit der schweren Bahre hasteten wir vorwärts, um aus dem bestrichenen Raume zu kommen. Die Hornissen ptffen uns um die Obren, aber es gab kein Ducken. Wir passierten ablösende Kom­pagnien, Arbeitsabteilungen, Wagenkolonnen. Alles wich scheu zur Seite und erwies dem Allherscher Tod die Ehrenbezeigung. Am Kreuzweg in M . . . wurde die Bahre niedergesetzt. Ich ging zum Major, um zu mel­den und um die Erlaubnis einzuholen, die Leiche weiter zurück bringen zu dürfen. Beim Weggang begleitete mich der Adjutant. Der Vollmond übergoß die Bahre, die vier Träger, den Kameraden K., den Offizier und mich mit feinem gespenstigen fahlen Licht. Geheimnis­voll ragten neben und hinter uns die Mauern zerstörter Häuser zum Nachthimmel. Eine heimatlose Katze schlich leise saunend über den Weg. Wie Paukenschläge des Schicksals dröhnten die schweren Geschütze jenseits des Waldes, der geheimnisvoll bett Horizont abschloß.

Ein halblautesAchtung!" tönt, als der Offizier zur Bahre tritt, die Rechte grüßend zum Helm erhoben, dessen Schuppenkette der einzig leuchtende Punkt in dem Mitternachtgrau ist. Er beugt sich herab und lüftet den Zipfel der Zeltbahn über dem bleichen, unentstellten Gesicht des Toten. Langsam nimmt er den Helm ab, und wir sechs folgen seinem Beispiel, ein stilles Gebet spre­chend. Dann heben die Träger die Bahre auf die Schul­tern und gehen voran. Der Adjutant und wir beide folgen Kein Wort wird gesprochen. Nach ein paar hun­dert Schritt trennen sich die Wege. Den Offizier ruft die Pflicht, für die Lebenden zu sorgen, unser Weg gilt dem toten Freunde. Ein kurzer Händedruck, ein schnelles Zusammennehmen der Hacken bann verlieren wir uns links, der schlanke Offizier rechts int Nebel.. . Zwei Tage später fand auf dem kleinen Mil'tarfriedhof zu St. das Begräbnis statt. Unser Gang ermöglichte ein kirchliches Begräbnis mit allen militärischen Ehren in Anwesenheit unseres Regimentskon,maudeurs. una der Offiziere Wer dem Gebet des Divißon^geistlichen sank der einfache Sarg in die feuchtkühle Erde, und das schwere Geschütz sang brummend das Grablwd.

(Köln. Ztg.)____

Weitere Drahtnachrichten.

Arbeiterunruhen in Italien.

$-» Turin, 12. März. (T. U.) In Carrara, wo seit einigen Tagen, veranlaßt durch die bereits über sieben Monate beschäftigungslosen Marmorarbeiter die gesamte Arbeiterschaft sich im Generalstreik befindet, kam es gestern zwischen der Menge mtb den gegen sie vor­gehenden Truppen und Gendarmen zu zahlreichen blu­tigen Znsammensiößen. Viele Personen wurden ver­wundet und verhaftet.