Fortschritte in
Aus dem großen Hauptquartier
o-* Großes Hauptquartier, 11. März 1915. (Amtlich. WTB.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Ein englischer Flieger warf über Menin Bombe« ab. Erfolg hatte er nur mit einer Bombe, mit -er er sieben Belgier tötete und zehn vermundete.
Die Engländer griffen gestern ««sere Stellung bei Neuve Chapelle an; sie -rangen an einzelnen Stellen i« das Dorf ei«. Der Kampf ist «och im Gange. Ein englischer Vorstoß bei Givenchy wurde avgeschlage«.
In der Champagne richtete« die Franzosen zwei Angriffe gegen den Wal-zipfel östlich von Sonaiu, aus -em sie vorgestern geworfen waren. Bei-e Angriffe w»r-e« blutig abgewiesen.
Die Kämpfe nm -en Reichsackerkopf in -en Vogesen wurven gestern wieder ausgenommen.
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Westlich von Sereje nahmen wir den Russe« 600 Mann, 3 Geschütze «nd 2 Maschinengewehre ab. Ei» erneuter Durchbruchsversuch der Russen südlich von Augustow endigte mit der Vernichtung der dort eingesetzten russischen Truppe«.
Jm Kampfe nordwestlich von Ostrolenka blieben unsere Truppen siegreich; -ie Russen ließen 6 Offiziere, 900 Mann und 8 Maschinengewehre in nnsere» Hände«. Unsere Angriffe nördlich und nordwestlich von Prasznysz machten weitere Fortschritte.
Im Kampfe nordwestlich von Nowe Miasto machte« wir 1660 Gefangene.
Oberste Heeresleitung.
Staatssekretär v. Jagow
über die diplomatische Lage.
Die verstärkte Budgetkommission des Reichstags begann am Donnerstag die Erörterungen des Etats des Auswärtigen Amtes mit einer Aussprache über die gesamte politische Lage. Der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes gab Auskunft über
die gegenwärttge diplomatische Lage
und schilderte dabei im einzelnen unsere Beziehungen zu den neutralen Mächten. Ausführlich wurde die Lage unserer Zivil- und Kriegsgefangenen in den feindlichen Landern besprochen. Die Berichte, die von neutraler L-eite dem Auswärtigen Amte erstattet worden sind, sind zwar in mancher Beziehung beruhigend, in vielen Fällen sind die feindlichen Regierungen ihren Pflichten in der Behandlung der Gefangenen aber nicht nachgekommen. Die gegen das Völkerrecht festgehaltenen Zivilpersonen sind vielfach schlechter behandelt worden, als die Kriegsgefangenen. Dauernd ist die Reichsregierung in Verbindung mit den Schutzmächten und mit wohltätigen Vereinigungen bemüht, für Besserung zu sorgen. Mit schärfster Entrüstung wurde der durch
die Hinrichtung -er Deutsche«
Ficke und Grundler in Casablanca begangene Justizmord besprochen. Von der Regierung wurden die Schritte dargelegt, die geschehen sind, um die Vollstreckung des Urteils zu verhindern. Ueber Vergeltungsmatzregeln behält sich die Reichsregierung ihre Entschlüsse bis zum Eingang des Urteils vor. Die durch die Presse bekannt gewordene Ankündigung der britischen Admiralität, datz
-ie gefangene« Besatzungen der U-Boote
einer anderen Behandlung unterworfen werden sollen als andere Kriegsgefangene, ist sofort zum Gegenstand einer Anfrage bei der englischen Regierung gemacht worden. Dabei ist kein Zweifel darüber gelassen worden, datz zu schärfsten Vergeltungsmatznahmen gegriffen werden würde, falls sich die Ankündigung bestätigte. Die Angabe, datz die Engländer deutsche Gefangene aus Schiffe gebracht hätten, um sie gewissermaßen als Kugelfang gegen deutsche Angriffe zu benutzen, hat sich als irrtümlich herausgestellt. Der Grund der Matznahme ist in den Unterkunftsschwierigkeiten zu suchen. Gefahr liegt für diese Gefangenen nicht vor. In eingehenden Erörterungen Beschäftigte sich die Kommission mit der brutalen und
völkerrechtswidrige« wirtschaftliche« Kriegführung Englands.
Es wurde allgemein zustimmend anerkannt, daß die ge- ;enwärtig ergriffenen Vergeltungsmaßnahmen notwendig und wirkungsvoll sind. Die in Frage des U-Boots- sirieges ergangene Noten fanden allgemeine Billigung.
verstrickt.
Roman von A. von der Elbe.
66) (Nachdruck verboten.)
Der nächste Morgen kam; werde ich heute etwas von Adele hören? dachte Mienchen. Die Arme! Sie hat so unüberlegt gelogen, daß es jedenfalls an den Tag kommen muß.
Allein und eifrig nähend saß sie gegen Mittag über ihre Arbeit gebückt, als die Türe ohne Anklopfen auf- gestotzen wurde und Adele in leidenschaftlicher Hast zu Mienchen Hereinstürzte.
„Da bin ich, Herzensminna" — schluchzte sie mit halb erstickter Stimme, warf sich vor der Ueberraschten auf die Knie und barg ihr vom eiligen Lauf glühendes Gesicht im Schotze der Freundin.
„Adele — armes Deelchen — was ist geschehen?" Minna fuhr liebkosend über den Kopf der Knieenden, von dem diese mit einer verzweifelten Gebärde den Hut gerissen hatte.
„Es ist aus — ich bin verloren —," klagte Adele. „Susanne schreibt, daß meine liebe Mutter gestorben ist, und nun kommt meine Schwester heute oder morgen nach Berlin. Dann sieht Werner Susanne, weiß, datz ich ihn belogen habe, daß ichs doch war, die mit Denta aus der Konditorei kam, und er verwirft und verachtet mich. O, ich bin schrecklich unglücklich." Sie brach in einen Strom von Tränen aus.
Mienchen hob die Zusammengesunkene mit teilnehmenden Worten vom Boden auf und lietz sie sich in der Mutter Lehnstuht setzen. B 1
„Also Susanne kommt -ja, das ist schlimm, dann sieht er natürlich, daß Du ihm eine falsche Schwester vorgeführt hast. Ach, Du armes Herz, warum bist Du auch auf solchen Unsinn verfallen?"
„Den mache ich ja immer!" jammerte Adele, die Hän-e rivgM.
Südpolen und Westgalizien.
Vom österr.-ungar. Generalstab j
Wie«, 11. März. (WTB.) Amtlich wird verlaui- bart, 11. März, mittags:
Die in -en letzten Kämpfen in Rnssisch-Pole« nnd an der Front in Westgalizien bei und südlich Gorlice eroberten Terrainabschnitte und Höhenlinien sind fest in unserem Besitz. Versuche -es Feindes, einzelne Stützpunkte wieder znrückzngcwinnen, scheiterten durchweg.
Neuer starker Schneefall in -en Karpathen hat -ie Gefechtstättgkeit sehr behindert. Trotz dieser ungünstig gen Witternngsverhältnisse hielten an manchen Teilen -er Gefechtsfront Kämpfe an. So wnrve bei Besitznahme einer Höhe -er Gegner mehrere Kompagnien stark zu- rückgeworfen. Zwei Offiziere und -rejhnndertfünfzig Mann gefangen. Einzelne Nachtangriffe -es Fein-es wurden unter Verlusten des Angreifers znrückgeschla, gen.
Den vor den eigenen Stellungen nördlich Nadworna zurückgeworfenen feindlichen Kräften wurden anf der Verfolgvng noch weitere zweihundertachtzig Mann an Gefangenen abgenommen. Im übrigen an dieser Front sowie in der Bukowina Ruhe.
Der Stellvertreter des Chefs -es Generalstabes: v. Ho es er, Feldmarschalleutnant.
Die schweren russischen Verluste in den Karpathen.
Aus dem Kriegspressequartier meldet der Bericht- erstatter des „B. L.-A.": Der Drang der Russen, um leöen Preis an der Karpathenfront einen Erfolg zu er- rmgen, führt trotz des noch immer nicht besonders gün- ittgen Wetters und der geradezu elenden Wegverhält- nisse zu heftigen Kämpfen. Die Angriffe der Russen, die auch diesmal ihre Soldaten in der brntalsten Weise dem Tode zutreiben, scheitern stets unter den riesigsten Opfern. Die Anzahl der besonders in den Hinderniszonen gefallenen Russen steht zu der Anzahl der verwundeten und gefallenen in keinem Verhältnis.
Die „Winterschlacht in der Champagne".
. Ueber die „Winterschlacht in der Champagne", die ein Gegenstück zur „Winterschlacht in Masuren" war, forme über die Zusammenhänge der beiden Schlachten, wird der Korrespondenz „Heer und Politik" geschrieben: Dre Durchbruchsversuche der Franzosen in der Champagne, die nun seit drei Wochen ständig unternommen wurden, sind nach der neuesten Meldung unseres Generalstabes mit 6 Armeekorps, also mit sehr starken Kräften unternommen worden und kläglich gescheitert. Es gelang den Franzosen nicht, unsere Führung tm Westen zu überraschen. Wie sehen wieder hier, wie tm Dezember v. Js. den gleichen Kriegsplan im Westen und Osten, da von beiden Seiten heftige Offensivversuche gemacht wurden, um einen Durchbruch zu ermöglichen. Die französischen Angriffe sind in erster Linie gegen die deutschen Maßnahmen im Osten gerichtet gewesen, wenn sie auch als Selbstzweck naturgemäß aufzufassen sind, da Frankreich wohl in der Champagne eine schwache deutsche Stellung vermutete. Die Tatsache, daß 6 Armeekorps auf einem kleinen Raum zum Durchstoß vereinigt worden sind, bezeugt, daß die Franzosen tatsächlich die Absicht hatten, hier die starke deutsche Mauer zu durchbrechen. Sie sind durch die Erfahrungen, die sie Ende Dezember und Anfang Januar mit ähnlichen Versuchen gemacht haben, nicht belehrt worden, obwohl sie dort 150 000 Mann verloren haben. Wie wenig unsere eiserne Mauer im Westen durch derartige Versuche erschüttert werden kann, geht aus den gewaltigen Erfolgen hervor, die wir in den letzten Wochen und sogar noch in den letzten Tagen gerade im Westen errungen haben. Der Schützengrabenkrieg ist an sich langwieriger als die offene Feloschlacht, aber aus demselben Grunde sind große Erfolge um so höher zu bewerten. Unser Vormarsch bet Luneville auf einer Front von 20 Kilometer und in einer Tiefe von 6 Kilometer erfolgte zur selben Zeit, in der die Kämpfe in der Champagne tobten. Wir haben also im Westen nicht nur die Möglichkeit, dem ungewöhnlich verstärkten Ansturm Joffres die Spitze zu bieten, sondern wir sind auch in der Lage, sehr kräftige Erfolge zu erzielen, obwohl die Franzosen annehmen, daß wir alle verfügbaren Truppen nach dem Osten geworfen haben. Der Durchbruchsversuch in der Champagne war aber ebensosehr angetan, die Bedrohung der eigenen Front zu mildern, wie der russischen Offensive beizustehen. Es war nicht nur der Plan, gleichzeitig mit dem russischen Vorgehen, selbst einen Ansturm zu
„Wenn Deine Flucht zu uns nur nicht wieder etwas dergleichen ist!
„Nein, nein, die war nötig, das einzige, was mir übrig blieb. Ich habe an Papa geschrieben; o, er wird furchtbar böse sein, daß ich mein von Tante geerbtes Geld an Denta weggegeben habe. Aber es gehörte mir, und ich wollte meine Sachen nicht dem schrecklichen Menschen lassen. Er hätte mir ja immer wieder damit gedreht. Wie kann man in solche Not geraten? Aber ich will büßen — büßen!"
„Was denkst Du zu tun?"
„Ich bitte Euch, daß ihr mich hier behaltet. Ich will Deine Gehilfin sein und nähen, eifrig arbeiten, Du kannst es mir glauben!"
„Deelchen — Du hast ja niemals nähen mögen, Du hältst keinen Tag hier in der engen Schneiderstube aus, und sie lassen Dich auch gar nicht hier."
„O, ich will nichts anderes! Ich will still und fleißig bei Dir leben. Wenn mirs schwer wird, so soll das meine Strafe sein, warum habe ich mir mein Glück selbst zerstört."
Frau Ehlers trat ein, und Adele bat unter Tränen, sie da zu behalten. Die Frau war sehr erstaunt. Daß etwas Besonderes, sehr Schmerzliches vorgefallen sei, wußte sie. Sie hatte die muntere Adele von ihrer Kind- Heit an sehr lieb gehabt. So fragte und forschte sie nicht weiter, nahm die Erregte mütterlich in ihre Arme und sagte: „Bleiben Sie bei uns, so lange Sie mögen; aber ich glaube, Ihr Herr Vater wird Sie bald wegholen."
Auch Otto und seine Frau verschonten Adele mit erstaunten Fragen. Er hatte Käthe angedeutet, daß ein Zwist mit dem Geliebten, dicht vor der Verlobung, das Mädchen aus Berlin vertrieben habe, und daß man ihr mit möglichster Rücksichtsnahme über eine schwere Zeit hinweghelfen müsse.
Adele gab sich an den nächsten Tagen, an denen sitz
unternehmen, sondern der Sturm in der Champagne wurde auch darum unternommen, um die starke Bedrohung von Verdun zu entlasten. Die französischen Zeitungen haben schon seit mehreren Tagen gemeldet, daß Verdun immer mehr eingekreist werde. Die Offensive in der Champagne kann man als einen Versuch auffassen, die deutschen Truppen in möglichst großem Umfange von Verdun weiter nach Westen abzuziehen, um das Knie der gesamten Schlachtfront, dessen beide Schenkel sich eng um Verdun legen, außer Druck zu setzen. Wie wenig das bisher gelungen ist, das zeigen unsere jüngsten Erfolge nördlich von Verdun und Luneville.
Von der belgische« Küste.
os* Amsterdam, 12. März. (T. U.) Der „Työ" wird nach dem „B. L.-A." aus Sluis telegraphiert: Gestern nachmittag fam ein englisches Flugzeug über Zee- brügge, Seyst und Knooke. Der Flieger warf Bomben, deren Wirkung unbekannt ist. — Aus der Gegend Nieu- ports hört man schweres Geschützfeuer. Man vermutet, daß der Kampf begonnen hat, den die Deutschen in den letzten Tagen durch Heranziehung von Verstärkungen vorbereiteten.
In Ostenöe ist am Dienstag ein Bürger einem englischen Fliegerangriff zum Opfer gefallen. Die belgische Bevölkerung empfindet das Vorgehen der Engländer als rücksichtslos.
Englische Flieger auf holländischem Boden interniert.
s-s- Rotterdam, 12. März. (T. U.) Der „Nieuwe Rotterdamsche Courant" meldet nach dem „B. L.-A." aus Oosburg (Provinz Zeeland), daß ein englisches Flugzeug in Elrsabethbolden-in der Nähe der Gemeinde Biervliet eine Notlandung vornehmen mußte. In dem Flugzeuge befanden sich Artilleriehauptmann Foyer und Leutnant Eastwovd vom englischen Fliegerkorps. Sie sagten aus, daß sie 5^ Uhr morgens in Ypern aufgestiegen seien und sich im Nebel verirrt hätten. Als ihr Benzinvorrat auf die Neige ging und sie Gefahr liefen, bei den deutschen Linien lanöen zu müssen, beschlossen sie zu versuchen, die holländische Grenze zu erreichen. Die Grenzwache beschoß das Flugzeug und traf es auch mehreremale. Aber die Flieger blieben unverletzt. Sie wurden interniert und nach Groningen gebracht.
Ein englischer Militärflieger ins Meer gestürzt.
$5* Berlin, 12. März. (T. U.) Nach einer Pariser Blättermeldung ist nach dem „B. T." der englische Militärflieger Shesihed, der gestern in Eastbourne aufgestiegen war, aus 250 Meter Höhe ins Meer gestürzt. Seine Leiche wurde geborgen.
Der Tranm eines Friedensfreundes.
Carnegie, der sich gegenwärtig in Paris aufhält, erklärte in einem Interview, daß die Zeit für den Frieden noch nicht gekommen sei. Deutschland muy erst zerschmettert werden; es ist die Aufgabe der Verbildeten, dafür zu sorgen, daß die Welt mit weiteren Kriegen verschont werde. Gegenwärtig sei alle Menschlichkeit vernichtet und die Zivilisation um hundert Jahre zurückversetzt. Niemand aber zweifele, daß der Krieg gute 'Resultate zeitigen würde, das beste wäre die Begründung der Vereinigten Staaten von Europa. Ein derartiger Plan sei sehr schwierig, aber durchführbar. Wenn die Bündnisse und Ententen einen Schritt weiterqesührl werden, so fei der wirkliche Bund fertig. Wörtlich sagte Carnegie: „Wenn ich Kitchener oder Joffre wäre, würde ich keinen Waffenstillstand bewilligen, sondern bedingungslose Uebergabe verlangen."
Die Arbeit der U-Boote.
Der Kapitän des in Nmuiden eingetroffenen Dampfers „Terrier" berichtet der „Köln. Ztg." zufolge, daß er sieben Seemeilen nordöstlich von Schoumerbank das Wrack eines gesunkenen Dampfers bemerkt habe, dessen Masten 2% Meter über den Wasserspiegel ragten.
Aus London wird unterm 11. berichtet: Als der englische Dampfer „Galathen" mit einer Ladung Steinkohlen von Nortshield ausgefahren war, tauchte vor seinem Bug plötzlich ein englisches Unterseeboot auf. Es folgte ein Zusammenstoß, allein die beiden Fahrzeuge blieben seetüchtig.
Das Wrack eines gesunkenen Kriegsschiffes.
o-^ Hamburg, 12. März. (T. U.) Der von Car- diff gestern nachmittag in London eingetrvsfene norwegische Dampfer „Vinstra" hat, wie dem „Fremöenblatt" gemeldet wird, acht Seemeilen westlich des Maasfeuerschiffes den Mast eines gesunkenen Kriegsschiffes pas-
GerichrUches Nachspiel zum „Dacia"-Fall.
e^ Genf, 12. März. (T. U.) Die Beschlagnahme der „Dacia" Bürste außer dem diplomatischen noch ein
nichts aus Berlin hörte, die größte Mühe, der Freundin bei ihrer Arbeit nützlich zu sein. Allein, so entschlossen sie sich auch geglaubt, mit ihrer Vergangenheit zu brechen, die Strafe der Verbannung auf sich zu nehmen und von den Ihrigen verstoßen und vergessen zu sein, ebenso gänzlich wartete sie nun doch auf ein Lebens- und Liebeszeichen.
Endlich am dritten Tag stand plötzlich Susanne vor ihr nnö schloß die Bebende in ihre Arme.
„Mein armes — armes Schwesterchen!"
„O Suse — allerbeste Suse! Gott sei Dank, daß Du Dich um mich kümmerst.! Ich bin ja so furchtbar unglücklich."
„Meill armes, kleines Dummchen, was hast Du nun wieder angerichtet! Wenn es doch möglich wäre, alles auszugleichen."
Adele schüttelte traurig den Kopf: „Das ist unmöglich, ich weiß es. Er vergibt mir nicht; es ist ganz undenkbar, und Papa ist gewiß auch schrecklich böse?"
„Zuerst war ers, er empfing mich in großer Aufregung, erzählte mir die Geschichte mit dem Verwalter und gab mir Deinen Brief."
„Und was sagt er dazu, daß ich Tantens Geld weggegeben habe?"
„Er sprach in sehr harten Eindrücken von Deinem Unverstand, wollte das Kapital zurückfordern, sah aber auf mein Zureden ein, daß dies seine Schwierigkeiten habe und daß er durch ein gerichtliches Verfahren Dich außerordentlich kompromittiere."
„Aber nun erzähle mir erst von unserer armen Mama."
Sie setzten sich zusammen ans Fenster, Frau Ehlers nnö Mienchen arbeiteten in der Nähstube, und Susanne berichtete mit Tränen in den Augen von den letzten Leidenstagen der Mutter.
(Fortsetzung folgt)