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Amtlicher Anzeiger

Bsßugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Duchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

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für den Kreis Hersfeld

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Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zelle 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zelle 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Nr. 61.

Sonnabend, den 13. März

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Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.

I Wer Brotgetreide verfüttert, versündigt ß sich am Vaterlande u. macht sich strafbar.

Bus der Heimat.

»(Vermißte Krieger.) Die Ungewißheit über das Schicksal vermißter Soldaten erfüllt die Ange­hörigen mit banger Sorge. Bei der Unzulänglichkeit der Gefangenenlisten unserer Feinde und all den vielen Zufälligkeiten des Krieges sind auch die amtlichen Stellen und die in Betracht kommenden Organisationen des Roten Kreuzes vielfach nicht in der Lage, Auf­klärung zu verschaffen. Die in der Front kämpfenden Kameraden, der Vermißten, die in Feldlazaretten untergebrachten Verwundeten, wie auch Sanitäts­mannschaften, Feldgeistliche usw. könnten am ehesten Auskunft geben. Zur Vermittlung diesbezüglicher Anfragen ins Feld hat sich dasDeutsche Offizierblatt" mit seiner Mannschaftsausgabe, derFeldpost", (Ver­lag von Gerhard Stalling in Oldenburg i. Gr.) be­reit erklärt. Beide Kriegsnachrichtenblätter gelangen auf Anregung des Großherzogs von Oldenburg durch Vermittlung des Könlgl. Preußischen Kriegsministe­riums bezw. der Oberkommandos der Armeen als Liebesgabe, ohne Kosten für die Empfänger wöchent­lich in annähernd einer Viertelmillion Exemplaren nach allen Kriegsschauplätzen und gehen dort bei den Offizieren und Mannschaften von Hand zu Hand. Die Möglichkeit, auf diesem Wege Gewißheit über den Verbleib ihrer Lieben zu erhalten, wird sicher viele Angehörigen in der Heimat zu neuen Hoffnungen be­rechtigen. Anfragen wären direkt an den Verlag in Oldenburg zu richten.

* (Zehnmark-Noten der Reichsbank.) Ein vom Bundesrat am Montag angenommener Ge­setzentwurf ermächtigt die Retchsbank zur Ausgabe von Noten zu 10 Mark, während bisher ihre kleinsten Noten auf 20 Mark lauteten. Der Geldverkehr habe die Ausgabe dieser Noten als wünschenswert er­scheinen lassen. Bisher waren bekanntlich nur Reichs­kassenscheine zu 10 Mk. im Verkehr. Eine vermehrte Ausgabe dieser Reichskassenscheine habe sich als un­zweckmäßig erwiesen.

§ Hersfeld, 12. März. Die nächste Prüfung von Hufschmieden in Cassel ist auf den 5. Juni an­gesetzt worden. Zu der Prüfung werden nur solche Schmiede zugelassen, die das 19. Lebensjahr vollendet haben und den amtlichen Nachweis erbringen, daß sie sich die letzten drei Monate vor der Meldung zur Prüfung im Regierungsbezirk Caffel aufgehalten haben.

):( Hersfeld, 12. März. (Verbot von Vieh­märkten.) Wegen Seuchengefahr ist im Reg.-Bez. Cassel die Abhaltung einer Anzahl von Viehmärkten für die nächste Zeit verboten worden. Die Verbote betreffen den Kreis Hanau (Gemeinden Bischofsheim, Niederrodenbach), Kreis Hersfeld (Gemeinde Ober- haun), Kreis Schmalkalden (Gemeinde Steinbach- Hallenberg.) Im Kreise Witzenhausen sind die Sperr- maßregeln für die Stadt Allendorf wieder aufgehoben worden.

):( Hersfeld, 12. März. Wegen Mangel an Ar­beitskräften ist es für die Landwirtschaft wichtig, daß zu leichten Arbeiten bei der Frühjahrsbestellung und den weiteren Arbeiten bis zur Ernte kräftige und gesunde Schulkinder ausreichend helfen können. Die Kgl. Regierung ermächtigt die Herren Ortsschulinspek- toren, nach Benehmen, mit den Schulvorständen den Schülern der letzten vier Schuljahre zur Mithilfe an landwirtschaftlichen Arbeiten soweitUrlaub zu erteilen, als es nach den örtlichen Verhältnissen notwendig u. gerechtfertigt erscheint. Wenn ganze Klassen freizu­geben sind oder an mehreren Tagen deren gesamter Unterricht ausfallen muß, ist dem Herren Kreisschul- inspektor davon sofort Anzeige zu machen. Außerdem sind Beurlaubungen einzelner Kinder und ganzer Klassen in der Bersäumungsltste und im Lehrberichte unter Ueberwachung der Herren Ortsschulinspektoren von den Lehrern sorgfältig einzutragen.

):( Hersfeld, 12. März. (Vortrag über Volks- e r n ä h r u n g im K r i e g.) Die behördlichen Maß­nahmen zur Sicherung unserer Nahrungsmittelver­sorgung machen die Belehrung des Volkes über zeit­gemäße Lebenshaltung keineswegs überflüssig. Oft sind die gutgemeinten Anordnungen der Behörden wirkungslos, daher die Notwendigkeit, durch Vorträge noch zu wirken. Es ist dem Vorstand des Roten Kreuzes gelungen, Frau Johanna Waescher aus Cassel zu gewinnen, welche am Mittwoch d. 17. d. Mts. Hier einen zeitgemäßen Vortrag halten wird über ,^Vaterlandsdienst in der Haushaltungsführung." Wir wünschen dem Vortrag guten Besuch.

Cassel, 11. März. Des Vergehens gegen die Kriegsbrotverordnung waren gestern vor dem Schöffengericht neun Inhaber hiesiger Bäckereien an­geklagt. Der Inhalt der einzelnen Anklagen war zwar voneinander verschieden, doch läßt sich kurz dar­über summarisch berichten, da es sich um Außeracht­lassung und Nichtbefolgung derselben gesetzlichen Be­stimmungen der Bundesratsverordnung vom 5. 1. 15 handelt. Die Angeklagten haben nicht genügend dafür gesorgt, daß in den ersten Tagen nach Inkraft­treten der Bundesratsverordnung genau nach Vor­schrift gehandelt wurde. So haben einzelne Roggen­mehl "verbacken lassen, ohne es vorher genügend mit Kartoffelmehl zu vermischen, andere wieder die Be­kanntmachungen über das Kriegsbrot nicht in ihren Verkaufsläden ausgehängt oder das gebackene Brot zu frisch verkauft, den erforderlichen StempelK" nicht darauf gedruckt oder die Arbeitszeit des Abends in den Bäckereien über die festgesetzte Stunde ausge­dehnt, die Stunde der Teigansetzung nicht beachtet usw. Das Gericht ließ tunlichste Milde walten und verurteilte die Angeklagten nur zu je 1020 Mark Geldstrafe je nach dem Grade ihres Verschuldens.

Göttingen, 11. März. Der 13jährige Sohn Adolf des Kutschers H. hat sich am Montag abend in einer Laube mit einem Revolver erschossen. Die Schüsse sind in die Schläfe abgefeuert, so daß der Knabe wohl sofort tot war. Die Eltern des Knaben, die in be­scheidenen Verhältnissen lebten, hatten sich 174 Mark gespart, um ein Schwein zu schlachten. Der Junge muß von dem Versteck des Geldes Kenntnis erhalten haben und hat es seinen Eltern eines Tages weggenommen. Jedenfalls erregte der Junge alsbald unter seinen Spielgefährten durch seine Geldausgaben Aufsehen. Als man das Geld vermißte, stellte der Vater den jugendlichen Missetäter zur Rede. Das muß sich wohl 'der Knabe zu Herzen genommen haben und ist am Montag von der Schule nicht heimgekehrt.

Gerstungen, 8. März. Für die am 1. Juli d. J. freiwerdende Bürgermeisterstelle sind 27. Bewerbungen eingegangen. Es soll eine engere Wahl vorgenommen werden.

Gotha, 11. März. Anstelle des verbotenen Gothaer Volksblattes ist dem Verlage Wilh. Bock & Co. in Gotha die Herausgabe eines neuen Blattes mit anderem Namen und anderer Schriftleitung gestattet worden. Die Begründung dieser Maßnahme ist in folgender, am Kopfe der ersten Nummer des neuen Blattes abgedruckter Erklärung niedergelegt:Zu den Vorgängen, durch welche das zweite Verbot des Gothaer Volksblattes veranlaßt worden ist, habe ich dem stellv. Generalkommando folgende Erklärung ab­gegeben : Während ich mich zu einer Reise nach Berlin rüstete, ist in der Unterhaltungsbeilage des Volks­blatts Nr. 4 vom 31. Januar 1915 ohne mein Vor­wissen ein Aufsaß:Die Feldmäuse und die Hamster" erschienen. Ich billige diesen Aufsatz nicht: ich würde seine Aufnahme, getreu meinem demGeneralkommando am 15. Januar 1915 gegebenen Versprechen, verhindert haben, wenn ich ihn gekannt hätte." Daraufhin hat das Generalkommando die Herausgabe des hiermit neu erscheinendenGeneral-Anzeigers für das Her­zogtum Gotha", dessen verantwortliche Leitung ich selbst übernommmen habe an dem die bisherigen Schriftleiter des Gothaer Volksblattes keinerlei re­daktionelle Tätigkeit ausüben, gestattet, gez. W. Bock."

Fulda, 11. März. Unter den aus französischer Kriegsgefangenschaft entlassenen schwer verwundeten Deutschen befindet sich u. a. auch Hauptmann von Us- lar, welcher durch einen Kopfschutz gänzlich erblindet ist und in Reims lag. Hauptmann von Uslar ist einer der drei im Felde stehenden und sämtlich mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichneten Söhne des in Fulda wohnenden Rittergutsbesitzers Freiherr» von Uslar-Gleichen.

Kriegswirtschaftliche Berataag.

Der von dem Rhein-Mainischen Verband für Volksbildung in Gemeinschaft mit dem Sozialen Museum in Frankfurt a. M. am 7. und 8. März ver- anstaltete kriegswirtschaftliche Lehrgang war von un­gefähr 200 Teilnehmern, hauptsächlich aus den Dörfern und den kleinen Städten der Provinz Hessen-Nassau und des Großherzogtums Hessen besucht. Es wurden im ganzen zehn Vorträge gehalten über die Kriegs­ernährungsfrage und die Bestellung der Felder während der Kriegszeit, an die sich eine lebhafte Aus­sprache von Seiten der Teilnehmer anschloß. Wie bereits früher an dieser Stelle mitgeteilt, sollte dieser Lehrgang dazu dienen, solche Persönlichkeiten, die sich für die Belehrung und Beratung der Landbevölker­ung in kriegswirtschaftlichen Fragen zur Verfügung stellen wollen, in den Gedankengang und in die Methodik dieser Arbeit einzuführen. Nach Beendigung des Lehrgangs ist nun ein Stab von Mitarbeitern über die ganzen hessischen Lande zerstreut, welche überall in Ihrer engeren Heimat dahin wirken können, daß der mit dem Lehrgang verbundene Zweck auch im einzelnen erreicht wird, nämlich die Bevölkerung über alle durch den englischen AushungerungSplan

etwa möglichen Schädigungen und über die Mittel, diesen zu begegnen, in sachkundiger Weise zu unter­richten. Damit ist aber erst der erste Schritt getan, auf dem Wege alle üblen Folgen des englischen Vor­gehens schon im Keime zu ersticken und sofort die richtigen Gegenmaßregeln zu ergreifen. Die unsere Wirtschaft während des Krieges bestimmenden Ver­hältnisse sind einem steten und oft sehr raschen Wechsel unterworfen. Immer neue Einflüsse machen sich geltend. Auch der Wechsel der Jahreszeiten und an­dere natürliche Vorgänge bedingen eine fortgesetzte Aufmerksamkeit und gelegentliche Aenderung in der Marschrichtung. Aus diesen Gründen ist es not­wendig, überall, selbst an den kleinsten Orten, ständige Beratungsstellen einzurichten, die je nach den ört­lichen Verhältnissen sehr verschieden gestaltet werden können. Um diese Beratungsstellen auf dem Laufenden zu erhalten, hat sich aus den Reihen der Teilnehmer des Frankfurter Lehrganges ein kriegswirtschaftlicher Ausschuß gebildet, zu dessen Organ die Geschäftsstelle des Rhein-Mainischen Verbandes für Volksbildung gewählt wurde. Dem vorläufigen Arbeitsausschuß, welcher befugt ist, geeignete Persönlichkeiten aus allen in Betracht kommenden Landesteilen zu seiner Arbeit heranzuziehen, gehören zunächst an: Frau Friederike Bröll aus Oberursel und die Herren Dr. Ernst Cahn in Frankfurt a. M., Geheimer Hofrat Professor Dr. Haupt in Gießen, Pfarrer Hofmann in Wingenroth, Dr. Robert Kahn in Frankfurt am Main," Stadtrat Professor Dr. Ph. Stein in Frankfurt a. M., und Expositus Wolf in Steinesrenz im Westerwald. Die Geschäftsstelle des Rhein-Mainischen Verbandes für Volksbildung in Frankfurt a. M., Paulsplatz 10, bittet alle Persönlichkeiten, die bereit sind, ihre Kraft in den Dienst dieser Sache zu stellen, sich mit ihr in Verbindung zu setzen und nimmt Anregungen hin­sichtlich der kriegswirtschaftlichen Lage von allen Be­völkerungskreisen mit Dank entgegen. Sie wird ihre Tätigkeit damit beginnen, daß sie eine Reihe von Flugschriften und Merkblättern herausgibt und diese durch ihre schon vorhandenen und durch neu zu schaffende Organisationen den weitesten Bevölkerungs­kreisen vermittelt. Außerdem vermittelt sie Vorträge über die Kriegsernährungsfrage und die kriegsmäßige Bestellung der Felder und richtet an allen Orten, wo das gewünscht wird, kriegswirtschaftliche Beratungs­stellen ein. Sie stellt ihre Arbeitsmittel allen den Stellen zur Verfügung, welche, wie z. B. wie die staatlichen Verwaltungsbehörden in der gleichen Richtung aufklärend und belehrend vorgehen.

Anbau und Düngung der Kartoffel

Die Kartoffel ist gegenwärtig unsere wichtigste Brotfrucht. Ihr ausgedehnter Anbau wird uns am sichersten gegen den Aushungerungsplan unserer Gegner schützen, vorausgesetzt, daß das Wetter nicht allzu ungünstig ist und der Anbau sachgemäß gehand- habt wird. Alte Kultur im Boden ist sehr erwünscht. Der Anbau der Kartoffel auf bisher unkultiviert liegenden Lündereien wird daher immerhin recht un­sicher sein. Neben guter Bodenbearbeitung und Pflege die Kartoffel liebt einen lockeren, nicht nassen Boden, dessen obere Schicht durch Häufeln, wiederholtes Hacken usw. möglichst unkrautfrei und locker zu halten ist hängt der Ertrag der Kartoffel in erster Linie von der Düngung und Auswahl der Sorte ab. Hier im Westen gilt gegenwärtig unter den späten Sorten die Jndustriekartoffel als diejenige, welche den höchsten Ertrag bringt, wenn ihr auch nicht überall feiner Ge­schmack und große Haltbarkeit nachgerühmt werden.

Als Dünger sollte zunächst überall guter Stall­mist in Frage kommen. Stall- und Gründünger werden von keiner Pflanze besser ausgenutzt als von der Kartoffel. Auf magerem Boden wird der Stall­mist zweckmäßig im voraus (im Herbst oder rechtzeitig im Frühjahr) untergepflügt, auf gutem Kulturboden dagegen sprechen die praktischen Erfahrungen dafür, die Kartoffeln in den frisch untergepflugten Stall­dünger zu Pflanzen. Meistens wird sich noch eine künstliche Beigabe von Stickstoff und Kalt und auch von Phosphorsäure lohnen, wodurch die Ertrage mit Leichtigkeit um 10-20 Ctr. und mehr vorn Morgen erhöht werden. Eine Kalidüngung durfte tn diesem Jahre, auch neben Stalldünger, überall zu empfehlen sein und zwar 1-2 Ctr. 40°/° Kalisalz, auf 1 Morgen (2500 am) berechnet; das Kalisalz wird je eher desto besser, spätestens 23 Wochen vor dem Legen der Knollen, ansgestreut. Kainit eignet lief) tm Frühjahr zur Kartoffeldüngung nicht. Der Stickstoff kann in Form von schwefelsaurem Ammoniak oder Ammonrak- Superphosphat oder namentlich auch Guano gegeben werden. Der Guano (Füllhornmarke) hat sich von jeher als ein vorzüglicher Kartoffeldünger erwiesen und kann was bei der Knappheit an Kunstdünger in diesem Jahre besonders wichtig ist in der Weise sparsam und doch zugleich sehr wirksam verwendet werden, daß er mit der Hand in einem kleinen Um­kreise um die Pflanzkartoffel (nicht direkt an die Kar­toffel) gelegt wird. Man rechne auf 1 Morgen etwa 2-4 Ctr. Guano. Je besser die Düngung, um so höher der Ertrags das gilt auch insbesondere für den Anbau der Frühkartoffel.