selbst wenn wir ein Dutzend Torpedoboote und drei oder vier Panzer verlieren würden, darf uns dies gegen die Erreichung unseres Zieles nicht verstimmen. Die Forcierung der Dardanellen ist nicht nur eine militärische, sondern auch eine hochpolitische Aktion. Die Dardanellen sind ein zweites Gibraltar, dessen Besitz Englands Herrschaft im Mittelmeer endgültig machen wird.
Englische Drohung an Griechenland.
^ Konstantinopel, 9. März. (T.-U.) Eine Athener Meldung besagt nach der „Dtsch. Tgztg.", daß Griechenland von England kategorisch znr Ablegung eines politischen Glaubensbekenntnisses aufgefordert wurde mit der Bedrohung, die Herrschaft Griechenlands im Aegä- ischen Meer zu unterbinden, falls es dreibundsrenndlich bleiben wollte. Frankreich schloß sich der Drohung an, die durch Die bereits gemeldete Besetzung Der Insel Lemnos durch die Engländer den entsprechenden Nach-
Die durch die bereits gemeldete Besetzung Lemnos durch die Engländer den entspreche ,
druck erfahren hat. Der Kronrat soll in seiner Mehrheit die gestellten Forderungen abgelehnt haben.
Der Rücktritt Venizelos.
Nach Athener Meldungen verlief die Kammersitzung worin Veniselos seinen Rücktritt ankündigte, kurz und kalt. Die Erklärungen Veniselos wurden schweigend angehört, doch bereiteten ihm die Abgeordneten der Kriegsparteien am Schluß der Sitzung eine Ovation.
6-» Athen, 9. März. (T. U.) Nachdem Zaimis die Kabinettsbildung infolge der Weigerung des bisherigen Ministerpräsidenten Veniselos, ihn in der Kammer zu unterstützen, abgelehnt hat, berief der König gestern nach der „Bl. Mp." Gunaris zu sich, der nachmittags 4 Uhr seinen Entschluß mitteilen wollte, ob er die Bildung des Kabinetts übernehmen könne.
Eine Verschwörung gegen König Konstantin?
Der epirotische Bandenführer Athanasius Kutzior soll nach einer Mailänder Meldung der „Frkf. Ztg." in Athen verhaftet worden sein, weil er einen Anschlag auf das Leben des Königs organisierte.
Der Balkan.
Rumäniens Bereitschaft.
Die „Frkft. Ztg." meldet aus B u k a r e st: Die rumänische Regierung verlangt einen weiteren außerordentlichen Militärkredit von 200 Millionen.
Ausdehnung der bulgarischen Mobilisation.
Angesichts der ungewissen Haltung Griechenlands hat die bulgarische Regierung die Mobilisation weiter ausgedehnt. Man glaubt in Sofia, daß ein evtl. Eingreifen Griechenlands den allgemeinen Brand auf oem Balkan entfesseln würde. Die griechische Armee würde aller Wahrscheinlichkeit nach im Ernstfälle nicht nur mit den Türken, sondern auch mit Rumänien und Bulgarien zu kämpfen haben.
Die Neutralen.
Eine wichtige italienische Ministerbesprechung.
Die Turiner „Stampa" berichtet aus Rom: Sa- landra und Giolitti hätten zur Besprechung der internationalen Lage eine längere Besprechung gehabt. Sa- landra habe sich zu Giolitti in dessen Privatwohnung begeben. Die beiden Politiker seien in voller Uebereinstimmung und von dem Ergebnis der Unterredung sehr befriedigend geschieden. Die Tatsache allein, daß diese Unterredung stattgefunden, sei von größter Bedeutung. — Nach der Mailänder „Sera" wird das wichtige Ereignis in den parlamentarischen Kreisen in dem Sinne gedeutet, daß die Haltung der italienischen Regierung entschieden aus eine aufrichtige Verständigung mit Deutschland auch in Bezug auf die Verwirklichung der nationalen Bestrebungen Italiens gegenüber Oesterreich-ungar« gerichtet sei.
Krieasallerlel.
Zwei Deutsche in Frankreich wegen Spionage vernrteilt.
Die beiden Deutschen Hans Haas und August Da- ring waren in Frankreich vom Kriegsgericht der Nord- regtott wegen Spionage angeklagt und wurden nach längeren Verhandlungen, die unter Ausschluß der Oef- fentlichkeit stattfanden, jetzt zu Festungshaft verurteilt, wie ich sie auf der Westfront fand.
Explosion eines Blindgängers.
In einer Zinngietzerei in Meidling bei Wien explodierte nach der „Frkf. Ztg." ein russisches Schrapnell, das als Blindgänger von verwundeten Soldaten von der Front mitgebracht und als altes Eisen verkanft wurde. Ein Arbeiter wurde getötet, drei schwer verletzt.
Abänderung der englischen Offiziers-Feldausrüstung.
Der „Rotterdamsche Courant" berichtet, daß die Feldausrüstung der vrittfdjen Jnfanterieoffiziere abgeändert worden sei. Die Offiziere trügen nicht mehr Säbel, sondern Gewehre und Tornister wie die Soldaten. Das Offiziersabzeichen werde zukünftig auf dem Aermelaufschlag getragen.
Ein russisches Münchhausen Der Luft.
Die englischen Zeitungen veröffentlichen von Zeit zu Zeit Kriegsanekdoten aus Petersburg, die derartig unglaublich sind, da selbst die englischen Blätter nicht umhin können, ihren treuen Verbündeten und guten Freunden im Osten einige kleine Nadelstiche zu versetzen. Unter dem Titel „Ein russisches Münchhausen der Luft" veröffentlicht der „Daily Chronicle" einen aus Petersburg stammenden Bericht über die „Heldentat" eines russischen Fliegers. Terentisch Paschaloff, ein freiwilliger Flieger, der der Armee General Iwanows zugeteilt ist, mußte mit seiner Maschine, die mit einem Maschinengewehr ausgerüstet ist, infolge Motordefekts hinter den österreichischen Linien niedergehen. Während sein Mechaniker die Maschine reparierte, kamen sechs Oesterreicher an, die Russen feuerten eine Granate aus ihren: Geschütz ab und fünf Oesterreicher bedeckten den Boden, der sechste ergab sich. Um ihn nun nach den russischen Linien zu bringen, band ihn Paschaloff an das Hintere Steuer seiner Maschine und flog mit ihm unter einem Hagel von Geschossen zu den russischen Stellungen zurück. Während des Fluges hatte der Gefangene versucht, sich lvsznbinden und bereits eine Hand freibekommen. Paschaloff gab ihm jedoch einen heftigen Schlag auf den Kopf, sodaß er bewußtlos wurde und so konnte er ihn Dem russischen Feldherrn vorführen.
Entgleiste Feldpostadressen.
Im Anschluß an eine Uebersicht über den Umfang, den die Kriegsgefangenenkorrespondenz angenommen hat, teilt die Postbehörde eine Reihe entgleister Feld- postadressen mit, die zum größten Teil wohl nicht ganz unbeabsichtigt sind. So hat man folgende Adressen gefunden: Obertrompelcr der Fußlappenkolonie, Korsch- leckerei (Korpsschlächteret), Möbliertes Ersatzbataillon (Mobiles), Komponiertes Landwehrregiment (Kom- biuierteS), Rabbinerregiment (Karabiner-), Feldmenü- kolonne, Acroplanmäßige Batterie (Ueberplanmaßige), Prvbeannahmekolvnne (Proviantkolonne), Beschiffer- tnivvc (Bayerische Luftschiffertruppe), „Faktelte" oder auch „Verkühlte Katholieke" (Lazarett facultee catho- liaue), Feldpostlilie 3 (Feldpoststation 3 Lille), Fliegende Baukomvaante, Schwolneproviantkolonne
(Schwere), Belegungstraln (Belagerungs-), Lanowehr- vorpackkolonne (Fuhrpark-), Schwere dritte Provisionskolonne (Proviant-), Betriebseisenbahndirektion 3. Galerie (3 Charlerot), Armeegruppe Beilchenhausen (Falkenhausen), Paketunterschlagstelle (Umschlagstelle), An den Tatzmüzegen Feldwebel (etatsmtttzigen), Feldpost- station Cholera (Charlerot), Kosfersprechabteilung (Korpsfernsprech-), Zeughauslazarett (Seuchen-), 7. Kalvarienbrigade (Kavallerie-), 5. Artilleriemonika (Munitionskolonne), Papa-Gefuhr (Bagageführer), 6. Feldartilleriemunitionskalender (Kolonne), An die Marie in Fournes (Mairie) 1. schwere Munuzian-Kap- lanei (Munitionskolonne), 4. Trainballon (Tram- bataillon), Pianoregiment 20 (Pionier-), Ordenslaza- rett (Ortslazarett).
Politische Rundschau
Die Erledigung Der Reichstagsarbeiten.
eine
Montag abend fand im Reichskanzlerpalais Besprechung zwischen Vertretern der Reichsregierung und den Vorständen der Reichstagssraktionen über die in der bevorstehenden Tagung des Reichstages zu erledigenden Geschäfte und die Art ihrer Behandlung
statt.
Vertagung des preußischen Landtages bis zum Ma>
Wie verlautet, hat die königliche Staatsregierung, die den preußischen Landtag zuerst bis in den November vertagen wollte, den einstimmigen Beschluß der Fraktionssiihrer erfüllt und die Vertagung nur bis Ende Mai gutgeheißen. Ein entsprechender Gesetzentwurf wird am Dienstag in der voraussichtlich letzten Sitzung des Abgeordnetenhauses einmütig angenommen werden.
Vermischtes.
Teuer bezahlte Leichtgläubigkeit. Trübe Erfahrungen mußte ein Berliner Geschäftsmann durch seine Leichtgläubigkeit machen. Er lernte die Handelsfrau Made und oeren Schwester rennen, die ihm erzählten, daß sie 19 500 jZ geerbt hätten. Ohne die Richtigkeit dieser Angaben zu prüfen, ließ er sich von den beiden Frauen überreden, erst 850 ^. und später immer größere Summen für angebliche Geschäftsgründungen herzugeben. Im ganzen opferte er über 10 000 yz Die beiden Frauen tauschten ihn durch gefälschte Schriftstücke, bis sie schließlich noch 1200 Jl. verlangten, um damit in den Besitz der Erbschaft zu kommen. Jetzt endlich schöpfte der Geschäftsmann Verdacht und erfuhr bei der ersten Nachfrage, daß er zwei Schwindlerinnen in öi^ Hände gefallen war.
Zehn Monate Gefängnis für einen Wunderdoktor.
Von der Strafkammer in Beuthen O.-S. hatte sich der Holzarbeiter Johann Osorowski aus Neu-Strelitz wegen Betruges zu verantworten. Im Dezember 1912 gab er sich als „Schäfer" aus Kreuzburg aus und erbot sich, einen tranken Arbeiter Langer in Schlesiengrube, der an Wassersucht litt, zu heilen. Er redete diesem vor, daß er „verhext" sei und gar nicht an Wassersucht leide. Der Teufel sei leicht auszutreiben. Der Kranke sowohl wie die leichtgläubigen Familienangehörigen glaubten dem Schwindler, der sofort seinen Hokusporus begann. In ein neues weißes Taschentuch wickelte er ein Ei, ein 50-Pfennigstück, ein 10-Pfennig- stück, ein 5-Pfennigstück, ein 2-Pfennigstück und ein 1-Pfennigstück ein, begab sich recht geheimnisvoll in den Hausflur, ließ den Kranken bestimmte Gebete verrichten und sprach seine „Zauberformel". Dann schlug er kräftig auf das Ei im Taschentuch und zog aus dem Brei einen mit Haaren umwickelten Knochen, indem er frohlockend den Knochen zeigte, der die Krankheit öar- stelle. Dem Kranken versprach er baldige Genesung, ließ sich 2 yz geben und verschwand. Die Strafkammer verurteilte den Schwindler zu zehn Monaten Gefängnis und drei Jahren Ehrverlust.
Fünf Todesopfer eines Erdsturzes. In Mewe (Westpr.) ist eine Bergwand in der Nähe des Weichsel- ufers abgestürzt. Ein am Abhang stehendes Wohnhaus wurde dabei verschüttet und unter den Trümmern eine Frau und vier Kinder begraben. Die Rettungsarbeiten wurden zwar unverzüglich mit Hilfe des Militärs vor- genommen, doch konnten alle fünf nur als Leichen her- vorgezogen werden. Eine andere Frau, die nur halb verschüttet wurde, kam noch mit dem Leben davon. Es wird angenommen, daß ein Wasserrohrbruch das Erdreich unterspült und so das Unglück herbeigeführt habe.
Verhaftete Rabeueltern. In Schildesche bei Arus- berg wurde nach der „Frkft. Ztg." ein Ehepaar verhaftet,'das seine beiden Kinder im Alter von drei Jahren und acht Wochen ermordet hat. Die Kinder waren durch Schläge auf den Kopf getötet und dann in einen Bach geworfen worden. z _
Schwerer Unfall in einem Steinbruch. Dre „Münch. Neuest. Nachr." melden aus Laufensulzbach: Im Or- tholinger Steinbruch stürzte ein weit überhaugender Stein'ab mib begrub drei Steinbrecher, sünülich Familienväter. Die Unglücklichen dürften kaum geborgen werden, um so weniger, al die Ausgrabungsarbelten mehrere Tage beanspruchen dürfen. ,
Ein neuer Postwagenbrand. Unlängst ist wieder ein mit Postsendungen belaöener Eisenbahnpostwagen offenbar infolge Selbstentzündung einer Sendung zwi- schen den an der Ostbahn gelegenen Stationen Rehfelde und Strausberg in Brand geraten. Der Wagen war in Bromberg mit 600 Paketen und 80 Briefsäcken, enthaltend Feldpostpäckchen, die zum Teil für die Feld- postsammelstellen in Koln-Deutz, Metz, Stratzburg, Trier und Berlin bestimmt waren, beladen worden. Ein Teil der Ladung ist verbrannt, ein anderer Teil hat beim Löschen des Feuers durch das Wasser gelitten; nur wenige Sendungen sind unversehrt geblieben. In dem Brandschntt haben sich an verschiedenen Stellen Reste von Streichholzschachteln, sowie die Hülse einer Militärpatrone vorgefnnden. Der Mißbrauch, feuergefährliche Sachen in Postsendungen zu verschicken, hat offenbar auch in diesem Falle Den Brand verursacht. Von amtlicher Seite ist mit Rnckncyt auf die wiederholt vorgekonnnenen Selbstentzündungem von Postsendungen und die dadurch hervorgernfenen umpangreichen Brände vor der Versendung feuergefährlicher Gegenstände durch die Post dringend gewarnt worden. Diese Warnung kann nicht ernstlich genug wiederholt werden. Außerdem hat jeder, der Dein Verbot zuwiderhandelt, — vorbehaltlich der Bestrafung nach den Gesetzen — für den entstehenden Schaden zu haften.
Er hat ein Belmirbines!
Die „Kieler Zeitung" veröffentlicht in der Serie ihrer „Kieler Feldpostbriefe" eine hübsche Epistel, die ein hartgesottener Feldgrauer ausj „Villa Sorgenfrei, Straße Lustig (Fernsprecher: Amt Schützengraben II 42)" einem Freund in der Heimat gesandt hat. Er er- ^ühlt darin in der Hauptsache, wie er das Eiserne Kreuz . ES war am 12. Oktober 1914. Unser Bataillon lag im Schützengraben. 600 Meter davon lag in
einem zerschossenen Gehöft der Batamons^-llw. Ich gehörte als Befehls-Empfänger für die Compagnie dazu. Nachmittags 2 Uhr, bei strahlendem Sonnenschein, fragte der Major v. K.. wer von uns vier Befehls- Empfängern zum Bataillon in die Schützengräben gehen wolle. Dieses war bei Tage eine kitzliche Geschichte, denn die Herren Franzosen und Turkos hatten die häßliche Angewohnheit, auf jeden Kerl mit Kanonen und Maschinengewehren zu schießen. Wer sich nicht vorsah, bekam ein Stück „Eisen ins Kreuz". Also ich meldete mich freiwillig. Der Major sah mich fragend an, da ich ihn aber lachend wieder anseh. sagte er: „Gut, N., Sie werden es schon machen." Ich dachte: „Danke für die gute Meinung." Und los: „Na, denn man to." Ohne Gewehr, damit ich gut laufen konnte, machte ich mich auf den Weg, und kaum war ich hundert Meter gelaufen, ging das Höllenkonzert los. Hui, hui, ratsch-ratsch-knack-knack- knack ging es mit Schrapnells, Granaten und Maschinengewehren über, neben, hinter und vor mir armen Sünder los. Pump mir mal nen Daler, dachte ich und lief weiter, immer Sprung auf—lauf, lauf. So kam ich glücklich im Schützengraben an, gab meine Befehle ab und dann gings wieder über freies Feld zurück. Hatte «6 schon auf dem Hinmarsch Konzert gehabt, nun war die Kapelle verstärkt worden. Es blitzte und pfiff um mich her, daß meine Zigarre beinahe ausgegangen war, und das will viel sagen. Ich lief im Zickzack vorwärts. Plötzlich kamen mir die Geschofse aber so nahe, daß sie mir bald meine neue feldgraue Uniform zerschossen hätten. Also was machen." Halt, ich werfe die Arme in die Luft und meinen werten Kadaver auf die Erde. Und siehe da — gefeuert wurde nicht mehr. Quäle ungefähr noch zehn Minuten meinen Zigarrenstummel, und dann laufe ich, was das Zeug halten will, zum Major mit meiner Meldung. Der Major hatte aber mit seinem Fernrohr meinen Lauf verfolgt und als ich mich hin- warf, gesagt: „Verflucht, nun ist N. abgeschossen." Krankenträger hatten Befehl erhalten, um mich zu holen, sobald es dunkel wurde. Du kannst Dir die verdutzten Augen des Majors nicht vorstellen, wie ich plötzlich heil und gesund vor ihm stehe und meine Meldung abgebe. „Ich, ich denke, Sie sind gefallen?" sagte er. „Jawohl, Herr Major, aber ich bin wieder aufgestan- öen," war meine Antwort. Darauf lachte er herzlich und sagte: „Ja, schlau sind die Franzosen, aber Sie haben Sie doch an der Nase geführt." Darauf dankte ich dem Herrn Major und sagte ihm, daß ich im Besitz eines Re- tburbillets wäre, worauf er wieder lachte . . ."_______
We h’e Xiro’et Kmserjüiier sümpfen.
Ein charakteristisches Beispiel für die todesmutige Un- erschrockeicheit der Tiroler Kaiserjäger, deren ja kürzlich auch in einem Tagesbericht der österreichissch - ungarischen Heeresleitung gedacht wurde, berichtet ein Feldpostbrief eines Zugführers vom ersten Kaiserjägerregiment, der in Galizien kämpft^ Aus dem interessanten Brief, den das „Neue Wiener Isageblatt" wiedergibt, entnehmen wir die eindrucksvolle Schilderung eines Sturmangriffs auf die russijvln Stellungen. Es heißt da u. a.:
, Sie große silberne Tapferkeitsmedaille eroberte ich mir in Rußland am 18. und 23. November 1914 bei Wro- nin und Makazice. . . . Am 23. um 3 Uhr früh erhielt ich Befehl, ld:en vor uns liegenden Ort Makaziee abzupa- troullieren. Mit sechs Jägern machte ich mich auf den Weg.
Das Ergebnis unseres Zuges war 26 gefangene Russen. Auf der Straße, mitten im Orte, erwartete ich meine Kompagnie. Da hieß es schon wieder: Angriff auf die Höhen hinter dem Dorfe. Die Russen merkten unser Borhaben und empfingen uns mit furchtbarem Feuer. Auf der Höhe angekommen, waren wir schon mitten unter den Russen. Wir mit Hurra, die Russen heisza, mit Bajonett und Kolben arbeiteten wir wie die Wilden. Ich rückte am linken Flügel der Kompagnie beziehungsweise des Bataillons vor, und zwar mit 25 Mann; rechts von mir sehe ich noch kleine Gruppen Jäger verzweifelt kämpfen gegen zehnfache Uebermacht. Meine braven Jäger sümpften wie die Löwen. Geschossen wurde nicht mehr. Ein riesiger Tscherkesse stürzte mit wildem Gebrüll auf mich los, um mir den Schädel einzuschlagen, aber mein Bajonett ivar schneller; ein wilder Fluch waren seine letzten Laute.
Die Russen in den ersten Deckungen hatten wir schnell erledigt. Dahmter standen in zwei Staffeln die russischen Infanteristen, die ganz paff über unsern Angriff waren. Als sie bemerkten, daß ihnen nur ein Häuflein Jäger gegenüberstand und ihre Kameraden in den ersten Deckungen ausgerieben waren, ging die Hölle los. Wie ich mich um meine Kameraden umsah, war noch ein Zillertaler bei mir, alle anderen waren tot oder verwundet. Fünfzig Schritte vor dem Feinde lagen wir platt am Boden. Sie Russen winkten mir, ich solle mich ergeben; ich winkte zum Hohn mit meiner Mütze zurück. Die Moskalen schössen, wenn sich ein Verwundeter rührte, auf ihn, bis er tot war. Mit Maschinengewehren wurde sogar auf verwundete Jäger geschossen' Um nicht gefangen oder wie ein Hund niedergeschossen zu werden, riß ich vom Gewehr das blutige Bajonett herunter und grub mit diesem die gefrorene Erdschichte weg, worauf ich mit dem Spaten ein Loch aushub, in dem drei Platz hatten; ein Jäger von einer anderen Kompagnie, welcher auch mit im Handgemenge war, kroch mit in unser Loch. Die Situation war verzweifelt: Bor uns auf fünfzig Schritte die russischen Linien, die Teile unserer Kompagnie 400 Meter hinter uns. Wir entschlossen uns, bis zur Dunkelheit auszuhalten. Seitwärts waren Kartoffel- und Rübenhaufen, von diesen wollten sich die Moskalen immer holen. Wir verkauften diese „Pattati" jedoch teuer; sahen wir seitwärts einen Moskalen, dann hatte seine Stunde geschlagen. In ohnmächtiger Wut mußten wir zuschauen, wie weiter drüben die Russen unsere Soldaten auSraubten. Bei Einbruch der Dämmerung kamen 25 bis 30 Russen auf unser Loch zugesteuert, wahrscheinlich um uns zu fangen und die Toten zu berauben. Zu meinen Leuten sagte ich: „Nur nahe heranlassen und gut zielen!" Auf sechs Schritte ließen wir sie heran. Drei purzelten auf einmal, schnell repetiert: noch drei. Bor mir flehte einer mit aufgehobenen Händen um Gnade. Ich sagte: „Du mußt auch sterbe«!" Er fiel nach rückwärts. Dann mit blanken Bajonett und Hurra auf die anderen los; mit Jamniern liefen sie zurück. Bis sie in ihren Deckungen waren, vergingen einige Minuten, und wir liefen zurück und kamen glücklich zur Kompagnie, welche noch 24 Mann zählte.
Wir hielten durch drei Tage einer dreißig- ia vierzig- fachkn Uebermacht stand, bis es endlich am 26. hieß: Zurück. Unsere Kompagnie deckte den Rückzug unseres Regiments. Alle vierzig Schritte saß ein Jäger. Durch Lärm und Schreßen hielten wir von acht Uhr abends bis fünf Uhr früh stand! Die Russen wagten nicht, uns anzugreifen. Mit uns Tirolern haben sie es nicht leicht. Wir arbeiten am liebstell mit Kolben und Bajonett — das ist ein rechter K i rch w e ih t a n z.
Weitere Drahtnachrichten.
Ein englischer Dampfer im Kanal nntergegaugen.
»* G*nf, 9. März. (T.-U.) Der englische Dampfer „Snrrey" mit etwa 4000 Tonnen Gehalt mit einer La, düng Gefrierfleisch von Liverpool nach Dünkirchen bestimmt, ist nach dem „B. T." gesunken. Nach einer Meldung soll er ans eine Mine ausgelaufen sei», nach anderer Meldung wurde er durch ein deutsches Unterseeboot versenkt.