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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

B^ugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- * r ri zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Vuchdruckerei

Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

für den Kreis Hersfeld

KMN

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zelle 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zelle 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Nr. 58.

Mittwoch, den 10. März

1015

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.

I Wer Brotgetreide verfüttert, versündigt sich am Vaterlande u. macht sich strafbar.

Bus der Heimat.

* (Warnung.) Der 30 Jahre alte Kaufmann Peter Hubert Hermsen zu Berlin, Kochstraße 5, grün­dete bei Beginn des Krieges, da sein bisheriges Ge­schäft nichts einbrachte, die Marinevorbereitungsschule Schulschiff Prinz Heinrich Berlin". Ein Bedürfnis zur Errichtung dieser Schule besteht nicht, da seit Jahren die in Berlin in gutem Rufe stehende behörd­lich anerkannte Lublinskische Marine-Vorschule in Tätigkeit ist. Die Persönlichkeit des Hermsen ist nicht einwandfrei. Er hat verschiedentlich Gefängnisstrafen von mehreren Monaten verbüßt, war früher vor­übergehend in einer Irrenanstalt untergebracht und kann als Berater und Erzieher jugendlicher Personen kaum geeignet erscheinen. Der Polizei-Präsident in Berlin warnt mit Rücksicht auf die Persönlichkeit des Leiters vor dem Unternehmen.

* Der National st iftung für die Hinter­bliebenen der im Kriege Gefallenen, welche bei Aus­bruch des Krieges ins Leben getreten ist, wird aus allen Kreisen des Deutschen Volkes, auch des Heeres im Felde, die wärmste Unterstützung zuteil. Ihre Aufgabe ist angesichts der überaus schwere» Opfer, die der Krieg bereits an Heldenleben gefordert hat und wohl noch fordern wird, eine ungeheure, und es müssen dementsprechend auch ganz außergewöhnlich bedeutende Mittel zusammenkommen, um das zu er­reichen, was die Nationalstiftung sich zum Ziele gesetzt hat und im Interesse der Kriegs-Witwen und -Waisen zur Durchführung bringen muß. Die Aufgabe um­faßt die Fürsorge für die Hinterbliebenen des ganzen Heeres, einschließlich der Fliegertruppen und sonstiger Spezial-Formationen, sowie insbesonders auch der Marine mit ihren Unterseeboten. Um so wichtiger ist es aber, daß jede Zersplitterung bei der Samm­lung der erforderlichen Geldmittel vermieden wird. Es ergeht deshalb die dringende Bitte an alle Kreise des Deutschen Volkes, dahin streben zu wollen, daß, um das große Ziel zu erreichen, jede Sonderbestreb- ung auf diesem Gebiete unterbleibt. Nur dann wird es möglich sein, die Mittel zusammen zu bringen, welche zur Erlangung dieser gewaltigen Aufgabe er­forderlich sind. Da der Nationalstiftung für die Durchführung ihres Fürsorge-Werkes in dankens­wertester Weise die Mitwirkung der Marine- und Heeresstellen gewährt worden ist, so ist völlige Sicher­heit dafür geboten, daß bei der Hilfstätigkeit die Hinterbliebenen aller Truppenteile des Heeres wie der Marine ohne Ausnahme gleichmäßig bedacht werden.

):( Hersfeld, 9. März. (R e i ch s w o l l w o ch e.) Die Reichswollwoche hatte auch in Hersfeld ein sehr gutes Resultat. Große Mengen Wollsachen wurden von der Stadt und hauptsächlich auch von den Land­bewohnern abgeliefert. Die in der Turnhalle der Kriegsschule angesammelten Sachen wurden sorgfältig sortiert und von freiwilligen Helferinnen und be­zahlten Arbeitskräften verarbeitet. Es wurden allein 492 Wolldecken und 51 Steppdecken hergestellt, zu ersteren lieferten die aufgetrennten weiten Faltenröcke vom Land wertvolles Futter. 78 warme Armelwesten, 72 feldgraue Muffen, 850 Paar warme Einlagesohlen entstanden unter den fleißigen Händen. Abgesandt wurden ferner 53 große Teppiche, 170 Vorlagen, 16 Felle, 146 Hemden, 49 Unterhosen, 45 warme Capes, Unterjacken, Leibbinden rtc. 96 Betttücher, Matratzen und Kissen wurden ebenso wie die schon erwähnten Steppdecken den Feldlazaretten überwiesen, alle Militärsachen dagegen an die Militärverwertungs- stelle nach Cassel gesandt. Große Mengen gute An­züge werden noch wohlaufbewahrt, um nach genauer Ermittlung wohltätigen Zwecken zngeführt zu werden. Nach der Verarbeitung der Gegenstände blieb noch eine große Menge Abfall vermehrt durch Strumpfab­fälle und Schafwolle. Hierfür wurden 4223 Mk. 45 Pfg. erzielt, wovon die durch Heizung und Beleuchtung der Turnhalle entstandenen Unkosten, Feuerver­sicherung und die Arbeitslöhne abgingen. Die übrige Summe wurde dem Bestand deS roten Kreuzes zuge­führt. Allen Spendern und Helfern aber vielen Dank für die gebrachten Opfer.

Bebra, 5. März. Dem Hemmschuhleger Lingelbach wurden bei Ausübung seines Dienstes beide Beine abgefahren. Der Unglückliche wurde sofort ins Hers­felder Krankenhaus gebracht.

Cassel, 8. März. Die Casseler Braueretvereinigung hatte dieser Tage eine Besprechung mit dem Vorstand des Wirtevereins von Cassel und Umgegend, um über

die Erhöhung des Bierpreises zu verhandeln. Der Syndikus der Brauereivereinigung legte die Schwierig­keiten des Brauereigewerbes dar durch die infolge der Kriegslage geschaffene Beschränkung des Kontin­gents an braufähiger Gerste, ebenso durch die Er­höhung der sonstigen Rohmaterialien und andere mit dem Krieg im Zusammenhang stehende Umstände. Die Brauereivereinigung sei deshalb gezwungen, einen Preisaufschlag von fünf Mark für ein Hekto­liter ihren Abnehmern aufzuerlegen. Der Vorsitzende des Wirtevereins von Cassel und Umgegend, Stadt­verordneter Holzhauer, erklärte, daß der Vorstand des Wirtevereins im Einverständnis mit sämtlichen Mit­gliedern des Vereins der Ansicht sei, daß in heutiger, schwerer Zeit am besten eine derartige Erhöhung vermieden werden sollte. Jedenfalls seien die Brauereien dank ihrer Finanzlage leichter in der Lage, Opfer zu bringen, als die ohnehin schwer be­lasteten und durch den Krieg und die frühere Feier­abendstunde geschädigten Wirte. Sie könnten eine Bierpreiserhöhung in der von den Brauereien ge­forderten Höhe nicht auf die Gäste abwälzen. Es wurde schließlich beschlossen, die Frage einer eventuellen Bierpreiserhöhung in einer Versammlung des Wirte­vereins zur Beratung zu stellen.

Zeichnet Kriegsanleihe.

Ein voller Erfolg ist möglich, aber auch notwendig!

Von Seiten eines in der Praxis des Kreditwesens stehenden Volkswirtschaftlers geht uns der nachfolgende Mahnruf zu, den wir unseren Lesern nicht vorent­halten möchten.

1. Denke Keiner, daß sein bescheidener Beitrag bei einem Milliardenbedarf ohne Einfluß sei. Denn: Viele Wenig machen ein Viel!

2. Tröste sich Keiner, daß es das letzte Mal glänzend auch ohne ihn ging. Keiner verlasse sich auf den Andern.

3. Beden ket, daß wir aus uns allein angewiesen sind und vom Auslande keine Hilfe zu erwarten haben.

4. Die eherne Sprache eines wuchtigen Erfolges der Kriegsanleihe läßt sich nicht umdeuten und ver­dunkeln: Bedenket die Wirkung auf das aufhorchende Ausland! Gönnt dem Feinde nicht die Genugtuung, daß es mit Deutschlands Können zu Ende gehe. Sagt ihm und dem neutralen Ausland, daß wir mit dem Gelde in der Hand brüderlich hinter unseren Kämpfern stehen.

5. Ehret dankbar das von den Heeren Erreichte! Macht die Meldung an Deutschlands Helden möglich: Viele Milliarden an gutem deutschem Gelde sind für Euch bereit gestellt. Wer zurückbleibt, der belebt des Feindes ersterbende Hoffnung.

6. Beachtet, daß der Ertrag für eine Anlage ersten Ranges außergewöhnlich hoch ist!

7. Würdet Ihr zögern, die Feuerwehr auszurüsten, wenn in Euer Haus die Brandfackel zu fallen drohte?

8. Wollt Ihr Siege verlangen, ohne Opfer zu beingen?

9. Wandelt Bank- und Kasseguthaben in Reichs­anleihe um, soviel sich flüssig machen läßt. Ueberlegt, ob Ihr nicht die Darlehnskassen bei den Reichsbank- stellen angehen könnt. Das könnt Ihr namentlich dann, wenn Ihr für später nach den ohnehin weit erstreckten Zahlfristen Baretngänge zu erwarten und solange Wertpapiere für die Pfand-Hingabe verfüg­bar habt.

10. Nur Vertrauen und Einsicht wird verlangt, kein Zwang geübt. Erhaltet den stolzen Bau des deutschen Geldwesens, den deutsche Gewissenhaftigkeit geschaffen hat, auf daß wir auch in diesem Sinn den Feinden überlegen bleiben, die Bewunderung des Auslandes uns sichern.

11. Beweist, daß Deutschland auch wirtschaftlich nicht zu beugen ist.

12. Die deutsche Wacht steht zu Eurem Schutze über den Grenzen. Erhaltet Euch die eiserne Wehr!

Unsers Kaisers Siegeszuversicht.

Bei einem Feldgottesdienst im Park des Schlosses Nivbowo in Russisch-Polen hat unser Kaiser jüngst im Anschluß an den Gottesdienst eine Rede gehalten, die dem Stenogramm eines Offiziers zufolge, wie dieDanziger Zeitung" mitteilt, nachstehenden Wort- ^"^Soldaten! Es ist Mir eine große Freude, daß es Mir vergönnt war, heute mit Euch unter Gottes freiem Himmel und vor seinem Altar an diesem schlichten Feldgottesdienste teilzunehmen. Für das, was Ihr geleistet, spreche Ich Euch Meinen Dank und Meine vollste Anerkennung aus, und überall in der Heimat und bei den Truppen, die im Westen kämpfen, blickt man dankbar und stolz auf Euere Taten.

Eine schwere Aufgabe ist uns gestellt. ES gilt, die Existenzberechtigung Deutschlands noch einmal vor der ganzen Welt zu beweisen. Diese Aufgabe müssen und werden wir erfüllen. Keine Ueberschätzung des Feindes, aber auch keine Unterschätzung der eigenen Kraft! Wir Preußen sind es ja gewöhnt, gegen einen überlegenen Feind zu kämpfen und zu siegen. Dazu

gehört das feste Vertrauen auf unseren großen Alliierten dort oben, der unserer gerechten Sache zum Siege verhelfen wird. Wir wissen es aus unserer Kinderzeit und als Erwachsene haben wir es beim Studium der Geschichte gelernt, daß Gott nur mit den gläubigen Heeren ist. So war es unter dem Großen Kurfürsten, so war es unter dem alten Fritz, so war es bei Meinem Großvater und so ist es auch unter Mir. Wie Luther es aussprach: Ein Mann mit Gott ist immer die Majorität. Einen Vorteil haben wir gegenüber unseren Feinden: Sie haben keine Parole, sie wissen nicht, wofür sie kämpfen, für wen sie sich totschießen lassen. Sie tragen den schweren Tornister des bösen Gewissens, ein friedliebendes Volk über­fallen zu haben. Wir aber ziehen gegen den Feind mit dem Sturmgepäck des leichten Gewissens.

Zum Erfolg ist aber auch weiter nötig, daß jeder Mann seine Pflicht tut, und so erwarte und verlange Ich auch von Euch, daß jeder sein Letztes hergibt an Gesundheit und Lebenskraft, bis der Sieg unser ist."

Durch die Lupe.

(Ein Stückchen Zeitgeschichte in Versen.)

Englands gelber Bundsgenosse, den er selber sich erkor, kommt allmählich auch in London manchem nicht geheuer vor, all' die weisen Diplo­maten aus dem Buckingham-Palast haben bei der Wahl von Japan in ein Wespennest gefaßt, und mit wachsender Besorgnis sieht Herr Grey das Spauspiel an, das man in Ostasiens Fluren sich entwickeln sehen kann. Auch der Franzmann, der bis gestern noch nach Japans Hilfe rief, zieht allmählich seine Lippen über diese Freund­schaft schief, denn es zeigt sich immer klarer, daß auch Japan es versteht, seinen Vorteil wahr­zunehmen da, wo nichts im Wege steht. China wehrt sich zwar noch tapfer gegen Japans Ueber- mut, doch es scheint, als ob sich dadurch nichts in Tokio ändern tut. Schon hält der Amerikaner, dem die Sache windig scheint, seine Augen doppelt offen gegen diesen neuen Feind. Wenn nicht alle Zeichen trügen, die uns jedem berichtet werden, dürfte dieser Krieg am Ende wirklich noch ein Weltkrieg werden. Nur das eine steht zu hoffen, wie's auch künftig kommen mag, daß für Deutschland und für Oesterreich bald sich nahen mag der Tag, wo die Menge seiner Feinde hingezwungen in den Staub, und die Welt den stolzen Siegern Kränze flicht aus Lorbeerlaub.

Walter-Walter.

hüte dich, Deutschland!

Deutschland, in deinen Gauen lauert einer verueckt, Den hat dein kampflodernd Auge noch nicht entdeckt, Das ist der stärkste von allen, ein Feind der dich würgend umkrallt.

Schon steckt er verstohlen die Pranken. Bezwing ihn mit offener Gewalt!

Er schleicht um deine Türen und setzt sich zu Tische mit dir,

Er bietet dir, sorglos lächelnd, die Speisen:Nimm, alles ist hier!

Wir haben in Speichern und Kammern gehäuft, für ein volles Jahr!"

Hüte dich, Deutschland! Sei wachsam denn was er spricht ist nicht wahr.

Der Leichtsinn gewohnten Behagens, ein Schwächling, millionenstark,

Saugt heimlich aus all deinen Gliedern das Heldenmark, BisdiedunkleStundegekommen,da deine Scheuern leer, Bis Hunger das Schwert dir entrungen. Hungernde kämpfen nicht mehr!

Deutschland, die draußen stehen, an den Grenzen in heißem Streit,

Sie fragen:Ist auch die Heimat zu tapfern Ringen

Wir geben in Qual und Entbehren freudig das Leben her

Und jenen, am traulichen Herde, fällt ein kleines Opfer sv schwer?

Hört es, Daheimgebliebene: es gilt auch bei uns eine L-chlacht,

Es gilt daß Bürger und Bauer scharf auf dem Posten wacht,

Es gilt ein mannhaft Entsagen für alle Frau' und Kind'

Deutschland kann nur siegen, wenn wir spar­sam sind!

Deutschland kann nur siegen, wenn sein Volk sich tapfer beschränkt,

Wenn jeder, in weisem Verzichten, an die Tage, der Zukunft denkt, Wenn ein mutiges Heer Entschlossner abwehrt die kommende Not, Wenn in heiligem Ernst ein jeder hochachtet das Krümmlein Brot!

Alice Freiin von Gaudy.