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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Hersselder

für den Kreis Hersfeld

Wlatt

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Nr. 56.

Sonntag, den 7. März

1915

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.

I Wer Brotgetreide verfüttert, versündigt sich am Vaterlands u. macht sich strafbar.

Bus der Heimat.

* (Preußische Klassenlotterie.) Am Montag, den 8. März läuft die Erneuerungsfrist für die Lose dritter Klasse 231. Lotterie ab.

* (Die Lehrer und derKrieg.) Als zweite Kriegsspende hat der deutsche Lehrerverein der Heeres­verwaltung 25 000 Mk. zur Anschaffung eines Kraft­wagens für Verwundetenbeförderung zur Verfügung gestellt. Für die durch den Krieg geschädigten Lehrer in Ostpreußen und Elsaß-Lothringen wurden durch den Deutschen Lehrerverein über 180 000 Mk. gesammelt. Von den im Felde stehenden Lehrern an höheren Schulen haben bereits 720 den Heldentod erlitten, 1250 erhielten die Auszeichnung des Eisernen Kreuzes und unter diesen 7 die mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse.

* (Magermilch.) Braucht Magermilch! Sie ist fast ebenso eiweißreich wie Vollmilch, darum sollte sie viel mehr zur menschlichen Nahrung und besonders in der Kriegszeit weniger zur Viehfütterung ver­wendet werden. Sie darf nur gekocht genossen werden. Die Gefahr des Anbrennens wird dadurch vermindert, daß man den Kochtopf mit kaltem Wasser gut um- spült und den Boden mit Wasser bedeckt, ehe man die Milch hineingießt. Das Zusammenlaufen beim Er­hitzen kann durch Zusatz von doppeltkohlensaurem Natron verhindert werden.

):( Hersfeld, 6. März. Nach einer Verfügung des stellvertretenden Generalkommandos des elften Ar­meekorps in Caffel können zum Zwecke der land­wirtschaftlichen Frühjahrsbestellung die in den Garnisonorten befindlichen Ma n n s cha f te n, die nur garnisondienstfähig sind, auf längere Zeit beurlaubt werden, soweit die militärischen Inte­ressen dies znlassen. Die näheren Bestimmungen sind in dem amtlichen Teil der heutigen Nummer enthalten.

):( Hersfeld, 6. März. Anfang dieser Woche konnte der hiesige Zweigverein vom Roten Kreuz dank der eifrigen Mitarbeit der Damen des Nähver- eins eine größere Sammlung von Liebesgaben für die Truppen im Felde absenden. Die Sendung ent­hielt 335 Paar Strümpfe, 64 Kopfschützer, 35 Paar Handschuhe, 110 Paar Pulswärmer, 11 Paar Ohren- schützer, 17 Paar Kniewärmer, 100 gute Barchent­hemden, 97 starke Unterhosen, 15 Leibbinden, mehrere Pakete Lichter und 17 Kisten Cigarren. Wie viele Einwohner unserer Stadt hatten sich diesmal besonders Frauen und junge Mädchen der Gemeinden Kleba, Heddersdorf, Gittersdorf, Allmersyausen und Heenes am Stricken der Strümpfe recht eifrig beteiligt. Da von leitender Stelle ausdrücklich gebeten wurde, in der Anfertigung und Zusendung der für unsere Truppen im Felde immer noch dringend notwendigen Wollsachen nicht erlahmen zu wollen, sei auch hier wieder herzlich gebeten, doch durch Zuwendung von Geldbeträgen, durch Spendung von Wollsachen und vor allem auch durch Stricken von Strümpfen, den Zweigverein vom Roten Kreuz tatkräftig unterstützen zu wollen.

Bebra, 5. März. Die Eisenbahndirektion läßt an allen Bahnhöfen an leicht erreichbaren und sichtbaren Stellen Gefäße mit entsprechender Aufschrift aufstelleu zur Sammlung von Abfällen. Der Inhalt soll gleich­mäßig den Viehhaltern übergeben werden.

Cassel, 4. März. Die Hessische An- und Verkaufs- Genossenschaft hier, eine von den größeren Landwirten Niederhessens ins Leben gerufene Genossenschaft, die in enger Angliederung an die Raiffeisensche Grundsätze die Aufgabe erstrebt, die landwirtschaftlichen Erzeug­nisse ihrer Mitglieder bestmöglichst zu verwerten und die landwirtschaftlichen Bedarfsartikel zu günstigen Bedingungen für sie zu beschaffen, hielt im Sitzungs­saale des Raiffeisenhauses hier unter dem Vorsitz des Königl. Landesökonomierats Rexerodt (Cassel) am heutigen Tage ihre Generalversammlung ab. Der von dem Beamten der Genossenschaft, Herrn Krebs, er­stattete Geschäftsbericht über das Geschäftsjahr 1914 gibt ein erfreuliches Bild über die Entwicklung dieses verhältnismäßig noch jungen Instituts, welches Ende 1914 63 Mitglieder zählte. Die Genossenschaft er­zielte im Berichtsjahre einen Umsatz von zirka 3Vt Millionen Mark. Wie die Umsatzziffern früherer Jahre ergeben, stieg derselbe von Jahr zu Jahr und zeigt, daß die Genossenschaft ihre Aufgaben zu er­füllen und sich das Interesse der Landwirschaft in er­höhtem Maße und dauernd zu erwerben versteht, was auch der gute Besuch der letzten Versammlung wieder

erkennen ließ. Der erzielte Reingewinn betrug nach Abzug aller Unkosten und Abschreibungen 14914 Mk. Dieser Gewinn wurde zu 50 Prozent dem Reserve­fonds überwiesen. Außerdem gelangte eine fünfpro- zentige Dividende zur Verteilung und wurde ferner noch eine Rückvergütung an die Mitglieder auf die im Geschäftsjahre bezogenen Waren und geliefertes Getreide von Ve Prozent beschlossen. Der Reservefonds erhöht sich durch die heutige Zuweisung auf 110 000 Mark, das Gesamtvermögen der Genossenschaft auf 164 000 Mark. In den Vorstand wurde neu gewählt Herr Rittergutsbesitzer R. Heydenreich, Malsfeld. Die ausscheidenden Mitglieder des Aufsichtsrates Oekono- mierat Sinning-Dörnhagen, Gutsbesitzer Hch. Nägel- Crumbach und Domänenpächter Lücking-Marienrode wurden wiedergewählt. Neu gewählt wurde in den Aufsichtsrat Gutspächter C. Nöü, Offenhausen.

Bestwig, 4. März. Der Bergwerksdirektor Winter und Betriebsführer Bilke wurden im Kalibergwerk Worbis auf ihrem unterirdischen Begang von einem zu früh gelösten Sprengschuß überrascht. Beide er­litten erhebliche Verletzungen.

Vom Eichsfelde, 3. März. Im Gehöft des Land­wirts Preßler zu Altengottern, brannte ein Teil des Wohnhauses nieder. Bei den Aufräumungsarbeiten fand man die Leiche des Besitzers. Wahrscheinlich hat er vor Ankunft der Feuerwehr das Feuer löschen wollen und ist dabei vom Rauche erstickt.

Fulda, 4. März. Den französischen und englischen Häschern glücklich entwischt und bei seinen Eltern hier in Fulda eingetroffen ist der Reservist Karl Albrecht. Er diente bei Ausbruch des Krieges auf einem argentinischen Kriegsschiff, das aus einer Weltreise war. A. machte alle möglichen Versuche, um dem Rufe seines Königs zu den Waffen Folge leisten zu können. Endlich gelang es ihm, mit Hilfe seiner spanischen und englischen Sprachkenntnisse und mit Hilfe eines Passes, der ihn zum Spanier stempelte, nach Barcelona zu gelangen. Von hier aus kam er nach Ueberwindung vieler Hindernisse auf einem Schiffe glücklich bis nach Italien durch. Kurz vor Genua wurde das Schiff nochmals von einem fran­zösischen Kreuzer gründlichst untersucht und Albrecht, der den Verdacht des Kapitäns erregt hatte, einem halbstündigen Kreuzverhör unterzogen. Aber es glückte ihm auch diesmal, den Feind zu überlisten. In nächster Zeit wird Albrecht bei der Garde in Berlin eintreten.

Schlüchtern, 3. März. Die Strafkammer in Hanau hat heute zehn Bäckermeister von hier wegen Ueber- tretung des Gesetzes über die Höchstpreise zu insge­samt 1000 Mk. Geldstrafe verurteilt. Sie hatten, nach­dem das Landratsamt Schlüchtern die Höchstpreise und das Gewicht für Brot festgesetzt, durch Inserat in der Schlüchterner Ztg." das Gewicht des Brotes um ein halbes Pfund herabgesetzt und den Preis um 10 Pfg. hinaufgeschraubt und nach dieser eigenmächtigen Fest­setzung auch den Verkauf vorgenommen. Zu ihrer Entlastung gaben sie vor Gericht an, daß bei Ein­haltung der Höchstpreise, wie sie die Behörde festge­setzt hatte, Geld hätte zugesetzt werden müssen.

Friedberg, 5. März. Der am 9. November 1880 zu Dresden geborene Kuhschweizer Müller, der schon längere Zeit hier wohnt, ein übrigens schwer vor­bestrafter Mensch, war am Dienstag vom hiesigen Schöffengericht wegen neuer Vergehen abermals zu einer längeren Gefängnisstrafe verurteilt worden. In Düsseldorf und Dresden standen weitere Ver­handlungen gegen ihn bevor. Gestern nacht entwich Müller aus dem Gefängnis und begab sich in seine Wohnung. Seine Fraiks die er mit dem Tode bedroht hatte, brächte sich rechtzeitig in Sicherheit. Da die Flucht sofort entdeckt wurde, nahmen Schutzleute und Gendarmen die Verfolgung Müllers auf. Müller flüchtete auf das Dach und dann von Haus zu Haus. Als er schließlich nicht mehr weiter konnte, bombardierte er seine Verfolger mit Backsteinen und stürzte sich schließlich, da inzwischen auch die Feuerwehr alarmiert worden war, mit den Worten:Lebend bekommt ihr mich doch nicht" von dem dreistöckigen Hause auf die Straße, wo er tot, mit zerschmetterten Gliedern liegen blieb._______________________

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Der umfangreiche Anbau von Frühkartoffeln und Frühgemüse ist deshalb besonders geeignet einer etwa eintretenden Knappheit an Brotgetreide vorzubeugen, weil die Erzeugnisse gerade in den der neuen Ernte unmittelbar vorausgehenden Monaten Juni, Juli und August anfallen. Es erscheint daher geboten, diese Kulturen nicht nur der eigentlichen landwirt­schaftlichen Bevölkerung, sondern auch allen Besitzern von Gärten, Hausgrundstücken etc. dringend zu em­pfehlen. Hierbei sind folgende Gesichtspunkte zu be­achten :

Für die westlichen Provinzen kommt der Anbau von Kohlarten, wie Blumen-, Wirsing, Weiß- und Rotkohl weniger in Betracht, weil die Einfuhr dieser Gemüsearten aus Holland schon bisher in großen Mengen stattgefunden hat und in diesem Jahr wegen den der Ausfuhr von Holland nach England entgegen­

stehenden Schwierigkeiten noch in erhöhtem Maße stattfinden wird. Auch Salat wird bekanntlich zu allen Jahreszeiten in großen Mengen aus Holland eingeführt. In den östlichen Provinzen ist natürlich auch die Erzeugung dieser Gemüsearten im eigenen Lande zu empfehlen.

Für die Volksernährung kommen aber in erster Linie in Betracht: Frühkartoffeln, Rüben, Möhren (Karotten) und Hülsenfrüchte aller Art, wie Erbsen, Puffbohnen und Buschbohnen. Dabei kommt es be­sonders darauf an, daß diese Erzeugnisse möglichst früh zum Verbrauch bereitstehen. Es empfiehlt sich daher, durch entsprechende Behandlung des Saatgutes ein recht frühes Austreiben der Pflanzen zu bewirken, da ein verlorener Tag bei der Pflanzung eine um eine Woche spätere Ernte zur Folge haben kann.

Bei Frühkartoffeln kann die Ernte eine Woche, ja einen Monat früher erfolgen, wenn die Saat­kartoffeln vorher angetrieben werden. Sie werden zu diesem Zweck schon von Ende Februar an in nicht zu hoher Schichtung in Kästen oder Körben im Stalle oder in warmen Räumen des Hauses aufgestellt. Wenn die Keimtriebe die Länge von 12 bis 1 cm er­reicht haben, werden die Knollen in den Boden ge­bracht und mit einer dünnen Erdschicht bedeckt; wenn die ersten Blätter so frühzeitig hervortreiben, daß sie noch von Spätfrösten gefährdet werden können, werden sie leicht mit Erde bedeckt. Dieses Verfahren em­pfiehlt sich nicht nur für die eigentlichen Frühsorten, sondern auch für die mittelfrühen und späteren. Die Erträge werden wesentlich gesteigert, wenn der Boden mit verrottetem Stalldünger oder Kompost ge­düngt wird.

Kohlrüben, Speiserüben (weiße Rüben), rote Rüben (Beta) und Möhren eignen sich ebenfalls zur Erzeugung von Frühgemüsen. Die Kohlrüben werden in warmgelegenen Gartenbeeten, Mistbeeten oder Treibkästen ausgesät und später ins freie Land aus- geflanzt, die Speiserüben in Reihen ausgesät und später vereinzelt. Die Samen der roten Rüben und Möhren erfordern lange Zeit zur Keimung, sie werden deshalb vor der Saat in Gefäßen unter Beimischung von Sand feucht gehalten und an warmen Orten aufgestellt. Sobald die Keime hervorbrechen, werden die Samen dann in das Land ausgelegt. Der Möhren- samen wird zweckmäßig vor dem Anfeuchten durch Reiben zwischen den Händen von den an dem Samen befindlichen Stacheln befreit.

Die Hülsenfrüchte sind wegen des hohen Eiweiß- Gehaltes sowohl der grünen als der trockenen Früchte besonders wertvoll, sie sollten daher überall dort, wo ein Fleckchen Land zur Verfügung steht, angebaut werden und zwar trotz des augenblicklich recht hohen Preises des Samens. Sie machen an den Boden sehr geringe Ansprüche und wachsen unter Verwendung von etwas Komposterde oder einer kleinen Gabe von Kalk, Kali und Thomasmehl auf ganz leichtem Sand­boden. Frühe Erbsen und Puffbohnen (dicke Bohnen) werden in Kästchen mit Sand vorgekeimt und im März ins freie Land gebracht. Deckmaterial zum Schutz gegen Spätfröste muß natürlich zur Hand sein. Mit Buschbohnen wird ebenso verfahren, sie dürfen aber erst Ende April ausgepflanzt werden. Gerade der Anbau der Buschbohnen muß dringend empfohlen werden, da sie neben frischem, auch zur Konservierung sehr geeignetem Gemüse schließlich zur Ernte trockener weißer Bohnen stehen bleiben können. Ein Zuwachs an den nahrhaften trockenen Hülsenfrüchten ist aber besonders erwünscht.

Der Anbau von Frühgemüse hat den Vorteil, daß in den meisten Gegenden noch eine zweite Frucht gebaut werden kann, hierfür kommen hauptsächlich rote Rüben, Kohlrüben und Grünkohl und für die Aussaat noch im August Speiserüben (weiße Rüben) in Betracht.

Das Lied vom Schützengraben.

's gibt kein schöner Leben als in Schützengräben, Vor dem Feind zu liegen Tag und Nacht, Wenn die Kugeln singen und Granaten springen, Daß die ganze Gegend ringsrum kracht.

Und dann die Schrapnelle, ine mtt Windesschnelle Heulend, sausend kommen durch die Luft. Ist das Ding zersprungen und der Knall verklungen Ist der ganze Schuß doch meist verpufft!

Keine Federbetten, keine Toiletten Sind des Kriegers täglicher Bedarf, Wer sich will rasieren, braucht nur gehn spazieren, Den rasiert sogleich der Russe scharf.

Auch das Mittagessen wird gar oft vergehen, Ja die Küchen bleiben gar so fern, Denn die Erbskanonen scheu'n die blauen Bohnen Und der Koch verwertet sie nicht gern.

Wenn dereinst der Frieden uns wird sein beschieden

Und wir kehr'n ins Vaterland zurück,

Wenn wir dann bei Muttern wieder richtig futtern

In der warmen Stube, welches Glück!

Bei der Gläser Klingen werden wir dann singen, Was wir alles haben durchgemacht:

's gibt kein schöner Leben, als in Schützengräben Vor dem Feind zu liegen Tag und Nacht!