Die französische Presse und ore »Daera».
»*»> Parts, 5. März. (T. U.) Bei Besprechung der Beschlagnahme ber „Dacia" schlägt die französische Presse einen überaus hochmütigen Ton an. Die Handlungsweise der französischen Regierung beweise, mit welcher Energie sie im Handelskriege vorgehe, sie zeige aber auch den neutralen Staaten, daß dieselben nicht ungestraft das Völkerrecht umgehen und die Gesetze zu ihren Gunsten auslegen könnten. Die amerikanischen Kaufleute würden sich sicher über das Vorgehen der französischen Regierung beklagen und alle Hebel in Bewegung setzen, daß die amerikanische Regierung Protest einlegen wurde. Daran liege aber nichts. Die Beschlagnahme von Schiffen wie im Falle der „Dacia" fei eine durch die Kriegsgesetze zugelassene Waffe, die von den Vereinigten Staaten angewendet und mißbraucht worden sei. Wir haben, so sägen die Blätter, das Recht und die Kraft und werden uns ihrer auch zu bedienen wissen.
Neue Beute des „Prinz Eitel Friedrich".
„Daily Expreß" meldet, daß die von Lloyds vor mehreren Tagen als überfällig bezeichneten Segelschiffe „Jean", auf der Reise von Montevideo nach der Westküste Sud-Amerikas, und „Kildalton", auf der Reise von Liverpool nach der Westküste von Süd-Amerika, von dem deutschen Hilfskreuzer „Prinz Eitel Friedrich" versenkt wurden.
Der TürkenKrieg.
Ueber das Bombardement der Dardanellen am Mittwoch telegraphiert der dortige Korrespondent der türkischen Agence Milli: Vier feindliche Panzerschiffe, umgeben von mehr als zehn Torpedobooten, beteiligten sich an dem Bombardement, ohne irgendwelchen Schaden bet den Batterien, die das Feuer sofort erwiderten, anzurichten. Die feindlichen Schiffe entfernten sich wie gewöhnlich. Vier französische Panzerschiffe gaben eine Anzahl Schüsse gegen Bulair ab, trafen aber nur die englischen Grabstätten, die sich dort bekanntlich seit dem Jahre 1854 befinden.
Bulair liegt auf der Landenge zwischen der Halbinsel Gallipoli und dem Festland.
In verschiedenen Kreisen hat sich dem „B. L.-A." zufolge der Eindruck gezeigt, als fei mit dem baldigen Eintritt Griechenlands in den Weltkrieg auf Seiten des Dreiverbandes zu rechnen. Dem griechischen Ministerpräsidenten sei aber am wenigsten zuzutrauen, daß er sein Land in einen Kampf verwickele, in dem selbst im besten Falle nur noch wenig für sein Land zu gewinnen sei.
Beschädigte feindliche Kreuzer in Saloniki.
tes^ Kopenhagen, 5. März. (T. u.) Einige Blätter bestätigen auf Grund von Berichten der Augenzeugen die Nachricht, daß drei schwer beschädigte englische Kreuzer seit einer Woche in Saloniki liegen. Einem derselben, „Saphire", sind Schornsteine, Kamine und die Maschi- nenabteilnng zerstört. Die Blätter protestieren energisch gegen den Neutralitätsbruch Griechenlands, das feindlichen Schiffen erlaube, länger als 24 Stunden in Saloniki zu bleiben. — Der „Tasvir i-Gskiar" erklärt nach dem „B. T.", daß zwischen Rußland und England ein Abkommen bestehe, wonach England die Dardanellen Rußland überlasse, dafür Afghanistan erhalte und alle mohammedanischen Reiche Asiens zwischen England und Rußland geteilt würden.
Japan bleibt bei seinen Forderungen.
Die Petersburger „Retsch" meldet aus Tokio: Das japanische Oberhaus nahm den geforderten Niistuugs- kredit der Regierung in Höhe von 890 Millionen Neu einstimmig an. Der Minister des Aeutzern gab auf Anfrage die Erklärung ab, daß die japanische Regierung auf Annahme ihrer Forderungen durch China unbedingt bestehen würde.
Protest Amerikas gegen Japan?
Wie die „Frkf. Ztg." indirekt erfährt, berichtet die Pariser Ausgabe des New York Heralö, daß die Regierung der Vereinigten Staaten in Tokio gegen die japanischen Forderungen protestieren will. Das Blatt ist zu gleicher Zeit zu der Erklärung ermächtigt, daß auch Frankreich die japanischen Forderungen nicht bewilligen werde.
Die Neutralen.
Schweden gibt die Durchfuhr von Kriegsmaterial nicht zu.
Die „Tägl. Rdsch." berichtet aus Stockholm: Wie die Blätter melden, hat die, schwedische Regierung das am 26. Februar erneut gestellte Ersuchen der Gesandten Rußlands, Englands und Frankreichs auf Wiedereröffnung der schwedischen Durchfuhr für Kriegsmaterial abermals ablehnend beschieden.
Womit Bulgarien geködert werden sollte.
Der Mailänder „Secolo" meldet aus Bukarest: Bevor die Beschießung der Dardanellen begann, haben die Vertreter der Mächte des Dreiverbandes in Sofia Bulgarien eingelaöen, sich am Angriff auf die Türkei zu beteiligen und ihm als Entgelt die Abtretung fast ganz Thraziens versprochen. Bulgarien lehnte jedoch ab und ersuchte, ihm Sicherheiten bezüglich seiner Bestrebungen um Mazedonien zu verschaffen. Der Ministerpräsident " ' ' klärte im übrigen, Bulgarien sei er-
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schöpft und ziehe vor, neutral zu bleiben.
Italien und die Dardanellenfrage.
Der „Avanti" berichtet aus Rom, der englische Botschafter habe Salandra und Sonnino eingehend die Absichten des Dreiverbands gegenüber der Türkei ansein- andexgesetzt und hinzugefügt, in London und Paris werde gewünscht, daß die italienischen Interessen im Orient iricht gefährdet würden. Zugleich habe der Botschafter zu wissen gewünscht, welches die Absichten Italiens seien. Salandra und Sonnmo hatten ihm für seinen Schritt gedankt und eine Antwort innerhalb 24 Stunden versprochen. Der Ministerrat am Mittwoch habe sich offenbar mit der Angelegenheit befaßt, und abends rväre dann die Antwort erteilt worden.
Kleine Kriegsnachrichten.
o-»> Petersburg, 5. März. (WTB.) Take Jonescu erklärte in einem .Interview mit dem Bukarester Korrespondenten des „Rjetsch", wenn es den Türken nicht gelinge, die Meerenge zu schützen, so werde vielleicht die Diplomatie einen Weg für die Juternationalrsierung
ÄÄ (WTB.) Nach dem „Temps" fing bei einem Nachtfluge über Chalons Mr Marne ein Militärflugzeug Feuer und stürzte ab. Beide Insassen
S^5. März. (WTB.) Dem „Temps" zufolge wird Finanzminister Ribot in der Kammer einen Gesetzentwurf einbringen betreffend die Erhöhung des Ausgabevetrages der Schatzscheme, der bisher auf 3X Milliarden festgesetzt war. ™
w> Petersburg, 5. März. (WTB.) „Nowoje Wremja" meldet, daß gegen Pastor Bruns in Reval wegen einer deutschfreundlichen Predigt ein Gerichts- verfabreu etnaelettet worden ist
krieasallerlel.
Bestandsaufnahme der Kartoffeln.
Der Bundesrat wird voraussichtlich, wie die „Frkf. Ztg." meldet, heute noch oder in den allernächsten Tagen über den ihm vorliegenden Entwurf über die Bestandsaufnahme der Kartoffeln beschließen. In diesem Entwurf wird nicht nur eine Bestandsaufnahme bei den Landwirten und Sei den Groß- und Kleinhändlern verlangt, sondern auch in allen Haushaltungen, die sich mit Vorräten über einen Zentner hinaus versorgt haben. Nur Bestände unter einem Zentner sollen von der Ausnahme ausgenommen werden.
Ein feindlicher Flieger über Nottmeiler.
Eine Bekanntmachung des stellvertretenden Generalkommandos in Stuttgart besagt: Ein feindlicher Flieger ist am Mittwoch über Rottweiler erschienen und bat drei Bomben auf die Pulverfabrik geworfen. Der dadurch entstandene Schaden ist gering, und hat den Betrieb der Fabrik in keiner Weise gestört. Weitere Angriffe des Fliegers sind durch das Schutzkommando verhindert worden.
Der belgische Thronfolger im Schützengraben.
Luxemburger Berichte melden, daß der dreizehn- lahrige Sohn Prinz Leopold von Belgien, der älteste Sohn des Königs und Thronfolger, jetzt in der flandrischen Front mit den belgischen Truppen kämpfen werde. Er ist bereits dort eingetroffen, und fein Vater stellte ihn in den Schützengräben den belgischen Soldaten vor. Nach dem deutschen Angriff auf Antwerpen war der Prinz mit seinem Bruder und seiner Schwester nach England gebracht worden, wo Lord Curzon ihnen gastfreundliche Aufnahme gewährte. Der Prinz führt den Titel eines Herzogs von Brabant.
Ein englisches Wasserflugzeug an der holländischen Küste aufgefischt.
g-^ Rotterdam, 5. März. (T. U.) Das Amnider Dampflotsenboot begegnete nach dem „B. T." gestern nachmittag einem Wasserfchugzeug und schleppte es. Vor Ymuiden brach das Schleppseil und das Fahrzeug trieb bis Nodermole. Es wurde später vor Egmond schwimmend gesichtet. Torpedoboote fuhren aus und schleppten das Flugzeug nach dem Hafen. Man vermutete zuerst, es handele sich um ein deutsches Flugzeug. Die Vermutung hat sich aber nicht bestätigt. Das Flugzeug hatte einen Gnommotor mtb eine englische Schraube. Auch der Kompaß und die übrigen Apparate waren englischen Ursprungs.
Acht-Uhr-Wirtschaftsschlutz in England.
„Daily Chronicle" meldet, daß die Maßregeln der englischen Regierung gegen den Alkoholmißbrauch darin bestehen werden, daß die Wirtschaften im ganzen Lande nur von 10 Uhr morgens bis 8 Uhr abends offenhalten dürfen.
Vermischtes.
Eine Familientragödie hat sich in Thorn im Hause des Eisenhändlers Franz Zahrer zugetragen. Der etwa 28 Jahre alte Sohn hat sich am Sonnabend abend in seinem Zimmer mit einer Browningpistole erschossen. Der junge Mann hatte sich erst der juristischen Laufbahn, dann der Musik gewidmet, ohne besonderen Erfolg zu erzielen. Es scheint wohl Lebensüberdruß das Motiv zu der unseligen Tat gewesen zu sein. Seine Mutter, die ohnehin hochgradig nervös war, hat sich den Vorfall derart zu Herzen genommen, daß sie sich noch in derselben Nacht mit Gas vergiftete. Wieöerlebungsversuche blieben erfolglos. Auf den unglücklichen Vatex und Ehemann hat das entsetzliche Unglück derart erschütternd eingewirkt, daß seine UeberführWig nach dem Krankenhause ungeordnet werden mußte.
Die Mutter als Giftmischertu. In Stellienau bei Labiau in Ostpreußen wurde die 38jährige Besitzersfrau Henriette Hollstein unter dem Verdacht, alle ihre Kinder durch Gift ermordet zu haben, verhaftet. Vor etwa 1% Jahren soll sie ihren zehnjährigen Stiefsohn Hans durch Arsenik vergiftet haben, um sich in den Besitz seines Muttererbteils zu setzen. Bei der Oeffnung der ausgegrabenen Leiche wurde das Vorhandensein von Arsenik festgestellt. Ferner wird die Frau beschuldigt, ihre Stieftochter gleichfalls durch Arsenik zu töten versucht zu haben. Auch ihre Kinder aus erster Ehe soll sie durch Gift beseitigt haben. Sie wurde in das Lan- desgefängnis in Königsberg übergeführt.
Durch ihren Körperumfang verrieten sich drei Einbrecher, die von der Schöneberger Kriminalpolizei festgenommen wurden. Ein Kriminalbeamter wurde auf drei Männer aufmerksam, die ihm außergewöhnlich dick erschienen. Als die drei sahen, daß sie beobachtet wurden, zeigten sie Unruhe und gingen davon. Dabei nah- men ihre Gestalten so sonderbare Haltungen an, daß der Beamte in seinem Verdacht noch bestätigt wurde und sie sestnahm. Es ergab sich, daß sie eben erst einen Einbruch verübt hatten. In einem Herrenkleiöergeschäft, das sie mit Dietrichen und Nachschlüsseln öffneten, hatten sie neue Sachen angezogen, andere Kleidungsstücke um den Leib gebunden und die ganze Beute mit neuen Mänteln zugedeckt. Die Ertappten wurden festaestellt als drei wohnungslose Berliner, die alle drei ständig an der Pfandkammer zu finden waren.
Großer Hotelbrand in Kopenhagen. Das bekannte Hotel d'Angleterre in Kopenhagen ist am Donnerstag morgen vollständig zerstört worden. Der Brand war gegen yA Uhr in der Küche des Hotels ausgebrochen und verbreitete sich trotz fosorttaen.Einschreitens der gesamten Feuerwehr, die durch Milltarabteilungen verstärkt wurde, mit rasender Schnelligkeit über das ganze Hotel. Viele Gäste konnten sich nur im letzten Angen- blick unter Preisgabe ihres Eigentums und nur notdürftig bekleidet, retten. Von dem ganzen Hotel ist nur noch das Casee erhalten geblieben. Der durch den Brand verursachte Schaden wird auf zwei Millionen Kronen geschätzt. _
Der falsche Alexander. Das Reichsgericht verwarf die Revision des früheren Bureaubeamten Thormaun, der sich fälschlich Dr. Alexander nannte und Bürgermeister von Köslin geworden war, gegen das Urteil des Landgerichts Köslin, durch welches er wegen.Urkuriden- fälschung unb Betrug in zweiFallen zu einem Jahr- vier Monaten Gefängnis verurteilt worden war.
Wegen Beleidigung der preußischen Armee wurde nach einer Wolffmeldung aus Berlin der Pfarrer Paul Czaplewskt aus Schöneich, Kreis Kulm, Westpreußen, von der fünften Strafkammer des Berl ner Landgerichts i zu sechs Monaten Gefangn^ verurteilt. Der Ange- klaate hatte am 22. Oktober v. J. in der Garderobe eines Berlirrer Weinrestaurants geäußert die Kosaken seien die humansten Menschen, die preußischen Soldaten seien Mordbrenner und Plünderer. Der Staatsanwalt hatte ein Jahr Gefängnis beantragt.______________________
der Znstßmord in Wablanca.
Die in Tanger erscheinende Zeitung La Depeche Marocaine vom 3. Februar bringt den folgenden Be
richt über die Erschießung unserer deutschen Landsreu» Ficke und Gründler in Casablanca am 28. Januar: Das französische Blatt schreibt:
6 Uhr 10 Minuten. In ihren gegenüberliegenden Zellen schlafen die Verurteilten noch. Gestern haben sie den Besuch ihres Advokaten Monsieur Grail gehabt. Sie baten diesen inständig, sich nach Paris zu begeben, um die Gnade des Präsidenten der Republik anzurufen. Gestern hatte sich Ficke von seinem Neffen Nehrkorn getrennt. Von Berlin hatte er ein Telegramm seiner Frau erhalten des Inhalts: „Man beschäftigt sich mit Deinem Fall." Das beruhigte ihn, erfüllte ihn mit so sicherer Hosinung, daß er ernphlummerte.
Der Kapitän Maitrot, der Dolmetsch Blaisot, Monsieur Grail. denen sich ein Franziskanerpater zugesellt hatte, begaben sich in die Zelle Fickes, der plötzlich auf- wachte. Man berichtete ihm, daß sein Gnadengesuch zurückgewiesen worden sei und daß er sich anschicken müsse, zu sterben. Ficke erhebt sich mit dem Zeichen größten Staunens. Er hatte sich nicht darauf gefaßt gemacht, erschossen zu werden. Sichern Schrittes geht er an seinen Toilettentisch. Dann kniet er am Fuß seines Bettes nieder und, das Gesicht in den Händen, sammelt er sich einige Augenblicke. Der Franziskanerpater näherte sich ihm und sagt ihm tröstliche Worte. Ficke. von standhafter Ruhe — die er bis zum letzten Augenblicke behielt — hört den Pater an und unterhält sich eine Weile mit ihm. Er sei Protestant und seine Konfession, erkläre er, habe er jeden Tag vor dem Gotte ausgeübt, den er verehre. Er rauchte eine Zigarette, die ihm ein Gendarm anbie- tet, weist aber ein Glas Rum zurück, das ihm angeboten wird, und, unter dem Bedauern, daß er nicht früher benachrichtigt worden sei, um sein Testament aufsetzen zu können, schreibt er drei Briefe mit sehr fester Hand.
Gründler ist aufgewacht auf das Stimmengewirr aus der Zelle Fickes hin. Als man zu ihm kommt, steht er bereits aufrecht im Hemde da, entsetzt, und — das war erschütternd — er taumelt einen Augenblick, als er die verhängnisvolle Kunde erfährt. Mit erhobener Stimme beteuert er seine Unschuld, versichert, daß er niemals von antt-französischer Gesinnung gewesen sei und bedauert das, was er während des ganzen Prozesses seine „kritischen Bemerkungen" genannt hat, bezüglich deren er einsehe, daß sie zu verletzend gewesen seien. Er raucht nicht, aber nimmt ein Glas Rum an. Wie Ficke, so schreibt auch er mehrere Briefe. Aber seine Hand zittert. Furcht und „Gewissensbisse" (dieses französische Pharisäertum!) haben ihn ergriffen. Trotzdem versuchte er, ungestüm zu werden, was ihm auch einen Augenblick gelingt.
Fesseln an den Händen, so steigen die beiden Verurteilten in den Wagen, der sie an die Richtstätte bringen soll. Gendarmen zu Pferde begleiten den Wagen. Die Fahrt geht ruhig vonstatten. Ficke raucht weiter, worüber sich Gründler wundert. Oben auf dem Rasen bei den Truppen angekommen, umgibt eine Abteilung Zuaven den Wagen, während das Hörnersignal „Stillgestanden!" ertönt.
Es ist nun Tag. In zwei Zügen steht man vor den Pfosten. Die Menge, darunter viele Offiziere und zahlreiche Offiziere und viele Eingeborene — die Frauen wollen die besten Plätze gewinnen — werden von den Gendarmen in einer gewissen Entfernung gehalten. Eine starke Erregung geht durch die in ängstlicher Erwartung Harrenden.
Die traurigen Vorbereitungen sind beendet, die Stricke zur Fesselung der Verurteilten und die Augenbinden liegen bereit. Die zwei Truppenzüge nehmen die Gewehre an sich. Ficke entsteigt als erster dem Wagen. Er hält sich aufrecht, eingehüllt in feinen Ueber- zieher. Dem Gendarm, der die Handfesseln abninnnt, lagt er mit fester Stimme: „Es gibt Tausende Unschuldige, die in diesem Augenblick sterben. Ich bin ein Opfer mehr." — Ficke hat nur die eine Furcht vor Schmerzen bei seinem Ende, und von dieser Furcht hat er seinem Zellenwärter Mitteilung gemacht, der als braver Mensch versuchte, ihn davon zu befreien.
Gründler ist weniger ruhig wie Ficke. Nichtsdestoweniger läßt auch er es an Gefaßtheit nicht fehlen. Er fürchtet, mit gefesselten Händen sterben zu müssen, und es ist ihm eine Genugtuung, daß man ihm die Handfesseln abnimmt.
Die beiden werden an den für sie bestimmten Pfosten ausgestellt. Gründler will die Augen nicht verbunden haben. „Ich werde mich aufrecht halten," sagte er, und er wiederholte noch einmal festen Tones: „Ich habe nie etwas antifranzösisches unternommen." Ficke hat sich des Ueberziehers entledigt, der seinem Neffen gehört. Gefügig kniet er nieder und läßt sich fesseln.
Während sich diese Formalitäten schnell vollzogen, liest Kapitän Amat das Todesurteil vor. Die ganzen Vorbereitungen haben nur einige Minuten gedauert.
„Drei Schritt vor!" kommandierte der Führer der beiden Züge. Auf einen Säbelwink hin sind die Gewehre angelegt. Das Kommando „Feuer!" ertönt. Dann . . . ein einziger Knall, hart, bis ins Mark gehend. Und schon ist alles vorbei: Ficke fällt nach vorne, mtb Gründler, der einen Augenblick, wo man auf ihn anlegte, rief: „Ich sehe durch meine Binde!" wälzt sich auf der rechten Seite.
Es ist genau 7 Uhr 7 Minuten. Zwei Unteroffiziere geben den beiden den Gnadenschuß, der Arzt stellt den Tod fest, und während der Ruf „Es lebe Frankreich!" erschallt, stimmt die Mnsik die Nationalhymne an und dann den stolzen Marsch Sambre et Meuse, von derselben Sambre und Meuse, deren Wasser gerötet sind von all dem heldenmütig vergossenen Blute.
Vor den beiden Leichen, deren Häupter nun gebeugt sind vor der Gerechtigkeit und dem Willen des französischen Volkes (!) marschieren jetzt die Truppen vorbei. Zwei Särge werden gebracht, die Leichen hineingelegt, die Pfosten ausgerissen, und die Menge verläuft sich hinter den tapferen guten Soldaten dieses heldenhaften Frankreichs, das bie Heimat des Ruhmes ist, der sie alle beseelt.--
Als ein Dokument der französischen Schande wird dieser Zeitungsbericht geschichtlichen Wert erhalten, als ein Dokument der Schande vor allem für den Präsidenten der Republik, der es gewagt hat, den Justizmord vollziehen zu lassen, als ein Dokument der Schande auch für das französische Volk, das seinen Namen zu solcher Untat mißbrauchen läßt, und als ein Lchaudfleck schließlich auf dem Schilde der französischen Armee, die sich zum Vollstrecker des Mordes gemacht hat. Das unschuldig vergossene Blut unserer Landsleute schreit nach Rache, und wir hoffen inständigst, daß dieser Schrei Er- hörung finden möge. (Köln. Ztg.)
Weitere Drahtnachrichten.
Vertagung des preußischen Landtags.
»-$> Berlin, 5. März. Die Staatsregierung wird den Berl. Pvlit. Nachrichten zufolge beim Landtag die Genehmigung zu dessen Vertagung bis zum 23. November vorschlagen. Die Wahl dieses Termins wird dahin aufgefaßt, daß die durch den Krieg unterbrochenen gesetzgeberischen Arbeiten der vorigen Session im Herbst wieder ausgenommen werben können.