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Blusig abgewiesene russische Angrisse in Sstgallzien.

Sas Scheitern der feindlichen Angriffe.

Seit der vernichtenden Niederlage der russischen zehnten Armee zeigen unsere Feinde auf allen Kriegs­schauplätzen eine besonders rege Angriffstätigkeit, re­ger denn je. Im Osten spie das unermeßliche Menschen- reservoir Rußland Soldaten über Soldaten aus, um von der nördlichen Operationsbasis aus, die von den Flüssen Njemem Bobr und Narew geschützt wird, starke Streitkräfte, stellenweise von großer Uebermacht, gegen die deutschen Truppen anzusetzen. Aehnlich gingen die Russen von ihrer südlichen Basis an Weichsel, San und Dnjestr aus zu heftigen Angriffen gegen die öster­reichischen, ungarischen und deutschen Heeresgruppen vor, die in den Karpathen und Südwestgalizien (bei Stantslau) im langsamen, aber stetigen Vordringen be­griffen sind.

Für die russische Art, Menschenleben rücksichtslos zu vergeuden und die eigenen schweren Mißerfolge mit Hekatomben von Todesopfern zu feiern, ist geradezu sinnbildlich, ja prophetisch die Ernennung des tollen Draufgängers und bluttrunkenen Armeeführers Radko Dimitriew zum Generalfeldmarschall. Wie er vor Przemysl während der ersten Belagerung Sturm auf Sturm unter furchtbarsten Verlusten unternahm, so steht er jetzt im trauten Vereine mit den anderen stock- russischen Generalen, die ihm, dem panslawistisch ge­sinnten Bulgarenrenegaten, seelisch so nahe verwandt sind, durch unerhörte Preisgabe vieler Tausende den Sieg an die weiße Flagge mit dem blauen Andreas­kreuze zu zwingen. Aber überall scheiterten diese An­griffe. Nur bei Prasznysz wichen unsere Streitkräfte dank jener elastischen Strategie, die peinlichst vermeidet, nutzlose Opfer zu bringen oder gar unmögliche Aus­gaben zu stellen, vor allzu großer Uebermacht aus. Auch bei Myszimck wurden unsere Vortruppen aus den gleichen Beweggründen etwas zurückgenommen. So springt der erfahrene hurtige Torrero geschickt zur Seite, wenn der blindwütige Stier rasenden Laufes seine plumpe Stärke an ihm erproben will, um ihm bei pas­sender Gelegenheit in der Ueberlegenheit des Matadors, der Kraft, List und Masse zu bemeistern weiß, den töd­lichen Flankenstoß zu geben.

Auch im Westen brachen allenthalben die feindlichen Angriffe völlig zusammen. Die Verluste der Franzosen und Engländer sind schwer, bei Perthes in der Cham­pagne sogar gewaltig gewesen. Während unsere Trup­pen in den Argonnen im methodischen Maulwurfskriege tagtäglich ihr Mindestpensum erledigen, und wenn be­sonders günstige Umstände mitwirken,Ueberstunöen" machen, während wir von den Vogesen her in der Ge­gend von Baöenweiler in wenigen Tagen alles in al­lem auf einer Front von 3 Meilen mehr als eine Meile weit vorankamen, kann Generalissimus Joffre für sich und die Seinen keinerlei Angriffserfolge gutbringen, weder da, wo er neuen Boden gewinnen wollte, noch da, wo er verlorenes Gelände zurückzuerobern sich ernst­lich bemühte. Vor allem schlugen seine ständigen An- grisfe, vom Lager von Chalons aus, die ihm just zur zweiten Natur geworden sind, sämtlich fehl. Im Stel­lungskriege fällt eben die stärkste Eiche auch durch wie­derholte Schläge nicht,- denn der bedrohte Gegner ver­stärkt sofort und unablässig seine bedrohten Schützen­stellungen. Wer durchbrechen will, muß unvermutet vorbrechen, mit großer Uebermacht und mit unvergleich­lichem Mute.

Zur See liegt Englands Riesenflotte weit von deut­schen Torpedos und deutschen Geschützen in schützenden Häfen. Da sie so unter und auf dem Wasser nichts zu fürchten hat, brauchen ihre Blitze und Scheinwerfer nur den Himmel nach Zeppelinen absuchen,- mit beson­derer Freude aber wird von ihr jeder Sturm begrüßt werden, nicht etwa als Lenzesbote, sondern als Retter vor Ueberfällen durch deutsche Luftkreuzer. Nur an der Straße der Dardanellen sind britische und französische Kriegsschiffe dabei, die türkischen Außenforts zu bom­bardieren. Rußland braucht Zufuhr an Kriegsmaterial, und Frankreich russischen Weizen. Die Schiffe haben jedoch ebenso Schaden erlitten wie die äußersten Fe­stungswerke. Weiter hinein aber wird die Straße en­ger und die Festungslinie stärker, und zu Lande stehen die Elitetruppen der Türkei bereit, um feindlichen Lan­dungsmannschaften das Grab zu bereiten. Auch dort werden also die Angriffe, die allein zum Ziele führen könnten, trotz Herrn Admiral Limpus und seiner Spio­nage und Sabotage scheitern.

* * *

Antivari von österreichischen Kriegsschiffe« beschossen.

Nach derKöln. Ztg." berichtet die römischeTri- buna", fünf österreichische Kriegsschiffe seien am Mitt­woch in den Hafen von Antivari eingefahren und hätten die Stadt und die Hafenanlagen beschossen.

Derftrktt.

Roman von A. von der Elbe.

60) (Nachdruck verboten.)

Es war doch eigentlich ganz undenkbar, daß sein holdes, reines Kind sich zu einem so zweifelhaften Stelldichein entschloß. Er durfte überzeugt sein, daß sie ihn liebte, und nun dies! Dann war sie ganz verwor­fen. eine abscheuliche Heuchlerin.

Sollte er zu ihr gehen und fragen: Geliebte, was bedeutet dies? Warst Du's? Wie ist s möglich? Schilt mich, daß sth nur einen Gedanken an solche Sinnestäu- sc^rno wandtet Aber diese Fragen erschienen ihm schau als beleidigetlö für seine kindliche Braut. Er küvapkte mit dem Entschluß, die vermeintliche Begeg- «um völlig zu verschweigen und zu vergessen, aber es regte sich etwas tn keiner Seele, das widerriet. Würde «tot ein Schatten, nur ein Hauch, beileibe kein Bedacht, in seinem Gemüte haften bleiben, wenn er keine Aufklärung für das Unglaubliche zu erhalten suchte, wenn er sich nicht auf das festeste überzeugte, daß sie an bteiem Nachmittage das Haus nicht verlassen habe. Wie aber sollte er dieser Aufklärung teilhaftig werden, «neun er sich tn Schweigen hüllte? Dann würde die heute empfangene Seelenwunde fortbrennen und ein Füukche» Mißtrauen würde nie mehr auszulöschen

^ernbammer kam erst übermorgen, am vierten, ^ ^ urit der Bitte um Auf- Jr^H^L^1' ^ der Vater wieder da war, er mit dem verhandeln und durch ihn Adele zur Rede stelle» lasten? Nein! Bernhammer war nickt der Mann, eine solche Sache zart anzufasten $

Wenn er etwas tun wollte, mußte er selbst mit Ade­le sprechen, nur Auge in Auge mit ihr konnte er sich von »ßfitaai Unschuld überzeugen. Abscheulich, daß er

Aus dem großen Hauptquartier

»^ Großes Hauptquartier, 4. März 1915. (Amt­lich. WTB.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Ein französischer Munitionsdampfer für Nieuport bestimmt fuhr durch ein Versehen der betrunkenen Be­satzung Ostende an, erhielt dort Feuer und sank. Die verwundete Besatzung wurde gerettet.

Bei der Lorettohöhe nordwestlich Arras setzten sich unsere Truppen gestern früh in Besitz der feindlichen Stellungen in einer Breite von 1600 Metern. 8 Offi­ziere, 558 Franzosen wurden gefangen genommen, 7 Maschinengewehre und 6 kleinere Geschütze wurden er­beutet. Feindliche Gegenangriffe wurden abgeschlagen. Erneute französische Angriffe in der Champagne wurden leicht abgewiesen. Ein französischer Vorstoß östlich St. Hubert in den Argonnen mißlang. Im Gegenangriff entrisse« wir den Franzosen einen Schützengraben. Auch im Walde bei Chippy scheiterte ein französischer Angriff.

Eine der letzten Eiffeltnrmveröffentlichnngen brächte die Nachricht, daß eine deutsche Kolonne beim Marsch über die Höhe von Tahuxe mit Erfolg beschossen sei. Wir müssen die ausnahmsweise Richtigkeit der Nachricht be­stätigen. Die Kolonne bestand aber aus abgeführten französischen Gefangenen, unter denen ein Verlust von 38 Mann tot, 5 verwundet eintrat.

Oestlicher Kriegsschauplatz.

Russische Angriffe nordwestlich Grodno gerieten in unser flaukierendes Artilleriefever und scheiterten. Auch nordöstlich Lomza brachen die russischen Angriffe unter schweren Verlusten zusammen. In Gegend südlich von Mysziniec und Chorzele sowie nordwestlich Prasznysz erneuerten die Rüsten ihre Angriffe.

Auf der übrigen Front keine Veränderung.

Oberste Heeresleitung.

Der Artilleriekampf an der Pserlinie ist, wieNieuwes van den Tag" aus Dünkirchen mel­den, in den letzten Tagen erheblich stärker geworden. Trotz aller Anstrengungen der Verbündeten in den letzten Wochen sei es nicht gelungen, den südlichen Teil der Front zwischen Dtxmude und Ypern vorwärts zu bringen. Die Stellungen auf beiden Seiten dieser Linie haben durch die häufig dreifachen Schützengräben und Stacheldrahtverhaue einen derartig festungsartigen Charakter angenommen, daß eine Veränderung der Lage wohl nur durch irgendwelche Vorgänge an anderen Teilen der Westfront möglich sein dürfte.

Der Augenzeuge beim englischen Hauptquartier be­richtet nach demB. T.": Das schmale Stückchen Landes zwischen den Linien der Streitenden in den Wäldern um Ypern ist in fast nicht zu beschreibendem Zustand. Viele Bäume sind ganz oder teilweise gefällt, in den Boden sind unzählige mehrere Fuß tiefe Löcher geschla­gen und zwischen den Bäumen und in den Löchern sind Tausende von Leichen, viele davon schon seit November. Es ist eine entsetzliche Totengegend.

KitchenersMillionenheer."

Die KopenhagenerNational Tidende" sagt in ei­nemDie Schwierigkeit, Millionenheere zu schaffen" überschriebenen Leitartikel: England bat erklärt, daß es beabsichtige, neue Heere, zusammen drei Millionen zu schaffen. Ein Heer wird aber nicht nur aus Menschen, sondern auch aus Kriegsausrüstungen gebildet. Die Frage ist also, wer England das erforderliche Kriegs­material beschaffen soll. Die Verbündeten sind hierzu außerstande, da sie selbst Material brauchen. Die größ­ten Waffensabriken sind in Deutschland, Oesterreich-Un­garn und Belgien zu finden. Amerika ist auf größere Fabrikation nicht eingerichtet. England ist daher auf eigene Fabrikation angewiesen. Es würde nach ein­gehender Berechnung etwa ein Jahr gebrauchen, um et­wa eine halbe Million Mann mit Gewehren auszu- rüsten. Die erforderliche Munition könnte selbst in die­ser Zeit nicht bergestcllt werden. Die Herstellung der erforderlichen Artillerie würde mindestens zwei Jahre in Anspruch nehmen, ganz abgesehen von allem Mate­rial. Selbst wenn eine Absperrung Englands gar nicht in Berechnung kommt, kann man schwer einsehen, wie es England glücken sollte, wie reich es auch an Gold sein mag, ein derartiges Millionenheer in etwa ein-

Alle diese Seelenkämpfe und Ueberlegungen wur­den durch wiederholte Besuche bei den Patienten des Krankenhauses unterbrochen. Nun war es spät gewor­den, so daß er heule nicht mehr daran denken konnte, eine Erklärung für die geargwohnte Begegnung in der Leipzigerstrabe zu suchen.

Die Nacht verlief Werner bang und unruhig. Er schlief wenig, und wenn er einnickte, sah er die Geliebte in jenes fremden Mannes Armen, ein Anblick, der ihm das Blut mit harten Stößen durch alle Pulse jagte.

Am anderen Morgen konnte er sich gegen 10 Uhr freimachen und nun stand sein Entschluß fest, wenn Adele anch noch allein war, er mußte und wollte sie auf­suchen.

Als er das Mädchen, welches ihm die Vorplatztüre öffnete, fragte, ob Fräulein von Bernhammer noch zu Hause sei, antwortete es: das gnädige Fräulein habe Besuch und sei im Schlafzimmer, Herr Doktor möge nur in den Salon treten.

Werner staub, gefoltert von schwerer innerer Be­drängnis, im Gemach. Welch glückliche Stunden hatte er hier in ihrer lieben Nähe verlebt, es war fast uner­träglich, mit diesen Zweifeln hier zu warten! Nebenan hörte er Mädchenstimmen einige Worte sprechen, und dann trat sie ein.

Unter Farbenwechsel und in sichtlicher Verlegenheit nestelte sie an ihrem Gürtelschloß. Ein ängstlicher Blick flog zu ihm empor und sie sagte:Morgen kommt Papa erst zurück."

Mochte denn ihre kleine Verwirrung nicht begreif­lich sein, da er sie gegen die Abrede aufsuchte, während I sie noch allein war? So oft er sich auch durchdacht halte, I was er sagen, wie er zart hindeuten, sich bald bescheiden 1 wolle, so wenig war ihm jetzt von seinen diplomatischen i Saunet allsten etwas gegenwärtig.

I unwiderstehlichen Regung folgend, trat er

1 an sie heran, ergriff ihre Hand, legte ein paar Fin­

dreiviertel Jahren wirklich brauchbar auszurüsten. Wahrscheinlich wird es mehr als die doppelte Zeit ge­brauchen, sodass Aeußerungen von englischer Seite, daß der Krieg drei Jahre dauern würde, nur unzweifelhaft mit Rücksicht auf die genannten Schwierigkeiten ge­fallen sind.

Laut einer Meldung derKöln. Ztg." erklärt der Haagsche Couram" zu den Versicherungen der eugli= sehen Regierung, es sei die Bildung eines Heeres von drei Millionen beabsichtigt, daß in London durch Mauer- anschläge das englische Volk aufgefordert werde, die zweite halbe Million des Heeres zu ergänzen. Gemäß der seitens des Königspaares an alle Mannschaften des Heeres abgesandten Gedenkkarte betrage die Zahl des englischen Heeres etwa 600 000 Mann.

Da fehlt an den drei Millionen noch eine hübsche Portion.

Vom österr.-ungar. Generalstab

Wie«, 4.. März. (WTB.) Amtlich wird gemeldet:

An der Biala südöstlich Zakliczyn wurden gestern vorgehende russische Truppen nach blutigem Kampf zu- rückgeworfen. Beiderseits des Latorcza-Tales und aus den Höhen nördlich Ciena dauern die Kämpfe stellen­weise auch nachts an. Ueberall, wo es unsern Trup­pen gelang, Raum zu gewinnen, unternimmt der Feind wiederholt Gegenangriffe, die stets blutig zurttckgeschlageu werden. Besonders entlang der Straße von Balingrod versuchten die Russen während dichtem Schneegestöber mit starken Kräften vorzustotzen. Der Angriff, der bis auf die nächsten Distanzen herangekommen war, brach schließlich unter großen Verlusten des Gegners in un- ferem Geschütz- und Maschinengewehrfeuer vollkommen zusammen.

An der übrigen Front keine wesentliche Aenderung, nur Geschützkämpfe.

Vor Przemysl herrscht Ruhe.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes, v. Hoefer, Feldmarschallentnant.

Die heftige Karpathenschlacht.

Der Kriegsberichterstatter der WienerNeuen Freien Presse" meldet: Der ausgiebige Schneesall hat die Heftigkeit der Karpathenschlacht nicht gemindert. Am westlichen Flügel, wo die Russen die größten Verluste hatten, hat die Intensität der russischen Angriffe nach­gelassen. Um so yertzer tobt die Schlacht »m Zentrum zwischen Lupkower und Uzsoker Patz. Lestlich des Uz- soker Passes ist es ruhiger. Der äußerste rechte Flüge! steht in Südgalizien großen russischen Kräften gegen­über. Täglich wirft der Feind neue Verstärkungen an die Front. Die Dauer der Kämpfe ist nicht abzusehen Um Przemysl verhalten sich die Russen passiv.

Die Kämpfe in Nordpolen.

Der MailänderSecolo" läßt sich nach derFrkf. Ztg." aus Warschau melden: Die Schlacht bei Grovnv hält in erbitterter Weise an. Die Deutschen setzen ihre Angriffe auf Ossowiecz mit österreichischen Motorbat­terien fort. Schneestürme überziehen den Kriegsschau­platz und erschweren die Kämpfe. Der Stiemen ist zu­gefroren. Die Deutschen haben große Kräfte zusammen- gezogen, um die russische Front zwischen Grodno und Ossowiecz zu durchbrechen. Bei Prasznysz dauert die russische Gegenoffensive an.

Amerika vor einem Wasfenausfuhrverbot?

Reuter" meldet aus Washington: Beide Häuser des Kongresses haben Resvlmivnen angenommen, nie die Regierung ermächtigen, Zollbeamte und bewaffnete Seesoldaten bereitzustellen, um die Abreise aller Schiffe jeder Nationalität aus amerikanischen Häfen zu ver­hindern, von denen man überzeugt ist, daß sie beabsich­tigen, Kohlen und Waren an Fahrzeuge Kriegführender zu liefern.

Umschwung der öffentlichen Meinung Amerikas.

®s£ Rotterdam, 5. März. (T. 1t.) Aus London wird gemeldet: Der Korrespondent derTimes" in Washington bestätigt, daß ein völliger Umschwung der amerikanischen öffentlichen Meinung zuungunsten der Verbündeten sich vollzogen habe. Selbst die deutsch- feindlichen Blätter verirrte!len den englischen Stand­punkt. Die Erregung wendet sich speziell gegen Eng­land, nicht gegen die anderen Verbündeten.

ger seiner Rechten unter ihr Kinn, ihr gesenktes Köpf­chen aufrichtend, und fragte:

Adele" seine Stimme beklommen und ver­schleiert,Adele, waren sie gestern nachmittag aus? Waren sie in in der Leipzigerstratze?"

Sie wurde totenblaß, schien zu wanken und stam­melte nach langer Pause:Wie wie sollte ich dahin kommen?"

Sie hatte ja ganz recht mit dieser erschrockenen Frage, aber es war doch etwas in ihrem Benehmen, das himmelangst machte. Allein wie sollte er die Wahrheit ergründen, die er doch wissen mußte ja mußte, sein Lebensglück hing an dieser Stunde. Sehr ernst sagte er:Jemand glaubt Sie gesehen zu haben, wie Sie an der Seite eines jungen Herrn eine Konditorei ver­ließen. Ich beschwöre Sie, Adele, um Wahrheit - Offenheit!"

Ein Sturm von Angst, von Verzweiflung ging durch ihre Seele,- sie hielt sich kaum aufrecht und fühlte, daß ihre Gedanken sich verwirrten. O, eine Hilfe, eine Ausrede! Wenn sie das zugab, was er argwöhnte, sv war er für sie verloren, den sie doch nie so grenzenlos geliebt hatte, wie eben jetzt. Blitzesschuell schössen ihr die Gedanken durch den Kopf. Ob sie sich ihm zu Füßen warf und alles gestand? Sie war nahe daran, es zu tun, aber dann gab es keine Hoffnung mehr für sie, er konnte ihr nie verzeihen, was sie getan, nie, niemals, und bann war alles aus.

Eine neue Gedankenreihe, ein Plan vielleicht eine Rettung. Mit zitternder Stimme sagte sie:Es kann wohl meine Schwester gewesen sein sie sie sieht mir sehr ähnlich."

Erstaunt fragte er:Fräulein Susanne ist hier?"

Adele nickte.Sie soll doch jedes Jahr Papa be- suchen." (Fortsetzung folgt.)