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Aus dem großen Hauptquartier

** Großes Hattptqnartier, 3. März 1915. (Amt­lich. WTB.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Bei St. Elot südlich von Ypern wurde ein Angriff einer englischen Kompagnie «ach blutigem Handgemenge zurückgewiesen.

Bei Perovne landete infolge Motordefekts ein fran­zösisches Flugzeug. Die Insassen wurden gefangen ge­nommen.

Die französischen Angriffe in der Champagne hatten nicht den geringste« Erfolg; wieder wurde« die Frau, zosen unter schweren Verlusten in ihre Stellungen zu- rückgeworfen.

Nordwestlich von Ville sur Tourbe entrissen wir dem Feinde Schützengräben i» Breite von 350 Metern. Feindliche Vorstöße im Walde bei Couseuvoye und in Gegend Ailly-Avremont wurden leicht abgewieseu.

Unser Angriff nordöstlich von Badonviller brächte uns wieder beträchtlichen Geländegewinn. Wir schoben unsere Front hier in den letzten Tagen nm acht Kilo­meter vor.

Nordöstlich von Celles machten'die Franzosen ver­gebliche Versuche, den Verlust der letzten Tage wieder anszngleichen.

Oestlicher Kriegsschauplatz.

Bei Grodno ist die Lage unverändert. Oestlich von Augnstow versuchten die Russe« den Bobr zn über­schreite«. Unter schweren Verlusten wurden sie zurück­geworfen und ließen 1500 Gefangene in unserer Hand.

Andere Angriffe in Gegend nordöstlich von Lomza brache« dicht vor unserer Front gänzlich zusammen.

Südwestlich von Kolno machte» wir Fortschritte. Südlich Mysziniec nahmen wir unsere Bortrnppen vor überlegenem Feinde etwas zurück.

Nordwestlich von Prasznysz fühlten die Russen langsam vor. Mehrere russische Nachtangriffe östlich Nlozk wurden abgewiese». Oberste Heeresleitung.

Die Schlacht in der Champagne.

Die Durchbruchsversuche der Franzosen, die schon seit fast 14 Tagen ständig unternommen werden, sind, wie der Korrespondenz „Heer und Politik" geschrieben wird, nach der Meldung unseres Generalstabes in jüngster Zeit mit fast zwei Armeekorps, also mit sehr starken Kräften unternommen worden und kläglich gescheitert. Es gelang den Franzosen nicht, unsere Führung im Westen zu überraschen. Wir sehen hier wieder, wie im Dezember v. J. den gleichen Kriegsplan im Westen und Osten, da von beiden Seiten heftige Ossensivversuche ge­macht wurden, um einen Durchbruch zu ermöglichen. Die französischen Angriffe sind in erster Linie gegen die deutschen Maßnahmen im Osten gerichtet, wenn sie auch als Selbstzweck naturgemäß aufzufassen sind, da Frankreich wohl in der Champagne eine schwache deut­sche Stellung vermutet. Die Tatsache, daß zwei Armee­korps auf einem kleinen Raum zum Durchstoß vereinigt worden sind, bezeugt, daß die Franzosen tatsächlich die Absicht hatten, hier die starke deutsche Mauer zu durch­brechen. Sie sind durch die Erfahrungen, die /sie Ende Dezember und Anfang Januar mit ähnlichen Versuchen gemacht haben, nicht belehrt worden, trotzdem sie dort 150 000 Mann verloren haben.

Wie wenig unsere eiserne Mauer im Westen durch derartige Versuche erschüttert werden kann, geht aus den gewaltigen Erfolgen hervor, die wir in den letzten Wochen und sogar noch in den letzten Taaen gerade im Westen errungen haben. Der Schützengrabenkrieg ist an M langwieriger als die offene Feldschlacht, aber aus demselben Grunde sind große Erfolge umso höher zu bewerten. Unser Vormarsch bei Luneville auf einer Front von 20 Klm. und in einer Tiefe von 6 Klm. er­folgte zur selben Zeit, in der die Kämpfe in der Cham­pagne todtem Wir haben also im Westen nicht nur die Möglichkeit, dem ungewöhnlich verstärkten Ansturm Joffres die Spitze zu bieten, sondern wir sind auch in der Lage, sehr kräftige Erfolge zu erzielen, trotzdem die Franzosen annehmen, daß wir alle verfügbaren Truppen nach dem Osten geworfen haben. Der Durchbruchsver­such in der Champagne war aber so sehr angetan, die Bedrohung der eigenen Front zu mildern, wie der rus­

Verstrickt.

Roman von A. von der Elbe.

59) (Nachdruck verboten.)

„Von nun an bedrohte er mich, und wir fürchteten, er möchte von dem, was ich unvorsichtig und vertrau­ensselig in seine Hand gelegt, einen schlechten Gebrauch machen. Aber aus Tante Josefinens Anfrage antwor­tete er, die Andenken seien verbrannt, und damit hat er uns schmählich belogen. Und da lies diesen Brtef, den ich diesen Morgen erhielt. Du wirst begreifen, Herzensmienchen, daß ich um alles in der Welt Wer­ner nicht wissen lassen wollte, welchen Unsinn ich — ehe er mir näher trat — angerichtet habe. Und Du darfst mich nicht schelten, daß ich sein Verlangen erfüllt und mir eben die Dummheiten zurückkaufte."

Mienchen hatte, immer mehr erblassend, mit zusam- mengepretzten Lippen und in tiefer Seelenqual oen Schilderungen der Freundin gelauscht. Welch ein falsches doppeltes Spiel hatte der Mann von Anfang an getrieben, dem ihre Neigung gehörte, der Mann, der ihr ebenso lange von Liebe gesprochen, wie er ihre rei­chere Freundin umgarnt hatte. Psui über solch eine falsche Seele! Aber es tat dem weichen Mädchen unend­lich weh, etwas so verletzendes zu erfahren, und der Kampf war hart, mit dem sie versuchte, die still ge­hegte Liebe und Bewunderung für den schönen Franz niederzuringen.

. Als Adele ihr den Bries reichte, stammelte Minna, vor den Augen tanzten und die kaum noch Mtt™ücg%ot" ^Wbeherrschung behielt: „Bitte — ... Adele tat es, und der schwer gekränkten Hörerin schien es, als werde ihr ein Messer immer tiefer in die Brust gestoßen. Sich die freundlichen Zeichen der Zu­neigung abkaufen, hoch bezahlen zu lassen, war abscheu­lich, war verächtlich. An einen solchen Mann durste sie nie mehr mit zärtlichen Gefühlen denken. Aber sie wollte

sischen Offensive beizustehen. Es war nicht nur ihr Plan, gleichzeitig mit dem russischen Vorgehen, selbst euren Ansturm zu unternehmen, sondern der Sturm in der Champagne wurde auch darum unternommen, um die starke Bedrohung von Verdun zu entlasten.

Die französischen Zeitungen haben schon seit meh­reren Tagen gemeldet, daß Verdun immer schärfer ein­gekreist werde. Die Offensive in der Champagne kann man als einen Versuch auffassen, die deut­schen Truppen in möglichst großem Umfange von Verdun weiter nach Westen abzuziehen, um das Knie der gesamten Schlachtfront, dessen beiden Schenkel sich eng um Verdun legen, außer Druck zu setzen. Wie wenig das bisher gelungen ist, das zeigen unsere jüngsten Er­folge nördlich von Verdun und Luneville.

„Die letzte gewaltigste Anstrengung".

Einem Mitarbeiter des „Tag" teilte ein aus Dieppe (französische Kanalküste) in dem holländischen Grenz- orte Rosendaal eingetroffener Belgier u. a. mit: „Ich sprach mit einem befreundeten Offizier über die Aus­sichten der großen vierten Offensive der Verbündeten. Er sagte mir: „Wir führen jetzt alles ins Feld. Es ist die letzte gewaltigste Anstrengung, den Feind zu werfen, und wir werden, wir müssen ihn znrücktreiben. Er­reichen wir es diesmal mcht, dann ist der Krieg un­widerruflich für uns zn Ende. Wir wären nach einem Fehlschlagen dieses Riesenangriffes zn einer Defensive verurteilt, die vom Feind bald verbröckelt werden könnte. Natürlich wäre das der Anfang vorn bitteren Ende. Ich hoffe aber, daß wir den Sieg erringen werden."

Vom österr.-nngar. Generalstab

Wien, 3. März. (WTB.) Amtlich wird verlautbart:

In den Karpathen sind westlich vom Uzoker Patz

Kämpfe im Gange, die sich in größerem Umfang nm den Besitz wichtiger Höhen und Rückenlinien entwickelte«.

Mehrere russische Gegenangriffe wurden blutig abgewiesen und im Laufe des Tages auf der Gefechtsfront neue lo­kale Erfolge erzielt. Bei Erstürmung einer Höhe nörd­lich Cisna blieben 400 Gefangene in unseren Händen.

In Südostgalizien wurde an der ganzen Schlacht­front heftig gekämpft.

Am Dunajec und in Russisch-Polen hat sich nichts Wesentliches ereignet.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes.

v. Hoefer, Feldmarschallentnant.

»-£ Budapest, 4. März. (T. U.) „A Nap" meldet: Die Russen grifsen an der ganzen Karpathenfront mit großer Heftigkeit und Entfaltung der ganzen Kraft an. Der Feind hofft, daß es ihm gelingen werde, unsere Kar- pathenlinie irgendwo zu durchbrechen und unsere gegen Stanislau vorgerückte Armee zum Rückzüge zu zwin­gen. Dies Bestreben ist indessen gescheitert. Der Kampf steht günstig für uns.

w= Wien, 4. März. (T. U.) Der Kampf südlich vom Dnjestr, der sich nach Heranführung großer russi­scher Verstärkungen zu einer Schlacht entwickelt hat, steht, wie der Sonderberichterstatter des „Pesti Hirlap" seinem Blatte meldet, für die österreichisch-ungarischen Truppen günstig.

Oesterreichtsche Flieger über Belgrad.

#-»= Wien, 4. März. (T. U.) Oesterreichische Flie­ger kreisen, wie aus Ofenpest nach der „Tgl. Rösch." ge­meldet wird, fast täglich über den nördlichen Gebiets­teilen Serbiens und bringen dem Heere wertvolles Nachrichtenmaterial. Vor einigen Tagen erschienen österreichische Flieger über Belgrad und warfen Papier­streifen ab, die von dem glänzenden Siege Hindenburgs berichteten. Sonst herrscht an der Save Ruhe.

Russische Eingeständnisse und Besorgnisse.

Die Wiener Korrespondenz „Rundschau" meldet: Die Petersburger Berichte betonen, daß die Kämpfe in Polen und Galizien, obwohl sie nur als Einzelopera­tionen einer in Vorbereitung begriffenen entscheidenden Hauptaktion aufzufassen seien, doch ungemein erbittert und verlustreich sind, zumal die Wetterunbilden die Ge­fechtstätigkeit äußerst erschweren. Die Kriegsberichter­statter messen den Ereignissen in Polen die größte Be­deutung bei, da nun das russische Festungsgebiet „in den Bereich der feindlichen Aspiration" gezogen er­scheine. Nowo-Georgiewsk werde von den Deutschen mit den schwersten Geschützen angegriffen werden, wodurch die Festung gewiß in eine nicht geringe Gefahr gerate. Dadurch gestalte sich auch die Lage Warschaus heikler, obgleich man überzeugt sein könne, daß die Russen ihre

schweigen, schämte sie sich doch, ihre getäuschte Liebe für den Unwürdigen zu bekennen.

Adele, viel zu erfüllt von dem eben Erlebten und befangen im Eigenen, hatte kein Auge für die tiefe Ge­mütsbewegung, die ihr sanftes Mienchen durchlebte. Die liebe gute Seele nahm herzlich Teil an allem, was sie betraf, das war immer so gewesen, aber sie dankte es ihr auch mit warmer Freundschaft. Daß es ihr ver­gönnt worden, sich über ihr peinliches Abenteuer aus- zusprechen, hatte Adele etwas erleichtert. Der Trost, die lange fern drohende Gefahr nun glücklich abgewandt zu wissen, gewann die Oberhand in ihrem Gemüte, ließ sie aufatmen und sich erholen.

Mienchen fühlte sich jetzt viel unglücklicher und be­drückter als Adele, ohne daß diese es ahnte.

Fräulein Böhme trat ein und bat, die jungen Mäd­chen möchten zum Tee kommen, der im Eßzimmer be­reit stand.

Adele vermochte jetzt unbefangen zu sein, und kaum hätte eine schärfere Beobachterin, als das Geschäftsfräu­lein war, den noch etwas geröteten Augen, dem flackern­den Blick und der hastigeren Gesprächsweise Adelens angemerkt, daß ein Sturm über ihr junges Leben dahin- gebraust sei.

Mienchen, immer still und bescheiden, fiel gar nicht auf; sie atz wenig und sprach noch weniger, und die Böh­me meinte: Kein Wunder, das kleine Ding fühlt sich hier geblendet und befangen.

Als Minna dann im Bette lag, gönnte sie sich end­lich die Erleichterung, ihren schmerzlichen Gefühlen frei­en Lauf zu lassen, und noch lange schüttelte sie ein Herz- zerbrechendes Weinen, mit dem sie sich ihre junge Liebe aus der Seele ritz.

15. Kapitel.

Doktor Werner Brüggen kam von Nachmittagsaus- zu einem Patienten zurück. Da indes seine stark besuchte Sprechstunde eben begann, fand er keinen Au-

kolossalen Kräfte an Menschenmaterial in dem Augen- blick voll einsetzen würden, in dem die Lage von ihnen tatsächlich als kritisch angesehen würde. Der Militär­kritiker der „Nowoje Wremja" legt dar, daß die Deut­schen in Polen alles aufbieten, um die Russen zu schla- gen und sich, wenn nicht Warschau selbst, so doch so nahe an die Stadt heranzudrängen, daß man dort ben Don­ner der deutschen Geschütze höre. Außer Feldartillerie hätten die Deutschen auch Geschütze des schwoften Kali­bers herangebracht und damit ein heftiges Feuer auf die russischen Stellungen eröffnet, nicht nur tagsüber, sondern auch bei Nacht. Die Angriffe der Deutschen seien durch „rasende Hartnäckigkeit" gekennzeichnet und würden in dichten Reihen ausgeführt.

Englische Furcht vor den U-Booten.

Nach einer Rotterdamer Meldung des „Hamburger Fremdenblattes" sind beim Seetransport von Kitche- ners neuer Armee nach Frankreich ganz unerwartete Schwierigkeiten entstanden. Es haben sich neuerdings einige Truppenteile wegen der Minen- und Uuterfee- bootsgefahr geweigert, mit dem Transport in See zu gehen. Die Soldaten erklärten, sie wollten sich nicht wehrlos im dunklen Meeresgrund ertränken lassen.

s-r- Cöln, 4. März. Wie der „Köln. Ztg." von der holländischen Grenze gemeldet wird, hat sich die Be­satzung des großen englischen Hilfskreuzers „Carma- nia" geweigert, aus Furcht vor deutschen Untersee­booten, von Gibraltar aus in See zn gehen.

Ein torpedierter englischer Dampfer.

»^ Christiania, 4. März. (T. U.) „Morgenbladet" meldet nach der „Bl. Mp." aus Arendal: Einem Lon­doner Telegramm zufolge soll der frühere norwegische Dampfer „Thordis", der am 26. Januar an eine Firma in Manchester verkanft wurde, vor Weymouth (am eng­lischen Kanal) von einem deutschen Unterseeboot torpe­diert worden sein.

Von Tauchbooten verfolgt.

Der Amsterdamer „Telegraaf" meldet von Hoek van Holland: Der gestern eingetroffene englische Dampfer „Wrexham" meldet, daß er bis diesseits vom Maas­feuerschiff von einem Unterseeboot verfolgt worden sei und unterwegs verschiedene Minen angetroffen habe.

Englands Flagge bleibt unsichtbar.

9-$° Nürnberg, 4. März. (T. U.) Die „Nüruberger Zeitung" berichtet aus Genf: Der „New Z)ork Herold" meldet zensiert aus London: Der nach dem Empfang der amerikanischen Note zusammengetretene Minister­rat beschloß die Beibehaltung des Gebrauches der nen- tralen Flagge durch die britische Handesflotte. — Aus Rotterdam erführt die „Nürnb. Ztg.": Infolge des deutschen Unterseebootkrieges liefen dem „Courant" zu­folge aus den englischen Häfen in der letzten Woche des Monats Februar nur 174 Schiffe gegenüber 830 in der ersten Februarwoche aus.

Die Absperrung Englands.

Alle englischen Nachrichten, daß die deutsche Blockade Englands keine Unterbrechung des eugliscyen Schtzf- fahrtsdienstes zur Folge habe, sind frei erfunden. Alle englischen und französischen Blätter kommen nach Mem düngen aus dem Haag in Holland jetzt nur noch n we­nigen Exemplaren und mit Verspätungen von drei bis vier Tagen an, trotzdem aber noch unregelmäßig, und häufig bleiben sie ganz aus. An manchen Tagen veoeht zwischen Boulogne, Calais und England überhaupt kein Passagierverkehr, und nur Torpedoboote versorgen den Postverkehr in beschränktem Umfange.

Enver Pascha über die Dardanellen- beschietzung.

Der Konstantinopeler Korrespondent der „Franks. Ztg." hatte mit dem türkischen Kriegsminister Euver Pascha über ine Lage eine Unterredung, in der dieser Über die bisherigen Operationen vor den Dardanellen ausführte, daß die Aktion, welche am 19. Februar begann und welche der Gegner mit einem tomvinierten eugusch- französischen Geschwader öurchzuführeu sucht, bis jetzt kein anderes Ergebnis gezeigt hat, als daß ein Teil der Forts am äußersten Einaana der Dardanellen stärkt

m ^oAs am äußersten Eingang der Dardanellen starte Beschädigungen erlitt.

. Am ersten Tage, so erklärte Enver Pascha, hat bei Feind diese Werke mit 800 bis 100« Schutz belegt DaL EMebrns dieser furchtbaren Kanonade war, daß ein ye, obachtuugsoffizier getötet und ein Mann verwunde» wurden, und daß bei der ähnlich heftigen Beschießung am folgenden Tage sechs Geschütze umgeworfen, vier Mann getötet und vierzehn verwundet wurden. Bon ben

genblick der Muße, um über die seltsame Begegnung in der Leipzigerstraße nachzudenken.

Mit starker Selbstbeherrschung zwang er die eben empfangenen Eindrücke in seine Seele zurück. Er muß­te in seinem Beruf sich selbst vergessen" und völlig ob­jektiv sein, alles Denken in den Dienst dessen stellend, der seiner Hilfe bedurfte. Dies gelang ihm auch heute im Verkehr mit den Patienten, indes in jedem Augen­blick der Pause, des flüchtigen Alleinseins, stieg dunkle Mißempfindung, gleich einem scheußlichen Ungetüm, in ihm herauf, zerrte an seinem Denken, scheuchte ihn in Grübelei und ließ sich, wenn die Pflicht rief, nur gewalt­sam verbannen.

Als er endlich sich selbst überlassen blieb, rief er sich das kürzlich Erlebte nröglichst genau ins Gedächtnis zu­rück.

Er hatte gute Augen und war dem Paare, das Arm in Arm aus dem Cafee gekommen, auf etwa zehn oder fünfzehn Schritte, immer durch die hin und her Drän­genden gehindert, nahe gewesen. Er saunte Adelens kleinen Umgangskreis, der junge, hübsche Mann, den er genau gesehen, war ihm fremd. Die Dame tief ver­schleiert, im hüllenden Mantel, ja, war sies oder nicht? Eine peinliche, entsetzliche Frage.

In der Millionenstadt gab es viele Mädchen von Adelens Wuchs und Größe. Sein Herz hatte aber beim Anblick dieser Erscheinung einen Sprung getan und wahnsinnig geklopft, und eine Stimme in ihm hatte ge- schrieetl: Sie — sie ists! Wie kommt sie hierher? Das sind ihre Bewegungen; ihre graziöse Art, den Fuß zu heben, sich zur Seite zu neigen. Rasch vorwärts, sich überzeugen!

Er hatte von dem verschleierten Gesicht der Dame nur die Umrisse gesehen — die mochten ihr ähnlich sein — abscheulich, nach einer Aehnlichkeit zu forschen!

Ein Rätsel! Sollte er sich dadurch berücken und zu eifersüchtigem Vorgehen treiben lassen? (Forts, f.)