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Hersselder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Herrfelder

für den Kreis Hersfeld

Mit

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zelle 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zelle 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Nr. 54»

Freitag, den 5» März

1915

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.

Wer Brotgetreide verfüttert, versündigt I sich am Vaterlande u. macht sich strafbar. |

Abgeordnetenhaus.

Das Preußische Abgeordnetenhaus setzte am Mitt­woch die Etatsberatung in zweiter Lesung fort. Die Beratung begann mit der Besprechung des Kultus- Etats. Abg. v. Goßler: Es sei erfreulich, daß die Ausgaben des Kultusetats nicht geringer geworden seien als sonst. Das beweise, daß das deutsche Volk Mittel und Willen habe, seine alte Kulturhöhe auf­recht zu erhalten. Großer Dank gebühre den Feld­geistlichen, die ihren schönen, aber schweren Beruf in den Schützengräben erfüllen. Um dem Mangel an Seelsorgern dauernd abzuhelfcn, sei es wünschens­wert, an der Universität Frankfurt eine theologische Fakultät zu errichten. Nach dem Kriege sollte Aus­ländern der Besuch hoher Schulen in Deutschland mehr erschwert werden, denn das deutsche Wesen sei ihnen fremd. Förderung verdienten die von dem verstorbenen Abg. von Schenkendorff angeregten Kinderhorte. Dem trat Abg. Dr. Kaufmann (3tr.) bei. Er nannte den Kultusetat des Kriegsjahres wegen seiner unver­minderten Ausgaben ein Kulturdokument für alle Zeiten. Der Erfolg des Krieges sei in erster Linie dem guten Wirken der Volksschule, dann auch den höheren Schulen, insonderheit aber noch den Eisen- bahn-Unterbeamten zu danken, deren unermüdliche Arbeit den schnellen Aufmarsch ermöglicht habe. Das höchste Ziel des Krieges müsse die völkische und christ­liche Erneuerung des deutschen Volkes sein. Abg. Dr. v. Campe (natL) wies darauf hin, daß die Unter­richtsverwaltung den Lehrern die Aufgabe erleichtern müsse, den Unterricht der großen, ernsten Zeit anzu- passen. Die Seele der Kinder wolle innerlich ergriffen sein von dem was draußen vorgehe. Auch Abg. Viereck (fkons.) betonte, daß die Geschichte der Gegen­wart mehr in den Mittelpunkt des Unterrichts ge­rückt werden müsse, vor allem deutsche Geschichte, deutsches Wissen. Abg. Eickhoff (Fortschr.) gab der Ansicht Ausdruck, daß es den Theologen unbenommen sein müsse, mit der Waffe Dienst zu tun. Sie hielten sich sonst den anderen gegenüber für benachteiligt. Abg. Haenisch (Soz.) erklärte, den friedlichen Verlauf der Sitzung nicht stören zu wollen, denn auch die Sozialdemokratie hoffe, daß das Vaterland den Sieg erringen werde. Die Klingen zu kreuzen, sei nach einem ehrenvollen Frieden an der Zeit. Die mili­tärische Vorbereitung der Jugend begrüßte er als eine alte sozialdemokratische Forderung. Die Sozial- demokratie habe sie gefördert, als man noch allgemein an das Märchen der Vaterlandslosigkeit der Sozial­demokratie glaubte. Die Schwierigkeiten, die man den sozialdemokratischen Jugendvereinigungen bereite, sollten restlos beseitigt werden. Bei der Jugender­ziehung dürfe der Krieg nicht dazu verführen, den Kindern Haß einzuimpfen. Kultusminister v. Trott zu Solz bemerkte, die im Etat enthaltenen Zahlen seien die beste Widerlegung der von unseren Feinden erhobenen Vorwürfe. Besonders erfreut sei er über die den mit Begeisterung ins Feld gezogenen Schülern und Lehrern gewidmeten Worte. Den Lehrern sei zu dankeu, daß sie sich überall in den Dienst der All­gemeinheit gestellt haben. Die vorgetragenen Wünsche sei er zu prüfen bereit. Manches von dem, was Abg. Haenisch ausgeführt habe, sei der Prüfung wert und wenn einst Friede wäre, dann könnte es, wie Abg. Haenisch richtig meinte, wieder an das Klingenkreuzen gehen, dann könne es an das Neuausbauen gehen. Der Kultus-Etat wurde darauf angenommen. Der Etat der Bauverwaltung wurde ohne Besprechung er­ledigt. Nächste Sitzung Donnerstag l12 Uhr. Justiz- Etat. Schluß 5 Uhr.

Bus der Heimat.

* EineSonder-Verlustliste des deutschen Heeres (Unermittelte) Nr. 1 ist am 2. März erschienen. Dieselbe enthält alphabetisch geordnete Namen der in Kriegsgefangenschaft, im Lazarett oder auf dem Schlachtfeld verstorbenen Angehörigen des deutschen Heeres, über die zuverlässige Personalangaben fehlen.

* (W e i t g e h e n d e R ü ck s i ch t na h m e b e i d eu Osterversetzungen.) Der Kultusminister hat einen Erlaß an die Provinzialschulkollegien zur Weitergabe an die Leiter der höheren Lehranstalten gerichtet, der in weiten Kreisen lebhafte Befriedigung erregen wird. Er lautet:Wenn es auch durch die Bemühungen der Königlichen Provinzialschulkollegien gelungen ist, den Unterricht an den höheren Lehran­stalten im allgemeinen aufrecht zu erhalten und durch- zuführen, so sind doch durch die notwendigen Ver­

tretungen und Verschiebungen im Unterricht, durch häufigen Lehrerwechsel und Ausfall von Stunden mancherlei Störungen unvermeidlich gewesen. Die Lehraufgaben haben daher vielfach nicht in der Weise erledigt werden können, wie es in gewöhnlichen Zeiten gefordert werden müßte. Auch sind Lehrer und Lehrerinnen wie Schüler und Schülerinnen durch die überwältigenden Eindrücke der großen Zeit, die wir durchleben, und vielfach auch durch schweres Un­glück in den Familien in der regelmäßigen Arbeits­leistung beeinträchtigt worden. Das Königliche Pro- vinzialschulkollegium wolle darauf Hinweisen, daß auf diefe Heunnungen bei der bevorstehenden Versetzung bei aller Gewissenhaftigkeit in den Anforderungen ge­bührend Rücksicht genommen wird, besonders wo es sich umSchüler(Schülerinnen)hanöelt,diesonstdenAnforder- ungen der Schule entsprochen haben. Die Versetzungs­fähigkeit wird unter den gegenwärtigen Verhältnissen be- sondersnach dem Gesichtspunkt zubeurteilen sein, ob der Schüler (die Schülerin) imstande sein wird, mit Erfolg an dem Unterricht der nächsthöheren Klasse teilzu- nehmen." Viele Sorgen der Eltern wegen Versetzung oder Nichtversetzung ihrer Kinder, die durch die Kriegslage nach der einen oder anderen Richtung hin im Lernen beeinträchtigt wurden, werden durch diesen verständnisvollen Erlaß behoben werden, denn bei manchem fleißigen Schüler wird nun zweifellos das drohende Los des Sitzenbleibens abgewendet werden, sofern die Qualitäten des Jungen im allgemeinen dies rechtfertigen.

§ Hersfeld, 4. März. (A n s dem P 0 st e t a t.) In dem Etat der Reichs-Post- und Telegraphenver­waltung ist die Umwandlung von siebzig Stellen für Oberpostpraktikanten in solche für Bureau- und Rechnnngsbeamte erster Klasse vorgesehen.

):( Hersfeld, 4. März. Neu angeschlossen an das Fernnsprechnetz unter Nr. 52 von Grunelius, Nachtigallenstraße 2, unter. 245 Kuranstalt St. Wig- bertshöhe.

Cassel, 3. März. Der hiesigen Kriminalpolizei ge­lang es, einen schweren Jungen, den schon lange ge­suchten Einbrecher, Arbeiter R. aus Wiershausen auf dem Bahnhof Unterstadt zu verhaften, der noch eine anderthalbjährige Zuchthausstrafe zu verbüßen hat. R. war im vergangenen Jahr aus der Göttinger Irren­anstalt aus gebrochen.

Caffel, 3. März. Die städtische Sparkasse hat auch auf die jetzt zur Zeichnung aufgelegte zweite deutsche Kriegsanleihe den Betrag von zwei Millionen Mark wie bei der ersten Kriegsanleihe gezeichnet, und zwar aus den eigenen Mitteln der Sparkasse. Ein Helden­hain iwird auch hier geplant. Die Vorbereitungen zur Verwirklichung sind bereits im Gange.

Caffel, 3. März. Der stellvertretende Zugführer der hiesigen Krieger-Sanitätskolonne, Herr H. Reuß hat eine neue Fahrradbahre für Krankentransporte er­funden. Diese Fahrradbahre ist nicht, wie die bis­herigen, fest zusammengefügt, sondern zerlegbar, kann außerdem allen Liegeverhältnissen des Verwundeten oder Erkrankten angepaßt werden. Dem Erbauer sind zahlreiche Anerkennungen von Autoriäten des Sanitätswesens zugegangen. Herr Reuß ist bereits mit dem Bau einer neuen Räderbahre, welche weitere Verbesserungen aufweist, beschäftigt.

Niedermarsberg, 3. März. Während der Bahn­fahrt auf der Strecke PaderbornEsch öffnete ein Mann vorzeitig den Wagenverschluß und fiel heraus. Er wurde übersahren und war sofort tot.

Göttingen, 1. März. Geheimrat Höpfner ist heute nach langem Leiden gestorben. Bis 1907 war er lang­jähriger Kurator der Georgia Augusta. Im Jahre 1836 geboren, besuchte er die Universitäten zu Halle und Bonn, um alsdann im praktischen Schuldienst tätig zu sein. So war er Direktor des Rcal- gymnasiums in Breslau und 1873 bis 1888 Provinzial- schUlrat in Koblenz. 1888 wurde er Vortragender Rat im Kultusministerium, um von hier aus als Kurator unserer Universität nach Göttingen zu kommen. Am 1 Januar 1907 trat er in den wohlverdienten Ruhe­stand. Von seinen Werken ist vornehmlich dieAb­handlung zur deutschen Literaturgeschichte, namentlich des 17. Jahrhunderts" zu nennen.

Fulda, 2. März. Die Stadtverordneten bewilligten dem Gartenbauverein Fulda zur Förderung seines Gemüse- und Kartoffelbaues 300 Mark für Prämien. Angenommen wurde der Antrag: Die Stadt Fulda solle einen Teil des sogenanntenIrrgartens" und andere geeignete Grundstücke umpflügen und kleinere Parzellen hiervon an Familien verpachten zur An- flauzung von Kartoffeln und Gemüse.

Fulda, 2. März. Aus dem Argonnenwald be­richtet ein Fuldaer Kämpfer seinen Angehörigen hier- selbst zwei hübsche Ereignisse, die sich daselbst kürzlich zugetragen haben. So beschoß die französische Ar­tillerie mit großer Munitionsverschwendung u. a. das Dorf, in dem das Bataillon unseres Fuldaers unter­gebracht war. Außer einem sehr geringen Gebäude- schaden wurde auch ein schon bejahrter Ackergaul das Opfer dieser Kanonade. Das Schönste jedoch ist, daß

die Franzosen den angerichteten Schaden, den sie im Grund genommen ja in diesem Falle ihren eigenen Landsleuten zugefügt hatten, überreichlich wieder be­zahlten. Bei einem Bombardement schlug nämlich eine Granate in einen Dunghaufen, diesen ausein­anderreißend. Dabei kam zum Vorschein ein Kassen- schrank, gefüllt mit Gold. Natürlich plazierten unsere wackeren Feldgrauen den wertvollen Fund mit freu­digem Hallo schnellstens an einenweniger duftenden" dafür aber umso sicheren Ort.

Uffhansen (Kreis Fnlda), 3. März. Die Eheleute Friedrich Möller feierten hier ihre goldene Hochzeit. Sie verzichteten auf das kaiserliche Gnadengeschenk, da jetzt der Staat doch viel Geld brauche und sie sonst nichts opfern könnten.

Hanan, 2. März. Im benachbarten Dorfe Dör- nigheim sind die beiden 3 und 5 Jahre alten Kinder des Jakob Lappschen Ehepaares bei einem Zimmer­brande erstickt.

| ZciLiict die neue Kriegsanleihe!

Französiche Phantasien.

Der frühere Minister Goyot hat in London die Kriegsziele Frankreichs entwickelt. Mit Wilhelm IL sei ein Friede unmöglich, sowenig wie vor hundert Jahren ein Friede mit Napoleon möglich gewesen sei. Schon dieser hirnverbrannte Satz ist für die Ver­blendung der Franzosen bezeichnend. Wilhelm II., dessen aufrichtige Friedensliebe über jeden Zweifel erhaben ist, und Napoleon, der erst durch den Krieg die Kaiserwürde erlangte, die er nur durch den Krieg behaupten konnte. Das deutsche Kaisertum soll nach Herrn Goyot verschwinden und die deutschen Staaten sollen wieder selbständiK weroen, wie sie vor 1866 waren. Der Nordostfeckanal soll unter internationale Kontrolle kommen, im übrigen aber bleiben die Grenzen Deutschlands im großen ganzen unverändert. Vor einigen Monaten verlangte man wesentlich mehr, da sollte Belgien bis an den Rhein ausgedehnt werden und England das westliche Hannover und Westfalen erhalten. Die eine Ausnahme betrifft natürlich Elsaß-Lothringen, auf das Frankreich nie verzichten könne. Goyot geht auf die Frage, wie die Elsaß-Lothringer selbst sich dazu stellen, nicht ein. Für ihn wie für viele seiner Landsleute besteht kein Zweifel darüber, daß sie nach einer Vereinigung mit Frankreich sich sehnen. Andere sind aber nicht so zu­versichtlich und bemühen sich um eine Formel, wie die Befragung der Bevölkerung zu vermeiden sei. Und da findet man den großartigen Ausweg: Deutsch­land hat den Krieg erklärt und den Frieden von Frankfurt dadurch aufgehoben. Nur durch diesen Frieden besitzt es Elsaß-Lothringen, die also nach seiner Nichtigerklärung wieder Teile Frankreichs sind. Die Elsaß-Lothringer sind also tatsächlich jetzt schon Franzosen, was soll dann noch die Abstimmung? Für Deutsche ist es etwas überraschend, daß die Franzosen nun dem Frankfurter Frieden eine so hohe Bedeutung beilegen. Wir wissen, daß sie ihn im Herzen nie anerkannt haben, daß für sie Elsaß- Lothringen nie ein Teil des Deutschen Reiches, sondern ein durch widrige Umstände vorübergehend ent­fremdeter Teil Frankreichs war. Man sieht aber aus der gekünstelten Begründung, wie wenig sicher man der Elsaß-Lothringer ist. Wir in Deutschland sind mit ihnen immer noch nicht ganz zufrieden. Wohl sind die schlimmsten Hetzer und Schreier lanö- flüchtig geworden, aber noch sind genug ihrer Gesinn­ungsgenossen zurückgeblieben, und wir hören immer wieder von Fällen, wo gerichtliche Verurteilung oder Disziplinarisches Vorgehen nötig war. So z. B. wenn aus Elsaß-Lothringen stammende Aerzte ins Innere Deutschlands versetzt werden mußten, da sie in elsäsfischen Lazaretten mit den französischen Verwun- detell deutsch-feindliche Beziehungen anknupften. Solchen Fällen stehen aber unzählige gegenüber, in denen der Elsaß-Lothringer still und ohne Auf)ehen seine Pflicht gegen unser großes Vaterland getan hat, und wir haben Grund anzunehmen, daß das tue große Mehrzahl ist. Wenige Gegenden gelten als so fran- zosenfreundlich wie das Vorland von Belfort, wo die Franzosen tatsächlich längere Zeit gehaust , haben und wn Teil noch hausen. Und selbst die,e Be­völkerung hat sie so enttäuscht, daß sie ihrem Un­willen durch die Verschleppung von friedlichen Bürgern in französische Gefangenschaft Luft machten. Aber zu was auf die ganze Diskussion eingehen, wie die Franzosen ihr Verhalten Elsatz-Lothringens einrichten wollen. Erst müßten sie es haben, und davon sind sie so weit entfernt, wie sie in aller Zukunft entfernt sein werden.