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Schlimmstenfalls könilten die Türken hinter einer den Durchzug mit großen Opfern erzwingenden Flotte den Sack wieder zubindeu. Von englischer Seite wird hier, ohne viel Erfolg, mit breiter Mitteilsamkeit von dem Unternehmen gebrochen, sowie gleichzeitig versucht, Bul­garien aus die Seite des Dreiverbauöes zu ziehen, aber mit demselben Mißerfolg wie früher .

Wie die WienerNeue Freie Presse" meldet, ver­lautet in hiesigen diplomatischen Kreisen, daß Admiral Limpus, der vor dem Kriege in Konstantinopel mit der Ausbildung der türkischen Flotte betraut war, die ver­einigte Flotte vor den Dardanellen kommandiert.

Englischer Zweifel an einem Erfolg.

Im Aegttischen Meer, im Golf von Saros, vor den Dardanellen und im Marmarameer soll nach in London etugetroffenen Nachrichten zurzeit eiri heftiger Sturm wüten, wodurch die Beschießung der Dardanellenforts vorläufig habe eingestellt werden müssen. In gutunter­richteten Streifen glaubt man dieser Erklärung icbocö nicht, sondern vermutet, daß der Befehlshaber der eng­lisch-französischen Flotte vor den Dardanellen bte Schwierigkeiten, die sich den weiteren Operationen ohne ein sehr erhebliches Laudungskorps entgegenstellen, ein­gesehen hat. DerDaily Chronicle" warnt vor allzu optimistischen Erwartungen in Bezug auf Me schnelle Erzwingung der Dardanelleudurchfahrt. Am schwierig­sten sei die'Aufgabe an der nur fünf Kilometer breiten Stelle der Meerenge bei den artilleristisch sehr stark aus­gerüsteten Forts von Palco Castro und Eskihi Ti.arlis, aber noch größere Gefahren erwarten eme angrersende Flotte bei der nur 1500 Meter breiten Durchfahrt zwi­schen Kepes Boroeu unb Kap Naghara. Auch dieTimes" halten es für ziemlich ausgeschlossen, daß diese Engen . ohne die gleichzeitige Mitwirkung erheblicher Landjtreit- kräfte genommen werden könilten. Die gesinnte englyche Presse stellt jedoch die Forderung auf, daß, da nun ein­mal die Aktion gegen die Dardanellen mit dem ver- lockenden Ziel von Konstantinopel begonnen habe, auch durchgeführt werden müsse.

Das Ziel der Verbündeten, das sie mit bett ständigen Angriffen zu erreichen suchen, ist sehr vielseitiger Art. Im Unterhause erklärte näm­lich Asquith, die Unternehmung gegen die Dardanellen fei sorgfältig vorbereitet und verfolge ein bestimmtes Ziel in politischer, strategischer und wirtschaftlicher Hinsicht. Die Unternehmung sei ein neues Beispiel des engen Zu­sammenwirkens der Verbündeten, die sich in die Gefahr und den Ruhm des Unternehmens teilen.

Türkische Vorsichtsmaßregeln.

w Haag, 3. März. (T. U.) Wie derDaily Chro- uicle" nach derTgl. Rdsch." aus Athen erfahrt, haben die Würfen in den Dardanellen vier große Dampfer ver­ankert und, wie man vermutet, mit Sprengstoffen ge­füllt, so daß die Fahrzeuge, falls wider Erwarten bte Autzergefechtsetzung der außerhalb der Sperrstelle ge- leaenen Forts der verbündeten Flotte gelingen sollte, uom Land aus in die Luft gesprengt werden können, um die Durchfahrt völlig zu versperren.

Einigung der Verbündeten in der Meerengenfrage.

^ Rotterdam, 3. März. (T. U.) DieTimes" schreiben nach derDtsch. Tgztg." ans Petersburg, daß in der Bospornsfraqe eine Einigung dahin erzielt sei, daß England nnd Frankreich Rußland einen Hafen an der offenen See verbürgen. Der Snezkanal soll eng­lischer Besitz und die Bagdadbahn ein internationales Unternehmen werden.

Verschärfung des chinesisch-japanischen

Konflikts.

Die Petersburger Telegraphen-Agentur hat nach der Magdeb. Ztg." am Sonnabend ein Tokioer Telegramm ausgegeben, das sie als nicht amtlich bezeichnete. Es lautet: Allgemein wird eine Verschärfung der japanisch- chinesischen Beziehungen festgestellt. Der Kriegsminister hat sich vorübergehend nach Korea begeben.

Amerika nnd Frankreich mißbilligen die japanischen Forderungen.

Wie dem PariserHerald" aus Washington gemeldet wirb, steht eine amtliche Kundgebung der amerikanischen Regierung gegen die von Japan an China gestellten Forderungen bevor. Dasselbe Blatt erhielt dre fran­zösische Zensur-genehmigung zu einer werteren Meldung, wonach Frankreich die japanischen Forderungen an China, soweit ihr Wortlaut vorliegt, nicht billigen kann.

kkleasallerlei.

Fünf Holländer von einer angeschwemmten Mine getötet.

Nachrichten aus dem Haag zufolge wurde Dienstag vormittag gegen 9% Uhr an der Küste bei Zierikzee, Provinz Zeeland, eine Mine angeschwemmt, die explo­dierte, wobei fünf Personen getötet wurden.

Die Ausstandsbewegnng in England.

Die Zahl der Ausständigen im Clydedistrikt beträgt, demDaily Chroniele" zufolge, jetzt 20 000 Mann. Man hofft, daß die Ausstandsbewegung durch die bereits ' " -^ung mit Ende der

grundsätzlich zugestandene Lohnerhöbr Woche ihren Abschluß erreichen wird.

Kriegsgefangene unter der russischen Knute.

Aus der ungarischen Stadt Debreczen wird dem Magyar Kurir" die Geschichte einer Flucht aus russi­scher Kriegsgefangenschaft erzählt: sie beleuchtet die bar­barische Roheit, mit der sich die Russen über die inter­nationalen Kriegsregeln hinwegzusetzen pflegen. Es handelt sich um acht Mann des Kaiser Wilhelm-Husaren- Regimeilts, die nach achttügier Flucht Debreczen er- . reichten. Einer der Husaren, der Patrouillenführer Pe­ter Nyokos, schilderte tljre Erlebnisse folgendermaßen: Eines Nachmittags wurden wir zum Patrouillendiellst ausgesandt. Wir waren in den hohen, schneebedeckten Karpathen und konnten, auf einem Gipfel angelangt, sehr gut den Feind Beobachten. Ganz nahe waren wir bei den Russen. Auf einmal bemerkten wir, wie sie auf uns zeigten. Wir waren eben im Rückzüge begriffen, als aus dem Walde zahlreiche Kosaken auf uns zukamen. Nun, Kinder," sage ich zu den anberen,wenn wir schon sterben müssen, geben wir unser geben Nicht billig her! So soll denn auch der Russe fallen!" Sodann stie­gen wir von den Pferden und begannen auf den Feind zu feuern. Ein Kosak fiel nach dem andern, aber es waren ihrer doch zu viele. Von unserer kleinen Abtei- lung blieben acht übrig. Das Ende war, daß sie uns gefangen nahmen. Abends kamen wir nun in ein klei­nes Dorf, wo uns die russischen Offiziere jauchzend um­ringten. Sie brachten einen ungarisch sprechenden Sol­daten, der vor Kriegsausbruch in Ungarn gearbeitet hatte, und dieser verdolmetschte uns die Fragen der Offiziere. Sie verlockten uns erst mit schönen Worten, dann mit Geld, ihnen zu verraten, wo unsere Truppen ständen, wo unsere Generale wären, wie stark unsere Kräfte seien; wir erwiderten aber, daß wir von nichts . wüßten. Dann begannen sie uns zu bedrohen, allein auch das verleitete uns nicht zum Vaterlandsverrat. Hierallf, schafften sie uns auf den Hof, wo uns ein strup­piger Mensch, eine Art Feldwebel, mit einer genagelten

Knute das Fleisch vom Rücken hieb. Unser Körper war mit Wunden bedeckt, aber wir gestanden nichts. Als sie sahen, sie könnten mit uns nichts ausrichten, sperr­ten sie uns in einen Stall. Zu essen gaben sie uns nichts, sodaß wir uns vor Hunger kaum auf den Füßen halten konnten. Dafür bearbeiteten sie uns durch drei Tage jeden Morgen mit der Knute. Eines Abends kam der Knutenfelöwevel herein und verkündete uns, das wir in der Früh gehängt würden. Da dachten wir an die Flucht. Mit den Sporen schlugen wir so lange an die Lehmwand des Stalles, bis sich ein Loch öffnete. Dieses rissen wir mit den Händen so weit auf, bis wir durch­schlupfen konnten. So entkamen wir aus der Gefangen­schaft. Wir marschierten nun des Nachts und ernährten uns im Walde von trockenem Laub und Wurzeln. Zer­fetzt, am ganzen Körper voll Wunden, trafen wir schließlich auf unsere Infanteristen, die uns ins Lager brachten."

Vermischtes.

Senerzuschlag tu Berlin. Der Magistrat von Ber­lin hat beschlossen, an Einkommensteuer 125 Prozent gegen 100 Prozent im Vorjahre, vorbehaltlich der Zu­stimmung der Stadtverordnetenversammlung zu er­heben. Ferner schlägt er vor, 165 Prozent Gewerbe­steuer und 177 Prozent Grundsteuer bei 3,1 vom Tausend des gemeinen Wertes zu erheben. Der neue Etat batan= ziert mit 350 Millionen. Mehreinnahmen werden er­wartet aus Grundeigentum und Berechtigungen in Höhe von 15,6 Millionen Mark.

Ein Schiffer mit seiner Familie ertrunken. Der Schiffseigentümer Julius Müller aus Zeöenick a. Oder hatte eine Labung Roheiten eingenommen, um sie nach Lübeck zu schleppen. Auf der Fahrt sprang der Kahn leck und fant Müller, seine Frau und fünf Kin­der sind ertrunken, zwei wurden gerettet.

Reiche Spenden fürs Rote Kreuz. Der Kaiser hat dem Zentralkomitee der deutschen Vereine vom Roten Kreuz für deutsche Zivil- und Militärgefangene in Frankreich einen Betrag von 50 000 Mark bewilligt. Von dem deutschen gotomotivführerverbanbe sind wie­derum 60 000 Mark für die Kriegsfürsorge gesammelt und der Kaiserin zur Verfügung gestellt worden. Von dieser Spende hat Ihre Majestät den Betrag von 20 000 Mark dem Zentralkomitee der deutschen Vereine vom Roten Kreuz für die Zwecke der Kriegsinvalidenfürsorge zur Verfügung gestellt.

Eine Steuer auf Kriegslieferungsgeschäfte. Der Berimer Steuerveranlagungsausschuß hat lautAkti­onär" an verschiedene Geschäfte, die Kriegslieferungen uoermmnnen haben, die Anfrage gerichtet, welche Ge­winne sie im verflossenen Jahre aus bieten Ge, mästen ersten haben und welche Verdienste auf die noch laufen­den Kriegslieferungsaoschlusse zu erwarten sind. An­geblich soll das Material als Unterlage zu einem dem Parlamem vorzmegelwen Gesetzentwurf einer Sonder- steuer auf Kriegsticierungsgeschäfte dienen.

Der Kartosselverbrauch der Stadt Berlin während der lebten Woche vom 22. bis 28. Februar, also der Zeit der großen Kartoffellnappheit, betrug in den Markt­hallen 67 000 Zentner. Es wurden an jede einzelne Per­son niemals mehr als 2u Pfund auf einmal abgegeben. Insgesamt hat Berlin in den letzten Wochen in den M ^rrhi nen im Kleinverkauf 161000 Zentner Kartof­feln abgesetzt.

Die kühnen WMR « teil kmMßen.

III.

Aus dem Großen Hauptquartier wird uns ge- schrieven:

Bei den bisherigen Kämpfen und Gefechten der zu­sammengesetzten öeutjch-österreichstch-ungarnchen Armee haben sich me Sti-Kompagnien auperoroenttich bewahrt. Die Nahaufklärung ist von den Leistungen der Schnee­schuh-Patrouillen avyonglg: der Infanterist würde zu den Wegen im tiefen Schnee, im muyfamen Steigen von Höhe zu Höhe Smuden gebrauchen, während die Schneeschuh-Patrouillen biete Strecken in kürzester Frist zurücklegt. Geräuschlos, fast unsichtbar in den weißen Schneemänteln, tünchen diese Patrouillen über die Hänge, durch die bewaldeten Bergrücken, erscheinen bald in der Flanke, bald im Rücken der feinorichen Stel­lungen. Auch zur überraschenden Feuerwirkung von den Paßhöhen oder seitlich gelegenen Bergrücken sind diese Abteilungen von großem Wert, da sie auch Ma­schinengewehre auf niedrigen Schlitten mitnehmen können.

Eine vorzügliche Leistung bewies eine etwa 30 Mann starke Ski-Abteilung vor kurzer Zeit im Gelände der Höhen und westlich Okörmezö (im Tale des Nagy- Ag gelegen). Diese von einem Offizier geführte Abtei­lung erhielt den Auftrag, in der Gegend von Csufzka gegen den Rücken der dortigen feindlichen Kräfte ein- zugreifen. Auf Umwegen über die verschneiten Höhen- züge gewann die Abteilung zunächst die Flanke, dann den Rücken des Feindes. Hier entwickelte sie unmittel­bar auf einer im Rücken des Gegners gelegenen Höhe eine Schützenlinie. Auf ein Zeichen des Führers glitt die Abteilung ab, bremste etwa 60 Schritt hinter der feindlichen Linie und eröffnete ein rasendes Schnellfeuer auf den völlig überraschten Gegner, der in großer Ver­wirrung die Flucht ergriff. WTB.

Folgen des Merseeboolskneaes.

Ueber die Folgen des Unterseebootskrieges gegen England äußert sich der Generaldirektor des Oester­reichischen Lloyd, Hofrat Albert Frankfurter, in der Neuen Freien Presse" unter dem 27. Februar folgen­dermaßen:

Eine Woche dauert fetzt der Krieg der deutschen Unterseeboote gegen England, und man kann schon in diesen wenigen Tagen von einem vollen Erfolge spre­chen. Zahlreiche englische Schiffe sind gesunken. sichrere tausend englische Soldaten, die nach Frankreich zur Teil­nahme am Feldzuge hätten entsendet werden sollen, fan­den in ben Wellen des Meeres ihr Grab. Schiffe, die Getreide, Baumwolle und Kriegsmaterial nach England hätten zuführen sollen, wurden durch deutsche Unterfees boote verseilst ober stießen auf die von Deutschland ge­legten Seeminen. Die psychologische Wirkung des Un- terseebvotskrieges, der Schrecken, ist nicht minder hoch anzuschlagen als die bisherigen tatsächlichen Zerstörun­gen. Englands Schiffe haben den größten Schaden er­litten, aber auch aus die Neutralen war die Wirkung eine außerordentlich starke. Jetzt lesen wir, daß das amtliche Bureau für Seeversicherungen in der Ver­einigten Staaten die Vedsicherungen für Schiffe und Ladungen nach den kriegführenden Ländern eingestellt hat. Das bedeutet im Wesen die Einstellung der ame­rikanischen Fahrten ins Kriegsgebiet. Norwegische und dänische Schiffe haben von selbst ihre Linien nach Eng­land ausgelassen, weil kein noch so hoher Gewinn die furchtbare Gefahr der Zerstörung aufwiegen kann. Bald wirb England in seiner Zufuhr auf seine eigenen Schiffe angewiesen bleiben, imb unabsehbare Folgen für die Kriegführung, für die Versorgung einer Bevölkerung

von zweiunövierzig Millionen, welche der eigene Voderl Englands nur für wenige Wochen nähren kann, müssen sich, wenn der gegenwärtige Zustand nur durch wenige Wochen andauert, von selbst einstellen.

Der sofortige Erfolg der deutschen Maßnahmen ist die horrende Steigerung der Lebensmittelpreise in Eng­land. Die englische Bevölkerung genoß früher das bil­ligste Brot, das oilligste Fleisch, den billigsten Zucker. All dies hat aufgehört, und die Preise sind in England kaum niedriger, vielfach höher als auf dem Kontinent. Die Zufuhr stockt, Frachten und Versicherungsprämien find sprunghaft gestiegen. Es fehlt an dem nötigen Schiffsmaterial, Kanadas reicher Weizensegen, die un­erschöpflichen Fleischvorräte aus Südamerika und Au­stralien können nicht den englischen Konsumenten zuge- sührt werden. Ich zweifle nicht, daß durch das tatkräf­tige Auftreten der deutschen Marine diese Konsequenzen fiw von Tag zu Tag verschärfen werden. Der Zweck, den Deutschland sich mit seiner Verfügung gesetzt hat, nämlich bte Antwort auf die Unterbindung der Versor­gung der deutschen Bevölkerung, ist früher erreicht wor­den, als man erwarten konnte. England hat wahr- scheutltch nur für zwei Monate Vorräte an Lebensmit- teln. Es kann ohne die ungeheuren Zufuhren, deren es für bte Erhaltung feiner Bevölkerung bedarf, kaum langer als acht Wochen auslangen, ohne in eine kritische Lage zu kommen, und diese kritische Lage wird früher emtreten, als man erwarten konnte."

Jeulsche Ehrentafel.

_ In den Kämpfen am Aserkanal war der 1. Reserve- Fuß-Art. Batterie Nr. 23 der Auftrag zuteil geworden, neben ihrer Hauptaufgabe, der Niederkämpfung der gegnertschen Artillerie, auch gegebenenfalls in den Jn- fan^eriekamps emzugreifen. Zu letzterem Zwecke war - der Leutnant Heinrich aus Torgau a. Elbe in den norölrchen Teil eines Ortes vorgeschickt worden, um als vorgeschobener Beobachter den Jnfanteriekampf zu verfolgen., Der Ort lag unter fortwährendem heftigem Arttllerieseuer. Leutnant Heinrich fand eine günstige BeovaKtrtngsstelle im Dachgiebel eines einzigen noch unzerstörten Hauses und verband sich durch Fern­sprecher mit der Batterie. Kurze, klare Meldungen über den Verlauf der Kämpfe waren das Ergebnis seiner Beobachtung. Am 2. November leitete er selbst das Feuer der Batterie gegen einen über den Kanal er­folgten Vorstoß größerer Jnfanteriemassen und unter dem Feuer brach der feindliche Vorstoß unter großen Verlusten zusammen. Die Beobachtungsstelle wurde aber erkannt und das Haus unter Feuer genommen. Trotzdem blieb Leutnant Heinrich und beobachtete wei­ter. Dreimal wurde die Fernsprechleitung zerschossen und von oem Fernsprechtrupp Unteroffizier Reits aus Kaulsdorf bei Hofgeismar, Kanonier Pirsch aus Kienwerder bei Frankfurt a. Oder, Kanonier Weiler und Kanonier Senftleben, beide aus Berlin im heftigen feindlichen Feuer wieder hergestellt. Dicht hinter dem Kanal war eine neue Batterie aufgetreten, die ihr Feuer auf die Beobachtungsstelle richtete und über deren Lage Leutnant Heinrich gute Angaben an feine Batterie machte. Plötzlich traf den Dachgiebel ein Schrapnell, dem ein zweites direkt über dem Haufe bald folgte. Leutnant Heinrich befahl den Boden zu räumen. Bei dem schnellen Hinuntergehen war das Scherenfernrohr vergessen worden und Leutnant Heinrich ging persönlich zurück, um es zu holen. Da schlug im gleichen Moment durch die Beobachtungslücke ein Schrapnell, krepierte im Dachboden und verletzte den Leutnant durch viele Ku­geln an beiden Ober- und Unterschenkeln. Auf feinen Ruf:Ich bin verwundet", kehrten Unteroffizier Reits und drei Kanoniere auf den brennenden Dachboden zu­rück und trugen ihren Leutnant vorsichtig herunter. Vor der Tür des Hauses krepierte beim Heraustreten der Truppen ein weiteres Schrapnell, das den Unteroffizier Reits im Rücken und den Kanomer Wehler durch einen Lungenschutz schwer verwundete. Trotzdem trug Reits feinen Leutnant weiter, während Pirsch für Wehler .sorgte. Alle drei erhielten bald ärztliche Hilfe im näch­sten Schützengraben. Der Leutnant Heinrich erlag noch an: gleichen Tage seinen Wunden, während Reits und Wehler noch krank in der Heimat sind. Alle vier wacke­ren Leute haben das Eiserne Kreuz erhalten.

Beim Sturmangriff des dritten Bataillons 2. Matr.- Art.-Regt. in der Stacht vom 15. zum 16. Dezember im Düneugelände, bemerkte der Ober-Matrose Artl. R o - beus, geboren in Gymuich bei Cöln, zwei Franzosen, auf die er mit dem Zuruf, die Waffen nieöerznlegen, losging. Die Franzosen warfen auch ihre Waffen so­fort weg. Unmittelbar danach sah Robens eine größere Anzahl Franzosen auf ihn zukonunen. Er schrie sie wiederum an, ihre Waffen niederzulegen, und stellte sie nach ihrer Entwaffnung mit der Front nach einem Schuppen auf. Jetzt kam ein Feuerwerker, Robens mel­dete ihm den Verlauf der Gefangenuahme und beförderte mit seiner Hilfe dann 35 Franzosen zurück. Als Aner­kennung für die bei seiner Tat bewiesene Geistesgegen­wart wurde StobenS mit dem Eisernen Kreuz ausge­zeichnet.

Weitere Drahtnachrichten.

Amerika nnd der Handelskrieg.

o*£ London, 3. März. Das Reutersche Bureau mel­det aus Neuyork: Obwohl noch keine amtliche Erklärung über die englische Aktion vorliegt, wird folgendes Kom- muniquee von Washington aus an die Treffe gegeben: In amtlichen Kreisen herrscht allgemein der Eindruck, daß ein entschiedener Protest gegen die Aktion der Ver­bündeten erhoben werden wird. Man betrachtet diese als ohne Vorgang und hält es für wahrscheinlich, daß sie dem Handel der Vereinigten Staaten mit Ländern, mit denen die Vereinigten Staaten im Frieden leben, Schaden znfiigen soll.

An der französischen Küste versenkt.

»^ Lyon, 3. März. (WTB.)Republicain" meldet aus Dieppe: Die Marineverivaltung von Dieppe wurde Freitag nachmittag durch den Leuchtturmwächter von Ailly benachrichtigt, daß ein englischer Dampfer 15 Mei­len vor Dieppe angeschossen wurde. Ein anderer eng­lischer Dampfer fuhr sofort zur Hilfeleistung aus, jedoch konnte er an der llnfallstelle nichts mehr von dem ange- schossencn Damvfer finden außer einem Brett, das erst kurze Zeit im Wasser lag.

Die Explosion im Bergwerksgebiet von Bethnne.

0st> Paris, 3. März. (WTB.) DerTemps" er­fährt über die Exptvsivn in Bruan, daß die Bergwerks- gefeUfctmft Bruay große Mengen Dyliantit in den La­gern des Bergwerks gelagert hatte. Durch Unvorsich­tigkeit der Wachters entstand ein Brand. Die Erplo- sion war von ungeheurer Gewalt. Die Trümmer wur­den über einen Kilometer weit geschleudert. Es gab erue.Pmiik, da man au einen Zevpeliuangriff glaubte. Sechs Menschen wurden getötet, etwa zehn verletzt. Aus beut stark zensurierten Bericht desTemps" läßt sich entnehmen, daß das Dynamit für die Heeresverwaltung bestimmt war.