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Amtlicher Anzeiger

Hersselder Tageblatt

für den Kreis Hersfeld

Der Anzeigenpreis betragt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im

HlrljölOn amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zelle 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Nr. 53. Donnerstag Den 4. März 1915

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be-

zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei ÄEI§EW§I

Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld. s

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zelle 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zelle 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich auf der letzten Seite.

Wer Brotgetreide versüttert, versündigt sich am Vaterlands u. macht sich strafbar.

Abgeordnetenhaus

Am Dienstag gedachte vor Eintritt in die Tages­ordnung Präsident Graf Schwerin-Löwitz des im Alter von 68 Jahren verstorbenen langjährigen Abg. Dr. v. Schenckendorff (natl.) Die Anwesenden ehrten sein Andenken durch Erheben von den Plätzen. Zu einer scharfen und bündigen Erklärung erhob sich dann der Vorsitzende der Budgetkommission, Abg. Winckler (fonf.) Der uns aufgedrungene Kampf sei zugleich ein Kampf gegen die Lüge. Nicht immer sei es ge­lungen, das Lügengespinst zu zerreißen: einer Lüge aber, die jetzt von London aus durch denCorriere della Sera" verbreitet werde, könne entgegengetreten werden. DerDaily Telegraph" habe behauptet, in der Budgetkommission habe ein Abgeordneter heftige Angriffe und abfällige Aeußerungen gegen die öster­reichische Bundesgenossenschaft erhoben. Als Vor­sitzender der Kommission stellte er fest, daß es sich hier eine Erfindung handele, der es an jeder Unter­fehle. Es habe nicht eine einzige diesbezügliche

um

läge fehle. Es habe nicht eine einzige diesbezügliche Erörterung gegeben, die selbst mit Absicht hätte miß­deutet werden können. Die aus London stammende

Fälschung habe nur den Zweck, das treue Bundes­verhältnis zwischen Oesterreich und uns zu vergiften. Nach der mit großem Beifall aufgenommenen Er­klärung setzte das Haus die Etatsberatung beim Etat des Ministeriums des Innern fort. Abg. Dr. Busse berichtete über die Tätigkeit der Kommission. Warm­herzig trat danach Abg. v. Pappenheim (kons.) für eine Milderung in der Behandlung der infolge des Krieges bei uns festgehaltenen ausländischen Arbeiter ein. Die Vorschriften seien praktisch vielfach nicht anzuwenden gewefen. Im Interesse der Arbeiter und der Arbeitgeber läge es, die Arbeiter zum Ab­schluß neuer Verträge auf Grund der vorjährigen zu veranlassen. Die Landräte sollten für die Interessen der polnischen Arbeiter eintreten. Dringend forderte er dann Vermehrung und Ausbau der Krüppelfür- sorge-Anstalten. Die Kriegsbeschädigten hätten ein wohlerworbenes Recht auf Fürsorge, so daß diese nicht aus Armenlasten, sondern aus Mitteln des Reichs bestritten werden müßten. Die Provinzen sollten aber keinesfalls, wie Brandenburg, vereinzelt diese Sache regeln, sondern gemeinsam. Dankbar sei anzu- erkennen, daß die Sparkassen so gut fundiert seien, daß sie die hypothekarischen Darlehen nicht hätten kündigen brauchen. Abg. Frhr. v. Zedlitz (frf.) sprach dem Vorredner gegenüber dem Brandenburgischen Provinziallandtage den Dank aus, daß er in der Kriegsbeschädigten-Fürsorge-Angelegenheit den ersten Schritt getan habe. Es sei zwar Sache des Reiches, doch sei das Reich zur Pflege selbst ungeeignet. Der Ankauf von Dauerware durch die Gemeinden erweise sich als ungemein schwierig und belaste viele Ge­meinden so, daß sie neue Steuern erheben müßten. Abg. Dr. Pachnicke (Fortschr.) beschränkte sich auf die Erklärung, daß seine Freunde in der Reform des Wahlrechts nach dem Kriege die Hauptaufgabe er­blickten. Abg. Dr. Marx (Ztr.) erkannte die Sachlich­keit des Redners in der Wahlrechtsfrage an; des Zentrums Standpunkt bleibe der frühere. In der Versorgung der Kriegsinvaliden kämen die Provinzen zu allerletzt in Frage. Erfreulich sei, daß durch den Krieg auf dem Gebiete der Sittlichkeit Fortschritte gemacht seien. Viele Auswüchse in der Reklame seien verschwunden. Was im Frieden vergeblich versucht worden sei, habe im Kriege ein General mit einem Federstrich errungen. Minister des Innern v. Loebell erklärte zur Angelegenheit der polnischen Arbeiter, es sei wünschenswert, mit den Arbeitern wieder ein festes Verhältnis herzustellen, sonst müßten sie in Konzentrationslagern untergebracht werden. Um der heimischen Landwirtschaft und dem Gewerbe genügend Arbeitskräfte zu schaffen, würde ein Teil der Kriegs­gefangenen herangezogen werden. Keinesfalls aber sollten dadurch die heimischen Arbeiter leiden. Die Fürsorge für die Kriegsbeschädigten sei Sache des Reiches. Es würde nicht engherzig vorgegangen werden, um die Verletzten wieder für einen Beruf fähig zu machen. Die Provinzen seien besonders ge­eignet, die Ausführung der Fürsorge zu übernehmen gegen Erstattung durch das Reich. Daher sei das vorgeschlagene Provisorium der Provinz Brandenburg anzuerkennen. Der Stand der Sparkassen sei ein glänzender. Die Zunahme unterscheide sich nicht von der in normalen Jahren. Trotzdem allein die preußischen Sparkassen 447 Millionen auf die Krtegs- anleihe ausgezahlt hätten, sei noch ein außerordentlicher Geldüberfluß vorhanden. Den Städten solle bet Be­schaffung von Dauerware mög Hebst entgegengekommen werden. Schließlich gab der Minister dem Dank an

die hingebungsvolle Arbeit der Beamten Ausdruck. (Beifall.) Abg. Dr. Liebknecht (Soz.) bemängelte, daß die Regierung in der Wahlrechtsfrage keine klare Auskunft gebe. Er sagte: Wir sind froh, daß dev Nebel von einem einigen deutschen Volk inzwischen fortgeblasen ist. So bescheiden wie die Fortschrittler seien die Sozialdemokraten nicht geworden. Die Demokratisierung der Gesellschaft sei brennender als je. Abg. Dr. Friedberg (natl.) trat unter lebhaftem Beifall der bürgerlichen Parteien dem sozialdemokr. Redner entgegen. Es sei im Augenblick der Sieg wichtiger als das Wahlrecht. Der Wunsch nach größerer Demokratisierung sei im Hinblick auf die westliche Re­publik sonderbar. Abg. Liebknechthabe eine Rede gegen seine eigenen Freunde gehalten. Er hat sich, so führte Redner unter lebhaften Pfui-Rufenaus, erkühnt, diesen Krieg ein kapitalistisches Geschäft zu nennen. Mit einem Manne, der seinem eigenen Volke derartige Gemein­heiten unterschiebe, sei keine Diskussion möglich. (Stürmische Zustimmung.) Abg. Dr. Caffel (Fortschr.) trat dann ebenfalls für eine weitgehende Kriegsfür­sorge ein. Der Etat des Ministeriums des Innern wurde darauf in zweiter Lesung angenommen, und das Haus wandte sich der Beratung des Kultusetats zu. Das Haus vertagte die Fortsetzung der Beratung auf Mittwoch 1V2 Uhr. Schluß Vt6 Uhr.

Bus der Heimat

* (I a g d k a l e n d e r.) Im Monat März dürfen geschossen werden: Anerhähue, Birk-, Hasel- und Fa­sanenhähne, Schnepfen, alle jagdbaren Wasservögel, ausgenommen wilde Gänse und Enten.

* (P f l a n z t O b st b ä u m e a n!) In der Kriegs­zeit kann dem deutschen Volke nicht dringend genug die Notwendigkeit vor Augen geführt werden, für die Erzeugung von Nahrungsmitteln im eigenen Lande zu sorgen. Der deutsche Obstbau sann einen großen Teil zu dieser Kulturarbeit beitragen. Er sollte sich unabhängig von dem Auslande machen! Wie wichtig dies ist, zeigt uns die jetzige schwere Zeit deutlich. Wir haben eine reichliche und gute Obsternte gehabt, die unsere Nation bei einer billigen Beschaffung von Nahrungsmitteln für Stadt und Land sehr zu statten gekommen ist. Es sollte deshalb jeder Grundstücksbe­sitzer und jeder Privatmann, selbst in einem Luxus­garten, einen Platz für die Anpflanzung von wert­vollen Obstsorten finden. Der Staat, die Städte und Gemeinden sollten gerade in dieser Zeit auf die Not­wendigkeit der Anpflanzung von guten Obstsorten Hin­weisen. Wir heben dadurch unseren National-Wohl- stand und machen unsvom Auslande weiter unabhängig. Auch in dieser Kleinarbeit liegt eine Stärkung des Deutschtums für spätere Zeiten.

* (Osterfeldp 0 stsendungen.) Die Heeres­verwaltung macht schon jetzt darauf aufmerksam, daß das ständige Anwachsen des Feldpostverkehrs die Zu­lassung einer allgemeinen Versendung von Ostergluck- wunschkarten unmöglich macht. Das Publikum wird daher gebeten, von der Versendung derartiger Karten Abstand zu nehmen. Sonst würde die Heeresver­waltung genötigt sein, die Annahme von Felopost- karten zur Osterzeit zweitweise gänzlich zu sperren. Ebenso wird zur Vermeidung einer Sperrung des Feldpaketverkehrs vor besonderen Osterpaketsendungen dringend gewarnt.

* Briefsendungen aus Deutschland n a ch B e l g i e n und umgekehrt durften bisher nur in deutscher oder französischer Sprache abgefaßt werden. Fortan ist für diesen Briefverkehr auch ine Anwend­ung der flämischen Sprache gestattet.

* (M i t t e l g e g e n ö i e L ä u s e p l a g e. Unsere Truppen im Osten und Westen leiden, wie aus zahl­reichen Mitteilungen hervorgeht, in letzter Zeit immer mehr unter der Lüuseplage. Ein Hilfsausschuß in Berlin bat in den letzten Tagen dringend um schleu­nige Einsendung von Gaben, um von Berlin aus in großem Maßstabe die Läuseplage zu bekämpfen. Es erscheint das um so nötiger, als bekanntlich der meist tödlich endigende Flecktyphus durch Uebertragung von Kleiderläusen verbreitet wird. Professor Blaschv empfahl jüngst als gutes Mittel gegen Läuse das be­kannte Mottenmittel Naphtalin. Sobald ein Soldat Juckreiz am Körper spürt, möge er einen halben Tee­löffel von Naphtalin am Hals und Genick unter den Hemdkragen schütten. Es wird auch empfohlen, mehrere Bentelchen mit Naphtalin gefüllt in den Kleidern, oder um den Hals gehängt zu tragen. Gegen Kopfläuse wird der Gebrauch einer Salbe be­stehend aus 56 Gramm feingeriebenem Naphtalin, ^mischt mit 95 Gramm Schweineschmalz, oder Vaselin empfohlen. Dr. Herxheimer empfiehlt Kresolpulver gegen Kleiderläuse: es soll dieselben durch seinen Geruch binnen drei Minuten töten.

* (Zweites Mobilmachungsgeld.) Ein zweites Mobilmachungsgeld wird jetzt allen mobilen Aeere§angel)örigen gewährt, die Anspruch auf ein­maliges Mobilmachungsgeld haben. Es dient zur Erneuerung der Feldausrüstung und zur Beschaffung einer besonderen Winterkleidung. Die Beträge sind

dieselben wie das erste Mal, jedoch bildet der Satz für Regiments-Kommandeure die Höchstgrenze auch für Generale usw. Offiziere, die zurzeit mindestens vier Monate mobil sind oder waren, erhalten das zweite Mobilmachungsgeld sofort. Offiziere, die zur­zeit mobil sind, aber noch nicht vier Monate, oder in der Zeit bis zum 1. April mobil werden, erhalten zur Bestreitung der Kosten für besondere Winter- kleidung die Hälfte des zweiten Mobilmachungsgeldes sofort, die zweite Hälfte zur Bestreitung der Kosten für Erneuerung der Feldausrüstung nach vier- monatigem Mobilsein.

§ Hersfeld, 3. März. Kriegsberichte, die in Feldpostbriefen, Tagebüchern oder ähnlichem enthalten sind, bieten oft wichtige Anhaltspunkte für die augen­blickliche Beurteilung der Kriegslage wie für die spätere Geschichtsbeschreibung, gehn aber unbenutzt verloren, weil sie nicht den zuständigen Stellen übermittelt werden. Die für die Sammlung solcher Berichte zu­ständige Stelle, ist in unserer Provinz das Rektorat der Universität Marburg. Es wird gebeten, dorthin fort­laufend möglichst bald alle Briefe und sonstigen Schriftstücke, die ein allgemeineres Interesse haben, ein- zusenden, möglichst in der Urschrift, die auf Verlangen zurückgegeben wird, allenfalls auch in Abschrift. Ge­eignete Teile daraus sollen auch jetzt schon veröffent­licht werden,- die Einsender mögen deshalb angeben, was sie aus irgendwelchen Gründen nicht veröffent­licht haben wollen. Es ist zu hoffen, daß die Bewohner unserer Provinz dieser Aufforderung in weitem Um­fange nachkommen werden.

) :( .Hersfeld, 3. März. 51748 Mk. beträgt bis jetzt die Goldsammlung der L 0 u i s e n s ch u l e.

Willingshain, 1. März. Dem Reservisten ^oh. Paul von hier wurde das Eiserne Kreuz verliehen.

Oberaula, 1. März. Der Gefreite Martin Boß 1 aus Rohrbach beim Feldartillerieregiment Nr. 11, wurde in Rußland verwundet und starb später. Den Eltern wurde jetzt von dem Wachtmeister des Ver­storbenen mitgeteilt, daß ihr Sohn vor seiner Ver­wundung mit dem Eisernen Kreuz ansgezeichnet worden sei.

Bebra, 2. März. Mit Rücksicht auf den überaus starken Verkehr auf der Thüringer Hauptstrecke wird jetzt die Teilstrecke Bebra-Gerstungen bis zum Höne- bacher Tunnel dreigleisig ausgebaut. Infolge der starken Steigung müssen fast sämtliche Züge mit Schiebelokomotiven verkehren. Letztere sollen künftig auf dem dritten Gleise nach Bebra zurückbefördert werden, damit die nachfolgenden Züge nicht erst bis zür Rückkehr der Maschinen zu warten brauchen. Außerdem werden auf dem neuen Gleise auch Güter­züge zwecks Ueberholung durch Schnell- und Eilzüge in der Richtung EisenachGothaErfurt befördert. So ermöglicht die Eisenbahnverwaltung die den wachsenden Verkehr entsprechende raschere Zugauf­einanderfolge im Verkehr nach Thüringen. Die Grnndarbeiten und Brückenbauten find fertiggestellt, sodaß jetzt mit der Gleislegung begonnen werden kann. Die Inbetriebnahme des neuen Gleises erfolgt wahr­scheinlich am 1. Mai. Die Bauarbeiten läßt das Betriebsamt Eisenach ausführen.

Caffel, 3. März. Frühmorgens wurde in einem Hause der Rothenditmolder Straße ein junges Mädchen, im Alter von erst 22 Jahren, von ihren An­gehörigen tot in ihrem Schlafzimmer aufgefunden. Die Todesursache ist noch nicht ermittelt worden. Gerichtliche Leichenöffnung ist angeordnet.

Hann.-Müuden, 28. Febr. Die Volksküche hat im Januar in noch größerem Maße wie im Dezember dazu beitragen können, die Not dieser ernsten Zeit zu lindern und hofft auch weiter durch die Unterstütz­ung dies zu ermöglichen. Es wurden im Januar für Erwachsene 1386 und an Kinder 2185 Portionen abgegeben. Seit einigest Tagen ist die Einrichtung getroffen, daß eine Anzahl Kinder das Essen gleich1 in einem Raume des Lyzeums, wo sich die Volksküche befindet, genießen kann.

Bacha (Werra), 1. März. In diesem Jahre kann das freundlicheRhönstädtchen Bacha arJ eine lOOjaljrtge Zugehörigkeit zum Großherzogtum Sachsen-Wermar- Eisenach zurückblicken. Bacha hat in den letzten Jahren einen blühenden Aufschwung genommen, namentlich nach dem Ausbau des Werra- und Rhonbahnnctzes und infolge der vielen Kaliwerke des Werratales. Auch ein großes Basaltwerk hat Vachas Name weit bekannt gemacht. Wegen des Krieges findet vorerst ine ge­plante Hundertjahrfeier nicht statt.

Darmstadt, 1. März. Wegen Postdiebstahls stand heute der kaum 17 Jahre alte Postaushelfer G. Kamm­leiter von hier vor dem Schöffengericht. Er wurde nach Ausbruch des Krieges von der Post angenommen. Er hat nun in verschiedenen Fällen aus einer An­zahl von der Front als unbestellbar zurückgegangenen Feldpostpaketen den Inhalt entnommen und für sich verbraucht. Straferschwerend war, daß er planmäßig vorging und in seiner Beamteneigenschaft teilweise arme Personen, die ihr Letztes ins Feld geschickt hatten, schädigte. Das Gericht verurteilte ihn zu fünf Monaten Gefängnis.