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Hersielder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

WIter

für den Kreis Hersfeld

Willst

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im ; amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags. ,

Nr. 53.

Mittwoch, den 3. März

1915

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich auf der letzten Seite.

I Wer Brotgetreide verfüttert, versündigt | sich am Vaterlands u. macht sich strafbar |

Bus der Heimat.

* (Familienunterstützung.) Wie dem Armee-Verordnungsblatt" zu entnehmen, können in Zukunft Familienunterstützung auf Grund des Ge­setzes vom 28. Februar 1888 bezw. 4. August 1914 im Falle der Bedürftigkeit usw. erhalten: a) die Ehe­frauen und die ehelichen und den ehelichen gesetzlich gleich stehenden Kinder unter 15 Jahren, sowie die unehelichen Kinder der Mannschaften, die zurzeit ihre aktive Dienstpflicht erfüllen, b) die schuldlos ge­schiedenen Ehefrauen, denen nach § 1578 des Bürger­lichen Gesetzbuchs der Mann den Unterhalt zu ge­währen hat, c) die unter a) aufgeführten Angehörigen der Mannschaften, die nicht militärisch ausgebildet, gemäß § 82,2 der Wehrordnung wegen bürgerlicher Verhältnisse, insbesondere als die einzigen Ernährer hilfloser Familien usw., oder nach § 99,2 a. a. O. zurückgestellt, aber später einberufen worden sind und ihre aktive Dienstpflicht erfüllen, sowie der nicht reklamierten, beim Kriegsersatzgeschäft ausgehobenen und später eingestellten militärpflichtigen Mannschaften, d) die Angehörigen der Mannschaften, die auf Re­klamation vorzeitig entlassen worden und militärisch ausgebildet sind, da sie gemäß § 14,4 der Heeresordnung zur Reserve übergetreten sind.

* (Verwahrt öie leeren Zündholz­schächte l ch e n !j Nur noch kurzewerden die Zündhölzer in Schachteln verkausr. Danach werden sie nur in lose Päckchen verschnürt in Handel kommen.

§ Hersfeld, 2. März. (HessischeKriegsver- sicherung.) Ende des Monats Januar waren bei der Nassauischen Kriegsversicherung rd. 50 000 Anteil­scheine zu je 10 Mk. gelöst, bei der Hessischen Kriegs­versicherung rd. 29 000. Dieses Ergebnis beweist, daß in unserer hessischen Heimat kein so allgemeines Ver­ständnis für die segenreiche Einrichtung der Kriegs­versicherung besteht, wie in dem Nachbarbezirk unserer Provinz. Vom wirtschaftlichen und auch vom vater­ländischen Standpunkte aus muß dies aufrichtig be­dauert werden, denn welchen Wert die alsbald nach dein Verlust des Ernährers der Familie eintretende Zuwendung aus der Kriegsunterstützungskasse für die Hinterbliebenen hat, bedarf keiner näheren Dar­legung, er wird am besten daraus erkannt, daß in den Fällen, in denen eine Versicherung abgeschlossen worden ist, die Empfangsberechtigten die zugesicherte Abschlagszahlung ungesäumt abheben. Die Ver­walterin der Kriegsunterstützungskasse, die Landes­kreditkasse, hat bereits rd. 70 000 Mk. an die Hinter­bliebenen der Krieger zur Auszahlung gebracht. Bemerkt sei hierzu, daß die Hessische Kriegsoersicher- ung die einzige ist, die bei Ableben des versicherten Kriegsteilnehmers einen Anspruch auf sofortige Er­langung einer Abschlagszahlung von 100 Mk. für einen Anteilschein gewährt. Zahlreiche Männer aus allen Schichten der Bevölkerung werden noch jetzt täglich zu den Waffen gerufen. Möchten sie, oder ihre Angehörigen, möchten auch die Verbände denen sie angehören, Arbeitgeber, Vereine und Gemeinden, es doch nicht unterlassen, Anteilscheine bei der Hes­sischen Kriegsversicherung zu lösen, was andauernd bei jeder Landesrenterei in jeder Kreisstadt ge­schehen kann.

§ Hersfeld, 2. März. Von dem Bezirksvorstände der Vaterländischen Frauenvereine im Regierungs­bezirk Cassel geht uns folgende Mitteilung zu: Die amerikanischen Weihnachtsgaben sind leider nicht in so ausreichender Zahl an uns gelangt, daß damit alle angemeldeten Kriegswaisen mit einer Gabe erfreut werden könnten. Es werden daher bei der Verteilung der Geschenke voraussichtlich nur die bedürftigten Kriegswaisen Berücksichtigung finden können.

):( HerSfeld, 2. März. K r i e g s - A u s k u n f t.) Immer noch tun sich anläßlich des Kriegszustandes private Auskunftsstellen auf, um gegen Entgelt Aus­künfte über Verwundete und Vermißte zu erteilen. Da diese Stellen garnicht in der Lage sind, genaue Auskünfte zu geben, weil ihnen hierzu das nötige Material fehlt, bedeutet ihre Inanspruchnahme eine unnütze Geldausgabe für das Publikum. Zur Aus- kunftserteilung ist das Zentral-Nachweise-Burean des Kriegsministertums (Dorotheeustraße 48) geschaffen worden, dem alle Truppen- und Lazarettmeldungen, sowie die Gefangenenlisten aus dem Auslande zu- gehen, so daß diese Stelle allein vollständige Aus­künfte erteilen kann) zudem erfolgt die Auskunfter­teilung des Zentral-Nachweise-BureauS kostenlos.

§ Hersfeld, 2. März. Rund 810 Volks- und Mittel- schullehrer des Regierungsbezirks Cassel wurden zum Heeresdienst einberufen. DieZahlderer,die den Helden­tod fürs Vaterland gefunden haben (die kriegsfrei- willigen Seminaristen, Präparanden und Schulamts- bewerber eingerechnet) ist jetzt schon bis auf mindestens 120 gestiegen.

):( Hersfeld, 2. März. Dem heutigen V i e h m a r k t waren nur 63 Stück Rindvieh und 213 Schweine zu­getrieben. Bei Rindvieh war der Handel gedrückt, dagegen waren die Schweine bei hohen Preisen schnell verkauft. Am 24. d. M. findet Kram- und Vieh­markt statt.

):( Hersfeld, 2. März. In dankens- und aner­kennenswerter Weise hatten sich Schülerinnen der hiesigen Luisenschule bereit gefunden, Strümpfe etc. für die Arbeitervereinigung zu stricken, um diese an unsere braven Truppen als Liebesgaben senden zu können. An eine dieser Schülerinn der 5. Klasse ist folgendes Dankschreiben ergangen.

s. M. s.Kaiserin" den 26. Dezember 1914.

Liebe kleine Schülerin!

Zuerst will ich Dir nun verraten, wo und in welche Hand Deine schönen Pulswärmer gekommen sind. Habe dieselben am Heiligenabend als Liebesgabe erhalten. Es scheinen überhaupt viel von Euren Sachen auf das LinienschiffKaiserin" gekommen zu sein, ich sah Verschiedenes aus Hersfeld. Hoffe doch, daß sich auch die übrigen bei Euch kleinen Mädels vielmals bedanken werden. Wenn nicht, so will ich Dir und Deinen Mitschülerinnen herzlichen Dank aussprechen. Auch für die Cigaretten, Tabak und Zeitschriften habt Ihr alle den herzlichsten Dank von Eueren blauen Jung's. Ei was war das für eine Freude gerade zum lieben Weihnachtsfeste die schönen Sachen zu erhalten. Sie sollen uns auf kalter See­macht ordentlich wärmen nnd auch zum Teil die Zeit vertreiben, bis es einst soweit ist und wir mit den Engländer abrechnen können. Wir werden auch ferner­hin für Euch alle daheim gute Wacht halten und unsere Schuldigkeit tun, Weihnachten haben wir so gut es ging gefeiert. Sogar einige Weihnachtsbäume hatten wir hier draußen an Bord und an den Feier­tagen haben auch die Lichter gebrannt und wirStille Nacht, heilige Nacht" gesungen. Nur hatten wir am 1. und 2. Feiertag starken Nebel und große Kälte. Unser Schiff sah von außen selbst wie ein Weihnachts­baum aus. Und nun meine kleine Freundin vielen Dank für Deine frdl. Grüße und den schönen Spruch. Ich habe schon immer auf den lieben Gott vertraut Und hat er mich schon 6 Jahre auf meiner Seefahrt beschirmt und behütet und er wirds auch weiterhin tun. Ueber diesen Spruch habe ich mich mächtig ge­freut. Ihr habt gewiß wohl alle tüchtig gearbeitet um so viel Sachen anzufertigen und doch gewiß viel, viel freie Zeit dazu benutzen müssen ? Damit Du nun auch siehst, daß die Arbeit nicht umsonst war, gebe ich Dir Nachricht davon.

Wenn Du einmal wieder schreiben solltest, werde ich auch öfter von mir hören lassen. Nun lieben kleinen Schülerinnen helft dem Vaterlande weiter so, es wird Euch allen sicher belohnt werden. Auch an Deine Lehrer oder Lehrerinnen, sowie an Deine Eltern die herzlichsten Grüße von den blauen Jung's auf Deutscher Nordseewacht.

Nun sei Du kleines liebes Mädel vielmals recht herzlich gegrüßt und nochmals vielen, vielen Dank von Otto Hökendorf Signalmaat S. M. s.Kaiserin" Berlin C. 2.

Marine-Postbüro.

Wünsche Euch allen gleichzeitig ein fröhliches ge­sundes neues Jahr. Es geht uns allen gut und sind alle kreuzfidel.

Cassel, 1. März. Französische Verwundete trafen gestern auf dem hiesigen Oberstadtbahnhof ein. 60 davon wurden durch die Kriegersanitätskolonne in die hiesigen Lazarette gebracht, während der Rest nach Münden transportiert wurde.

Ohr-ruf, 1. ^tärz. Weitem erst kürzlich 94 Gefangene nach dem westfälischen Kohlenrevier ab­transportiert wurden, sind vorgestern wieder 900 russische Gefangene, die bei @öU als Erdarbeiter be­schäftigt werden sollen, fortgeschafft worden. Die neu- gebauten Baracken sind jetzt fertiggestellt,- es können nun noch etwa 20 000 Gefangene untergebracht werden.

Jena, 1. März. Durch Ausströmen von Gas aus einer, vermutlich beschädigten Leitung erstickte nachts das drei Monate alte Söhnchen des tn der Schillbachstraße wohnhaften UniversitätSprofeffors Karl Rauch. Die ganze Familie schwebte in Lebens­gefahr. Ein älteres Kind mußte sofort in ärztliche Behandlung gegeben werden.

Bestwig, 1. März. In unserer Nachbarort­schaft Sichttgvor verbrühte sich ein 10 Mon. altes Kind mit heißem Kaffee, den es mit der Kanne vom Tische gezogen hatte. An den Folgen verstarb die Kleine. Die unglückliche Mutter steht allein, da ihr

Mann, der Kesselschmied S. auf dem Schlachtfelde weilt.

Fulda, 28. Februar. Während eines orkanartigen Schneesturmes, der von V2I bis IV2 Uhr heute mittag hier tobte, herrschte längere Zeit eine große Finster­nis, sodaß man in dunklen Straßen wohl oder übel Licht anzünden mußte. Kurz nach 1 Uhr beobachtete man einen grellen Blitzstrahl, dem ein heftiger Donner folgte.

Wirtschaftliche "

Praktische Winke für die Hausfrauen.

Die Führung einer gesunden und dabei kriegsgemätzen Küche ist heute eine der wichtigsten Aufgaben der Hausfrau. Im folgenden seien nun einige wichtige Mitteilungen über die Zufuhr und die Abfuhr auf dem deutschen Lebensmittel­markt gegeben:

Backwaren: Alles Brot mit äußerster Spar­samkeit behandeln. Bei Zwischenmahlzeiten Gemüse­reste, Obst als Brotersparnis. Bei Hausbäckerei (die beschränkt werden muß) nur Obstkuchen empfehlens­wert. Backpulver statt holländischer Hefe, Schiffs- zwieback statt alter Brötchen (wenn erhältlich.)

Konditorwaren: Beschränken durch ihre reiche Verwendung von Zucker, Eiern, Obst, Mandeln den Brotgenuß: nicht ganz als Nachtisch ausschalten.

Mehlprodukte: Von mehlhaltigen Produkten Gries, Gerste, Reismehl, Nudeln, Makkaroni sind die Bestände erheblich geringer geworden. Reis, Bruch­reis teuerer, aber noch etwas Bestände vorhanden. Mehl in Privatbesitz mischen. (Unterlassung sträflich.)

Milch: Milch wird knapper. Preisaufschlag in Sicht. Trotz des hohen Preises verwenden, weil nahrhaft und sättigend in Form von Puddings (Pud­dingpulver) zu Eier- und Kartoffelspeisen. Magermilch schwer erhältlich, ^ndensierte Milch noch sparen. Ziegenmilch sehr fettreich.

Käse: Alle Käsesorten sehr nahrhaft. Vorrat braucht nicht angesammelt zu werden. Nie Butter und Käse zugleich auf das Brot! Magerkäse stark nachgefragt.

O e l e: Sind sehr knapp. Zu Salat sauren Rahm, Speckgrieben verwenden.

Eier: Werden knapp. Auf dem Markte nur deutsche Ware. Für sparsame Küche Eierpulver, solange Vor­rat da.

Fleisch: Mittelfettes bevorzugt, besonders zu Mischgerichten mit Gemüsen und Kartoffeln gekocht, dann sehr ergiebig. (Zu Suppen Knochen verwenden.) Frisches Schweinefleisch im Interesse der Volkswirt­schaft kaufen, zu Zwischenmahlzeiten kein Fleisch ge­nießen. (Fleischgenuß auch bei billigen Preisen im Hinblick auf später einschränken.)

Fette: Alle Fette (auch Butter) sehr sparsam behandeln. Zu Aufstrich Marmelade, Siebkäse.

Wurstwaren: Zu Zwischenmahlzeiten nie Wurst. Frische Wurst kaufen (zu Suppen und Misch­gerichten), Dauerware schonen. Im Privatbesitz keine Dauerware ansammeln.

Wild un-Geflügel: Reh, Hirsch vorh. billig: Ragout, Bug. Geflügel in großer Auswahl, Fasanen, Perlhühner reichlich. Einkochen im Weck. Für Kranke Hühner und Tauben einkochen.

Fische: Alle Fische sind sehr nahrhaft, müssen verbraucht werden. Billig: Grüne Heringe, Brat­schellfisch, Merlan, Stint, sonstige See- und Flußfische in großer Auswahl. Räucherfische stark verbrauchen! Stockfisch, Klippfisch, Salzhering als Fleischersatz auf­sparen. Delikateßhering in Saucen zum Versand und Gebrauch,- jetzt etwas schon brauchen. Oelkonserven noch schonen. (Fischbrühe und Gräten zu Suppen.)

Gemüse: Billig: Erdkohlrabi, Winterkohl, gelbe Rübe, weiße Rübe, Erdartischocke. Teuerer: Weiß-, Rot-, Sauerkraut ges. Bohnen jetzt brauchen! Ge­müse bevorzugen. Noch keine Konserven epen. Hülsenfrüchte teuer, aber mit Gemüse gemilcht ergiebig.

Kartoffeln: Nur in der Schale kochen! Zu Mehlspeisen verwenden.

Obst: Orangen noch billig. Alle Arten, auch Südfrüchte, viel essen. Nüsse nahrhaft.

Kolonialwaren: Zucker stark verbrauchen! Kaffee, Tee genügend vorhanden. Kakao-Zufuhr be­schränkt. m .

Delikatessen: Sollten von Vermögenden gebraucht werden, damit nichts Eßbares umkommt.

A l*g e meines: Die Nahrungsmenge verring­ern! Keine Zwischenmahlzeiten. Die Hauptmahlzeiten gut durchkochen (Kochkiste). Gut kauen. Zerkleinerte Nahrung wird am besten ausgenutzt. Mit den Be­ständen aushalten.

Clara Fromherg.