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Hersfelder Tageblatt

für den Kreis Hersfeld

Sreisölatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährSich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Nr. 51.

Dienstag, den 2. März

1915

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.

Wer Brotgetreide verfüttert, versündigt sich am Vaterlands u. macht sich strafbar.

Bus der Heimat

* Die jetzt neu vorliegende Statistik über die Schweineseuche und Schweinepest stellt sich für den Regierungsbezirk Cassel verhältnismäßig ziemlich günstig. Die Seuchen treten zurzeit im Be­zirk nur in 6 Kreisen auf. Hiervon sind 13 Gemeinden mit 14 Gehöften betroffen. Die in Betracht kommenden Kreise sind folgende: Fritzlar (3 Gemeinden, 4 Ge­höfte), Hofgeismar (4 Gemeinden, 4 Gehöfte), Hanau- Stadt (1 Gemeinde, 1 Gehöft), Hanau-Land (1 Ge­meinde, 1 Gehöft), Gelnhausen (1 Gemeinde, 1 Gehöft) und Grafschaft Schaumburg (3 Gemeinden, 3 Gehöfte). Hieraus ist ersichtlich, daß der Seuchenstand gegen die letzten Feststellungen sich erheblich gebessert hat, da es sich seiner Zeit um 9 Kreise mit 17 Gemeinden und 22 verseuchten Gehöften handelte. Im Regierungs­bezirk Wiesbaden sind die Seuchen verbreiteter als wie im Casseler Bezirk.

* (Wichtig für verwundete oder genesende M i l i t ä r p e r s o n e n.) Auf Anordnung des stell­vertretenden Generalkommandos des 11. Armeekorps in der Bekanntmachung vom 29. September 1914 Ab­satz 1 haben sich alle verwundete oder genesende Militärpersonen, die von den Truppen beurlaubt sind oder aus einem Militärlazarett in eine nicht unter militärischer Aufsicht stehende Privatpflegestätte überwiesen sind, innerhalb 24 Stunden bei dem Poli­zeirevier anzumetden, in dessen Bereich sie wohnen. Hierbei ist der Militär-Urlaubspaß vorzulegen. Sollte sich der Tag des Ablaufs des Urlaubs ändern, so sind die Militärpersonen verpflichtet, sich erneut bei dem Polizeirevier zu melden. Verwundete oder genesende Militärpersonen, welche die Meldung verabsäumen, haben zu gewärtigen, daß sie polizeilich dem Reserve­lazarett zugeführt werden.

»(SchafftHeldenhaine!)Wir erhalten folgende Zuschrift: Ein Recht auf Denkmale haben die Gefalle­nen ! Jedem, der sein Leben ließ für Deutschlands Freiheit, für die Idee des Deutschtums ohne Unter­schied von Rasse und Glauben, jedem solchen, der so zum Helden Deutschlands ward, pflanzt eine Eiche. In seiner Heimat soll jedem Helden Deutschlands ein lebendiges Denkmal und Dankmahl durch Pflanzen seiner Eiche gesetzt werden. In allen Orten Deutsch­lands werden die Eichen um den Gemetnde-Weihefest- platz, im Mittelpunkt die Friedenslinde die Kaiser­linde stehen. Seht sie ragen in die Jahrhunderte, wachsend, erstarkend wie Deutschland selbst, das Land der Heldenhaine! Der Anfang zu diesem Werk ist ge­macht worden. Zu einer ehrenamtlichenArbeitsge­meinschaft für Deutschlands Heldenhaine" sind berufene Männer in Berlin zusammengetreten, welcheFörderer" in ganz Deutschland sich zuwählen werden. Die Ar­beitsgemeinschaft verfolgt den Zweck, als unabhängige, unparteiische Mittelwelle die allgemeinen Vorbe­reitungen zu treffen. Bundesfürsten und Regierungs­organe zu gewinnen, mit eingehenden Schriften über die Form und die Technik der Ausführung allen den Vereinigungen und Einzelpersonen zur Hand zu gehen, die für die örtliche Ausführung berufen er­scheinen. Kriegervereine, Lehrervereinigungen, die Turner- und Jugendbunde, die Geistlichkeit aller Bekenntnisse, die Heimschutzverbände, die Gemeindebehörden, Garten- und Bauverwaltungen u. a. werden gebeten, sich dieser herrlichen Aufgabe anzunehmen, die so begeisterten Widerhall aus der Heimat und aus den Kampfgebieten fand. Der An­reger und Gestalter des Gedankens, Herr Willy Lange, Kgl. Gartenbaudirektor, Berlin-Wannsee, Bismarkstraße 5, hat die ehrenamtliche Geschäfts­führung übernommen. Zuschriften werden an ihn erbeten. Da es sich nicht um einen Verein mit Mit- gliedsbeiträgen handelt, sind freiwillige Geldspenden zur Deckung der Vorbereitungskosten dringend er­wünscht. Geldbeträge und Stiftungen nimmt Herr Kommerzienrat Heinrich Eisner, Berlin W., Bellevue- straße 14, entgegen.

§ Hersfeld, 1. März. Mit Gültigkeit vom 22. Februar 1915 ist der aus Anlaß des Krieges einge­führte A u s n a h m e t a r t f für tierische und pflanz­liche Fette und Oele Nr. 2 l e des Tarifverzeich­nisses auf Fettsäuren ausgedehnt worden.

):( Hersfeld, 1. März. Wie auS dem Inseratenteil der vorigen Nummer ersichtlich, veranstaltet das hiesige Kaufhaus E d u a r d K r a ch in der Zeit vom 1. bis einschließlich 7. März eine Goldwoche. Da diese Veranstaltung auch zum Besten unseres Vaterlandes dient, seien die Besitzer von Goldstücke, da sie diese in ihrem eigenen Interesse gut verwerten können, auch

an dieser Stelle auf die günstige Kaufgelegenheit auf­merksam gemacht.

):( Hersfeld, 1. Februar. (Fünfundzwanzig Jahre g; eichstagsabgeordneter.) Am heutigen 1. März kann Herr Reichstagsabgeordneter Ludwig Werner (wirtschaftliche Vereinigung) seine 25jährige Zugehörigkeit zum Deutschen Reichstag feiern. In der Stichwahl vom 1. März 1890 wurde Werner im Wahlkreis Rinteln-Hofgeismar-Wolfhagen in das Reichsparlament gewählt. Im Jahre 1893 wurde Werner in seinem alten wie auch gleichzeitig in Rotenburg-Hersfeld-Hünfeld gewählt. Werner ent­schied sich für den letzteren Wahlkreis, den er bis heute gegen die verschiedensten Gegenkandidaten be­hauptet hat. Zehn Jahre lang, von 1898 bis 1908, hat Werner auch dem preußischen Abgeordnetenhause angehört. Der alte Parlamentarier hat kürzlich sein 60. Lebensjahr vollendet.

Bebra, 26. Februar. Ein junger Mann, der am hiesigen Bahnhof als Wagenputzer beschäftigt ist, wurde infolge eines Unfalles so schwer an den Kopf getroffen, daß er bewußtlos nach Haufe gebracht werden mußte. Der Bedauernswerte mußte sofort einem Arzt übergeben werden, der eine schwere Kopferschütte­rung feststellte. Bis jetzt hat der Verunglückte das Sprachvermögen noch nicht wiedergefunden.

Niederaula, 27. Februar. Für Tapferkeit im Felde wurde der Kanonier, Photograph Alfred Mahr dahier, welcher auf dem westlichen Kriegsschauplatz im Anfang des Krieges schwer verwundet wurde, mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Ebenso erhielt der Sanitäts-Mat Schäfer, welcher auf der Seidlitz verwundet wurde und trotz seiner Verwundung noch 2 Kameraden rettete, das Eiserne Kreuz 2. Klasse.

Cassel, 27. Februar. Wegen fahrlässiger Tötung verurteilte die Strafkammer den Landwirt H. aus Friedrichshain zu sechs Wochen Gefängnis. H. hatte als Jagdpächter einer größeren Hochwaldjagd drei Gewehre in seinem Hausflur hängen. Als er sich mit seiner Frau auf einem Leichenbegängnis befand, nahm der sechsjährige Sohn des Angeklagten eines der Ge­wehre von der Wand ab und spielte damit. Plötzlich krachte ein Schuß und die 14jährige Tochter des An­geklagten stürzte ins Herz getroffen tot zusammen. Mit Rücksicht auf den Umstand, daß der Angeklagte durch den Tod seiner Tochter an sich schon schwer ge­straft worden ist, für seine Fahrlässigkeit, geladene Gewehre so schlecht aufzubewahren, ließ es das Ge­richt bei einer geringen Gefängnisstrafe bewenden.

Gudeusberg, 26. Febr. Infolge erlittener Brand­wunden gestorben ist vorgestern das Vs Jahre alte Kind des Steinrichters K. von hier. In einem unbe­wachten Augenblicke hatte es die Tischdecke, auf der eine brennende Kerze stand, in seinem am Tische stehenden Wagen gezogen, wodurch seine Kleidchen Feuer gefangen hatten.

Hann.-Münden, 27. Februar. Stadt und Land machten unsere Gymnasiasten in der vergangenen Woche unsicher, um Gold aus den Taschen zu locken und an die Reichsbank abzuliefern. Der jugendliche Eifer wurde gelohnt durch ein vorläufiges Ergebnis, das alle Erwartungen übertraf und an 20 000 Mark in Gold darstellt.

Wabern, 27. Februar. Der zufolge einer Karte seines Hauptmanns totgesagte Lehrer an der hiesigen Erziehungsanstalt Gustav Lekies ist in dem Gefecht bei Wygodo-Nikolajeuska nicht gefallen, sondern schwer verwundet worden. Er schrieb aus sibirischer Gefangenschaft, daß die Wunden geheilt sind und er bei guter Gesundheit sei.

Uslar, 27. Februar. Eine empfindliche Strafe verhängte das hiesige Schöffengericht über einen Land­wirt in Verliehhausen. Dieser hatte allen Verboten und Ermahnungen zum Trotz sein Vieh mit Roggen gefüttert und wurde dafür zu vierzehn Tagen Ge­fängnis verurteilt.

Aus dem Werratal, 26. Februar. Ein Landwirt hatte sich vor dem Treffurter Schöffengericht zu ver­antworten, weil er in der Dunkelheit seinen Wagen unbeleuchtet auf der Straße stehen ließ. Der Land­wirt wurde aber kostenlos freigesprochen, weil er nach­weisen konnte, daß er in mehreren Geschäften kein Petroleum oder Kerzen erlangen konnte.

Hanan, 24. Februar. Die Strafkammer hat heute den Landwirt Heinrich Puth aus Wachenbuchen, der bei dem Verkaufe von Kartoffeln den festgesetzten Höchstpreis überschritten hatte, zu 200 Mark Geldstrafe verurteilt._____

Die größte Seemacht und die größte Landmacht.

Als die größte Landmacht der Erde mit Frank­reich im Bunde in den ersten Augusttagen gegen Deutschland und Oesterreich-Ungarn zum Kriege be­reit war, fehlte es nicht an ernsten Männern, die mit Recht von einem schweren, blutigen Waffengange sprachen. Als aber noch am Abend deS 4. August,

bald nach der ewig denkwürdigen ersten Reichs^s- sitzung, die Kriegserklärung der größten Seemacht erfolgte, da schlug manches tapfere deutsche Herz noch sorgenvoller,- es war ihm bange nicht nur um das Los der Auslandskreuzer und der Handelsflotte, sondern auch bange um das Los der stolzen Marine, bange um den glücklichen Ausgang des ganzen Krieges,- denn, wenn die Gentlemen jenseits des Aermelmeeres Krieg führen, hören sie auf, Gentlemen zu sein, und verfolgen ihre Zwecke mit Ziele mit der größten Rücksichtslosigkeit und Gewissenlosigkeit, wie Kopen­hagen und Kapland, Opiumkrieg und Aegypten, Burensieberlager und Dumdumgeschosse beweisen.

Aber der schlimmste Schwarzseher in Deutschland wird nach dem erfolgreichen Verlaufe der ersten sechs Monate dieses Krieges zugeben, daß mit des barm­herzigen Gottes Segen und Hilfe die deutsche Führung und die deutsche Technik, die deutschen Truppen und die deutsche Marine und mit ihnen in Nibelungentreue ihre Verbündeten aus Oesterreich und Ungarn Triumphe über Triumphe gefeiert haben. Blieben auch Mißerfolge ebenso wenig aus wie Stillstand und lange Pausen, so ist doch die Halbjahresbilanz in militärischer, finanzieller und volkswirtschaftlicher Beziehung überaus günstig, und gar nicht hoch genug zu bewerten sind die sittlichen Kräfte und Leistungen, Hie wir dem eindringlichen Erzieher, Krieg genannt, zu verdanken haben. Schon ist die größte Seemacht der Erde das stolze England auf dem Meere in die Defensive gedrängt. Seit dem 18. Februar sind seine Küsten- und Zwischengewäffer Kriegsgebiet, wo unter und auf den Wellen die gefürchteteWaffer- pest" der deutschen Unterseeboote, ein Unkraut, das nicht vergeht, die britische Schiffahrt belästigt und be­engt, gefährdet und vernichtet. Der Union-Jack, das Wahrzeichen vergangener Herrlichkeit und Macht, wird verleugnet. Mit fremden Farben übertüncht Albion seine Handels-Fahrzeuge in derselben Schamlosigkeit und Ehrlosigkeit, wie es den Rest feines Stolzes, den Rest seiner Begriffe für Recht und Sitte und Frei­heit längst übertüncht hat mit dem Aetzkalk des Neides und Haffes. Die größte Seemacht der Erde ist besiegt, geöemütigt, entehrt, ehe ihr entscheidende Schlachten geliefert wurden.

Aber auch die Gefährlichkeit der größten Land­macht ist im Schwinden. Altmeister Hindenburg hat dem russischen Bären Gebiß und Pranken zerbrochen; bei Tannenberg und Angerburg, bei Wlozlawek-Kutno und Lodz-Lowicz, an der ostpreußischen Grenze und zwischen Plock und Razionz ließ der Petz manch gutes Stück vom Vließ. Und unsere feschen, schneid- vollen Verbündeten, wie übel haben «sie ihm mitge­spielt bei Przemysl und 'am Duklapaß, am Uszeker- passe und bet Kolomes, am Soreth und am Pruth! Die größte Landmacht muß um ihren Rückzug kämpfen, manche ihrer zahlreichen Armeen sind vernichtet oder zerschmettert worden, schon schmolz der anderen Streitkräfte Uebermacht dahin, wie Schnee und Eis vor der Sonne, vor der Sonne glühender Vaterlands­liebe und heißer Kampfbegier. Am deutschen Wesen wird noch englischer Dünkeln und moskowitische Un- geschlachtheit völlig zu Schanden werden, damit am deutschen Wesen die ganze Welt nach siegreicher Vol­lendung des Krieges, nach ehrenvollem Friedensschlüsse genesen kann.

Durch die Lupe.

(Ein Stückchen Zeitgeschichte in Versen.)

Schamlos in der eig'nen Schwäche zeigt sich vor der ganzen Welt England jetzt, das ernstbedrängte, dessen Barometer fällt, dessenkluge" Diplomaten ganz allmählich eingeseh'n, daß die Aktien dieses Krieges ziemlich faul für England steh'n, daß mit Lügen, Gift und Galle man allein noch nicht gewinnt, sondern daß in solchem Falle Mut und Kraft notwendig sind. Und von diesen beiden Dingen hält in England niemand viel, diese Mitel |tn6 zu ehrlich, passen nimmer in das Spiel, das von Churchill, Grey und andern mit gemeiner Niedrig­keit nur auf krummen Winkelpfaden schmutzig durchgeführt bis heut'. Unter falschen Flaggen fahren, Meuchelmörder dingen wollen, and re Lander schamlos opfern, das versteh'» sie aus dem vollen, darin zeigen sie Routine, durch Betrug nur und Verrat hält sich noch mit Mühe aufrecht dieserstolze" Britenstaat. Und der Deutsche, der die Larve endlich ihm vom Antlitz riß, und er­barmungslos beleuchtet dieses Abgrunds Finster­nis, sucht umsonst in seiner Sprache, ob es einen Ausdruck gibt, der mit einem Wort bezeichnet, diesenStolz", den England liebt. Deutsche Sprache ist zu ehrlich, hat dafür kein rechtes Wort, aber rings im deutschen Reiche wird man künftig immer­fort Lüge, Mord und feiges Kneifen, Niedrig­keit, Verrat und Tücke künftig einfachenglisch" heißen, und in jedem Augenblicke wollen wirs im Innern fühlen, und es künden zornbewegt: England, größterLump der Mee^re, Deine Schickfals stunde schlägt!

Walter-Walter.