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-nen wünschte. Ich ergriff freudig die Gelegenheit, denn rlles war besser als das langsame Verhungern, das meiner zu harren schien. Um es kurz zu machen: wir landeten drei Wochen später im Norden von Borneo und suchten von dort in das Innere des Landes zu ge­langen. Ein paar Tage lang kamen wir leidlich vor­wärts,- dann aber begannen wir uns allmählich über die Schwierigkeiten klar zu werben, die uns umgaben.

Vor allem waren die Eingeborenen ein wildes Volk, und die Dinge gestalteten sich recht ungemütlich, als wir merkten, daß sie gewisse Blumen für heilig ansahen. Eines Nachts, als wir uns -essen nicht im entferntesten versahen, überfielen sie uns meuchlings und bei Tages­anbruch war von unserer ganzen Truppe nur mehr ich allein am Leben. Ein bloßer Zufall hatte mich gerettet. Ich besaß eine kleine Hausapotheke, aus der ich einem Ihrer Landsleute ein wenig Chinin verabreichte, das ihn vom Fieber heilte. Ich brauche Ihnen wohl nicht erst zu sagen, daß wir verraten worden waren und mein eingeborener Patient mit zu den Verrätern gehörte. Ich dachte schon, es.sei auch um mich geschehen, als ich, mit Binsenstricken gefesselt, vor einem der Lagerfeuer kauerte und aus abgerissenen Worten der Insulaner, deren Sprache ich einigermaßen beherrschte, das Schicksal erkannte, das meiner harrte. Doch nach ein paar Tagen merkte ich, daß ich vor einen der Häuptlinge gebracht werden sollte, der an einer Krankheit litt.

Nach einem überaus mühseligen Marsch von zwei Tagen langten wir endlich vor den Ueberresten einer Stadt an, die einst sehr ansehnlich gewesen sein mußte. Ich war nicht wenig erstaunt, als ich aus Stein erbaute Häuser sah, die nach Straßen eingeteilt waren. Auch die Trümmer eines mächtigen Zirkus bekam ich zu sehen, ebenso ganze Reihen von Baderäumen, die an einem Bergabhang angelegt und mit kristallklarem kalten Was­ser gefüllt waren. Erst später erfuhr ich, daß die Stadt längs eines Sees lag und vor vielen Jahrhunderten ein mächtiger Damm mitten durch sein Bett erbaut worden war, der die Wasser von der Stadt fernhalten sollte. Seit meiner Besichtigung der uralten mexikanischen Städte hatte ich nichts gleich Bemerkenswertes gesehen. Ein Umstand fiel mir besonders auf. Trotz der Größe der Stadt mochte sie nicht mehr als fünf- oder sechshundert Einwohner zählen, die ausnahmslos Ihre Ebenbilder waren, Mr. Uzali. Die Leute dagegen, die unsere Ex­pedition vernichtet hatten, waren gänzlich verschieden von ihnen, indem sie eine kohlschwarze Hautfarbe auf- wiesen. Sie trieben sich zu Tausenden in den Bergen umher und schienen eine Heidenangst vor den Bewoh­nern der Srabt zu haben."

„Das hängt wohl mit der Zivilisation zusammen," flocht Uzali ein.

„Mag sein," gab Russell zu. „Jedenfalls kam mir dieser Umstand zugute. Ich bemerkte, daß man mich mit einer gewissen Hochachtung behandelte, und wußte, daß ich nichts zu befürchten hatte, solange ich keinen Flucht­versuch machte. Ich durfte innerhalb der Gemarkung der Stadt die Berge und Täler durchstreifen, durfte tun und lassen, was mir beliebte, — so lange es hell war. Ich erwarb mir einen großen Ruf als Medizinmann, stand mit dem Häuptling auf bestem Fuße und lernte zum großen Teil die Geschichte des Landes kennen. Ich erfuhr aber auch andere und für mich wertvollere Dinge. Unterhalb der Stadt fand ich in einem der Täler Spu­ren von Gold. Ich grub lang nach dem kostbaren Me­tall, bis ich die Ueberzeugung gewann, daß das Gold angeschwemmt war und viele Jahrhunderte hindurch durch die Seeströmung hier abgelagert worden sei. Mei­ner Berechnung nach mochte hitzr Gold im Werte von einigen hunderttausend Pfund lagern; allein ich konnte vorderhand keinen Vorteil davon haben. Ich mußte ge­duldig warten und hoffen, daß sich die Dinge noch zu 'meinen Gunsten wenden würden. Früher oder später mußte mein Vorrat an Arzneimitteln zur Neige gehen, und dann würde man mir vielleicht gestatten, die Küste hinabzugehen und meine Apotheke mit neuen Medika­menten zu versehen.

Ich machte indessen ungefähr zur selben Zeit noch eine andere Entdeckung. Ich fand nämlich, daß im Pa­last des Häuptlings ungeheure Schätze verborgen seien, ^rie Entdeckung war eine rein zufällige und ich fürchtete wiederholt, sie werde mich mein Leben kosten. Ich glaube

nicht, einen Menschen je in größerem Zorn gesehen zu haben, wie den Häuptling, als er merkte, daß ich mit seinen Kostbarkeiten liebäugelte.

„Sie sind die Ursache aller Wirren in unserem Lande," sagte er zu mir. „Wären diese verruchten Schätze nicht, so könnte ich dieses Eiland ungestört von einem Ende zum anderen beherrschen. Sie säten Streit und Zwietracht unter meinen Vorgängern, verursachten unabsehbares Blutvergießen. Schnöder Verrat begleitete diese Kostbarkeiten, in wessen Hände sie sich auch befin­den mochten. Außer mir weiß niemand, daß sie sich hier befinden, und es soll auch niemand Kenntnis davon haben, denn nach meinem Tode soll es keine Häuptlinge mehr unter meinem Volke geben, das langsam und all­mählich vergehen und aussterben soll, wie unsere Brüder jenseits der mexikanischen Seen ausgestorben sind. Da­gegen will ich Ihnen einen Handel vorschlagen. Wenn ich vor Ihnen sterbe, so sollen Sie Ihre Freiheit wie­der erlangen und sollen sechs Maultiere und sechs Pferde aus meinen Ställen mit all den Schätzen bela­den mit sich nehmen können, nach denen Sie jetzt Ver­langen tragen."

Ich mußte natürlich einwilligen und im übrigen ruhig warten, bis sich mir eine Gelegenheit zur Flucht bieten würde. Was den Vorschlag des Häuptlings an­belangte, so dachte ich nicht weiter daran, denn er war ein Mann in den besten Jahren und lebte sicherlich wenigstens ebenso lange wie ich.

Allein unverhofft kommt oft. Einige Wochen spä­ter verbreitete sich das Gerücht, daß weiße Männer in das Land eingedrungen seien und mit Hilfe einiger Wagehälse, die sie durch die Aussicht auf reiche Beute an sich gefesselt hatten, die Stadt überfallen wollten. Wir dachten nicht weiter darüber nach, obschon es mir auffiel, daß der Häuptling eine besorgte Miene zur Schau trug und nicht mehr so häufig rote bisher aufs Feld hinausging. An einem Nachmittag kam er zu spä­ter Stunde nach Hause und bald darauf meldete mir ein Bote in größter Hast, daß sich der Häuptling an einem stacheligen Kaktus den Fuß wund gerissen und — wie er befürchtete — sich vergiftet habe. Ich begab mich ei­lends zu dem Häuptling, um seinen Fuß zu untersu­chen, als er alle Anwesenden hinausschickte und sich mit den Worten zu mir wendete:

„Ich habe meine Leute irregeführt, denn meine Wunde am Fuße rührt nicht von einem Kaktus her. Ich bin vielmehr am Nachmittag im Walde von einer Hand­voll Eingeborener überfallen worden, die wir bisher für ergebene Bundesgenossen hielten. Mit Hilfe der Dun­kelheit gelang es mir, zu entkommen, aber nicht, ohne diese Wunde an der Ferse davonzutragen, die mir ver­hängnisvoll werden wird."

Ich lächelte über die Befürchtung des Häuptlings, aber er beharrte mit größtem Ernst bei seiner Behaup­tung und sprach:

„Was ich Ihnen sage, ist wahr. Ich kenne dieses Gift. Sie besitzen in Ihrer Apotheke kein Mittel dage­gen, und wenn ich aus dem Wege geschafft worden, so werden unsere Feinde die Stadt überschwemmen nni> ein Blutbad unter ihren Bewohnern anrichten. Lassen Sie nichts von alleüem verlauten, sondern nehmen Sie meinen vertrautesten Diener mit sich und setzen Sie ihn von den Ereignissen in Kenntnis, damit im gegebenen Moment alles bereit sei ... . Aber nicht heute Nacht; warte Sie bis morgen. Inzwischen möchte ich ein we­nig schlafen."

Mir blieb nichts anderes übrig, als dem Geheiß des Häuptlings nachzukommen, und besorgt zog ich mich zurück. Erst als der Mond hoch stand und die ganze Stadt in Schlaf versunken lag, kehrte ich in den Palast zurück. Der Häuptling schlummerte zwar friedlich, aber sein Fuß war furchtbar angeschwollen und es war klar, daß er mir die Wahrheit gesagt. Betrübt und nicht wis­send was td) nunmehr anfangen sollte, schritt ich die vom Mond erhellte Straße entlang, bis ich den mächtigen Damm erreichte, der den See einsäumte und die Flut von der Stadt fernhielt. Als ich in Gedanken versunken dort stand, schien es mir, als vernähme ich flüsternde Stimmen, und rasch trat ich hinter ein Mimosengesträuch zurück. Gleich daraus tauchte eine Gestalt vor mir auf — ein Gesicht und eine Gestalt, die mir nur zu bekannt waren. Das Mondlicht fiel voll auf das Gesicht und die