Mr wissen, Saß mit VeWen bis in Sie kreiussen Tinzel- heiten gehende Abkommen getroffen waren, die ein gemeinsames Wirken in diesem Weltkriege bezweckten. Ja, wir wissen jetzt sogar, daß schon in belgischen und französischen Festungen Dum-Dum-Geschosse für die englischen Jnfanteriegewehre bereit lagen. Diese Vorbereitungen erstreckten sich natürlich auch, und zwar in erster Linie, auf die sehr wichtigen Truppentransporte und auf die Hilfsmittel, die für diese Transporte notwendig waren. Es wurden zu diesem Zwecke nach den Mitteilungen Churchills eine größere Anzahl von Transportdampfern bereit qestellt, die ungefähr 8000 bis 10 000 To. umfaßten. Auf solchen Transportdam- pfern können zwei kriegsstarke Bataillone mit allen dazu gehörigen Gerätschaften untergebracht werden. Bet der Vernichtung eines Truppen-Transportdampfers wird dem Feind also ein recht erheblicher Schaden zugefügt.
Weitere englische Schtffsverluste.
Das Reutersche Büro meldet aus Scarborough: Der Dampfer „Deptford" ist in der Nordsee auf der Höhe von Scarborough gesunken; die Mannschaft glaubt, infolge eines Torpedoschnsses. Die Besatzung wurde bis auf einen Mann durch einen Passagierdampfer gerettet.
Der Gotenburger Dampfer „Sankt Patrik" meldet nach einer Stockholmer Meldung der „Voss. Ztg.", daß an der südlichen Küste Englands von ihm zahlreiche Strenminen beobachtet wurden, die die Schiffahrt äußerst gefährlich machen. An einer Mine glückte es dem Schiff, knapp mit drei Fuß Abstanö vorbeizumanövrieren. Bet den Downs wohnte die „Sankt Patrik" einem Angriff eines deutschen Unterseebootes gegen ein englisches Kanffahrteifahrzeng bei, bei dem ein Torpedoschntz eine heftige Explosion verursachte. Andere Dampfer eilten dem verunglückten englischen Schiff zu Hilfe.
Rotterdam, 26. Februar. (T. U.) Aus London wird nach der „Köln. Ztg." hierher gemeldet, daß der für Rotterdam bestimmte Dampfer „Cnba" an der Themsemündung gesunken sei. Ueber die Ursache des Unfalles ist bisher nichts bekannt. Er gehörte einer norwegischen Reederei. ™
Kopenhagen, 26. Februar. (T.-U.) Reuter meldet nach dem „B. T.": Von der Reede von Eastbourne (Grafschaft Sussex) wurde ein Dampfer unbekannter Nationalität und unbekannten Namens dnrch Torpedo- schutz eines deutschen Unterseebootes zum Stufen gebracht.
Ein britischer Hilfskreuzer mit 280 Mann gesunken.
^ Stockholm, 26. Februar., (T.-U.) Zu den Meldungen der britischen Admiralität, daß der englische Hilfskreuzer „Clan Mac Naughter" fett dem 3. Februar vermißt wird und daß man befürchtet, er sei gesunken, meldet nach dem „B. T." Reuter: Auf dem Hilfskreuzer „Clan Mac Naughter", der wahrscheinlich gesunken ist, befanden sich 20 Offiziere und 260 Mann, die vermutlich alle ertrunken sind.
Verschärfung des Aushungerungsplans.
Als Antwort auf die von Deutschland ergriffenen Maßnahmen beabsichtigen nach „einem Pariser Telegramm der „Voss. Ztg." die Verbündeten nach einer Meldung des „Journal" zu erklären, daß alles deutsche Eigeutum beschlagirahmt werden kann, unter welcher Flagge es auch immer sei, und daß jede für Deutschland bestimmte Ladung gute Prise ist. Die schärfsten Unter, snchnngsmatznaymen sollen ungeordnet werden.
Die Ankündigung der Beschlagnahme alles Seufzen Eigentums hat nur den Wert einer DiMstM^ Denn tatsächlich hat England bisher schon deutsches Eigentum auf neutralen Schiffen üverall beschlagnahmt, wo e^> seiner habhaft werden konnte. Die angekundigte Maßnahme richtet sich deshalb mehr gegen die Neutralen als gegen Deutschland. *
Sieben englische Kriegsschiffe bei den Falklandsinseln schwer beschädigt.
Die . Köln. Ztg." veröffentlicht einen Brief aus Montevideo wonach in Port Stanley bei den Falklandsinseln sieben englische Kreuzer oder nach einer anderen Lesart drei Hilfskreuzer und vier Kreuzer liegen, die schwere Beschädlgnngen erlitten haben. .Man glaubt auch darauf das große Stillschweigen äurirckmhren zu kömren, das in England über die Seeschlacht bei den Falklandsinseln herrscht.
Der Türkenkrieg.
Siegreiche türkische Kämpfe am Schwarzen Meere.
Konstantinopel, 25. Februar. (SW8.) ®ie Agence Milli erhielt von ihrem auf dem Kriegsschauplatz im Schwarzen Meere eingetroffenen Berichterstatter folgendes Telegramm: Die Kämpfe, die in der Umgebung von Bortschcho nördlich Artwin feit einigen Tagen aus- gefochten wurden, endigten mit einem vollen Erfolg der türkischen Truppen. D:efe besetzten wichtige Punkte. Die Russen erlitten schwere Verluste und ergriffen die Flucht. Russische Offiziere mußten zur Anwendung von Gewalt schreiten, um die Flüchtlinge zurückzuhalten, was beweist, wie tief die Moral der russischen Truppen öefttnfen H. * nur etwa 40 Kilometer südlich von Batum, dem russischen Haupthafen am Schwarzen Meere. Die Türken sind also dort in erfreulichem Vorrücken begriffen.
Verstärkung der englisch-französischen Dardanellen- Flotte.
Der Athener Korrespondent der Wiener „Neuen Freien Presse" erfährt aus Teneöos, daß vor den Dardanellen zwei neue französische Kreuzer, fünf englische Unterseeboote, vierzehn große Kohlendampfer und ein Lazarettschiff eintrafen. Fünf Transportdanrpfer mit
dern L Treffer erhalten haben.
Der Krieg in den Kolonien.
Deutsche Flugzeuge in Südwestafrika.
London, 25. Februar. (WTB.) Reuter meldet aus Garub in Deutschsüdwestafrika:.Gestern abend warf ein Flugzeug vier Bomben auf britische Truppen herab, dnrch die ein Offizier und fünf Mann verwundet wurden. Das Flugzeug wurde beschossen, entkam aber.
Französische Schlappe in Marokko.
Madrid, 26. Februar. (T. U.) Nach einer Meldung aus Langer sollen französische Streitkräfte unter dem Kommando' des Obersten Martin am Jnauenfluß durch die An ständischen eine schwere Schlappe erlitten haben. Die aus etwa 800 Mann bestellende französische Kolonne wurde von überlegenen marokkanischen Streitkräften des Nachts unvermutet an- gegriffen. Es gelang den Marokkanern, die Posten zu überrumpeln, sodaß sie bereits kurze Zeit nachdem Alarm geblasen wurde, sich im französischen Lager befanden. Nach kurzem Nabkampf mnbten die Franzosen unter
schwere» Verluste» ihre Stellung räumen. Sie hatten zahlreiche Tote und Gefangene, die Verwundeten nahmen sie mit.
Der Balkan,
Rücktritt des rumänischen Finanzministers.
Nach einer Bukarester Meldung der „Frkf. Ztg." hat der Finanzminister Costinesc« dem Ministerpräsidenten sein Rücktrittsgesuch eingereicht, das aber bis zur Stunde noch nicht angenommen ist. Die Stellung Costinescus in dem neutralen Kabinett Bratianus war schon lange erschüttert. Costinescu hat deutscher Förderung seine glänzende wirtschaftliche Stellung zu verdanken. Er lohnte es mit einer heftigen deutschfeindlichen Gesinnung, auf deren Rechnung die Stockung in den Handelsbeziehungen der Zentralmächte mit Rumänien zu setzen ist.
Regelung der Schweinepreise.
Berlin, 25. Februar. (Amtlich. WTB.) Die Preise für Schlachtschweine haben infolge des ausgedehnten Bedarf der Heeresverwaltung, der behördlich angeregten starken Nachfrage der Bevölkerung und der umfangreichen freihändigen Ankäufe der Gemeindeverwaltungen seit Dezember 1914 stark angezogen. Nachdem den Städten und Landgemeinden mit mehr als 5000 Ein- wohnern die Pfticht auferlegt wurde, sich zur Umwandlung in Dauerware Schlachtschweine zu beschafsen, sind sie weiter sprunghaft in die Höhe gegangen und haben jetzt einen derartigen Stand erreicht, daß die Ziele der Bundesratsverordnung vom 25. Januar 1915 ernstlich gefährdet erscheinen. Es ist daher notwendig, die preise auf einen Stand zurückznführen, der zwar den Schwei- nehaltern einen mit Rücksicht auf die Preissteigerung der Futtermittel angemessenen Gewinn gewährleistet und einer übermäßigen Verteuerung der Fleischnahrung für die Bevölkerung vorbeugt. Den zur Erreichung dieses Erfolges von verschiedenen Seiten angeregten Vorschlag der Einführung allgemeiner Höchstpreise macht sich die Bundesratsverordnung nicht zu eigen. Es kann abgewartet werden, ob die Weiterentwickelung der Marktverhältnisse zu einer solch einschneidenden Maßnahme drängen wird. Der Bundesrat hat aber ein Bedürfnis zu einer Preisfestsetzung für den Enteig- nungsfall als Mittel zur Ausübung eines.Druckes zur Verminderung des Schweinebestandes insowert anerkannt, als von der Enteignung Schweine bis zu 100 Kg. Lebendgewicht betroffen werden können, da gerade Schweine der unteren Gewichtsklassen zum Zweckehohe- rer Gewinnerzeugung vom freihändigen Verkäufe zurückgehalten werden, während zur Sicherung der Brotgetreide- und Kartoffelvorräte ihre Abschlachtung besonders dringlich ist. Als Richtpreis im Uebernahmefall sind daher Verträge festgesetzt, die nach Preisgebce- ten und Gewichtsklassen abgestuft sind und 6et der Ermittlung der Preise in den Sechen letzten Hauptmarkttagen im Januar 1915 des Marktes des Städtischen Viehhofes in Berlin als Anhalt genommen sind. Die Marktpreise für Schweine hohererGewichtsklagen durften sich dann ohne behördliche Maßnahme von selbst in entsprechender Weise regeln. ,,o ,_ _ Qn Schweine von 80—100 Kilogramm notierten am 30. Januar in Berlin 80—88 M. für den Zentner Schlachtgewicht.
kkieasalieriei.
Die Stimmung der russischen Soldaten.
Der bekannte italienische Korrespondent Magrini schreibt nach dem „B. T." aus Rom aus dem russischen Lager, die russischen Soldaten hätten vor den Kampfmitteln der Deutschen eine geradezu abergläubische Angst. Sie seien überzeugt, die Deutschen stehen mit dem Teufel im Bunde. Ja, die Russen erzählten sich, die Deutschen hätten nicht nur Maschinen, um Schützengräben zu ziehen, sondern auch dämonische Maschinen, um die Verwundeten und Toten auf dem Schlachtfelde aufzulesen! Der Korrespondent weiß viel von Masien- erschietzungen von Juden und Polen zu melden. Die Gefangenen werden völlig ausgeraubt, aber sonst menschlich behandelt, da die Russen keinerlei Haß gegen die Deutschen hegen. Es sollen auch zahlreiche Falle von Wahnsinn im russischen Heer vorkommen, manche Soldaten wollen eine Erscheinung gesehen haben, die Frieden verheißt.
Graue Theorie und feldgraue Praxis.
Die „Bossische Zeitung" erzählt folgendes Geschicht- chen: Ein alter Gymnasialprofessor, der lange Jahre an einer Schule im Osten im Deutschen Unterricht erteilt hatte und wegen seiner strengen Zemuren gefürchtet gewesen war, weshalb viele seiner Schiller es vorgezogen hatten, an einem auswärtigen Gymnasium ihr Examen zu machen, ging eines Tages in Berlin über die Friedrichstraße, als ein junger Feldgrauer grüßend vor ihn: stehen blieb. Er sah den Soldaten fragend an, bis dieser seinen Namen nannte. Erfreut erkannte der Professor einen ehemaligen Schüler und schüttelte ihm die Hand: „Nun, wie geht es Ihnen? Ich habe Sie ganz aus dem Auge verloren. Haben Sie Ihr Examen gemacht?" „Jawohl, Herr Professor s Sie gaben mir immer so schlechte Zensuren im Deutschen, und da bin ich nach Gotha gegangen." „Und was machen Sie jetzt?" „Ich bin bei den Fliegern und war schon in Frankreich und England." „Nun, dann wünsche ich Ihnen, das Sie recht bald das Eiserne Kreuz bekommen." Da knöpfte der Soldat seinen Mantel auf: er hatte bereits das Eiserne Kreuz erster und zweiter: Klasse. Achtungsvoll zog der Professor seinen Hut: „Ich sehe, ich habe Ihnen unrecht getan. Im Deutscheit sind Sie mir doch über!"
Die Mängel des französischen Sanitätsdienstes.
Der Pariser „Excelsior" hat einen Spezialkorre- spondenteu zu den Lazaretten hinter der Front; gesandt, der fest stellt, daß der französische Sanitätsdienst trotz aller Reformversprechungen des Kriegsministers immer noch recht mangelhaft organisiert ist. Der Journalist erklärt, er werde n e den furchtbaren Eindruck vergessen, den ihm die Ankunft von Verwundeten auf zehn wackligen Leiterwagen machte. Die Lazarette sind in gar nicht oder kaum geheizten Räumen und Zelten eingerichtet, in denen das nötigste für die erste Behandlung der Verwundeten fehlt. Es ist den Aerzten unmöglich, auch nur die kleinste Operation auszusühren, obgleich Operationen zur Rettung schwer Verwundeter oft dringend nötig sind. Die Verwundeten warten nach auf Stroh, bis sie weiter . Die Aerzte erklärten dem
oft dringend nötig sind. Die Verwundeten warten nach Anlegung des Verbandes auf Stroh, bis sie weiter transportiert werden können. Die Aerzte erklärten dem besuchenden Journalisten, eine bessere Einrichtung des Sanitätsdienstes sei unbedingt notwendig. Hauptsächlich müsse der Verwundetentransport in Automobilen eAlich organisiert werden. Der Excelsior" teilt weiter mit, eine hohe Persönlichkeit (anscheinend der Herzog von Orleans) habe der franzögschen Armee als Geschenk dreihundert Sanitätsautomobile angeboten; hoffentlich werde der Kriegsminister das Geschenk an- nehmen.
Vermischtes«
Tödlicher Absturz zweier französischer Flieger. Aus Paris wird gemeldet: Zwei eben aus dem Felde zurück- gekehrte jüngere freiwillige Flieger, der zwanzigjährige Pilot Andree Flamand und sein Begleiter, der neunzehnjährige Eduard Aufrere stürzten ab, als sie ihr Flugzeug auf dem Flugfelde Buc.ausprobierten und über den Tribünen bei einer Kurve in eins heftige Bö gerieten. Der Absturz erfolgte aus einer Höhe von ungefähr 80 Metern. Beide Flieger waren sofort tot. .
Brot „unentgeltlich". Ein verhängnisvolles Miß- verstältdnis führte zu einem wahren Ansturm auf einen Bäckerladen in der Berliner Königstraße. Die Bäckerfrau war des Glaubens gewesen, daß-die Brotmarken so gut wie bares Geld seien und meinte, der Staat löse die abgetrennten Markeir später alle gegen die entsprechenden Summen ein. Als nun der Ehemann auf längere Zeit dem Geschäft fern war, verkaufte die Frau Meisterin tüchtig Brot, Gebäck, Mehl usw. gegen Brotkarten. Geld wollte sie von den etwas erstaunten Kunden nicht haben. Vieleicht war auch unter den letzteren mancher, der die Brotmarken für neue staatliche „Münzen" hielt. Als dann der Bäckermeister abends heimkehrte und die Ladenkasse aufzog, um nachzusehen, wie das Geschäft tagsüber gegangen sei, sah er zu seinem Schrecken nicht einen Pfennig, wohl aber einen ganzen Haufen abgetrennter Brotmarken. Natürlich war es sehr bald bekannt geworden, daß in der betreffenden Bäckerei Brot unentgeltlich abgegeben werde, und so gab es einen förmlichen Sturm aus die Bäckerei. Diesmal war aber der Bäckermeister auf dem Posten. Es dauerte nicht lange, so war der ganze Laden ausverkauft, und die nun immer noch Vordrängenöen mußten abgewiesen werden.
Brotrevolten in Neapel. Der seit mehreren Tagen in der Arbeiterbevölkerung Neapels gärende Unmut über die fortwährende Preiserhöhung des Brotes, das in Neapel früher nur 35 Centisimi pro Kilogramm und jetzt 50 kostet, artete am Mittwoch, als der Preis offiziell durch die Stadtverwaltung wiederum um einige Centisimi erhöht werden sollte, in eine richtige Revolte aus. Ueber 1500 streifende Arbeiter zogen brüllend vor das Rathaus und zwangen die meisten Fabriken, sofort ihre Pforten zu schließen. Auch die Straßenbahner wurden genötigt, den Streik mitzumachen. Die sozialisttschen Stadtverordneten haben zum Protest gegen die von der Stadt gutgeheißene Brotpreiserhöhung ihre Demission gegeben.
Wie die Aussen wiilelen.
Im „B. T." schilderte ein Mitarbeiter den Eindruck, den er bei einem Besuch in Marggrabowa nach dem Abzug der Russen gewann. Die Reise erfolgte am 17. Februar. Es heißt in dem Bericht:
Bis Lötzen passierten wir verhältnismäßig wenige, Beim ersten Einbruch der Russen in Ostpreußen zerstörte Ortschaften. Hinter Lötzen, in dem Gebiet östlich der masurischen Seen, welches auch dem zweiten Ansturm der Russen ausgesetzt gewesen ist, ist kein Dorf und keine Besitzung ganz unversehrt geblieben. Trümmerhaufen und Brandstätten bezeichnen die Stellen, wo früher fleißige Landleute und strebsame Gewerbetreibende tätig gewesen sind. Immer banger wurde uns zumute, je näher wir unserer Heimatstadt kamen. Endlich waren wir am Ziel. Werm es- auch schon spät und dunkel geworden war, so konnten wir doch bereits aus einiger Entfernung fehen, daß M. wenig durch Brände gelitten hatte. Auf dem Marktplätze, dem größten in den Städten des Deutschen Reiches, bot sich unsern Blicken das gewohnte Kriegsbild. Proviant-, Muni- tiorlskolonnen und eine große Ntenge Lastautonwbile waren in langen Reihen ausgefahren, dieses Mal aber in tiefe Dunkelheit gehüllt. Nur die Häuser, in denen Einguartierung lag, waren mittels Petroleumlauwen oder Lichter erhellt. Wie wir später festgestellt haben, find nur die Mädchenmittelschule, die auf dem Kirchen- Berg steht, zwei Häuser in der Schlußsätze und einige Hinterhäuser abgebraunt, durch Beschießung nur einige Hintergebäude beschädigt. Was wir dagegen in den Häusern fanden, oder vielmehr nicht fanden, spottet jeder Beschreibung.
Als ich mit den anderen Herren zullächst mein Be» sitztnm betrat, wußte ich nicht, ob ich weinen oder lachen sollte. In der Diele waren die Möbel fort, nur eine mir als Andenken sehr wertvolle Standuhr mit zertrümmerten: Gehäuse vorhanden. Im Kontor und den anderen Geschäftsräumen bot sich unseren Augen ein entsetzliches Chaos dar. Sämtliche Waren, Bücher, Bilder usw. waren fort oder vernichtet. Der Gelöschrank, den ich aus Vorsicht offen gelassen hatte, lag zertrümmert in der Mitte des Kontors. Die elektrischen Beleuchtungskörper waren herabgerissen und zerschlagen, Re- positorieu und Schubläöen umgeworfen und zertrüm- mert. Ganz sprachlos war ich, als wir in die Druckerei kamen. Die Schriftkästen waren aus den Regalen herausgezogen und der Inhalt auf die Erde geschüttet. In den Maschinenräumen suchte ich zwei Schnellpressen vergeblich, sie sind augenscheinlich abmontiert und fort- geschafft worden. Mit der Abmoutiernng des Dieselmotors und des Gashilfsmotors war bereits begonnen, die kleineren Teile nicht mehr aufzufinöen, die großen Stücke lagen herum und hingen noch am Flaschenzug. Dynamomaschinen, elektrische Schaltbretter, Akkumulatoren sind aus den Wänden und aus ihren Fundamenten herausgerissen, entwendet oder vernichtet, die Setzmaschinen buchstäblich in kleine Stücke geschlagen.
In meiner Wohnung, die im ersten Stockwerk desselben Gebäudes liegt, konnte ich an demselben Abend nur flüchtig Umschau halten, fand aber am nächsten Morgen den ersten Eindruck bestätigt. Wie die Skandalen haben die Russen in den Privatwohnungen gehaust. In der oberen Diele war sogar der gemauerte Kamin abgebrochen. Wäsche, Kleider, Betten, Vorhänge, Gardinen, KUchengeschirre, Gläser, Porzellan, Bestecke usw. sind mitgenommen oder vernichtet. Sogar mein schöner Blüthnerflügel hat ebenfalls einen Liebhaber gefunden. Alles, was noch vorhanden ist, befindet sich in einem solchen Zustand, daß eine Wiedervrrwendung, selbst wenn man den Ekel überwinden würde, der einen beim Anblick dieser Astöbel und Gebrauchsgegenstände übcr- korumt, fast gänzlich ausgeschlossen ist. Ebenso, wie hier geschildert, sah es in den Woünugen ud Geschäftsräumen der anderen Herren und überhaupt in allen Wohnungen der Stadt aus. Ueberall dieselbe Verwüstung, aus manchen Wohnungen ist mehr gestohlen, in anderen mehr vernichtet. Die Apotheke und ein großes Eisenwarengeschäft sahen am fürchterlichsten aus. Die großen Läden, namentlich die der Manufakturwarenhändler, hatten die Russen zu Pferdeställen eingerichtet. An: ent- setzlichsten sah es überall in den Küchen, den Baderäu- men und Klosetts aus. Die Feder sträubt sich, die Schweinerei, die in diesen Räumen herrschte, zu schildern.
Schlimmer als in dem 5^reisteile, durch den unser i Weg mt3 führte, wird es in den Teilen östlich der Stadt i aussehen, denn da waren die Verheerungen schon bis 1 zum 5* November ungeheuer.