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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Hersselder

für den Kreis Hersfeld

Wlatt

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Nr. 4».

Sonnabend, den 27. Februar

W15

Abgeordnetenhaus.

Das preußische Abgeordnetenhaus nahm am Donnerstag den Gesetzentwurf auf Erweiterung der Stadtkreise Essen und Oberhausen in dritter Lesung ohne Besprechung an und wandte sich dann der zweiten Beratung des Etats zu, bei dem Etat der Handels- und Gewerbe-Verwaltung. Abg. v. Haffell (kons.) gab seiner Bewunderung für die Leistungen der Industrie Ausdruck und bemerkte, daß der Krieg dem Handwerk die Ueberzeugung beigebracht habe, daß der einzelne allein nichts bedeutet, im Zusammen­schluß aber alles erreicht werden könne. Der Minister möge sich gegen die Einführung eines allgmeinen Moratoriums mit allen Kräften zur Wehr setzen. Da nach dem Kriege die Arbeitsverhältnisse große Schwierigkeiten bereiten würden, müßten die Ar­beitsnachweise ausgebaut werden. Abg. Dr. Beumer (natl.) wünschte bei der Bekämpfung des parasitären Handels die Anhörung der Fachverbände. Der Mangel einer guten deutschen Nachrichtenvermittlung, die dem feindlichen und neutralen Auslande Kenntnis unserer glänzenden wirtschaftlichen Lage geben könne, sei zu beklagen. Abg. Giesberts (Ztr.) wies ebenfalls auf das Handwerk hin, das den gestellten Anforderungen nur habe gerecht werden können durch seine Organi­sationen. Wünschenswert sei, daß auch nach dem Kriege die Behörden mit den Organisationen des Handwerks, der Industrie und der Arbeiter zusammen­gehen möchten. Abg. Dr. v. Woyna (freit) fetzte sich für eine staatliche Hilfe des durch den Krieg stark in Mitleidenschaft gezogenen Baugewerbes auf dem platten Lande ein. Durch die Ausführung von In­stallationsarbeiten durch die Stätte würde das Hand­werk schwer geschädigt. Abg. Rosenow (Fortschr.) führte aus, daß die Industrie und die Arbeiterschaft Großes geleistet hätten. Man könne daher besonders den letzteren den jetzigen guten Verdienst gönnen, zumal da die Lebensmittelpreise höhere geworden sein. Handelsminister Dr. Sydom erkannte die Notwendig­keit des Ausbaus der Arbeitsnachweise an, die vor allem unparteiisch gehandhabt werden müßten. Sehr erfreulich sei die Tatsache, daß die Arbeitslosigkeit be­hoben wäre, daß sie zu Beginn dieses Krieges auch nicht entfernt so groß war als bei früheren Kriegen. Anzuerkennen sei, daß die Gewerkschaften große Mittel zu Unterstützungen aufgewendet hätten. Ein Moratorium hätte die wirtschaftlichen Verhältnisse geradezu auf den Kopf gestellt. Dem parasitären Handel, der sich an die Heeresverwaltung gedrängt habe, sei zu Beginn des Krieges schon energisch ent- gegengearbeitet worden. Den Wünschen des Hand­werks sei dadurch entsprochen worden, daß vor der Vergebung von Arbeiten die Handwerkskammern ge­hört werden sollen. Nur durch den Zusammenschluß könne es den Handwerkern gelingen, mit den größeren Betrieben zu konkurrieren. Bestrebungen, die Fondsbörse wieder zu eröffnen, seien im Gange. Mit Genugtuung stellte der Minister fest, daß Handel und Industrie mit dazu beigetragen haben, Deutsch­land durch den schweren Kamps hindurchzuhelfen (Beifall.) Abg. Hue (Soz.) bezeichnete die amtliche Statistik als unzulänglich, die jetzt behobene Arbeits­losigkeit sei zu Beginn des Krieges viel höher ge­wesen, als die Statistik erkennen läßt. Die Preis­treiberei für Lebensrnittel sei skandalös, dem wucherischen Treiben müsse ein Ende gemacht werden. Der Etat wurde bewilligt. Beim Etat der Berg- und Hüttenverwaltung bemerkte Minister Dr. Sydow, daß für alle Bergleute Arbeit vorhanden sei, ja sogar die Arbeiter fehlten. Eine Lohndrückerei durch Kriegs­gefangene habe nicht stattgefunden. Eine Lohnver- minderung werde bei den fiskalischen Gruben nicht eintreten. Nach kurzen Bemerkungen des Abg. Hue (Soz.) wurde der Etat bewilligt, und das Haus ver­tagte sich auf Dienstag, 2. März: Kultusetat.

Aus der Heimat

* (Die deutsche Turnerschaft und der K r i e g.) Bis jetzt sind über 7500 Mitglieder der Deutschen Turnerschaft den Heldentod fürs Vaterland gestorben. 7800 Turner wurden mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet, davon haben 40 die 1. Klasse er­halten.

*(Ueberwachung verdächtiger Reisen der.) Die Staatsbahnverwaltung fordert ihre Bediensteten in einer Verfügung zur Ueberwachung verdächtiger Personen auf. Es heißt darin u. a.:Noch immer besteht der Verdacht, daß feindliche Agenten Deutsch­land bereisen, von denen die Zerstörung von Eisen­bahnbauten und sonstigen Anlagen zu gewärtigen ist. Besondere Aufmerksamkeit und Wachsamkeit ist daher auch ferner geboten, um feindlichen Anschlägen recht­

zeitig und wirksam zu begegnen." Verdächtige Rei­sende sollen angehalten und der vorgesetzten Behörde oder der Polizei zugeführt werden.

):( Hersfeld, 25. Februar. Es ist daran gelegen, die zum Teil sehr wertvollen Berichte der Kriegsteil­nehmer über ihre Erlebnisse im Felde mehr als bisher für Veröffentlichungen durch die Presse und weiterhin für die spätere Geschichtsschreibung nutzbar zu machen. Schon vor einiger Zeit sind zu diesem Zwecke im Bereiche des XI Armeekorps drei Kriegs­nachrichten - Sammelstellen errichtet worden, (Nr. 1 in Göttingen, Nr. 2 in Jena, Nr. 3 in Marburg), zu denen von den wissenschaftlichen Hochschulen dieser Orte in dankenswerter Weise Mitarbeiter freiwillig sich angeboten haben. Die Einrichtung und der Zweck dieser Kriegsnachrichten-Sammelstellen scheinen aber nicht hinreichend bekannt geworden zu sein. Denn bis jetzt sind nur verhältnismäßig wenig Kriegsbe­richte aus Privatbesitz eingegangen. Es wird daher nochmals allgemein dazu aufgefordert, Kriegsnach­richten und Kriegsurkunden aller Art den Sammel- stellen^zuzuführen. Erforderlich ist es, die Urschriften selbst einzusenden. Wollen die Besitzer auf die Ur­schriften nicht verzichten, so erhalten sie sie zurück, nachdem eine Abschrift genommen, und in wichtigen Fällen beglaubigt ist. Geeignete Berichte oder Aus­züge aus ihnen sollen alsbald veröffentlicht werden; doch steht es den Besitzern auch frei, die Veröffent­lichung ganz oder teilweise zu verbieten. Alle Be­richte und Urkunden, auch die nicht veröffentlichten, werden zu späterer geschichtlicher Verwertung aufbe­wahrt. Hierbei wird bemerkt, daß oft gerade d i e Teile eines Berichts, die aus naheliegenden Gründen jetzt unveröffentlicht bleiben müssen, später besonders wertvoll werden. Hervorgehoben wird, daß im Armeekorpsbereich nur die Kriegsnachrichten- Sammelstellen zum Sammeln von Kriegsberichten und Kriegsurkunden ermächtigt sind, und daß die Behörden sie hierbei unterstützen. Jede andere der­artige Sammeltätigkeit, wie solche in letzter Zeit wiederholt und meist mit nicht ganz uneigennützigen Absichten hervortrat, ist unerlaubt. Bei dem vater­ländischen Sinn aller Besitzer von Kriegsberichten und Kriegsurkunden ist zu erwarten, daß sie die Tätigkeit der Kriegsnachrichten-Sammelstellen in jeder Hinsicht zu unterstützen gern bereit sein werden.

§ Hersseld, 25. Februar. Die engl ischen und schottischen Eisenbahngesellschaften haben die Fracht­freiheit für die als Liebesgaben und Beihilfen für Kriegsgefangene bestimmten Gegenstände zugesichert. Die Sendungen an deutsche Kriegsgefangene in Eng­land müssen über Vlissingen-Folkestone abgefertigt werden, die deutlich sichtbare AufschriftPrisonner of War", die Adresse des Gefangenen mit dem Namen des Jnternierungslagers und den VermerkCO. South Eastern and Chatham Railway Company's Agent, Folkestone Harbour" erhalten. Die Eisenbahnen in Irland haben keine Frachtvergünstigung zuge­standen.

):( Hersfeld, 26. Febr. (Aus der Verlustliste Nr. 158.) Res. Jnf. Rgt. Nr. 56. Res. Georg Kirschner, Heimboldshausen, Hersfeld L v.

Cassel, 24. Februar. Hilferufe wurde« gestern vormittag von demDache eines HausesderHolländischen Straße aus vernehmbar. Der Maurer Wilke, der in dem Hause Reparaturarbeiten ausführte, eilte auf deu Bodeu hinauf, dort bemerkte er, daß ein Handwerks­meister in einer engen Dachfensteröffnung fest einge­klemmt war. Es gelang ihm nach langen Mühen, den Handwerksmeister, der Rippenquetschung davonge- tragen hatte, aus der unangenehmen Lage zu befreien.

Eschwege, 25. Februar. Den wichtigsten Be- ratungspunkt in der letzten Stadtverordneten sitzung bildete die Gründung einer Frauenschule am hiesigen Lyzeum. Die einmaligen Ausgaben für Einrichtung einer derartigen Schule würden sich auf etwa 5700 Mark stellen, die laufenden Ausgaben auf 7420 Mark. Man hielt die Gründung einer derartigen Schule mit Rücksicht darauf, daß die Einrichtung einem großen Teile der Bürgerschaft zugute komme, für begrüßens­wert, war aber der Ansicht, daß die jetzige Zeit dazu nicht geeignet sei. Die Vorlage wurde einer Kommission zu kurzfristiger Prüfung überwiesen. - Der städtische Haushaltungsplan für 1915 wird keine Steuerer­höhung bringen, vielmehr die alten Satze (210 Prozent) beibehalten.

Hedemüuden, 24. Febr. Auf bis jetzt unaufge­klärte Weise brach gestern Abend gegen 10 Uhr aus dem Weitemeyerschen Gehöft Feuer aus, das in den Scheunen des Landwirts Weitemeyer und der Witwe Aemmermann reichliche Nahrung fand und diese wie auch einen großen Teil der Stallungen einascherte. In größter Gefahr schwebte auch das Kaufmann Reutingsche Anwesen, nur durch die herrschende Wind­stille und durch vorzügliches Arbeiten der beiden hiesigen Feuerwehren konnte dasselbe unversehrt bleiben. Lebendes Inventar scheint den Flammen nicht zum Opfer gefallen zu sein. Gegen 1 Uhr nachts war die Gefahr eines weiteren Umsichgreifens des Feuers behoben.

Allendorf a. W., 24. Februar. Welcher Geist die als Kriegsgefangene nach Japan gebrachte Besatzung von Kiautschou beherrscht, geht aus folgendem hier eingetroffenen Brief hervor:Schon sehr lange habt Ihr von mir nichts mehr gehört und mein Schicksal war Ench unbekannt. Diese Zeilen, die ich am heiligen Weihnachtsfest an Euch richte, sollen Euch alle aus der Ungewißheit herausbringen. Aus den heimischen Zeitungen habt Ihr ersehen, welcher Kampf um Tsingtau tobte und gewiß habt Ihr auch schon gehört, daß unsere schöne Kolonie am 7. November morgens im Sturm genommen wurde. Von Anfang bis Ende machte ich den schweren Verteidigungskampf mit, ohne verwundet zu werden. Beim Sturme wurde ich am 7. November 7,30 Uhr morgens von den Japanern gefangen genommen. Am 15. November kamen wir in unserem AufenthaltsorteKurume" an. Kurume liegt auf einer nördlichen Insel Japans, die Kiuska heißt. Wenn Ihr auf der Karte nachsucht, so werdet Ihr diese Insel gegenüber von Korea finden. Mir geht es den Verhältnissen entsprechend gut. Das Schlimmste bei der Geschichte ist, daß ich hier untätig zusehen muß, wie in Frankreich die Engländer so prachtvoll verhauen werden. Denen möchte ich so gern noch etwas heimzahlen.---Der Krieg verlangt von jedem Deutschem große Opfer. Die müssen gebracht werden, damit das Vaterland endlich Ruhe vor seinen Feinden hat. Birgt es doch etwas Feierliches in sich, für das Vaterland Gut und Blut hergeben zu können. Dieser Gedanke beherrscht ja auch ganz Deutschland.---" Der Briefbogen, auf den diese Zeilen geschrieben worden, ist ein Weihnachtsgeschenk des Japanischen Christlichen Jünglingsvereins und ist mit folgendem Aufdruck versehen: Gott ist meine Zuversicht und Stärke eine Hilfe in großen Nöten."

Marburg, den 24. Februar. Ein Aufruf an die Marburger Studenten. Kommilitonen! Ihr wißt, daß Deutschlands Feinde, da sie ihm mili­tärisch nicht gewachsen sind, versuchen, uns durch Hunger niederzuzwingen. Auch den Studenten, die nicht mit Waffen dem Vaterland dienen können, er­wachsen daraus Pflichten, doppelte Pflichten, da sie wie alle Gebildeten aufklärend wirken und dem Volk mit gutem Beispiel vorangehen sollen. Darum helft mit, Euere Lebensweise dem anzupassen, was unsere Landwirtschaft und die verarbeitenden Gewerbe heu­te, wo Deutschland isoliert steht, zu bieten vermögen. Seid sparsam mit den Lebensmitteln, in denen unsere Vorräte knapp sind, vor allen mit Brot und Fleisch. Laßt nichts von den Nahrungsmitteln, die Ihr vom Elternhause erhaltet, verkommen. Eßt Kriegsbrot, nicht Weißbrot! Mit ersterem sind wir genügend, mit letzterem nur ungenügend versorgt. Beschränkt Euch im Genuß von Fleisch und Fett! Denn da uns Futtermittel fehlen, wird in den nächsten Monaten besonders das Schweinefleisch und die Butter knapp und teuer werden. Bevorzugt auch in den Gast- und Verbindungshäusern vegetabilische Kost. Kartoffeln und Mehlspeisen bieten neben Gemüse und Milch ei­ne vollauf genügende Ernährung! Ihr könnt durch die Art Euerer Nachfrage jeder zu seinem kleinen Teil mitwirken, daß die Wirte sich dem Ernst der La­ge anpassen. Zucker ist in Menge vorhanden und kei­neswegs nur Genußmittel, sondern ein gehaltreicher Nahrungsstoff. Daß auch die Alkoholproduktion ein­geschränkt worden ist, damit deren Rohstoffe, viel mehr als bisher, der menschlichen und tierischen Ernährung zugeführt werden können, ist Euch bekannt. Vor Ex­zessen im Trinken brauchen wir in dieser ernsten Zeit nach den guten Erfahrungen des verflossenen Winters kaum mehr zu warnen. Aber darüber hinaus wird sich jeder Einzelne dauernd bewußt bleiben müssen, daß er durch sein eigenes Verhalten, also durch frei­willige Beschränkung des Alkoholverbrauches. die Zie­le der eben erwähnten Maßnahmen noch in höherem Grade sichern kann. Das alles sind kleine Opfer. Unsere Truppen schützen mit dem lebendigen ^>all ihrer Leiber das Vaterland vor den Waffen und der Verwüstung der Feinde. Unsere, der Daheimgeblie- benen ernste Aufgabe ist es, unser Volk vor einem Hungerfrieden zu bewahren.

Fulda, 25. Februar. Im hiesigen Laudkrankenhause verstarb der 13jährige Schüler Oscar Hübner von Schleide. Er hatte sich durch Fahrlässigkeit mit einem Teschin derartig schwere Verletzungen im Unterleib zugezogen, die den Tod des Jungen zur Folge hatten.

Aus Nassau, 25. Febr. Einer der bekanntesten unter den evangelischen Geistlichen Nassaus, Pfarrer Todt in Oberneiien, ist jetzt gestorben und in Mainz eingeäschert worden. Er ist der erste Geistliche unseres Bezirks, der durch Feuer bestattet wurde.

Verschwendet kein Brot! Jeder spare, so gut er taun.