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Die GarivaManer kampsttnfaNg.

Die Legion der Garibaldianer, die bisher in den Argonnen kämpfte, wurde nach einer Genfer Meldung desHa. Ku." von der Front zurückgezogen und ist, wie es heißt, nach Bar-sur-Aube gebracht worden, da sie infolge großer Verluste an Offiziere und Mannschaften kampfunfähig geworden war. Wahrscheinlich werden die Garibaldianer jetzt in Reserve gehalten, bis der Krieg in Frankreich einen anderen Charakter angenom­men hat, da sie sich für den Erdkrieg als untauglich er­wiesen haben.

Ein spätes britisches Geständnis.

Nun endlich gibt das britische Auswärtige Amt selbst zu, daß dieschönen" Geschichten über deutsche Greuel" in Belgien samt und sonders erfunden seien. In einer Mitteilung an die amerikanische Botschaft in London wird gesagt, daß von den Tausenden belgischer Flüchtlinge, die gegenwärtig in England lebten, nicht ein einziger von den deutschen Soldaten grausam behan­delt worden sei. Die britische Regierung habe alle Er­zählungen über solche Schandtaten sorgfältig untersucht, und das Ergebnis dieser Untersuchung sei, daß die An­klagen auf Hysterie oder auf Vorurteil zu beruhen scheinen.

Man sieht, die Herren in London drücken sich immer noch etwas vorsichtiger aus,' die Anklagenscheinen" ihnen nur falsch zu sein. Aber mit diesen vorsichtigen Worten will man nur den Rückzug etwas maskieren. Nachdem man monatelang Gift und Galle gespien hat, bringt man es nicht über sich, mit einem Male alle diese Entrüstung für Humbug 3« erklären.

Der Balkan.

Rumänien, Bulgarien und Griechenland.

Der PetersburgerNowoje Wremja" wird aus Bu­karest gemeldet, Rumänien habe die Berechtigung der bulgarischen Ansprüche auf Mazedonien anerkannt. Ferner habe der bulgarische Gesandte in Bukarest er­klärt, infolge der entgegenkommenden Haltung des ru- mänifchen Kabinetts Bratianu dürfte auch Griechenland in absehbarer Zeit seinen unnachgiebigen Standpunkt in der mazedonischen Frage aufgeben. Die Stellung Rumäniens hat nach der gleichen Quelle ein rumäni­scher Staatsmann einem neutralen Diplomaten gegen­über mit folgenden Erwägungen begründet:

Ein Sieg des Dreiverbands würde sowohl Rußland wie Serbien gewaltige Gebietserweiterungen bringen. Damit wäre eine unbestreitbare russisch-serbische Vor­herrschaft auf dem Balkan geschaffen. Unter solchen Verhältnissen würden Rumänien, Bulgarien und Grie­chenland in gleicher Weise zu leiden haben. Unsere Re­gierung weiß aus zuverlässiger Quelle, welche Pläne der Dreiverband über die Teilung der Türkei und das Schicksal der Meerenge aufgestellt hat. Rumänien, Bulgarien und Griechenland würden unter diesen Um­ständen zu willenlosen Werkzeugen in der Hand des allmächtigen Rußlands herabgedrückt werden. Ist es danach nicht verständlich, daß das von der moskowitischen Gefahr bedrohte Rumänien: eine Annäherung an das nach den Erfahrungen des zweiten Balkankrieges wenig slawenfreundliche Bulgarien sucht? Ein aus Rumänien, Bulgarien und Griechenland bestehender Balkanblock würde ein nicht zu unterschätzendes Gegengewicht gegen den russisch-serbischen Einfluß bilden Mit der Lösung der Dardanellenfrage im russischen Sinne würde Grie­chenland in dieselbe Lage wie Rumänien geraten. Beide Länder verlören jeglichen Einfluß auf den Gang der Balkanpolitik. Deshalb trete die Notwendigkeit einer Annäherung an Bulgarien ebenso wie für Rumänien auch für Griechenland von Tag zu Tag stärker hervor.

Nowoje Wremja" veröffentlicht nach derMag- deb. Ztg." einen scharfen Artikel gegen Rumänien, das die russischen Hoffnungen so arg getäuscht habe. Dieses übelste Hetzblatt Rußlands wirft der rumänischen Re­gierung vor, daß sie die nationalen rumänischen In­teressen nicht gewahrt habe, und schließt mit der Bemer­kung, daß Rußland nunmehr Rumamen zu seinen Fein­den zählt.

Die Versorgung mit Mehl.

Amtlich wird mitgeteilt: Die Kriegsgetreidegesell- schaft m. b. H. hat auf die häufigen Anträge von Kom­munalverbänden um Ueberlassung von Mehl durch das Wolffsche Telegraphenbureau zur Kenntnis gebracht, daß diesen Anträgen stattzugeben nicht Aufgabe der Krtegsgetreidegefeufchaft sei. Die Kriegsgetreidegesell- schaft macht wiederholt darauf aufmerksam, daß noch große Mehlvorräte im Lande vorhanden sind. So ha­ben Mitglieder des Vereins deutscher Handelsmuller nach einer heute gemachten Mitteilung der Geschäfts­stelle desselben über zehntausend Tonnen Mehl zur Verfügung, die an notleidende Kommunalverbände ab­gegeben werden können. Es wird weiterhin darauf hin­gewiesen, daß auf Grund der Bundesratsverordnung vom 18. d. M. die Landeszentralbehörden oder die von diesen bestimmten Behörden im Falle eines dringen­den wirtschaftlichen Bedürfnisses gestatten können, daß Mühlen Weizenmehl in anderer Mschung, als bisher vorgeschrieben, abgeben dürfen, daß Werzenbrot aus einer Mischung hergestellt wird, die weniger als dreißig Gewichtsteile Roggenmehl und hundert Teilen des ge­samten Gewichtes enthalt, und an Stelle des Roggen­mehlzusatzes Kartoffeln oder andere mehlartige Stoffe verwendet werden. Durch diese Verordnung wird dem augenblicklichen Bedarf der Kommunalverbände nach Roggenmehl wohl wirksam gesteuert werden, da auf diese Art und Weise der Verwendung des Weizenmehls ein wesentlicher Spielraum gelassen ist. Es wird auch daran erinnert, daß nach § 5 Absatz 4 der Bekanntma­chung über die Bereitung von Backwaren vom 5. Ja­nuar 1915 die Landeszentralbehörden gestatten können, daß bei der Bereitung von Roggenbrot das Roggenmehl bis zu dreißig Gewichtsteilen durch Weizenbrot ersetzt wird.

kciegsallerlel.

Das erfreuliche Ergebnis der Reichswollwoche, das im ganzen Deutschland gleichmäßig herovrgetreten ist, hat sich auch in den Landesteilen gezeigt, die vom Feinde besetzt oder am meisten bedroht sind. So wird aus Ostpreußen gemeldet, daß das Ergebnis in Allen- stein ein sehr günstiges ist und auch aus Elsatz-Lothrm- gen liegen ähnliche Nachrichten vor. Dem Kriegsaus­schuß für warme Unterkleidung sind z. B. aus dem Reichslande aus Colmar (der Heimat des Landesver­räters Blumenthal) zwei Waggons Woll- und Tuch­sachen zugegangen. Solche Sendungen haben auch ge­liefert Saaburg, Diedenhofen und Bolchen und 10- gar der Kreis Thann, der bekanntlich unmittelbar im Operationsgebiet liegt.

Eine kaiserliche Mahnung.

Der Kaiser erklärte während seiner Anwesenheit in Lötzen dem Kommandanten der Feste Boyen gegen­über im Tone ernster Mahnung, er erwarte von jedem Deutschen, daß er in dieser Zeit mit Nahrungsmitteln sparsam Haushalte, namentlich mit Kartoffeln. Letztere dürfen keinesfalls als Webfutter dienen.

Die Beamtenfamilien Tfingtaus in Neapel angekommen.

DasB. T." berichtet aus Rom: Aus Neuyork kam in Neapel der DampferEuropa" mit einer Anzahl deutscher Beamtenfamilien aus Tsingtau an. Die armen Frauen und Kinder wurden nach der Besetzung Kiautschous mit einem Transportdampfer nach Kalifor­nien gebracht, aber unweit San Franzisko scheiterte der Dampfer, und die Insassen konnten mit genauer Not von einem amerikanischen Kriegsschiff gerettet werden. Die Reise der Bedauernswerten nahm drei Monate in Anspruch.

Die entflohenen Russen reumütig zurückgekehrt.

Die vier aus dem Gefangenenlager bei Döberitz entflohenen Russen sind nach dreitägiger Frist reumü­tig zurückgekehrt. Sie haben, wie dieNeue Pol. Korr." mitteilt. nur wenig frische Luft schnappen wollen und ernstliche Fluchtgedanken überhaupt nicht gehabt. Sie haben drei Tage und zwei Nächte dicht bei Döberitz im Walde gelegen und sehr unter Hunger gelitten. Obwohl sie Geld hatten, wagten sie es doch nicht, sich Lebens­rnittel zu kaufen. Als sie wieder in Döberitz ankamen, konnten sie vor Hunger und Ermattung die ihnen ge­reichte Suppe zunächst gar nicht genießen. . Der eine der Flüchtlinge ist ein krusinischer Fürst, zwei sind Ein­jährige, und der vierte ist Unteroffizier. Sie erklärten ihre Flucht selbst als Dummheit und bereuten sie. Sie werden lediglich disziplinarisch bestraft und jeder schar­fer zur Arbeit herangezogen werden als bisher.

Willkommene Beute.

Aus einem Feldpostbrief teilt dieFranks. Ztg." folgendes mit:Glaubt nicht an die Schwindelberichte der sattsam bekannten Agenee Havas üßer zu Gunsten der Franzosen entschiedene Luftkämpfe., Bisher hat unsere jüngste und beliebte Waffe erwiesen, daß wir auch in der Luft den Franzosen mindestens ebenbürtig sind. Geht da nachmittag hinter unserer Linie in der Richtung auf Ch. zu ein feindliches Flugzeug nieder, das zu' einer Notlandung gezwungen war. Sofort sprangen unsere in der Nähe köhlernöen Soldaten be­herzt mit ihrem Gewehr hinzu und verhinderten einen Wiederaufstieg. Der Führer und sein Beobachter (ein Artillerieoffizier) wurden gefangen genommen und um Material erleichtert. Ich war bald- darauf zur Stelle. Ein funkelnagelneuer Eindecker, etwa 20 000 Mk. wert, war uns in die Hände gefallen. Eine Stunde später war die wertvolle Beute schon auf drei Autos abmon­tiert und wurde nach unserem Generalkommando ge­schafft. Die feindlichen Flieger werden inzwischen schon über den Rhein sein, aber anders als sie. dachten. Der eine öeutschsprechende Offizier hat die kohlernden Soldaten gefragt:Sind Sie Bayer?" wahrscheinlich, weil sie mächtigeAltekriegerbärte" hatten.Joa! war die kurze Antwort. Sogar die französischen Flieger müssen vor den Bayern mächtigen Dampf haben'

Kaiser Franz Josef an die Kinderwelt seines Reiches.

Der greise Kaiser Franz Josef hat einen ergresien- den Brief an die Kinderwelt seines Reiches gerichtet. Er gehört wohl zu den schönsten Dokumenten, die der Weltkrieg gezeitigt, zu den schönsten auch, die der ehr­würdige Monarch in seiner langen Regierungszeit er­lassen hat. Er lautet: ,

An die lieben Kinder unsres Reiches.

Wenn ich an der Schwelle des Grabes in so ernster Stunde an Euch Mich richte, geliebte Kinder, geschieht es aus mehrfachen Gründen. Einmal wäret ihr immer die Freude, der Trost, ja oft in schweren Zeiten. Meines langen Lebens der einzige Trost und die einzige Freude Eures Kaisers und Königs. Wenn ich Euch sah, traf Mich in den Schatten meines Dßseins wieder ein Sonnenstrahl. Ihr seid es, Kinder, die dem Herzen Eures Kaisers und Königs am nächsten stehen, die Blu­men meines Reiches, die Zierde meiner Völker, der Segen der Zukunft. ,

Aber nicht bloß Eurem Kaiser und Konig steht Ihr am nächsten, noch einem, vor dem auch die Mächtigsten dieser Welt hilflose Geschöpfe sind, Gott, unserm Herrn, in Eurem Auge strahlt noch das Licht des Schöpfungsmorgens, um Euch ist noch Paradies und Himmel. Gott ist allmächtig, in feiner Hand liegt das Schicksal der Völker. Seinem Willen beugt sich alles, nach ihm lenken sich die Sterne und die Menschen.

Daß diese allmächtige Gotteshand Oesterreich-Un­garn hüte und bewahre, es über seine zahlreichen Feinde siegen und im Siegen erstarken lasse, zu Gottes Ehre und Verherrlichung, das ist noch das einzige, was Mir nach einem an Trübsal reichen Leben zu wünschen übrig bleibt. Es war Mein Wunsch, als Ich so jung und hoffnungsselig auf den Thron Meiner Väter stieg, es wird der Wunsch sein, der bald vielleicht auf Meinen sterbenden Lippen als das Wort der letzten Liebe und Sorge für Meine Länder, Meine Völker verweht.

Gott lenkt alles so, wie er es will. Wir Menschen vermögen nichts außer ihm und ohne ihn. Da Ihr, liebe Kinder, Gott zunächst steht, bittet Euch Euer Kaiser und König, betet, daß er uns segne und unsrer Sache seine Gnade schenke. Gott erhört das Gebet der Unschuld, weil er sie liebt, in ihr sein Bild erkennt. Darum lasset nicht ab, zu beten mit gefalteten Händen, Ihr Kleinen und Ihr Kleinsten.

Wenn des Reiches Kinder für ihr Vaterland beten, weiß Ich, unser Stern steht gut. Dann seid Ihr mit teilhaftig am Sieges- und Ehrentage des Reiches. Ihr habt den Segen herabgefleht auf unsre Fahnen, auf unser Heer. Liebe Kinder, vergesset nicht das Reich, dem Ihr aus Erden zugehört, und seinen alten Kaiser."

Politische Rundschau.

Abgeordneter Heine über die politische Zukunft Deutschlands. In einer großen Volksversammluug in Stuttgart sprach Montag abend der sozialdemokratische Abgeordnete Heine über die polstyche Zukunft Deutsch­lands. Er betonte, daß jeder vorzeitig unternommene Schritt zur Herbeiführung des Friedens mehr schaden als ntttzen könnte. Notwendig sei jetzt vor allen Dingen Vertrauen zu den deutschen Waffen und dem Friedens­willen des Deutschen Kaisers. Zweunal habe der Kai­ser in den letzten Jahren durch sein starkes Eingreifen uns den Frieden gesichert. Ganz unbeschadet der Ge­gensätze zu der Politik des Kmsers müsse man heute erklären: Im jetzigen Augenblick kann man dem Kaiser- vertrauen. Wenn es sich darum handeln sollte, den Krieg durch einen Frieden zu beendigen, der nicht den Keim zu neuen Konflikten in sich tragt, dann wird die deutsche Sozialdemokratie in diesen Bemühungen dem Kaiser und dem Kanzler zur Seite stehen.

Vermischtes.

Ein neuer Weihbischof von Posen. Wie dieSchle- sische Volkszeitung" erfährt, hat der Papst den Seminar- Reaeiä, Domherrn und Prälaten Dr. Jedzink-Posen zum Weihbischof von Posen ernannt. Kurz vorher war Dr. Jedzink durch Allerhöchste Entschließung zum Dom- propst von Posen ernannt worden.

Kein Brot ohne Brotkarten mehr. Vom vergaß genen Montag früh ab erhält niemand in den Bäcker­läden oder in sonstigen Läden Grotz-Berlins Brot und Getreidemehl, wenn er nicht seine Brotkarte vorweist und den entsprechenden Abschnitt trennen läßt. Die Berliner Brotkarten und wohl die der meisten Nachbar­orte sind jetzt sämtlich in die Hände der Hausbesitzer ge­langt. Den Hausbesitzern lag es ob, die Karten sofort nicht erst am Montag sämtlichen Mietern auszu- händigen, und zwar für jedes Mitglied des Haushaltes zwei Karten. Die eine Karte ist rotgestreift und gilt für die erste Woche, die zweite Karte ist blaugestreift und gilt vom 1. bis' 7. März. Der Empfang der Brotkarten mußte durch Quittung des Haushaltungsverstandes be­stätigt werden.

Derwilde Mann" als Kaiser von Rußland. Ein Einbrecher, der den Geisteskranken spielt, wurde von der Schönberger Kriminalpolizei verhaftet. Es handelt sich um den 50 Jahre alten Händler Paul Wischinsky, -der dabei verhaftet wurde, als er einen Einbruch in eine Schlächterei verübte. Der Einbrecher hatte die Schaufensterscheibe mit einem Stein zertrümmert und war so in den Laden gedrungen. Bei seiner Verneh­mung auf dem Schöneberger Polizeipräsidium erklärte der Verhaftete, er sei der Kaiser von Rußland und könne machen, was er wolle. Wie inzwischen festgestellt wurde, fällt dem Verbrecher eine ganze Reihe von Einbrüchen, die in der letzten Zeit ausgeführt wurden, zur Last.

Wie hinüenburg Heu Oberbefehl im Osten erhielt.

Vielfach ist der bedeutsame Vorgang geschildert wor­den, wie Hindenburg den Oberbefehl im Osten erhielt» wo er so ungeheure Erfolge haben sollte, aber, wie der KorrespondenzHeer ntro Politik" von militärischer Seite geschrieben wird, alle bisherigen Darstellungen haben das eine gemeinsam, daß sie in den hauptsächlich­sten Zügen nicht richtig sind. Es ist klar, daß das Deutsche Volk gerade diesem Vorgauge im Weltkriege ein gewaltiges Interesse entgegenbringt, das mit jedem neuen echtenHindenburgsiege" immer wieder wächst. In der ersten Zeit, als Hindenburg den Oberbefehl er­halten hatte, wurde berichtet, daß Ludendorff zu ihm kam, und daß Hindenburg sich anfangs weigerte, diesen Oberbefehl zu übernehmen. Eine Reihe anderer Dar­stellungen wussten wieder andere Einzelheiten mitzutei- len. Tatsächlich hat aber Hindenburg weder seinen Ge- neralstabsches Ludendorff weder in seiner Wohnung in Hannover gesehen, noch hat er von ihm die Mitteilung erhalten, daß er zum Oberbefehlshaber der Ostarmee ernannt worden sei. Anfangs hat Hindenburg über­haupt keine näheren Mitteilungen üßer die Art seiner Verwendung bekommen. Er erhielt nur am 23. August 1914 um 4 Uhr nachmittags einen telegraphischen Be­fehl, sich für den Krieg bereit zu machen. Um 3 Uhr nachts sollte er zu diesem Zwecke in einen Extrazug steigen, der durch Hannover um diese Zeit fahren würde, um ein hohes Kommando zu Übernehmen. Worin die­ses Kommando bestand, war in dem Telegramm nicht des näheren ausgeführt. Dagegen war darin weiter mitgeteilt, daß sich in dem Extrazuge sein künftiger Chef des Generalstabs befinden würde, der ihn über die Lage aufklären würde. Dieser Chef des Generalstabes, der sich in dem Extrazuge befand, war, wie heute jeder weiß, der damalige Generalmajor Ludendorff. Hier nachts um 3 Uhr trafen sich Hindenburg und Ludendorff zum ersten Male vor der folgenschweren Reise nach dem Osten. So erhielt Hindenburg den Oberbefehl im Osten. Im Anschluß daran seien noch einige Hindenburg- märchen aus der Welt geschafft, die den Weg in die Öffentlichkeit gefunden hatten. Ein Berliner Blatt er­zählte eine längere Geschichte vonHindenburgs Hun­den". Ein Unteroffizier sollte angeblich russische Hunde nach Hannover gebracht haben. Diese Geschichte ist von Anfang bis zu Ende erfunden. Ferner wurde in einem Wiener Blatt erzählt, wie Hindenburg einer Dame als Gepäckträger diente. Die Mitteilung stammte von der Dame selbst. Auch diese Geschichte ist nicht richtig, wenn es sich nicht um eine Verwechselung mit einem anderen Hindenburg handelt.

Weitere Drahtnachrichten.

Ein Tagesbefehl an das ostprentzische Korps.

Königsberg i. Pr., 23. Februar. (WTB.) o Der Kommandierende General des ersten Armeekorps hat am 16. Februar einen Tagesbefehl erlassen, in dem er darauf hinweist, daß das Armeekorps am 13. und 14. Fe­bruar unter den Augen des Allerhöchsten Kriegsherrn gekämpft habe. Seine Majestät habe im wiedererober­ten Lyck dem 33. Füsilierregiment seine Anerkennung für die bewiesene Tapferkeit ausgesprochen, habe ihn aber beauftragt, auch den übrigen auf dem dortigen Kriegsschauplätze sümpfenden Truppen des ersten Ar­meekorps feine Anerkennung auszusprechen. Berech­tigter Stolz über den hohen Gnadenbeweis verpflichte auch fernerhin, das Beste daranzusetzen, um das Ver­trauen Seiner Majestät zu rechtfertigen und den Geg­ner zu Boden zu schlagen, daß er nie mehr wage, feinen Fuß in deutsches Land zu setzen.

Das Kriegsztel.

»^ Berlin, 23. Februar. (WTB.) DieNord­deutsche Allg. Ztg." schreibt: Unsere Ausführungen über das Kriegsziel sind in der Presse vielfach kommentiert worden. Es handelt sich um wohlerwogene Beschlüsse der politischen und militärischen Leitung, denen zufolge eine Diskussion der künftigen Friedensbedingungen als gegenwärtig noch unzulässig zu behandeln ist. Irrig ist eine schon mehrfach z. B. in der ,,Krt,uzzeitung aus­gesprochene Ansicht, daß die Reichslertung bet der Re­gelung der Friedensfrage die Mitwirkung des Volkes ausschließen wolle. Wir haben vielmehr ausdrücklich betont, daß die Regierung, wenn der Zeitpunkt ge­kommen ist, dankbar sein wird, von einem störten Volkswirten gestützt zu sein. Es handelt sich hier also lediglich um die Frage des richtigen Zeitpunktes, der

durch die militärischen Ereignisse bestimmt werden

nur

kann. _

Die chinesisch-japanische Spannung.

Stockholm, 23. Februar. (T. U.) DenTimes" wird nach demB. T." aus Peking gemeldet: Die chine­sische Regierung hat der japanischen Sondergesandtichaft mitgeteilt, sie sei bereit, Verhandlungen mit Japan wegen der zwölf japanischen Forderungen auzunehmen. Die japanische Sondergesandtschaft holte telegraphische Anweisungen von ihrer Regierung in Tokio ein und antwortete sodann. Japan verlange, daß die Vorhand» lungen alle Forderungen Japans umfassen solle«. Juanschikai erwiderte, daß er an seinem Beschluß fest- Halte. Er könne sich nicht in Verhandlungen über For­derungen einlassen, die in Chinas Souveränität und in Verpflichtungen mit anderen Präckten eingreifen.