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Hersfelder Tageblatt

für den Kreis Hersfeld

Äreisölatt

Amtlicher Anzeiger ^^

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be-

zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei $Vl5|uOCt Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Nr. 46.

Mittwoch, den 24. Februar

1915

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.

Bus der Heimat.

§ Hersfeld, 23. Februar. Vom 22. F e b r u a r d. I. ab werden die Privatpakete und Pr iv a tfracht- stücke an Angehörige der im Felde stehenden Truppen des Landheeres nur noch auf dem Wege über die Militär-Paketdepots befördert. Alle sonstigen Beförderungsarten werden aufgehoben. Für den Paketversand an Marineangehörige gelten besondere vom Reichs-Marineamt erlassene Vorschriften. Pakete für die beim Feldheere befindlichen Marinetruppen sind an die Paketsammelstelle des 1. Ersatz-Seebataillons in Kiel oder die Paketsammelstelle der 2. Torpedo­division in Wtlhelmshaven zu senden, jenachdem der Empfänger aus dem Ostsee- oder Nordseestationsbe­reiche ins Feld gerückt ist. Pakete bis zum Gewicht von 10 Kilogramm werden bei allen deutschen Post­anstalten im Jnlande angenommen. Porto: bis 5 Klg. 25 Pfg., bis 6 Klg. 30 Pfg., bis 7 Klg. 35 Pfg., bis 8 Klg. 40. Pfg., bis 9 Klg. 45 Pfg., bis 10 Klg. 50 Pfg. Größere Güter im Gewicht von über 10 Klg. bis 50 Klg. sind bei den Eisenbahneilgut- und Güter­abfertigungen aufzuliefern, die sie zu den üblichen Frachtsätzen bis zu den zuständigen Militärpaketdepots befördern. Die Fracht (nebst 25 Pfg. Rollgeld) ist bei der Aufgabe zu entrichten. Die Kosten für die Weiterbeförderung ab Militärpaketdepot trägt die Heeresverwaltung. Privatsendunge^ (..^-Gewicht von mehr als 50 Klg., eingeschriebene und Wertpakete, ebenso,Liebesgaben" .(das heißt Pakete oder Fracht­stücke ohne persönliche Adresse) werden von den Militärpaketdepots nicht übernommen. Leicht zer­brechliche Gegenstände (ungenügend verpackte Flaschen usw.) und feuergefährliche oder leicht explodierende Waren dürfen dem Militärpaketdepot nicht zur Be­förderung übergeben werden. Auch von Uebersendung leicht verderblicher Waren ist abzusehen. Der Ab­sender haftet für allen aus der Nichtbeachtung ent­stehenden Schaden. Trotz aller Warnungen sind neuerdings wieder Gegenstände der vorerwähnten Art aufgegeben worden. Es kann nur wiederholt auf die dadurch bei der Beförderung eintretenden Ge­fahren hingewiesen werden. Leicht verderbliche Waren sollten auch schon deshalb nicht übersandt werden, weil sich die Dauer des Transports, wenn auch auf größte Beschleunigung hingestrebt wird, wegen der wechselnden Verhältnisse an der Front in keiner Weise übersehen läßt. Die Verpackung muß fest und dauerhaft, auch gegen Nässe widerstandsfähig sein. Feste Pappkartons sind zur Verpackung geeigneter als leichte Holzkisten. Dünne Pappkartons usw. müssen in Leinwand einge­näht sein. Versandstücke, die diesen Anforderungen nicht entsprechen, sind von der Annahme ausgeschlossen. Privatsendungen vom Feldheer zur Heimat werden vom Truppenteil des Absenders auf ihren Inhalt geprüft und müssen den mit Dienststempel und Unterschrift eines Offiziers bescheinigten Ver­merk tragen:Beförderung zugelassen." Diese Sendungen sowie das Feldgepäck verwundeter oder gefallener Offiziere usw. werden dem zuständigen Armeepaketdepot zugeleitet und hier, mit den nötigen Begleitpapieren versehen, je nach Gewicht der Post oder Eisenbahn zur Beförderung übergeben. Der obersten Heeresleitung, deren Armeegruppen und der Heeresverwaltung bleibt jederzeit vorbehalten, die vorstehenden Versandbedingungen zu ändern, insbe­sondere auch die dauernde oder vorübergehende Ein­stellung oder Einschränkung des Privatgutverkehrs nach und aus dem Feld anzuordnen. Für die Truppen auf dem östlichen Kriegsschauplatz können vorläufig Privatpakete und Privatdrahtgüter nicht angenommen werden. Der Zeitpunkt hierfür wird noch bekanntgegeben.

§ Hersfeld, 22. Februar. Nach einer Mitteilung des Generalquartiermeisters West kommen immer zahlreiche Vorstöße gegen die Bestimmungen über die Liebesgabenzuführung vor, deren Abstellung er dringend gebeten hat. Das Königliche stellver­tretende Generalkommando wird ergebenst ersucht, nachdrücklich darauf hinzuwirken, daß Eigenmächtig­keiten auf diesem Gebiete aufhörcn, da schwere Nach­teile dadurch eintreten können. Der stellvertretende Militär-Inspekteur der Freiwilligen Krankenpflege hat ferner zur Sprache gebracht, daß die Delegierte bei den Abnahmestellen häufig von ihren stellver­tretenden Generalkommandos die Anweisung erhalten, Liebesgaben einer anderen, als der vorgeschriebenen Sammelstation zuzuführen. Es wird hierzu ergebenst bemerkt, daß den stellvertretenden Generalkommandos, wie den Territorial- usw. Delegierten, ein Verfügungs­

recht über die Liebesgaben nicht zustehen. Der in der D. fr. K. vorgeschriebene Weg für die Weiterleitung und die näheren vom Kriegsministerium hierzu ge­machten Angaben sind auch für die dortige Dienststelle bindend. Sollten begründete Wünsche nach einer anderen Regelung oder nach einzelnen Aus­nahmen bestehenden so wird ersucht, diese hier zur Sprache zu bringen. Um zu vermeiden, daß Liebes­gaben in ganzen Wagenladungen oder in geringerer Menge als Wagenladung unter Umgehung des in der Verfügung vom 21. 11. 1914. Nr. 5824. 11. 14. M. A. Ziffer 2 oorgeschriebenen Weges, nämlich An­meldung und Einholung der Versandbestimmung bei der Abnahmestelle direkt der Bahn zur Beförderung übergeben werden, wird beigefügt werden, daß die Güterabfertigungsstelle der Eisenbahnen Lievesgaben- sendungen nur dann annehmen und befördern wenn diese ihnen von den Abnahmestellen zugeführt werden oder wenn deren Begleitpapiere den Annahmevermerk und den Stempel der Abnahmestelle tragen. Die Ab­nahmestellen werden auf diese Bestimmungen aufmerk­sam gemacht.

Hersfeld, 23. Februar. Die vom Hessischen Volks- schullehrerverein vorgenommenen Sammlung für die durch den Krieg in Not geratenen Familien hessischer Lehrersoldaten hat bis Ende Januar die namhafte Summe von 21 120.65 Mark ergeben.

§ Hersfeld, 23. Februar. Die erste diesjährige Schwurgerichtsperiode des Landgerichts Cassel, welche für Mitte des Monats März in Aussicht genommen war, soll um etwa vier Wochen verlegt werden.

Hersfeld, 23. Febr. Im Interesse der Versorg­ung der deutschen Seifenfabriken mit Roh­stoffen wird mit Gültigkeit vom 22. Februar d. J. für Fettsäuren die gleiche Frachtvergünstigung wie für tierische und pflanzliche Fette und Oele gewährt. Nähere Auskunft erteilen die Güterabfertigungen.

Hersfeld, 23. Februar. (Sendungen anKriegs - gefangene in Rußland.) Wie jetzt bekannt ge­worden ist, läßt die russische Regierung in Sendungen an deutsche Kriegsgefangene keine Waren zu, deren Einfuhr in Rußland auch sonst verboten ist. Ein solches Einfuhrverbot besteht z. B. in Rußland für alle Schweinefleischwaren mit Ausnahme von Schweine­schmalz, für Spielkarten u. a. m. Es kann daher nur empfohlen werden, sich vor der Absendung von Paketen an Deutsche, die sich in russischer Gefangen­schaft befinden, genau zu vergewissern, ob der Paket­inhalt russischen Einfuhrverboten unterliegt.

):( Hersfeld, 23. Februar. Herr Oberlehrer Dr. Ernst K u o t h in Berlin-Wilmersdorf, ein früherer Schüler unseres Gymnasiums und Sohn des Herrn Lehrers Knoth hier ist zumProfessor" ernannt worden.

):( Hersfeld, 23. Februar. Der Königliche Re­gierungsbaumeister Hermann Altenburg Vize- Wachtmeister im 5. Feldartillerie-Regiment wurde zum Leutnant befördert.

Cassel, 21. Febr. Bei Ausschachtungsarbeiten im Hause Mittelgaffe Nr. 74 ist eine Kanonenkugel ge­sunden worden, die vermutlich aus dem Jahre 1813 stammt, in dem das von Franzosen besetzte Cassel von den Russen unter General Czernikoff beschossen wurde.

Aus dem Dillkreis, 23. Februar. Eine wackere Tat vollbrachte der aus Hirzenhain stammende Wehr­mann Hermann in dem französ. Dörfchen Morchain. Er holte eine Bäuerin, die in einem 20 Meter tiefen Brunnen gefallen war, unter eigener Lebensgefahr an einem Drahtseile aus der Tiefs herauf. Als der Retter mit der Frau fast oben war, stürzte diese, da das Seil zerriß, abermals in den Schacht. Herrmann wagte die Rettung dann zum zweitenmal, die jetzt glücklich gelang.

Eisenach, 22. Febr. Während seither in Hiesiger- Gegend fast gar keine Frühkartoffeln angebaut wurden, wollen in diesem Jahre die Landwirte des Werra- tales und des Neffetales besonders den Anbau von Frühkartoffeln betreiben, um so der Kartoffelnot im Vorsommer zu steuern. Die Landleute tun sich in den einzelnen Orten zusammen, um gemeinsam die Samenkartoffeln zu beziehen. Manche Orte haben bis zu 200 Zentnern Samenkartoffeln bestellt.

Frankershausen, 22. Februar. Ein recht bedauer­licher Unglücksfall ereignete sich gestern mittag hier. Der 14jährige Enkel der Wwe. I. hier, der an Stümpfen litt, spielte mit einer Anzahl Kinder an einem größeren Tümpel in der Nähe der Berka und fiel hinein. Ehe noch Hilfe zur Stelle war, war der Knabe tot.

Hanau, 20. Februar. Der KreisauSschuß des Landkreises Hanau hat beschlossen, einen Kredit von vorläufig 100 000 Mark für Beschaffung von Futter­mittelartikeln in größerer Menge zur Verfügung zu stellen. Die Vermittelungsstelle ist das Kornhaus Hanau, das sich ebenfalls uneigennützig in den Dienst der Sache stellt.

Die Türkei im Kriege.

Seit mehr als drei Monaten ist die Türkei all unser Bundesgenosse im Kriege. Wenn sie auch glänzende Waffentaten nicht aufzuweisen hat, so hat sie doch ganz bedeutende Kräfte sowohl Englands als Rußlands festgelegt und den auf unseren Linien lastenden Druck entlastet. Gleich beim Beginn des Krieges gelang es ihrer Flotte, die russischen Häfen am Schwarzen Meer zu bombardieren, ohne daß die russische Flotte sich aus einen ernstlichen Kampf ein- ließ. Bekanntlich sind die wichtigsten Bestandteile der türkischen Flotte deutsche Kriegsschiffe, die tür­kische Namen annahmen und deren Besatzung die Mütze mit dem Fez vertauschten. Versuche der eng­lischen und französischen Flotten, vom Mittelmeer aus gegen Konstantinopel vorzudringen, wurden ver­lustreich zurückgeschlagen. Gegen die Russen begann der Feldzug an der kaukasischen Grenze. Wenn die Russen sich einen neuen türkischen Krieg vorstellten, so war es selbstverständlich, daß ihre Flotte sich zum Herren des Schwarzen Meeres machte und ihre Truppen bis nach Europa vorrückten. Aber weder das eine noch das andere trat ein. Auch zu Lande eröffneten die Türken den Angriff und drangen tief in russisches Gebiet ein, bis Ardagan, wo die Beweg­ung zum Stillstand kam. Man suchte dem russischen Kaukasien auf einem anderen Wege beizukommen. Die Russen hatten sich in Persien eingerichtet, be­sonders in der großen Stadt Taebris fühlten sie sich schon ganz zu Hause. Aber auf die Nachricht vom Ausbruch des heiligen Krieges erhob sich die Be­völkerung, schlug die Russen tot und rief die Türken herbei, die als Befreier einzogen. Bon Taebris aus öffnet sich ein bequemer Weg nach den russischen Gebieten, besonders nach Baku mit seinen Naphta- werken die allen Brennstoff für die russischen Eisen­bahnen liefern, seitdem die Kohlengruben zum größten teil in deutschen Händen sind und die Einfuhr ge­sperrt ist.

Eine andere Armee steht gegen die Engländer in Aegypten. Das Land ist von englischen Truppen sehr stark besetzt, die sich aber dennoch unsicher fühlen in­mitten einer fanatischen Bevölkerung. In Aegypten, in Kairo, ist die größte Universität der mohamme­danischen Welt. Mit verhaltener Begeisterung em­pfing man da die Nachricht vom heiligen Kriege. Die englische Fremdherrschaft erscheint unerträglich. Aber es ist ein weiter Weg bis an die Grenze, oft durch wasserlose Wüste, und so erscheinen jetzt erst die ersten türkischen Truppen am Suezkanal, sie haben schon sich mit den Engländern gemessen, die auch hier meist Jndier ins Feuer schicken. Die eigentlichen ägyptischen Truppen, die schon immer englische Offi­ziere haben, sind meist in die Garnisonen im Süden verschickt worden, man traut ihnen nicht. Da die Türken ihre Artillerie noch nicht heran bekommen haben, konnten sie den Erfolg nicht ausnützen. Einige Truppen sollen zwar schon den Suezkanal über­schritten haben, doch hört man von keinen weiteren Folgen. Abgesehen von der großen, daß die Eng­länder sich des Suezkanals nicht mehr sicher fühlen, die Post aus Australien geht über Südafrika. Wenn sie indische Truppen nach Europa bringen, können sie allerdings den Suezkanal ausschalten. Süaktn ist ein Hafen am Roten Meer, durch Eisenbahnen mit Alexandrien verbunden, von wo aus der Weg nach Frankreich offen ist. Zweimaliges Umladen bedingt freilich Zeitverlust. Aber auch dieser Weg ist nicht unbedingt sicher, wenn die aufständische Bewegung in Aegypten erst einmal ins Leben getreten ist.

Es sind nicht geringe Verlegenheiten, in die unsere Hauptgegner durch die Teilnahme der Türket am Kriege schon geraten sind. Andere werden folgen. Noch haben die Afghanen mit dem Feldzug gegen Indien noch nicht begonnen.

Nun klingt's in das Deutsche Land hinaus: Hurra! Hurra! Der Landsturm heraus!

Nun zieh' auch ich zu des Kaisers Heer, Dem Feinde zum Trutz, für des Vaterlands Ehr.

Nun gilt es zu scheiden von Weib und Kind, Obgleich mir bis jetzt die Liebsten sie sind. Nun heißt es: Hinaus auf des Kampfesfeld! Zu kämpfen, zu sterben als tapfrer Held.

Nun ist vorbei die schöne, friedliche Zeit, Stolz steh ich vor Euch im Kriegerkleid. Nun ruft die Trompete zum Schlachtengebraus: Hurra! Hurra! Der Landsturm heraus!

Nun lebet dann wohl! Ihr meine Lieben! Ich wär so gerne hier bei Euch geblieben.

Nun aber ruft mich des Kaisers Wort, Drum folg ich mit Freuden, Gott sei Euer Hort!

Nun hebet die Blicke zum Himmel dort oben, Den Vater den Mächt'gen zu bitten, zu loben. Nun sei es geschieden, bis wieder ich kehr, Als Sieger vom Felde des Kampfes, der Ehr'.

Hersfeld, Februar 1915. V. Both.