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^ Hamburg, den 21. Februar. (WTB.)

Die Hamburger Nachrichten melden aus Stockholm: Ein englischer Militär-Trans­port mit 2000 Mann wurde mitsamt dem Transport-ampfer im englischen Kanal

versenkt.

9,* Göteborg, 21. Februar. (WTB.) „Aftonbladed", das diese Meldung enthielt, verbürgt sich für die Zu­verlässigkeit der Quelle._________________________________

[ Aus dem großen Hauptquartier ]

08* Großes Hauptquartier, 21. Februar 1915. (Amt­

lich. WTB.)

Oestlicher Kriegsschauplatz.

Bei Nieuport lief ein feindliches Schiff, anscheinend ein Minevsnchschiff, auf eine Mine nnd sank. Feindliche Torpedoboote verschwanden, als sie beschossen wnrde«.

An der Straße Gheluvelt-Ypern sowie am Kanal südöstlich Npern nahmen wir je einen feindlichen Schützengraben. Einige Gefangene wurden gemacht.

In der Champagne herrschte gestern nach den schwere« Kämpfen der vergangenen Tage verhältnis­mäßige Ruhe.

Bei Combres wurden drei mit starken Kräften und großer Hartnäckigkeit geführte französische Angriffe «uter schweren feindliche« Verlusten abgeschlagen. Wir machten 2 Offiziere und 125 Mann zu Gefangenen.

In den Vogesen schritt unser Angriff weiter vor­wärts. In der Gegend südöstlich Sulzern nahmen wir Hohrodberg, die Höhe bei Hohrod und die Gehöfte Bretzel und Widenthal.

Westlicher Kriegsschanplatz.

Anch gestern ist in Gegend nordwestlich Grodno noch keine wesentliche Aenderung eingetreten.

Nördlich Ossowiez südöstlich Kolno und ans der Front zwischen Prasznysz und Weichsel (östlich Plozk) nehme« die Kämpfe ihre« Fortgang.

In Polen südlich der Weichsel «ichts Ne«es.

Oberste Heeresleitung.

[ Dom österr.-ungar. Generalstab j

Wien, 21. Februar. Amtlich wird gemeldet: 21. Fe­bruar mittags. (WTB.) Die Situation in Polen «nd Westgalizie« ist im allgemeinen unverändert. Der gest­rige Tag ist ruhiger verlaufen.

In den Kämpfen an der Karpathenfront von Dukla bis Wyszkow wurden wieder mehrere russische Angriffe unter schweren Verlusten des Gegners znrückgeschlage«, der hierbei anch 750 Mann an Gefangenen verlor. Die Operationen südlich des Djnestr schreite« weiter fort.

I« der Bukowina herrscht Ruhe.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: v. H o e f e r, Feldmarschalleutnant.

Die Karpathenschlacht.

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Aus Budapest meldet der „V. L.-A.": Aus Ungar in Karpathen wird gemeldet, daß der Schnee überall geschmolzen ist. Als Opfer der jüngsten Kampfe sind unter dem geschmolzenen Schnee an den Bergab- Hängen um Uzsok 'zahlreiche unbeerdigte Rustenleichen zum Vorschein ge. mmen. Die Toten sind auffallen­derweise ganz unm ehrt,' sie wurden von unseren Sol­daten beerdigt. — Der Kriegsberichterstatter Franz Molnar meldet dem ,Az Est" folgendes: Aus den so­genannten Karpathe: mpfen hat sich eine kttotze Kar- patheuschlacht entartete Diese Entwicklung hat infolge des eigentümlichen Ge. gsterrains sehr lange gedauert, kann aber jetzt als du größte Gebtrgsschlacht, die die Kriegsgeschichte kennt, .eichnet werde«. Auf schnee­bedeckten Felsen, in wi ?mantischen Tälern und dich­ten Wäldern vollzieht ho der Kampf. Die Tageslei- Sen sind so überaus schwierig und dabei so oetail- g, daß der Generalstab am Abend erst aus meh­reren hundert Berichten das Ergebnis des Tages fest­stellen kann. In dieser Schlacht, die so viel an die Kämpfe vergangener Zeiten erinnert, hat naturgemäß

verstrickt.

Roman von A. von der Elbe.

50) (Nachdruck verboten.)

Als Hermann Eggeruck die Todesnachricht Jose- finens, der von ihm einst Heißgeliebten, empfing, fühlte er eine Erschütterung durch seine Seele rinnen, die ihn im nächsten Augenblick selbst überraschte. Er hatte man­chem strengen Tadel gegen sie Raum gegeben, hatte ge­glaubt, gänzlich mit dem einstmals Empfundenen fertig zu sein.

Was focht ihn an, daß ihm wie einem Knaben die Tränen in die Augen schössen, und daß er sein Herz in körperlichem Weh zu fühlen meinte? Stand denn nicht ein anderes Bild längst im Vordergrund feines Em­pfindens und erfüllte ihn mit dem Verlangen, die Teure zu gewinnen? Ein Verlangen, dem er, der Sechs- unddreißigjährtge, bis jetzt sich gescheut hatte zu folgen.

Er dachte an Susanne, die Geduldige, echt Weib­liche, mit viel wärmeren Gefühlen, als an sie, der seine Jugend gehört Hatte, und doch schien es ihm, als bedeute ihr Tod ihm einen herben Verlust.

Nahm sie, die Gleichaltrige, seine Jugend mit ins Grab? Hatte auch er jetzt schon das Ziel seines Daseins erreicht? Nein und nochmals nein! Er hob und streckte seinen stämmigen Körper, nein, fort mit alten Erin­nerungen, mit aller Sentimentalität! Er hoffte uod) gutes, gesegnetes Stück Lebensarbeit vor sich zu haben.

Aber jedenfalls wollte er ihr doch die letzte Ehre erweisen, das war er ihrer alten Liebe und den ver­wandtschaftlichen Beziehungen schuldig.

Er ritt sogleich nach Morse hinüber, Bernhammer seine Teilnahme auszusprechen und ihm mitzuteilen daß auch er zur Beerdigung seiner Schwester nach Ber- tt» komme« w^rdA

dichten. Dies geschieht am Dunajec und an der Biala- linie, auch bei Dukla, wo die Gegner sich einegegraben gegenüberstehen, während im Osten, wo wir aus den Bergen hinausgelangten, die Strategie aufatmet und sich frei entwickelt.

Die Wirkung ver österreichischen schweren Mörser in Przemysl.

Krakan, 21. Februar. (T. U.) Ein hierher gelangter Feldpostbrief berichtet, daß eine der schweren österrei­chischen Batterien in Przemysl einen großen Erfolg hatte. Mit vier Schüssen wurden sieben feindliche Ka­nonen und zwei Maschinengewehre vernichtet und die Bedienungsmannschaft getötet.

Die große Schlacht von Plozk bis Sumalki.

Nach der „Frkft. Ztg." meldet der Mailänder „Se- colo" aus Petersburg: Eine große Schlacht tobt auf der Linie Plozk-Ostrolenka-Ossowietz-Augustowo-Suwalki. Die Angrisfe auf Ossowietz und Augustowo waren be­sonders heftig.

Erneute Beschießung Belgrads.

Die Oesterreicher beschossen, wie die „Daily Mail" nach Kopenhagener Meldungen aus Nisch erfährt, am vergangenen Mittwoch erneut Belgrad. Eine große Anzahl Gebäude wurden durch das Bombardement zer­stört. Die Serben antworteten mit einer Beschießung Semlins.

Französische Artillerieoffiziere im serbischen Heer.

„Corriere della Sera" meldet, daß sich im serbischen Seer zahlreiche französische Artillerieoffiziere befinden, inige Forts seien mit schweren französischen Geschützen versehen, welche über Saloniki eintrafen.

Die französische Presse über den russischen Rückzug.

streitbar, aber

Die französische Presse gesteht ein, daß die Russen auf beiden Flügeln den Rückzug antreten mußten, doch sagt sie, es sei ein Rückzug strategischer Art. Kenn­zeichnend ist, was der „Temps" schreibt: Unsere Ver­bündeten haben eine Schlappe erlitten. Dies ist unbe- - ' sie halten den Feind in Schach und töten ihm viele Soldaten. Sie halten ihn im Zaum und nehmen sogar die Offensive wieder auf, da wir im deut­schen Tagesbericht lesen, daß russische Kolonnen, welche von Lomza gegen Kolno marschierten, zurückgeworfen wurden. Der Sieg ist demnach bei weitem nicht so ent­scheidend, daß er den Deutschen gestattete, dort ihre Front zu entblößen. Wenn sie dies täten, würden die russischen Armeen den Vormarsch sofort wieder auf­nehmen. Der „Figaro" erklärt in der Betrachtung über die militärische Lage, ein russischer Rückzug sei erfolgt,' man müsse eingestehen, daß Hindenburg ein großer Feldherr sei.

Der „Temps" hat guten Grund, den Umfang der russischen Niederlage zu verschleiern.

^ Wien, 22. Februar. (T. U.) Nach einer Mel­dung Krakauer Blätter aus Warschau wurden, wie d^ „B. L.-A." berichtet, von den polnischen Revolutionären mehrere Eisenbahnbrücken und Bahnanlagen im rechts der Weichsel gelegenen Gebiet in die Luft gesprengt.

Ein britischer Bestechungsversuch.

0-* Cöln, 22. Februar. (T. U.) Von der holländi­schen Grenze meldet die „Köln. Ztg." nach dem „Berl. Lokalanz": Der Kapitän eines holländischen Schiffes erklärte in Rotterdam, die britische Regierung habe ihm hunderttansend Pfund anbieten lasten, falls er sein Schiff versenke «nd alsdann in Rotterdam melde, es sei durch ei« deutsches Unterseeboot versenkt worden.

Grey bleibt bei dem Sternenbanner.

Sir Edward Grey lehnt es nach Londoner Meldun­gen ab, den englischen Schiffen die Führung des Ster­nenbanners zu verbieten. In seiner Antwortnote an die Unionsregierung erinnert er an verschiedene Fälle aus dem Bürgerkriege, wo amerikanische Schiffe unter englifcher Flagge fuhren. Er nimmt das Recht, eine neutrale Flagge zu hissen, um einer Gefahr zu entgehen, nochmals ausdrücklich für englische Handelsschiffe in Anspruch. Der Gegner müsse sich durch eine Unter­suchung davon überzeugen, ob die Flagge gerechtfertigt sei oder nicht.

Minenabentener eines norwegischen Dampfers.

An Bord eines dänischen Torpedobootes traf Sonn­abend die Mannschaft des norwegischen Dampfers ^Bjaerka", der mit einer Kohlenladung von Leith nach Nakskov unterwegs gewesen war, auf der Reede von Nakskov ein. Der „Bjaerka" hatte, wie dem „H. K." aus Kopenhagen gemeldet wird, in der Nacht versehent­lich innerhalb des deutschen Minengebietes Anker ge­worfen,' als er am Morgen seine Fahrt nach Nakskov fortsetzen wollte, stieß er gleich zu Beginn der Fahrt auf eine Mine, die in den Boden des Schiffes ein gro­ßes Leck riß. Kurze Zeit darauf lief der Dampfer auf

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13. Kapitel.

Josefine Turnau war neben ihrem Gatten mit all dem düsteren Pomp, den sorgende Liebe ihr gewähren konnte, zur letzten Ruhe gebettet.

Eggeruck kehrte sogleich nach Linöental zurück. Vernhammer blieb einstweilen mit Adele in der Schwe­ster Wohnung: teils folgte er dem Rate des Freundes, seine Tochter Denta und dem Gerede fern zu halten, teils scheuten er und sein Kind die trübe winterliche Landeinsamkeit, endlich aber gehorchte er äußeren Grün­den,' es gab da allerlei zu bestimmen, zu ordnen und Geschäftliches abzuwickeln, wozu er, als praktischer Mann und Bruder der Verstorbenen, Zeit und Geschick besaß.

Man hatte Josefinens Testament eröffnet, sie be­stimmte — nach Abzug vieler Legate — ihr Vermögen zu gleichen Teilen ihrem Bruder und ihrem Neffen, Doktor Werner Brüggen. Für Adele warf sie ein Kapital von 10 000 Mark aus und verfügte dabei: „zum freien, alleinigen Gebrauch meiner geliebten Nichte Adele." In dem für die Lieblingsnichte nachgelassenen Brief bestätigte sie noch einmal ihr Geschenk und schrieb erklärend:

„Da das Leben oft wunderliche, unvorhergesehene Forderungen an uns stellt, meine liebe Adele, For­derungen, denen man nur mit barem Gelde gerecht wer­den kann, und da ich Dich in solchem Falle von dem guten Willen anderer unabhängig sehen möchte, lege ich die obengenannte Summe als Beweis meiner Liebe und meines Wunsches, Dir ferner treue Fürsorge an­gedeihen zu lassen, in Deine Hand,' mache unbedenklich jeden Dir nützlich scheinenden Gebrauch davon und möge Dein Weg dadurch geebnet werden. Wenn meine Augen sich schließen, teures Kind, gibt es manchen warmen . der Liebe weniger für Dich auf der Welt."

^.^ so/ste noch viel Herzliches, das Adele tief er- E un» ihre Txdimt anfa wart W-bl» «E»

eine zweite Mine, die ihn mittschiffs traf. Der Dampfer füllte sich schnell mit Wasser. Er sank eine halbe Stunde nach der ersten Explosion. Die Besatzung des Schiffes, von der glücklicherweise durch die Explosion niemand Schaden erlitt, konnte sich in die Boote retten. In­zwischen hatte sich ein deutsches Wachtschtff der Unglücks­stätte genähert und entsandte ein Boot, um die <Sd)tff= brüchigen an Bord zu nehmen, wo ein Teil von ihnen mit warmer Kleidung versorgt wurde. Dem Kapitän des untergegangenen Dampfers war es gelungen, die Schiffspapiere und Journale zu retten. Später brächte ein Lotsenmotorboot die Schiffbrüchigen zum nächsten Leuchtturm, wo sie von dem dänischen Torpedoboot aus­genommen und nach Nakskov gebracht wurden. Am Nachmittag wurde ein Verhör über die Vorgänge ab­gehalten.

Von der Westfront.

Französische Stimmungen.

o-* Zürich, 22. Februar. (T. U.) In einem Pariser Brief der römischen „Tribuna" wird nach der „Voss Ztg." berichtet: In wetten Kreisen Frankreichs wird die Wahl König Alberts von Belgien zum König von Frankreich gefordert. Bereits fanden mehrere geheime Versammlungen statt. Der König der Belgier genieß! heute in Frankreich eine Volkstümlichkeit, wie keiner oer Thronprätendenten. Weiter wird in der „Tribuna" gesagt: Es bestehe kein Zweifel, daß zwischen dem Prä­sidenten Poinearee und den Staatsmännern, die zur Clemenceau-Gruppe gehören, eine Spannung einge­treten sei. Poincaree habe den Krieg nm jeden Preis gewollt, während die Gruppe riet, mit Deutschland zu verhandeln. Eine französische Persönlichkeit, die sich dieser Tage in Rom aufhielt, soll gesagt haben, daß der Krieg vom ersten Tage der Präsidentschaft Poinca auf dessen Programm gestanden habe.

Poincarees

Genickstarre in einem englischen Truppenlager.

9-* Haag, 22. Februar. (T. U.) Im Londoner Kri­stallpalast wurden nach dem „B. L.-A." unter den dort untergebrachten Marinesoldaten fünfzehn Fälle von Genickstarre festgestellt, von denen acht Fälle tödlich ver­liefen. Ein Bakteriologe wurde beauftragt, die Ursache der Seuche festzustellen. Gegenwärtig sind im Kristall- palast 6578 Offiziere und Mannschaften untergebracht.

Der Türkenkrieg.

Das mißglückte Bombardement auf die Dardanellen.

Der für das Gebiet der Dardanellen bestellte Be­richterstatter der türkischen Telegraphenagentur Milli telegraphiert über das Bombardement: Eine feindliche Flotte, bestehend aus vier englischen und vier fran­zösischen Schiffen, eröffnete am 19. Februar 8% Uhr vormittags aus einer Entfernung von 16 Kilometer das Feuer mit Geschützen größten Kalibers. Die osmanische Artillerie erwiderte das Feuer trotz des Kartätschen- Hagels nicht, sondern wartete, bis der Feind näher kam. Das englisch-französische Geschwader näherte sich der Küste in der Meinung, die Forts zum Schweigen gebracht zu haben. In diesem Augenblick erst eröffnete die osmanische Artillerie das Feuer. Von 18 Schüssen, die sie abgaben, gingen bloß vier fehl, die übrigen tra­fen. Das Admiralschiff erlitt eine schwere Havarie nnd wurde von Torpedobooten, die es sofort umringten, als sie es in Gefahr sahen, aus der Schlachtlinie geschleppt. Zwei weitere feindliche Schiffe wurden außer Gefecht gesetzt und zogen sich zurück. Nach Vergeudung von 680 Granaten mußte die feindliche Flotte, von der drei Ein­heiten fast vollständig unbrauchbar gemacht waren, sich entfernen. Die von den osmanischen Artilleristen be­wiesene Geschicklichkeit und Entschlossenheit ist über jedes Lob erhaben. Das Telegramm schließt mit der Bemerkung: Die Dardanellen, deren Verteidigung durch den Mnt solcher Löwen gesichert ist, werden von keinem Feinde jemals forciert werden können.

Die Neutralen

Die französische Hoffnung auf Italien.

Die französische Presse macht nach einer Genfer Meldung des „B. T." unglaubliche Anstrengungen, um Italien in den Kampf hineinzuziehen. Nachdem alle ihre Bemühungen bisher nicht den Erwartungen ent­sprachen, zeigt sich die Presse dankbar, daß Italien Neu­tralität beobachtet und dadurch Frankreich erlaubte, über die zur Alpeubewachung bestimmten Truppen zu ver­fügen. Die Pariser Zeitungen suchen dem kriegerischen Geiste der Italiener zu schmeicheln, um sie zu bestim­men, auf die Seite der Verbündeten zu treten. Man stößt Italien förmlich, Oesterreich den Krieg zu erklären. Man vermutet auch, daß das bald geschehen werde, da alles zum Felözüg bereit sei. Der „Temps" konstatiert indessen, gelegentlich des Zusammentritts der italieni­schen Kammer, daß die Elemente der Mehrheit sich um Giolittt gruppieren, der als Anhänger der Neutralität gilt.

Bernhammer brummte über die Bestimmung seiner Schwester.

„Bin ich denn nicht da, Dir alles zu geben, was Du brauchst, kleines Deelchen? So viel Geld gehört gar nicht zwischen Deine unvorsichtigen Finger, ich lege die Obligationen hier in dies Schreibtischfach. Meinet­wegen kannst Du Dir den Spaß leisten, selbst die Ku­pons abzuschneiden, so weit muß man doch wohl den Willen der Verstorbenen ehren."

Die Liebe für die Abgeschiedene und die Trauer über den Verlust der teuren Frau wob feste Bande um den Bruder, die Nichte und den Neffen der Toten. Nahe aneinandergerückt, unter einer Wolke von Betrüb­nis, und doch zugleich des gegenseitigen Trostes, der gleichen Interessen und immer tiefer empfundener Zu­sammengehörigkeit, sonderten sie sich von der Außen­welt ab.

Werner Brüggen brächte die freien Stunden, die seine Berufspflichten ihm ließen, oft im Hause der müt­terlichen Frau zu, die ihn und Bernhammer durch ihr Testament auch geschäftlich nahe aufeinander angewiesen hatte. Es gab da immer etwas zu überlegen und au ordnen, und Werner beeilte sich nicht mit Erledigungen, die ihn dahin führten, wohin sein Herz ihn aufs leb hafteste zog.

Adele, noch immer tief niedergeschlagen über dei Verlust der geliebten Tante, gab sich stiller und zurück haltender als sonst. Ihre natürliche sprudelnde Laun ag unter einem Wehmutshauch gedämpft. Halb lastest aus ihr die Trauer, halb belebte sie ein anfglühenöc^ Liebes- und Glücksgefühl, dieser Zwiespalt prägte fiel in ihrem Wesen aus, das erfüllt von verschleiertem Lich erschien,' ihr stilles Lächeln, ihr scheuer warmer Bist machten sie für Werner sehr reizvoll.