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Hersselder Tageblatt

für den Kreis Hersfeld

Rrmblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be-

zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei ÄElIlnöEl Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

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Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Nr. 45. (Erstes Blatt )

Dienstag, den 23. Februar

1915

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.

I Wer Brotgetreide verfüttert, versündigt sich am Vaterlande u. macht sich strafbar.

Bus der Heimat.

* (Baut Frühgemüse!) Frühgemüse wird rar werden. Es wird die Einfuhr aus dem Auslande fehlen. Darum wird es sich für die Gemüsegärtner und auch für kleine Landwirte lohnen, recht viele Frühgemüse-Setzlinge heranzuziehen, für die sich willige Abnehmer finden werden. In geschützten Hausgärten wird sich auch manches früher als sonst heranziehen lassen. Die darauf verwendete Sorgfalt wird sich im kommenden Frühjahr lohnen. Dasselbe trifft für Feldgemüsegärtner zu, die auf sicheren und lohnenden Absatz rechnen können. Man wird die Gemttsearten bevorzugen, die frühzeitigen Ertrag geben und von der städtischen Bevölkerung gerne ge­kauft werden. Lohnen wird sich der vermehrte An­bau von Spinat, Melde, Oberkohlraben, Wirsing, Früh­kraut, Karotten und frühen (niederen) Erbsen. So­weit noch Raum in Gärten ist und warmes mildes Ackerland zur Verfügung steht, wird auch der Anbau von Frühkartoffeln sich weiter als sonst ausbreiten. Im Kleinbetrieb werden große Mengen von Frühge- müsen herangezogen werden, wenn der Nutzen einge­sehen wird. Gerade der Kleinbetrieb wird auch am ehesten die dazu erforderlichen natürlichen Düngstoffe aufbringen können.

):( Hersfeld, 22. Februar. Von einem im Osten im Felde stehenden Hersfelder wird uns nachstehendes Flugblatt zugesandt, welches russische Flieger über den deutschen Truppen abwarfen:

Deutsche Krieger! Ihr kämpft schon über fünf Monate gegen die Russen! Viele Hundert­tausende von Euch bedecken mit ihren Körpern die Felder Polens und alles umsonst! Ihr habt nichts erreicht. Euere Vorgesetzten jagen Euch indem sie Euch mit der Russischen Gefangenschaft schrecken, gegen die stärksten russischen Befestigungen wo ihr durch das vernichtende Artillerie- und Maschinengewehrfeuer empfangen, den sicheren Tod findet. Es sind viele unter Euch gewesen, die ihre Pflicht erfüllt haben, da sie aber die Erdrückende Uebermacht der Russen sahen, es vorzogen ihr Leben sich und ihren Ange­hörigen zu erhalten sie ergaben sich. Erfahrt jetzt Deutsche Soldaten daß dieselben es nicht bereut haben! Sie segnen jetzt das Schicksal das sie dem sicheren Tode entrissen hat um sie ihren Frauen und Kindern zu erhalten. Alle Deutschen Gefangenen werden in das Innere des Reiches gebracht And dort in den freien Kasernen und bei den Einwohnern unterge­bracht. Diejenigen die krank oder verwundet sind werden in Krankenhäusern gleich den Russen gute Pflege finden. Es wird auch warme Kleidung wie Hosen, Hemden und andere Wollsachen denjenigen die sie es nicht besitzen besorgt. Deutsche und Oester­reichische Gefangenen genießen volle Freiheit der Privatverkehr mit den Einwohnern gern gestattet. Briefe, Geld und Postsendungen sind angenommen und ausgehändigt Deutsche Zeitungen sind auch besorgt. Das einzige, was in der Gefangenschaft schwer zu ertragen scheint ist das Heimweh das wird aber durch den Umgang, Pflege und Gedanken, daß ihr Euer Leben für Euere armen Weiber und Kinder erhalten hat, gemildert. Es mangelt auch nicht nach denjenigen, die den Wohlstand seiner Landsleute die seit Jahren schon in Rußland leben sehen jetzt schon selbst den Gedanken in sich schöpfen dort zu bleiben wo großer Verdienst und reiches Land ihnen schönste Zukunft und Reichtum bietet. Diese braven Leute werden selbstverständlich in Rußland ihr Neues schönes Heim und Vaterland finden.

):( Hersfeld, 22. Februar. (Goldgeld in die Reichsbank. Papiergeld indieTaschen.) So schreibt Herr Pfarrer W. B. in Dittigheim, be­treffs Geldscheintaschen. Liefert alsbald Euer Gold zur Reichsbank, zur Post oder zu den Sparkassen ab. Diese Mahnung zu einer vaterländischen, leicht zu er­füllenden Tat ist von den meisten Deutschen befolgt worden. Nach den gemachten Erfahrungen sind es nur noch wenige, die aus kleinlichen, wenig Verständnis zeigenden Ursachen ihr Goldgeld immer noch zurück­behalten. Anstatt des Goldgeldes ist jetzt viel mehr Papiergeld im Umlauf als früher. Es wird aber mit Bedauern die Wahrnehmung gemacht, daß die als Zahlungsmittel geltenden Papierscheine nach kurzem Umlauf in einem recht unschönen Zustande sind. Die Zählenden und Empfänger haben sicherlich Interesse daran, nur tadellos schöne und saubere Scheine in der Hand zu haben. Wie zeitraubend es ist, die oftmals zusammcngelegten ober gar zusammengerollten Scheine

zu ordnen und in einen brauchbaren Zustand zu ver­setzen, davon können die Beamten mit größerem Schalterverkehr erzählen. Für die Behandlung der Papierscheine kann unser Bundesland Oesterreich und auch Italien, in welchen Ländern das Papiergeld den Tagesverkehr beherrscht, uns als Muster dienen. Dort führt Jedermann, auch der einfachste Mann, ein besonderes Täschchen für Papiergeld mit sich, weshalb auch dort die im Umlauf sich befindlichen Scheine meistens in tadellosem Zustande sind, da ein mehr­faches Zusammenlegen der Scheine vermieden wird. Nicht bloß aus schönheitlichen und gesundheitlichen Gründen, sondern auch aus patriotischem Pflichtgefüh sollte es sich Jedermann angelegen sein lassen, bet Behandlung des Papiergeldes eine etwas größere Sorgfalt zu beachten, da es sonst Widerwillen erregt Nochmals: Schonet das Papiergeld! (Vgl. das Inserat Papiergeld" der Deutschen Lederwaren-Jndustrie, Berlin in unserer heutigen Nummer.)

):( Hersfeld, 22. Februar. (V e r l u st l i st e 155. Res. Ins. Rgt. Nr. 71. Unteroffz. Siegmund Jacob Niederaula, Hersfeld, l. verw. Res. Georg Noßkopf, Friedlos, Hersfeld, l. verw. Musk. Johs. Heidrich, Wehrshausen, bish. verw. gestorb. Res. Laz. 5. Aachen 23. 9. 14.

Helmarshansen, 18. Februar. Gestern Mittag fand die feierliche Beisetzung des verstorbenen Majors v. Krosigk statt. Die eigentliche Trauerfeier fand im Schloße statt. Erschienen waren sehr viele Offiziere und Deputationen der Regimenter, denen der Ver­storbene besonders nahe gestanden hatte, diese legten kostbare Kränze an der Gruft nieder. Eingeleitet wurde die Feier durch den Choral: Jesus, meine Zu­versicht. Hierauf hielt Pfarrer Mohr die Leichenpredigt, die Verdienste des Heimgegangenen für Staat, Kum- mune, Stadt, Kirche und Schule in der rechten Weise hervorhebend. Der Verein Männerchor sang hieraus: Wie sie so sanft ruhen. Daraus setzte sich der imposante Leichenzug in Bewegung. Voran der Kriegerverein, dessen Vorsitzender der Verstorbene war. Die Schulkinder sangen:Christus der ist mein Leben." Die Musik des Trainbataillons spielte Trauerweisen. Auf dem Friedhof wurde der Sarg in die Gruit gebracht und mit Gebet und Segen wurde die Feier beendigt.

Hann.-Münden, 21. Februar. Gegen den Müller und Bäckereibesitzer R. im benachbarten L. und den Bäckergesellen Otto R. dortselbst, wurde Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet, weil sie bei der Her­stellung von Brot die bestehenden Bestimmungen nicht beachtet, insbesondere den vorgeschriebenen Kartoffel- zusatz nicht verwendet haben.

Aus Oberhessen, 19. Februar. Durch Explosion einer Petroleumlampe kamen auf dem Hofgute Krausenberg die Eheleute Hermann schwer zu Schaden. Die Frau, die die Flammen zu löschen suchte, brannte im Augenblick lichterloh an ihren Kleidern, auch der zu Hilfe eilende Gatte wurde vorn Feuer erfaßt und beide eilten, Feuersäulen gleich, ins Freie, bis endlich Nachbarn herzukamen und das Feuer erstickten. Die schwer verletzte Frau ist an den Verletzungen schon gestorben, ihr Ehemann wurde ins Krankenhaus ge­bracht, und es ist wenig Hoffnung, ihn am Leben zu erhalten.

Erfurt, 21. Februar. Der kriegsgefangene Turko Kondus Belkebier aus Mascara in Algier, der im Gefangenenlager zu Erfurt mit einer Latte einen Franzosen zu Boden geschlagen hatte, wurde unter Annahme mildernder Umstände zu einer Woche Ge­fängnis verurteilt.

Fulda, 21. Febr. Schon wieder ist ein Schwindler am Werke, den gegenwärtigen Krieg für seine Zwecke auszunutzen. So sammelte gestern ein Herr Johannsen aus Frankfurt a. M. angeblich für einen unter dem Protektorat der Kronprinzessin stehenden Ausschuß für eine Kriegsinvalidenspende. Der eifrige Sammler schien bereits in Fulda gute Erfolge gehabt zu haben, denn in der Sammelliste,in der der Spender selbst zu quittieren hatte," war bereits eine ganze Anzahl Namen verzeichnet. Als er jedoch in einem hiesigen Geschäfte keinerlei weitere Ausweise vorzeigen konnte als seineSammelliste", machte man die Polizei auf den Mann, der sehr gewandt auftritt, aufmerksam.

Schlächtern,20. Februar. Der Wehrmann Ferdinand Böller von hier kehrte verwundet aus dem Felde heim und fand in einem Frankfurter Lazarett Unterkunft, aus dem er aber dreimal ausrückte. Zuletzt blieb er zwei Monate fort. Das Frankfurter Kriegsgericht ver- urteilte den Durchbrenner jetzt wegen unerlaubter Entfernung zu sieben Monaten Gefängnis. Bei der Feststellung der Getreidevorräte in einem Dorfe des Kreises Schlüchtern gab ein reicher Besitzer seine Ge­treidevorräte so niedrig an, daß der Gendarm ihn auf Ehre und Gewissen nach weiteren Vorräten fragte. Doch der Bauer verneinte. Da fragte der Beamte den kleinen Sohn des Besitzers ob er nicht wüßte, wo der Vater noch Korn liegen habe. Und prompt ant­wortete der kleine Bursche in seiner Herzensunschuld: Vater und Mutter haben noch viele Säcke in den Scheunenboden gesteckt . . ."

Frankfurt, 21. Februar. (Vergehen gegen das Backverbot.) Gegen die am 5. Januar erlassenen'Be- stimmungen zur Bereitung von Backwaren sehlte^der 35jährige Bäckermeister Hermann Göhl. Am Sams­tag, 16. Januar, hätte er von 7 Uhr abends an den Backwarenherstellungsbetrieb schließen müssen, statt dessen fertigte er die für die Kunden bestimmten, am Montag erst zu liefernden 240 Brötchen an, so daß in der Backstube bis gegen ^12 Uhr nachts gearbeitet wurde. Göhl will angeblich nicht gewußt haben, daß er am Vormittag des 17. Januar hätte backen dürfen. Dem Meister, der sich jetzt wegen des Vergehens vor der Strafkammer zu verantworten hatte, wurde vom Gericht gesagt, daß die Kriegsgesetze unter allen Um­ständen gehalten werden müßten und daß Zuwider­handlungen strenge Bestrafung nach sich ziehen. Es wurde auf 30 Mark Geldstrafe erkannt.

Der preustische Minister des Innern über Sstnreuben.

Bei den Verhandlungen der Budgetkommission des preußischen Abgeordnetenhauses machte in dem verstärkten Haushaltsausschusse der Minister des Innern von Loebell sehr bemerkenswerte Ausführ­ungen über Ostpreußen.

Der Minister gab einleitend eine zusammen­hängende Darstellung der Hilfsaktionen für die Pro­vinz Ostpreußen seit der ersten russischen Invasion. Er wies hin anf den Kaiserlichen Erlaß vom 27. August, der den Maßnahmen der Regierung zugrunde liege. Nachdem der Feind zum ersten Male aus dem Lande vertrieben war, sei man unverzüglich' daran gegangen, die Kriegsschäden festzustellen, und es seien aus Staatsfonds die Mittel bereitgestellt worden, um einstweilen die Führung von Haushalt, Wirtschaft und Gewerbebetrieb zu ermöglichen. Es sei alsdann unter dem Vorsitze des Oberpräsidenten und unter Hinzuziehung von Vertretern der verschiedenen Er- werbsstänöe. die Kriegshilfskommtssion für die Pro­vinz gebildet worden. Gleichzeitig sei bestimmt worden, daß Vorentschädigungen aus Staatsmitteln gewährt würden, unabhängig von einer definitiven Feststellung des Schadens und vorbehaltlich der späteren end­gültigen Erstattung gemäß § 35 des Kriegsleistungs­gesetzes. Eine große Anzahl von lokalen Kriegshilfs- ausschüssen sei gebildet worden. Eine umfangreiche Hilfstätigkeit habe sofort nach der ersten Invasion begonnen. In 39 geschädigten Kreisen seien bisher 66 Kriegshilfsausschüsse gebildet worden. Nach dem Stande am 1. Februar seien auf 72 453 Anträge 32,7 Millionen Mk. an Vorentschädigung gezahlt worden. Wärmste Anerkennung verdienten all die beteiligten Staats- und Gemeindebeamten. Wenn auch noch nicht allen Anträgen habe entsprochen werden können, so sei doch trotz 72 453 Entscheidungen keine einzige Be­schwerde eingelaufen. Nach der ersten Invasion seien Tausende von Ostpreußen heimatlos geworden, größer noch sei die Zahl gewesen, als der erste Rückschlag etntrat. Unter der Leitung des Landeshauptmanns, der das Amt als Flüchtlingskommissar übernommen habe, sei der Strom der Flüchtigen in die anderen Provinzen der Monarchie und nach Mecklenburg ge­leitet worden. Die Flüchtlinge seien überall bereit­willig ausgenommen worden. Der Staat zahle monat­lich mehrere Millionen Mk. Es sei festzustellen, daß die Flüchtlinge überwiegend zu ihrer Zufriedenheit untergebracht seien. Der Neigung, nach Berlin zu strömen, habe er geglaubt, entgegenwirken zu müssen. Angehörigen der sogenannten freien Berufe sei durch Darlehen geholfen worden. _

Der Minister schloß mit dem Ausdruck der Hoff­nung, daß die große und schöne Aufgabe des Wieder­aufbaus der Provinz Ostpreußen in vollem Umfange gelingen werde.

Verzeichnis

der bei L. Pfeiffer, Depositenkasse Hersfeld ferner eingegangenen Spenden, worüber wie nachstehend dankend quittiert wird:

Für das Rote Kreuz. Settion Sersfeld von Ueberschuß vorn Lichtbilderabend in Schenk- lengsfeld am 10. Febr. 1915. Mk.

Büchse Nr. 136 FröhligNabolds-

Mk.

hausen Herrn Jde, Eitra 6 Lehrlingen einer hiesigen Firma

26.50

11.66

10.

3.

5175

®t

Bestand 12863.55 Heutiger Bestand Mk. 12914.71

Für die notleidenden Ostpreußen:

von Gemeinde Hilperhausen gesammelt von dem Schüler Hahn Mk. 28. Bestand 38.24

Heutiger Bestand Mk. 66.24