Unruhen in Indien.
Aus Konstantinopel wird der „Voss. Ztg." berichtet: In Rawalpendt in Nordindien haben Angehörige einiger Stämme die englische Besatzung über, fallen, viele Leute getötet und die Kaserne mederge- bräunt. Die Engländer fürchten, etwas gern Stämme zu unternehmen, wett sie den Aufstand
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Stämme zu unternehmen, weil sie den Aufstand der Bevölkerung in Nordwestindien befürchten. Beunruhigend wirkt auch, daß es jüngst dem indischen Geheimkomitee gelungen ist, unbemerkt in das Palais des Vizekönigs einzudringen und dort 50 000 Rupien zu entwenden.
Kriegsalierlei.
Auszeichnung des Generals v. Below.
Der Kaiser hat dem Führer der deutschen 8. Armee, General der Infanterie v. Below, nach der neuen Schlacht in MasUren den Orden Pour le merite überreicht. — General der Infanterie Otto von Below war bei Kriegsausbruch der Kommandeur der 2. Division in Jnüterburg. Er trat 1875 als Leutnant im 80. Infanterie-Regiment in das Offizierkorps ein, wurde 1889 zum Generalstab kommandiert und 1890 zum Haupt- mann befördert. 1894 kehrte er wieder in den Generalstab zurück, um 1897 als Bataillons-Kommandeur im 35. Infanterie-Regiment wieder zur Truppe zu kommen. 1905 wurde er Oberst und Kommandeur des 19. Infanterie-Regiments, 1909 Generalmajor und Kommandeur der 43. Infanterie-Brigade. Im Jahre 1912 übernahm er als Generalleutnant das Kommando der 2. Division.
Erst die gebührende Dresche.
Generalfeldmarschall v. Bülow hat, wie die „N. Fr. Presse" mitteilt, an seinen langjährigen behandelnden Marienbader Arzt Regierungsrat Professor Kisch am 7. Februar ein Schreiben gerichtet, worin es heißt: „Herzlichen Dank, verehrter Herr Professor, für Ihren liebenswürdigen Glückwunsch anläßlich meiner Beförderung, der mich aufrichtig erfreute. Ein Versprechen, schon im kommenden Sommer mich Ihrer bewährten Behandlung wieder zu unterziehen, kann ich noch nicht geben, da ich nicht weiß, ob wir unseren Feinden die ihnen gebührenden Dresche schon dann verabfolgt haben. Sehr erfreulich wäre es ja. Verbindlichsten Gruß von Generalfeldmarschall v. Bülow."
Die Kriegsgefangenen in Tfingtan.
Amtlich wird in Tokio bekannt gegeben, daß nunmehr die letzten Kriegsgefangenen aus Tsingtau in Japan eingetroffen sind, so daß jetzt insgesamt 220 Offiziere und 4401 Mann im Lande find. 2 Offiziere und 110 Mann werden den Engländern zur Jmernierung in Hongkong überlassen.
Postverkehr mit deutschen Gefangenen in französischen Kolonien.
Berlin, 19. Februar. (Amtlich. WTB.) Die durch die Zeitungen verbreitete Nachricht, den deutschen Kriegsgefangenen in Algier, Marokko und den französischen Kolonien sei der portofreie Briefverkehr mit der Heimat untersagt, beruht auf einen Irrtum: für sie gelten genau die gleichen Bestimmungen wie für die im europäischen Frankreich Internierten.
Der neue englische Werbe-Aufruf.
Es scheint, so schreibt" die „N. G. C.", mit der Ausstellung des Millionenheeres voll Lord Kitchener immer noch nicht so schnell vonstatten zu gehen, wie man sich in England gewünscht hatte. Tag für Tag bringen die Londoner Zeitungen an hervorragender Stelle und in großen Buchstaben Aufrirfe. in denen alle wehrfähigen Männer ermähnt werden, in das Heer einzu- treten. Die neueste Fassung dieses Ausrufes lautet, wie wir der „Times" entnehmen, folgendermaßen: „An die Männer von England! Euer Vaterland weiß, daß es kein leichtes Opfer ist, welches es von Euch fordert. Ihr sollt nicht dafür getadelt werden, daß Ihr anderen, denen der Ruf des Vaterlandes näher ans Herz ging, den Vortritt gelassen habt. Nun aber ist an Euch die Reihe, Euch als Männer zu erweisen. Tut Ihr es, so wird Euer Vaterland nicht geringer von Euch denken, weil Ihr nicht früher herausgehen konntet. Prägt es Euch ein: wenn Ihr jetzt nicht freiwillig hinausgeht, so werdet Ihr und werden Eure Kinder und Kindeskinöer unfreiwillig zum Kriege gehen müssen, die noch viel schrecklicher als der jetzige sein werden. Euer Vaterland braucht Euch sofort! Laßt Euch noch-heute an- werben. Gott erhalte den König!" — Inzwischen nimmt die männliche Jugend Englands nach wie vor an den Futzball-Wettkämpfen munter teil und findet offenbar den Aufenthalt auf dem Sportplatz viel gemütlicher als den in den Schützengräben.
Vermischtes
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Zuchthaus für einen falschen Lüttichstürmer. Mit großem Raffinement hat der Schausteller Brodmann die Rolle eines tapferen Kriegers gespielt, bis sein Schwindel schließlich aufgedeckt wurde. Er war wegen feiner vielen Vorstrafen als Soldat 2. Klasse eingestellt worden, mußte aber entlassen werden, da er krank wurde. Der Anordnung, sich im Lazarett von Osnabrück zu stellen, kam er nicht nach. Er machte sich zunächst eigen- ächtig zum Feldwebel, indem er sich die Gradabzeichen „af seine Uniform nähte. Dann verschaffte er sich die eisernen Kreuze erster und zweiter Klasse sowie andere Ordensauszeichnungen und begann nun eine Schwindel- tournee durch das rheinische Jnbustrierevier. Wo der tapfere Feldwebel hinkam, wurde er hochgefeiert, es wurden ihm Geld und alle möglichen Liebesgaben in die Hand gedrückt, und die Gastwirte machten sich ein Vergnügen daraus, ihn umsonst aufzunehmen, zumal er den Gästen äußerst interessante Kriegserlebnisse schildern konnte. So wollte er mit wenigen Leuten ein Fort von Lüttich gestürmt und auf diesem die deutsche Fahne gehißt haben: dafür Habe er das Eiserne Kreuz erster Klasse erhalten. Schließt) kam doch ein Zweifelsttch- tiger, der genauere Nachforschungen nach dem sühnen Feldwebel anstellte und dabei, die Wahrheit ans Tageslicht brächte. Das Kriegsgericht in Oldenburg verurteilte den Schwindler jetzt zu zwei Jahren sechs Monaten Zuchthaus 600 Mark Geldstrafe und Ausstoßung
Gefährliches Kinderspielzeug Aus Bergen op Zoom meldet der „Telegraaf": Bei ihrem Abzug aus Antwerpen hatten die Belgier große Mengen voil Sprengmunition in den Wasserkanal am WÜrykischeil Tor geworfen. Am Donnerstag morgen holten nun spielende Kinder einen Teil dieser (Sprengstoffe heraus ließen sie trocknen und zündeten sie an. Bei der darauf folgenderr Explosion wurde eine große Anzahl von Kindern im Alter von 11 bis 13 Jahren schwer verwunde) in Kinder sind bereits gestorben.
Die Flüchtlinge von Döberitz. Die Namen der am Mittwoch aus dem Gefangenenlager Döberitz entflohenen und bisher rsicht ergriffenen vier russischen Gefangenen sind folgende: Unteroffizier Feodor Polmektow, Einjähriger Borns Mitkowicz, Einjähriger Peter Ni- mitz Iwanow und Soldat Sergej Comi Watenatze. Die Entflohenen^haben graue russische Uniformen mit Mantel und Mütze an. Auf dem linken Aermel befinden
sich bei beiden ersteren gelbe, bei beiden letzteren weiße mit gleicher Oelfarbe überstrichene Bandstreifen. Der Unteroffizier hat überdies ein Saiteninstrument, Bal- donka genannt, bei sich. Der Unteroffizier spricht nicht deutsch, der Einjährige Mitkowicz spricht kein fließendes und der Einjährige Iwanow ein gebrochenes Deutsch. Der Soldat Wateznatze, der ein auffallend hübscher Mensch von 22 Jahren ist, spricht etwas Deutsch.
Aus des Karpathen.
Borgestern war ein kritischer Tag erster Ordnung. Das 1. Bataillon unseres Regiments hat unter schweren Verlusten einen 800 bis 900 Meter hohen Berg -Kiwaberg) in den Karpathen erstürmt. Eine Kompagnie- der Oester- reicher war uns behilflich, kam aber später wie nur auf der Höhe an. Am 25, nachts 1 Uhr marschierten wir in unser Quartier ab. Nur drei Stunden lang ruhten wir in einer schlechten Scheune. Von Schlaf war bei mir, wie überhaupt schon seit Wochen keine Rede. Die Mannschaften sind infolge des anstrengenden Dienstes bis aufs äußerste erschöpft. Von nachts 1 Uhr marschierten wir ununterbrochen über die vereisten und verschneiten Berge und S(her der Karpathen bis abends 6 Uhr auf den Kiwaberg zu, wo die Russen äußerst starke Stellungen inne,hatten. Abends tarnen wir in fürchterliches Satvenfeuer der Russen, das uns viel Verluste beibrachte. Ein Glück, daß gleich-- zeitig unsere Artillerie einsetzte. Wie Mäuse kamen die Russen aus ihren Löchern heraus, jedesmal begrüßt von unserm Schützenfeuer. Bei Einbruch der Dunkelheit mußte die Artillerie leider ihr Feuer einstellen.
Wir lagen 400 Meter auf halber Bergeshöhe von den Russen entfernt Ich erhielt den Auftrag, mit einer Patrouille das Gelände vor uns daraufhin auszuruno- schaften, wie der Hang am besten zu nehmen sei. Zwischen uns und der russischen Stellung war ein schmaler Bergesrücken vollständig frei und von Schnee bedeckt. Nur rechts zog sich ein niedriges Gestrüpp hin. Die Russen hatten vollständig freies Schußfeld. Die Stellung schien uneinnehmbar, zum mindestens nur unter schweren Verlusten zu erobern, was ick) unserem Bataillonsführer meldete. Wir verbrachten die Nacht im Freien unter dem fortwährenden Feuer der Russen, die sehr wachsam waren. Um 8 Uhr abends erging der Befehl sich einzugraben, was bei dein durchfrorenen Boden sehr mühsam war. Mit einem Feldwebel und drei Mann gruben wir uns aber dennoch tüchtig ein. Ich schleppte mit zwei Mann von einer etwa eine halbe Stunde entfernten Ruine Heu herber, dann spannten wir unsere Zeltbahn über unser Mauseloch. Kaum waren wir fertig, als ein eisiger Regen einsetzte. Wir saßen verhältnismäßig warm, während die anderen Leute vollständig durchnäßt waren, als morgens 5 Uhr der Befehl erging, sich fertig zu machen und das Seitengewehr aufzupflanzen. Ich hatte, als der Befehl erging, mit meinem Leben bereits abgeschlossen. Frierend krochen wir in dem Schnee vorwärts. Die Russen merkten, daß wir ihnen zu Leibe wollten, und ein förmlicher Hagel von Geschossen sauste und zischte über uns hinweg. Wir hörten die Kommandos der Russen, worauf wir uns jedesmal zu Boden warfen. Trotz des heftigen Maschinengewehr- und Salvenfeuers arbeiteten wir uns immer weiter vor. Ich lag schließlich im Gestrüpp etwa 20 Meter von der russischen Stellung entfernt. Die Aeste wurden wie crbgemäsht und fielen auf uns. Meine Wolldecke sowie meine Zeltbahn, in der ich meine Wäsche hatte, wurden mehrfach von Geschossen durchlöchert, ich selbst blieb aber unversehrt.
Noch ein letzter Sturmangriff und mit lautem Hurra waren wir in der russischen Stellung. Ich war in den vordersten Reihen. Zwei Maschinengewehre und mehrere hundert Mann fielen in unsere Hände. Die Leistung unseres Bataillons war eine ganz besondere Ruhmestat. Die Oesterreicher sagten, so etwas hätten sie von uns doch nicht erwartet. Wir sind die Helden des xageS. Toomüoe marschierte das Bataillon ins Tal. Für mich gab es aber noch keine Ruhe. Ich mußte eine Meldung an den Obersten bringen. Ich verirrte mich, fand dann glücklicherweise in einem Ort jenseits des Klimas eine Fernsprechstelle, wo ich meinen Befehl telephonisch erstattete. Dann ging es mit einem Affen von etwa 70 Pfund und todmüde wieder über den Berg zurück. In der Nähe des Ortes, wo das Bataillon im Quartier lag, stieß ich auf einen etwa 20 Meter breiten Fluß im Tale, der zwar nicht tief, aber sehr reißend war. Ein Mann am jenseitigen Ufer rief mir zu, die Brücke sei von den Russen gesprengt. Ich mußte hinüberwaten. Nach den vielen Strapazen des Tages auch das noch. Zwei andere Leute ohne Gepäck zogen die Stiefel aus. Ich machte dies auch, um die Stiesel zu schonen. Dies war mein Verhängnis. Ich war 5 Meter in dem eisigen Wasser gewatet, da trat ich an einen wackligen Stein an einer tiefen Stelle. Ich fiel zur Veite, Kleidung und Ausrüstung war vollständig durchnäßt. Ich glaubte, meine Füße müßten abgefroren sein. Mit durchnäßter Kleidung, frierend vor Kälte, brächte rch meine Meldung vom Obersten zum Bataillonsführer und meldete mich beim Kompagnieführer zur Truppe zurück, und hatte wenigstens noch das Glück, in Quartier von unserem Feldwebel noch ein warmes Feuer vorzufinden, wo ich meine Sachen notdürftig trocknete. Noch heute bin ich aber noch feucht.
Ich wundere mich, daß man solche Anstrengungen! überhaupt aushalten kann. Wird ein langer Marsch zurückgelegt, so ist man durchnäßt vor Schweiß, dann steht man wieder stundenlang in der Kälte. Es geht trotzdem immer vorwärts. Heiße Kämpfe warten unser noch am Ausgang der Karpathen, vielleicht noch 20 Kilometer von hier. Ich hoffe, auch in diesen Kämpfen Glück zu haben. (Köln. Ztg.)
der SomoaMieschlol.
Er war der größte Taugenichts, den ich je gesehen, trotz der 36 Jahre, die er schon auf dem Buckel hatte. Nicht als ob er ein schlechter Kerl gewesen wäre, doch war er leichtsinnig durch und durch, und seine Streiche streiften immer dicht die Grenze des Erlaubtet!. In der Kompagnie hieß er nur der Kompagnieschlot, und der Name hatte sich eingebürgert, daß die wenigsten seinen rechten Namen mußten. Schon von Anfang an war er dabei, viele Gefechte hatte er mitgemacht und war, obgleich er mit der Nase vorneweg war, stets un= verwundet geblieben. Im Dienste war ihn nichts nach- zusagen,- das war sein Stolz. „Was ich sonst tue und lasse, sind Privatangelegenheiten, die gehen keinen Teufel was an," war die Antwort auf Vorhaltungen, die ihm der eine oder andere Kamerad manchmal machte. In seine „Privatangelegenheiten" ließ er sich auch nicht gerne hineingucken, das machte er mit Untern eigenen Gewissen ab. Und sonderbar, er wußte sein und der andern Gewissen immer zu beschwichtigen. Wie manche Gans oder Ente, wie manches fette Huhn wurde kurzerhand von ihm „requiriert" und war im Handumdrehen zubereitet. Stets sonnte er beweisen, daß er für die Ware auch bezahlt habe. Was und wieviel, war wieder seine Sache. Man brauchte nur nach irgend etwas Erreichbarem ein Gelüst zu haben, der Kompagnieschlot war der Mann, an den man sich in diesem Fall wenden mußte. Er besorgte und beschaffte alles und nie um Lohn, sondern, wie er sagte, aus reiner Nächstenliebe. Diese Nächstenliebe wandte sich auch gern den Dorfschönheiten in Holzschuhen und roten Strümpfen zu. Er hatte viel Glück, denn ein netter Kerl war er und schwatzen konnte er wie eine Elster. Stießen seine Eroberungsversuche auf Widerstand so stellte er alles mögliche an, um die
Gunst der Schönen zu erringen. So ließ er sich, keine Ahnung von Landwirtschaft und Viehzucht ya einmal herbei, eine Kuh zu melken. Das arme dem er dabei wehtat, gab ihm einen so kräftigen Tritt, daß er mitsamt Melkkübel und Schemel an die Stallwand
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flog und zwei Tage dienstunfähig war. Das war auch das einzige Mal, daß er fehlte, sonst machten ihm die größten Strapazen nichts aus. Die beste Weinnase in der ganzen Kompagnie hatte er, der Kompagnieschlot. Wollte man einen guten Tropfen haben, so ging unbedingt der Weg zu ihm.
So war unser Kompagnieschlot eigentlich ein beneidenswerter Mensch, stets guten Mutes, sogar in den von Nässe und Dreck starrenden Schützengraben, und tets gut verproviantiert, dank seinem Talent. Und doch ah es in seinem Innern nicht so aus wie er äußerlich chien. In einer mondhellen Dezembernacht, kurz vor Weihnachten, als wir zusammen auf Wache standen, schüttete er mir sein Herz aus. Er war ein uneheliches Kind, und das war der große Schmerz seines Lebens. Seine Mutter, die er von Herzen lieb hatte, war gestorben, als er ein Junge von 10 Jahren war. Von da an wurde er von fremden Leuten erzogen und lieblos herumgestoßen, jedem zuviel und niemand recht. So wurde er der Schlot, der Mensch, dem seine Kameraden und Vorgesetzten den Spitznamen gaben, und den dock jeder gern hatte, der doch allen ein guter Kamerad war . .. Und nun ist er tot, und die Kompagnie trauert um ihn, um ihu, den Kompagnieschlot!
Es war bet einem Sturmangriff. Der Gegner wckr auf seiner Hut, es regnete förmlich Geschosse auf uns herab, und wir mußten zurück, in unsere Schützengräben. Zähneknirschend zwar, doch notgedrungen. Noch sehe ich den Kompagnieschlot vor mir, wie er aufrechten Ganges, das Gewehr lässig geschultert, mit verbissenem Trotz im Gesicht, das um 10 Jahre älter schien, zurückging. Die Geschosse umschwirrten ihn: ohne ihrer zu achten ging er weiter, weiter dem Schützengraben zu. Die Kameraden waren schon dort, als er kam, waren schon geborgen und dankten ihrem Gott, daß sie dem verheerendem Feuer entgangen maren. Einige von der Kompagnie fehlten, lagen in näherer oder weiterer Entfernung auf dem Felde, tot, starr . .. Doch was ist das, regt sich nicht einer der Kameraden da, fast 100 Meter vor den Schützmigräben, streckt er nicht Hilfe- heischend die Hände nach uns aus, nach uns, seinen Kameraden? Versucht er nicht vorzukriechen, und sinkt immer wieder ermattet hin? Wir sehen uns an, tiefernst — stumm — traurig! Will feiner, Wahnsinn tst's, alle beide wären geliefert! Noch stehen wir, noch starren unsere Augen, starren schmerzerfüllt, kein Schuß fällt von unserer Seite, kein Finger berührt den Abzugsbit- gel. Noch immer liegt dort vor der Front der verwundete Kamerad, Hilfe heischend, hoffend, und toller denn vorher umsummen uns Geschosse.
Will denn keiner? Doch da schwingt sich schon einer über den Graben, in kurzen schnellen Sprüngen fliegt er über das Feld, eilt auf den verwundeten Kameraden zu. Der Konwagnieschlot ist's, ohne Gewehr, um die Hände frei zu haben. Die Geschosse umschwirren ihn hageldicht, jetzt zuckt er zusammen. Hat's chn gepackt? — Ja . . . nein? Doch weiter eilt er, wirft sich nieder, eilt weiter! Jetzt hat er den Verwundeten erreicht, ein kurzes Bücken, und nun schleppt er die schwere Last den Schützengräben zu. Fast hat er sie erreicht, nur noch einige Meter trennen ihn von uns, die mir mit heißen, brennenden Augen sein heldenmütiges Tun n^Ttoinen. da ereilt auch ihn das '
mit heißen, trennenden Augen iem yeioenmuriges xuit verfolgen, da ereilt auch ihn das Geichick, trifft auch ihn die Kugel, die seinem Leben ein Ende macht. Noch im Niedersinken gilt seine Sorge dem geretteten Kameraden, den er mit seinem Körper gegen die Geschosse deckt . . .
In der Nacht haben wir ihn begraben, unter einer Tanne gruben mir sein letztes Bett. Schweigend stand die Kompagnie in ihre Mäntel gehüllt, schweigend in weher Trauer. Noch klingen mir die Worte unseres Hauvtmanns in den Ohren, die dem Kompagnieschlot — dem Helden galten . . . „Schlaf wohl Kamerad, nie vergessen mird dich die Kompagnie, möge die Erde dir leicht sein." (Köln. Ztg.)
Weitere Drahtnachrichten,
Erkrankung des Großherzogs von Baden.
Karlsruhe, 20. Februar. (WTB.) Nach dem gestrigen Hofbericht leidet der Großherzog seit vorgestern an einer Erkältung mit leichten fieberhaften Erscheinungen, die ihn nötigt, sich für einige Tage Schonung auszuerlegen.
Kanzlerbesuch im österreichischen Hauptquartier.
Wien, 19. Februar. (Meld. ö. W. K. K. Telegr.-Cor- resp.-Bur.) Der Minister des Aeußern Baron Burtan begibt sich Hente abend in Begleitung des Legationsrates Grafen Hoyos an den Sitz des Armeeoberkommandos. Dort trifft morgen früh auch der Reichskanzler v. Bethmann Hollweg ein, um den Besuch zu erwidern, den Baron Burian vor kurzem im deutschen Hauptquartier abgestattet hat.
An der belgischen Küste.
s-c- Berlin, 20. Februar. Die „Voss. Ztg." meldet aus Amsterdam: Am Mittwoch unternahmen die Deutschen trotz des schlechten Wetters nachmittags einen neuen Angriff aus Lombartzyde. Den ganzen Tag donnerten die Kanonen. Südlich Upern setzte in den letzten Tagen die englische Offensive ein, um zu versuchen, die von den Deutschen eroberten Laufgräben zurückzunehmen.
Bei der deutschen Schneeschuhtruppe.
^ Zürich, -20. Februar. (WTB.) Oberst Müller schildert in der „Neuen Züricher Zeitung" einen Besuch bei der deutschen Schneeschuhtruppe. Die Mannschaf- teu machen einen vorzüglichen Eindruck. Unter den Offizieren und Unteroffizieren befinden sich die besten in der deutschen Sportswelt wohlbekannten Schneeschuhläufer. Ich nahm den Ausdruck mit, sagt Oberst Müller, daß die deutschen Schneeschuhtruppen emen Ausbildungsstand erlangt haben, der üe befähigt, die von ihnen geforderte Arbeit im Winterkrieg nach jeder Hinsicht voll zu leisten.
Englische Preise auf deutsche Unterseeboote
Amsterdam, 20. Februar. (WTB.) „Hanöels- blad" meldet: Die britische Admiralität erklärt, eine Belohnung von 1000 Pfund Sterling für die Vernichtung eines feindlichen Unterseebootes auszusetzen und eine solche von 500 Pfund für Nachrichten über Bewegungen feindlicher Schiffe. Die Belohnung von 500 Pfund, die das Fachblatt „Syren and Shipping" für den ersten britischen Dampfer, der ein deutsches Unterseeboot versenkt, aussetzt, ist inzwischen durch Beiträge mehrerer Reeder auf 1160 Pfund erhöht worden. Ein Reeder setzte eine Belohnung von 500 Pfund für das zweite Handelsschiff aus, das ein feindliches Unterseeboot vernichtet.
Ein neues Kabinett in Persien?
tag* Konstantitlopel, 20. Februar. (WTB.) Ein hiesiges persisches Blatt ersährt aus Teheran, daß das persische Kabinett in nächster Zeit demissionieren dürfte als natürliche Folge der Aenderung in der Haltung Persiens, dessen Neutralität mehr und mehr unmöglich wird.