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tzersfel-er Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

L.» -------------------------------------------------------

für den Kreis Hersfeld

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im jllEiSBIIlIl amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­

holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Nr. 43.

Sonnabend, den 20. Februar

1915

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich auf der letzten Seite.

I Wer Brotgetreide verfüttert, versündigt sich am Vaterlands u. macht sich strafbar.

Bus der Heimat

* (Die Anmeldepflicht.) Der Polizeibericht schreibt: Es wird erneut darauf aufmerksam gemacht, daß nach § 7 und 8 der Polizeiverordnung über das Meldewesen für die Dauer des Kriegszustandes jeder zur Meldung Verpflichtete sich nach Möglichkeit Ge­wißheit über die Richtigkeit der Angaben des Anzu- meldenden verschaffen muß. Weigert sich der Fremde, die erforderlichen Angaben zu machen, oder hegt der zur Meldung Verpflichtete Zweifel über die Richtig­keit der Angaben, so ist sofort das zuständige Polizei­revier, möglichst telephonisch, zu verständigen. Letzteres ist besonders erforderlich, wenn hinsichtlich der Richtig­keit oder der Echtheit der Papiere Zweifel entstanden sind. Die Meldungen auf dem vorgeschriebenen Formular müssen deutlich und lesbar geschrieben sein. Die Spalten, betreffend den Vor- und Zunamen, den Beruf und die Staatsangehörigkeit sind von den Fremden eigenhändig zu schreiben. -Bei unleserlicher Schrift sind die Eintragungen vom Wirt ohne weitere Aufforderung noch einmal nachzutragen. Jede Person muß einzeln auf einem besonderen Blatt an- und ab­gemeldet werden; nur Familien d. h. Ehegatten und Kinder, sind auf einem Zettel zusammen anzumelden.

* Dem Kriegsausschuß für warme Unterkleidung E. V. Berlin,Reichstagsgebäude, gehen dauernd aus allen Teilen des. Reiches Anfragen darüber zu, was mit den Geldern zu geschehen hat, die aus dem Verkauf der bei der Reichswollwoche entstandenen Lumpen und Abfälle eingegangen sind. Wie der Kriegsausschuß für warme Unterkleidung bereits in seinem Rundschreiben an die unteren Ver­waltungsbehörden vom 24. Januar d. J. mitgeteilt hat, können diese Beträge zunächst dazu verwendet werden, um die bei der Herstellung der Jacken, Hosen und Westen erwachsenen Kosten, sowie die bei der Reichswollwoche entstandenen allgemeinen Unkosten zu decken. Soweit sich nach Deckung dieser Kosten noch ein Ueberschuß ergibt, wird dieser den allge­meinen Absichten der Spender der Reichswollwoche entsprechend wohl nur dazu verwendet werden können, um neuerdings für die Truppen warme Sachen herzustellen oder anzukaufen. Der Kriegs­ausschuß für warme Unterkleidung, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, ausgleichend für alle Truppen­teile zu sorgen, ist gern bereit, die danach aus der Reichswollwoche verbleibenden Beträge anzunehmen und sobald wie möglich zu dem vorgedachten Zwecke selbst zu verwenden.

* (Die Mehlversorgung.) W. T. B. meldet amtlich aus Berlin: In der Uebergangszeit, bis die Mehlzuweisung vollständig in Tätigkeit ist, haben sich manchenorts Stockungen in der Mehlversorgung ge­zeigt, wobei es nicht an Mehl überhaupt, sondern nur an Roggenmehl fehlt. Um derartige Verlegenheiten zu beseitigen, hat der Bundesrat den Landeszentral­behörden oder den von ihnen bestimmten Behörden die Befugnis gegeben, die einschlägigen Vorschriften schriften über das Ausmahlen von Brotgetreide sowie über die Bereitung von Backware vorübergehend im Falle eines dringenden wirtschaftlichen Bedürfnisses abzuändern. Die Behörden sollen ermächtigt werden, je nach den Umständen vorzuschreiben, daß dem Weizenmehl nicht 30, sondern z. B. nur 15 Prozent Roggenmehl zuzumischen sind oder daß tue Backer der der Bereitung von Weizenbrot an Stelle des Roggen­mehlzusatzes einen Zusatz von Kartoffel-, von Gerste- mehl und Maismehl, Hafermehl oder ähnlichem zu verwenden haben.

* (Paketverkehr mit der Front.) Auf Grund der Erfahrungen, die bei den bisherigen Ver­suchen gewonnen sind, hat die Heeresverwaltung eine Umgestaltung des Paket-Verkehrs nach der Front ms Auge gefaßt. Vor allem soll eine größere Glerch- mäßigkeit dadurch erreicht werden, daß die AMitar- Paketdepots dauernd geöffnet bleiben. Als oberste Gewichtsgrenze sind 50 kg festgesetzt, sodaß für die hier in Frage kommenden Bedürfnisse kaum noch Beschränkungen bestehen werden. Auch ist beabsichtigt, einen Paket-Verkehr von der Front nach der Heimat in gewissen Grenzen zuzulassen. Das Inkrafttreten der schon seit längerer Zeit beschlossenen Neueinrichtung mußte etwas verschoben werden, weil die Ausar­beitung und Zuführung der ungeheuren Massen von Weihnachtspaketen infolge der Kämpfe der letzten Wochen große Schwierigkeiten bereitete. Für die Zwischenzeit wurde dem dringendsten Bedürfnis durch dauernde Zulassung der 1 Pfund-Briefe Rechnung getragen. Nach dem westlichen Kriegsschauplatz wird

der Paket-Verkehr am 22. Februar freigegeben. Die Veröffentlichung der näheren Bestimmungen hierüber erfolgt demnächst. Die Zulassung des Paket-Verkehrs nach dem östlichen Kriegsschauplatze hängt von dem Fortgang der dortigen Operationen ab und wird s. Zt. bekannt gegeben werden.

*Ein Reuterunternehmen ist die An- noncen-Expedition A. de La.. Mar in Amsterdam, deren Leiter zugleich Direktor des Reuter-Bureaus für Holland ist. Das Unternehmen ist damit zugleich ein Hauptherd der Lügen, die unsere Feinde in Hol­land über uns verbreiten. Deutsche Inserenten sollten dieses deutschfeindliche Unternehmen nicht unterstützen!

):( Hersfeld, 19. Februar. Das Zu nehmen der Tage ist nun doch schon recht fühlbar. Man wacht morgens bereits bei notdürftiger Tagesbe­leuchtung auf und kann sich eher von der Lampe frei machen, die in diesem Winter wegen ihres Petroleum­hungers ein recht lästiger Hausgast war. Auch abends macht sich die Tageslichtzunahme schon sehr bemerkbar. Größer aber noch ist der Einfluß, den das länger an­haltende Tageslicht auf Nerven und Körper ausübt. Man atmet förmlich befreit auf, daß die dunkle Winterzeit wieder einmal vorüber ist. Das belebende Sonnenlicht verleiht neue Kraft und Frische, neuen Lebensmut nnd selbst neue Hoffnungskraft. Wir können .tatsächlich beobachten, daß der kommende Frühling auch die Zahl unserer Kriegspessimisten ab­nehmen läßt, die im Winter nicht genug darin tun konnten, mit besorgter Faltenmiene ihrer Mitwelt die frohe Zuversicht zu verekeln.

):( Hersfeld, 19. Februar. Zu Oberleutnants be­fördert wurden Leutnant d. R. Braun, Jnf. Regt. Nr. 32; Oberleutnant d. R. Leutnant d. R. Rechts­anwalt Schafft.

):( Hersfeld, 10. Februar. Gegen 8 Uhr heute früh trafen etwa 800 junge Leute aus dem Elsaß hier ein, um bei dem am 15. ö. Mts. hier gebildeten L a n ö - sturm-Bataillon eingestellt und ausgebildet zu werden.

Niederhone, 17. Febr. Der gesamte, zurzeit in der hiesigen Zuckerfabrik lagernde Rohzucker, 14 000 Zentner, ist von der Kreisverwaltung zum Preis von 12 Mk. für den Zentner angekauft, um den Pferde­besitzern des Kreises ein passendes und preiswertes Ersatzfuttermittel, das mit Torfmüll vermischt wird, für die beschlagnahmten Haferbestände zu liefern.

Eisenach, 18. Febr. Das spurlose Verschwinden von fünf Kindern aus Marksuhl, das in dem Orte viel Aufsehen erregt hat und Kummer und Sorge über die betreffenden Familien brächte, hat schnell eine glückliche Aufklärung gefunden. Wie der Ge­meindevorstand von Marksuhl mitteilt, sind die ver­mißten Kinder wieder nach Hause zurückgekehrt. Wo sich die Ausreißer während der ganzen Zeit herum­getrieben haben, hat man noch nicht ermitteln können.

Eisenach, 15. Februar. Im Anschluß an die letzte Gemeinderatssitzung bewilligten die städtischen Be­hörden zum Ankauf von Dauerware 500 000 Mk.

Die preubischen SuarfoRen im Jahre 1913.

Das Königlich preußische Statistische Landesamt veröffentlicht soeben eine eingehende Untersuchung über den Geschäftsbetrieb und die Ergebnisse der preußischen Sparkassen im Rechnungsjahre 1913. Aus dieser Arbeit heben wir folgendes hervor:

Die Anzahl der Sparkassen betrug im Rechnungs­jahre 1913 1765, gegenüber 1760 im Jahre 1912. Von diesen 1765 Sparkassen waren 810 städtische (gegen 804 im Vorjahre), 287 Landgemeinde- usw. Sparkassen (wie im Vorjahre), 486 Kreis- und Amtssparkassen (485), 6 Provinzial- und ständische (wie im Vorjahre) und 176 Vereins- und Privatsparkassen (178). Zu den 1765 Sparkassen gehören 926 Filial- oder Nebenkassen und 4342 Sammel- oder Annahmestellen bei einem Zugänge von 112 bezw. 30. Sparstellen überhaupt waren also 7033 gegen 6886 im Jahre 1912 und zwar in 5577 Orten (gegen 5472 Orte im Vorjahre) vor­handen. Es kam somit eine Sparstelle auf 49,84 gkm gegen 50,90 qkm im Jahre 1912 sowie auf 5987 Ein­wohner gegen 6021 im Jahre 1912. Die meisten Sparkassen hat die Rheinprovinz (263),-es folgen Schleswig-Holstein (222), Westfalen (217), Schlesien (212), Hannover (183), Sachsen (148) Brandenburg (124), Posen (94), Pommern (92), Hessen-Nassau (86), Ostpreußen (67), Westpreußen (54), Berlin (2) und Hoheuzollernsche Lande (1).

Sparkassenbücher waren 14 417 642 im Umlauf. Gegen das Vorjahr stieg die Zahl der Bücher von je 100 auf 104. An gesperrten Sparkassenbüchern waren 246 844 verzeichnet.

Die Einlagen betrugen am Schluß des Berichts­jahres 13111268 062 Mk., gegenüber dem Jahre 1912 nahmen sie um 678 778188 Mk. zu. Auf den Kopf der Bevölkerung Preußens kamen an Spareinlagen 311,38 Mk., gegen 299,86 Mk. im Vorjahre.

Außer dem eigentlichen Sparkaffenverkehr hatten

295 Sparkassen einen Kontokorrentverkehr mit ihren Sparern eingerichtet und«zwar 133 städtische, 55 Land­gemeinde- usw., 92 Kreis- usw., 3 Provinzial- usw. und 12 Vereins- und Privat-Sparkassen. Die Höhe der Kontokorrenteinlagen am Schlüsse des Rechnungs­jahres belief sich bei den Sparkassen überhaupt auf 64 787 481 Mk.; hieran waren beteiligt die städtischen mit 25 588 898 Mk., die Landgemeinde- usw. mit 6 640 515 Mk., die Kreis- usw. mit 12 667175 Mk., die Provinzial- usw. mit 17 778 398 Mk. und die Vereins- und Provinzialsparkassen mit 2112 493 Mk.

Als Reservefonds waren vorhanden 622 994 469 Mark gegen 620 382 561 Mk. im Vorjahre.

Für öffentliche Zwecke überhaupt waren seit dem Bestehen der Kassen bis zum Schlüsse des Berichts­jahres 520 528 831 Mk. aufgewendet worden, davon 25 043 359 Mk. im letzten Rechnungsjahre 1913.

Die Verwaltungskosten sämtlicher Kassen in Höhe von 24 736 889 Mk. stellen sich auf 0,19 v. H. der Einlagen.

Durch die Lupe.

(Ein Stückchen Zeitgeschichte in Versen.)

Mancher, der noch vor dem Kriege sich mit stolz geschwellter Brust in der Ueberzeugung sonnte, daß er gut Bescheid gewußt, daß bei jeglichem Ge­spräche er imstande, teilzunehmen, mußte seit Beginn des Krieges nachzulernen sich bequemen. Von den Dingen, die inzwischen langsam wir be­griffen haben, hier nur eine kleine Liste: Unter­stände, Schützengraben, Handgranaten, Minen- werfer, Gulasch speiendeKanonen", Feldpost­briefe, Fliegerpfeile, Explosiv-Dum-Dum-Patronen, Bomben uns'rer Zeppeline, 42er Granaten, Unterseeebotsabenteuer, Kreuzer Emdens Helden­taten, Wasser-, Streu- und Flatterminen, Eng­lands Draht- und Kabellügen, die sich leider nicht bewährten, um uns damit klein zu kriegen, Konterbande, Schiffsblockaden und im traulichen Vereine K.-Brot und Kartoffelkuchen, bunte Darlehnskassenschetne, Scherenfernrohr, Panzerzüge, Sappenkunst von Pionieren, eingegrab'ne Batte­rien und Torpedos zum lanzieren, ständige Terraingewinne", welche die Franzosen künden und bei denen wir uns jetzt schon nahe bei Paris befinden, belgische und Russenstädte, die unmög­lich auszusprechen, will man nicht dabei die Zunge und die Zähne sich zerbrechen, Drahtverhaue, Liebesgaben, Kugeln streuende Schrapnelle, Festungsbau, Erkundungsflüge, Schußbeobachtungs- gestelle, Staaten, die neutral sein wollen und auch solche, die es sind, alles das kennt heutzutage in der Schule schon das Kind, alles haben wir begriffen bloß in einem halben Jahr und man lernt erst heut verstehen, wie man früher dämlich war! Walter-Walter.

In einem russischen Schützengraben ist das nach­folgende Gedicht entstanden, das einen einfachen Hand­werker zum Verfaffer hat:

Der Reservesoldat an seine Frau.

Laß ich in diesem Kampf das Leben Liebste, weine nicht lange um mich! Laß dir sagen laß dich erheben: Sterb" ich fürs Vaterland, sterb" ich für dich!

Während wir kämpften, wart ihr im Frieden, Fremdes Land hat der Krieg nun zerstört,

Daß euch sichere Ruhe beschieden,

Ist des Opfers der Männer wert.

Deutschlands Macht unseres Volkes Ehre

Und unsrer alten Helden Ruhm Hängen am Griff unsrer scharfen Wehre, Sind unser leuchtendes Heiligtum.

Laß ich in diesem Kampfe das Leben, Weih" nicht zu viele der Tränen mir.

Wird eine Kugel den Tod mir geben, Gilt mein letzter Gedanke nur dir!

Daß getreuliche Kunde dir werde, Meldet dir dann wohl ein Kamerad: Fern von hier, in russischer Erde, Ruht euer Liebster, der Reservesoldat.

Schmückte mit Zweigen den schneeigen Hügel, Und aus Holz ein Kreuz tch^ihm schlug,

Legte darüber Scheide und Säbel, Drauf den Helm, den in Ehren er trug."

Wirst dann später den Kleinen erzählen.

Stolz und freudig und schmerzensfrei:

Als es gegolten das Reich neu zu stählen,

Da war auch euer Vater dabei!"

Ich seh" die Augen des Jungen glänzen,

Seh" im Geist seine Wangen glühn,

Geht"s einst zu neuen Kriegestänzen, Wird er statt meiner den Säbel ziehn!

Laß ich in diesem Kampfe mein Leben,

Nimm dieses Wort gar tröstlicher Art:

Freudig hat er es Hinaegeben

Für dich und für Deutschland-der Reservesoldat!